Eingliederungshilfe § 35a SGB VIII

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frau fröhlich
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Eingliederungshilfe § 35a SGB VIII

Beitragvon frau fröhlich » 14. September 2013 22:59

Hallo ihr lieben,
brauch dringend Rat und Hilfe, bin total verzweifelt. Ich habe für meine Tochter (8Jahre alt) wegen adhs Antrag auf Schulbegleitung bzw. Eingliederungshilfe beantragt, dieser auch bis auf weiteres gewährt wurde. Ich war freudig erregt in der Annahme mein Kind bekommt nun endlich Hilfe. Aber nix passierte. Ich habe meine Tochter jeden Tag gefragt, ob sie jetzt jemanden hat der sie unterstützt. Sie sagte es käme nur ab und zu jemand der ihr Fragen stellt  :grübel:  . Stutzig hat mich allerdings der Hilfeplan ( § 36 SGB VIII) gemacht, aber ich hatte bisher nur Erfahrung mit Frühförderung in der Kita und dachte bei Schulbegleitung sei dies anders geregelt. Ich muss dazu sagen das jegliche Beratung ausgeblieben ist. Mein Antrag ist vom Feb. und wurde erst im Sep. bewilligt. Nun habe ich im Internet recherchiert und Telefonate mit der Eingliederungshilfe geführt und ich kam zu dem Ergebnis, dass lediglich ein clearing genehmigt wurde. Wenn ich das Wort clearing in eine Suchmaschine eingeben, oder auch die webandresse des Träger der das clearing durchführt eingebe , fällt mir auf das dort von Wohngruppe die rede ist und von evtl. Herausnahme aus der Familie. Ich habe jetzt richtig Angst, das man mir mein Kind nimmt, dabei wollte ich doch nur Hilfe für meine Tochter, aber keinesfalls das man sie uns entreißt. Hat jemand Erfahrung damit gemacht, weiß jemand was das zu bedeuten hat? Es ist alles so verwirrend. Mit der Lehrerin kann ich auch nicht sprechen, die glaubt adhs sei ein Erziehungsproblem und ich und mein Mann würde irgendetwas falsch machen. Sie tätigt auch aussagen, wie z.B. es gäbe rein gar nichts positives über unsere Tochter zu sagen. Ich bin dankbar über jeden Tipp und Ratschlag  :winken:
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Binchen
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Re: Eingliederungshilfe § 35a SGB VIII

Beitragvon Binchen » 14. September 2013 23:27

Hi Frau Fröhlich,

also dazu kann ich nur folgendes schildern, was im Bezug auf meinen jüngsten Sohn läuft.

Mein Sohn ist ADHSLer und hat zudem seit Dezember 2010 die endgültige Diagnose zu Legasthenie (Lese- u. RechtschreibSTÖRUNG) erhalten.

Aufgrund dessen habe ich auch einen entsprechenden Antrag auf Kostenübernahme einer solchen, fachkundigen Therapie beim JA eingereicht.

Hierfür war es aber notwendig dass ein Gutachten erstellt worden ist (JA hat dieses in Auftrag gegeben) damit festgestellt werden konnte, ob das Kind zu dem Personenkreis des § 35a KJHG zählt oder nicht.

Mein Kind wurde vom Gutachter bescheinigt, dass er sehr wohl zu diesem Personenkreis zählt und aufgrunddessen hat das JA dann auch die Kostenübernahme für diese Legasthenietherapie bewilligt.

Aber nicht alleine die Legasthenie war vom Gutachter ausschlaggebend, sondern auch einige andere Faktoren, die bei dieser zweitägigen Testung (2 Termine insgesamt) im Bezug auf mein Kind diesem aufgefallen ist. So auch die Konzentrationsschwäche, Impulsivität, Unaufmerksamkeit und so weiter, halt alles was oftmals bei einem ADHSLer auch vorkommt.

Zudem hatte der Gutachter eine Förderung generell stark befürwortet, was jedoch nicht alleine nur die Kostenübernahme für eine Legasthenietherapie gewesen war, sondern auch andere Fördermöglichkeiten für das Kind von ihm genannt worden sind. So z.B. der Besuch nach der Schule in einer heilpädagogischen Tagesgruppe des JA, Verhaltenstherapie in der ADHS-behandelnden Praxis, andere Therapieformen.

Nach dem Vorliegen dieses Gutachtens und bevor diese Kostenzusage mir gegeben worden ist, wurde auch ein sogenannter Hilfeplan gemeinsam mit der zuständigen SB vom JA und mir und meinem Sohn aufgesetzt und von uns allen unterschrieben.

Alle 6 Monate sollte dann erneut ein neues Hilfeplangespräch geführt werden, wozu auch dann die Legasthenietherapeutin mit anwesend ist. Nächster Termin ist jetzt Mitte November bei uns.

Du brauchst keine Angst zu haben dass dein Kind aus der Familie genommen wird vom JA, das ist das letzte was die zum Wohl eines Kindes machen würden und hierfür müßten dann schon ganz gravierende Gründe vorliegen dass dies auch vom einem Familienrichter dann angeordnet werden würde.

Das von Seitens der Lehrkraft bzgl. des ADHS bei deiner Tochter kenne ich leider auch zur genüge. Habe mich damals (2008) nach der Einschulung ein Jahr ebenfalls mit einer solch eingestellter Lehrerin leider rumschlagen müssen und mein Kind hatte damals überwiegend nur negatives aus diesem ersten Schuljahr mitgenommen. Nur als feststand dass er nach unserem Umzug hier vor Ort nochmals komplett neu in die hiesige erste Klasse der hiesigen Grundschule eingeschult werden würde, hatte ihm die Kraft gegeben bis zum Schuljahresende noch die "alte" Schule mehr schlecht wie recht zu besuchen.

Dagegen kommt man leider oftmals nicht alleine an. Wenn dann noch der Stellvertreter des Direktors, so wie bei uns, sich ebenfalls noch gegen einem und gegen das Kind stellt, dann hat man gar keine Chance mehr an der Schule überhaupt etwas zum Wohle des Kindes bewirken zu können.

Leider klappte es an der neuen Grundschule bei uns nur knapp zwei Schuljahre gut, das 3. ging mehr katastrophal vorüber und mittlerweile ist mein Sohn, nach fast einjähriger konsequenter Schulverweigerung und diesbezüglichen Tagesklinik-Aufenhaltes auf einer Förderschule Lernen und ist seither, was Schule betrifft, wie ausgewechselt. Ist zudem eine sehr kleine Förderschule, die Jahrgangsübergreifend unterrichtet. Er ist jetzt in der Klasse 5/6. Zur Zeit hat er jedoch irgendwie einen kleinen Durchhänger. Hat aber wohl eher mit dem ganzen Umzugsstress Ende August 13 tun und der gesamten Umstellung jetzt für ihn/uns. Neue Wohnung, neues Glück. Er besucht jedoch weiterhin die bisherige Schule, momentan läuft noch der Antrag auf Fahrdienst von Wohnung zur Schule und zurück, die auch von der Schulärztin so gegenüber dem Schulamt (Ministerium) als dringende Notwendigkeit bestätigt worden ist. Aber die Ämter arbeiten langsam.

So, das ist eigentlich alles was ich dazu dir mal schreiben kann.

glg
Binchen
Selber:     ADHS (06.2008),
Benjamin: ADHS (05.2008), Legasthenie (12.2010 - Therapie seit 08.2012), auditive Wahrnehmungsstörung (2004), logop. Behandlung (2004 - 10.2011), Asthma (seit Geburt), Frühförderung (v. 2006 - 2008)
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Re: Eingliederungshilfe § 35a SGB VIII

Beitragvon frau fröhlich » 15. September 2013 00:15

Liebes Binchen,
danke für Deine Antwort. Ich bin jetzt ungemein erleichtert. Der Träger der das clearing durchführt, hat mir schon eine Dame ins haus geschickt. Sie war auch wirklich sehr nett und verständnisvoll und hat sich auch positiv zu dem Bedarf meiner Tochter geäußert. Sie erkennt die Notwendigkeit, hat mir aber nicht erklärt welchen Zweck das clearing verfolgt und vom JA hatte ich auch keinerlei Info, da bin ich dann lieber erstmal skeptisch. Ich hab einfach schon zuviel durchgemacht schon zu Kita - Zeiten. Und die Lehrerin meiner Tochter b.z.w. die ständigen Elterngespräche in der Schule haben mir den Rest gegeben, als ob ich und mein Mann das adhs wegzaubern könnten, wenn wir den nur wollten.
So wie ich das lese hast auch Du schon einiges mitgemacht. Ich drück Dir ganz fest die Daumen mit der Übernahme der Fahrtkosten. Ich hoffe ich kann meinem Kind die Tagesklinik und co ersparen, aber manchmal geht es wohl nicht anders.  :winken:
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Re: Eingliederungshilfe § 35a SGB VIII

Beitragvon Angie » 16. September 2013 02:04

Keine Sorge, niemand holt dir ohne dein Einverständnis dein Kind aus dem Haus.
Ich habe beide Kinder unter 35 a am Laufen.
Kind 1 ist in eine Wohngruppe, allerdings habe ich da zugestimmt, schwerster Asperger Autist und stark hyperaktiv.
Kind 2 hat eine Integrationskraft in der Schule mit dabei.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Re: Eingliederungshilfe § 35a SGB VIII

Beitragvon frau fröhlich » 16. September 2013 22:55

Danke Angie,
habe mittlerweile mit der Dame telefoniert die das clearing durchführt, die hat mich auch noch mal beruhigt. Das wäre das letzte was ich wollen würde. Du hast es Dir sicherlich nicht leicht gemacht Dein Kind in die Wohngruppe zu geben, da muss der Leidensdruck schon enorm gewesen sein. Ich denke nicht das dies bei meiner Tochter nötig ist. Es ist zwar manchmal Schwierig, aber ich habe mich damit arragiert und denke einen guten Weg gefunden zu haben mein Kind leichter zu Händeln. In der Schule ist es hingegen eine Katastrophe. Die Lehrerin bestraft sie ständig und je mehr sie das tut, desto bockiger wird mein Kind und macht erst recht nicht was sie soll. Ich habe aber festgestellt, wenn ich nur ihr positives Verhalten beachte, dann zeigt sie dies auch eher, so funktioniert das bei uns recht gut. Das klappt nicht immer, aber immer öfter.  :top:

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