Macht Medikinet abhängig?

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MoTa
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Macht Medikinet abhängig?

Beitragvon MoTa » 3. Oktober 2016 11:36

Hi!
Mein Junior nimmt ja nun Medikinet und nun wurde mein Mann davor gewarnt wir sollten es nur so kurz wie möglich geben da es abhängig machen würde. Im Netz heißt es ja eigentlich nicht da die Person aber mit Drogenabhängigen arbeitet bin ich doch etwas beunruhigt. Was sagt ihr dazu?
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Re: Macht Medikinet abhängig?

Beitragvon Eule » 3. Oktober 2016 11:56

Würde es abhängig machen, hätte ich sicher nicht selbst nach mehr als 3 Jahren dauerhafter Einnahme immer noch das Problem, dass ich es gelegentlich morgens vergesse einzunehmen, oder mittags vergesse nachzunehmen, und das auch erst dann bemerke, wenn ich mir sämtliche ADHS-typischen "Fehlgriffe" im Serienschuss leiste, oder von irgendwem darauf angesprochen werde, dass ich gerade z.B. auffallend ungeduldig, aggressiv in Tonfall und Wortwahl ohne dass es dafür einen nachvollziehbaren Grund gäbe, sei.

Zu deutsch: Lass dich nicht ins Bockshorn jagen!
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Maya18Max
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Re: Macht Medikinet abhängig?

Beitragvon Maya18Max » 3. Oktober 2016 12:30

Hallo,

dann müssten viele von den Leuten massive Entzugserscheinungen haben. Du kannst MPH sofort absetzen, ohne Probleme. Ich kenne zwei Jugendliche, die einfach kein “Bock“ mehr hatten Tabletten zu nehmen und haben es weggelassen. Ob es gut ist für die Person im Einzelfall, sei dahingestellt, aber die Leute die dir das gesagt haben, haben *sorry* keine Ahnung.

Also alles was mit ADHS zu tun hat : sorgfältig recherchieren und sich dann seine eigene Meinung bilden. Ich lass vieles einfach so stehen und grinse in mich hinein.

Und übrigens: MPH hat keine “betäubende“ Wirkung. Deshalb fällt es auch eigentlich nicht unter das BTM. Auf der Elternschulung wurde uns gesagt, dass das BTM Rezept daher rührt, dass MPH als Abnehmmedikament Missbraucht wurde.
Eine völlig Chaotische Familie:
Und immer geht es Berg und Tal, wie bei einer Achterbahn :mrgreen:
MoTa
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Re: Macht Medikinet abhängig?

Beitragvon MoTa » 3. Oktober 2016 18:24

Danke Euch!!
Wie gesagt eigentlich wusste ich es . Aber man ist eben doch unsicher.
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Sheherazade
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Re: Macht Medikinet abhängig?

Beitragvon Sheherazade » 4. Oktober 2016 06:23

MoTa hat geschrieben:Danke Euch!!
Aber man ist eben doch unsicher.


Man lässt sich verunsichern, wenn man zuvielen Leuten zuviel erzählt.
MoTa
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Re: Macht Medikinet abhängig?

Beitragvon MoTa » 4. Oktober 2016 14:21

Sie ist Ergotherapeutin und da es anfangs eigentlich nur darum ging ergo zu bekommen haben wir geredet. Dass war vor der Diagnose. Und sie hat meinen Mann in die richtige Richtung geschubst :wink:
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Re: Macht Medikinet abhängig?

Beitragvon Eule » 4. Oktober 2016 15:29

Leider gibt es immer noch selbst in Berufen, in denen man ein solides Grundlagenwissen dazu erwarten sollte, teilweise (vorsichtig ausgedrückt) befremdliches Halbwissen.

Bestes Beispiel: Ich habe inzwischen wieder Kontakt zu mehreren ehemaligen Mitschülern, die inzwischen als Lehrer an Grundschulen, Gymnasien bzw Berufsschulen tätig sind. Natürlich sind sie berufsbedingt auch mit ADHS-betroffenen Kids konfrontiert, und insbesondere die beiden Gymnasiallehrer, mit denen ich ausreichend Kontakt habe um auch gelegentlich Einblicke in den Berufsalltag zu bekommen, und die inzwischen auch beide wissen, dass ich selber ADHS-Betroffene bin, und auch Medikamente nehme, haben mir schon die verblüffendsten Konzepte zum Thema ADHS geliefert.

Einer der beiden ist dem Thema Medikamente gegenüber sehr aufgeschlossen, und findet es auch wichtig, wenn eine entsprechende Bitte oder Frage von Elternseite kommt, den Eltern eine Rückmeldung zu geben. Trotz dieser Aufgeschlossenheit und auch positiver Erfahrungen mit Schülern, bei denen die Medi-Einstellung erfolgreich und hilfreich war, fragte dieser Mensch mich, wieso eigentlich ausgerechnet ich als eher ruhiger und besonnener Mensch der doch gut denken könne, diese "Beruhigungsmittel" nötig hätte. Und schwupps saß ich mitten in der *machmaldenErklärbär* - Falle. Angefangen von der Tatsache dass die körperliche Hyperaktivität zwar das auffälligste, aber bei weitem nicht das einzige Leitsymptom von ADHS ist, sondern dass die Schwierigkeiten mit der Konzentrations- und Aufmerksamkeits-STEUERUNG (Doch, Menschen mit ADHS können konzentriert und aufmerksam sein, sie haben aber Probleme bewusst und willentlich zu entscheiden, dann aufmerksam zu sein, wenn es eigentlich angebracht wäre), sowie die Impulsivität und Ungeduld in allen möglichen Belangen oftmals sehr viel schwieriger in den Griff zu bekommen ist als die "Zappelei". Und dann noch die Sache mit dem "Träumer-Typ", der in vielen Fällen zwar auch seine massiven Schwierigkeiten hat, aber anders als einer der körperlich hyperaktiv ist häufig gar nicht als Betroffener erkannt wird.... äh, ja, du bist dann wohl eher der Träumer-Typ, das klingt plausibel. Aber das mit den Beruhigungsmitteln für jemanden der eigentlich ruhig ist schnalle ich immer noch nicht. "JA HIMMEL ARSCH UND WOLKENBRUCH, RITALIN UND DIE GESAMMELTEN ANVERWANDTEN SIND KEINE BERUHIGUNGSMITTEL; SONDERN STIMULANTIEN! Die erhöhen die Verfügbarkeit und Konzentration bestimmter Neurotransmitter im Hirn, damit man beispielsweise nicht mehr dauernd den Faden verliert, weil da nur ein diffuser Brei aus Reizen weitergeleitet wird, oder eben immer der neuste/spannendste Reiz die älteren überlagert , und gerade "langweiliges" oder "alltägliches" zwar möglicherweise wichtig und sinnvoll ist, aber eben nicht aus dem "Einheitsbrei" "herausstrahlt". Die Medis regen also die Hirntätigkeit so an, dass sie mit der eines nicht-ADHSlers vergleichbar ist."

Von einer Grundschullehrerin kam irgendwann mal die Aussage, dass die Medikamente doch zu einer (v.a. geistigen und emotionalen) Entwicklungsverzögerung führen könnten, und dass es zwar ok sei, dass ich als Erwachsene mich für Medis entschieden hätte, aber es ein Unding sei, dass Eltern eine solche Entscheidung für ihre Kinder träfen, weil man bei denen in ihrem jungen Alter doch so schrecklich viel mit den Medis kaputtmachen würde, die könnten sich doch gar nicht normal entwickeln. Mir hat es die Haare zu Berge gestellt. Mir wäre wohl viel Leid erspart geblieben, wenn ich früher eine Diagnose und Medis gehabt hätte. Vielleicht hätte ich dann nicht erst mit Ü40 angefangen zu begreifen, was meine Eltern versuchten mir beizubringen, besonders hinsichtlich sozialem Umgang mit anderen, angemessener Wahl von Worten und Ton, impulsivem dazwischenquatschen oder herausplatzen mit Dingen die man besser nicht sagt, und die mir sowohl in der Schule als auch im privaten bereich oder im beruf immer wieder Schwierigkeiten gemacht haben. Ich habe gar nicht gemerkt was ich da tat, und wie ich häufig verbal um mich schlug, und war immer wieder verblüfft dass ich von irgendwem, dem ich meiner Meinung nach nichts böses getan hatte, übelst angegriffen wurde. Dass das eine Reaktion auf meine vorangegangene Aktion war, konnte ich erst mit Medis besser wahrnehmen. Und nun kam diese selbsternannte Fachfrau daher, und meinte dass Medis ja sooo gefährlich seien, und dass man daher erst das Kind in den Brunnen fallen lassen müsste, damit es dann als Erwachsener mit einer verkorksten Biografie, möglicherweise schlechter Schulbildung/Berufsbildung und jeder Menge psychisch belastender Misserfolge dasteht, und erst dann mühselig anfängt, das ganze aufzuarbeiten. Geht gar nicht. Und nebenbei ist auch das Gegenteil dessen was sie behauptete der Fall: ADHSler ohne Medis sind tatsächlich entwicklungsverzögert besonders im emotionalen / sozialen Bereich, mit Medis haben sie eine gute Chance das aufzuholen.

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