Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

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Dopi
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Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon Dopi » 12. November 2017 20:00

Hallöchen.

Ich bin 54 Jahre alt und habe ADHS seit meiner Kindheit.
Nun ist vor etwa einem Jahr festgestellt worden das ich das Segawa Syndrom habe. Das nun mit L-Dopa behandelt wird. Durch diese Behandlung sind auch Symptome von dem ADHS verschwunden.
Nun die Frage.
Kann L-Dopa helfen gegen ADHS?
Könnte L-Dopa meinem Sohn und Enkelin, die auch von ADHS betroffen sind, helfen?

LG Wolfgang
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Maya18Max
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Re: Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon Maya18Max » 12. November 2017 21:12

Hallo Wolfgang,

herzlich willkommen bei uns im Forum.

Ich musste jetzt ersteinmal nachlesen, was denn Wikipedia zu Segawa Syndrom sagt. Dann wiederum habe ich nachgelesen, was denn der Wirkstoff ist, mit dem du behandelt wirst. Schau mal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Levodopa

Da L-Dopa im Gehirn als Dopamin verstoffwechselt wird, ist klar, dass deine ADHS Symtome reduziert werden. Bei ADHS ist u.a. nämlich ein Dopaminmangel im Gehirn vorhanden.

Ich denke nicht, dass bei deinem Sohn/Enkelin das L-Dopa die richtige Wahl an Medikation ist. Aber das ganze muss natürlich der Arzt entscheiden. In der Regel wird ADHS mit Ritalin/Medikinet (Methylphenidat) medikamentös behandelt.

Viele Grüße
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Dopi
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Re: Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon Dopi » 12. November 2017 23:07

Dankeschön.
Naja das ist mir klar das es gewöhnlich mit Ritalin/Medikinet (Methylphenidat) behandelt wird.
Das Problem ist das diese Mittel recht viele Nebenwirkungen haben. Mein Sohn hat sie nicht gut vertragen und auch stark an Gewicht verloren. Wir mußten sie absetzen. Nun ist er 21 Jahre alt, ohne Schulabschluß und ohne Arbeit.
Deshalb hoffe ich ja das da L-Dopa helfen könnte. Es hat weniger Nebenwirkungen. Zumindestens ist es bei mir so.
Ich nehme 1600 mg L-Dopa und es geht mir viel besser als vorher.
Meine Frage hier ist eben. Ob Jemand hier im Forum Erfahrungen mit L-Dopa hat zur Behandlung von ADHS.
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Re: Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon laetitia » 12. November 2017 23:31

Grundsätzlich wird L-Dopa für die Symptombehandlung bei Parkinson verwendet. Bei Parkinson produzierd das Gehirn in gewissen Regionen zuwenig oder gar kein Dopamin mehr. L-Dopa ist ein Vorläufer von Dopamin. Weil Dopamin selbst die Blut-Hirnschranke nicht überwinden kann, gibt man Parkinson-Patienten L-Dopa, denn dieses kommt durch und wird dann in Dopamin umgewandelt. Die Dosierung ist allerdings heikel, weil zuviel Dopamin psychotische Zustände auslösen kann. Es wird angenommen, dass Schizophrenie mit einem Dopaminüberschuss zu tun hat. Bei vielen Parkinson-Patienten lässt die Wirkung zudem mit der Zeit nach. Wie das bei nicht-parkinson-Erkrankten aussieht, weiss ich nicht. Ich stelle mir das aber eher heikel vor.

Da würde ich mit dem Arzt sprechen und ihn um Rat fragen. Mit solchen Substanzen sollte man nicht leichtfertig umgehen.
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Re: Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon Dopi » 12. November 2017 23:42

Nene, selber mache ich da nichts. Das L-Dopa muß ja auch verschrieben werden.
Aber stimmt bei Parkinson nimmt die Wirkung ab. Bei Segawa nimmt die Wirkung nicht ab. Ich kenne Jemanden der L-Dopa gegen Segawa über 43 Jahre nimmt ohne das die Wirkung abnimmt.
Mit der Dosierung ist es natürlich schwierig. Bei Segawa ist sie recht leicht an den Symptomen zu sehen. Wie das allerdings bei ADHS wäre weiß ich nicht.
In ein paar Tagen habe ich wieder einen Termin bei meinem Neurologen. Den werde ich mal nach seiner Meinung dazu fragen.
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Maya18Max
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Re: Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon Maya18Max » 12. November 2017 23:46

Dopi hat geschrieben:Das Problem ist das diese Mittel recht viele Nebenwirkungen haben. Mein Sohn hat sie nicht gut vertragen und auch stark an Gewicht verloren. Wir mußten sie absetzen. Nun ist er 21 Jahre alt, ohne Schulabschluß und ohne Arbeit.


Welches Medikament habt ihr denn ausprobiert? In welcher Dosierung?

Bei Medikinet zB muss mann wissen, dass man grundsätzlich Frühstücken muss. Sonst kann es zu massiven Nebenwirkungen kommen.

Normalerweise hat Methylphenidat wenig Nebenwirkungen. Oftmals sind sie schlecht/gar nicht richtig eingestellt. Es gibt neben Ritalin auch noch weitere Medikamente. Elvanse z.B. das hat einen ganz anderen Wirkstoff. Wird aber i.d.R. nur bei Kindern bezahlt. Manche Krankenkassen bezahlen auch danach, vielleicht hättet ihr Glück, wenn euer Sohn 21 ist, dass er unter diese "Weiterbehandlung" fällt die bis dahin gilt?!

Unser Sohn hat vor Ritalin wenig gegessen, mit Medikation aber genauso wenig. Manchmal hat er dann am Abend spät noch mal hunger gehabt. Jetzt mit Elvanse haben wir weniger Probleme mir dem Hunger.

Da wir Erwachsene auch auf Medikamente eingestellt sind, und teils dauerte es tatsächlich lang (sind noch am Feinschliff), kann ich sagen dass es schlussendlich wenig bis keine Nebenwirkungen hat.

Liebe Grüße
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Re: Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon Dopi » 13. November 2017 00:04

Unser Sohn hatte Medikinet. Dosierung weiß ich nicht mehr. Schon mehere Jahre wohnt er nicht mehr bei uns und er hat mehr oder weniger seine Probleme selber in der Hand.
Bei unserer Enkelin, (sie ist nicht die Tochter unseres Sohnes) ist noch etwas Zeit sie ist erst 2 Jahre. Aber schon seit der Geburt zeigt sie die ADHS Symptome und ist teilweise kaum zu ertragen. Da muß der Kinderarzt sagen wann und was zu tun ist.
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Re: Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon Maya18Max » 14. November 2017 13:05

Ihr könnt ja mal schauen, ob ein richtiger Fachmann/Fachfrau in der (weiteren) Nähe ist. Vielleicht kann man Eure Enkelin schon im KiGa Alter diagnostizieren?!

Denke da ist idR der Kinderarzt überfordert oder er wird sich ggf weigern im frühen Alter etwas zu tun.
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Re: Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon Dopi » 14. November 2017 23:35

Ja, der Kinderarzt ist jetzt schon überfordert. Dabei ist die Kleine erst 2 Jahre alt. Da sollte unsere Tochter wirklich mal einen Spezialisten mit ihr aufsuchen.
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Re: Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon ADHDgoesto11 » 15. November 2017 13:39

Dopi hat geschrieben:Kann L-Dopa helfen gegen ADHS?


Möööööglicherweise.


Dazu muss man betrachten, wie ein Neurotransmitter wie Dopamin bei der Übertragung von Reizen zwischen Nervenzellen wirkt und was bei dem Prozess der Reizübertragung schiefgehen kann, so dass ADHS-Symptome entstehen:

1. Nervenzelle A will Nervenzelle B einen Reiz übermitteln und setzt eine bestimmte Menge des Neurotransmitters Dopamin in den synaptischen Spalt (einen kleinen Raum zwischen den beiden Zellen) frei.

2. Rezeptoren auf der Außenseite von Nervenzelle B nehmen die Anwesenheit des Dopamins wahr und Nervenzelle B wird dadurch angeregt.

3. Nervenzelle A befördert das Dopamin aus dem synaptischen Spalt wieder zurück in ihr Inneres, damit es a) nicht zu dauerhafter Anregung von Nervenzelle B kommt und b) das Dopamin nicht verlorengeht.

Was kann jetzt dabei schiefgehen, so dass Nervenzelle B die Anregung nicht mitbekommt?

1a) In Nervenzelle A gibt es gar kein/nicht genug Dopamin, das sie freisetzen könnte. Das passiert bei Morbus Parkinson in bestimmten, hauptsächlich für Motorik zuständigen Bereichen des Gehirns.
1b) In Nervenzelle A gibt es zwar genug Dopamin, aber es wird zu wenig davon freigesetzt.

2a) Die Rezeptoren sind nicht empfindlich genug oder es sind zu wenige davon vorhanden, um Nervenzelle B trotz eigentlich ausreichender Anwesenheit von Dopamin anzuregen.

3a) Es wird zwar genug Dopamin freigesetzt und Nervenzelle B ist eigentlich empfindlich genug, aber der Rücktransport des Dopamins in das Innere von Nervenzelle B geschieht zu schnell; die Einwirkzeit ist nicht ausreichend und Nervenzelle B wird nicht angeregt.

1b), 2a) und 3a) hängen in einem gewissen Bereich multiplikativ zusammen, d.h. man kann eine zu geringe Freisetzung oder eine zu geringe Rezeptorempfindlichkeit oder -dichte ausgleichen, indem man die Verweilzeit des Neurotransmitters erhöht. Der Wirkstoff Methylphenidat macht genau das; er verlangsamt die Wiederaufnahme des Dopamins bei Punkt 3. Der Wirkstoff Amphetamin tut das auch und erhöht gleichzeitig noch die Freisetzung bei Punkt 1.

Eine generelle Erhöhung der Verfügbarkeit von Dopamin, wie sie L-Dopa bewirkt, kann natürlich auch auf diesen Prozess einwirken.

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus
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Re: Kann ADHS mit L-Dopa behandelt werden?

Beitragvon Dopi » 15. November 2017 22:59

Oh, vielen Dank für die ausführliche Antwort.
Das werde ich mal an meine Tochter weiterleiten. Damit sie richtig handeln kann bei ihrer Tochter.

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