Burnout und echt verzweifelt

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fidirallalla
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Burnout und echt verzweifelt

Beitragvon fidirallalla » 17. April 2011 23:56

Hallo Ihr Lieben "Mitstreiterinnen und -streiter"  :ja:

Heute war ein grauenvoller Tag. Ich habe mich so auf die Ferien gefreut und kaum ist mein Sohn 9 Jahre ADHS bis zum Anschlag der Meinung, ohne Schule und geplante Struktur wieder ausflippen zu müssen.

O-Ton: "Ferien, das kann ich ohne Medis!" Totale Verweigerung, denn "in den Ferien muss ich mich ja nicht konzentrieren."

Ich dachte mir "Okay, lass ihn mal versuchen." obwohl ich schon seit Monaten mit dem Burnout Syndrom krank geschrieben bin durch das ewige Auf und Ab seit Jahren hier mit ihm, nervlich wirklich sehr beansprucht bin und wegen jeder Kleinigkeit in Tränen ausbreche.

Nach ein paar Stunden dachte ich mir: "Aha, du willst die Medis nicht nehmen? Ja klar, herzlich gerne - wenn ich mich dann auch bitte vom Balkon stürzen darf," (Blöder Witz, wir wohnen im Erdgeschoss).

Es war der Horror. Wir kamen nicht aus dem Haus, 4 Std. bin ich hinter ihm her, damit er es schafft, sich irgendwie anzuziehen, strukturieren war nicht möglich. Es hat alles 50x so lang gedauert.

Nach 2 Tagen krieche ich so was von aufm Zahnfleisch, er hat es dann auch gemerkt, dass mir nur noch die Tränen runtergelaufen sind heute abend und ich vollkommen erschöpft war und hat gesagt "Du weinst wegen mir, hm? Ich weiß, ich hab mich schrecklich benommen. Mir ging's auch nicht gut dabei. Morgen nehm ich die Medis wieder freiwillig." Es haben sogar Leute wegen seiner Lautstärke und sich in Gefahr bringen den Spielplatz heute verlassen.

Es macht mich traurig. Geht es denn wirklich bei ihm nicht mal ohne Medis? Nicht mal in den Ferien? Er isst immer so wenig und ist dünn wie ein Strich.

Ich weiß, ich bin ausgebrannt und müde und weine wegen jedem Anlass, aber ich gebe mir doch wirklich Mühe und es tut mir so leid, dass ich ihn nicht mal länger als 5 Stunden ohne Medis aushalten kann. Er war bissig, hat mit Stöcken und Schwertern gefährlich rumgefuchtelt, es war schlimm.

Auch mit Medis haben sich schon viele Freunde wegen seines Verhaltens zurück gezogen, aber mit Medis ist es 100.000 Mal besser. Ehrlich.

Trotzdem: bin traurig, ausgebrannt, müde. Frage mich, wie ich das in den nächsten Jahren als Alleinerziehende ohne Hilfe und Pausen so schaffen soll. Ich bin traurig und müde.

Es wäre schön, wenn mir jemand mal eine aufmunternde Nachricht schicken könnte.

Danke fürs Zuhören.
Eule
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Re: Burnout und echt verzweifelt

Beitragvon Eule » 18. April 2011 00:19

Bist du denn in Behandlung wegen deines Burnout?

Wenn nicht: Schau daß du für dich Unterstützung bekommst. Daß dein Sohn Medis nimmt entlastet dich zwar etwas , aber ein Burnout ist eine behandlungsbedürftige Erkrankung, und dafür mußt DU behandelt werden.

Ich denke es ist schon mal ein toller Schritt, daß dein Junior selber erkennt, daß er ohne Medikamente Chaos fabriziert und daß er sie auch freiwillig wieder nehmen will. Auch wenn diese zwei Tage für dich höllisch waren - es ist etwas gutes dabei rausgekommen: Dein Junior hat erkannt daß dieses Zeugs einen Sinn hat und ihm hilft, daß er ohne ein Verhalten an den Tag legt das er selber nicht will.

Was außer den Medis hat er denn noch an Therapie? Kannst du die Medis für dich einfach als die Krücke betrachten mit der er eine Chance hat das zu lernen was wichtig ist um sein Verhalten besser steuern zu können? Vielleicht mit der Zukunftsperspektive irgendwann wenn die neuen Strukturen und Systeme gefestigt sind zu reduzieren oder zwischendurch auszulassen - aber eben jetzt noch nicht weil es eben Zeit braucht neue Dinge so zu lernen daß sie in Fleisch und Blut übergehen und man sie "automatisch" so macht wie man soll.

Sei mutig, hol dir Hilfe nicht nur für dein Kind sondern auch für dich!
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Re: Burnout und echt verzweifelt

Beitragvon fidirallalla » 19. April 2011 22:46

Ja, hier in unserer Stadt gibt es an der Universität eine Burnout-Ambulanz. Und dort gibt es auch ein Schlaflabor bei extremen Schlafstörungen, wie das bei mir der Fall ist. Ich war vor 1 Woche dort und die Oberärztin hätte mich am liebsten stationär da behalten.

Leider geht das nicht  :fr: Ich wüsste nicht, wie das gehen soll. Ich bin mit meinem Kind allein auf mich gestellt.

Mein Kind hat seit über zwei Jahren kein Kontakt mehr zu seinem Vater und hat auch keine Vertrauensbasis zu ihm. Ich fühl mich auch im Familienkreis ziemlich allein gelassen. Ich wüsste auch nicht, wo ich mein Kind hingeben könnte, wenn ich zusammenklappen würde. Ich war in den letzten 3 Jahren schon 2 Mal ausgebrannt.

Die Familie väterlicherseits, d.h. der Opa von meinem Kind plus Anhang meint, das Kind habe kein ADHS, das sei eine bescheuerte Krankheit die nur erfunden sei, der müsse nur strenger erzogen werden und ab und an einen hintendrauf kriegen. Eine echt "super Einstellung".  :icon_eek:

Die andere Hälfte der Familie (von meiner Mutter her) ist total überfordert mit dem teilweise seltsamen Verhalten meines Kindes, dass man - laut meiner Mutter - nervlich kaum "handeln" könne. Meine Mutter ist auch noch Pädagogin und meint, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, dabei hatte sie schon bei mir als Kind null Einfühlungsvermögen und Sozialkompetenz.

Meine Hoffnung war, da meine Mutter so krank war, und inzwischen berentet ist, dass sie sich ein bisschen mehr für mein Kind engagieren würde. Sie ist inzwischen berentet und statt mir, ihrer Tochter, zu helfen, betreut sie lieber für Geld Tageskinder und hat fast überhaupt keine Zeit und keine Lust, sich mit ihrem Enkel zu befassen. Nur wenn er nett ist und "angepasst".

Meine Mutter ist so ein Mensch, der nur stolz ist, wenn man angepasst ist und etwas "darstellt" und sich nicht nebendran benimmt. Mein Sohn ist ein tolles Kind, aber halt ab und an mit den ADHS spezifischen "Rastern" und Verhaltensweisen wie oppositionelles Verhalten, Sturheit und endlosem Diskutieren. Er hinterfragt die Dinge und meine Mutter flippt dann sofort aus und kann damit nicht ruhig umgehen. Außerdem ist es ihr dann eher peinlich weil ihr Enkel kein "Wunderkind" ist und auch noch autistische Züge hat - und wird daher nur selten besucht.

Mein Sohn hat auch kein Vertrauensverhältnis zu seiner Oma (meiner Mutter) weil sie immer gleich rumschreit und keine Geduld mit ihm hat.

Die andere Hälfte interessiert sich einen Scheiß für mein Kind (Familie vom Kindsvater) und hat mein Kind einfach nach der Trennung und Scheidung fallen gelassen.

Insofern bliebe für mich nur die Option "Tagesklinik" - von 8 bis 16 Uhr, ich habe im Mai einen Termin dort bei der Oberärztin, die sehr nett war. Sie meinte, wir schauen, wie wir das Problem lösen. Sie meinte, man könne das dann schon arrangieren für 4 bis 6 Wochen, evtl. mit einer Tagesmutter für meinen Sohn.

Leider hat mein Kind panische Verlustangst und akzeptiert nur mich als einzige Vertrauensperson und Bezugsperson. Ich habe Angst, an mich zu denken, aber andererseits, wenn ich es nicht tue, breche ich irgendwann ganz weg - das haben mir jedenfalls jetzt schon 3 Fachärzte gesagt  :eusa_doh:.

Ich habe inzwischen auch erst erkannt, dass etwas "schiefläuft". Ich bin von Kindesbeinen an in dieser Leistungsspirale drin und musste alles perfekt machen usw. und wurde getriezt und gehetzt und es ist mir klar, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Ich versuche nun wieder, die innere Balance zu finden, habe mit Yoga und Pilates begonnen sowie mit Nordic Walking (wenn ich die Kraft dazu habe).

Da mein Energiehaushalt aber im Moment ganz unten ist, ist an eine Berufstätigkeit erst einmal nicht zu denken, sondern ich konzentriere mich ganz auf meine Regeneration und Genesung. Zum Glück machen mir meine Freunde ganz viel Mut und geben mir viel Wärme und Zuwendung. Wenn ich das nicht hätte wäre ich schon verzweifelt. Klar habe ich mich auch zurückgezogen und bin in die Einsamkeit und Isolation gegangen, aber das musste ich stellenweise auch, weil es mir nicht wirklich gut ging.

Ich versuche nun, die Stressoren in meinem Leben zu entlarven und diese in etwas Positives umzuwandeln und vieles in meinem Leben zu ändern.

Einen ambulanten Therapeuten habe ich, doch der kann mir erst im Spätsommer regelmäßige Termine anbieten. Er ruft mich nur sporadisch an, wenn gerade jemand anderer abgesprungen ist.

Bis dahin habe ich gute Tage und auch schlechte. An den schlechten kann ich kaum aufstehen und lächle, meinem Kind zuliebe. Bis ich mein Kind gut in der Schule weiß, gebe ich ihm Harmonie und Sicherheit. Aber er hat auch schon gemerkt, dass es der Mama nicht gut geht und ich manchmal einfach da sitze und nicht mehr kann oder einfach weine. Bei der geringsten Stressbelastung laufen die Tränen und ich fühle mich hundemüde. Habe jedoch Schlafstörungen, Kreislaufprobleme, Tinnitus und kann nie länger (wenn überhaupt) als 5 Stunden schlafen.

Eine Erholung ist das hier alles nicht.  :baw: Aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben, nicht wahr?  :smt023:
Lio

Re: Burnout und echt verzweifelt

Beitragvon Lio » 15. Mai 2011 14:17

Hallo zusammen,

bin hier neu und es wurde kürzlich ein Burnout attestiert. Wie schafft ihr das? Nervlich, beruflich, finanziell und überhaupt?

Viele Grüße!
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Re: Burnout und echt verzweifelt

Beitragvon Sidpon » 16. Mai 2011 11:02

Bei mir nur in dem ich 1 1/2 jahre krank geschrieben war.

3 Monate in einer Akkutklinik war und dann 2 Monate in einer Psyschosamtitischen Klinik.

In der Zeit waren meine Kinder beim ersten Mal bei meinen Eltern und beim zweiten Mal bei einer Pflegemutter.

Diese Ausszeit hat mit gut getan und nun kann ich wieder für meine Kinder da sein.
Auch wenn es genauso weiter geht wie vor 1 1/2 Jahren.

Allerdings bin ich wieder gestärkt und noch immer in ambulanter Therapie.

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