Medikamente bei ADHS/Asperger

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Marianna
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Medikamente bei ADHS/Asperger

Beitragvon Marianna » 4. Januar 2017 14:19

Hallo,
ich bin neu hier und suche Hillfe und Infos zum Thema Medikamente bei ADHS.
Mein Sohn ist 10 Jahre alt und wir haben seit 5 Jahren die Diagnose Asperger Autismus und seit 2 Jahren die ADHS Diagnose. Er geht mit Schulbegleitung in die 3. Klasse einer Regelschule. Ich habe ihn die 3. Klasse freiwillig wiederholen lassen, weil er immer hinter den anderen Kindern zurück war und in der 4. Klasse ja dann eh der Übertrittswahnsinn losgeht.
Wie waren lange in Ergo- und Autismustherapie und wegen des ADHS nimmt er seit 2 Jahren Addy Plus und seit 1 Jahr machen wir regelmäßig Neurofeedback. Natürlich ist er immer noch ein "Gummiball" (wie eine Freundin immer sagt ;-)) und hat seine Ausbrüche und Bockanfälle, aber ich hab das Gefühl, dass es ihm wirklich geholfen hat und er seinen Auf und Abs nicht mehr ganz so hilflos ausgeliefert ist. Trotzdem waren die ersten Schuljahre in der Schule und zu Hause Drama hoch zehn, aber seit er die 3.Klasse wiederholt, macht er riesengroße Fortschritte, hat aber in der Schule immer noch Probleme. Er träumt vor sich hin oder ist bei einem ganz anderen Thema als der Rest der Klasse, er spielt mit seinem Federmäppchen, singt oder spricht vor sich hin oder macht Geräusche. Manchmal steht er auf, läuft in der Klasse herum und ab und zu geht er auch einfach raus, wenn er sich wegen irgendetwas ärgert :-(. Manchmal geht´s tage- und wochenlang gut, dann wieder gar nicht. Sein Verhalten ist auch stark tagesformabhängig. Oft weiß ich schon Tage vorher, wenn er eine Erkältung bekommt, weil er dann wieder ganz "schräg" drauf ist, manchmal gibt´s aber auch keinen erkennbaren Grund.
Jetzt hab ich mich also dazu durchgerungen, Medikamente auszuprobieren. Die Kinder- und Jugendpsychiaterin, die die ADHS Diagnose gestellt hat, hat mir schon vor zwei Jahren dringend zu Ritalin geraten und meint auch, viele seiner Probleme kämen nicht vom Autismus, sondern vom ADHS.
Jedenfalls hab ich jetzt von ihr Medikinet (kein retard) bekommen und ich soll es sehr vorsichtig dosieren, da Autisten anscheinend oft sensibler darauf reagieren. Ich werd am Freitag dann mit 2,5mg anfangen und gucken, ob und wie lange es wirkt. Die Ärztin meint auch, ich solle es am Wochenende und in den Ferien durchgeben.
Wie habt ihr denn mit der Dosierung angefangen und wie kommen eure Kinder damit zurecht? Es wär zwar schön, wenn jemand mit beiden Diagnosen Erfahrung hat, aber ich bin wirklich um jeden Rat dankbar. Momentan mach ich mir einen Riesenkopf, ob die Entscheidung überhaupt richtig ist und kann nachts deshalb schon nicht mehr schlafen.
Danke und viele Grüße aus dem verschneiten Oberbayern
ADHDgoesto11
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Re: Medikamente bei ADHS/Asperger

Beitragvon ADHDgoesto11 » 4. Januar 2017 14:39

Unser Sohn hat auch die Kombination von Autismus und ADHS. Er wird seit der Kindergartenzeit mit MPH behandelt.

Den Unterschied im Verhalten kann man bemerken - "ohne" ist er deutlich hibbeliger als "mit". Aber auch "mit" bestehen noch genug Probleme, so dass er in der Schule ein Schulbegleitung/Integrationshilfe benötigt.

Zur Dosierung kann man wenig sagen, die ist höchstindividuell. Wir haben eine "durchschnittliche" Dosis - mit mehr als dieser hatten wir keine negativen Effekte, aber auch keine zusätzliche Verbesserung der Symptomatik. Wir haben auch schon einmal Attentin ausprobiert, aber bis auf die Tatsache, dass es (unretardiert) sechs Stunden wirkt statt nur vier hatte es keine merklich bessere Wirkung als MPH.

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus
Marianna
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Re: Medikamente bei ADHS/Asperger

Beitragvon Marianna » 4. Januar 2017 15:03

Ich hab mal geguckt, anscheinend war euer Sohn ja auch öfter auf Wanderschaft. Ohne Schulbegleitung ging es bei uns auch nicht, obwohl er jetzt nicht mehr so oft wegläuft wie früher, dafür mittlerweile gezielter... :roll: . Wie ist denn eure durchschnittliche Dosierung? Gebt ihr ein Retardmedikament?
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Re: Medikamente bei ADHS/Asperger

Beitragvon Gutemiene » 4. Januar 2017 17:59

Hallo,

habe zwei Gedanken zu dem, was du geschrieben hast.

Erstens war bei uns MPH lange verpönt (eine Verwandte ist Förderschullehrerin und die hatte oft Kinder mit unklarer Diagnose , aber MPH-Medikation - doof, oder?! -in ihren Klassen. Daher galt MPH als letzter Versuch, etwas zu bessern.
Als bei meinem Sohn eine Schilddrüsenunterfunktion erkannt und medikamentös gut behandelt war, die Unruhe und Konzentration bei meinem Jüngsten dennoch zu viel Unterrichtsausfall führte und nichts sonst half-er hatte auch eine 1:1 Schulbegleitung -haben wir MPH ausprobiert.
Zuerst Ritalin, dann retardiertes Ritalin, die Wirkung war totaler Appetitverlust.
Dann haben wir Medikinet ausprobiert.
Es hat sofort gut gewirkt!
Das ist eine Einzel- Beobachtung.

Ich habe das immer mit meinem Sohn besprochen: Dass die Einnahme kein Muss ist und er sich selbst beobachten möge, um Wirksamkeit und Wohlbefinden zu kontrollieren.
Es handhabt die Einnahme nach Gefühl, ich denke manchmal, es kann doch dosismäßig gar nicht so wirken, aber ich überlasse es ihm, solange er gut damit klarkommt.
Er nimmt in den Ferien nichts, und ehrlichgesagt, ich merke das auch, aber so kenne ich ihn eben und nur meinetwegen muss er keine Chemie einwerfen, nur um umgänglicher zu sein.
Das Wichtigste ist aber, dass er so den Schulbetrieb auf die Kette kriegt!

Zweitens denke ich, das eure Schulbegleitung etwas mehr leisten sollte.
Es hört sich zumindest bei deinem Bericht an, als ob der Schulbegleiter nicht für ausreichend ruhige Umbegung sorgen kann oder dass zumindest die Bedingungen für ein ASS-ADHS-Schulkind nicht optimal sind.

Auch mein Sohn hat die gesicherten Diagnosen Autismus-Spektrum-Störung (Aspergersyndrom), ADHS und zusätzlich Leserechtschreibstörung. Weil er ansonsten ein fittes Kerlchen ist, habe ich erst spät von der Möglichkeit "Nachteilsausgleich" Gebrauch gemacht. - D.h., ich wollte, die Schule aber nicht :o
Ist'n anderes Thema....

Also, zusammengefasst will ich sagen, nur Mut, probiert es mit MPH aus, achten tust du sicher ohnehin auf deinen Sohnemann.
Und immer wieder Unterstützung erbitten, bei Schule, beim Schulbegleiter, beim Schulpsychologen, beim Ki+Jugendpsychiater.....


Gruß!
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:
ADHDgoesto11
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Re: Medikamente bei ADHS/Asperger

Beitragvon ADHDgoesto11 » 4. Januar 2017 20:07

Marianna hat geschrieben:Ich hab mal geguckt, anscheinend war euer Sohn ja auch öfter auf Wanderschaft.


Ja, das hat sich aber mit dem Alter und aufkommender Vernunft stark gebessert. Das nächste mal beim SPZ können wir das zweite Jahr in Folge ohne Polizeieinsätze vermelden ... hoffentlich.

Sohnemann bekommt Medikinet Retard. Wir konnten bei ihm einen deutlichen Unterschied zu retardiertem Ritalin feststellen - das hatte nämlich nach dreieinhalb Stunden eine deutliche Wirkungslücke und Sohnemann tickte praktisch pünktlich um 11 Uhr in der Schule aus. Mit Medikinet hält die morgentliche Dosis ihre 6-7 Stunden ohne Lücken.

Tochter *2007 ... ADHS
Sohn *2005 ADHS+Autismus
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Re: Medikamente bei ADHS/Asperger

Beitragvon Marianna » 4. Januar 2017 20:31

Hallo,
ja, da hast du schon recht mit unserer Schulbegleitung und die Schule ist zwar bemüht (wir haben auch einen Nachteilsausgleich), hat aber keine Erfahrung mit Autisten. Leider haben wir hier aber keine wirkliche Alternative dazu. Das Wichtigste ist für mich aber, dass mein Sohn trotz allem gerne in die Schule geht und sich in seiner Klasse wohl fühlt. Es ist eine jahrgangsübergreifende Klasse und er kennt seine Mitschüler schon seit der ersten Klasse und sie kennen ihn.
Schwierig ist es hauptsächlich mit dem Jugendamt, aber das ist eine eigene, unendliche Geschichte. Nur soviel: Mein Kinderarzt meint, ich solle dem Jugendamt nix von ADHS erzählen, sonst würden sie mir wahrscheinlich die Schulbegleiterstunden kürzen :evil: . Da ich die Schulbegleitung eh nur mit Anwalt bekommen habe, glaube ich ihm das auch sofort.
Hilfen hab ich aber trotzdem. Wir haben einmal die Woche eine sehr nette Hausaufgabenhilfe, die mein Sohn heiß und innig liebt und die selbst Schulbegleiterin ist, einen tollen Elternstammtisch und eine sehr nette Ärztin, die ihn in Hauptstresszeiten (z.B. vor den Weihnachtsferien) auch mal von der Schule befreit.
Ich hab auch wirklich lange gezögert wegen MPH, aber jetzt werd ich es ausprobieren. Und je mehr ich bei euch lese, umso sicherer bin ich mir auch. Außerdem hat mein Kleiner im letzten Jahr so große Fortschritte gemacht und vielleicht, oder sogar wahrscheinlich, tut er sich dann einfach leichter. Vor einem Jahr hätte ich mit ihm auch noch gar nicht darüber reden können, aber jetzt schon und das machts auch leichter für mich, wenn er mitentscheiden kann.
Ich hab auch das Gefühl, das Alter und die Zeit arbeiten für uns - zumindest bis zur Pubertät :o . Mein Großer (kein ADHS, nur pubertär und das hat auch gereicht) ist fast durch und mit meinem Kleinen hab ich vielleicht noch a bisserl Ruhe (vor dem Sturm). Zumindest kann ich mit ihm jetzt einkaufen gehen, ohne dass er einfach verschwindet und mit wildfremden Menschen mitgeht. Jetzt bleibt er meistens da und quasselt sie nur noch voll ;)
Danke euch und viele Grüße
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Sheherazade
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Re: Medikamente bei ADHS/Asperger

Beitragvon Sheherazade » 5. Januar 2017 11:14

Marianna hat geschrieben:Außerdem hat mein Kleiner im letzten Jahr so große Fortschritte gemacht und vielleicht, oder sogar wahrscheinlich, tut er sich dann einfach leichter.


Das ist höchstwahrscheinlich. Unser Jüngster hat auch die Kombi Autismus/ADHS. Er wurde im 3. Schuljahr auf MPH eingestellt mit sofortiger Wirkung hinsichtlich seiner mangelnden Impulskontrolle (das war sein einziges spürbares Symptom von ADHS). Er ist seitdem auf 30 mg Medikinet retard geglieben, jetzt, mit fast 14 und im 7. Schuljahr der Realschule können wir das MPH weglassen.

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