Selbst testen lassen?

Erwachsene u. Kinder
Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Antworten
Malefica
Pagemaster
Beiträge: 96
Registriert: 26. September 2014 08:47

Selbst testen lassen?

Beitrag von Malefica » 17. November 2014 08:57

Guten Morgen,

nachdem die Behandlung meines Sohnes nun am Laufen ist, bin ich am Überlegen ob ich selbst versuchen sollte mich testen zu lassen.

Je mehr ich nun über AD(H)S erfahre, desto mehr Punkte finde ich, in denen auch ich mich wiedererkenne....und es scheint ja nun nicht so ganz untypisch dass die Eltern da auch was vererbt haben.

Es gibt nun hier in meiner Nähe tatsächlich auch eine Spezialambulanz für die Diagnostik von Erwachsenen....lese ich mir die Internetseite durch, so steht aber als ein Punkt:
"Ein Nachweis der Symptome in der Kindheit ist dabei zu erbringen. Zeugnisse und Angaben der Eltern spielen eine wesentliche Rolle."

Hier wird es schwierig. Erstens hatte ich z.b. in der Grundschule durchweg gute Leistungen und das Unbeständige fing erst an den weiterführenden Schulen an...zweitens bin ich mir ziemlich sicher, dass meine Mutter da ein anderes Bild hat als ich in meiner Erinnerung.
Ich war ein sehr ruhiges, zurückgezogenes, schüchternes Kind im Grundschulalter, war aber auch sehr motiviert und fleissig, somit gab es da eigentlich keine schulischen Probleme. Die gab es für mich z.b. eher auf dem Pausenhof, wo ich mich immer ausgegrenzt und "anders" gefühlt habe. Geredet habe ich aber darüber nie.
Das wäre ja, wenn man so liest....eigentlich schon ein Ausschluss-Kriterium. Und da frage ich mich nun, soll ich es trotzdem versuchen?
graffiti
Foruminventar
Beiträge: 3498
Registriert: 10. März 2009 10:25

Re: Selbst testen lassen?

Beitrag von graffiti » 17. November 2014 09:49

geh trotzdem hin.
gerade mädchen, die nicht zufällig hyperaktiv sind, sind als kinder nach außen oft unauffällig.

kannst du mal deine mutter - einfach so, ohne ihr den hintergrund zu erzählen - fragen, wie sie dich als kind erlebt hat?
ich dachte immer, ich sei superangepaßt und problemlos gewesen.
im nachhinein stelle ich fest, daß meine mutter mit mir wohl heillos überfordert war - und das nicht erst, als ich anfing zu pubertieren.

meine zeugnisse aus der grundschulzeit überschlagen sich vor guten noten (und gutem benehmen), aber: unleserliche schrift, mangelnde konzentration und sehr leichte ablenkbarkeit usw. sind durchaus dokumentiert.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
Benutzeravatar
Kaina
Foruminventar
Beiträge: 3812
Registriert: 8. Juni 2009 21:27

Re: Selbst testen lassen?

Beitrag von Kaina » 17. November 2014 23:34

Die Frage ist: warum willst du die Testung?
Mehr aus Neugier oder hast du Probleme, für die du eine Lösung suchst?

Dagegen spricht eigentlich garnichts. Was du geschrieben hast, könnte locker von mir stammen :))

Graffiti kann ich mich auch anschließen
(übrigens: "Betragen: gut" auf dem Zeugnis, und dass,
obwohl die damalige Lehrerin mir häufig und gerne mit dem Rohrstock auf die Hände kloppte,
oder mich "Zwangsversetzte wegen störendem Gebabbel oder Widerworten")


Was ich nicht mit ADS in Zusammenhang gebracht hätte, bis unser Kipsy uns danach fragte bzw. darüber informierte:
meine erstaunliche Unfallneigung (meine Kids übrigens auch). Ständig war ich voller blauer Flecke oder Schrammen, Verstauchungen, aus- oder angeschlagene Zähne, Brandwunden, Gehirnerschütterung, massive Prellungen etc.

Nee. Jugendamt wurde nicht auf den Plan gerufen, aber die Nachbarn petzten öfters mal bei uns:
wenn sie mich vom Baum oder einer hohen Mauer gepflückt hatten, oder ich meinen Puppenwagen zur Seifenkiste umfunktioniert hatte :floet:
(jipp, eigentlich braver, ziemlich unauffälliger ADSler, aber der Hypie kam hier und da doch durch. Hab' ADS-Mischform)

Wenn du meine Mutter fragen würdest, würde sie je nach Stimmung
irgendwas von  "immer so brav" sagen
(vllt. war ich ihr Kontrast zu meiner Schwester, die, ähem, wilder war  :icon_mrgreen:) ,
oder nur "ogottogott frag' nicht".

Die Welt hat sich mit der Diagnose nicht verändert und dann wieder doch - ich lebe jetzt sehr viel entspannter mit mir,
weil ich mich mit mir selbst aussöhnen konnte.

Liegt aber auch daran, dass ich (neben gefühlten 1000 Büchern, Infos von den Doks etc.)
hier so viel lese, und immer wieder denken muss: Jo, passt.
Zuletzt geändert von Kaina am 17. November 2014 23:36, insgesamt 1-mal geändert.
"Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische." (K.Valentin) 
Bild
Malefica
Pagemaster
Beiträge: 96
Registriert: 26. September 2014 08:47

Re: Selbst testen lassen?

Beitrag von Malefica » 18. November 2014 09:51

Huhu,

na ich werde wohl das Thema mal bei meiner Mutter ansprechen und dann mal sehen was sie dazu sagt.

Testen lassen würde ich gerne, weil ich sozusagen die "Hoffnung" habe, dass es eine Ursache bei mir geben könnte und weil ich eben doch einige Punkte sehe auf die es passen würde.

Es ist so Einiges, was sich schon durchzieht so lange ich mich erinnern kann....so Manches voller Enthusiasmus angefangen...was ich wollte, das wollte ich unbedingt und sofort und war dann regelrecht nur noch darauf fokussiert....und nie hab ich wirklich was davon durchgezogen.
Das deprimiert mit der Zeit.
Ich hatte ca. 3 Jahre lang eine Ess-Störung mit der ich mich Anfangs gut gefühlt habe, weil ich mich damit endlich mal unter Kontrolle hatte. (gefühlt natürlich)
Ich war schon bei Psychologen und hab sozusagen nach Gründen in meiner Kindheit gesucht für meine Stimmungsschwankungen und depressiven Verstimmungen die immer mal wieder kommen. Bei drei Psychologen hab ich, mal früher mal später, wieder abgebrochen.

In den weiterführenden Schulen bin ich vom Gymnasium auf die Realschule gewechselt, dann ins Internat auf die Realschule, dann ins Wirtschaftsgymnasium und habe dort wieder in der 12. Klasse abgebrochen.
Ich hab meine Ausbildung mit 18 abgebrochen und war dann aber immerhin bis ich schwanger wurde in der gleichen Firma. Seitdem bin ich aber arbeitstechnisch völlig aus der Bahn geworfen. Es war Alles irgendwie völlig ungeplant. Auch den Berufs-Wiedereinstieg konnte ich nicht planen weil ich mich dann vom Partner getrennt hatte als mein Sohn 1,5 war.
Seitdem wurstel ich mich irgendwie durch, an Partnersuche mag ich im Moment schon gar nicht mehr denken weil es mir so vorkommt als wäre ich eh schon völlig inkompatibel.
Ich weiss z.b. was mir gut tun würde....ich hab genug darüber gehört und gelernt und auch schon ausprobiert. Also fürs Gemüt mein ich jetzt...
Reiki, Meditation, Bachblüten....das Alles habe ich mal für eine kurze Zeit voller Energie verfolgt. Und auch wenn ich weiss dass es mir gut getan hat, krieg ich es nicht gebacken sowas wieder zu machen.

Mein Gedächtnis ist einfach nur furchtbar. Ich habe tatsächlich schon daran gedacht, ob bei mir nicht eine frühe Form von Alzheimer einsetzt, oder ob vielleicht wirklich in meinem Kopf irgendwas ist was da nicht hingehört. Das hört sich jetzt nach Hypochonder an...bin ich aber eigentlich nicht.

Mein Chaos....voller Neid (das muss ich echt zugeben) gehe ich bei anderen Menschen in die Wohnungen oder Häuser...Menschen die jederzeit bereit sind Besuch zu empfangen, und vielleicht nur nochmal kurz vorher die Decken zurechtzupfen müssen auf dem Sofa.
Wenn sich bei mir Besuch anmeldet (und ohne weitläufige Anmeldung geht da gar nichts) dann stellt sich eine gewisse Panik ein....dann hab ich das Gefühl ich müsste erstmal einen Frühjahrsputz betreiben. Nicht dass es in Richtung Messie ginge, aber ich schäme mich vor Anderen für meine Wohnung und krieg es trotzdem nicht hin zu renovieren.

Ich habe viele "kleine" Ängste (für mich sind sie nicht soo klein).
Jetzt gerade z.b. stehe ich vor der Herausforderung dass mein Auto in die Werkstatt muss. Dort muss es einen Tag bleiben und ich muss also zweimal mit dem Bus fahren. Die Verbindung hier ist grässlich, da unser Ort nur ca. 250 Einwohner hat. Ich google also nach Busverbindungen und überlege schon, ob ich nicht doch wieder in die teure Werkstatt fahre die mich dann nach Hause fahren kann.
Busfahren = Angst
Schwimmbad....da schäme ich mich für meinen Körper (dabei würde es meinem Sohn so gut tun und ich hasse es dass ich das nicht hinkriege)
Stadtbesuche....purer Stress für mich mit den vielen Menschen, gesteigerte Form: Volksfeste, Fasching usw.
An manchen Tagen ist es ein simples Einkaufen was mich unsicher werden lässt.
Höhenangst, Aufzugfahren, Karrussel fahren, ins Kino/Theater gehen (schaffbar für mich, aber sehr anstrengend)

Und dann kommen die Leute die sagen "man muss sich seinen Ängsten stellen und sie bekämpfen".
In miesen Zeiten denke ich mir dann...ich stelle mich jeden verdammten Tag meinen Ängsten und weggehen tut nichts davon!

So....jetzt hör ich mal wieder auf.  :icon_eek:

Damit wollte ich nur sagen....es steht schon dahinter, dass ich gerne so Einiges verändern würde. Und die Ursachenforschung hat mich bisher noch nicht weitergebracht. Eine Zeit lang dachte ich ok...da war ein mieses Erlebnis in der Kindheit....aber das kann es einfach nicht sein. So viel kann da gar nicht dranhängen....und unlogisch wäre es noch dazu.
Hätte ich sowas wie eine Diagnose, dann könnte ich vielleicht zumindest denken dass ich nicht völlig selbst daran schuld bin.
ripley
Foruminventar
Beiträge: 1259
Registriert: 23. Oktober 2010 20:06

Re: Selbst testen lassen?

Beitrag von ripley » 18. November 2014 10:39

[quote="Malefica"]Hätte ich sowas wie eine Diagnose, dann könnte ich vielleicht zumindest denken dass ich nicht völlig selbst daran schuld bin. [/quote]

Ich denke, das ist ein hervorragendes Motiv, sich mal durchchecken zu lassen.

Allerdings würde ich - wenn Du mir den Rat gestattest - da etwas offener drangehen. Bei dem, was Du schilderst, KANN AD(H)S dahinterstecken. Es kann sich aber auch um eine (oder mehrere) andere Störung(en) handeln, die dann logischerweise auch anders angegangen werden müssten.
Wäre ich Psychodiagnostiker (bin ich aber nicht), würde ich mir angesichts Deiner Schilderung mal genauer das Thema "Maleficas Selbstwert" anschauen.
Malefica
Pagemaster
Beiträge: 96
Registriert: 26. September 2014 08:47

Re: Selbst testen lassen?

Beitrag von Malefica » 18. November 2014 10:55

Ja das stimmt schon....auf das eine Thema darf ich mich jetzt auch nicht festfahren.
Es ist halt jetzt so ein...aha...das wäre doch noch eine Möglichkeit-Ding.

Die bisherigen Psychotherapie-Versuche brachten mir ja auch nichts. Ich hab schon länger als drei, vier Sitzungen durchgehalten...bei einer Dame war ich ca. ein halbes Jahr lang wöchentlich. Aber es war eben nur "Gerede".
"Machen Sie sich doch eine Liste" "Schreiben Sie Tagebuch"...ähm...ja. Angefangen hab ich das Alles....bis es eben wieder versumpft ist.
Eine Zeit lang habe ich auch wieder Fluoxetin bekommen...das hatte mir damals mit der Ess-Störung sehr gut geholfen....aber das ging dann ein halbes Jahr lang gut, und schon war wieder Alles wie vorher.
Mir fehlt einfach...eine naja, Ursache eben dahinter.
Dass mein Selbstwertgefühl ziemlich niedrig angesiedelt ist weiss ich...nur haben mir bisher so nette Übungen wie "stellen Sie sich vor den Spiegel und sagen Sie sich dass Sie sich lieb haben und dass Sie schön sind" - nicht wirklich geholfen.   :811:
In miesen Zeiten fang ich dann an zu heulen, in guten Zeiten denk ich mir "naja, wers glauben mag"...grins.

Aber...dann werd ich doch mal diese eine Möglichkeit angehen...und sei es nur um sie auszuschliessen.
Zuletzt geändert von Malefica am 18. November 2014 10:56, insgesamt 1-mal geändert.
graffiti
Foruminventar
Beiträge: 3498
Registriert: 10. März 2009 10:25

Re: Selbst testen lassen?

Beitrag von graffiti » 18. November 2014 12:04

Aber...dann werd ich doch mal diese eine Möglichkeit angehen...und sei es nur um sie auszuschliessen.
ohne gewähr auf gleichartigkeit, aber immerhin eine ähnliche erfahrung:

ich habe vor jahren eine therapie gemacht, bei der es um biographische dinge ging.
konnte auch sehr vieles zuordnen und änderung war möglich.
dann gab es aber an allen möglichen ecken dinge (denk- und verhaltensweisen), an die ich nicht drankam.
die ich selber nicht verstehen konnte und sie schon gar nicht ändern.
damals habe ich sie mit eiern verglichen: kein reinschauen möglich, kein ansatzpunkt zu finden, einfach da.
--> die haben sich im nachhinein ausnahmslos als adhs-symptome herausgestellt.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
Antworten

Zurück zu „ADHS / ADS Test und Diagnose*“