MPH und Tauchen

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Alina Licht
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MPH und Tauchen

Beitragvon Alina Licht » 20. Oktober 2016 00:48

Hallo zusammen!
Ich hoffe mal, es gibt hier jemanden, der mir vielleicht weiterhelfen kann...
Ich bin im Tauchverein und brauche eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung, um Gerätetauchen zu dürfen.
Jetzt hat der Arzt im Verein gesagt, als er hörte, dass ich Medikinet nehme, dass er mir keine Tauchtauglichkeit ausstellen könne, weil er nicht wüsste, wie sich das Medikament zB unter höherem Umgebungsdruck, anderer Atemluft usw verhält. Wir wollten dann noch mal den KiJuPsych danach fragen, aber erstens wissen wir nicht, inwiefern der über Tauchen informiert ist und zweitens ist der nächste Termin noch etwas hin.

Allerdings bin ich nicht das einzige Vereinsmitglied mit ADHS. Ein ehemals guter Freund von mir hat auch ADHS und ich weiß, dass er Ritalin bekommt und wohl auch mal Probleme hatte eine Tauchtauglichkeit zu bekommen. Nach dem Gespräch mit dem Taucharzt ging mir ein Licht auf, wieso er die wohl damals nicht bekommen hat. Also wollte ich ihn fragen, wie das bei ihm war und ob sich das inzwischen geklärt hat. (Ich frag mich echt, warum der Taucharzt immer noch keine Ahnung hat, wenn das ganze doch schon mal vorkam... O_O)

Leider kam ich nicht dazu, mit ihm zu sprechen, weil ich letzte Woche nicht da war und heute nach einer halben Stunde wieder gegangen bin, weil ich es am Anfang des Trainings geschafft habe, mir den Fuß aufzuschürfen, sodass ich mit dem Pflaster nicht mehr ins Wasser konnte und meine Mutter mich früher abgeholt hat... :roll:
Das heißt, ich werde wohl erst nächste Woche nachfragen können und dachte mir, ich nutze die Zwischenzeit und frage hier mal nach, ob sich damit jemand auskennt oder Erfahrungen hat.

Liebe Grüße Al
Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden! ;)

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Eule
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Re: MPH und Tauchen

Beitragvon Eule » 20. Oktober 2016 10:48

Da diskutieren die Fachleute offenbar noch sehr intensiv.

Anerkannte Kriterien für Tauchtauglichkeit gibt es bei der GTÜM. Guckstu hier: https://www.gtuem.org/143/tauchtauglich ... ormationen und natürlich auch beim speziellen unterpunkt Kinder und Jugendliche.

Ein halbwegs aktueller Sachstand was für eine Tauchtauglichkeit trotz ADHS, bzw trotz Medikation spricht, bzw was dagegen spricht in Form eines Diskussionsprotokolls von einer Fachtagung ist in diesem PDF zu finden - Seite 11 folgende. http://gtuem.praesentiert-ihnen.de/cais ... wnload.pdf

Fazit:

Es gibt Fachleute die sagen, dass das ADHS an sich wegen Schwierigkeiten bei Konzentration, Aufmerksamkeitssteuerung, Impulskontrolle, Gefahr von Panikreaktionen besonders unter Wasser eine Tauchtauglichkeit ausschließt. Werden diese Symptome mit MPH behandelt, dann ist das MPH das Problem - weil es möglicherweise auf den Blutdruck wirkt oder andere nicht mit dem tauchen kompatible Nebenwirkungen haben kann. Wenn nun euer Vereinsarzt zu dieser "absolut no go - Gruppe" gehört, hast du die A... karte.

Die Gruppe die sagt dass das ganze individuell zu betrachten und bewerten ist, und daher weder ADHS an sich noch die Medikation mit Stimulantien grundsätzlich die Tauchtauglichkeit ausschließen, gibt es allerdings auch. Dabei gibts auch noch 2 Varianten: unter Umständen könnte ein ADHS dessen Symptomatik wenig ausgeprägt und durch Training, klare Absprachen, Bewusstsein für die Wichtigkeit von Regeln besonders in "spannenden/interessanten" Situationen gut kontrolliert werden kann, kein absolutes Ausschlusskriterium sein. Außerdem sagt die "eventuell gehts- Gruppe" auch dass bei einer Medikation die Medieinstellung ja zunächst ohne die besonderen Druckverhältnisse beim Tauchen erfolgt, und sofern dabei keine Probleme auftreten, zumindest bei geringen Tauchtiefen das Risiko nicht als kritisch eingestuft werden muss, ganz ähnlich wie das bei mit Diät oder Insulin gut eingestellten Diabetikern betrachtet wird. Diese "eventuell ja - Gruppe" befürwortet jedoch strikte Grenzen was Tauchtiefe und Dauer der Tauchgänge angeht, mindestens entsprechend der alterstypischen Empfehlung, gegebenenfalls auch noch etwas strenger, besonders zu Anfang, sozusagen auf Probe, bzw als zusätzlicher Sicherheitsfaktor, wenn ich das richtig verstehe. Auch der Übergang von Schwimmbad zu Freiwasser wird dort anscheinend als wichtig betrachtet, um zunächst unter den besser kontrollierten Bedingungen in einem Becken schauen zu können ob Absprachen, Regeleinhaltung, Kommunikation mit Lehrern und Tauchpartnern etc wirklich zuverlässig klappen trotz der ungewohnten Umgebung.

So wie sich das für mich in den Fragebögen für Kinder und Jugendliche liest, ist es wohl maßgeblich für die Tauglichkeit, dass ein Kind den Eindruck macht, wirklich einzusehen dass und warum "absolutes und sofortiges Befolgen von Anweisungen ohne diskutieren sowie eine gute Selbstbeobachtung und sofortiges mitteilen von irgendwie seltsamen Befindlichkeiten oder Schmerzen während eines Tauchgangs und danach befolgen der Anweisungen/Entscheidungen des Lehrers wichtig sind, und auch dass das Kind fähig ist so zu handeln.

Zu deutsch: Wer den Eindruck macht, dass er unter Stress oder unter Ablenkung nicht mehr fähig ist, sich selbst gut zu beobachten, Anweisungen vollständig und ohne Verzögerung umzusetzen oder wo der Eindruck entsteht "wenns eng wird weiß der/die nix mehr von dem was vorher beigebracht/erklärt wurde" (Stichworte nicht nur Impulsivität, sondern auch Ängste/Panikreaktionen), der wird auch wenn er keine ADHS-Diagnose hat keine Tauchtauglichkeit bescheinigt bekommen.

Ich denke es ist ein schwieriges Thema - aber auch eins wo durchaus die Möglichkeit besteht, dass der Arzt irgendwann seine Meinung ändert, wenn er den Eindruck gewinnt dass du dein ADHS beim Tauchen gut im Griff hast, und dass es in einem entsprechend gut abgesteckten Rahmen mit klaren Grenzen und Regeln funktionieren kann. Zumindest dann wenn er nicht ausgerechnet zur "Absolut No Go" - Gruppe gehört. Vielleicht könnte es helfen, wenn er dich beim Training ohne Geräte beobachten kann, und sieht wie du dich da verhältst, um zunächst mal ein OK für recht eng gesteckte Grenzen zu bekommen.
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Re: MPH und Tauchen

Beitragvon ripley » 23. Oktober 2016 10:23

Alina, vielleicht solltest Du Dich noch mal von einem anderen Tauchmediziner beraten lassen?

Im Grunde geht es da nämlich um zwei Fragen:
a) Ob und wie Du an die begehrte Tauchtauglichkeits-Bescheinigung kommst, um den Kurs weitermachen zu können
b) Wie SICHER letztlich für Dich das Tauchen ist

Zu a) hat Dir Eule schon bisl was geschrieben.
Befass Dich aber bitte auch und im Besonderen mit b). Das ist WICHTIGER für dich als a).

Ich bin jetzt wahrlich kein erfahrener Taucher (habe gerade mal den OWD beisammen), aber ich habe zumindest schon mal einen groben Eindruck von dem Stress, der auch unter ganz normalen "ungefährlichen" Bedingungen unter Wasser aufkommen kann. Teils von/bei mir selbst (Wiedereinstieg nach längerer Pause), teils bei anderen beobachtet. Und es kann halt auch wirklich scheußlich viel schiefgehen da unten. Die Fähigkeit, sich da selbst wieder runterzuregulieren, kann lebensrettend sein. Wenn Du das OHNE MPH kannst, ... fein. Wenn nicht, muss man wirklich gucken, wie Tauchen und MPH interagieren.

Ich habe in Tauchurlauben Leute erlebt, die nach deftigen abendlichen Besäufnissen vormittags mit ordentlich Restalkohol getaucht sind und mich gefragt, ob die sich wirklich schnellstmöglich umbringen wollen.
Ich habe mitbekommen, wie (war ein anderes Tauchboot) sie nach einem gesucht haben, der nicht wieder hochgekommen ist. Und so weiter.
Ich bin vielleicht einfach zu alt für Leichtsinn, aber ... ich finde, größtmögliche Fitness sollte man schon an den Tag und unter Wasser legen. Und einen möglichst substanzfreien Kopp vielleicht auch. Aber wie gesagt, ich weiß nicht, was MPH auf 6 oder 12 m Tiefe mit einem veranstaltet. Und aus 12 m kannst Du halt nicht "mal eben schnell" auftauchen, wenn's Dir komisch ist. Weißt Du aber schon, nech?
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Alina Licht
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Re: MPH und Tauchen

Beitragvon Alina Licht » 23. Oktober 2016 21:03

Hallo Eule und ripley, vielen Dank für die schnelle und ausführliche Antwort! :D

Zufälligerweise hat sich heute schon mal die Frage geklärt, was der KiJuPsych davon
Meine Mutter wie es aussieht schon mit ihm gesprochen und bloß vergessen (oder keine Zeit gehabt) mir die Ergebnisse zu berichten... :roll:
Auf jeden Fall sieht das jetzt so aus, dass ich tauchen darf aber davor halt kein Medikinet nehmen soll. Da es ja keinen Spiegel aufbaut, sollte es keine Auswirkungen mehr haben, wenn ich es nicht nehme.

Zu ripleys Punkt b:
Das ist bei mir glaube ich eher unproblematisch. Für mich ist Tauchen wirklich kein Stress, es ist eher so, dass das bei dieses typische Hyperfokusthema ist. Ich liebe es im und unter Wasser zu sein, da bin ich ganz ruhig. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich in Schwimm- bzw Tauchvereinen war solange ich denken kann und ich mich dementsprechend schon immer viel im Wasser aufgehalten habe.
Ich hab zwar auch erst CMAS* und den Orientierungsspezialkurs gemacht, aber ich hab das Gefühl, dass mich die Tauchlehrer für ziemlich sicher halten. Nach der Vereinsfahrt im Frühjahr haben zwei direkt vorgeschlagen, ich wäre so sicher inzwischen, ich könne doch bald den 2. Tauchschein machen. :D
In meinem Fall ist Fahrrad fahren im Straßenverkehr wahrscheinlich ein größerer Risikofaktor als Tauchen. Ich bin verpeilt und unaufmerksam, aber erstaunlicherweise nicht beim Tauchen. ;)
(Oh mann, irgendwie klingt das jetzt alles etwas eingebildet... :verlegen: :oops: )

Also werde ich beim Training einfach noch einmal den Taucharzt unseres Vereins ansprechen und das mit ihm besprechen. Dann müssen wir noch mal einen Termin machen und den Zettelkram + Unterschrift fertig machen, aber ich denke jetzt, das wird schon alles hinhauen.
Trotzdem vielen Dank für die hilfreichen Antworten! :zuneigung:
Liebe Grüße, Al
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Silwer
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Re: MPH und Tauchen

Beitragvon Silwer » 11. Januar 2017 09:54

Hast du deine Tauglichkeitsuntersuchung mittlerweile?

Mein Sohn nahm bis zum Sommer MPH, jetzt nimmt er Elvanse. Seine Ärztin im SPZ und auch der Taucharzt sagen "Lieber ein klar denkender Taucher mit Medikament als ein total ablenkbar und verpeilter Taucher"
Bedingung für ihn wird irgendwann allerdings das die ersten Freiwassertauchgänge enger vom Tauchlehrer begleitet werden. Sprich anfangs Einzelbetreuung und nicht als Gruppe. Wenn das klappt alles gut, wenn nicht müssen wir dann weiter sehen. Er hat aber noch Zeit bis dahin, er ist erst 10.
Aber bei ihm ist das wie bei dir, Wasser ist sein Element, technisch sehr begabt, Mathe sein Steckenpferd. "Wie rechnet man aus wie lange man wie tief tauchen darf?" einmal erklärt, jetzt hilft er den größeren Jugendlichen die den Jugendschein machen, kann erklären wie ein Lungenautomat aufgebaut ist und funktioniert usw.
In der Halle ist er da wirklich sehr fokussiert. Aber ob das im Freiwasser auch so bleibt? Da sind ja doch ein paar Ablenkungen mehr.
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Alina Licht
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Re: MPH und Tauchen

Beitragvon Alina Licht » 28. Oktober 2017 19:50

Hallo!

Ja, ich habe die TT schließlich doch bekommen, allerdings eben unter der Vorraussetzung, dass ich vor dem Tauchen keine Medikamente nehme.
Schade, dass der Tauharzt nun beim inzwischen mindestens zweiten ADHS-Fall der Vereinsjugend immer noch nicht wirklich recherchiert hat (er vergleicht MPH mit Antidepressiva, Schmerzmitteln usw... :roll: ) und sagt, er könne bloß so tun, als wisse er davon nichts und mir die TTU unterschreiben, wenn ich es beim Tauchen eben nicht nehme.
Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden! ;)

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Murmel
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Re: MPH und Tauchen

Beitragvon Murmel » 31. Oktober 2017 16:30

Das ist wirklich ein interessanter Thread. Selbst tauche ich auch gerne, d.h. im Moment ist es mehr schnorcheln, aber ich
wollte immer schon einmal einen Tauschschein machen und da haben mir hier die Posts schon einmal weitergeholfen.
Denke mal, ich würde, wenn ich zum Tauchen gehe, keine Medikamente einnehmen. Alles andere wäre mir da doch zu
riskant.
LG Murmel

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