Gefühl der Leere nach Erfolgserlebnissen

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Antworten
Benutzeravatar
chaospüppi
Andersweltler
Beiträge: 5
Registriert: 1. November 2010 15:49

Gefühl der Leere nach Erfolgserlebnissen

Beitrag von chaospüppi » 4. April 2013 19:23

Kennt das noch jemand von Euch?
Das Leben stellt einen ja immer wieder vor neue Aufgaben und Prüfungen, und ich habe schon öfter festgestellt, dass wenn ich etwas erfolgreich bewältigt oder beendet habe, dass sich dann kein Glücksgefühl einstellt, was ja angebracht wäre, sondern ein Gefühl der Leere, ganz komisches Gefühl...
Jetzt zum Beispiel wieder habe ich mich beruflich weiterqualifiziert und habe mit "sehr gut" bestanden, war vor der Prüfung total aufgeregt und erleichtert als es vorbei war, aber "schwups" war das Gefühl der Leere da, kein Korkenknallen, nix...das fühlt sich irgendwie nicht gut an.
Kennt ihr das auch? Was kann man da machen? Dass man happy und stolz auf sich ist, wäre doch nur normal, oder? :a1c:
maerenthaler
Foruminventar
Beiträge: 4820
Registriert: 4. Februar 2007 16:54
Wohnort: Koblenz-Neuwieder Becken
Alter: 64

Re: Gefühl der Leere nach Erfolgserlebnissen

Beitrag von maerenthaler » 8. April 2013 06:46

Hi chaospüppi,

ja, ich glaube, ich kenne das auch.

Ich würde es weniger als eine "Leere" bezeichnen,
eher als eine völlige Abwesenheit eines "Triumphgefühls".

Ich persönlich erkläre das für mich damit,
daß ich die meisten, wenn nicht gar alle (zumindest beruflichen) Erfolge
weniger durch eine Anstrengung, ein darauf-Hinarbeiten und/oder einen persönlichen Ergeiz erreicht hätte,
in der Regel habe ich meinen Erfolg, weil ich so bin, wie ich bin.

Natürlich könnte ich auch darauf, daß ich bin, wie ich bin, stolz sein,
aber ich könnte es nie als meinen Verdienst ansehen.

Das heißt aber nicht, daß ich gar keine Erfolgserlebnisse und keine "Stolz"gefühle kenne,
ich "hole sie mir" und erlebe sie halt nur woanders...

LG
Christian
Benutzeravatar
Kaina
Foruminventar
Beiträge: 3812
Registriert: 8. Juni 2009 21:27

Re: Gefühl der Leere nach Erfolgserlebnissen

Beitrag von Kaina » 8. April 2013 11:08

Irgendwie schon interessante Frage, da es wahrscheinlich wirklich am AD(H)S  liegt - egal ob Träumer oder Flippi.

[quote="chaospüppi"]
..()..vor der Prüfung total aufgeregt und erleichtert als es vorbei war, aber "schwups" war das Gefühl der Leere da, kein Korkenknallen, nix...das fühlt sich irgendwie nicht gut an.
Kennt ihr das auch? Was kann man da machen? Dass man happy und stolz auf sich ist, wäre doch nur normal, oder? :a1c: [/quote]


Ob ich das kenne? nur zu gut. Ob ich 'ne Idee habe, was man da machen kann? Wenn überhaupt habe ich das Gefühl von Erleichterung, dass es geschafft, erledigt ist.
Manchmal läuft es sogar noch absurder:
dass ich träume, es wäre noch gar nicht vorbei, die Prüfung stünde noch aus, das Ende hätte ich nur geträumt, oder es läge ein Fehler vor, ich müsste da nochmal durch;
oder dass es meinem Gefühl nach keine “Leistung” war, es geschafft zu haben, nach dem Motto: wenn ich es hingekriegt habe, muss es jeder Depp können :kk:  (wobei ich für die, die es gerade nicht geschaft haben, 1000 Gründe finde, warum es wohl einfach Pech war)

Obwohl ich schon unendlich viel darüber nachgegrübelt habe – absolut keine Ahnung, woran es liegt und was man tun könnte. 

So einfach reduzieren wie Christian kann ich es auch nicht.

[quote="maerenthaler"]
..()..daß ich die meisten, wenn nicht gar alle (zumindest beruflichen) Erfolge
weniger durch eine Anstrengung, ein darauf-Hinarbeiten und/oder einen persönlichen Ergeiz erreicht hätte,
in der Regel habe ich meinen Erfolg, weil ich so bin, wie ich bin.

Natürlich könnte ich auch darauf, daß ich bin, wie ich bin, stolz sein,
aber ich könnte es nie als meinen Verdienst ansehen. ..()..[/quote]

Mein Kopf sagt mir schon, dass das ein oder andere ein Verdienst meiner Anstrengung ist - und wenn es nur das ist, dass ich allen Widrigkeiten oder aller Unkenrufe zum Trotz durchgehalten habe.

Aber wenn ich andere sehe, die das richtig genießen und feiern können, frage ich mich immer, warum ich das nicht kann.
Es ist immer wie ein "nach dem Spiel ist vor dem Spiel" - und: hab' ich das überhaupt verdient???
Und das nervt mich echt  :up_to_something: :me:
"Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische." (K.Valentin) 
Bild
Benutzeravatar
chaospüppi
Andersweltler
Beiträge: 5
Registriert: 1. November 2010 15:49

Re: Gefühl der Leere nach Erfolgserlebnissen

Beitrag von chaospüppi » 8. April 2013 16:25

Ja genau : "...oder dass es meinem Gefühl nach keine “Leistung” war, es geschafft zu haben, nach dem Motto: wenn ich es hingekriegt habe, muss es jeder Depp können", das ist das was ich auch denke! "Die Ansprüche sind dann wohl nicht zu hoch gewesen" denke ich dann immer, obwohl es objektiv gesehen natürlich nicht so ist, das sagen einem ja dann auch andere, aber irgendwie, ist da kein "jipphie" in mir. Obwohl ich viiiel Blut und Wasser für diese Sache geleistet habe! Das hat bei mir auch nichts mit "so wie ich bin" oder Zufall zu tun, sondern mehr mit immenser Zusatzarbeit, Überstunden, Nächte ohne Schlaf und Verlust jeglicher Nerven!

Außerdem habe ich festgestellt, dass ich mich eigentlich mehr für andere freue, wenn die sich freuen, oder wenn ich ihnen eine Freude machen kann! Ich liebe es zum Beispiel anderen Geschenke zu machen.
Das schönste ist für mich, wenn meine Family/Freunde etwas auspacken, was sie partout nicht erwartet haben, vor allem wenn es unabhängig von irgendwelchen Feierlichkeiten ist!

Mein behandelnder Arzt hat gesagt, das obige Problem ist wohl ADS-typisch.

Damit ich nicht in Depressionen verfalle, habe ich jetzt festgestellt, muss ich zusehen, mir gleich das nächste Problem/Projekt vorzunehmen, und wenn es nur "Altkleider ausmisten" ist, oder endlich mal ne Steuererklärung zu machen. Irgendwie brauche ich ständig diese "Aufgaben", auch wenn sie nur auf einem Zettel stehen :) sonst fühlt sich das Leben sinnlos an, ich ertrage es keinen Tag 

Ich sollte endlich Kinder kriegen  :breitgrinse1:

...ich frag mal Schatzi... :flüsti:
Zuletzt geändert von chaospüppi am 8. April 2013 16:27, insgesamt 1-mal geändert.
cajo81
Spezial User
Beiträge: 406
Registriert: 2. April 2011 17:59

Re: Gefühl der Leere nach Erfolgserlebnissen

Beitrag von cajo81 » 10. Juli 2013 08:07

Hängt oft mit einem Perfektionismuswahn zusammen. Man stellt halt zu hohe Ansprüche an sich selbst und kann deshalb nie zufrieden sein. Man will immer mehr und kommt dabei nie zu einem erfülltem Ende.

Ist echt schwer sich Perfektionismus abzugewöhnen. Man muss sich nämlich dazu bewusst auf jede positve Kleinigkeit konzentrieren...und Konzentration ist ja nicht gerade die Stärke eines ADHSler.  :icon_rolleyes:
Am Besten auch mal Dinge machen wo es weder etwas zu verlieren noch zu gewinnen gibt (Kunst, Musik,...)
Benutzeravatar
Angie
Foruminventar
Beiträge: 9127
Registriert: 5. Oktober 2008 21:06
Alter: 2014
Kontaktdaten:

Re: Gefühl der Leere nach Erfolgserlebnissen

Beitrag von Angie » 10. Juli 2013 17:15

Das kenne ich auch, hat aber wahrscheinlich nichts mit AD(H)S mit mir zu tun, sondern eher die Prägung von der Mutter.
Irgendwie, ein Einfluss auf die eigenen Persönlichkeitsentwicklung.
Da habe ich mal etwas zufällig im I-Net darüber gefunden, habe es hier in Pressefundstücke reingestellt.

http://www.adhs-anderswelt.de/index.php ... #msg582816
Leistungsorientierte Töchter haben auffällig oft Schwierigkeiten, die eigenen Leistungen sehen zu können und mit Komplimenten positiv umzugehen. Bewunderungen und Gratulationen durch andere werden dabei oft unter den Teppich gekehrt und nicht als aufrichtig empfunden. Die Angst, sich wie die narzisstische Mutter, die oftmals arrogant und angeberisch aufgetreten ist, zu verhalten, dämmt meist jeden Wunsch ein, seine Erfolge anzuerkennen und zu zelebrieren. Auch das sogenannte „Betrüger-Syndrom” kann bei diesen Töchtern vorkommen, sie sind dabei überzeugt davon, ihren Erfolg nicht verdient zu haben und kommen sich wie Betrüger vor, die sich ihre Leistungen nicht erarbeitet, sondern erschlichen haben.

In beiden Fällen werden diese Frauen dadurch nie längerfristig glücklich, sondern glauben jedes Mal, dass beim nächsten Projekt alles gut werden wird und sie endlich glücklich sein können. Die Folgen sind oft Burnout, Depression, Süchte und allgemein das Vernachlässigen der eigenen Bedürfnisse und Wünsche.
Trifft jetzt auf mich zu, was bei dir der Auslöser ist, dann durchforsch mal deine Psyche.
Zuletzt geändert von Angie am 10. Juli 2013 17:16, insgesamt 1-mal geändert.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
Benutzeravatar
pando
Spezial User
Beiträge: 305
Registriert: 25. Oktober 2012 08:33
Wohnort: Pellenz
Alter: 39

Re: Gefühl der Leere nach Erfolgserlebnissen

Beitrag von pando » 10. Juli 2013 17:15

Genau dem, ich nenn es für mich persönlich "Gefühlsfehlsinn" bin ich in den letzten Monaten hinterher gewesen. Also nicht, dass ich das bewusst herraus gefordert habe. Ich habe eher mein Redar eingeschaltet, um mitzubekommen, was genau passiert, bevor es zu dieser Schieflage kommt.

Mir war das wichtig, da ich, seit dem ich MPH nehme, feststellte, das dies einer der Punkte war bzw ist, was mich depressiv werden lässt.

Nachdemn ich wieder einmal ein Tortenprojekt erfolgreich abgeschlossen hatte, viel der Groschen, was da passiert ist.

Ohne mir dessen bewusst zu sein, weil jegliche Selbstwahrnehmung gestört ist, den was ich "leiste" ist für mich nicht erkennbar, wenn ich nicht eine Methode nutze, selbiges sichbar zu machen.

Nun war es so, das ich besagtes Tortenprojekt wirklich durchgeplant hatte, wann welche Zutaten gekauft werden müssen, welche achen im Vorlauf wann stattgefunden haben müssen. Ich hab mir erinnerungen im Kalender gamacht und konnte für dieses Projekt etwas machen, was ich eigentlich nicht kann, eine genaue Ablaufliste.

Hatt alles geklappt und sogar Schwierigkeiten, die sich erst bei der Umsetzuing zeigten, waren einfach zu lösen.

Als ich feritg war, fehlte das Erfolgserlebnis und am nächsten Tag war dann ganz Sense.

Es war utopisch am folgenden Tag, das gleiche zu leisten wie am Tag zuvor. Höher, weiter und schneller....Heute den Mount Everest besteigen und Morgen....joa, es gibt keinen doppelt so hohen Berg.

Viel ironischer ist, das mir gerade bewusst wird, dass es Situationen gibt, in denen ich mich wie ein Vogel Strauss verhalte, da ich zur Zeit an wichtigen Veränderungen arbeite. Und ganz Vermeidungstaktiklike, wenn ich nicht ans Ziel komme, muss ich mich der Situation die dann folgt, gar nicht erst stellen.

Findsch ned gut......ich muss mal Klausur mit mir halten.

LG pando
:biene: 3
cajo81
Spezial User
Beiträge: 406
Registriert: 2. April 2011 17:59

Re: Gefühl der Leere nach Erfolgserlebnissen

Beitrag von cajo81 » 24. Juli 2013 14:57

[quote="pando"]
Genau dem, ich nenn es für mich persönlich "Gefühlsfehlsinn" bin ich in den letzten Monaten hinterher gewesen. Also nicht, dass ich das bewusst herraus gefordert habe. Ich habe eher mein Redar eingeschaltet, um mitzubekommen, was genau passiert, bevor es zu dieser Schieflage kommt.

Mir war das wichtig, da ich, seit dem ich MPH nehme, feststellte, das dies einer der Punkte war bzw ist, was mich depressiv werden lässt.

Nachdemn ich wieder einmal ein Tortenprojekt erfolgreich abgeschlossen hatte, viel der Groschen, was da passiert ist.

Ohne mir dessen bewusst zu sein, weil jegliche Selbstwahrnehmung gestört ist, den was ich "leiste" ist für mich nicht erkennbar, wenn ich nicht eine Methode nutze, selbiges sichbar zu machen.

Nun war es so, das ich besagtes Tortenprojekt wirklich durchgeplant hatte, wann welche Zutaten gekauft werden müssen, welche achen im Vorlauf wann stattgefunden haben müssen. Ich hab mir erinnerungen im Kalender gamacht und konnte für dieses Projekt etwas machen, was ich eigentlich nicht kann, eine genaue Ablaufliste.

Hatt alles geklappt und sogar Schwierigkeiten, die sich erst bei der Umsetzuing zeigten, waren einfach zu lösen.

Als ich feritg war, fehlte das Erfolgserlebnis und am nächsten Tag war dann ganz Sense.

Es war utopisch am folgenden Tag, das gleiche zu leisten wie am Tag zuvor. Höher, weiter und schneller....Heute den Mount Everest besteigen und Morgen....joa, es gibt keinen doppelt so hohen Berg.

Viel ironischer ist, das mir gerade bewusst wird, dass es Situationen gibt, in denen ich mich wie ein Vogel Strauss verhalte, da ich zur Zeit an wichtigen Veränderungen arbeite. Und ganz Vermeidungstaktiklike, wenn ich nicht ans Ziel komme, muss ich mich der Situation die dann folgt, gar nicht erst stellen.

Findsch ned gut......ich muss mal Klausur mit mir halten.

LG pando
[/quote]

Nur weil man MPH schluckt ändert dies nicht die Persönlichkeit. Aber man kann definitiv mit MPH deutlich besser trainieren die Persönlichkeitsstörung zu verändern.

Beispiel :
Wenn du dein Leben lang gelernt hast perfekt sein zu müssen dann zielt deine Wahrnehmung in erster Linie darauf ab.
Verbesserst du deine Konzentrations-/Wahrnehmungsfähigkeit durch MPH kann es sein dass du dich noch mehr in diese Gewohnheit reinsteigerst; dich darauf noch extremer fixierst.
In so einem Moment musst du dir aber bewusst machen dass du gerade wieder falsch denkst und BEWUSST deine Wahrnehmung auf das Gute lenken. In so einem Moment wirst du merken wie dir MPH definitv HILFT deine Wahrnehmung umzulenken bzw. dich auf das Positive zu konzentrieren. Dann merkst du auch wie sich die durch MPH verstärkte Depression auflöst.
Du musst also quasi erst einmal lernen deine neuen Superkräfte  :breitgrinse1:, nämlich die verbesserte Konzentrationsfähigkeit durch MPH, auch richtig einzusetzen. Du musst lernen sie auf das Richtige zu lenken und davon wegzukommen dass sie deine negativen Verhaltensweisen verstärken. 

Das ganze ist eine ziemlich harte Nummer weil es schwer ist schlechte Gewohnheiten umzutrainieren. Könntest aber vielleicht helfen wenn du zusätzlich zu MPH noch Antidepressivas nimmst um deine Stimmung und Motivation etwas zu bessern.
Antworten

Zurück zu „ADS / Hypoaktivität*“