Diskussion: Immer ich!

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EmmaGSLehrerin
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Diskussion: Immer ich!

Beitragvon EmmaGSLehrerin » 27. Januar 2012 20:18

Hallo ihr Lieben,

viewtopic.php?f=432&t=41565

unsere Artikel hegen keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ergänzende Anmerkungen und Diskussionen sind ausdrücklich erwünscht!

LG von den Autoren :wu:
Zuletzt geändert von EmmaGSLehrerin am 28. Januar 2012 11:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon No User » 31. Januar 2012 20:36

Viel zu diskutieren habe ich nicht, stattdessen einfach
:wu: ein ganz dickes Lob :wu:
für diesen Artikel, der für mich von besonderer Praxisrelevanz ist,
aber auch für die anderen Artikel im Magazin.

Ehrlich gesagt hatte ich erst Zweifel, ob da was vernünftiges rauskommen kann bei diesem Magazin. Die bisherigen Beiträge zerstreuen diese Zweifel aber.
ripley
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon ripley » 31. Januar 2012 22:28

Sehr gut geschrieben, Sach- bzw. Problemverhalt größtenteils klar erkannt. Lösungen theoretisch (!) klar auf der Hand liegend und umsetzbar.

Das Hauptproblem, das ich als (hoffentlich "ehedem" ) betroffene Mutter sehe:
Eltern, die mit direkten (Anruf / Mitteilung der Schule / des Kiga) oder indirekten (via Erzählungen des Kindes) Rückmeldungen zu Problemverhalten ihrer Kinder konfrontiert sind, neigen dazu, dies eben auch als Konfrontation wahrzunehmen - und entsprechend abzuwehren. Die - verquere - "Logik" dahinter ist in etwa: "Die sagen, dass mein Kind nicht in Ordnung ist, ergo, dass meine Erziehung nicht in Ordnung ist, ergo, dass ICH (Mutter) nicht in Ordnung bin". Und DIESE "Schlussfolgerung" gilt es, weit, weit von sich zu weisen. Auch wenn sie von den Eltern SELBST kommt und den Lehrern nur unterstellt wird!

Und die Dynamik, die durch eben diesen (mehr oder minder bewussten) Fehl-Denk-Prozess in Gang gesetzt wird, ist nicht zu unterschätzen.

Will sagen: Aus HEUTIGER Sicht applaudiere ich, bis meine Hände Blasen werfen. Damals aber, als das Kind außer Rand und Band war, hätte ich dem Artikel weder zustimmen können, noch ihm etwas entnehmen, das mir / uns geholfen hätte.
Falschparker
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Falschparker » 1. Februar 2012 00:26

:grun: :ja:
<><
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Purzelchen
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Purzelchen » 1. Februar 2012 09:39

Ich habe tatsächlich oft wahrgenommen, dass unser Sohn eine verdrehte, eigene Wahrnehmung der Dinge hatte. Er hat in der Schule nicht so oft tatsächlich für sozial auffälliges Verhalten Ärger bekommen, aber daheim kam er öfter empört an und erzählte "Der XY hat ...!!!". Wenn ich ihn daraufhin fragte, was er denn davor getan hätte, kam oft erst gar keine Antwort und weiteres "Aber der XY hat angefangen ...!". Wenn ich ihm dann vorschlug, dass wir das gemeinsam klären können mit dem anderen Kind, weil ich das so ohne dabeigewesen zu sein ja überhaupt nicht beurteilen könne, dann fing er zu heulen an und schluchzte: "NIE glaubst Du mir!".

Im Nachgang stellte sich dann aber meist eben doch heraus, dass meine Zweifel an seiner Unschuld berechtigt waren.

Ich fand das total schwierig, den Spagat da hinzubekommen. Ich hab mich oft gefühlt, als würde ich mein eigenes Kind verraten und mich oft gefragt, ob es nicht das ein oder andere mal sinnvoller wäre, ihm einfach mal zu glauben, auch wenn ich Zweifel habe, nur damit er sich verstanden und akzeptiert fühlt. So bekam er nämlich das Gefühl, ich würde ihm komplett misstrauen.

ich weiß bis heute nicht, wie ich es richtig hätte machen sollen. Fakt ist, dass er ein sehr geringes Selbstwertgefühl hatte, bevor er mit der Therapie anfing, und ihm da auch das sehr häufige Loben, das ich parallel dazu bei anderen Dingen tat, anscheinend nicht dagegen geholfen hatte...
Zuletzt geändert von Purzelchen am 1. Februar 2012 09:40, insgesamt 1-mal geändert.
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EmmaGSLehrerin
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon EmmaGSLehrerin » 5. Februar 2012 20:02

Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank für die Blumen.  :wu:

[quote=&quot;ripley&quot;]
Das Hauptproblem, das ich als (hoffentlich "ehedem" ) betroffene Mutter sehe:
Eltern, die mit direkten (Anruf / Mitteilung der Schule / des Kiga) oder indirekten (via Erzählungen des Kindes) Rückmeldungen zu Problemverhalten ihrer Kinder konfrontiert sind, neigen dazu, dies eben auch als Konfrontation wahrzunehmen - und entsprechend abzuwehren. Die - verquere - "Logik" dahinter ist in etwa: "Die sagen, dass mein Kind nicht in Ordnung ist, ergo, dass meine Erziehung nicht in Ordnung ist, ergo, dass ICH (Mutter) nicht in Ordnung bin". Und DIESE "Schlussfolgerung" gilt es, weit, weit von sich zu weisen. Auch wenn sie von den Eltern SELBST kommt und den Lehrern nur unterstellt wird!
[/quote]

Dieser Dynamik kann man als Lehrer entgegenwirken oder sie verstärken, das ist eine Frage der Kommunikation.
Allerdings habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass selbst höchst sorgfältig gewählte Worte missverstanden werden können.

Häufig liegt das an den schlechten Erfahrungen, die Eltern schon in ihrem Umfeld gemacht haben, bevor es zu unserem ersten Kontakt kommt.

Erfahrungen mit tratschenden Nachbarn, besserwisserischen Verwandten oder dem immer wieder gern genommenen Opa auf der Straße, der einen unbedingt wissen lassen muss, dass man es doch mal mit Erziehung versuchen sollte.  :6094:

Ich kann euch nur ans Herz legen:
Versucht es mit jeder Person, die ihr kennen lernt, neu. Auch wenns schwer fällt. Kaum ein Kind vertraut einem Lehrer, dem seine Eltern nicht vertrauen.



@Purzelchen: Ich denke, eine Lösung für das von dir beschriebene Problem könnte das vorgeschlagene regelmäßige Treffen mit der Lehrerin sein. Wobei die natürlich auch nicht immer mitbekommt, was "XY hat". Doch meiner Erfahrung nach wird die Lehrerin vom Kind eher als neutrale Schiedsperson akzeptiert. Jedenfalls, wenn die Beziehung einigermaßen stimmt.

Eine Lehrerin bekommt zwar auf die Frage: "Was hast du vorher gemacht?" in aller Regel ebenfalls zu hören: "Nix." Doch sie hat die kürzeren Wege, um herauszufinden, was "nix" denn nun wirklich war.

Ansonsten würde ich, wie bereits beschrieben, empfehlen:

Ein Kind, das aufgeregt zu einem kommt, in Ruhe erzählen lassen. Denn das ist etwas, das könnt ihr Eltern tun - wir Lehrer in aller Regel nicht. Obwohl es so wichtig ist... doch im Schulalltag hat man, wenns hoch kommt, 3-5 Minuten, um eine Streitsituation zu klären. Spätestens dann steht das nächste hilfesuchende Kind neben einem.

Nachdem das Kind sich ausgesprochen hat, kann man es nach seinen Gefühlen fragen und diese ernst nehmen. Gefühle sind ja, wie ich schon sagte, immer in Ordnung.
Nachdem das Kind dann seine Aufregung "abreden" konnte, geht es ihm meist viel besser. Anschließend kann man ganz neutral fragen: "Möchtest du, dass wir die Sache klären?"

Kommt ein "nein", dann belasst es einfach dabei. Das ist völlig in Ordnung. Das Kind hat die Verantwortung für sein Problem. Und es hat entschieden, die Situation ohne Klärung zu beenden. Ist doch okay.

Sich mit dem Kind blind zu solidarisieren, auch aus den genannten - völlig nachvollziehbaren - Gründen, ist meiner Erfahrung nach äußerst kontraproduktiv. Ich erlebe immer wieder, dass Kinder dann immer häufiger Situationen als "unfair" einschätzen.

LG  :winken:
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon takeiteasy » 5. Februar 2012 23:23

Liebe Emma,

Du hast mir sowohl mit der Ausarbeitung 'Immer ich!' als auch mit Deinem Kommentar hier ungemein geholfen. Wissen tue ich das auf der einen Seite vielleicht instinktiv und auf der anderen Seite aus eigenen Beobachtungen und Erfahrungen eigentlich alles schon, aber noch nie hat das jemand so super in klare Worte gefasst und so gut strukturiert. Diese Worte sprechen mir aus der Seele und ich würde sie so gerne manchen Eltern aus der Klasse meines Kindes unter die Nase halten (und mir selbst natürlich auch immer wieder).

Ich überlege echt, ob ich diesen Artikel nicht der KL meines Kindes kopieren soll. Sie gibt sich wirklich sehr viel Mühe, ist aber noch sehr jung und sicherlich noch nicht so erfahren und somit einfach oft überfordert. Vielleicht kann ich sie ja damit unterstützen.

Ich werde mich bei den nächsten Konfliktsituationen - und die werden kommen - auf jeden Fall Deines Artikels erinnern und hoffentlich richtig reagieren.

Ganz lieben Dank für die Hilfe und Unterstützung!!
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reinhard
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon reinhard » 24. Februar 2012 13:09

Hallo,

die probleme,die du aufgeführt hast, sind auch die meines enkels
nochmal hertlichen dank dafür.
ich bin froh,euch gefunden zu haben um vielleicht besser darauf reagieren zu können

viele liebe Grüße  :smt023:

Reinhard
Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wurde?!
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caithlin
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon caithlin » 6. April 2012 11:46

Hervorragend und to the point!
Auch wegen den Beispiele sehr gut verständlich und schnell lesbar.
Sehr gur geeignet für sowohl Eltern als Leherer von ADS-betroffene Kinder.
Caithlin
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Hanghuhn
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Hanghuhn » 6. April 2012 14:20

Hallo, zusammen,

ich kenne Eltern (speziell eine Mutter), die IMMER zu ihrem Kind halten, egal, was es angestellt hat. Ein bisschen ist mir dabei mulmig zumute, eben auch weil ich auch einmal erleben musste, wie mein eigenes Kind dadurch in Nachteil geriet, und auch weil meine Mutter Lehrerin war, solche Eltern waren ihr ebenfalls suspekt.

Ich halte es ungefähr so wie ripley, ich hinterfrage halt doch die eine oder andere Situation, um mir ein rechtes Bild zu machen. Nicht so diese Mutter, da kommt: "Mein Kind lügt nicht", "Ich bin die Mutter, ich muss zu meinem Kind halten", "Ich muss mein Kind gegenüber den Lehrern vertreten" (was bei ihr bedeutet, dass die Lehrer eigentlich nie Recht haben: "Das ist ihr Job, die müssen damit leben")

Herausgestellt, dass mein Kind unschuldig war, hat sich erst Jahre später. Mein Kind ist jetzt in einem Alter, in dem es einfach über gewissen Dingen steht, nichts mehr beweisen muss, sich nicht mehr für Kinderkram verteidigen muss. Wir haben uns neulich erst über die damalige Situation unterhalten. Es hatte damals nicht vehement abgelehnt, schuldig zu sein, sondern sagte ziemlich kleinlaut, es könne sich nicht vorstellen, wie das passiert sei. Ich hatte das einfach falsch gedeutet und könnte mich heute noch dafür in den A... kneifen.

Nach mehr als zehn Jahren hat es keinen Zweck mehr, da etwas richig stellen zu wollen, zumal die damalige Lage eindeutig gg. mein Kind sprach. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass dieses fremde Kind gaaanz geschickt seine Mutter einspannte, weil es sich deren absoluter Loyalität sicher sein konnte. Ich muss aber trotz allem anerkennend bemerken, dass dieses Kind (warum auch immer) ein größeres Selbstbewusstsein als mein Kind hat.

Ich bin mit dieser Mutter immer noch befreundet, aber unsere Kinder haben nichts mehr miteinander zu schaffen, sie sind aber auch sehr, sehr verschieden. Mein Kind ist nicht so ein Tausendsassa wie das andere Kind, aber genau deshalb finde ich mein Kind voll in Ordnung, mit all seinen Ecken und Kanten und gerade wg. seiner Ecken und Kanten. In den Gesprächen mit dieser Mutter spielen unsere Kinder kaum eine Rolle mehr, wahrscheinlich auch, weil da fast nichts mehr vergleichbar ist. Ich weiß aber, dass diese Mutter mit so manch einer moralischen Einstellung ihres Kindes nicht so ganz einverstanden ist. Warum wohl?!?!
LG Hanghuhn
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adhszwerg
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon adhszwerg » 2. Mai 2012 09:31

Erst einmal ein ganz dickes Lob....

...dieser Artikel hat mich so berührt und gezeigt wie ich in den Schwierigen Situationen besser reagieren kann.
Die schlimmen Situationen in der Schule unserer Schnecke fangen nämlich gerade erst an und ich stand bei Ihrem ersten Problem wie der Ochs vorm Berg.

Ich habe auch schon daran gedacht den Artikel aus zu drucken und der Lehrerin zu geben.(Hmmm,könnte Sie es nicht falsch verstehen???)

Auf jeden Fall werde ich ihn mir an die Pinnwand hängen.

Sicher ist sicher.

Vielen Lieben Dank nochmal!
Kerstin
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Kerstin » 2. Mai 2012 10:33

:gp:

Finde den Beitrag echt Spitze!

:winken: Kerstin
Beckchen
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Beckchen » 27. Juli 2014 17:34

Hallo,

Erstmal vielen Dank für das Magazin " immer ich!"
Dieser Beitrag ist zwar schon ein Weilchen her, ich hoffe aber, dass ich doch noch eine Antwort zu meiner Frage bekomme.
Ich muss gestehen, dass mich "ich weiß mein Kind ist kein Engel... Aber..." sehr angesprochen hat und dass ich tatsächlich zu den Mamas gehöre, die oft denkt, dass Sohnemann immer zum Schuldigen gemacht wird und auch dass er von anderen Kindern provoziert wird und diese ganz genau den "Anschaltknopf" kennen und sich dann noch darüber freuen, wenn sie endlich einen Grund haben meinen Sohn ( 9 Jahre alt) zu "verpetzten". Seit er Equasym bekommt, haben wir diese Probleme wenigstens in der Schule nicht mehr. Aber sobald er zuhause zum Spielen raus geht und auf den Gleichaltrigen Nachbarsjunge trifft ist es aus mit der Ruhe.
Es hat sich z.B folgenden Fall ergeben:
Mein Sohn ist raus zum spielen. Ca. 5 Minuten später höre ich, wie er wieder ins Haus gerannt kommt. Ich laufe an die Türe, weil ich schon dachte, dass es wieder ärgere geben würde. Da knallte auch schon ein Stein an unsere Hauswand, den der Nachbarsjunge geworfen hat.
Bevor ich mir den Nachbarsjunge vor nahm, fragte ich erst meinen Sohn, was denn los war und dieser antwortet, der Junge hätte ihn geärgert und zu ihm kleiner Pimpf gesagt.
1 Minute später Stand auch schon die Mutter von dem Jungen an der Türe um mir zu sagen, dass Nils einen Stein nach ihrem Sohn geworfen hätte.

Nach so einem Vorfall bin ich im ersten Moment mit der Situation überfordert und weiß gar nicht, wie ich nun richtig handeln soll.  Vor der Mutter stehe ich erst sprachlos. Dann stelle ich mich zu meinem Kind. Danach befrage ich ihn in aller Ruhe und ohne zu schimpfen und natürlich sind die anderen immer schuld und natürlich haben die zuerst angefangen ihn zu ärgern... ich würde dann meinem Kind so gerne glauben und meiner Nachbarin gehörig meine Meinung sagen, dass ihr Sohn der Übeltäter ist und nicht immer meiner.
Aber ich weiß natürlich auch, dass er eine ganz andere Wahrnehmung hat.

Nun zu meiner Frage: Wie verhalte ich mich denn nun richtig in so einer Situation? Was mache ich, wenn ständig von andren Mamas Beschwerden gegen meinen Sohn kommen ( Nils hat wieder dies oder jenes gemacht)?
Bitte nicht böse sein, aber ganz ehrlich, manchmal wünschte ich mir ich könnte auch mal zu einer Mama sagen, " Du dein Sohn hat bei meinem Sohn dies und das gemacht". Das ist wirklich schlimm, ich weiß.

Vielleicht wisst ihr ja eine Antwort auf meine Frage, ich würde mich sehr freuen.

Liebe Grüße
Beckchen
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Sheherazade
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Sheherazade » 27. Juli 2014 18:24

[quote=&quot;Beckchen&quot;]
Da knallte auch schon ein Stein an unsere Hauswand, den der Nachbarsjunge geworfen hat.
Bevor ich mir den Nachbarsjunge vor nahm, fragte ich erst meinen Sohn, was denn los war[/quote]

Egal, was los war, es hat NIEMAND Steine zu werfen. Von daher hast du da DIE Gelegenheit versäumt, mal als Erste mit einem anderen Kind zu meckern.  :ja1:

Sinnvoll wäre es natürlich, du und die andere Mutter könntet einen Level finden um gemeinsam die Jungs zur Räson zu rufen. So wie es jetzt läuft, steuert es auf eine Eskalation hin.
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EmmaGSLehrerin
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon EmmaGSLehrerin » 27. Juli 2014 23:57

Hallo,

sowas ist - wenn überhaupt - immer nur im Gespräch mit beiden zu klären.

Körperliche Übergriffe passieren so gut wie nie ohne "Grund". Im klärenden Gespräch gilt es, mit den Kindern gemeinsam aufzudröseln, wie sich der Konflikt hochgeschaukelt hat. Und jedes Kind sollte für sich zum Schluss die Frage beantworten können: Was kann ich beim nächsten Mal anders machen, damit es nicht so weit kommt? Wie kann ich mein Problem in angemessener Form lösen?

Als Lehrerin erlebe ich übrigens immer wieder, dass ein erhitztes Gemüt erstaunlich schnell zur Ruhe kommt, einfach nur mit Hilfe des Satzes: "Ich verstehe, dass dich das sauer gemacht hat."

Wenn die Wut nämlich da sein darf, verschwindet sie oft auch ganz schnell wieder. Und sobald das Kind mit Hilfe des signalisierten Verständnisses aus seinem Rumpelstilzchen-Modus raus ist, ist es oft erstaunlich offen für sachliche Kritik:

"Ich verstehe, dass du sauer geworden bist, als er dich Arschloch genannt hat. Aber ich kann dir nicht erlauben, mit Steinen zu schmeißen. Hast du verstanden, was XY an deinem Verhalten sauer gemacht hat? Okay. Er darf dich natürlich nicht Arschloch nennen, weil du über sein Eigentor beim Fußball gelacht hast. Darüber rede ich gleich auch mit ihm. Aber das ist nicht dein Problem, sondern seins.
Hast du denn jetzt eine Idee, was du beim nächsten Mal machen kannst, wenn dich jemand beschimpft, anstatt mit Steinen zu schmeißen?"

Wenn beide sich drauf versteifen, "nix" gemacht zu haben, wirds natürlich schwierig. Was ich dann mache, entscheide ich  je nach Situation.

LG
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Beckchen » 28. Juli 2014 08:18

Als ich mit Nils über den Vorgang redete, habe ich ihm natürlich ( wie schon gefühlte 100 mal) gesagt, er dürfe keine Steine werfen, wenn er das tue, sei er keinen deut besser als der andere Junge, der ihn provoziert hat und es sind beide Schuld. Ich habe ihm gesagt, dass er zu mir kommen soll, wenn er sich geärgert fühlt.Ich habe natürlich der Mutter gesagt, dass ihr Sohn auch einen Stein geworfen hätte. Darauf antwortete sie, dass Nils aber zuerst geworfen hat. Und dann wusste ich mal wieder nicht, was ich daraufhin erwidern sollte.  Eigentlich habe ich die ganze Zeit immer geschluckt, wenn es draußen zum Streit von den zweien kam, obwohl ich wusste, dass der Nachbarsjunge auch kein Engel ist.  Ich finde, Mann muss den Kinder auch die Chance geben die Sachen selber zu Regeln und ich bin niemand, der sofort zur anderen Mama rennt und sagt, dein Kind hat dies oder jenes gemacht.  Aber diesmal hat es mir echt gereicht und ich konnte nicht an mich halten, ihr zu sagen, dass ihr Kind auch kein Engel sei. Darauf sagte sie nur, dass Nils in Vergangenheit noch dies und das gemacht hätte, aber sie wolle ja nicht ständig an meiner Türe klingeln. Ja, ihr habt Recht, es kam zu Eskalation und seitdem reden die Nachbarin und ich nur das nötigste und setzten eine gespielte Freundlichkeit an den Tag.
Leider bin ich nicht sehr redegewand und sie ist mir da überlegen, deshalb hatte ich  auch bisher nicht den Mut die Sache klar zu stellen und zu Regeln. Für sie ist tatsächlich immer nur Nils schuld.

Könnt ihr mir vielleicht sagen, was ich tun soll, wenn mal wieder so eine Situation eintritt?
Und wie kann ich das Thema am besten bei meiner Nachbarin ansprechen? Ich weiß, dass sie auch mit den anderen Nachbarinnen über das Thema tratscht. Ich möchte eigentlich eine gute Nachbarschaft haben und diese Situation ist eine zusätzliche Belastung für mich.

Vielen Dank im Voraus!
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Sheherazade » 28. Juli 2014 10:38

[quote=&quot;Beckchen&quot;]
Ich habe natürlich der Mutter gesagt, dass ihr Sohn auch einen Stein geworfen hätte. Darauf antwortete sie, dass Nils aber zuerst geworfen hat.[/quote]

Damit habt ihr euch auf Kindergartenniveau mit eurer "Unterhaltung" begeben.

Besser wäre es gewesen, die Mutter (vorwurfsfrei) zu fragen, wie ihr beide gemeinsam und gemeinsam mit euren Söhnen die Situation entschärfen könnt.

Wobei ich vorher (als der Stein ans Haus geknallt ist und bevor ich mit meinem Kind die Sachlage kläre) schon die Tür aufgerissen hätte um dem Nachbarsjungen mal kurz anzublaffen und ihm MEINE Grenzen aufzuzeigen.
Zuletzt geändert von Sheherazade am 28. Juli 2014 10:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Beckchen » 28. Juli 2014 14:38

Das habe ich jetzt auch verstanden, dass ich alles falsch gemacht habe.  Hinterher ist man immer schlauer. Das bringt mich jetzt aber auch nicht weiter. Dem Nachbarsjunge wollte ich übrigens hinterher, als ich raus kam, war er aber schon auf  und davon, wahrscheinlich zu Mama.
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Sheherazade » 28. Juli 2014 16:19

[quote=&quot;Beckchen&quot;]
Das bringt mich jetzt aber auch nicht weiter.[/quote]

Keine Ahnung, warum du jetzt so einschnappst. Warum kannst du jetzt kein Gespräch mehr mit der Mutter des anderen Kindes führen?
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Re: Diskussion: Immer ich!

Beitragvon Beckchen » 29. Juli 2014 07:33

Ich weiß einfach nicht, wie ich das Gespräch beginnen soll. Sonst würde ich ja nicht fragen. Wie schon erwähnt bin ich leider nicht so redegewand.
Am Samstag haben wir eine Strassenhocketse mit allen Nachbarn, da würde sich vielleicht eine Gelegenheit ergeben mit meiner Nachbarin zu reden.
Vielleicht kannst Du mir da weiter helfen? Wie würdest Du anfangen und was würdest Du sagen? :Frag:
Sorry, dass ich so pampig wirke. :upsi:

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