Medikamentendarstellung im Film Thumbsucker

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michael
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Medikamentendarstellung im Film Thumbsucker

Beitragvon michael » 1. April 2007 12:56

Medikamentendarstellung im Film Thumbsucker
Hier ein bischen über den Film:
http://de.wikipedia.org/wiki/Thumbsucker

In dem Film Thumbsucker, der letzte Jahr im Kino war, wird Kritik an ADHS und den zugehörigen Medikamenten ausgeübt.
Meiner Meinung nach, haben die Filmmacher sich zwar relativ wenig mit den Medikamenten auseinandergesetzt und vielmehr Klischees eingebracht.
Das hat dann zu zwei netten Fehlern geführt, mit denen man den Inhaltlichen Wert nahezu zerreissen könnte. Das habe ich hier allerdings nicht vor.
Aber dennoch erstmal die Fehler. In dem Film wird gesagt, dass sich MPH gerade mal um drei Moleküle von Koks oder Speed (Bin mir grad nich sicher welches es war) unterscheiden würde.
Hmm das ist nur ein klitzekleines Problem. MPH besteht nur aus einem Molekül, was dann der Theorie es würde sich um drei Moleküle von Koks unterscheiden ganz klar widerspricht.
Hier mal ein Bild von einem MPH-Molekül:
Bild
Hier müsste man wenn von drei Atomen reden, daher nicht völlig falsch, aber zeigt halt wie viel Kompetenz die Filmemacher in dieser Sache haben.
Zweiter Fehler sind die massiven Probleme, die der Junge in dem Film durch schlagartiges absetzen der Medis erhält. Er ist Blass und wirkt Krank. Bei Anti Depressiva hat man es, dass solche Wirkungen auftreten sobald das Medikament schlagartig abgesetzt wird, aber meiner Erfahrung nach nicht bei MPH.

Dann will ich jetzt mal darauf eingehen wie das Medikament von seiner Wirkung her dargestellt wird.
Der Junge ist vor den Medis, jemand der in der Schule eher mäßige Leistungen bringt, obwohl da scheinbar mehr Potenzial wäre. Daraufhin bekommt er eine Diagnose namens ADHS. Dazu dann Medikamenete.
Das zeigt sehr schön, dass diese Diagnosen leider häufig sehr schnell erteilt werden. Ob sie bei dem Jungen nun stimmt oder nicht bleibt offen.
Mit einem mal aber zeigt er herausragende Leistungen in der Schule und in seinem Debattierclub.
Dadurch schafft er es bis zu den Landesmeisterschaften im debattieren.
Was allerdings neben, diesen ganzen Erfolgen auffällt. Er verwandelt sich zusehends in jemanden der sich nur schwer etwas sagen lässt und der sein Talent zu Debatten dazu nutzt Leute soweit zu bereden, bis sie machen was er möchte.
Zitat von seinem Lehrer: Du hast dich in ein Monster verwandelt.

Was mich sehr an dieser Darstellung fasziniert hat, ist dass ich das so ähnlich von mir behaupten konnte bzw. mir gesagt worden ist, dass ich mir zum Nachteil verändert hätte.
Also ist es gar nicht so abwegig und auch nicht Falsch.
Ich werde mal versuchen, anhand des Filmcharakters, zu erklären warum es bei manchen ADHSlern, die Medis nehmen, dazu kommt.
Der Junge in dem Film, war zu Anfang ein unsicherer Junge, der noch am Daumen nuckelt.
Er machte zu wenig für die Schule, was sich in seinem Leistungen deutlich ziegte. Seine Hauptbeschäftigung lag darin, Fernseh zu sehen.
Er war 17 und hatte dennoch nichts mit Mädchen, noch nichtmal eines geküsst und scheinbar hatte er auch keine Freunde. Zumindest werden solche nicht im Film gezeigt.
Durch die Medis hatte er dann mit einem mal due möglichkeit in etwas gut zu sein. Er brachte Leiszung in der Schule und konnte super debattieren.
Er entdeckt bei sich ganz neue Möglichkeiten und Potenziale, die er voher nie nutzen konnte.
Und diese nutzt er dann auch vollends und er beweist jedem, dass er mehr drauf hat, als von ihm sonst gedacht wurde. Er versucht durch sein beachtlich gestärktes Selbstwertgefühl anderen zu beweisen was er kann.
Er istz einmal in seinem Leben gut in Dingen und besser als alle anderen und kostet dies voll aus.
Das führt dann dazu, dass man kalt und berechnent (Wie ein Monster) wirkt. Man muss selber erstmal lernen mit solchen Erfolgen umzugehen und nicht völlig abzuheben. Das, denke ich, kann man vergleichen mit jemanden der eineige Millionen im Lotto gewinnt. Derjenige muss auch aufpassen nicht mit einem mal völlig abzuheben. Oder jemand der vom Nichts zum Superstar in kurzer Zeit wird.
Es fühlt sich anfangs einfach genial an, dass man plötzlich besser ist in Dingen, bei denen andere sonst immer überlegen waren und das will man diesen Leuten dann auch deutlich machen.
Ich kann dies in solcher oder eher so ähnlicher Form von mir auch behaupten. Anfangs wurd mir auch gesagt, dass ich mir verändert habe, als ich mit Medis angefangen hatte. Ich wäre kälter geworden. War ich zu Anfang auch, ohne dass ich es zu dem Zeitpunkt selber gemerkt habe.
In meiner Ausbildung hatte ich voher u.a. immer das Problem, mich mit meinen Vorlauten Sprüchen unbeliebt zu machen und mir Probleme einzuhandeln. Wenn mir was nicht passte habe ich es Leuten, egal wem ins Gesicht gesagt.
Naja, dass habe ich mit Medis immernoch getan. Jedoch habe ich das viel geschickter. Ich habe es erstmal geschafft, selber weniger Fehler zu machen, was mich weniger Angreifbar machte und zudem habe ich in Konfliktsituationen mich nicht mehr so oft dabei erwischt, dass falsche zum falschen Zeitpunkt zu sagen.
Vielmehr habe ich dann Bemerkungen gebracht, wenn sie nicht als Vorlaut galten, also ich nicht so doof da stand, aber dafür sie mehr Wirkung hatten und der andere doof da stand.
Ich habe ander auf ihre Fehler hingewiesen und wenn nötig es so deutlich gemacht, dass es gleich mehrere mitbekommen.
"Du hast dich in ein Mosnter verwandelt" hätte man zu mir auch sagen können.
Aber wieso war ich so, wieso gerade in meinem Ausbildungbetrieb.
2 1/2  Jahre hatte ich dafür gesorgt mich unbeliebt zu machen. Jemand der ständig Fehler macht, zuviel vergisst, sich nichts sagen lässt and so on.
Ich wusste, was die meisten von mir gehalten haben. Bei mir wude viel öfters kontrolliert, ob ich fehler mache und ich wurde viel öfters führ Arbeiten eingeteilt, bei denen nicht soviel schief gehen kann.
Sogesehen, war ich quasi schon Vogelfrei was fehler anging, da man bei mir damit schon gerechnet hat.
Tja und dann kamen die Medis. Mein Kopf war klarer, die Fehler gingen auf ein minimum zurück und ich brachte viel mehr leistung. Ich konnte mich zusammenreißen wenn es nötig war und nicht gleich allen sagen, was mir nicht passt. Ich hatte einfach mehr Ruhe im Kopf und konnte ihn daher besser nutzen.
Und ich war/fühlte mich auf mancher Ebene, den anderen überlegen.
Und in solche Situationen, denke ich ist es ziemlich normal, dass man diese Überlegenheit dann auch ausnutzt. "Endlich stehen mal die anderen nicht ich doof da"
Ist ein geiles Gefühl.  :icon_wink:

Leider ist solch ein Hintergrung in dem Film nicht rübergekommen. Aber wie auch. Die Leute die den Film gemacht haben, die kannten scheinbar nur die Wirkung, wie sie nach außen hin rüber kommt.
Zudem ist es zu verallgemeinernt, da dass garantiert längst nicht auf jeden zutrifft.


Ach ja, nur für diejenigen die jetzt Angst haben, dass MPH aus lieben und netten Menschen Monster macht. Das ist wenn eher nur zu Anfang der Fall. Sobald man daran gewöhnt ist, dass man anderen überlegen sein kann und nicht immer zu den schlechteren in etwas gehören muss, wird aus dem Monster wieder ein liebenswerter und netter Mensch.
Zumindest meine Erfahrung. Heute wird mich nicht mehr gesagt, dass ich mich so sehr verändert hätte und das ich kalt wäre etc.

So, dass wärs auch schon.

lg Michael
Zuletzt geändert von michael am 1. April 2007 13:21, insgesamt 1-mal geändert.

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