Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
lausmaus3
Pagemaster
Beiträge: 221
Registriert: 27. Oktober 2010 22:33

Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon lausmaus3 » 27. November 2014 23:47

Hallo Zusammen,

habe eine Frage. Mein Sohn (8, ADHS) braucht eigendlich eine Zahnspange. Der KFO verweigert diese momentan mit der Begründung, das das wohl ein extremer Kampf würde, weil er keine will und das auch dem Arzt so sagt.

Kann der Arzt die tatsächlich verweigern, auch wenn die Notwendigkeit eigendlich unstrittig ist?

Ich habe mal gehört, das mal als Eltern unterschreiben muss, wenn ein Kind eine Spange bekommt, das man die Kosten übernimmt, wenn die Behandlung scheitert, weil das Kind die Spange nicht ausreichend trägt.

Mein Sohn zeigt seit längerer Zeit ein so extrem oppositionelles Verhalten,das ich nie garantieren könnte, das er eine Spange tatsächlich immer trägt. Aber das Verhalten wird sicher nicht in absehbarer Zeit so viel besser, wie es der KFO gerne hätte.

Wer kann mir was dazu sagen?

LG lausmaus3
Weil
Foruminventar
Beiträge: 513
Registriert: 18. Dezember 2008 21:04

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon Weil » 28. November 2014 00:10

Notwendig oder nicht, wenn das Kind verweigert, bringt es ja nichts.
Wäre eine feste Spange eine Alternative?
minime
Spezial User
Beiträge: 412
Registriert: 21. Juli 2014 09:35

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon minime » 28. November 2014 08:51

Hallo!

Mir ist unbekannt, dass es einen "Rechtsanspruch auf Zahnspange" gäbe. Das ist bei uns eine Leistung im Rahmen des Versicherungsschutzes udn ist nicht an irgendwelche anderen Diagnosen gebunden. Auch bei Einreichen des Kostenplans bei der KK wurde nicht nach weiteren "hinderlichen Diagnosen" gefragt.  Die Übernahme der Kosten  ist ausschliesslich (im eigenmächtig beeinflussbaren Bereich) am Behandlungserfolg gebunden - Soviel zur Versicherungsleistung.

Mein Sohn 9 trägt Spangen seit 2 Jahren vollkommen problemlos. Sein Freund auch in dem Alter macht ein Mordstheater, schon das nehmen des Abdrucks war eine mittlere Katastrophe und er hat kein AD(H)S. Ich denke es kommt auch auf den KFO an, wie Kind reagiert. Da KFO überwiegend Kinder als Patienten haben, gehört es zu deren Berufsbild damit umgehen zu können.
Meine Tipps:
1. Sucht Euch einen anderen KFO. - Auch wenn es nur zu einer Zweitmeinung reicht.
2. Keine Spange hilft Dir, wenn Sohn sich vehement und langfristig weigern wird die zu tragen, egal welche Versicherungsleistungen Du da einfordern willst. Ihr macht da nur ein neues Kampfgebiet auf.
3. Besprich die Möglichkeiten einer festen Spange - ist üblicherweise teurer und benötigt mehr Pflege als eine lose, man kann aber auch später damit anfangen. Ich kann allerdings nicht einschätzen ob Dein Sohn nicht versuchen würde so eine feste Spange von den Zähnen abzurupfen. - Das stelle ich mir ganz blöd vor.

LG, minime.
ripley
Foruminventar
Beiträge: 1242
Registriert: 23. Oktober 2010 20:06

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon ripley » 28. November 2014 10:38

[quote="lausmaus3"] Ich habe mal gehört, das mal als Eltern unterschreiben muss, wenn ein Kind eine Spange bekommt, das man die Kosten übernimmt, wenn die Behandlung scheitert, weil das Kind die Spange nicht ausreichend trägt. [/quote]

Das stimmt m.E. so nicht.
Richtig ist vielmehr, dass während der Behandlung die Kasse einen Teil der Kosten übernimmt, die Eltern den Rest bezahlen (ich meine, 75% Kasse, 25% Eltern, aber da bin ich mir nicht ganz sicher). Wenn die Behandlung dann (nach Jahren) "mit Erfolg" abgeschlossen wird (das muss der KFO bestätigen), dann reicht man die Rechnungen für den Eigenanteil bei den Kassen ein und bekommt das bezahltr Geld zurückerstattet. (Rechnungen des KFO also auf alle Fälle aufheben! Da kommt ganz schön was zusammen.)
Wird die Behandlung wegen mangelnder Mitarbeit des Patienten oder der Eltern abgebraochen, dann ist der bis dahin bezahlte Eigenanteil futsch.

[quote="lausmaus3"] Mein Sohn zeigt seit längerer Zeit ein so extrem oppositionelles Verhalten,das ich nie garantieren könnte, das er eine Spange tatsächlich immer trägt. Aber das Verhalten wird sicher nicht in absehbarer Zeit so viel besser, wie es der KFO gerne hätte. [/quote]
Warum nicht? Saubere Diagnostik, ordentliche Medi-Einstellung, sehr konsequente Erziehung (ggf. sich selbst da überprüfen und etwas - oder vieles - ändern) bringt u.U. auch in recht kurzer Zeit Erfolge.

Das Kind von der Notwendigkeit der Maßnahme überzeugen (such Dir Vorher-Nachher-Bildchen zusammen) ... und wieder zum KFO.
Wäre das Kind insulinpflichtiger Diabetiker, würdet Ihr Euch auch nicht durch seinen Protest vom Spritzen abhalten lassen, oder?
Zuletzt geändert von ripley am 28. November 2014 10:43, insgesamt 1-mal geändert.
No User
Foruminventar
Beiträge: 3587
Registriert: 2. November 2015 00:00

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon No User » 28. November 2014 11:42

Ob die Kasse überhaupt etwas übernimmt, hängt davon ab, ob die kieferorthopädische Behandlung als medizinisch notwendig anerkannt wird. Das muss man von kosmetischer "Notwendigkeit" unterscheiden.

Auch wenn du mit "braucht eigentlich eine Zahnspange" die medizinische Notwendigkeit meinst, solltest du dem KFO dankbar sein, dir eine momentan nicht erfolgversprechende Behandlung, deren Nebenwirkungen (die Kierferorthopädie kann Zähnen auch schaden, von den üblichen wer-schön-sein-will-muss-leiden-Schmerzen ganz abgesehen) und Kosten (Eigenanteil) zu ersparen.

Feste Zahnspangen müssen oft durch herausnehmbare vorbereitet werden, nicht jeder Zahnstatus bietet die Möglichkeit, gleich mit einer festen Spange anzufangen. Aber gerade die festen Spangen erfordern ganz viel Disziplin bei der Zahnpflege, um sich mit ihnen nicht das Gebiss zu ruinieren.

Ich kenne auch Erwachsene mit Zahnspange. Die ADHS in den Griff zu bekommen, ist hier vllt. jetzt dringender als die KO-Behandlung, die oft auch später noch geht.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 28. November 2014 11:45, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Sheherazade
Foruminventar
Beiträge: 2523
Registriert: 19. Februar 2012 16:20

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon Sheherazade » 28. November 2014 12:06

[quote="ripley"]
Richtig ist vielmehr, dass während der Behandlung die Kasse einen Teil der Kosten übernimmt, die Eltern den Rest bezahlen (ich meine, 75% Kasse, 25% Eltern, aber da bin ich mir nicht ganz sicher). Wenn die Behandlung dann (nach Jahren) "mit Erfolg" abgeschlossen wird (das muss der KFO bestätigen), dann reicht man die Rechnungen für den Eigenanteil bei den Kassen ein und bekommt das bezahltr Geld zurückerstattet. (Rechnungen des KFO also auf alle Fälle aufheben! Da kommt ganz schön was zusammen.)
Wird die Behandlung wegen mangelnder Mitarbeit des Patienten oder der Eltern abgebraochen, dann ist der bis dahin bezahlte Eigenanteil futsch.
[/quote]

Alles soweit richtig, nur die Kostenverteilung liegt bei 80/20. Und in Anbetracht der Tatsache, dass so eine KFO-Behandlung in der Regel 2-4 Jahre dauert, liegen wir jetzt gerade im 2. Jahr (inkl. loser Spange und bereits fester Spange) "nur" bei ca. 210€, ab jetzt kommen nur noch Kleckerbeträge zum Ende jedes Quartals.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
lausmaus3
Pagemaster
Beiträge: 221
Registriert: 27. Oktober 2010 22:33

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon lausmaus3 » 28. November 2014 13:35

Hallo Zusammen,

danke erst mal für die Meinungen.

Na ja, mal sehen, was wir machen.

Ripley,
einfach Medis umstellen, konsequenzt erziehen und dann klappt es auch mit einer Zahnspange ist leider bei uns Illusion. Sohnemann und wir Eltern kämpfen seit Jahren mit den ADHS- Auswirkungen, er war auch gerade erst fast 3 Monate stationär in einer Klinik.

Er ist nicht ausreichend medikamentös einstellbar (wir haben die ganze Medi- Pallette durch, entweder zu heftige Nebenwirkungen oder er verstoffwechselt die Wirkstoffe zu schnell, das er viel zu viel und oft bräuchte....), das hat der Klinikaufenthalt ergeben.

Somit hat er nur wenige Stunden am Tag Mediwirkung und den Rest der Zeit ist er kaum zu bändigen. Da können wir mit unseren Kenntnissen auf mehreren Elterntrainings etc. leider auch wenig erreichen.

Wir warten noch auf eine Hilfe zur Erziehung, die beantragt ist, aber das kann wohl sehr lange dauern. Unser Jugendamt hat nur eine einzige Person, die für solche extremen Fälle geeignet ist, und die ist momentan noch nicht frei...

Klar könnte man die Behandlung beim KFO noch länger rausschieben, aber es ist wohl in seinem Fall eigendlich sehr ungünstig, wenn man wartet. So habe ich den Arzt verstanden. Werde auf jeden Fall eine zweite Meinung einholen.

LG lausmaus3
ripley
Foruminventar
Beiträge: 1242
Registriert: 23. Oktober 2010 20:06

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon ripley » 28. November 2014 13:40

[quote="Sheherazade"]
[quote="ripley"]
Richtig ist vielmehr, dass während der Behandlung die Kasse einen Teil der Kosten übernimmt, die Eltern den Rest bezahlen (ich meine, 75% Kasse, 25% Eltern, aber da bin ich mir nicht ganz sicher). Wenn die Behandlung dann (nach Jahren) "mit Erfolg" abgeschlossen wird (das muss der KFO bestätigen), dann reicht man die Rechnungen für den Eigenanteil bei den Kassen ein und bekommt das bezahltr Geld zurückerstattet. (Rechnungen des KFO also auf alle Fälle aufheben! Da kommt ganz schön was zusammen.)
Wird die Behandlung wegen mangelnder Mitarbeit des Patienten oder der Eltern abgebraochen, dann ist der bis dahin bezahlte Eigenanteil futsch.
[/quote]

Alles soweit richtig, nur die Kostenverteilung liegt bei 80/20. Und in Anbetracht der Tatsache, dass so eine KFO-Behandlung in der Regel 2-4 Jahre dauert, liegen wir jetzt gerade im 2. Jahr (inkl. loser Spange und bereits fester Spange) "nur" bei ca. 210€, ab jetzt kommen nur noch Kleckerbeträge zum Ende jedes Quartals.
[/quote]
Danke für die Korrektur!
WIr haben die komplette Arie letztes Jahr abgeschlossen und fast 900 Nocken zurückbekommen. War aber auch eine massive Fehlstellung und dementsprechend eine lange Behandlung.
Elchi
Foruminventar
Beiträge: 1882
Registriert: 7. November 2011 12:49

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon Elchi » 28. November 2014 15:17

Hallo Lausmaus,

zunächst mal, die 80/20% stimmen für das erste Kind, wenn man ein zweites gleichzeitig in Behandlung  hat, sind es "nur" noch 10% Zuzahlung.
Wir haben das auch mit beiden Kindern "durch".

Mein Eindruck, so im Nachhinein, dass die Kinder immer früher Spangen bekommen, ist sicher auch etwas Geldmacherei. Meine Tochter hat sehr früh die schrecklich nötige Spange bekommen, dann war die Vorbehandlung nach 1,5 Jahren rum und dann mussten wir ewig warten, bis es weiter ging, weil die bleibenden Zähne noch nicht alle "durch" waren.
In der ganzen Zwischenzeit war natürlich auch ein Spange mit regelmäßigen Arztbesuchen nötig um alles "festzuhalten".

Wahrscheinlich hätte ein späterer Beginn da nicht wirklich geschadet.

LG
Elchi
Benutzeravatar
Sheherazade
Foruminventar
Beiträge: 2523
Registriert: 19. Februar 2012 16:20

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon Sheherazade » 28. November 2014 15:35

[quote="Elchi"]
Mein Eindruck, so im Nachhinein, dass die Kinder immer früher Spangen bekommen, ist sicher auch etwas Geldmacherei.
[/quote]

Den Eindruck kann man bekommen. Ich bin froh, dass unser Zahnarzt diesbezüglich keine Motivation und keinen Vertrag mit dem frei wählbaren KFO hat. Bei allen 4 Kindern konnte ich mich auf die Richtigkeit seiner Einschätzung verlassen, letztendlich brauchte nur Kind Nr. 4 mit 11 Jahren wegen einer erheblichen Zahnfehlstellung (die sich aber erstaunlich schnell korrigiert) eine Spange.
Zuletzt geändert von Sheherazade am 28. November 2014 15:35, insgesamt 1-mal geändert.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
lausmaus3
Pagemaster
Beiträge: 221
Registriert: 27. Oktober 2010 22:33

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon lausmaus3 » 29. November 2014 22:52

Hallo Zusammen,

der KFO, bei dem wir waren, hat so viele Patienten, das es ihm gar nicht darauf ankommt, möglichst früh zu starten, um einen neuen Patienten zu bekommen.

Ich war ja vor Monaten dort auch mit meiner Tochter, und da wurde auch nicht gleich von Spange geredet, sondern das man erst mal abwartet, was "die Natur selbst erreicht". Insofern denke ich, wenn die bei meinem Sohn sagen, es wäre nötig, dann ist es das auch. Aber mal sehen, was ein anderer KFO sagt.

Aber das heutzutage immer früher begonnen wird, stelle ich auch fest, kenne ja schon zig Kinder im Kindergarten, die schon im Milchgebiß feste Spangen haben, und das war früher definitiv anders.

Und es gibt in meiner Umgebung auch viele Erwachsene, die feste Spangen haben, früher undenkbar.

LG lausmaus3
ripley
Foruminventar
Beiträge: 1242
Registriert: 23. Oktober 2010 20:06

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon ripley » 30. November 2014 09:49

Diese Erwachsenen zahlen dafür aber auch viel Geld. Wird dann nämlich nicht von den Kassen übernommen. Aber mit schiefen Zähnen bist Du heutzutage auch wirklich geleimt.

Was den frühen Beginn angeht - ich fand und finde es ganz gut, dass Junior die Spange in einem Alter loswurde, in dem Mädels richtig spannend wurden.  So'n Knutschgatter ist ja auch nicht wirklich attraktiv.
Elchi
Foruminventar
Beiträge: 1882
Registriert: 7. November 2011 12:49

Re: Rechtsanspruch auf Zahnspange bei ADHS Diagnose?

Beitragvon Elchi » 30. November 2014 10:58

Bei unseren Kindern war die Behandlung erst beendet, als das Knochenwachstum beendet war. Bis dahin mussten sie die Spange tragen, obwohl eigentlich die Zähne alle schon ordentlich standen.

Da ist es besondern schwer zu motivieren, weil es langsam ganz schön nervt. Durch den frühern Anfang der Behandlung hat sich bei uns jedenfalls kein Vorteil ergeben.

LG
Elchi

Zurück zu „Familien und Sozialrecht*“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 7 Gäste