Ritalin - Kindheit unter Drogen?

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michael
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Ritalin - Kindheit unter Drogen?

Beitragvon michael » 7. September 2008 15:07

Ritalin® – Kindheit unter Drogen?

Unter dem provokanten Titel: „Ritalin® für alle: Kindheit unter Drogen“, berichtete die Sendung „Spiegel TV die Reportage“ am 15.07.2007 auf RTL über das Medikament Ritalin®, welches zur Behandlung von AD(H)S eingesetzt wird.
Nachdem ich den oben genannten Bericht gesehen habe, war ich doch sehr verunsichert über dessen Objektivität. Ich fragte mich, ob ein Medikament, dass seit über 50 Jahren verschrieben wird, so schlecht sein könne und mehr Schaden anrichte als es Nutzen habe. Daraufhin machte ich mich selber ans Werk und recherchierte in diversen Quellen, um mir ein eigenes Bild darüber machen zu können, ob Ritalin® eine Rauschdroge oder ein Medikament ist. Die Ergebnisse habe ich in dieser Arbeit zusammengefasst.



Index:
1. Definitionen und Erläuterungen
 Definition: Drogen
 Definition: Sucht
 Definition: AD(H)S
 Erläuterung zu Ritalin® (Methylphenidat)
 Die Nebenwirkungen von Ritalin®

2. Gerüchte über Ritalin®
 Ritalin® ist eine Droge
 Ritalin® macht Abhängig
 Ritalin® stellt Kinder ruhig und lässt sie zombiehaft wirken
 Ritalin® löst Parkinson aus
 Ritalin® und Scientology
 Fazit

3. Quellen und Literaturnachweise

Drogen

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt jeder Wirkstoff, der im Körper Veränderungen auslöst, als Droge. Im Allgemeinen davon ausgenommen sind jedoch Nahrungsmittel.
Gesellschaftlich wird der Begriff Droge allgemein anders definiert. Als Drogen werden hier Stoffe bezeichnet, die den Bewusstseinszustand und die Wahrnehmung verändern, mit Ausnahme von Medikamenten. Häufig wird in dem Zusammenhang auch von Rauschmittel, Rauschdroge oder Betäubungsmittel gesprochen.
In meiner Arbeit werde ich den Ausdruck Rauschdroge verwenden für die Beschreibung von Stoffen, die auf das Bewusstsein einwirken und einen Rausch verursachen, wiederum mit der Ausnahme von Medikamenten.


Sucht

Das Wort Sucht wurde von dem mittelhochdeutsche „siech“ abgeleitet und bedeutet soviel wie krank.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 1957 eine Suchtdefinition erstellt, die wie folgt aussieht. Sucht ist „ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, hervorgerufen durch den wiederholten Gebrauch einer natürlichen oder synthetischen Droge und gekennzeichnet durch vier Kriterien:

 Ein unbezwingbares Verlangen zur Einnahme und Beschaffung des Mittels,

 Eine Tendenz zur Dosissteigerung (Toleranzerhöhung),

 Die psychische und auch meist physische Abhängigkeit von der Wirkung der Droge,

 Die Schädlichkeit für den einzelnen und/oder die Gesellschaft.“


1964 wurde auf Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Begriff Sucht, für die stoffgebundenen Süchte in den Begriff „Drogenabhängigkeit“ abgeändert.
Hierbei wird zwischen zwei Formen der Abhängigkeit unterschieden, einmal die psychische Abhängigkeit und andererseits die physische Abhängigkeit. (vgl. Van Treek (2004))


AD(H)S

Die Abkürzung AD(H)S steht für die Bezeichnung Aufmerksamkeitsdefizit – Hyperaktivitäts – Syndrom. Veraltete Bezeichnungen für das gleiche Krankheitsbild sind unter anderem Frühkindliche leichte Hirnschädigung, Hyperkinetische Störung oder Hyperkinetisches Syndrom (HKS).
AD(H)S ist gekennzeichnet durch eine von Geburt an bestehende und stark behindernde Störung der Konzentrationsfähigkeit, der Planungs- und Handlungskontrolle, der Impulssteuerung sowie in zahlreichen Fällen durch motorische Hyperaktivität.
Als Ursache wird heutzutage von einer Stoffwechselstörung im Gehirn, in Form einer unerwartet deutlichen Zunahme der Dichte von Dopamin-Transportern, ausgegangen. (vgl. Dougherty et al. 1999, Dresel et al. 1998)




Ritalin® (Wirkstoff: Methylphenidat)

Ritalin® stellt eines von mehreren Medikamenten bei der Behandlung des AD(H)S dar, welches den Wirkstoff Methylphenidat enthält. Weitere Medikamente, mit dem gleichen Wirkstoff sind: Concerta®, Medikinet®, MethylpheniTAD®,  Equasym® und andere.
Da der Begriff Ritalin® gängiger und besser zu merken ist, behalte ich ihn während dieser Arbeit bei.
Dennoch bezieht sich diese Arbeit auch auf alle anderen Medikamente, die den Wirkstoff Methylphenidat enthalten.

Der Wirkstoff Methylphenidat ist ein Amphetaminderivat, also eine amphetaminähnliche Substanz. (vgl. Löscher 2003)
Heutzutage wird Methylphenidat in erster Linie zur medikamentösen Behandlung bei AD(H)S eingesetzt, findet darüber hinaus auch Anwendung bei Narkolepsie und Augmentation von Antidepressiva bei therapieresistenten Depressionen.
Da Methylphenidat in der Auflage 3 des Betäubungsmittelgesetzes aufgelistet ist, unterliegt es einer gesonderten Verschreibungspflicht. (vgl. Löscher 2003)
Die Wirkungsweise von Methylphenidat ist bis heute nicht genau geklärt.
Desweiteren ist anzumerken, dass Methylphenidat in Deutschland bislang nur zur Behandlung von AD(H)S bei Kindern zugelassen ist.
Erwachsene können Methylphenidat nur per Off- Label- Use erhalten, was meist beinhaltet, dass die Medikamente selbst bezahlt werden müssen.
Der Wirkungsmechanismus wurde bislang noch nicht eindeutig geklärt. Aufgrund der aktuellen Erkenntnisse, erscheint eine Einwirkung auf Neurotransmitter, vor allem auf den Neurotransmitter Dopamin, am wahrscheinlichsten. (vgl. Kimko 1999)


Während meiner Recherche bin ich auf die unterschiedlichsten Meinungen und Aussagen zum Thema Methylphenidat gestoßen. Einige dieser Aussagen habe ich aufgelistet und kommentiert.

Die Nebenwirkungen von Ritalin®

In der Presse wird auch immer wieder vor den verheerenden Nebenwirkungen von Ritalin® gewarnt.
Daher habe ich einen Auszug der Nebenwirkungen aus dem Beipackzettel hier aufgeführt.
Ritalin-Nebenwirkung: Veränderung von Blutdruck und Herzfrequenz, beschleunigte Atmung und erhöhte Körpertemperatur, außerdem gedämpftes Hungergefühl, Magenschmerzen, Gewichtsverlust, Wachstumsstörungen, Gesichtszuckungen, Muskelzuckungen, Schlaflosigkeit, Euphorie, Nervosität, Reizbarkeit, Erregung, psychotische Reaktionen mit Sinnestäuschungen und Verfolgungsideen [...] (vgl. Beipackzettel von Ritalin®)

Liest man sich die Liste der möglichen Nebenwirkungen von Ritalin® durch, so bekommt man erstmal starke Zweifel an dem Medikament. Besonders wenn von „psychotische Reaktionen mit Sinnestäuschungen und Verfolgungsideen“ die Rede ist, erscheint der Vergleich mit Rauschdrogen nicht allzu abwegig.
Dennoch darf man hier nicht vergessen, dass in Beipackzetteln jede Nebenwirkung aufgelistet ist, die irgendwann mal aufgefallen ist und bei der der Verdacht besteht, dass sie mit dem Medikament in Verbindung stehen könnte.
Im weiteren lassen sich laut Dr. Helga Simchen viele Nebenwirkungen durch die richtige Handhabung vermeiden.
„Die häufigsten Nebenwirkungen bei der Stimulanzienbehandlung des Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms lassen sich weitgehend vermeiden, wenn man deren Ursachen kennt und versucht diese auszuschalten. Das setzt natürlich eine intensive Mitarbeit der Eltern voraus und eine gute Compliance. Klappt beides nicht, treten immer wieder bei der Stimulanzienbehandlung die gleichen Nebenwirkungen auf, obwohl den Betroffenen und deren Eltern die Möglichkeiten der Vermeidung ausführlich erläutert wurden.“ (Simchen)

Dr. Martin Winkler erläutert die vermeintlichen Nebenwirkungen von Ritalin® wie folgt:
„Die heute von Ärzten eingesetzten Psychostimulanzien zur Behandlung von ADHS (z.B. Ritalin, Equasym, Medikinet, Concerta oder auch Amphetamine) haben bei sachgerechter Verordnung keine dauerhaften negativen Auswirkungen oder Schäden durch verordnete Stimulanzien für die Patienten. Sie werden seit über 60 Jahren eingesetzt und haben (entgegen den häufig in der Öffentlichkeit vorherrschenden Horrormeldungen) eine sehr hohe therapeutische Sicherheit und langjährige Erfahrung.
Jedes Medikament könnte allergische Reaktionen oder ungewöhnliche Auswirkungen an Haut oder Haaren (z.B. kreisrunder Haarausfall) oder manchmal Änderungen der Anzahl roter oder weißer Blutzellen verursachen.
Derartige Nebenwirkungen sind extrem selten. Dennoch wird ein Arzt routinemässig Kontrollen des Blutbildes veranlassen. Andererseits sollten Eltern bzw. Patienten ihren Arzt auf jegliche Auffälligkeiten aufmerksam machen, um eben auch seltene Nebenwirkungen zu erkennen.
(Winkler 2003)


Ritalin® ist eine Droge

Einer der wohl gängigsten Vorwürfe lautet, dass Ritalin® eine Rauschdroge sei. Auf den ersten Blick liegt dieser Verdacht auch nahe. Zum einen handelt es sich bei Ritalin® um ein Amphetaminderivat zudem fällt  Ritalin® unter das Betäubungsmittelgesetz.
Immer wieder kann man in diversen Magazinen oder auf  Internetseiten Überschriften á la „Neue Droge en vogue auf Schulhöfen“ lesen.

Ritalin® wird in vielerlei Artikeln mit Rauschdrogen wie Kokain oder Speed gleichgesetzt.
„[...]In diesem Zusammenhang muss aber darauf verwiesen werden, dass Methylphenidat eine ähnliche Wirkung hervorruft wie Kokain[...]“ (Hüther et al).
Besonders der Vergleich mit Kokain erschien mir interessant.
Laut Dr. Martin Winkler, einem Spezialisten auf dem Gebiet des AD(H)S bei Erwachsenen, eignet sich Ritalin nicht als Rauschdroge. „Ein euphorisierender Effekt tritt bei therapeutischen Dosierungen von Methylphenidat nicht ein. Weder bei "ADHSlern" noch bei anderen Menschen.“(Winkler 2003)
Dazu möchte ich noch anmerken, dass die Anflutgeschwindigkeit von Kokain (2-3min) wesentlich schneller ist, als jene von oral zugeführtem Ritalin® (20 min). Bei so genannten retardierten Präparaten kann diese sogar bei über 60 min liegen. Kokain führt durch seine hohe Anflutgeschwindigkeit erst zu einem „Kick“, was es als Rauschdroge so interessant macht.
Ritalin® führt erst zu vergleichbaren Anflutgeschwindigkeiten, wenn es missbraucht wird, indem es intravenös oder intranasal zugeführt wird.
Anhand dieser Aussagen lässt sich darauf schließen, dass man bei Ritalin® nicht von einer Rauschdroge sprechen kann, solange es therapeutisch angewendet wird.


Ritalin® macht abhängig

Ebenso häufig, wie man von Ritalin® als Rauschdroge geschrieben wird, liest man davon, dass es stark abhängig mache. Meine Recherche dahingehend führte zu keinem eindeutigem Ergebnis. Jedoch ist bislang kein Fall bekannt, der bei fachgerechter medikamentöser Therapie zur Abhängigkeit geführt hat.
Meine Recherche führte mich unter anderem auch auf http://www.adhs-anderswelt.de, dem größten deutschsprachigen AD(H)S- Internetforum mit aktuell nahezu 10.000 Mitgliedern.
Dieses Forum besitzt mehrere Sparten zum Thema AD(H)S und Medikamente, in denen sich zahlreiche Erfahrungen betroffener Personen finden lassen, die mit Ritalin® oder dessen Generika behandelt werden/wurden.
Immer wieder berichteten Betroffene davon, dass sie die Ritalin® - Einnahmen sehr oft vergessen würden und suchten nach Ratschlägen, wie sie dieses Problem beheben könnten.
Würde bei diesen Fällen eine Abhängigkeit vorliegen, egal ob körperlicher oder psychischer Natur, dann würde der Konsum nicht vergessen werden.
Weiterhin las ich auffallend häufig davon, dass in vielen Fällen die Dosis mit fortschreitender Behandlung verringert werden konnte und die Betroffenen dies aus eigenem Willen heraus taten.
Dies widerspricht der oben aufgeführten Suchtdefinition der WHO, da die Toleranzerhöhung ausbleibt
Es ist zu beachten, dass es sich hier um eine therapeutische Anwendung von Ritalin® handelt.
Wird mit Ritalin® hingegen Missbrauch betrieben, in Form von intravenöser oder intranasaler Aufnahme und vor allem sehr hoher Dosierungen, führt es zu einer Abhängigkeit, die derer von Amphetaminen ähnelt.
Die Bedeutung in der Drogenszene ist jedoch eher gering(vgl. Winkler 2003).

In einer Studie aus Boston konnte gezeigt werden, dass ADHS-Betroffene Jugendliche die mit Ritalin® behandelt wurden, ein um 85% geringeres Risiko für Drogenmissbrauch zeigen als die ADHS-Betroffenen Jugendlichen, die nicht behandelt wurden. (vgl. Biedermann J. et al.1999)
Eine weitere, von Biedermann geführte Studie, aus dem Jahr 2008 führte wiederum zu dem Ergebnis, dass Ritalin® weder die Suchtgefahr steigere noch absenke. (vgl. Biedermann et al. 2008)
Ob Ritalin® die Suchtgefahr nun verstärkt, absenkt oder gar nicht beeinflusst ist demnach anhand der aktuellen Studienergebnisse noch nicht eindeutig geklärt.


Im weiteren Abschnitt möchte ich auf noch weitere Punkte über Ritalin® eingehen, die nicht mehr direkt dem Thema Drogen oder Sucht bei Ritalin zu tun haben, um damit zu verdeutlichen, wie sehr gespalten die Meinungen über Ritalin® sind und wo mögliche Ursache dafür liegen können.


Ritalin® stellt Kinder ruhig und lässt sie zombiehaft wirken

Als erstes möchte ich auf einen Widerspruch hinweisen, der mir in diesem Zusammenhang aufgefallen ist.
Ritalinkritiker machen zum einen den Vorwurf, Eltern würden ihre Kinder ruhig stellen, sprechen dann aber wieder von einer Rauschdroge, mit dem Vergleich zu Kokain oder Speed.
In Bezug auf das zombieartige Verhalten, lässt sich sagen, dass in aller Regel eine Überdosierung vorliegt.
Eine Überdosierung führt oft zu einem lethargischen Verhalten bzw. zu einer  Einschränkung der Wahrnehmung und des Bewegungsablaufs. (vgl. Winkler 2003)


Parkinson als Langzeitfolge von Ritalin®

Aus dem Manuskript "Kritische Anmerkungen zu den bei ADHS- Kindern beobachteten neurobiologischen Veränderungen und den vermuteten Wirkungen von Psychostimulantien (Ritalin)" von G. Hüther et al (2001), ist zu entnehmen, dass Ritalin®, als mögliche Langzeitfolge Parkinson auslösen könne.

Als interessantes Gegenargument fand ich folgende Aussage von Dr. Kirsten Stollhoff, einer Fachärztin für Neuropädiatrie:
„Hüther erwähnt die von Moll und ihm durchgeführte Auftragsstudie ( gesponsert von Lilly und Pharmacia) mit 5 Ratten, denen eine mehr als 10 fache Dosierung des Ritalins im Neugeborenenstadium verabreicht wurde.“

Dazu möchte ich noch erwähnen, dass es sich bei der dem oben genannten Sponsor Lilly und Pharmacia um einen Pharmahersteller handelt, welcher seit 2005 ein Medikament mit dem Namen Strattera® auf dem deutschen Markt hat. Dieses Medikament ist das bislang erste Medikament zur Behandlung einer AD(H)S ohne den Wirkstoff Methylphenidat. Strattera® enthält Atomoxetin, einen selektiven Noradrenalin-Wiederaufnamehemmer. Ohne eine Unterstellung machen zu wollen, liegt hier die Vermutung nahe, dass es sich bei der Studie und ihrer scheinbar mangelhaften Durchführung um ein Marketinginstrument von Lilly und Pharmacia handeln könnte.


Ritalin und Scientology

Immer wieder liest man im Internet über eine Verbindung zwischen Ritalin-kritischen Meldungen und der Scientologykirche.
Auszug aus dem Artikel „Scientology und ihre Kritik an der Psychiatrie“
Scientology und insbesondere die ihr zugehörige so genannte „Kommission für Verstöße der
Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) “ üben immer wieder Kritik an der Psychiatrie
und ihren psychiatrischen Behandlungsmethoden. Dies erfolgt insbesondere im Rahmen
von Flugblattaktionen, Demonstrationen oder auf der entsprechenden Internethomepage. Als
jüngstes Beispiel sei die Scientology Demonstration gegen den ADHS Kongress in Würzburg
erwähnt. (Mainpost 2007)

Wie aus dem Zitat zu entnehmen ist, liegt seitens Scientology eine Abneigung gegen jegliche Form von Psychiatrie vor.
Daher scheinen die Gerüchte, dass durch Scientology viel Negativpresse über Ritalin® verbreitet wird, nahe zu liegen.
Bei dem Thema „Ritalin® und Scientology“ fallen auch immer wieder die Namen der Internetseiten http://www.ritalin-kritik.de und http://www.ads-kritik.de.
Nach genauerer Recherche konnte ich diese Vermutung für zumindest eine der Seiten beweisen.
Der Herausgeber der Internetseite http://www.ritalin-kritik.de, Helmuth Keading, ist auf weiteren, offiziellen Internetseiten der Scientologykirche vertreten.
Für die Internetseite http://www.ads-kritik.de kann ich diesen Beweis zwar nicht erbringen, aber dennoch fielen mir auffällig häufig Verlinkungen auf, die mich auf Internetseiten führten die direkt oder auch nur indirekt mit Scientology in Verbindung stehen.

Der Verdacht, dass viel  Negativpresse über Ritalin®, durch die Scientologykirche verbreitet wird, scheint sich also zumindest teilweise bestätigt zu haben.


Fazit

Aufgrund der oben erläuterten Ergebnisse meiner Recherche bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei Ritalin® nicht um eine Rauschdroge handelt, solange es therapeutisch eingesetzt wird. Die Dosierungen sind viel zu gering, wodurch einige Kriterien, die für eine Rauschdroge sprechen würden, unerfüllt bleiben.
Wird Ritalin® hingegen missbraucht, dann erfüllt es ganz klar die Kriterien für eine Rauschdroge.
Dabei muss aber die scheinbare Seltenheit und die geringe Eignung als Rauschdroge beachtet werden.
Durch Verunglimpfungen wie Schulhofdroge etc. wird meines Erachtens, aufgrund der vergleichsweisen Seltenheit, dem Aspekt des möglichen Missbrauchs zu viel Beachtung geschenkt.
Der Fokus sollte, lieber auf andere Rauschdrogen gelegt werden, durch die täglich mehr Probleme entstehen als durch Ritalin®.
Im allgemein bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es sehr viel Negativpresse über Ritalin® gibt, die übertrieben und verfälschend ist. Zudem ich denke, dass ich den Nachweis erbringen konnte, dass es durchaus weitere Interessen als „nur“ den guten Willen geben kann, wieso man über vermeintlichen Gefahren von Ritalin® „aufklärt“ und Ritalin® negativ darstellt.
Sicherlich ist Ritalin® alles andere als ein harmloses Medikament.
Ritalin® fällt nicht umsonst unter das BTM-Gesetz. Es beinhaltet ein gewisses Missbrauchspotential und unterliegt zu Recht strengeren Kontrollen. Zudem sind die Nebenwirkungen bei Ritalin® zum Teil auch nicht unbedenklich. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass es sich um ein Medikament handelt, welches immer gewisse Risiken birgt.
Solange es unter vernünftiger ärztlicher Aufsicht angewendet wird, gibt es auch nur vergleichsweis wenig Fälle, bei denen es zu ernsthaften Probleme kommt.

Ritalin® gehört aufgrund seiner hohen Wirksamkeit zu den Mitteln erster Wahl bei AD(H)S. Durch die Darstellungen von u.a. Scientology und anderen Ritalingegnern, vermeiden es viele Eltern oder betroffene Erwachsene trotz der Notwendigkeit Ritalin® anzuwenden und verwehren ihrem Kind oder sich selbst, eine wirkungsvolle Therapie.


Quellen und Literaturnachweise

Fachinformation des Arzneimittel-Kompendium der Schweiz: Ritalin® Stand der Informationen: Juli 2006
Sicherheitsdatenblatt für Methylphenidat-HCl – Sigma-Aldrich 22.12.2007
Dougherty, DD., Bonab, AA, Spencer, TJ., Rauch, SL, Madras, BK., Fischman, AJ: Dopamine transporter density in patients with attention deficit hyperactivity disorder. Lancet 354 (1999) 2132-2133.
Biedermann J. et al.: Pharmakothearpy of ADHD Reduces Risk for Substance Use Disorder, Pediatrics Vol 104,2, e20ff, 1999
Biedermann J. et al.: Stimulant Therapy and Risk for Subsequent Substance Use Disorders in Male Adults With ADHD: A Naturalistic Controlled 10-Year Follow-Up Study, 1998
Hüther et al.: Kritische Anmerkungen zu den bei ADHD-Kindern beobachteten neurobiologischen Veränderungen und den vermuteten Wirkungen von Psychostimulantien (Ritalin), 2001
Pharmakotherapie bei Haus- und Nutztieren (W Löscher, FR Ungemach & R Kroker, eds), Parey Buchverlag, im Blackwell Verlag GmBH, 10707 Berlin (D), 6. Edition: pp 27-47, 2003
Kimko HC, Cross JT & Abernethy DR:
Pharmacokinetics and clinical effectiveness of methylphenidate.
Clin Pharmacokinet 37(6): 457-470, 1999
http://www.win-future.de/
http://www.s-line.de/
http://www.lilly-pharma.de/
http://www.novartis.de/
http://www.kinderohnerechte.ch
http://www.gesundheitsseiten.de/
http://www.aerzteblatt.de/
http://web4health.info/de
http://www.euro.who.int
http://www.ritalin-kritik.de
http://www.ads-kritik.de
http://www.bfarm.de

lg Michael



Liebe ADWler,

eine Diskussion zum Thema ist ausdrücklich erwünscht unter:

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Euer Team ;)
Zuletzt geändert von michael am 28. Januar 2012 11:10, insgesamt 1-mal geändert.

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