Farbstoffunverträglichkeit in Lebensmitteln

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Mausemama
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Farbstoffunverträglichkeit in Lebensmitteln

Beitragvon Mausemama » 28. Oktober 2014 20:04

Hallo:-)
ich denke, hier passt es hin, wenn nicht verschieben.
Meine Tochter reagiert massiv auf manche Farbstoffe in Lebensmitteln.....nicht auf die in normalen Joghurt, sondern in z.b. rotem Wackelpeter oder grünem, in wassereis, in den bunten zuckerlumen, özuckerstreuseln oder auch liebesperlen, was man so schön zum muffindekorieren nutzt...
und ganz massiv auf gummibärchen, egal welche variante oder firma *seufz*
sie reagiert nicht gesundheitlich, sondern ca 30 min. nach dem essen mit massivsten wutanfällen vom feinsten....das geht dann bis zu schlagen...

habt ihr das auch schonmal bei euren kindern beobachtet? kann ich irgendwie testen lassen, worauf genau sie reagiert?
das würde einiges erleichtern.
leider müssen in deutschland farbstoffe erst ab einer gewissen menge deklariert werden,
was wir wissen, lassen wir weg, aber neues ist schon doof, vor allem dann auf geburtstagen oder in der schule.....

zum glück sagt sie bei den sachen, wo sie es weis schon von alleine, nein tut mir leid, darf ich nicht und die lehrerin ruft auch mal kurz an, wenn sie sich nicht sicher ist:-)

liebe grüße

achso, ich habe jetzt eine firma, die reines fruchtpulver verkauft und dort mal bestellt, damit sie ihren bunten prinzessinengeburtstag bekommt...so kann ich mit fruchpulver einfärben:-)
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Re: Farbstoffunverträglichkeit in Lebensmitteln

Beitragvon No User » 28. Oktober 2014 23:45

Was meinst du mit "leider müssen in deutschland farbstoffe erst ab einer gewissen menge deklariert werden"? Meines Wissens ist Deutschland in der EU und da muss man sich an EU-Recht halten, wenn man Lebensmittel herstellt und verkauft.

Probleme mit bestimmten künstlichen Farbstoffen sind ja bekannt, auch ausdrücklich im Zusammenhang mit ADHS-Symptomen. Chinolingelb und einige Azofarbstoffe sind da verdächtig. Wer diese Farbstoffe noch immer benutzt, muss zusätzlich zu Namen oder E-Nummer des Farbstoffs den Text "Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen." auf die Packung drucken. Das macht keiner gern, deswegen werden zunehmend färbende Lebensmittelextrakte eingesetzt.

Aber selbst wenn du die langen Zutatenlisten mit ihren E-Nummer nicht liest, ist doch bei Wackelpudding, Wassereis, Liebesperlen und Co. offensichtlich, dass die (künstlich) gefärbt sein müssen. Nichts in der Natur sieht so aus wie diese Kunstprodukte.

So richtig glaube ich dir das nicht von wegen "egal welche variante" von Gummibärchen. Immerhin gibt's ja einige Auswahl an Gummibärchen mit Fruchtsäften ganz ohne künstliche Farbstoffe bis hin zu bio und vegan. Die kosten halt ein paar Cent mehr als die aus der Chemiefabrik.

Wenn das auch egal wäre, müsste es am Zucker liegen. Zucker ist ja auch allem enthalten, worauf deine Tochter mit Wutanfällen reagiert.

Es gibt ganz viele natürliche Alternativen zum Färben, wie Holunderbeeren, Rote Beete, Spinat, Safran,...

LG
Steffchen
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Re: Farbstoffunverträglichkeit in Lebensmitteln

Beitragvon Mausemama » 29. Oktober 2014 00:11

ok,
egal welche variante war vielleicht blöde ausgedrückt,
die aus dem bioladen verträgt sie,
wobei sie auch ohne den gummikrams gut leben kann....(ihre eigene aussage)

und nein, es ist definitiv nicht der zucker....
sonst dürft ich wohl kaum mit haushaltszucker backen oder auch baiser selber machen, der ja sehr viel zucker enthält...

das wackelpudding, wassereis und co farbstoffe enthalten habe ich gar nicht bestritten und auch nicht hinterfragt.

so, hier ist jetzt ein satz, der mich total nachdenklich macht, deshalb auch die nichtdeklaration, die ich beschrieben habe...


Farbstoffe, die in zusammengesetzten Zutaten enthalten sind und keine technologische Wirkung mehr im Endlebensmittel haben (d. h. das Endlebensmittel nicht färben) müssen auch nicht als Lebensmittelfarbstoff in der Zutatenliste angegeben werden.


zu deutsch, in das fruchtkonzentrat mixen wir noch ein bissel farbe, sagen das konzentrat färbt ja, da das endprodukt ja durch das konzentrat gefärbt wird...
für mich ist dieser satz ein hintertürchen


es ging mir mit drum, ob irgendjemand solch eine unverträglichkeit testen kann...


und das die firmen nicht vor künstlichen farbstoffen warnen wollen ist ja klar...man will ja verkaufen....
Chrissy803
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Re: Farbstoffunverträglichkeit in Lebensmitteln

Beitragvon Chrissy803 » 29. Oktober 2014 07:25

Bei meinem Sohn ist es eine böse Reaktion auf den gelben Farbstoff und die bunten Zuckerstreusel. Um die Weihnachtszeit wird es dann immer schwierig.
Angeblich kann das ein Hautarzt testen, aber Ausschlag bekommt er keinen, deshalb habe ich mich nicht weiter darum gekümmert.
Der Kinderpsychologe meinte nur, wenn ich mein Kind auf Medikamente einstellen lasse, dann brauche ich nicht mehr beim Essen aufpassen.
Der gelbe Farbstoff ist auch in Käse und Vanillepudding. In Österreich wird übrigens auf den Verpackungen vor den Farbstoffen gewarnt, deshalb bin ich erst darauf gekommen.
Ich habe immer öfters das Gefühl, dass unsere Kinder der Nahrungsmittelindustrie egal sind.
Mittlerweile kennt mein Sohn die für ihn falschen Lebensmittel und lässt sie meistens weg. Das war ein sehr langer Weg, bis wir wussten was er essen darf und was nicht.
Grüße Chrissy
No User
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Re: Farbstoffunverträglichkeit in Lebensmitteln

Beitragvon No User » 29. Oktober 2014 10:55

Bei den Reaktionen auf Farbstoffe handelt es sich um sogenannte "Pseudoallergien". Dabei bedeutet "Pseudo" nicht, das das harmlos wäre oder nur eingebildet oder so, sondern dass hinter der Reaktion ein anderer biologischer Mechanismus steckt als bei "echten" Allergien.

Die eigentliche Allergie ist i.d.R. eine Reaktion auf Eiweißverbindungen, an der Immunzellen beteiligt sind. Dabei werden Antikörper gebildet, die einen Nachweis der allergischen Reaktion ermöglichen.

Bei der pseudoallergischen Reaktion auf Farbstoffe ist das nicht der Fall, weswegen man sie weder mit den üblichen Hauttests, noch mit den gängigen Laboruntersuchungen nachweisen kann.

Es gibt aber wohl irgendwelche aufwändigen Testverfahren, die direkt messen, wie lebende Blutzellen nach Kontakt mit der verdächtigen Chemikalie Entzündungsstoffe ausschütten. Hört sich ziemlich teuer an, was leider nicht gleich besonders sichere und aussagekräftige Ergebnisse verspricht. Dazu kann dich ein Allergologe beraten - oder er wird dir was verkaufen. Es ist aber fraglich, ob ein solcher Test Wirkungen auf die Psyche mit einschließt.

Es ist auch nicht zwingend so, dass zwei Stoffe einzeln zu den pseudoallergischen Reaktionen führen müssten, zu denen sie in Kombination führen. Sie wechselwirken miteinander. Es gibt deswegen auch Studien, wo man die Wirkung von Mischungen untersucht hat. So begründete eine Studie (mit umstrittener Aussagekraft) den Verdacht, dass Farbstoffkombinationen zusammen mit dem Konservierungsstoff Natriumbenzoat hyperaktiv machen können. Das trifft wohl insbesondere Asthmatiker und Menschen, die auf Benzoesäure oder Aspirin (also Acetylsalicylsäure, kurz ASS) verstärkt reagieren.

Da die Kombinationsmöglichkeiten endlos sind, wird man sie nie alle untersuchen können. Wenn es so kompliziert ist, ist die klassische Auslassdiät m.E. noch immer das beste Verfahren. Also bewusst hinschauen, nach welchen Lebensmitteln welche Auffälligkeiten auftreten und wie diese sich weiterentwickeln, wenn man eines nach dem anderen weglässt.

Dabei fängt man mit den hochverarbeiteten Lebensmitteln an und vergisst auch nicht die Getränke. Die gefärbten und konservierten Softdrinks sind wahrscheinlich eines der größten Risikofaktoren. Wenn dabei aus Versehen ein tatsächlich an den Wutanfällen unschuldiger Stoff mit eliminiert wird, ist das auch nicht weiter schlimm. Schließlich haben manche Zutaten noch andere, nicht sofort sichtbare Nebenwirkungen, sind z.B. verdächtig, das Krebsrisiko zu erhöhen oder die Lebenserwartung zu senken (wie zuletzt an den Softdrinks gezeigt).

Hilfreich ist dabei, dass wenig verarbeitete Lebensmittel wie frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Milch und auch Brot gar nicht gefärbt werden dürfen. (Dass sich trotzdem Zusatzstoffe im Brot, Antibiotika im Fleisch, Pestizide auf dem Grünzeug usw. finden, ist ein anderes Thema.) Weniger hilfreich ist, dass auch natürliche Farbstoffe (pseudo-)allergische Reaktionen auslösen können, wenn auch seltener als synthetische (an die Chemikalien aus der Natur konnte sich die Menschheit länger gewöhnen, inklusive dem Wissen, welche Naturprodukte man besser nicht essen sollte)

Die Ausnahmeregelung der Kennzeichnungspflicht muss man nicht so verschwörungstheoretisch interpretieren. Würde das gefärbte Konzentrat das Endprodukt färben, hätte der Farbstoff eine technologische Wirkung.

Die Farbstoffe haben noch ganz andere Nebenwirkungen: Sie gewöhnen unsere Kinder an eine unnatürliche Buntheit und entwöhnen sie vom Aussehen natürlicher Lebensmittel. Sie lassen auch hochverarbeitete Lebensmittel verkaufen, die ungefärbt einfach nur eklig aussehen würden. An hochverarbeiteten Lebensmitteln ist viel mehr zu verdienen als an den Rohprodukten. Deswegen sind Kinder für die Lebensmittelindustrie nicht nur wegen ihrer aktuellen Kaufkraft und ihrem Einfluss auf der Kaufverhalten der Eltern so interessant: Hier soll vor allem zukünftige Kundschaft gebunden werden. Es ist aber uns überlassen, wie weit wir da mitgehen.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 29. Oktober 2014 10:57, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Farbstoffunverträglichkeit in Lebensmitteln

Beitragvon Mausemama » 29. Oktober 2014 11:44

danke ihr beiden...
danke steffchen:-) und entschuldige, das ich gestern auch noch gezickt habe,
aber ich habe mich mal wieder angegriffen gefühlt, ich denke, das kennt ihr alle....jeder redet mit, jeder will ahnung haben in der umwelt und dann auch noch eine kinderpsychiaterin die niiiiie was von solchen reaktionen gehört hat.
dann ist man irgendwann auch angreifbar, ich habe dieses stadium auch nach 2 jahren immer noch niccht hinter mir mit dem angreifbar und nehm mir alles total zu herzen.

die zusatzstoffe in den lebensmitteln, also geschmackverstärker und ähnliches sind ein anderes thema,
getränke brauche ich mir zum glück nicht soooviele gedanken zu machen, bei uns gibts mineralwasser oder apfelschorle....
keine bunten getränke und wenn mal limo, dann zu besonderen gelegenheiten, also grillen zuhause oder geburtstag...ich will ihr nicht alles nehmen, aber so kommt sie auch gut klar:-)

Chrissy,
es kann sein, das es bei deinem sohn anders ist, aber bei meiner tochter ist es egal, ob sie medis hat oder nicht, sie reagiert auf die farbstoffe,
ein beispiel,
die ganze woche in der schule ist super gelaufen, freitags gabs muffins, da ein kind geburtstag hatte, mit zuckerstreuseln....das ende vom lied war, das ich sie um 11.30 abholen musste, ca 1 stunde nachdem sie die gegessen hatte....und da hatte sie medikamente...
die lehrerin und ich waren erst ratlos, bis der lehrerin die muffins eingefallen sind und wir die  lösung hatten.

seither ruft die lehrerin auch an, wenn sie unsicher ist und meine tochter kratzt alles runter, was bunt ist.
und ich bin stolz auf sie, denn mit ihren 7 jahren könnte sie ja ausnutzen wenn ich nicht dabei bin, aber sie isst es nicht.

glg

und bitte den post nicht falsch verstehen, man braucht den ganzen bunten zuckerkram nicht unbedingt,
es gibt noch andere dinge....
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Re: Farbstoffunverträglichkeit in Lebensmitteln

Beitragvon No User » 29. Oktober 2014 12:54

Mausmama, das kann ich schon gut verstehen. Auch jenseits von ADHS, wo natürlich jeder umso mehr eine feste Meinung hat, je weniger Ahnung er hat, gibt es in vielen Dingen einiges angriffiges.

Ich muss mich z.B. viel mit Kopfschmerzen plagen. Dabei bin ich auch regelmäßig "wetterfühlig", d.h. besonders bei starken Luftdruckänderungen bekomme ich häufig Kopfschmerzen, bei ruhigen Wetterlagen weniger. Aber das darf laut Experten gar nicht wahr sein, weil ein solcher Zusammenhang noch nicht nachgewiesen wurde. Ähnlich mit dem "China-Restaurant-Syndrom". Da bekam ich schon öfters Kopfschmerzen, egal wie lecker das Essen war. Aber auch das gibt's ja gar nicht. Dabei könnte es auch ganz einfach sein, dass lediglich andere China-Restaurant-typische Zutaten dafür zuständig sind, und nicht das geschmacksverstärkende Glutamat, das hier nicht als Schuldiger überführt werden konnte.

Und dass bei mir gesundheitlich die Zeit vor der Borreliose deutlich von der danach zu unterscheiden ist, darf auch nicht wahr sein. Nur weil die Anwesenheit der Antikörper nach Borreliose normal ist, aber keine aktuell aktiven Borrelien nachzuweisen sind. Dabei kannte ich vorher praktisch keinen Arzt außer dem Zahnarzt, während ich hinterher ständig diverse Wehwehchen hatte und noch immer habe.

Letztlich ist man ziemlich auf sich allein gestellt, muss selbst sehen, was einem gut tut und darauf hoffen, dass Ärzte wenigstens bei lebensbedrohlichen Akuterkrankungen hilfreicher sind - das sind sie nach meiner Erfahrung dann doch zumeist.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 29. Oktober 2014 12:56, insgesamt 1-mal geändert.

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