Wie kann/sollte ich vorgehen?

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TaMa1977
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Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon TaMa1977 » 28. Juni 2015 21:02

Hallo.

Ich beschäftige mich zur Zeit etwas mit der Schulproblematik meines Sohnes.
Er ist ja nun Ende der 5. Kl. Und kurz vor dem Schulwechsel hatte ich schon eine Schule ins Auge gefasst, wo ich dachte, die sei perfekt für ihn und seine Problematik. Leider kostet diese Schule mtl. 175€ Schulgeld, und ist weiter entfernt. So das ich die Fahrkosten dorthin auch noch selber zahlen müsste.
Ich habe damals schon überlegt, ob ich Hilfe übers Jugendamt bekomme. Aber habe das wieder verworfen, da ich dachte, das ich da nix bekommen würde, weil mein Sohn nicht stark genug betroffen ist. Aber je mehr ich jetzt drüber nachdenke, würde ich es gerne für ihn versuchen. Am Do. haben wir einen Termin beim KiPsy, wo ich das Thema mal ansprechen wollte.
Ich weiß nicht ob die Schule euch was sagt, es ist die Cjd in Elze. Die haben wohl Erfahrungen mit ADHS und Autismus.

Ein Mädchen bei uns aus dem Ort hat sogar ein Stipendium dort bekommen. Aber so nen hohen IQ (142) hat meiner leider nicht..."Nur" 116  etwa  :breitgrinse1:

Ich wollte nun wissen, ob ihr nen Tip habt, wie ich da am besten vorgehen kann?
Bisher habe ich noch nie was mit dem Jugendamt zu tun gehabt, daher denke ich mal, das sie das wohl ablehnen,weil ich den Rest noch nicht ausgeschöpft habe.

Aber ich will es für meinen Sohn versuchen, da es genau die Schule ist, wo ich denke, die ist Perfekt für seine Bedürfnisse.

Ich weiß halt nur so überhaupt nicht, wie ich da am besten vorgehen soll?

Liebe Grüße
und Danke
Tanja
Ilayda
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon Ilayda » 1. Juli 2015 11:34

Hallo, Tanja.

Was genau findest Du "perfekt" an der Schule?

Als ich mir den Flyer durchgeschaut habe, habe ich gedacht... "wow! Hochrangiges Angebot... sehr vielfältig aber auf fordernd im Sport- und musischen Feld, fünf mögliche Fremdsprachen, Geschichtsunterricht in englisch, Schüleraustauschprogramme mit Frankreich und Amerika, und auch mit anderen Ländern, Abi G8.

Wirklich ADHS-spezifisches habe ich wenig erkennen können. Zwar bieten Sie das Lions-Quest-Sozialtraining-Programm und eine LRS/Legasthenie/Dyskalkulieförderung, aber das bieten auch andere Schulen.

Die Schule (wenn wir vom Gymnasium sprechen, wovon ich beim IQ Deines Kindes jetzt erstmal ausgehe) scheint extrem leistungsorientiert zu sein.

Sie bieten ein "Beratungszentrum", in dem Richtung ADHS etc. beraten wird, das hat aber nichts mit der Schule zu tun, das CJD ist ja ein Campus, auf dem sich verschiedene Einrichtungen befinden, Grundschule, Förderschule, Gymnasium, Internat etc.

Ich finde im Moment keine Auswahlkriterien, wonach ich sagen würde, dass ich da meine Kinder unbedingt hinschicken wollen würde wegen ihres ADHS.

Diese Fragen würde das Jugendamt halt auch stellen. Das Profil der Schule kann zu Deinem Kind passen (das bezweifle ich nicht), aber dann liegt das an Deinem Kind und ist nicht ursächlich in der ADHS begründet.

Vielleicht hab ich aber auch was übersehen auf deren HP, wenn Du noch Infos hast zur speziellen ADHS-Ausrichtung, dann immer her damit.
TaMa1977
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon TaMa1977 » 1. Juli 2015 14:59

Hallo llayda,
danke erstmal für deine Antwort.

Was ich an dieser Schule gut finde ist, das es dort Pespektiv-Klassen gibt. Das man dort halt 1 std./Woche in den Hauptfächern mehr hat, falls man zwischen Real und Gym stehen sollte. Um halt defizite aufzuarbeiten. Das es kleine Klassen sind, und sie halt Erfahrungen mit ADHS und Autismus haben.
Natürlich hast du Recht, das es bestimmt auch staatliche Schulen gibt, die diese Kriterien erfüllen. Aber die sind schwer zu finden. Ich habe ihn ja zuerst bei der Albertus Magnus in Hildesheim angemeldet, weil die einen sehr guten Ruf hat. Auch was Förderung angeht, und die legen sehr viel Wert auf Respektvollen Umgang. Aber da wurde er ja leider abgelehnt.
Wobei dies eine reine Realschule ist, aber mit dem Ruf, wer es dort packt, hätte auch das Gym geschafft. Also schon sehr hohes Leistungsniveau.
Die Schule habe ich auch noch im Hinterkopf, wobei da die Anmeldungen für die 5. Kl schon erledigt sind. Da werden wir ihn ja nun nicht mehr reinbekommen. Da die 90 Schüler nehmen, und meistens doppelt soviele Anmeldungen haben. Aber nachfragen werde ich auf jedenfall.
Weiter gibt es dann noch die St. Augustinus, was eine Oberschule ist. Die habe ich auch noch im Hinterkopf.

Ich weiß ja auch nicht, wie esw weiter geht. Es kann ja auch sein, das sie das Anfang der 6. Kl ändert. Das er dort nicht mehr gemobbt wird, weil er auch ein Stück weiter reifer geworden ist, und nicht mehr so eine große Angrifffläche bietet. Bitte nicht falsch verstehen, er ist auf keinen Fall Schuld das er gemobbt wird, aber durch seine Art, ist er halt für die Kinder das perfekte Opfer. Wobei ich da ja die Probleme eher bei den anderen Kindern sehe, was ic aer leider nun nicht ändern kann. Ich bin ja für mein Kind verantwortlich.

Aber ich hatte heute früh mit einer Mutter ein Gespräch, was mir echt die Augen geöffnet hat.
Ihr Sohn, ging mit meinem Sohn und dem der ihn jetzt so ärgert, in eine Kl in der Grundschule. Der Sohn hat den anderen nun gefragt, warum er meinen Sohn so doll ärgert. Da antwortete er doch tatsächlich, weil er ein scheiß Ausländer ist. Ich dachte ich kippe um, als sie mir das gesagt hat. Ich muss dazu erklären, das sein Vater Spanier ist und ich Deutsche. Und mein Sohn ist Blond und blauäugig...Soviel dazu.
Aber was ich da gehört habe, hat mich echt wütend gemacht. Ich werde jetzt dieses Kind, wenn ich es das nächste Mal sehe, zur Seite nehmen. Und ihm sagen, das er sofort auhören soll, meinen Sohn zu beleidigen und ärgern, und auch keine anderen mehr anstiften soll dies zu tun. Und wenn er es trotzdem weiter macht, werde ich zur Schulleitung gehen.

Mein Sohn war ja vor 2w beim Vertrauenslehrer, und hat die Situation geschildert. Worauf es hieß, er redet mit den Kindern und wenn es nicht besser wird, soll mein Sohn ihm Bescheid sagen. Heute hat mein Sohn nochmal nachgefragt, und da hieß es, er wollte morgen mit denen reden, vorher hatte er noch keine Zeit. Das finde ich echt heftig, sich da soviel Zeit zu lassen, das werde ich morgen auch der Klassenlehrerin so sagen.

Liebe Grüße
Tanja
Falschparker
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon Falschparker » 1. Juli 2015 18:06

Ich würde mit dem Kind nicht reden, das sollten die Lehrer regeln.

Ich meine, es gibt keinerlei Grund deinen Sohn zu ärgern, selbst wenn er Ausländer und nicht blond wäre. Und das muss ein 10-jähriger (?) auch wissen, das musst du ihm nicht sagen.

Ich weiß halt nur so überhaupt nicht, wie ich da am besten vorgehen soll?


Ist denn auf dieser Schule auch Platz und wollen die ihn? Hast du mit den Lehrern dort selbst gesprochen?

Wie auch immer, ich vermute mal dass die dann auch am Besten wissen welche Chancen du hättest, das Jugendamt zu überzeugen und wie man das macht.

Was meinst du denn damit, du habest den Rest noch nicht ausgeschöpft?

Viele Grüße  :winken:
Falschparker
<><
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon Ilayda » 2. Juli 2015 00:26

Liebe TaMa1977,
ich verstehe, dass Du nicht möchtest, dass Dein Kind gemobbt wird. Auch mir hätte es die Sprache verschlagen, wenn ich so einen Spruch gehört hätte. Und Du hast Recht, wenn Du dagegen angehst. Ich würde das auch nicht (nur) von Deinem Sohn über den Vertrauenslehrer regeln lassen, sondern da ziemlich schnell bei der Schulleitung vorstellig werden. So etwas geht gar nicht.

Davon abgekoppelt würde ich aber die Finanzierung einer Schule über das Jugendamt sehen.
Die Jugendämter sind zuständig für eine Eingliederungshilfe, wenn ein Kind aufgrund seiner Behinderung eine Beeinträchtigung an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben hat.
Wenn Du bei Google mal § 35a SGB VIII eingibst, findest Du viele Treffer, da kannst Du Dir diverse Infos holen.
Es ist immer zu beachten, dass zuerst der Tatbestand erfüllt sein muss, ehe die Rechtsfolge eintritt.
Auf der Tatbestandsseite ist dies:
-> eine seelische Behinderung (das dürfte bei ADHS unstrittig sein)
und daraus resultierend
-> eine Beeinträchtigung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben (und daran scheitert es häufig!).
Die seelische Behinderung stellt ein KJP fest, eventuell auf Veranlassung des Jugendamtes. Die Teilhabebeeinträchtigung jedoch obliegt der Prüfung durch das Jugendamt, zwar kann da ein KJP schon in seinem Gutachten eine Aussage zu treffen, aber die letztendliche Einschätzung liegt bei den Fachleuten bei den Ämtern.
Das könnte z.B. sein: Fehlende Freundschaften, Rückzug aus Vereinen etc., Schulphobie, beginnender familiärer Rückzug, ausufernde Konfliktsituationen in der Familie, problematische Persönlichkeitsentwicklung.

Nachdem dann der Tatbestand festgestellt ist, kommt es zur Rechtsfolge:
Es besteht ein Anspruch auf Eingliederungshilfe.

Wie genau dann diese Hilfe aussieht, wird in einem Hilfeplangespräch abgesprochen. dabei kann es auch sein, dass es in eine ganz andere Richtung geht als Ihr Euch das vorher gedacht habt.
Z.B. könnte das Jugendamt Euch einen Integrationshelfer (Schulbegleiter) vorschlagen. Vielleicht halten sie auch eine therapeutische Maßnahme für geeignet. Oder sie könnten eine stationäre Hilfe anbieten (was ich aber für unwahrscheinlich halte, da stationär immer teurer ist als ambulant... Ich will nur klar machen, dass das kein Selbstläufer ist!).

Bisher habe ich aus Deinen Schilderungen keine Anhaltspunkte herausgelesen, die auf eine Teilhabebeeinträchtigung aufgrund der ADHS hinweisen. Vielleicht kannst Du da noch mehr zu sagen? Das Mobbing alleine wird nicht reichen, dass das Jugendamt Euch das Schulgeld bezahlt. Es wird Euch schwerfallen, hier den kausalen Zusammenhang zwischen dem Mobbing und dem ADHS herzustellen. Zudem wäre auch sein Umgang mit dem Mobbing zu beachten. Steckt er es gut weg, besteht da kein dringender Handlungsbedarf, entwickelt er eine Schulphobie, eventuell mit psychosomatischen Beschwerden, dann wäre schon eher von einer Teilhabebeeinträchtigung auszugehen.
Es ist aber nicht gesagt, dass es auf der CJD-Schule kein Mobbing geben wird (das gibt es überall!), und dann? Auch diese Frage wird Euch das Jugendamt stellen. Die Perspektivklassen sind sind zwar wünschenswert, aber halt nicht unbedingt erforderlich. Wenn von der Schule, die Euer Sohn im Moment besucht, nicht wirklich alarmierende Meldungen kommen (siehe oben die Kriterien für die Teilhabebeeinträchtigung), wird es schwer sein, einen Wechsel finanziert zu bekommen.

Wie Du merkst, spiele ich gerade den Advocatus Diaboli, aber ich finde, es ist wichtig, dass Du Dir über viele Dinge Gedanken machst und Dich vorbereitest, ehe Du beim Jugendamt ins offene Messer rennst.
Lieben Gruß
Ilayda
Zuletzt geändert von Ilayda am 2. Juli 2015 00:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon Hanghuhn » 4. Juli 2015 09:24

[quote=&quot;TaMa1977&quot;]
Aber ich hatte heute früh mit einer Mutter ein Gespräch, was mir echt die Augen geöffnet hat.
... Da antwortete er doch tatsächlich, weil er ein scheiß Ausländer ist.
...
Ich muss dazu erklären, das sein Vater Spanier ist und ich Deutsche. Und mein Sohn ist Blond und blauäugig...Soviel dazu.[/quote]

Eben gerade weil nur sein Vater Ausländer ist, weil sein Vater Europäer ist und er blond und blauäugig ist, glaube ich, dass das nur eine vorgeschobene Behauptung ist. Gibt es in dieser Klasse keinen einzigen Türken, Araber, Juden, sonstigen Asiaten, Südamerikaner etc. mit wesentlich dunklerer Haar- und Augenfarbe, bei dem beide Elternteile Ausländer sind? Das kann ich mir in den alten BL beim besten Willen nicht vorstellen.

Ich meine, Du solltest Dich nicht allzu sehr auf die Rassismusschiene begeben, das bringt nichts. Viele dunkelhäutige Kinder sind da viel frustrationstoleranter, es bleibt ihnen leider oft nichts Anderes übrig. Wahrscheinlich fiel dem anderen Jungen einfach nichts Besseres ein. Er wird wohl selbst keine Begründung für sein Verhalten haben. Wenn Du Dich oder Die Schule sich auf diese Schiene begib(s)t, dann wird der andere Junge bearbeitet und für Deinen Sohn passiert u. U. nichts.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 4. Juli 2015 09:28, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon TaMa1977 » 5. Juli 2015 19:59

Hallo.
Also ich beziehe mich nicht nur auf die rassistischen Äußerungen gegen meinen Sohn. Das besagte Kind benennt ja andere auch so. Es ist noch ein Kind in der Klasse, wo die Oma Türkin ist. Der wurde auch schon so betitelt. Und er hat sowas ja auch schon in der Grundschule getan, was aber nie so eng gesehen wurde, bzw. gemaßregelt wurde.

Es ist ja nun auch so, das wenn mein Sohn mit einem Mitschüler redet, und der besagte kommt dazu, sagt er dann das sich mein Sohn verpi..en soll. Am Donnerstag wurde ihm schon Schläge angedroht.

Ich habe das besagt Kind auch auf anraten des KiPsy nicht angesprochen, weil es wohl eh nix bringen würde.

Ich habe den KiPsy die Momentane Situation erzählt, und er fragte mich, wie wohl ich mich denn da fühle wo ich gerade wohne. Er meinte dann darauf, das er letztens erst eine Schule genehmigt bekommen hat, und die Eltern dann halt umziehen mussten. Ob ich mir das auch vorstellen könnte. Als ich das bejate, und auch meine Gedanken zu der Cjd erzählte, meinte er, das er auch genau an die Schule gedacht hat. Er hat mit denen sehr gute Erfahrungen gemacht, weil viele seiner Patienten dort hingehen. Das sie sich sehr gut mit der Problematik auskennen und damit umgehen.

Ich meitne daruaf, das ich den Abend noch mit seiner Klassenlegrerin reden wollte, und vielleicht mal eine Lösung bzw. eine Kosequenz für das Kind zu bekommen.
Aber die Antwort war irgendwie total erschreckend und schokierend.

Auf die Äußerungen wegen der Rasse usw ging sie gar nicht drauf ein, sondern meinte, das mein Sohn auch einen Teil selber Schuld hat, das er so geärgert wird. Ich dachte ich kippe um. Das er nicht einfach ist, und das es da auch zu reibereien und streitigkeiten kommen kann, weiß ich ja auch, und habe ihr das auch gesagt. Was aber dennoch nicht solche Äußerungen entschuldigt finde ich. Und er verpetzt wohl zur Zeit viele Kinder auch wegen Kleinigkeiten, z.B. weil sie im Unterricht Kaugummi kauen. Was ihn natürlich nicht beliebt macht bei den Mitschülern. Verständlicherweise...Aber man hat ihm halt gesagt, er soll immer Bescheid sagen, wenn was ist. Er nimmt es nun halt alles sehr ernst und genau was man ihm sagt. Das sind seine Asperge Züge wohl...

Aber ich habe nun Montag ein Telefonat mit dem KiPsy, wo ich gerne wissen möchte, wie wir nun vorgehen müssen, zwecks Schulwechsel. Unser KiPsy meinte ja schon, das es nicht unter 35a läuft, sondern irgendwie einfacher sei. Wir sind ja nicht näher drauf eingegangen, weil ich ja meinte, ich wollte es nochmal versuchen.
Aber ich bin am Ende mit meiner Kraft bei dem Thema.... Ich fange an zu resignieren, und das will ich nicht. Wenn es an der CJD nicht klappt, dann halt an der anderen die ich noch im Hinterkopf habe. Und wenn es da auch nicht klappen sollte, denke ich in eine neue Richtung.
Es ist halt echt schwer, alle Entscheidungen alleine zu treffen, ohne jemanden im Rücken zu haben der einen Unterstützt.

Aber es kann nur besser werden.

Liebe Grüße
Tanja
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon Ilayda » 5. Juli 2015 20:54

Hallo TaMa 1977.

Dieser "einfachere Weg", den der KJP meint, würde mich sehr interessieren. Vor allem, auf welcher Rechtsgrundlage dann die Kosten übernommen werden sollen. Es wäre nett, wenn Du hier nach dem Gespräch mit ihm nochmal posten würdest, was er gesagt hat.

Aufgrund Deiner Schilderungen sehe ich auch eine Förderung nach § 35a SGB VIII als sehr schwierig an. Klar, er wird geärgert, weil er Sachen wörtlich nimmt, wie es Aspis schon mal tun, aber die Auswirkungen auf ihn, wie er darunter leidet, die sehe ich leider aus Deinen Schilderungen nicht.

P.S.: Der Umgang der Klassenlehrerin wirkt auf mich nicht wirklich professionell. Kennt sie sich mit ADHS/Autismus aus?

LG
Ilayda
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon Hanghuhn » 5. Juli 2015 21:42

[quote=&quot;TaMa1977&quot;]
... Wir sind ja nicht näher drauf eingegangen, weil ich ja meinte, ich wollte es nochmal versuchen.
[/quote]
Oh oh, sei vorsichtig! Es "nochmal zu versuchen" kann ganz schnell dazu führen, dass Dein Problem erstmal vom Tisch ist. Das ist der kleine Finger, den Du reichst, dem dann die ganze Hand folgt.

[quote=&quot;TaMa1977&quot;]
Auf die Äußerungen wegen der Rasse usw ging sie gar nicht drauf ein, sondern meinte, das mein Sohn auch einen Teil selber Schuld hat, das er so geärgert wird. Ich dachte ich kippe um.
... Was aber dennoch nicht solche Äußerungen entschuldigt finde ich.
[/quote]
Ja das finde ich auch.

Ich finde das jetzt aber doch bedenkenswert. Wahrscheinlich gibt es bei Euch nicht so viele Ausländer (in den Schulen meiner Kinder gab es etliche Ausländer-Kinder, deren beide Eltern aus dem Ausland kamen, die mit nur einem europäischen ausländischen Elternteil fielen da fast noch untern Tisch). Der besagte Junge scheint nach Deinen Schilderungen sehr wohl ein größeres rassistisches Problem zu haben, was man nicht so einfach unter den Tisch kehren kann. Umso befremdlicher finde ich die Reaktion der Lehrerin. Mit der Schuldzuschreibung an Deinen Sohn hat sie sich das Thema vom Leib geschafft. Willst Du da vielleicht doch nachgraben?!?

[quote=&quot;TaMa1977&quot;]
Und er verpetzt wohl zur Zeit viele Kinder auch wegen Kleinigkeiten, z.B. weil sie im Unterricht Kaugummi kauen. Was ihn natürlich nicht beliebt macht bei den Mitschülern. Verständlicherweise...Aber man hat ihm halt gesagt, er soll immer Bescheid sagen, wenn was ist. Er nimmt es nun halt alles sehr ernst und genau was man ihm sagt. Das sind seine Asperge Züge wohl...
[/quote]

Ja, dieses Gefühl dafür, bei welcher Gelegenheit man etwas sagen sollte und wann nicht, das ist bei Aspies nicht so stark ausgeprägt. Du kannst ihm erklären, dass jeder so seine kleinen Geheimnisse hat, die keiner gern an die große Glocke hängen möchte. Solche kleinen Geheimnisse muss man halt akzeptieren und darf sie auch nicht weiter erzählen. Vielleicht fällt Dir ein kleines Geheimnis Deines Sohnes ein, das Du zur Verdeutlichung anbringen kannst.

[quote=&quot;TaMa1977&quot;]
Aber ich habe nun Montag ein Telefonat mit dem KiPsy, wo ich gerne wissen möchte, wie wir nun vorgehen müssen, zwecks Schulwechsel. Unser KiPsy meinte ja schon, das es nicht unter 35a läuft, sondern irgendwie einfacher sei.  ...
[/quote]

Da kenne ich mich nicht aus. Ich dachte §35a ist der Dreh- und Angelpunkt für alle Besonderheiten, die man für sein Kind beantragt.

Dass Du Dich oft allein gelassen fühlst, kann ich verstehen. Vielleicht tröstet es Dich, dass man sich auch allein gelassen fühlen kann, auch wenn man verheiratet ist, zumindest, was ADS betrifft.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 5. Juli 2015 21:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon TaMa1977 » 6. Juli 2015 15:42

@llayda:
Scheinbar hat der KiSpy doch den 35a Antrag gemeint. Obwohl er den Tag meinte der sei es nicht. Also mein Sohn leidet schon ziemlich darunter. Er weint mehrmals die Woche, warum er keine Freunde hat und warum er immer geärgert wird. Er  sagt auch des öfteren, das es ja auch egal sei, ob er lebt oder nicht. Das Leben sei eh Schei...
Ich finde schon, das er leidet.

@Hanghuhn:
Es handelt sich ja wie oben erwähnt wohl doch um den 35a. Da der Arzt meinte ich sollte nun beim JA vorsprechen, und ihnen schildern, das mein Sohn von einer seelischen Behinderung bedroht sei. Und ich sollte parallel bei der Schule anfragen, ob die Überhaupt noch Plätze frei haben und ob sie mir vielleicht sagen können, wie ich da am besten vorgehen kann. Da sie ja häufiger mit dieser Problematik zu tun haben, und daher vielleicht einen anderen Weg mit dem Jugendamt bisher haben, als uns bekannt ist. Keine Ahnung was er wirklich meinte, vielleicht denkt er auch, das ich Tipps bekomme, wie ich es genehmigt bekomme.

Des weiteren hat er mich auch gefragt, ob ich noch nen Plan B habe, falls es mit der Cjd nicht angehen würde. Den habe ich ihm dann erklärt, und er meinte, das diese Schule auch gut sei für meinen Sohn. Also eine gute Alternative zu der ersten Schule. Was mich echt beruhigt, da dort die Chancen besser sind genommen zu werden. Wobei ich diese Schule auch angeschrieben habe, ob die Überhaupt einen Platz frei haben.

Jetzt muss ich halt schauen, wie ich am besten dem JA gegenüber trete.

Und das mit dem "nochmal versuchen" habe ich ja zu dem KiSpy gesagt. Weil ich ja die Hoffnung hatte, das es vielleicht besser wird.
Und bei uns sind einige Ausländer an der Schule, auch an der vorherigen Grundschule. Und ich denke das es wenig Sinn macht, da bei der Lehrerin noch nachzuhaken.
Ich muss gestehen, das ich da echt so langsam müde drin bin. Auch wenn ich es nicht sollte, aber solangsam macht sich eine leichte resignation bei der Schule in mir breit.

Liebe Grüße
Tanja
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon Hanghuhn » 11. Juli 2015 11:26

[quote=&quot;TaMa1977&quot;]
... Und ich denke das es wenig Sinn macht, da bei der Lehrerin noch nachzuhaken.
Ich muss gestehen, das ich da echt so langsam müde drin bin. Auch wenn ich es nicht sollte, aber solangsam macht sich eine leichte resignation bei der Schule in mir breit.
[/quote]

Das kann ich verstehen. Man hat das Gefühl, man kämpft an so vielen Fronten, und keine Front bewegt sich.
LG Hanghuhn
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon TaMa1977 » 20. Juli 2015 18:12

So, nachdem sich lange nix getan hat, habe ich heute mit dem stellv. Schulleiter der CJD telefoniert.
Er ist der Meinung, das ich mit der jetzigen Schule reden sollte, ob die auch der Meinung sind, das er es an einem Gymnasium schaffen würde. Also nicht umbedingt vom Stoff her, sondern vom drumherum. Selbstständig sein, organisiert usw...
Da weiß ich aber die Antwort schon: das ist er nicht so unbedingt.

Ich werde trotzdem schauen, das ich da morgen früh direkt wen antreffe.

Wobei mein Sohn heute wieder nach Hause kam mit ner Story.
Die haben neben ihrer Klasse einen sogenannten Differenzierungs Raum. Dort können Kinder in der Freiarbeit oder wenn sie Gruppenarbeit machen hin ausweichen, um Ruhe zu haben oder dergleichen. Der Raum ist direkt mit dem Klassenzimmer verbunden. Nun ist es jedem Kind auch erlaubt, wenn es ihm zu unruhig in der Klasse ist, dort selbstständig rein zu gehen, um in Ruhe die Arbeiten zu erledigen.

Mein Sohn hat ja oft von den Meids so einen Laberflash, wenn sie anfangen zu wirken. Ihm wurde dann gesagt, wenn er das hat, und es stört die anderen, dann soll er da solange rein gehen, bis er es wieder steuern kann.

Nun wurde er heute vor der Klasse angesprochen, das er doch mal hören soll, wenn die anderen Mitschüler ihm sagen er soll da rein gehen, weil er so laut ist oder dergleichen.
Grund des Gesprächs war wohl, was Luis auch ändern könnte, das es in der jetzigen Klasse besser klappt.

Ich finde es ein Ding, das Mitschüler ihn anbrüllen oder ihm sagen, das er in diesem Raum zu gehen hat. Wenn das die Lehrerin sagt, finde ich das OK. Oder wenn die Mitschüler sagen, das er gerade wieder soviel redet, und ihn bitten dort rein zu gehen.

Das werde ich morgen auch ansprechen. Ich würde da an seiner Stelle auch auf bockig schalten, wenn Mitschüler mir vorschreiben, in welchem Raum ich mich aufzuhalten habe.

Ich sage nix dagegen, wenn er wirklich stört oder dergleichen. Aber dann ist es die aufgabe des Lehrers, und nicht die der Kinder.

Ich denke aber, die Sache mit dem Schulwechsel hat sich weitestgehend erledigt.
Klar könnte ich der neuen Schule erzählen was die hören wollen, aber das ist ja kein guter Einstieg. Wobei ich auch nicht denke, das die jetzige Schule das richtig beurteilen kann. Da es dort ja sehr unruhig ist, und er dort ja ziemlich starke Probleme hat.
Aber mal abwarten was da morgen bei raus kommt.

Liebe Grüße
Tanja
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon TaMa1977 » 31. Juli 2015 19:54

Mal ein kleines Update.
Einerseits sehr, sehr positiv. Die CJD würde meinen Sohn sehr gerne nehmen, aber lässt uns noch eine Überlegungs.-und Testzeit bis zu den Herbstferien, das man einen Wechsel zum Halbjahr anstreben kann. Da mein Sohn meinte, das er gerade 2-3 Freunde bekommen hat, was mich freuen würde. Aber das war schon öfters so, was leider nur ein paar Tage gut ging, und dann ging wieder alles von vorne los. Ich wünsche mir für ihn, das es diesmal anders ist, aber ich gehe leider nicht davon aus.
Er sagt halt, das mein Sohn ja mit einem guten Gefühl aus dem Schuljahr ging, und mit einem guten Gefühl wieder ins neue startet, sollte man ihm das nicht nehmen. Was ich sehr gut fand.

Und zu der Kehrseite. Heute habe ich mit dem JA telefoniert. Die Dame meinte zu mir, das sie für die Übernahme von Schulgeld nicht zuständig sei, sondern nur für die Finanzielle Übernahme bei Teil.-bzw. Vollstationären Aufenthalt.
Sie meint da sei die Landesschulbehörde oder Schulamt für zuständig. Worauf ich ziemlich irritiert war. Sie wollte sich mal erkundigen, ob das da gehen würde. Und meldet sich wieder bei mir.
Sie fragte noch ob ein Antrag auf 35a gestellt wurde, da verneinte ich. Deswegen wollte ich mich ja erkundigen dort, um zu sehen, was ich wie machen muss. Darauf meitne sie dann, das sie ja gar nicht zuständig sei, da sie für Erziehungssachen zuständig ist. Als ich dann fragte, ob ich dann vielleicht nur in der falschen Abteilung gelandet bin, sagte sie nein. Da sie sowas eigentlich gar nicht übernehmen würden.

Alles sehr komisch oder?

Liebe Grüße
Tanja
Klingt irgendwie als ob Sie sich nicht so wirklich auskennt, oder hat mich komplett falsch verstanden.
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon Ilayda » 1. August 2015 08:19

Die übliche Kostenabwimmelei der Jugendämter. Und  von Auskunftspflicht haben sie auch noch nichts gehört. Kenn ich alles schon.

Aber... Du hast doch selber gesagt, dass der KJP von einem 35a-Antrag gesprochen hat, über den das laufen muss. Anders geht das auch nicht. Und dann bist Du halt in der Prüfungsmühle... Erst wird die seelische Behinderung bzw. die Bedrohung davon geprüft, dann die Teilhabebeeinträchtigung und danach unterhalten sie sich mit Dir, wenn Du Glück hast, mal über die Eingliederungshilfe.

Also, um Fristen zu wahren, flugs zum Jugendamt und Antrag auf Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII stellen.

Wenn Du das gemacht hast, dann kann ich gerne die weiteren Schritte hier skizzieren, wie gesagt, die JÄ veweigern sich da sehr gerne.
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon TaMa1977 » 1. August 2015 17:33

Danke llayda, ich habe mir das schon gedacht.
Ist scheinbar wie bei nem Kurantrag, die hoffen einfach das man bei der ersten Hürde nicht mehr weiter macht.

Muss ich den Antrag beim JA stellen, und brauche ich am besten vorher nen Bericht vom KiPsy, oder kann ich das nachreichen?

LG
Tanja
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon Ilayda » 1. August 2015 22:25

Stell erst den Antrag, die JÄ sind eh verpflichtet, eigene Gutachten in Auftrag zu geben, wenn nichts vorliegt. Und dazu haben sie eine Frist von vier Wochen :-). Also sie dürfen sich nicht darauf zurückziehen, dass angeblich KJP keine Kapazitäten frei haben :-)
TaMa1977
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon TaMa1977 » 6. August 2015 11:57

Hallo.
Danke für eure Unterstützung.
Ohne die, hätte ich bestimmt schon aufgegeben.
Wie soll bzw. muss ich denn den Antrag 35a stellen? Bestimmt schriftlich oder? Gibt es da Formulare für oder reicht formöos?
Und wenn formlos, wie schreibe ich das dann am besten? Hat jemand vielleicht einen ordruck oder so für mich den ich auf meinen Sohn umschreiben kann?
Eigentlich habe ich den ja schon gstellt glaube ich, in der Mail? Aber vielleicht stand es da nicht direkt genug drin. Ich schau gleich nochmal nach.

Liebe Grüße
Tanja
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon TaMa1977 » 6. August 2015 12:04

Ich habe auf der HP von unserem Landkreis kein Formular diesbezüglich gefunden. Aber aus Thüringen eins. Kann ich das einfach benutzen? Weil wenn es formos ist, müsste das doch gehen. Es steht nur ganz klein an der Seite "zentraler Thüringer Formularpool" drauf. Ansonsten nix, was sich auf ein Bundesland oder Stadt bezieht.

Liebe Grüße
Tanja
Ilayda
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Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon Ilayda » 7. August 2015 00:21

Muster:

*Name, Anschrift, Datum*



*Name und Anschrift des Amtes*



Antrag auf Gewährung von Eingliederungshilfe gem. § 35a SGB VIII für unseren Sohn *****, geb. *****
hier: Gewährung einer Beschulung in einer (Ersatz- oder Ergänzungs)schule, Übernahme des Schulgeldes sowie der Schülerfahrtkosten


Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit beantragen wir die o.g. Eingliederungshilfe.


Zunächst zu den Formalitäten:

Personensorgeberechtigt sind beide Elternteile:
***    und *****


Personalien der Familie:
Erwachsene:
XX
YY

Kinder:
AA (betroffenes Kind)
BB (Schwester/Bruder)
(...)

Diagnostik/Unterlagen:
ADHS-Diagnostik abgeschlossen und behandelt bei der (Praxisname)
... eventuell weitere Diagnostiken (LRS/Legasthenie/Dyskalkulie etc)


Begründung für den Antrag:

Gemäß § 35 a SGB VIII haben Kinder oder Jugendliche Anspruch auf Eingliederungshilfe,
wenn
1. ihre seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweicht
und
2. daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist oder eine solche Beeinträchtigung zu erwarten ist.


Zu 1.: Die seelische Störung/Behinderung liegt zweifelsfrei vor, da die Erkrankung ADHS ((ICD-10: F 90) als Verhaltensstörung mit Krankheitswert anerkannt ist. Diese Erkrankung ist durch eine Diagnose im (Datum) festgestellt und durch medizinische Therapie bisher seit dem Jahr xxxx behandelt (Therapieformen aufführen, z.B. medikamentöse Therapie, Ergotherapie, Verhaltenstherapie etc). Dies kann gerne sowohl durch den behandelnden Kinder- und Jugendpsychiater belegt werden.

Zu 2.: Die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft ist ebenfalls beeinträchtigt. Hierzu noch die detaillierten Ausführungen für die einzelnen Lebensbereiche:

Schulische Situation:

(ich hab hier mal viele Teile meines Sohnes gelassen, weiß halt nicht, ob die bei Euch zutreffen, dieser Passus muss angepasst werden!!)
AAA hat massive Probleme, in angemessener Art und Weise den Unterrichtsstoff aufzunehmen, zu verarbeiten und zu Hause nachzuarbeiten.
Es fehlt ihm vollkommen an einer „inneren Struktur“, welches sich sowohl in Heftführung, Vollständigkeit der Unterlagen, des Mäppchens, Mitarbeit im Unterricht, Aufschreiben der Hausaufgaben etc. äußert.
Er arbeitet langsam und umständlich, wirkt häufig verträumt. Er ist schnell abgelenkt, wenn ein Stoff nicht sein Interesse weckt.
Beim Reden vor der Gruppe ist AAA dermaßen verunsichert, dass seine Stimme komplett weg bleibt und er lediglich noch ganz leise sprechen kann. Er kann dann auch nur einzelne Wörter herausbringen, ist zu einem ganzen Satz gar nicht in der Lage. Demgegenüber steht seine hohe sprachliche Kompetenz in der 1 : 1 – Situation.
Dadurch ist die Teilnahme am Unterricht extrem erschwert. Dieser Problematik ist auch durch intensive Nacharbeit zu Hause wie intensive Hausaufgabenbetreuung, Nachkontrollieren des Schulranzen-Zustandes, ständiges Nachkaufen von Materialien sowie Anlegen von Checklisten, auf denen steht, an was zu denken ist, nicht beizukommen. Auch wurden verschiedene Belohnungssysteme (Smiley-Pläne etc.) bereits ausprobiert.
Derzeit besteht die Vereinbarung mit der Klassen- und der Mathematiklehrerin, dass täglich im Hausaufgabenheft das vollständige Eintragen der Hausaufgaben nachkontrolliert und abgezeichnet wird.
Durch AAA Introvertiertheit, die sich auf seinem Minderwertigkeitsgefühl begründet, fällt er zudem in der Schule (den Klassenkameraden) so gut wie nicht auf, wodurch es zu geringen Sozialkontakten kommt, andererseits ist er für einzelne Kinder ein beliebtes Mobbing-Opfer.
Den Anforderungen, ohne weitere Unterstützung sein Verhalten zu ändern, ist AAA allein aufgrund seiner krankheitsbedingten Problematik nicht gewachsen. 

(Gekoppelt an die ADHS-Problematik besteht zudem – ebenfalls durch d(KJP) diagnostiziert – eine LRS/wasauchimmer.)

Die bereits oben genannte Introvertiertheit rührt auch aus der von AAA klar und deutlich wahrgenommenen Diskrepanz zwischen seiner Begabung und seinen tatsächlichen schulischen Leistungen aufgrund seiner Defizite (ADHS, geringe Aufmerksamkeitsspanne, LRS). Er versteht Zusammenhänge sehr schnell und kann diese auch umsetzen. Trotzdem sind seine Noten in der Grundschule überwiegend im befriedigenden Bereich zu finden. Dies liegt an der mangelnden Konzentrationsfähigkeit, an der fehlenden Fähigkeit, seinen Arbeitsbereich zu strukturieren und auch an der mangelnden Impulskontrolle. Es ist auffallend, dass AAA mit zehn Jahren noch immer Probleme hat, mit Kritik und Misserfolgen sozial angemessen umzugehen. Er „verkriecht“ sich dann in sein „Schneckenhaus“ und ist über längere Zeit gar nicht ansprechbar.
Auch dies sind Verhaltensweisen, die auf der weiterführenden Regelschule nicht tolerierbar sind.

AAA hat in seiner Klasse kaum intensivere soziale Kontakte, er hat drei „Freunde“, die er namentlich benennen kann, im privaten Umfeld besteht jedoch lediglich zu einem seiner Freunde Kontakt, dieser ist jedoch sehr intensiv.

Die Hausaufgabensituation ist sehr angespannt. Häufig versucht AAA, sich um die Hausaufgaben zu drücken, indem er sie nicht aufschreibt oder sie nach dem Aufschreiben wieder wegradiert. Eine intensive Kontrolle sowohl in der Schule durch die Lehrer als auch zu Hause ist erforderlich.
Bei den Hausaufgaben ist eine enge Betreuung dringend notwendig, häufig ist AAA frustriert, insbesondere wenn viel zu schreiben ist, was ihm aufgrund der LRS sehr schwer fällt. Auch wenn insgesamt die Menge an Hausaufgaben für ihn unübersichtlich ist, ist er schnell so frustriert, dass er lange zur Weiterarbeit nicht zu motivieren ist. Es braucht dann intensive, starke, positive Betreuung, um doch noch zu den Hausaufgaben zu kommen.
Die Hausaufgaben benötigen auch häufig weitaus länger als die vorgesehene eine Stunde, da AAA durch sein sprunghaftes Denken nicht lange bei einer Sache bleiben kann. Hier wird durch starke Rhythmisierung mit angelegten Zwischenpausen von außen eine Struktur vorgegeben, die AAA intrinsisch nicht vorweist.

Häusliche Situation:

(hier Eure häusliche Situation beschreiben, insbesondere, wenn Dir Traurigkeit bei Deinem Kind auffällt oder es aufgrund der Probleme in der Schule zu Konflikten kommt, die Eure Beziehung belasten. Interessant ist auch Regeln einhalten etc.)

Im Rahmen des täglichen Lebens ist zudem die auch im schulischen Bereich genannte Spontanität, Ablenkbarkeit, kurze Aufmerksamkeitsspanne und häufig auch unangepasste Lautstärke zu beobachten.

In der Freizeitgestaltung, den Interessen und Stärken fallen folgende Bereiche besonders ins Auge:
(Stärken aufzählen wie z.B. Hobbies, Spezialinteressen, Sportarten)

Kontakte zu Gleichaltrigen bestehen außerhalb der Schule kaum. XXX hat einen festen Freund, mit dem er sich gerne und kontinuierlich, möglichst einmal in der Woche verabredet. Ansonsten fällt es XXX schwer, Kontakt zu anderen Kindern in adäquater Weise aufzunehmen. Hier ist ihm sein geringes Selbstwertgefühl sowie seine Introvertiertheit sehr im Wege. Dies zeigt sich auch bereits in der Schule in Pausensituationen, wo XXX häufig für sich alleine ist und sich alleine beschäftigt (Steine sammeln, sich mit Insekten beschäftigen, mit hochgezogener Kapuze am Schulhofrand stehen etc.). Dies führt auch dazu, dass im Wohnort keine Freunde gefunden werden, denn hier besteht die Problematik der Kontaktaufnahme naturgemäß auch, z.B. bei Spielplatzbesuchen oder Spielen draußen (Fahrradfahren etc.).


Zusammenfassung:

Letztendlich möchten wir nochmals zum Ausdruck bringen, dass die vorgenannten Probleme:

kurze Aufmerksamkeitsspanne, sprunghaftes Denken
wenig Lernmotivation, wenn das Thema nicht interessant ist
Frustration durch Misserfolge bei den Noten (LRS und ADHS gekoppelt mit überdurchschnittlicher Begabung), dadurch wiederum Demotivation bei schulischen Themen
geringe Strukturierung der Arbeitsweise sowie der Arbeitsmaterialien
zu langsames Arbeiten im schulischen Bereich
oppositionelles Verhalten im privaten Umfeld
introvertiertes Verhalten im schulischen Umfeld
dissoziales Verhalten (impulsiv-aggressiv, lügen, klauen)
wenige Freunde
mangelndes Vermögen, sich sozial adäquat zu verhalten (Kontaktaufnahme mit Gleichaltrigen, vermeiden des Augenkontakts mit anderen Menschen, sehr leise Stimme bei Fremden, impulsiv und laut im gewohnten Umfeld etc.)

aus unserer Sicht vollständig auf die vorliegende ADHS-Erkrankung zurückzuführen ist. Zudem ist anhand der vorangegangenen Ausführungen ersichtlich, dass eine begabungsadäquate Beschulung (mindestens Realschule, wenn nicht Gymnasium) auf einer Regelschule aufgrund der genannten Defiziten nicht zum gewünschten Erfolg, nämlich der Integration in der Gesellschaft, führen wird.


Daher beantragen wir die Gewährung der Eingliederungshilfe gem. § 35 a SGB VIII in Form der Übernahme des Schulgeldes für eine private Schule, die aufgrund ihrer Konzeption (kleine Klassen, Binnendifferenzierung, Förderung von Hochbegabung) geeignet ist, einen nachhaltigen Beitrag dazu zu leisten, dass die Beeinträchtigung der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft nicht persisitert.




Mit freundlichen Grüßen

_____________________    ________________________
XXX                                         YYY


Anlagen:

Diagnostischer Befund des (KJP)
ggf. andere vorliegende Befunde
TaMa1977
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Beiträge: 264
Registriert: 23. Juli 2011 22:10

Re: Wie kann/sollte ich vorgehen?

Beitragvon TaMa1977 » 7. August 2015 19:13

@llayda:
Vielen lieben Dank. Du bist echt klasse.
Dann schreibe ich das auf meinen Sohn um, und werde das am Montag abgeben.
Danke, danke,danke...Du hast mir echt geholfen.

Schönes Wochenende noch
Tanja

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