Hilf- und ahnungslos. Unterstützung von wem?

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Pipistrella
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Hilf- und ahnungslos. Unterstützung von wem?

Beitragvon Pipistrella » 15. Januar 2013 15:10

Ich fühle mich im Moment ziemlich hilflos und auch ahnungslos.

Mein einer Sohn hat ADHS, dazu eine Teilleistungsstörung in Form eine Rechtschreibschwäche. Er ist kaum in der Lage, einen Text zu verfassen, sich klar schriftlich auszudrücken. Alles, was er schreibt, strotzt nur so von Schreibfehlern. Das wirkt sich natürlich auf alle Fächer aus, wo man etwas schreiben muss. Im Moment ist er in der 3. Klasse der Grundschule in Bayern. Rechnen kann er ganz gut und wenn es um mündliche Leistungen geht, ist er auch ganz gut. Er bekommt Ritalin und bekommt Logopädie (er stottert auch und tut sich mit der Syntax schwer) und Ergotherapie (Verhaltenstraining). Er hat einen Nachteilsausgleich in Deutsch.

Jetzt machen wir uns natürlich schon Gedanken, wie es nach der Grundschule weiter geht. Den Übertritt zum Gymnasium wird er auf keinen Fall schaffen. Wenn alles extrem gut läuft, schafft er den Schnitt für die Realschule.Allerdings sehe ich ihn nicht auf einer regulären Realschule. Eine Klassenstärke von 30 oder mehr Kindern wird er nicht schaffen. Das ist zuviel für ihn. Es läuft also im Prinzip auf eine Privatschule hinaus. Dort gibt es kleine Klassen, Vertiefungsunterricht, betreute Hausaufgaben. Aber wer zahlt das?

Gibt es Unterstützung durch das Jugendamt? Welche Voraussetzungen müssen da erfüllt werden? Was muss ich tun, an wen muss ich mich wenden?

Uns wurde vom Jugendamt (wir hatten auch schon einen Hausbesuch) schon die Aufnahme in einen heilpädagogischen Hort angeboten, das wollten wir allerdings nicht, da uns dann das Kind zu lange aus dem Haus war und wir auch für die Ferien Urlaubanträge hätten stellen müssen.Außerdem hätte dann unser Sohn so gut wie gar nicht mehr an unserem normalen Leben teilhaben können, sondern wäre nach der Schule sofort in den Hort gefahren worden und erst gegen 18.30 h wieder zuhause gewesen.

Ich habe noch 2 Kinder, mein Mann verdient zwar nicht schlecht, ist aber selbständig, d.h. wir haben im Prinzip nur ein Jahreseinkommen, aber können nicht rechnen wie mit einem regelmäßigen Gehalt.

Ich finde, man wird so allein gelassen. Ein körperlich behindertes Kind wird von jedem anerkannt, weil ja offensichtlich ist, was dem Kind fehlt. Da gibt es auch Förderung, Unterstützung und vor allem auch gesellschaftliche Akzeptanz. Aber ein ADHS-Kind wird ja nicht als behindert wahrgenommen, sondern oft als blöd, unaufmerksam, störend, als ein Beeinträchtigung der Lebensqualität anderer Menschen.

Wer kann mir helfen? Wer weiß Bescheid?

Vielen Dank

Pipistrella
Elchi
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Re: Hilf- und ahnungslos. Unterstützung von wem?

Beitragvon Elchi » 15. Januar 2013 17:45

Hallo Pipistrella,

wie teuer ist denn diese Privatschule?
So weit ich weiß, dürfen diese Schulen nicht generell so teuer sein, dass über den Preis eine Auslese erfolgt. Da muss es wohl immer irgendeine Soziale Komponente geben oder Stipendien oder irgendwas in der Art.

Erkundige Dich doch mal direkt bei der Schule (ganz unverbindlich und ohne Deinen Namen so ganz deutlich zu sagen  :zwink: )

LG
Elchi
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Pipistrella
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Re: Hilf- und ahnungslos. Unterstützung von wem?

Beitragvon Pipistrella » 15. Januar 2013 18:43

Ca. 500 € im Monat. Ohne Fahrtkosten etc.
aida

Re: Hilf- und ahnungslos. Unterstützung von wem?

Beitragvon aida » 15. Januar 2013 23:01

Hallo,
kann hierzu nur einen kleinen aber vielleicht wichtigen Beitrag leisten:
Die monatlichen Gebühren einer Privatschule sind von der Steuer absetzbar. Wen dein Mann Selbstständig ist, hat er vielleicht einen Steuerberater. Wir haben uns das von ihm mal ausrechnen lassen. Wie hoch der  Anteil ist den man zurückbekommt, hängt mit dem individuellen Steuersatz zusammen. Somit verringert sich der Betrag-ein wenig.
Zuletzt geändert von aida am 15. Januar 2013 23:04, insgesamt 1-mal geändert.
Falschparker
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Re: Hilf- und ahnungslos. Unterstützung von wem?

Beitragvon Falschparker » 16. Januar 2013 23:28

Na es ist doch ständig von Inklusion die Rede. Wenn euer Junge nicht ohne Hilfen in einer 30-er-Klasse zurecht kommt, dann vielleicht mit Begleiter? Oder in einer Integrationsklasse mit weniger Schülern?

Sind die Realschulklassen bei euch so groß? Wie ist es denn zzt. in der Grundschule? Und ist die Klassenstärke in der Hauptschule besser?

[quote="aida"]Die monatlichen Gebühren einer Privatschule sind von der Steuer absetzbar.[/quote]

Wenn der Mann mäßiger Alleinverdiener mit drei Kindern ist, hilft das nicht viel, weil die Familie eh keine Steuern zahlt.  :upsi:

Ist jedenfalls bei uns so. Wir haben zwar nur zwei Kinder, aber dafür eines mit Behinderung.
<><
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Pipistrella
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Re: Hilf- und ahnungslos. Unterstützung von wem?

Beitragvon Pipistrella » 20. Januar 2013 17:18

Was heißt mäßig? Wir kommen gut zurecht, ich denke, das ist teilweise auch jammern auf hohem Niveau, zugegebenerweise :ichboss:

Es mag ja elitär klingen, aber Hauptschule wollen wir nicht. Das Kind ist nicht dumm, es ist sogar überdurchschnittlich begabt. Aber durch seine Rechtschreibschwäche wird ihm auch oft ein Bein gestellt, er kann sich sehr schlecht schriftlich ausdrücken, das schlägt natürlich auch in anderen Fächern als Deutsch zu Buche. Im Moment ist er in einer Klasse mit 28 Kindern, das ist hier in der Grundschule die normale Klassenstärke.

ADHS wird ja nicht als Behinderung angesehen. Mein Sohn geht zum Therapeutischen Klettern, was ihm sehr gut tut. Das Klettern wird von der Kasse im Rahmen der Ergotherapie bezahlt. Bisher haben wir beim DAV in der Kletterhalle 6 € Eintritt bezahlt, da es eben Therapeutisches Klettern ist. Seit diesem Jahr wird der ermäßigte Eintritt nur noch bei körperlich Behinderten gewährt. Die anderen Kinder zahlen (trotz Klettertherapie) 11,80 € Eintritt. Ich finde das eine Unverschämtheit.

Und so zieht es sich weiter. Kinder mit ADHS sind zwar benachteiligt, die Eltern stehen unter enormem Stress, aber so richtig Rücksicht genommen wird da nicht. Ich denke, das muss ich hier nicht erläutern. Es geht auch nicht darum, dass er den Stoff nicht versteht. Er braucht einfach mehr Vertiefung und mehr Hilfe, immer wieder beim Thema zu bleiben. Und eben weniger Ablenkung in der Klasse. Ich kann der Lehrerin zig Empfehlungen geben, wie mit ADHS-Kindern am besten umgegangen wird - beim nächsten Umsetzen sitzt er wieder in der letzten Reihe.

Und dann wird einem noch immer wieder gesagt, dass es sowas wie ADHS sowieso nicht gibt, dass die totale Modekrankheit ist und Ritalin sowieso nur Ruhigstellung bedeutet, weil man ja mit dem Kind nicht fertig wird. Ich bin im Moment so angenervt. Und das bayerische Schulsystem trägt da auch wenig zur Entspannung bei.

Dass wir alle Therapien, die Fahrtkosten etc. von der Steuer absetzen können, wissen wir (und unser Steuerberater auch). Ich dachte, es gibt noch andere Förderungsmöglichkeiten.

Danke erstmal

Pipistrella
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nickiii
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Re: Hilf- und ahnungslos. Unterstützung von wem?

Beitragvon nickiii » 26. Februar 2013 11:49

Wenn ich deine Hilflosigkeit in deinen Zeilen lese, sehe ich mich gerade jetzt in diesem Moment. Ich habe das gleiche Problem wie du und fühle mich derzeit von allen Instanzen (behördlich) voll und ganz vera...und im Stich gelassen. Ich kämpfe seit nunmehr fast 2 Jahren auf verlorenem Posten gegen das hiesige Landeschulamt an, was alle uns vorliegenden Diagnosen schlichtweg bei Seite schiebt.

Ich weiss auch nicht mehr, wie es nun nach der 4. Klasse weitergehen soll. Ich würde meinen Sohn auch gern in eine private Trägerschaft geben, allerdings fehlen mir hier die Mittel. Die Schulkostenübernahme ist vielleicht noch zu beantragen, aber diese Beförderungskosten würden mich auffressen. Ich kann das nicht tragen. Hier im Umfeld ist keine adäquate Schule vorhanden, was dem Schulamt auch bekannt ist. Aber handeln tun die trotzdem nicht. Im Gegenteil, man wird allein gelassen und zermartert sich den Kopf.

Mein Sohn soll auch in ein ruhiges Lernumfeld, mit geringerer Klassenstärke..nur woher nehmen, wenn das Land, welches auch verantwortlich ist, sich tot stellt???

Ich wünsche dir noch viel Kraft und viel Glück und hoffe, dass ihr bald einen Weg aus dieser Situation finden werden !!!!! LG
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Sheherazade
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Re: Hilf- und ahnungslos. Unterstützung von wem?

Beitragvon Sheherazade » 26. Februar 2013 12:00

[quote=&quot;nickiii&quot;]
Ich würde meinen Sohn auch gern in eine private Trägerschaft geben, allerdings fehlen mir hier die Mittel. Die Schulkostenübernahme ist vielleicht noch zu beantragen, aber diese Beförderungskosten würden mich auffressen. Ich kann das nicht tragen.[/quote]

Bei uns übernehmen die Schulen in privater Trägerschaft die Beförderungskosten. Hast du mal nachgefragt?
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
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nickiii
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Re: Hilf- und ahnungslos. Unterstützung von wem?

Beitragvon nickiii » 26. Februar 2013 12:05

[quote=&quot;Sheherazade&quot;]
[quote=&quot;nickiii&quot;]
Ich würde meinen Sohn auch gern in eine private Trägerschaft geben, allerdings fehlen mir hier die Mittel. Die Schulkostenübernahme ist vielleicht noch zu beantragen, aber diese Beförderungskosten würden mich auffressen. Ich kann das nicht tragen.[/quote]

Bei uns übernehmen die Schulen in privater Trägerschaft die Beförderungskosten. Hast du mal nachgefragt?
[/quote]

Ja, sowas ist hier Sache der Eltern. Das ist ja mein Problem. Und ich dachte, weil das Schulamt mir keine adäquate Schule nennen kann, dass sie sich auch einbringen, aber nein... weitgefehlt.

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