Mit ADS in eine WG ziehen?

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miss_understanding
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Mit ADS in eine WG ziehen?

Beitrag von miss_understanding » 5. September 2016 10:44

Hallo ihr Lieben,
ich wurde bisher noch nicht diagnostiziert (außer im Kindesalter mal), glaube aber, ADS zu haben (ihr könnt ja mal in meinen anderen Thread reinschauen :)). Nun ist es so, dass ich eigentlich schon lange ausziehen wollte, eigentlich mit meinem Freund zusammen, das wird aber nix, nun suche ich eine WG.
Ich frage mich allerdings, ob ich wirklich für eine WG geschaffen bin. Ich finde mich selbst freundlich und bin immer sehr auf gutes Auskommen mit anderen bedacht, aber nichtsdestotrotz ecke ich irgendwie immer an. Ich brauche Zeit für mich alleine auf meinem Zimmer. Ich lese sehr viel. Ich möchte, wenn es geht, keinen Krach. Vor allem möchte ich nicht immer erklären müssen, wieso ich dies und jenes so mache. Natürlich würde ich mich den anderen anpassen, aber wie gesagt, ich schaffe es dennoch, anzuecken.

Nun ja, ich habe halt auch generell Schwierigkeiten mit anderen, keine Konflikte oder so, aber ich finde z. B. auch einfach keine Freunde - auch in der Uni nicht. Selbstbewusst bin ich auch nicht.

Würdet ihr sagen, eine WG könnte dies verbessern, oder mir eher davon abraten?

LG :)
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Chaos-Weib
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Re: Mit ADS in eine WG ziehen?

Beitrag von Chaos-Weib » 5. September 2016 16:37

Hallo,

deine Frage zu beantworten ist recht schwierig, da wir dich ja nicht persönlich und auch viel zu wenig kennen.
Du kannst es ja mal versuchen und wenn es nicht klappt wieder aus der WG ausziehen.

Für mich persönlich wäre eine WG ein absoluter Alptraum. Ich habe bis vor 3 Jahren noch bei meinen Eltern gewohnt, da ich mir eine eigene Wohnung nicht leisten konnte. Bei den Eltern ist es ja auch eine Art WG. Ich fands immer sehr schlimm. Eine andere WG konnte ich mir aber auch nicht vorstellen. Weil in WGs wohnen meist junge Leute, Studenten und ... äh... ich will jetzt zwar nicht alle über einen Kamm scheren, aber die meisten Studenten interessieren sich nur für Party machen. Also hat man in einer solchen WG 24 Stunden am Tag Krach und Lärm und das hatte ich schon bei meinen Eltern genug. Ich hab mein Geld also gespart bis ich endlich eine eigene Wohnung nehmen konnte. Ist zwar nur ein kleines Zimmer mit Nasszelle und zwei Herdplatten, aber fürs erste reicht das mal und mit den Nachbarn habe ich insgesammt auch Glück und Nachts ist Ruhe im Haus.

Du kannst ja mal bei verschiedenen WGs anfragen, wie da die Party-Stimmung ist...

Und andere Probleme gibt es ja auch in WGs. Z.B wenn ein Mitbewohner überall seinen Dreck liegen lässt und die Küche unter aller Sau verlässt und du darfst dann erst mal seinen Dreck wegmachen, bevor du dir selber was zu Essen machen kannst...

Im Prinzip musst du das ja selber wissen, aber mich persönlcih würden keine 10 Pferde in eine WG kriegen.

Viel Glück
laetitia
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Re: Mit ADS in eine WG ziehen?

Beitrag von laetitia » 6. September 2016 00:30

Hm...Chaos-Weib...weiss ja nicht, aber ich finde dass du da etwas gar negative Vorstellungen bezüglich WGs hast. Ich habe bis vor fünf Jahren nur in WGs gelebt, davon keine einzige so, wie du das beschreibst. Natürlich gibt es die Party-WGs. Aber das merkt man schnell, wenn man die anschauen geht oder oft schon in den Inseraten. Aber es gibt auch die Studenten, die lernen müssen und nicht ihr Leben mit Parties verbringen. Ausserdem gibt es auch WGs mit Nichtstudenten.

Eine WG mit dem Elternhaus zu vergleichen, ist auch nicht so ganz akkurat. Ich bin aus dem Elternhaus ausgezogen, weil ich es da nicht mehr aushielt und erwischte erstmal zwei WGs, die nicht so toll waren. Aber das war mehr weil es einfach nicht ganz passte. Dennoch war es bei weitem besser, als vorher bei den Eltern, weil ich meine Ruhe hatte und diese Spannungen im Haus nicht mehr ertragen musste. WG-Konflikte tragen sich anders aus, als Familienstress. Die sind linear, da man gleichberechtigt ist und nicht in einem asymmetrischen Verhältnis zueinander steht (Eltern-Kind...auch wenn erwachsen, ist nie eine Augenhöhenbeziehung).


Zum Thema mit ADHS in eine WG ziehen: Das musst du ausprobieren. Ich selber kam immer gut klar in WGs, ausser diese ersten zwei und dann die letzte, wo am Schluss die Konstellation nicht mehr stimmte. Es braucht einfach ein gewisses Mass an Toleranz, man darf sich nicht an Kleinigkeiten stören etc. Mir hat das WG-Leben auch geholfen, mein Chaos auf mein Zimmer zu beschränken...was mir dann in der eigenen Wohnung nicht mehr gelang und ich anfing, in der Unordnung zu versinken.
Wenn es von den Leuten her passt, dann ist es eine gute Sache. Es ist schön, wenn man seine Freiheit hat, aber dennoch ab und zu jemand da ist zum Quatschen, Kochen, ein Bier trinken etc. Wichtig ist aber, wie schon angetönt, dass es von den Leuten her passt. Da weiss ich nicht, wie das bei dir ist. Ich selber spüre sehr schnell, ob ich mit jemandem klar komme oder nicht. Daher kam ich immer gut klar mit den Leuten, die ich selber aussuchte. Jene, die die anderen auswählten, waren meistens eher Problematisch.

Ich würde sagen, versuchs einfach mal. Du wirst deine Erfahrungen sammeln und viel lernen. Wenn es schief geht, dann geht es halt schief, kann passieren. Eben, meine beiden ersten WG-Erfahrungen waren auch nicht das Wahre. Dennoch hat es mir gezeigt, worauf ich bei der nächsten WG achten wollte.

Falls das Thema Ordnung und Sauberkeit eher schwierig ist, würde ich schauen, dass du wohin kommst, wo es den Mitbewohnern nichts ausmacht, dich daran zu erinnern, dass du auch mal wieder dran bist mit Putzen...oder wo es klare Abmachungen und ein Kontrollsystem gibt.
In der einen WG wo wir zu zweit waren, gab es immer mal wieder so einen Tag wo wir beide fanden, dass Putzen mal wieder dran wäre. Dann machten wir Putzparty und einer Putzte das Bad, der andere die Küche. So war es angenehm, weil wir zusammen etwas machten...
In der letzten WG putzten wir nach Bedarf. Heisst, wenn man die Staubmäuse sah, nahm mal wer den Staubsauger aus dem Schrank. Das geht aber nur, wenn alle in etwa ähnliche Vorstellungen haben...dort ging das, weil für uns das Putzen erst dann wirklich lohnenswert war, wenn es sichtbare Ergebnisse lieferte...ausser die Küche, da war die Devise, wer Kocht, putzt.

Aber die Frage, ob eine WG dein Selbstvertrauen und deine Konfliktfähigkeit verbessert und du dann besser Freunde findest...sehr wahrscheinlich nicht. Ausser du siehst es als Übungsfeld, um all das zu lernen...wobei ich dir dabei psychologische Unterstützung empfehlen würde, damit du ein Feedback von einer Person hast, die nicht in deine Konflikte etc. involviert ist und dir helfen kann, an deinem Selbstvertrauen zu arbeiten.
miss_understanding
Andersweltler
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Re: Mit ADS in eine WG ziehen?

Beitrag von miss_understanding » 6. September 2016 00:43

wow, danke für die Antworten!
Leticia, wie kann ich denn all das schon im Vornerein merken, wie die Leute so draufsind? Also klar, man kann fragen wie dies und jenes gehandhabt wird, aber ich kann mir unmöglich vorstellen, zu sagen "Hey, ich hab ADS und könnte etwas eigensinnig sein, nehmt mir das dann aber nicht übel" oder so ... :D ich hätte nur Bedenken, nicht sofort zu merken, wie die Leute drauf sind und dann mit Leuten zusammenzuwohnen, die absolut nicht zu mir passen.
Ordentlich wäre ich gern, bin es aber nicht oder selten, mit einem Putzteufel zusammenzuwohnen wäre also ne Katastrophe :D gut, das merkt man wahrscheinlich schnell...
miss_understanding
Andersweltler
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Re: Mit ADS in eine WG ziehen?

Beitrag von miss_understanding » 6. September 2016 00:44

sorry, ich meinte natürlich Laetitia :D
lenilein
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Re: Mit ADS in eine WG ziehen?

Beitrag von lenilein » 7. September 2016 22:08

Es ist unmöglich eine Antwort auf deine Frage zu finden, weil da viel zu viele Faktoren eine Rolle spielt.

Ich ärger mich mittlerweile, dass ich nicht in eine WG gezogen bin.

Allerdings kommt es auch immer auf die Umstände an. Eine wg Neugründung ist in meinen Augen viel einfacher, weil du auch mehr mitbestimmen kannst. Mir ist es zum Beispiel wichtig, dass ich nicht gezwungen werde am 07.12.2017 das Bad zu putzen. Bei einer Neugründung ist es einfacher zu sagen dass man Dienste wöchentlich verteilt, so dass ich weiß in der und der Woche muss ich das Bad putzen, aber den Tag kann ich mir noch aussuchen...

Auch die Größe der WG spielt eine große Rolle, je mehr Leute in so einer wg wohnen, desto mehr Struktur ist erforderlich.


Ich würde an deiner stelle einfach mal schauen, was du für Möglichkeiten hast, schau dir WGs und deren Mitbewohner an und entscheide dann, ob du es passend findest oder nicht.

Wenn du dann merkst, dass es nicht gut läuft, kannst du immer noch ausziehen.
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Kaina
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Re: Mit ADS in eine WG ziehen?

Beitrag von Kaina » 11. September 2016 16:39

Hi miss_understanding :)

Vielleicht machst du dir für alle Fälle eine 3-Spalten-Liste, in die du einträgst,
- das will/erwarte ich in jedem Fall
- das könnte ich auf gar keinen Fall ertragen
- da gibt es Kompromissmöglichkeiten unter der Voraussetzung, dass...

Vielleicht wird dir dann selbst schon mal klarer, worauf du beim Gespräch mit mögliche WG-Partnern achten musst.

Nein, ich war nie in einer WG (außer in der Familien-WG :roll: ).
Die ersten Infos zu WGs hatte ich von meiner Schwester - zu Dingen, die sie als spießig oder bekloppt verlästerte, oder die sie tierisch geärgert hatten.
Meine Schlussfolgerung: nee, ist absolut nix für mich. Mit meiner Schwester eine WG? Unmöglich.
Andererseits: wenn meine Einkäufe regelmäßig verschwinden, weil jemand den Kühlschrank leergefuttert hat, am besten mit Hilfe von Kumpels, die mit der WG nix zu tun hatten, und meine Sachen gerade mit. Oder wenn ich nicht da bin, pennt jemand in meinem Bett, stöbert in meinen Sachen. Da wäre auch ich stinksauer.

Ich war später dann doch mal bereit für eine WG, weil ich die Leute gut kennengelernt hatte, und mir ihre WG gefiel: keine "Zwangs-Zusammenkünfte" (wer sich zurückziehen wollte - einfach ok). Faires Miteinander bei Küchen- und Baddiensten, jeder respektierte die Zimmer der anderen als tabu, wenn derjenige nicht da war. Musik in Zimmerlautstärke, es sei denn, gemeinsame Fete etc. Netter, respektvoller Umgang miteinander. Dort hätte ich mich wohl gefühlt.
(Bin dann allerdings nicht hingezogen, weil ich weiter weg einen Job bekam.)

LG
Kaina
"Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische." (K.Valentin) 
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