Methylphenidat-Erfolge bei ADHS häufig nicht von Dauer

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michael
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Methylphenidat-Erfolge bei ADHS häufig nicht von Dauer

Beitragvon michael » 14. August 2007 00:43

US-Studie: Methylphenidat-Erfolge bei ADHS häufig nicht von Dauer
Montag, 23. Juli 2007

Bethesda – Langfristig hält die medikamentöse Behandlung des Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nicht immer, was die kurzfristigen klinischen Erfolge versprechen. In der Nachbeobachtungszeit einer größeren randomisierten kontrollierten Studie hat sich die Wirkung von Methylphenidat deutlich abgeschwächt. Gleichzeitig haben die Patienten die Wachstumsminderung, zu der es zu Beginn der Therapie kam, nicht vollständig aufgeholt. Und die Hoffnung, dass die Therapie die ADHS-Patienten vor späterer Delinquenz und Drogenkonsum bewahrt, hat sich nach Publikationen im Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry (Onlineausgabe) auch nicht erfüllt.

Die 1999 publizierten Ergebnisse der Multimodal Treatment Study of Children with Attention Deficit Hyperactivity Disorder (MTA) – die bisher größte randomisierte kontrollierte Vergleichsstudie zur Behandlung des ADHS – hatte gezeigt, dass die Behandlung mit Methylphenidat die Symptome deutlich bessert und hier einer intensiven Verhaltenstherapie überlegen war. Die MTA-Studie hatte vier Arme: Medikamente, Verhaltenstherapie, Kombination, „Community Care“.

Nach dem Ende der 14-monatigen Studie entschieden sich die meisten Patienten beziehungsweise deren Eltern für eine medikamentöse Fortsetzung der Therapie. Auch die vormals verhaltenstherapierten Kinder wurden jetzt überwiegend mit Methylphenidat behandelt. Die Abbrecherrate war aber groß. Nach Auskunft von Peter Jensen von der Columbia Universität in New York waren drei Jahre nach dem Ende der Studie nur noch zwischen 45 und 71 Prozent der Kinder in medikamentöser Behandlung.

Die erzielte Wirkung ließ mit der Zeit immer mehr nach und am Ende des dritten Jahres war der Unterschied zu den Nichtbehandelten nicht mehr signifikant. Einen möglichen Grund sieht Jensen in einer suboptimalen Dosierung.

James Swanson von der Universität von Kalifornien in Irvine identifiziert in einer sekundären Analyse der Daten drei Gruppen von Patienten. Die erste Gruppe, etwa ein Drittel der Kinder, zeigt nur eine allmählich einsetzende mäßige Wirkung. Die zweite Gruppe, etwa die Hälfte der Kinder, spreche sofort gut auf die Therapie an und hier hielt die Wirkung auch bis zum Ende des dritten Jahres an. In der dritten Gruppe, etwa 14 Prozent der Kinder, komme es dagegen nach einer initial guten Wirkung zum Wirkungsverlust. Swanson schlägt deshalb Therapieunterbrechungen vor, um zu prüfen, ob die Therapie noch wirksam ist.

Dies erscheint gerade deshalb sinnvoll, weil die dauerhafte Behandlung mit Methylphenidat nicht ohne Folgen bleibt. Dazu gehören auch Wachstumsstörungen. Eine Gruppe von ADHS-Patienten, die niemals Methylphenidat erhalten hatten, waren am Ende wenige Zentimeter größer und wogen etwa 3 kg mehr als eine andere Gruppe, die über die gesamten 3 Jahre medikamentös behandelt worden war. Laut Swanson erholt sich das Wachstum bei der langfristigen Therapie mit Methylphenidat, aber der anfängliche Rückstand werde nicht wieder aufgeholt.

Ein weiteres Problem sind Delinquenz und Drogenkonsum, die bei ADHS-Patienten häufiger sind als bei anderen Kindern. Laut Brooke Molina von der Universität Pittsburgh hat sich die Hoffnung, dass die Therapie diese Folgen der Verhaltensauffälligkeiten von ADHS-Patienten verhindert, nicht erfüllt. Trotz Behandlung waren 27,1 Prozent der Kinder delinquent geworden (gegenüber 7,4 Prozent der Nichterkrankten). Auch der Drogenkonsum war mit 17,4 Prozent gegenüber 7,8 Prozent häufiger. Kinder, die eine intensive Verhaltenstherapie erhalten hatten, waren zunächst seltener mit dem Gesetz in Konflikt geraten, doch habe sich dieser Vorteil mit der Zeit verringert, so Molina. © rme/aerzteblatt.de




http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc ... cId=106054
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