Geschichte Meinerseits

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evilwithin
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Geschichte Meinerseits

Beitragvon evilwithin » 24. November 2016 06:51

Guten morgen Euch,

ich bin neu hier, ich werde meinen Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Ich vermute ich stecke in einer Art Zwiespalt.

Ich bin Ende Zwanzig, im Kindesalter wurde bei mir bereits schon ADHS diagnostiziert. Nun bin ich bereits auch schon Familienvater, arbeite als Unternehmer und treibe regelmäßig hochintensiven Sport.

Mein Verhalten macht mich etwas konfus muss ich zugeben, neben meiner innerlichen Unruhe bin ich gegenüber allen Menschen höchst Aggressiv, diese Aggressivität wandelt sich in enormen Hass und in hohe Gewaltbereitschaft um. Das fängt damit an das ich mich wohl zu sehr auf meine Mitmenschen verlasse, sprich keine Blödheit akzeptiere und auch keine Ruhe so ist es meist bei Fremden und fängt schon im Straßenverkehr an, dass ich teilweise rasend vor Wut aus dem Auto steige an anderen Autos klopfe und sehr laut und aggressiv werde, wenn entweder bspw.: nicht gleichzeitig und stattdessen nacheinander über eine grüne Ampel gefahren wird. Aussteigen tue ich meistens nur, wenn man mich mit Sachen aufregt, dass die Straße in der ich bin zu schmal ist und somit kein rechts vor links für den anderen Fahrer möglich ist, dieser mir aber vor mein Auto fährt und mir den Vogel zeigt obwohl er sieht das die Straße aus der ich komme für zwei Autos nebeneinander nicht gedacht ist, ich habe seit langem daher auch "schlagfertiges" Werkzeug im Auto, was ich mir jederzeit bei einer sehr gefährlichen Situation greifen kann, ich musste mich dafür mittlerweile jedoch noch nicht entscheiden, davon Gebrauch zu machen.

Vor meiner Familie bin ich eher Aggressiv, wenn mir mal was nicht passt oder mir Vorwürfe gemacht werden, ich muss verstanden werden aber möchte ungerne negativ kritisiert werden. Ich habe einen großen Freundes- und Bekanntenkreis, da ich aber eher privat mich auf meine Sachen konzentriere habe ich keinen Nerv für Freunde und Bekannte, daher gibt es kein aufeinandergehocke o.ä.


In zwei bis drei Monaten unternehme ich jedoch privat mal was mit Freunden und Bekannten und gehe dann meistens aus, da habe ich dann meine festen Aufenthaltsorte, ich kann sehr sympathisch und sehr kontaktfreudig sein und lerne dadurch eben beim Weggehen teilweise auch wieder sehr viele neue Leute kennen. Bevor ich los gehe und bis zum Punkt am nächsten Abend ziehe ich Speed damit ich den Alkohol besser ab kann, nicht müde werde und geistig voll da bin, es beruhigt mich, macht mich aber auch sehr aufmerksam, auch gegen Stress werde ich ziemlich immun; Solange man mich nicht provoziert, ist alles im grünen Bereich. Ich muss jedoch sagen, dass ich dann eher ruhiger bin wenn ich was genommen habe, trinke und mich entspannen kann und gemeinsam mit Freunden und Bekannten unterwegs bin. Dies ist nüchtern nicht der Fall, ich bin der absolute Choleriker, trotz regelmäßigen Sport als Ausgleich, ich habe keine Depressionen und wenn ich dann die nächsten Monate schön meinen Sport mache und meine Ernährung halte, werde ich jedoch auf Dauer körperlich so fit das ich nur noch vier Stunden schlafe aber zwanzig Stunden ohne Probleme tagtäglich wach bleiben kann (ich nehme keine Medikamente und es beeinflussen mich auch sonst keine negativen Mittel, nur macht sich zu wenig Schlaf auf Dauer so gar unbewusst bemerkbar).

Mittlerweile hat sich aber alles etwas gewandelt:
ich rauche mittlerweile Zigaretten und ziehe hin und wieder was, damit ich meiner innerlichen Unruhe entgegenwirken kann, mein Sport und meine Ernährung halte ich nach wie vor. Jedoch kann ich dann aber auch übernächsten Abend mit Glück trotzdem nicht einschlafen. Ich fühle mich meiner Familie deswegen auch etwas gewissenhaft und lasse es mir nicht anmerken das ich mal was zur Beruhigung nehme. Problem ist, dass ich langsam jedoch merke, dass ich das nicht als Dauerlösug sehe. Ich bin in schwierigen Phasen gesunken aber habe mich jedes mal durch meine Willensstärke wieder rausgehauen, dass ist einfach meine Lebenseinstellung und für mich völlig normal. Nur bin ich auch ganz ehrlich, ich mag es einfach nicht zu Ärzten zu gehen da ich damit sehr legitim umgehe. Ich kann behaupten ich kriege es selbst wieder in den Griff, dass kriege ich bestimmt nur was ist wenn ich alles sein lasse und dann wieder diese übermäßige Energie in mir aufnehme, ich will ordentlich schlafen können und muss zwangsweise dann wieder auf Schlaftabletten umsteigen, die mich wiederum auch schlauchen, ich finde da keinen Mittelweg und deswegen wollte ich fragen, was Ihr an meiner Stelle machen würdet?

Ich brauche wiederum auch keine Lektion von Euch was ich zu tun und zu lassen habe nur man befindet sich ja in einem Teufelskreis. Sport ist schließlich mein Leben und ich werde damit auf jeden Fall nicht aufhören, muss aber Schlaftabletten nehmen damit ich echt länger als vier Stunden schlafen kann. Im Alltag das "Ziehen" das ist eben nur eine vorübergehende Lösung und ist auch nicht jeden Tag so, nur sonst bin ich zu impulsiv und Schlaftabletten kann ich ja kaum am Tag nehmen, dass ist ein Teufelskreis. Ich würde gerne überhaupt keine Synthetik zu mir nehmen, also allgemein keine giftigen Stoffe ob natürlich oder eben synthetisch.

Gesund geht nur durch Medikamente die mich zwar eventuell beruhigen würden aber wiederum schlauchen, das werde ich nicht so akzeptieren, das kann ich auch so nicht akzeptieren!

Nur dann stehe ich ja wieder da, wo ich ohnehin schon stehe. Selbst wenn ich das Rauchen von Tabak und das "hin und wieder mal nehmen" von Speed sein lasse, dann muss ich zum Schlafen wegen der innerlichen Aktivität bzw. Energie durch den Sport wieder zum Schlafen gehen Tabletten nehmen.

Mir kreist sich die Frage ob man das nicht auch so hinkriegt, bevor ich mit so was zu einem Arzt gehe. Die Medikamente dürften mich dann unter keinen Umständen im Alltag so enorm beeinflussen das ich fast einschlafe, in Ritalin sind schließlich auch Phenylamine enthalten wie in Speed bzw. Amphetamin, vielleicht nicht in diesen Mengen aber es sollte mich nicht beeinflussen so was. Ich merke ziemlich schnell und genau ob mich was runterzieht, ob direkt oder im nachhinein.

Das ist ja schon beim Speed so, dass man doch etwas zu ruhig wird aber auch zu wach. Ein Mittelweg wäre recht gut! Es darf nicht müde aber auch nicht zu wach machen sodass man ohne weiteres Abends auch ohne innerliche Unruhe zu Bett gehen kann, ohne dabei nach vier Stunden wieder wach zu werden.


Jetzt meine eigentliche Frage! Was würdet Ihr an meiner Stelle machen? Mir fiel das schon schwer überhaupt was zu posten, daher auch diese Anonymität in der Öffentlichkeit hier im Internet. Ich vermute nämlich, dass mir ein Arzt auch nicht viel weiter helfen kann, weil dann doch nur wieder Medikamente in Frage kommen die mich enorm beeinflussen könnten aber ich will ja auch nicht immer Schlaftabletten in solchen Momenten nehmen müssen auf Dauer.

Gruß
Eule
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Re: Geschichte Meinerseits

Beitragvon Eule » 24. November 2016 09:29

Ich hab keine Ahnung wo du deine Infos über Methylphenidat / Ritalin her hast. Aber Schlaftabletten sind das definitiv nicht.

die Wirkung beruht darauf dass sie den Dopamin- und indirekt auch Serotonin-Haushalt regulieren. Daraus ergibt sich eine ausgleichende Wirkung. Bessere Reizfilterung so dass man nicht jedem unnötigen Pieps nachrennt und nicht mehr selbst schlafend noch so wache Sinne hat dass man vom kleinsten Reiz wach wird, durch die Reizfilterung auch bessere Fähigkeit aus der Vielzahl von "Nervfaktoren" die wirklich wichtigen über die es sich lohnt sich aufzuregen oder drauf zu reagieren rauszususchen.

Aggression bei ADHS ist nach meiner Erfahrung häufig gekoppelt mit Reizüberflutung und Dauer-Genervtsein, so dass dann schon die buchstäbliche Fliege an der Wand stört, und man jede Gelegenheit ergreift explosiv zu handeln/reagieren weil das erst mal die Anspannung reduziert.

Manchmal spielt es auch eine Rolle dass man durch die vielen "Infos" die man nicht sortieren kann die erstbesten Dinge/Kommentare/Handlungen anderer um sich rum wahrnimmt, durch den sowieso vorhandenen Stress als "Angriff" auf sich missversteht, auf seine Mitmenschen entsprechend verbal (Tonfall, Wortwahl, evtl auch Körperhaltung) aggressiv "schießt", woraufhin die überhaupt nicht verstehen was man von ihnen will, und dann mal empört-verletzt-verteidigend reagieren so dass man denkt, "Boah, dieser Arxxx stellt sich auch noch blöd, na warte dem werd ich...", oder sie schießen zurück, so dass man selber das als bestätigung für den vermeintlichen Angriff nimmt, und damit glaubt alles Recht der Welt zu aggressiven Handlungen zu haben.

Dazu kommt häufig Perfektionismus - besonders in den Dingen in denen man selber gut ist, kann man nicht begreifen wieso jemand anderes das nicht gut kann. Gerade wenn man in der Situation ist auf irgendeine Art "Anführer" (Chef, Teamleiter, Mannschaftskapitän, Übungsleiter, Trainer, Bergführer, wasweißich) zu sein, ist es aber normal dass man es auch mit Leuten zu tun hat, die einen Teil ihrer Aufgaben eben nicht in dieser Perfektion beherrschen, und die Kunst besteht darin, zu erkennen worin sie gut sind, und sie gezielt für diese Aufgabe einzusetzen statt ihnen ständig vorzuwerfen worin sie inkompetent und scheinbar auch noch lernunwillig sind.

Was deinen Umgang damit angeht:

Das was du bisher gemacht und probiert hast, bringt ja offensichtlich nicht den gewünschten Erfolg. Oder es ist illegal und langfristig sicherlich ungesund etc.

Obendrein wirst du nicht jünger - und irgendwann mit über30, vielleicht auch erst mit über 40 oder noch später wird es nicht mehr so einfach irgendwelche Kräfte zu mobilisieren um irgendwas wieder auszubügeln, sich mit Willenskraft oder 3 Nächte durcharbeiten zu retten nachdem man irgendwelchen Mist gebaut hat.

Dir bleibt also nix anderes übrig als zu überlegen, was du noch nicht probiert hast, um ausgeglichener, entspannter, weniger aggressiv zu sein - auch wenn du tausend Bedenken hast.

Sprich: Zu einem Arzt (meist Psychiater) gehen der sich mit ADHS auskennt (nicht zu irgendeinem - es gibt besonders im Erwachsenenbereich immer noch genug Ärzte die weder glauben/akzeptieren dass es ADHS auch über das Jugendalter hinaus gibt, ggf Arztsuche hier im Forum benutzen!) und klären welche medikamentösen und nichtmedikamentösen Behandlungsmöglichkeiten in Betracht kommen. Für die nichtmedikamentösen (Verhaltenstherapie) gegebenenfalls zusätzlich zu einem Psychotherapeuten.

Es dürfte hilfreich sein wenn du die alte Diagnose schriftlich hast.
evilwithin
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Re: Geschichte Meinerseits

Beitragvon evilwithin » 24. November 2016 20:02

Ich bedanke mich für die schnelle Antwort, als Ritalin meine ich nicht das es Schlaftabletten sind, ich habe es als Kind zur Behandlung genommen und bin davon recht müde geworden. Als Schlaftabletten selbst nehme ich welche die es legal in der Apotheke gibt, es sind zur Zeit die stärksten auf dem legalen Markt.
Auch das Gefühl das in mir einfach dieses absolut chaotische Gefühl exestiert lässt einen nun mal nicht in Ruhe ich sage im metaphorischen Sinne immer es ist als wenn man von einem Dämon besessen ist. Ich bin durch diese Unruhige mittlerweile in so eine Art Trott geraten und das ärgert mich einfach vorallem weil, ich auch niemandem und auch selbst nur ungerne "nach meiner Hinsicht" negatives über mich berichte. Es ist so als möchte man immer nur gewinnen wollen und darf unter keinen Umständen verlieren.
Eule
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Re: Geschichte Meinerseits

Beitragvon Eule » 24. November 2016 20:25

Wenn du von Ritalin als Kind müde geworden bist klingt das für mich nach überdosiert. Ich bin zwar Mischtyp, habe also sowohl Wegträum-unaufmerksam-verpeilt-Phasen als auch impulsive Haudraufundschluß-Phasen (auch im übertragenen Sinne und weit überwiegend verbal, gelegentlich fliegt auch mal Werkzeug, und wenn jemand im Weg steht hat er Pech) - dieses Dauer-aggressiv-sein gegen andere wie du es schilderst kenne ich wirklich nur in absoluten Ausnahmefällen vielleicht einmal im Jahr, auch in den gut 40 Jahren ohne Medis oder Diagnose war das nicht meins.

Aber die Verbal-Attacken gegen Freunde, Kollegen, im Prinzip jeden der zur falschen Zeit am falschen Ort war, die ich ohne Medis veranstaltet habe waren auch nicht ohne, und die kann ich heute mit Medis erheblich besser bremsen (oder besser: Die Medis schenken mir die Bedenksekunde die ich brauche um zu entscheiden ob es wirklich schlau ist meine Wut auf irgendwen/irgendwas oder schräge Assoziationen wenn sich jemand dusslig anstellt sofort rauszuhauen oder ob ichs besser lasse) - ohne dass ich dabei das Gefühl habe müde oder ruhiggestellt oder sowas zu sein.

Was die Schlaftabletten angeht: Selbst wenn die legal und nicht verschreibungspflichtig in der Apotheke zu haben sind - ohne Rücksprache mit einem Arzt sollte man sowas nicht über längere Zeit regelmäßig nehmen. Vielleicht ist das auch ein ganz guter Einstieg bei einem Facharzt, zu sagen dass du diese Stoffelei mit irgendwelchen frei verkäuflichen Sachen ohne ärztlichen Rat nicht mehr willst, und dass das auch nicht den Erfolg bringt den du dir wünschst, so dass du nun über einen erneuten Versuch mit Methylphenidat, am besten auch zusammen mit einer Verhaltenstherapie nachdenkst um deine Unruhe zu bändigen.

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