Ausschluss-Diagnosen ADS & Neuropädiatrie

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sarine
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Ausschluss-Diagnosen ADS & Neuropädiatrie

Beitrag von sarine » 11. August 2019 19:44

Hallo zusammen, das ist mein erster Beitrag hier im Forum und ich möchte mich kurz vorstellen und auch die Geschichte meiner kleinen Tochter (7 Jahre). Der Anlass ist kein schöner, denn ich hoffe, dass meine Tochter „einfach nur“ ADS hat. Ich glaube ich wäre die die einzige Mama, die sich über die Bestätigung dieser Diagnose freuen würde. Denn das würde ich mich tatsächlich. Zum Hintergrund: sie war schon immer ganz anders, besonders, teilweise auch besonders anstrengend. Besonders stark abwesend. So besonders in ihrer Art zu spielen und zu sprechen, dass ich da teilweise nicht hinterher kam und nie richtig verstehen könnte um was es ihr ging. Nach einigen Jahren klappt das aber ganz gut. Sie wurde früh (mit 4,5-5 Jahren) auf alles mögliche getestet, was es zu testen gab. Dies in einer sehr guten KJP. Autismus Störungen oder Entwicklungsstörung anderer Art wurden zu dieser Zeit ausgeschlossen. Ein EEG würde damals durchgeführt, was unauffällig war. Die ganze Testerei zeigte eine ausgeprägte Akzeleration (Wortlaut der Psychiatrerin) im sprachlichen Bereich und einen Wert von 130 bei so einem entwicklungstest für Kinder ihres Alters. Das war wohl sehr gut, aber auch kein IQ Test, wenn ich das richtig verstanden habe. Sie hat schon mit 8 Monaten einige Begriffe gesprochen und mit einem Jahr auch zweiwortsätze. Das war früh und fiel mir natürlich auf. Da ansonsten aber nichts weiter auffiel und sie halt war/ist wie sie ist, haben wir nichts mehr unternommen. Sie wurde eingeschult, bekam plötzlich eine Brille, obwohl wir deswegen schon dreimal vorher zur Kontrolle beim Augenarzt waren. Plötzlich brauchte sie so ein Pflaster auf einem Auge und eine Brille mit sechs Jahren. Die Einschulung klappte gut, sie wurde aber immer abwesender, sie nimmt einen dann überhaupt nicht richtig wahr, hört mich nicht, sieht mich nicht. In der Schule geht es ihr gut, schreiben klappt super, Mathe fällt ihr schwer (seitdem sie subtrahieren muss). Sie mag die Schule im Vergleich zum kiga aber sehr. Es gibt dort klare Regeln und es ist für sie viel ruhiger und strukturierter, was ihr gut tut. Auffällig wurde aber, dass sie schleichend aber sich steigernd, immer mehr Begriffe garnicht kannte. Sie sagte, dass sie die Lehrer nicht verstehen kann und ihr fiel es immer schwerer mir zu folgen, mich zu verstehen und mir zuzuhören. Oft fordert sie mich auf nicht so viel zu reden und aufzuhören mit ihr zu sprechen. Ich merke, es ist ihr zu anstrengend und sie kann mir schlecht folgen. Gleiches passierte im Unterricht. Sie wurde im letzten halben Jahr auf ADS/ADHS getestet. Es waren viele Tests, es zog sich lange hin. ADS wurde bestätigt. Allerdings war ihre Ärztin von den Testergebnissen sehr betroffen und überrascht. Die sprachliche Entwicklung ging von einem 130 er Wert auf 70 runter. Der IQ liegt nun mehr bei etwa 70, weil alle anderen Bereiche wie Motorik und kognition plötzlich auch so abgenommen haben. Man möchte nun organische Funktionsstörungen neurologisch abklären lassen. Für mich keine Überraschung, denn das wollte ich sowieso vorschlagen. Mir macht das große Angst,- es gibt furchtbare degenerative neurologische Erkrankungen, die im Alter meiner Tochter einsetzen. Ich habe nächtelang gegoogelt und es kommt nix gutes dabei rum. Mit der Überweisung und den Symptomen und Testergebnissen habe ich innerhalb von fünf Tagen einen Termin bei einer sehr guten Kinderneurologin bekommen, - zum MRT und EEG.
Das heißt nichts gutes. Meine Frage an euch: lässt sich das alles durch ADS erklären? Laut Ärztin ja, aber ich habe das Gefühl, dass sie mich nur beruhigen wollte. Ich habe meine Sorgen und Vermutungen direkt im Gespräch geäußert und ich befürchte, dass sie mich wirklich nur beruhigen wollte. Es handele sich um den Ausschluss von anderen organischen Erkrankungen. Ich hoffe auf Eure kompetenten Antworten: kann ADS wirklich so einen Einfluss auf Tests haben und ein Kind von einer überdurchschnittlichen sprachlichen und kognitiven Entwicklung in den Bereich einer lernbehinderung rutschen lassen? Ich kann mir das nicht vorstellen, auch wenn ich mir das als Ursache schon fast wünsche! Lieben Dank für eure Rückmeldung und viele liebe Grüße
Sarine
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Re: Ausschluss-Diagnosen ADS & Neuropädiatrie

Beitrag von ULBRE » 11. August 2019 22:03

Hallo Sarine,

das klingt eigenartig.
Das wäre dann schon ein ziemlich extremer Fall von ADS.

Um mehr zu verstehen, bräuchte ich ein vollständiges Bild aller Auffälligkeiten.
Könntest Du die mal auflisten ?

Du könntest mal den Onlineteest auf adxs.org für sie machen. Der Test zielt zwar eher auf Erwachsene, aber Du kannst das sicher adaptieren. Der würde mir deutlich helfen, zu verstehen, was mit ihr los ist. Wenn Du Deine Mailadresse hinterlässt könnte ich Dir anstatt dem CAARS, den ich dort zum Abgleich anbiete, einen Kinder-Test schicken...

Liebe Grüße

UlBre
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Re: Ausschluss-Diagnosen ADS & Neuropädiatrie

Beitrag von Elwirra » 11. August 2019 23:14

Liebe Sarine
Erstmal
:willkommen:

Das ist ja schon ne sehr seltsame Entwicklung nach unten ,

Ich schreib mal was mir spontan in den Kopf geschossen ist

Ist das Gehör Ok?

Sind die Blutwerte OK ? Vielleicht nochmal ein ganz großen Bluttest machen, vieleicht ist da was im Argen ? Bzw schau mal ob es Mangelerscheinungen gib die sich decken.

Gab es irgendwas was in der Vergangenheit traumatisch war oder bedrückt Sie was , was sie nicht erzählen mag ?

Oh man wünsche euch viel Glück
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Re: Ausschluss-Diagnosen ADS & Neuropädiatrie

Beitrag von Falschparker » 11. August 2019 23:18

Hallo Sarine,

ja, das liest sich leider sehr besorgniserregend an. Nein, du bist nicht die Einzige, die sich über eine einfache ADS-Diagnose freuen würde.
es gibt furchtbare degenerative neurologische Erkrankungen
Ja, die gibt es. Sie sind aber Gott sei Dank sehr sehr selten. Mein großer Sohn hat eine solche, und das wünsche ich niemand. Eine ADHS natürlich auch, aber das ist das geringere Problem.

Hat denn die medikamentöse Behandlung der ADS schon begonnen? Ich wünsche euch, dass ihr diese sehr hilft. Alles alles Gute! :knuddel:
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Re: Ausschluss-Diagnosen ADS & Neuropädiatrie

Beitrag von Sealander » 12. August 2019 09:12

Ich würd auch mal das Gehör überprüfen lassen. In meinem weiteren Bekanntenkreis gibt es 'nen Jungen, der sich ähnlich entwickelt hat und erst, als er acht Jahre alt war, stellte sich endlich raus, dass er auf einem Ohr fast gar nicht und auf dem anderen nur sehr schlecht hören konnte. Seine Eltern hatten vorher alles mögliche abklären lassen und auch auf das Gehör getippt, was von den Ärzten aber verworfen wurde (weil er mit drei Jahren wohl noch gut gehört hat). Die tippten nämlich stattdessen erst auf Autismus und dann auf ADS. Erst, als seine Eltern zu 'nem anderen Arzt gingen, kam endlich raus, dass der Junge schwerhörig ist (vermutlich aufgrund 'ner nicht erkannten Mittelohrentzündung während 'ner Erkältung). Heute ist er dank Hörgeräten ein ganz normaler 12-jähriger Junge. Der ADS-Verdacht hat sich zwar als richtig rausgestellt, aber ansonsten hat er in allen Bereich wieder aufgeholt. Ich drück euch die Daumen, dass es bei euch ähnlich ist.
sarine
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Re: Ausschluss-Diagnosen ADS & Neuropädiatrie

Beitrag von sarine » 12. August 2019 19:47

Lieben Dank schon einmal für alle Antworten. Ich möchte mir gerne in den den nächsten Tagen Zeit nehmen um auf jede einzelne einzugehen.
Vorweg: es gab mehrere Hörtests. Der Hörtest vor der Einschulung, der im kiga durchgeführt wurde, war auffällig schlecht. aber: zwei weitere in ruhiger Atmosphäre, ohne Ablenkung beim Arzt fielen wieder sehr gut, und damit meine ich wirklich sehr gut aus.
Medikamente nimmt sie (noch) nicht, weil ihre Ärztin erst einmal hundertprozentig sicher sein möchte, ob wir es „nur“ mit ADS zu tun haben. Ich werte es positiv, dass sie keine täglichen oder wöchentlichen Verschlechterungen zeigt. Diese Rückschritte konnte ICH ohne Tests erkennen. Ihr Vater und die Großeltern sehen das nicht.
Eine Frage allerdings bleibt: wie kann sie überhaupt so ein gutes Zeugnis haben? Sie hat eine herausragende Bewertung was Rechtschreibung, lesen und Schriftbild betrifft. Sie schreibt Geschichten. Schriftlich kann sie ihr Potential gut zeigen. Sie ist gerade erst sieben geworden und kommt in die zweite klasse. Experimente, künstlerisches Gestalten und Religion sind ihre Stärken und so wurde sie auch im Zeugnis bewertet. Es gab seitens der Schule nie ein Gespräch wegen Auffälligkeiten. Ihre Lehrerin ist sehr liebevoll und erklärte mir, dass sich meine Tochter halt anfangs nur meldete wenn sie zur Toilette musste. Hier gab es leichte Verbesserungen. Ihre Klassenlehrerin sagt auch, dass sie sehr gut organisierte wäre, sehr gut mit ihren Arbeitsmaterialen umgehen kann und eben zeitweise wie ein „verstreuter“ Professor wirkt und sie überrascht ist, wie viel sie umsetzen kann und lernt, obwohl sie so viel träumt. Dies sei ihrer Meinung aber im Rahmen. Ich weiß nicht wie, aber meine Tochter muss sich in der Schule extremst anstrengen um das zu leisten. Ihr Zeugnis spiegelt nicht ihr Testergebnis wieder. Wir werden einen nährstoffmangel, das Blut und auch die Schilddrüse kontrollieren lassen. Sie hatte immer schon dünnes Haar, aber teilweise habe ich den Eindruck, dass das auch schlechter geworden ist.
Sie hat immer schon sehr wählerisch gegessen, braucht zum schlucken der festen Nahrung Wasser zum nachspülen und ist sensorisch wirklich sehr schnell überreizt. Das war aber auch schon immer so. Sie benutzt auch schon ewig nur eine Hand zum Essen, hält den Teller dann nicht richtig fest. Der linke Arm und die Hand finden keine Verwendung und ich habe den Eindruck, dass die zwei Seiten nicht richtig zusammenspielen. Aber auch das war schon immer so und dem wurde nie Beachtung geschenkt. Alle anderen typischen Merkmale, die für ein ADS sprechen erfüllt sie im Grunde sehr klassisch. Dies aber nur daheim, in der Schule ist sie sehr angepasst und eher ruhig. Zuhause das komplette Gegenteil: sie ist wild, laut, impulsiv. Aber eben auch total humorvoll, kreativ und phantasievoll. Ich würde sagen, dass sie sogar schon recht früh ironisch sein konnte...
sarine
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Re: Ausschluss-Diagnosen ADS & Neuropädiatrie

Beitrag von sarine » 12. August 2019 20:03

Es bedrückt sie definitiv nichts. Sie erzählt immer sofort alles. Das kann sie gut einschätzen, das konnte sie auch schon immer gut. Sie weiß, was sie erzählen muss, was sie „melden“ muss. Da gab es schon einige harmlose Ereignisse und sie war die erste oder auch die einzige, die zu Lehrern und Erziehern gegangen ist und die Notlage anderer (oder auch ihre eignene) schnell erkannt hat. Sie weiß, was „falsch“ ist, wie man sich Hilfe sucht und sie setzt sich sehr für andere ein. Dann überwindet sie auch ganz schnell ihre Schüchternheit.
„Zerstreuter Professor“- wollte ich schreiben :lol:
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