Mein Sohn hat starkes Übergewicht

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belanna
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Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon belanna » 23. Februar 2014 11:52

Hallo!

Mein Sohn ist schon von Geburt an ein Pummelchen. Das ist ok für mich..ich war auch immer so und ich finde, daß ist auch ein Teil Veranlagung.
Aber mittlerweile ist er kein Pummelchen mehr, sondern er ist wirklich richtig dick. Wobei auch dick eigentlich noch eine Untertreibung ist. Er wiegt bei einer Größe von 1,38 ganze 50 kg.
Seit er in der KiTa war, weigert er sich Gemüse zu essen. Egal was, es ist unmöglich. Wenn ich sage, er bekommt nichts vom restlichen Essen, wenn er nicht wenigstens eine kleine Portion Gemüse ißt, haben wir einen Riesenstreit und er ißt nichts mehr vom Mittagessen. Dafür geht er dann aber nach ner halben Stunde heimlich los und macht sich haufenweise Brote.

Er bekommt seit Jahren kaum Süßigkeiten, da ich weiß, daß es ihn sehr aufdreht, erst Recht wenns auch noch mit Farbstoffen und Konservierungsstoffen ist.
Ich habe auch selbst eine Menge Allergien und Unverträglichkeiten und weiß daß er im Prinzip alles was Chemie ist, durch Aufdrehen verarbeitet, also koche ich alles selbst. Es gibt keine Fertiggerichte, kein Fix oder sonstwas. Manchmal schon, wenn ich mit meinem Klammerbaby was andauernd an mir hängt, wirklich keine Chance habe zu kochen. Aber das ist die Ausnahme.

Ich koche fettarm, da ich selbst keine Galle mehr habe und das sonst nicht vertrage. Es gibt auch nur fettarme Wurst bei uns.

Selbst wenn ich sehr drauf achte, was er an Brot ißt, wird er immer dicker und dicker.

So langsam gehen mir die Ideen aus. Er hat einen riesigen Hunger und schaufelt und schaufelt endlos in sich rein. Einerseits ist er zwar hyperaktiv, aber gleichzeitig mag er am liebsten Beschäftigungen mit möglichst wenig Bewegung und hoher Konzentration..z.B. Lego bauen. Er weiß nämlich, daß wenn er rumrennt und tobt, Fahrrad fährt o.ä. er davon erst Recht aufdreht und häufig dann extreme Wutanfälle bekommt. Da er sich selbst so nicht mag, sperrt er sich gegen jegliche Bewegung. Und zappelt dann lieber sitzend herum. Er hat trotzdem seine Zeit wo er dann herumtobt. Dann ist er auch jedes Mal knallrot im Gesicht und wild am keuchen, weil er eben so viel Gewicht dabei mit sich rumschleppt. Die Zeit ist aber meist auch auf eine halbe Stunde begrenzt.
Wenn er wiederum mit seinem Freund spielt, der meiner Meinung nach zumindest mal hyperaktiv ist (wenn er wohl auch sonst keine AD(H)S-Symptome hat), und teils den ganzen Tag rumtobt.. verliert er jegliches Hungergefühl. Dann ißt er kaum etwas, weil ers schlicht und einfach vergißt. Aber dann ist er eben auch sehr schnell reizbar und kann von einer Sekunde auf die andere ausrasten. Bei seinem Freund schafft ers irgendwie, sich zusammenzureißen, aber sobald sein Freund nicht mehr in seiner Nähe ist, gehts dann los.

Also zum Sport "zwingen" kann ich ihn kaum, weil er sich hinterher selbst nicht mag. Ich gehe schon so viel wie möglich Strecken mit ihm, denn davon dreht er nicht auf. Aber es ist Bewegung und die mag er nicht. Er jammert und jammert..und helfen tuts leider auch nicht. Er nimmt trotzdem immer weiter zu.

Habt Ihr noch irgendeine Idee, was ich noch tun könnte? Der Kinderarzt sagte, irgendwann kommt der "Klick" und dann wird er abnehmen, alles andere bringt nichts. Aber ich habe so das Gefühl daß auch der Klick nichts bringt, weil selbst wenn ers versucht, er immernoch andauernd Hunger hat.

LG,
belanna
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Sheherazade
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon Sheherazade » 23. Februar 2014 12:28

[quote="belanna"]
Er wiegt bei einer Größe von 1,38 ganze 50 kg.
[/quote]

Wie alt ist er denn?

Meine Söhne waren beide bis vor ca. 2 Jahren sehr sehr pummelig (milde ausgedrückt). Am Anfang dachte ich auch noch, das wird sich verwachsen, zumal meine älteren Töchter beide nicht speckig waren (und sind), wir uns auch recht ausgewogen ernähren und sie veranlagungsgemäß wohl auch sehr groß werden dürften. Allerdings sind wir alle auch ziemliche Konditionsweicheier, Sport ist nicht gerade eines unserer liebsten Hobbies.  :upsi:

Gerade als ich mir richtig Sorgen machte, fingen sie auf einmal an zu wachsen ohne dabei zuzunehmen (inwieweit der fast gleichzeitige Beginn mit MPH da eine Rolle spielte, entzieht sich mir), sie haben eigentlich auch nicht weniger gegessen. Zum derzeitigen Zeitpunkt sind sie 163 cm groß mit einem Gewicht von 53 kg (fast 13) und 160 cm groß mit einem Gewicht von 55 kg (11 Jahre). Beide sehr groß und kräftig, aber nicht mehr speckig. Sie sind beide in den 2 Jahren gute 20 cm gewachsen ohne nennenswerte Gewichtszunahme.
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon No User » 23. Februar 2014 12:42

Es ist leider nicht gerade viel, was mir dazu einfällt. Normalerweise ist man ja froh, wenn eine Medikation nebenwirkungsfrei oder zumindest nebenwirkungsarm bleibt. In diesem Fall wäre die häufige appetitmindernde Nebenwirkung beinahe zu begrüßen.

Obwohl: Zeitweise gar nichts zu essen und dafür nach Wirkungsende alles essbare in sich hinein zu stopfen würde auch keine gesunde Ernährung ersetzen.

Normalerweise bliebe, wenn es mir Obst/Gemüse/Salat so schwierig ist und er trotz fettarmer Küche und nur maßvoll Zucker/Süßigkeiten immer mehr in die Breite wächst, das auf Seiten der Bewegung zu lösen.

Zwar ist es selten so einfach, dass ein ADHS'ler sich "nur" austoben müsse und damit seine Hyperaktivität kanalisiert werde. So simpel funktioniert das nicht. Beim Versuch, mit einem solchen Kind so lange zu toben, zu rennen, springen, fangen usw., bis es sich "ausgetobt" hat, sind alle anderen Beteiligten längst fix und fertig, bevor sich bei dem Hyperaktiven wohltuende Ermüdungserscheinungen zeigen.

Dass aber Bewegung regelrecht zum Aufdrehen führt, zu Wutanfällen und Ausrastern, zu erhöhter Reizbarkeit usw., finde ich jedoch ungewöhnlich. Unterm Strich ist viel Bewegung an frischer Luft bis hin zu richtig aktivem Sport den meisten ADHS'ler doch hilfreicher.

Mit dem "Klick" spricht der Kinderarzt für mich in Rätseln, keine Ahnung, was er damit meint. Aber hoffentlich hat er Recht und mit Pubertät oder dem nächsten Wachstumsschub tut sich da was.

Ich errinnere mich, dass die Rehaklinik, die uns sehr geholfen hat, außer auf AD(H)S bei Kindern und Jugendlichen auch noch auf Adipositas spezialisiert war. Also zumeist natürlich für Kinder, die entweder mit ihrem Gewicht oder mit ihrer AD(H)S kämpften.

Aber so individuell, wie die den Therapieplan durchaus gestalteten, würden die -denke ich mal- auch für Kinder mit beidem ein sinnvolles Angebot basteln. Und ich nehme an, dass es mehrere Kliniken gibt, sowohl bei Renten- als auch bei Krankenversicherungen unter Vertrag, die auf beiden Problemfeldern kompetent sind. Ich weiß nur nicht, wie ihr aus eurer Situation heraus an so eine Reha kommt.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 23. Februar 2014 12:43, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon Sheherazade » 23. Februar 2014 13:46

[quote="steffchen"]
Dass aber Bewegung regelrecht zum Aufdrehen führt, zu Wutanfällen und Ausrastern, zu erhöhter Reizbarkeit usw., finde ich jedoch ungewöhnlich. Unterm Strich ist viel Bewegung an frischer Luft bis hin zu richtig aktivem Sport den meisten ADHS'ler doch hilfreicher.
[/quote]

Mein Jüngster dreht aber auch nach sportlichen Aktivitäten am Rad, allerdings kommen dann bei ihm die autistischen Verhaltensweisen zum Vorschein, er ist dann ganz einfach überlastet (nicht körperlich). Mein älterer Sohn weiß, dass ihm Sport gut tut, mag sich aber ausser dem örtlichen Schützenverein keinerlei Vereinstätigkeit hingeben. Er überlistet seinen inneren Schweinehund indem er in der Schule alle möglichen Sportaktivitäten annimmt. Mittlerweile hat er 7(!) Stunden Sport in der Woche, von Fußball-AG bis hin zu Konditionstraining.
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon huschwusch » 23. Februar 2014 16:06

Man könnte darüber nachdenken, ob das Hineinschlingen von Nahrung etwas damit zu tun, dass der Körper nicht mit der richtigen Nahrung versorgt wird.

So ist fettarme Nahrung keinesfalls für jeden Menschen gesund, das hängt wohl stark vom Genotyp ab. Leider ist Ernährung zum Religionsersatz geworden und baut daher entsprechende Denk- und Wahrnehmungsblockaden auf. Bzw. es bilden sich Glaubenssätze hinsichtlich dessen, was allein seligmachend gesund ist.

Ich bin immer ein fettliebender Typ gewesen. Ärzte verloren gerne mal die Fassung, wenn sie sich meine Ernährungsgewohnheiten schildern ließen und dabei auf die Messwerte der letzten Blutuntersuchung guckten. Wie kann jemand, der gerne Bratenfett schlürft, Butter auch mal gerne scheibchenweise nebenher verzehrt, als Zwischendurch auch mal gerne einen Becher Schmand, Vollfettstufe natürlich, löffelt, mit nahezu perfekten Cholesterinwerten durch die Gegend laufen. Wenn ich wenigstens Gewichtsprobleme gehabt hätte!

Mein Gewicht ist erst nach oben geklettert, als meine Frau mich wenigstens tendenziell auf gesunde Kost umgestellt hat.

Ich bin sicher relativ untypisch. Aber ein fettarmer Tag bringt mich dazu, mich mit Essen vollzustopfen. Vielleicht kommt die unnötige Gewichtszunahme also eher von der "gesunden" Ernährung. Man sollte zumindest mal prüfen, ob die gesunde Ernährung für den Sohn ganz anders aussehen könnte, als der allgemeine Ernährungsglaube es vorsieht.
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Hanghuhn
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon Hanghuhn » 23. Februar 2014 18:14

Bei dem unbändigen Hunger fällt mir ein, dass Du mal die Schilddrüsenwerte überprüfen lassen solltest. Nicht jeder nimmt von SD-Unterfunktion zu, aber sie könnte zum Problem werden.

Ich habe jahrelang mit sehr schlanker Figur leichte SD-Unterfunktion gehabt, bis die typischen Symptome überstark wurden und ich gleichzeitig ständig zunahm. Leider wusste ich damals noch nicht so viel über SD-Unterfunktion wie heute. Da sich auch mein Leben in dieser Zeit änderte, wobei ich mich weniger als früher bewegen konnte, schob ich meine Gewichtszunahme auf den Bewegungsmangel, der aber nur ein Teil meines Problems war.

Außerdem solltest Du das, was Huschwusch schrieb, berücksichtigen. Was isst denn Dein Sohn gern, wenn er sich wieder einmal selbst versorgt? Vielleicht sollte er genau das als Hauptessen bekommen.

Es gibt Ernährungsberatungsstellen, die analysieren, was genau ein Mensch braucht, das ist nämlich wirklich nicht immer nur Fettarmes.

@belanna, ich finde es traurig für Deinen Sohn, dass er sich für sein Verhalten in gewissen Situationen nicht mag. Das sieht mir ganz stark nach einer Komorbidität aus. Er braucht dringend Hilfe.
LG Hanghuhn
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon belanna » 23. Februar 2014 21:37

Danke für Eure Antworten.

Mir kam nachdem ich meinen Beitrag abgeschickt hatte und unterwegs war, noch so eine Idee. Er ist in den letzten drei Jahren ja sehr viel ruhiger geworden.
Ich hab immer gemeint, es läge eben dadran, daß ich viel gelernt und mich verändert habe und das sich im Umgang mit ihm ausgewirkt hat. Das wird auch ganz sicher so sein, aber vielleicht ist es nicht "nur" das.
Was wäre, wenn er seine eigentliche Hyperaktivität jetzt durch "hyperaktives Essen" kompensiert?

Klingt jetzt komisch, aber für mich ist der Gedanke garnicht so unlogisch. In dem Fall müßte dann aber eine erneute Medikamenteneinnahme auch positiv wirken. Würde es vielleicht eh, wegen der evlt. auftretenden Appetitlosigkeit.

Achja, er ist übrigens 10 Jahre alt.
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Hanghuhn
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon Hanghuhn » 23. Februar 2014 23:25

Ich kann mich ja irren, aber über hyperaktives Essen habe ich noch nie etwas gehört. Kann es nicht viel eher so sein, dass er mit seinen Problemen nicht mehr zurecht kommt und das mit Essen versucht zu kompensieren? Das  sieht für mich eher nach Alarmsignal aus: Seht her, mir geht's nicht gut! Helft mir?

Er ist zehn. Das war auch bei meinem Sohn in etwa das Alter, in dem sich die Probleme so häuften, dass ich echt am Verzweifeln war. Das Selbstbewusstsein lag völlig am Boden, bevor wir endlich nach ca. 4 Jahren eine Diagnose bekamen.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 23. Februar 2014 23:28, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon belanna » 24. Februar 2014 10:56

Ja ich weiß, daß das eine seltsame Idee ist.

Aber scheinbar ist er ja auch sonst anders als andere AD(H)Sler. Ich hab gemeint, daß totale Aufdrehen bei Bewegung wär ein übliches Symptom. Scheinbar ist das aber bei anderen nicht so und eher unüblich.

Es ist mir halt aufgefallen, daß er genau ab dem Moment wo er ruhiger wurde und nur noch kurze echte hyperaktive Phasen hat, angefangen hat, viel  zu Essen und zuzunehmen.

Die Schilddrüse wurde übrigens vor ein paar Jahren überprüft, die ist "unauffällig".

Daß er sich in bestimmten Situationen selbst nicht mag, kann ich eigentlich gut nachvollziehen. Wenn ich mal ausraste, mag ich mich hinterher auch nicht und ich behaupte mal, das geht den meisten von uns so, oder?

Eigentlich finde ich, daß er ein sehr großes Selbstbewußtsein hat. Nach Außen hin auf jeden Fall. Innerlich fühlt er sich wohl bei einigen Dingen nicht soo selbstbewußt, aber das sind eher Ausnahmen.
Hauptsächlich ist er stolz darauf, "anders zu sein".
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon No User » 24. Februar 2014 12:09

Was bei deinem Sohn zutrifft, kann ich natürlich nicht wissen. Aber auch wenn es diesen Begriff nicht gibt, hätte auch ich eine Interpretation für "hyperaktives Essen":

Also es passiert auch mir, dass ich unruhig bin und nicht so recht weiß, wohin mit all der Unruhe. Manchmal könnte ich auch Bäume ausreißen und Berge versetzen, aber die tatsächlich anstehenden Aufgaben sind ganz anderer Natur. Ja, dann ergibt sich schon mal eine "Heißhungerattacke", die in Wirklichkeit gar nicht auf Hunger basiert, sondern eher von der Unruhe ablenkt oder Essen als irgendeine Beschäftigung versteht.

Essen kann auch Selbstmedikation sein, wobei der Zucker (inkl. Stärke) eine noch unzuverlässigere und kürzere Wirkung entfaltet als beispielsweise Koffein, das für Kinder nicht infrage kommt. Dem Belohnungszentrum im Gehirn ist die Kurzfristigkeit relativ egal, Hauptsache es wirkt, woraus sich ein Sucht- oder sagen wir es milder Gewöhnungspotential ergibt.

Fressattacken können auch im Zusammenhang mit depressiven Erscheinungen stehen, etwa als Frustessen. Und schon das Dicksein kann frustrieren, wodurch ein Teufelskreis entsteht. Der wird noch stabilisiert, indem das hohe Gewicht gesunde Bewegung erschwert. Die üblichen Reaktionen des sozialen Umfeldes (v.a. Mitschüler) auf Übergewicht setzen dem Frust die Krone auf bzw. rasseln direkt in eine Depression.

Fettleibigkeit schränkt nicht nur die Bewegungsmöglichkeiten Betroffener massiv ein, es beeinträchtigt auch objektiv den Umgang mit ihnen. Also auch ohne dass man mit ihnen anders umgehen WILL. Egal ob die Betroffenen nun je nach Alter bei Erwachsenen oder bei Gleichaltrigen Zuwendung suchen. Zum Einen indirekt, weil mit ihren Bewegungseinschränkungen bei Rennen, Toben, Fangen, Fußballspielen, Klettern usw. vieles nicht so richtig geht, zum Anderen direkt, wenn das Gewicht bei Körperkontakt (fangen, toben, raufen,...) auch ihr Gegenüber an Grenzen körperlicher Kraft führt.

Allein schon die Vielfalt denkbarer Ursachen von organischen und speziell endokrinologischen Problemen bzw. von Hormon- und Stoffwechselstörungen bis hin zu psychisch bedingten Essstörungen oder einen exzessiven Essverhalten als Symptom für etwas ganz anderes zeigt, wie wichtig professionelle Hilfe wäre. Die Schilddrüse würde ich trotz bereits erfolgter Untersuchung nicht ausklammern, da diese Werte einerseits recht einfach zu aktualisieren wären und zweitens spezielle Probleme wie Hashimoto wohl auch nicht mit jedem 08/15-Blutbild auszuschließen sind.

Dass er zunimmt, wenn er sich weniger bewegt und mehr isst, überrascht nicht. So gesehen eine einfache Ursachen-Wirkung-Beziehung. Das zu lösen ist aber weniger einfach.

LG
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon belanna » 24. Februar 2014 16:09

Stimmt, Du hast Recht. Ich hab zwar schon Ärzte darauf angesprochen, aber die Psychologen bzw. Psychiater sagen "Och, das stört uns ja nicht" und der Kinderarzt fand, er müsse nur den Gedanken bekommen, daß abnehmen toll wäre. Da er meist sogar stolz auf sein Gewicht wirkt, wobei ich davon ausgehe, daß er das eher vorspielt...vielleicht auch sich selbst.

Im März muß ich mit meiner Tochter sowieso wieder zur üblichen Untersuchung beim Kinderarzt. Also werde ich wohl meinen Sohn direkt noch einmal mitnehmen und auf weitere Untersuchungen drängen. Sollte er dann immernoch nichts tun wollen, muß ich mir eben einen anderen Arzt suchen.

Und Psychiater und Psychologin kann ich Anfang März nochmal drängen doch endlich mal etwas zu unternehmen. Ursachensuche wäre ja schonmal etwas. Das Therapiezentrum kann ich am Mittwoch nochmal nerven deswegen. Seit er dort ist, nimmt er nämlich glatt NOCH schneller und mehr zu.  :icon_eek:

LG,
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Farah
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon Farah » 24. Februar 2014 20:47

Mehr Eiweiß und weniger Kohlenhydrate. Frag mal Tante Gxxxle nach LOGI-Diät - schmeckt tatsächlich toll.

Lasst mal eine zeitlang Brot/Nudeln/Kartoffeln weg und esst mehr Quark/Fisch/Fleisch/Eier und Grünzeug. Wenn er kein Gemüse mag - vielleicht stattdessen mal grüne Smoothies probieren.

Eiweißreiche Ernährung ist auf jeden Fall gut - nachgewiesen zum Beispiel auch für Aspies und Epileptiker; da kann es ja für ADHS-ler nicht falsch sein.

Viel Erfolg
Farah  :winken:
:biene: 2
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon belanna » 5. März 2014 23:06

Hallo Farah,

vielen Dank für Deine Antwort. Ich befürchte nur, mein Sohn dreht durch wenn er kein Brot mehr essen darf, weil das sein Lieblingsessen ist  :icon_eek:
Aber ich grübele schon, ob ich ansonsten irgendwie den Speiseplan umstellen kann. Ist halt schwierig, weil meine 18 Monate alte Tochter auch nur das ißt, was sie mit den Händen essen kann. Gabel und Löffel mag sie nicht. Das sind dann halt Kartoffeln oder Nudeln und Fleisch und Gemüse (aber eben auch nur welches was man greifen kann). Füttern läßt sie sich nicht mehr..

LG,
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon Hanghuhn » 6. März 2014 05:07

Bei einem Kind eine Diät anzuwenden, finde ich ohne ärztliche Kontrolle nicht gut. Das erhöht alle Chancen, von einem Yoyo-Effekt in den nächsten zu rutschen. Er braucht Richtwerte für die Nahrungsaufnahme, was und wie viel er essen darf. Schließlich wächst er ja noch.
LG Hanghuhn
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon letal » 30. September 2014 16:25

Ich selbst hab weder Probleme mit ab noch mit zunehmen. Um es zu halten muss ich mich wieder im Sport
mehr tun, da fehlt mir dann oft die Motivation oder ich verlange zu schnell zuviel von mir.

Ich sehe das wie @Farah Kohlenhydrate machen einfach dick, wenn ich abnehmen will verzichte ich darauf.
Fette sind nicht das Problem, ich bin reiner Fleischesser.  Gemüse mag ich nur Sauerkraut (auch nur wenn er schön angebraten ist)
oder Braunkohl. Obst sieht es nicht viel besser aus und zum Teil hat auch dieser einen hohen Zuckergehalt.
Man muss schon einiges Sportlich leisten um eine Banane wieder weg zu trainieren.
Avocado ist Top, leider nicht ganz billig und schmeckt einfach schäuslich, deswegen haue ich mir mit Wasser in einen Mixer und geb Zitrone drüber.
so bekomme ich es runter

Das Problem ist wenn man abnehmen will kann man nicht nur ein bisschen Kohlenhydrate weglassen, ab einem Bestimmten Satz
den ich zu mir nehme hat es sich dann erledigt. Was ich machen kann ist mal einen, vielleicht 2 Tage in der Woche einzuführen
wo ich Kohlenhydrate zu mir nehme.

Sport wäre wichtig, aber der sollte Spaß machen.
Der vorteil ist das Muskeln 24h am Tag Fett verbrennen. das bekomme ich sonst kaum hin.
Dafür muss ich sie natürlich aufbauen

Für mich war es wichtig das mir meine Waage alle Daten auf das Handy schickt, aufschreiben tut man es sowieso nur eine
Gewisse Zeit, zudem ist es schön wenn man seine Erfolge sehen kann, ob es aber ein Kind motiviert weiß ich nicht.

Ich hab jetzt erst 20 kg abgenommen, meine Beine danken es mir.
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon Sonnenblume123 » 1. Oktober 2014 13:21

Habe bei uns mal was in der Presse gefunden.
Ein Programm für übergewichtige Kinder.
Ich schicke es dir mal per PN.

Viele Grüße!
:zwink:
Nordlicht mit pubertierender männlicher Kröte...
2003, ADHS
:lol:
huschwusch

Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon huschwusch » 1. Oktober 2014 14:54

[quote="belanna"]
Was wäre, wenn er seine eigentliche Hyperaktivität jetzt durch "hyperaktives Essen" kompensiert? [/quote]
Vielleicht steckt ja doch ein bisschen ein wahrer Kern in dieser Vermutung. Unser Gehirn benötigt ja Fett und Zucker für seine Funktionsfähigkeit. Werden ihm diese nicht in genügender Menge zur Verfügung gestellt, bleibt Dauerhunger bzw. besser -appetit die Folge. Und die dadurch verursachten Fressorgien bewirken dann paradoxerweise Fettleibigkeit. Kalorien kann man auch ohne Fett schaufeln.

Es wäre m.E. immer zu prüfen, ob nicht z.B. die fettarme Ernährung das Problem bzw. ein Teil davon ist. Neben seiner Bedeutung für das Gehirn hat ja Fett noch einen weiteren Effekt, es vermittelt schnelles und dauerhaftes Sättigungsgefühl. Fett macht also keineswegs automatisch dick, Fettmangel kann dagegen ein Problem sein.

Auch in einer Familie kann es ganz unterschiedliche Ernährungstypen geben. Was für den einen gesund isst, kann für das andere Familienmitglied eine schlichte Fehlernährung sein. Beim Fett habe ich das selbst erlebt. Ich bin ein ausgesprochener Fettliebhaber. Früher habe ich gerne mal ein Scheibchen Butter extra gegessen. Und natürlich das Becherchen Schmand, natürlich Vollfettstufe, durfte es gelegentlich auch sein. Oder lecker Bratenöl, voll mit dem Bratenaroma, ein Genuss direkt aus der Pfanne. Meine Blutwerte hat mein Fettbedarf übrigens nie interessiert. Die waren und sind davon völlig unbeeindruckt. Für meine Frau, auch ohne Galle, ist das dagegen eine Horrorernährung. Mich macht dagegen die gesunde Ernährung meiner Frau krank.

Ich würde daher wirklich mal prüfen, ob der Junge nicht vielleicht falsch ernährt wird. Was aber, wenn das Essverhalten bereits Störungen aufweist, nicht unbedingt einfach ist.
Zuletzt geändert von huschwusch am 1. Oktober 2014 14:55, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mein Sohn hat starkes Übergewicht

Beitragvon letal » 1. Oktober 2014 23:43

Es gibt einige Fitnessstudios die bei der Ernährung das Blut untersuchen und danach den Ernährungsplan erstellen.
Die Schreiben dann genau die Sachen auf die man in welchen mengen wann zu sich nehmen darf.
Die listen sind so breit gefächert das selbst ich als nicht Gemüse Esser genug Auswahl hatte.

Der Nachteil ist, das es 5 Mahlzeiten am Tag gibt, kann also etwas aufwendiger sein.

Vorteil, einmal die Woche darf als Belohnung in einem Gewissen rahmen gesündigt werden.
Zum einen als Belohnung, zum anderen um Heißhungeratacken zu unterdrücken.

Die Ernährungspläne sind so gestaltet, das man langsam abnimmt.

Der Ernährungsplan kann immer wieder angewendet werden ( ich weiß jedoch nicht ob das bei Kindern Funktioniert weil die sich ja noch entwickeln),
deswegen die Blutuntersuchung er wird speziell für die Person zugeschnitten.
Das bedeutet jedoch auch das es bei einem anderen Menschen ebn nicht wirkt weil er vielleicht andere Nährstoffe braucht oder eben auch nicht braucht.

Für mich war es einfach, ich hab es diesmal anders gemacht weil ich eben sehr schnell abnehmen wollte, das sollte man einem Kind vielleicht nicht zumuten.
Hier brauch er Natürlich auch nicht gänzlich auf Brot verzichten, aber ich denke es werden nicht mehr wie zwei scheiben am Tag werden.

Ich weiß nicht ob ich die Kette nennen darf die diese Art von Beratung macht deswegen wenn dann schreib mir eine PN.
Vielleicht können sie auch ne Auskunft geben wer das sonst noch macht. Ich würde auch mal die Krankenkasse fragen ob sie etwas dazu gibt,
es sollte auch in ihrem Interesse sein. Ich zumindest kann mit meiner gut reden.

Ich denke wenn man mit denen redet und ein Kind helfen kann das man sich nicht gleich anmelden muss im Studio.
Trotzdem kostet die Beratung ca 150 Euro. Drin enthalten sind die Blutuntersuchung und regelmäßige Kontrollen und Gespräche.

Kurzer Nachtrag noch ich denke das es immer viele Lesen dieses Thema, vielleicht hilft das auch beim zunehmen das kann ich aber nicht beantworten.
Es hat doch aber immer was mit dem Stoffwechsel zu tun.
Zuletzt geändert von letal am 1. Oktober 2014 23:50, insgesamt 1-mal geändert.

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