Test über Hintergrundrauschen soll sichere ADHS-Diagnose ermöglichen

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mrone1
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Test über Hintergrundrauschen soll sichere ADHS-Diagnose ermöglichen

Beitragvon mrone1 » 20. April 2015 20:01

Wissenschaftler haben einen Zusammenhang zwischen ADHS und verstärktem Hintergrundrauschen herausgefunden. Die Forscher haben das Rauschen in den Nervenzellen der Netzhaut gemessen, die ein vorgelagerter Teil des Gehirns ist. Bei den erwachsenen Testpersonen mit ADHS war das Rauschen verstärkt.  Nun besteht Hoffung für eine objektive ADHS-Diagnose im Gehrin.

Der Bericht: http://www.uniklinik-freiburg.de/nc/presse/pressemitteilungen/detailansicht/presse/425/
Der wissenschaftliche Publikation: http://www.plosone.org/article/fetchObject.action?uri=info:doi/10.1371/journal.pone.0118271&representation=PDF

Dies finde ich sehr spannend, denn wenn sich dies wirklich bestätigen würde, dann würde es vielleicht auch den Diskussionen um die Existenz von ADHS eine Ende setzen.

Was denkt ihr darüber? Wäre ein solch objektives Testverfahren realistisch?  Anscheinend ist ja diese Messmethode bereits in der Augenheilkunde etabliert.Musste jemand von euch schon so einen Test machen wegen eines Augenleidens?
Falschparker
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Re: Test über Hintergrundrauschen soll sichere ADHS-Diagnose ermöglichen

Beitragvon Falschparker » 20. April 2015 20:59

Hallo,

wir haben dieses Thema hier schon:
http://www.adhs-anderswelt.de/http://lo ... ic.php?t=6

Ich bin da sehr misstrauisch. Denn es ist durchaus realistisch, dass bestimmte körperliche Marker vom aktuellen Leidensdruck der konkreten Person unabhängig sind. Und bei der Technik- und Messwertgläubigkeit vieler Mediziner kann es dann heißen: Du hast kein ADHS, der Wert wird nicht erreicht. Oder: Das kann nicht sein dass das Medikament nicht hilft, deine Werte sind schon verbessert.

Andersrum könnte es sein, dass Menschen hohe Werte erreichen, die im Leben überhaupt keine Probleme haben. Psychische Gesundheit ist nicht objektivierbar.

Man kann ja auch die Zahl der Dopamintransporter bestimmen. Das ist sehr aufwändig (zu aufwändig für die normale Diagnostik), aber in der Forschung sehr aufschlussreich. Auch dabei wurde festgestellt, dass man damit nur statistische Wahrscheinlichkeiten, aber nicht unbedingt die aktuelle ADHS-Betroffenheit feststellen kann. 

Verfahren, die die Aufmerksamkeit von Ärzten hin zu Messwerten und weg von dem, was ihre Patienten zu erzählen haben, lenken, finde ich nicht unbedenklich.

Natürlich sollten die Forscher weiterforschen, klar. Aber keine unrealistischen Erwartungen wecken.
Zuletzt geändert von Falschparker am 20. April 2015 21:00, insgesamt 1-mal geändert.
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Elchi
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Re: Test über Hintergrundrauschen soll sichere ADHS-Diagnose ermöglichen

Beitragvon Elchi » 20. April 2015 21:41

Da kann ich Falschparker nur zustimmen.
Bis vor Kurzem dachte ich auch noch, wenn man das mit irgendwelchen Laborwerten bestimmen könnte, würde diese endlose Diskussion, auch über falsche Diagnosen, endlich aufhören.

Seit meine Tochter ein Schilddrüsenproblem hat, kenne ich die andere Seite. Ettliche Ärzte waren der Meinung, sie könne keine Probleme haben, da ihre Blutwerte nicht deutlich außerhalb der Grenzwerte liegen.
Trotzdem hatte sie aber Probleme und wir haben zum Glück einen Arzt gefunden, der sich am Befinden und nicht nur an Laborwerten orientiert. Mit Medikamenten geht es ihr jetzt schon deutlich besser, obwohl sie die nach den Leitlinien eigentlich garnicht hätte bekommen dürfen.

Alles nicht so einfach  :grübel:

LG
Elchi
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Hanghuhn
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Re: Test über Hintergrundrauschen soll sichere ADHS-Diagnose ermöglichen

Beitragvon Hanghuhn » 21. April 2015 05:41

@Elchi, mir ging es ähnlich Deiner Tochter. Die SD-Werte deuteten aauf eine "leichte" Unterfunktion, die man nicht unbedingt behandeln müsse. Der dicke Knoten, den ich dann bekam, sagte etwas anderes. Ich denke, dass es da enen weiteren unentdeckten oder wenig beachteten Indikator gibt. Vielleicht gibt es da auch noch mehrere.

Ich wäre schon froh, wenn es mehr Anhaltspunkte für das Vorhandensein von AD(H)S gäbe. Diese Gespräche beim Psychiater stützen sich zum größten Teil auf die eigene Wahrnehmung, die - wie wir wissen - auch verzerrt sein kann, und auf die Wahrnehmung anderer, die je nach Enge der Beziehung gut oder nicht so gut ist und u. U. von Vorurteilen geprägt ist.

Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dieses Hintergrundrauschen der einzige Indikator ist. Dafür sind die Probleme, mit denen wir zu kämpfen haben, und die Ausprägungen dieser Probleme zu unterschiedlich.

Was bedeutet Hintergrundrauschen eigentlich?  - Ich weiß, kann man ja nachlesen. Ich frage mich, wieso da so schnell geschrieben steht (man hat den Zusammenhang mit AD(H)S ja gerade erst entdeckt), dass es die Ursache von AD(H)S ist. Wieso kann es nicht auch eine Wirkung sein, die als Indikator dienen kann?
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 21. April 2015 05:48, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn

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