Welches Antidepressiva auch gegen Angst

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Antworten
drasel
Forummitglied
Beiträge: 2
Registriert: 10. April 2019 16:28

Welches Antidepressiva auch gegen Angst

Beitrag von drasel » 8. Oktober 2019 20:58

Hallo an alle Andersweltler,

ich hoffe ich bin hier richtig mit dem Thema.

ich bin vor über 2 Jahren mit ADS diagnostiziert
und bekomme Medikinet Adult was ich soweit sehr gut vertrage, außer dass man davon etwas Muskelverspannungen bekommt.

Ich leide nur weiterhin wie vor Beginn der Behandlung an Angststörungen und bin mir ziemlich sicher, dass ich auch eine Depression seit längerem habe.

Habe auch meinem Arzt paar mal davon erzählt, dass ich die typischen Symptome dafür habe. Er meinte er kann nichts weiter für mich tun bzw. möchte er mir wohl zusätzlich auch keine Antidepressiva verschreiben und ich müsste die Angst selbst mit der Zeit überwinden...

Ich habe hier und anderswo so viel gelesen, dass andere Betroffene zusätzlich Antidepressiva verschrieben bekommen. Eine Verhaltenstherapie würde ich auch sobald wie möglich anfangen wollen. (Falls jemand dafür einen guten Arzt im Raum Bremen kennt, lasst es mich bitte wissen)
1) Muss ich eigentlich zu einem Therapeuten der auf AD(H)S spezialisiert ist?

2)Mit welchen Antidepressiva habt ihr gute Erfahrungen gemacht bzw. das auch gegen Angstzustände hilft und gleichzeitig mit Medikinet Adult genommen werden kann.
Hab z.B. gelesen, dass einige kontraproduktiv sind bzw die Konzentration wieder verschlechtern.

2)Kann ich mir sonst von einem anderen Arzt Antidepressiva verschreiben lassen? Einem Hausarzt?

3)Ich musste bei meinem jetzigen Arzt einen Zettel unterschreiben, dass ich mich nur von einem Arzt behandeln lasse. Würde ich zu einem anderen Psychiater/Neurologen gehen,müsste ich die Kosten selbst tragen. Nur zu einem Therapeuten für z.B. eine Verhaltenstherapie wäre okay.
Musste von euch auch schon mal so etwas unterschreiben?

Würde mich sehr freuen eure Meinungen und über eure Erfahrungen zu hören.
Benutzeravatar
Raupi
Foruminventar
Beiträge: 1126
Registriert: 14. Juni 2018 21:59

Re: Welches Antidepressiva auch gegen Angst

Beitrag von Raupi » 9. Oktober 2019 11:02

Betreffen solche Unterschriften nicht nur Hausärzte?

Das hieße, der Hausarzt müsste dir nur eine Überweisung ausstellen und dann musst du den anderen Arzt auch nicht bezahlen.

Alles andere könnte ich mir nicht erklären.

Ein Facharzt könnte seine meiner Meinung nach höchsten quartalsweise Patienten derart an sich binden. Es ist schließlich nicht ungewöhnlich, dass man mal eine Zweitmeinung einholt odee vielleicht aufgrund der Chemie oder eben Unzufriedenheit den Arzt wechselt.

Wenn du dir unsicher bist, lass dir eine Kopi dessen geben, was du da unterschreiben hast, falls du deinen Durchschlag nicht mehr findest. Lies es durch und ruf zur Klärung deine Kasse/Versicherung an, frag, ob das rechtens und für dich bindend ist.

Bezgl. der Medikation solltest du dann schauen, wie es mit dem neuen Arzt weitergeht und was er dann sagt.
LG, Raupi

"Wait, have I been talking to myself this whole time? Well, that's embarrassing."
drasel
Forummitglied
Beiträge: 2
Registriert: 10. April 2019 16:28

Re: Welches Antidepressiva auch gegen Angst

Beitrag von drasel » 10. Oktober 2019 07:50

Danke für deine Antwort : )
Also da stand nur was über neurologische, psychiatrische Behandlungen solange ich ich in Behandlung bei diesem Arzt bin.

Problem ist,dass im Raum Bremen nicht wirklich noch einen Arzt gibt der auf AD(H)S spezialisiert ist bzw. sich überhaupt damit auskennt. Weder im Internet noch über die Ärztekammer hab ich noch weitere gefunden.

Ich stand nämlich vor dem selben Problem als ich damals wechseln wollte und musste ziemlich lange warten um überhaupt einen Termin bei dem jetzigen zu bekommen.

Mein jetziger meinte auch er könnte mich später zu einem anderen Neurologen überweisen der mir Medikinet weiter verschreibt, damit ich nicht soweit fahren muss, aber so wirklich guter Ansprechpartner für AD(H)S wäre der dann nicht.

Deshalb wollte ich mich hier vorsichtshalber schlau machen welche Antidepressiva mit Medikinet funktionieren.

Wenn ein anderer Neurologe/Psychiater auch eine Depression jetzt feststellt, kann ich ja nicht zu meinem jetzigen Arzt gehen und sagen ich hab die Diagnose bekommen, welches Antidepressiva kann ich mir am besten verschreiben lassen.

Außerdem wäre es doch auch schon gut zu wissen durch die Erfahrungen anderer AD(H)Sler, damit man sich einen Medikamenten Wechsel möglicherweise ersparen kann oder nicht?

Ich hab bis jetzt auch keinen Therapeuten gefunden, der eine Verhaltenstherapie speziell für AD(H)Sler anbietet. Deswegen meine Frage ob ich bei einem xbeliebigen die Therapie machen kann.
Benutzeravatar
Raupi
Foruminventar
Beiträge: 1126
Registriert: 14. Juni 2018 21:59

Re: Welches Antidepressiva auch gegen Angst

Beitrag von Raupi » 10. Oktober 2019 09:11

Mangels eigener Erfahrung kann ich dir da nicht raten.

Ich habe gegen Schlafprobleme parallel zu Elvanse ganz niedrig dosiertes Insidon genommen, weit unter der üblichen niedrigsten Dosierung. Insidon hat wohl normalerweise die Anwendung Depressionen und Ängste. Ich wurde aber insgesamt so müde, dass ich das kontraproduktiv fand. Jetzt bin ich bei Akupunktur und es hilft recht gut.

Wenn du Zugang zu einem guten, erfahrenen Akupunkteur hast, der vorab eine saubere Gesamtanamnese macht, dann kann das evtl. auch bei Ängsten helfen oder zumindest lindern.

Auch MBSR kann hilfreich sein und das Gute, es ist eine Hilfe zur Selbsthilfe in schwierigen Situationen. Gib mal in der Suchfunktion MBSR, Achtsamkeit und Insight Timer ein... dazu gibt es schon einiges...

Du solltest unbedingt in adxs.org ganz viel lesen. Dort stehen sehr wertvolle, sorgfältig recherchierte Informationen, die jeweils mit einer Quellenangabe versehen sind.

Es gibt da auch Infos zur Frage der Medikation, auch für die Komorbitäten des ADHS. Der Autor und Inhaber der Seiten ist auch hier im Forum aktiv und kann dir bestimmt im Allgemeinen Informationen geben. Aber er ist kein Arzt oder Psychologe, sodass auch er nur begrenzt raten kann.

Vielleicht stellst Du einzelne Fragen nochmals untee den passenden Unterforen mit entsprechender Überschrift, denn eigentlich wundert es mich, dass noch nicht mehr Antworten zu deinem Thread kommen. Das liegt sicher an der eng gefassten Überschrift.
LG, Raupi

"Wait, have I been talking to myself this whole time? Well, that's embarrassing."
Benutzeravatar
Elwirra
Foruminventar
Beiträge: 528
Registriert: 28. April 2019 20:25

Re: Welches Antidepressiva auch gegen Angst

Beitrag von Elwirra » 10. Oktober 2019 09:25

drasel hat geschrieben:
10. Oktober 2019 07:50
Ich hab bis jetzt auch keinen Therapeuten gefunden, der eine Verhaltenstherapie speziell für AD(H)Sler anbietet. Deswegen meine Frage ob ich bei einem xbeliebigen die Therapie machen kann.
Der Therapeut sollte sich zumindestens ein wenig mit ADHS auseinandergesetzt haben. Sonst können ADHS spezifische Verhaltensweisen schnell in die falsche Richtung gedeutet werden. Vor allem eine gute Gesprächsführung ist wichtig und gibt halt. Ein wenig wissen sollte er auch über ADHS-typisch depressive Reaktionen die in dem Sinne keine klassische Depression sind. Das finde ich in deinem Falle besonders wichtig. Ich hatte ein Therepeutin bei der ich wegen anderer Sachen war, die mir gesagt hat das sie sich mit ADHS nicht auskennt. Sie hat sich aber trotzdem darauf eingestellt und einen guten Job darin gemacht. Ein Thearpeutin hatte mich deswegen nicht genommen, was ich aber sehr ehrlich und richtig fand.
„An alle die behaupten, sie wüssten wie der Hase läuft:.......... "Er hoppelt!“ ;)
„Verfasser unbekannt“
Benutzeravatar
AlphaCentauri
Foruminventar
Beiträge: 1695
Registriert: 24. Februar 2019 00:29

Re: Welches Antidepressiva auch gegen Angst

Beitrag von AlphaCentauri » 10. Oktober 2019 09:41

drasel hat geschrieben:
10. Oktober 2019 07:50
Ich hab bis jetzt auch keinen Therapeuten gefunden, der eine Verhaltenstherapie speziell für AD(H)Sler anbietet. Deswegen meine Frage ob ich bei einem xbeliebigen die Therapie machen kann.

Hallo drasel,

herzlich willkommen! Mein Verhaltenstherapeut hat jetzt keine spezielle "AD(H)S-Ausbildung", glaube ich, aber er hatte es überhaupt erstmal erkannt und auch direkt einige Kontaktadressen von Ärzten parat. Ich habe ihn nach der sogenannten berühmten Chemie ausgewählt, die meiner Meinung nach noch viel wichtiger ist als irgendeine spezielle Fachlichkeit. Denn was nützt es dir, wenn einer vom Fach ist, damit aber irgendwie geizt und sich menschlich nicht mit Ruhm bekleckert.

Ein guter Therapeut sowie ein guter Arzt sollten vor Allem gut zuhören und sich in ihre Patienten hineinversetzen können. Mein Arzt lässt manchmal zu wünschen übrig, aber mein Therapeut hat sich außerdem seine Menschlichkeit bewahrt. Der reißt sich manchmal beinah ein Bein aus, um bspw. einen kurzfristigen Termin anbieten zu können. Dem geht es sichtlich um die Menschen, die zu ihm kommen. Ich habe auch schon andere Kandidaten erlebt, denen es vordergründig um ihr Geld geht.

Du hast ja die Möglichkeit, mehrere Therapeuten zu beschnuppern. Und der Therapeut natürlich auch. Pro Therapeut stehen dir 5 sogenannte probatorische Sitzungen zu, die von der Kasse vorab bezahlt werden und innerhalb derer du entscheiden kannst, ob die Chemie zwischen ihm/ihr und dir passt oder nicht. Eine Wartezeit hat man immer. Mindestens 6 Monate, eher länger.

Auch musst du ggf. in Kauf nehmen, weiter entfernte Praxen anzusteuern. Zu meinem Arzt sind es rund 65 Autokilometer, zu meinem Therapeuten rund 45 Autokilometer.

Gruß, Alpha
An alle Flacherdler:
Selbstverständlich ist die Erde eine Scheibe!
Denn wenn sie eine Kugel wäre, würden wir mit Murmeln zahlen und nicht mit Münzen. :?
Benutzeravatar
Grübelnde
Pagemaster
Beiträge: 76
Registriert: 4. September 2019 16:26

Re: Welches Antidepressiva auch gegen Angst

Beitrag von Grübelnde » 10. Oktober 2019 13:17

Ich kann zwar kein Medikament empfehlen, aber ich kann raten, NICHT Venlafaxin zu nehmen. Ich hab den ganzen Tag gegähnt, mir war nach der Einnahme mehrmals so übel, dass ich dachte, ich müsste mich übergeben (trotz Nahrungszufuhr vorher - aber wahrscheinlich in diesen Fällen nicht genug) und ich habe in wenigen Monaten sieben Kilo Gewicht zugenommen. Die Angst wurde auch nur unterdrückt, glaube ich. Ich hab in sozialen Situationen plötzlich keine Angst mehr gehabt, aber ich hab jeden Tag geschwitzt wie ein Schwein.

Ich war damals in Psychotherapie und der Therapeut hat mir einen Zettel für meine Psychiaterin, die mir das Medikinet adult verschreibt, mitgegeben, auf dem stand, dass er die Einnahme eines Antidepressivums für indiziert hält.

Früher hab ich aber in einer psychischen Krise auch schon mal von der Hausärztin ein Antidepressivum verschrieben bekommen. Das war sogar eine Ärztin, die mich überhaupt nicht kannte (Gemeinschaftspraxis, und normalerweise war ich bei einer anderen Ärztin gewesen).
Benutzeravatar
AlphaCentauri
Foruminventar
Beiträge: 1695
Registriert: 24. Februar 2019 00:29

Re: Welches Antidepressiva auch gegen Angst

Beitrag von AlphaCentauri » 10. Oktober 2019 18:23

Grübelnde hat geschrieben:
10. Oktober 2019 13:17
Ich kann zwar kein Medikament empfehlen, aber ich kann raten, NICHT Venlafaxin zu nehmen. Ich hab den ganzen Tag gegähnt, mir war nach der Einnahme mehrmals so übel, dass ich dachte, ich müsste mich übergeben (trotz Nahrungszufuhr vorher - aber wahrscheinlich in diesen Fällen nicht genug) und ich habe in wenigen Monaten sieben Kilo Gewicht zugenommen.

(...)

Sich unter Betroffenen Medis zu empfehlen, ist wohl generell schwierig, denke ich, schon allein, weil jeder anders reagiert. Allerdings würde ich selbst mich ggf. auch gegen Venlafaxin aussprechen. Zum einen wegen genau dieser Übelkeit, von der einige Patienten mir schon berichteten, zum anderen aber auch, weil die verschreibende Ärztin (Tagesklinik) es, Zitat: schön, fand. Ich nehme ein Medikament ganz sicher nicht, weil ein Arzt oder eine Ärztin es schön findet. Auf solche Phänomene trifft man wohl nicht selten und mir drängt sich bei sowas immer wieder der Verdacht auf, dass Ärzte von den Pharmafirmen am Umsatz beteiligt werden, wenn sie bestimmte Präparate oft verschreiben. Da spiele ich nicht mit.

Darüberhinaus ist Venlafaxin ein SNRI und zwei noradrenerge Medis (MPH und LDX erhöhen neben Dopamin auch den Noradrenalinspiegel) halte ich für to much.

Viele Patienten, nicht nur AD(H)S'ler, haben mit Escitalopram (SSRI) schon gute Erfahrungen gemacht. Wohl gemerkt Escitalopram und nicht Citalopram. Bei Escitalopram müssen bedeutend kleinere Mengen eingenommen werden als bei Citalopram, glaube ich, sodass sich dadurch sicher auch das Nebenwirkungspotenzial verringert. Möglicherweise zahlt das aber nicht jede Krankenkasse anstandslos, da Escitalopram teurer sein soll. Ich vermute, dass es sich bei Escitalopram um das stärker wirksamere Enantiomer handelt, ähnlich wie D-Amphetamin gegenüber L-Amphetamin das Stärkere ist und deshalb bei der Herstellung von Arzneimitteln bevorzugt wird.

Aber das ist, wie gesagt, nur das, was ich so allgemein gehört und gelesen habe. Die Wahl muss letztlich jeder mit seinem Arzt für sich treffen. Vielleicht verschiedene ADs ausprobieren, mit welchem man sich schlicht am besten fühlt.

Ein Bekannter von mir hat auch mehrere durchprobiert, bis er dann bei Escitalopram blieb. Ein anderer war mit Cymbalta (SNRI) sehr gut bedient, das er eine recht lange Zeit regelmäßig einnahm und damit u.U. sogar abnahm.
An alle Flacherdler:
Selbstverständlich ist die Erde eine Scheibe!
Denn wenn sie eine Kugel wäre, würden wir mit Murmeln zahlen und nicht mit Münzen. :?
Benutzeravatar
AlphaCentauri
Foruminventar
Beiträge: 1695
Registriert: 24. Februar 2019 00:29

Re: Welches Antidepressiva auch gegen Angst

Beitrag von AlphaCentauri » 10. Oktober 2019 18:41

P.S.
Ich selbst hatte, neben LDX, versuchsweise mal mit Elontril kombiniert, um das Abflauen des LDX etwas abzufangen. Aber damit gab es recht schnell nicht hinnehmbare Schwierigkeiten (nebenwirkungstechnisch), da es sich bei letzterem um ein NDRI handelt. Das war wohl definitiv to much.

Früher fuhr ich mal nur mit Paroxetin (SSRI) ganz gut, das u.a. bei Angst- und Zwangsstörungen eingesetzt wird. Bei einem zweiten Versuch später führte es jedoch eher ins Chaos. Aber zu ADs hatte ich eh schon immer ein gespaltenes Verhältnis. Gewichtszunahme hielt sich zwar in Grenzen, aber unterm Strich bringt es mir (auf längere Sicht) einfach nichts.
An alle Flacherdler:
Selbstverständlich ist die Erde eine Scheibe!
Denn wenn sie eine Kugel wäre, würden wir mit Murmeln zahlen und nicht mit Münzen. :?
Antworten

Zurück zu „ADHS - Medikamenteninformationen*“