Motivation, Antrieb und erfolgsgesteuertes Interesse

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Aries
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Motivation, Antrieb und erfolgsgesteuertes Interesse

Beitrag von Aries » 15. Mai 2019 18:56

Ein Thema, das mir sehr unter den Nägeln brennt. Ich lese immer wieder "gerade als AD(H)Sler muss man das finden, was einem sorichtig liegt und was einen so richtig begeistert". Auch lese ich immer wieder von Leuten, die, sobald es um "ihr" Interessensgebiet geht, sich da wirklich hyperfokusmäßig durchbeißen können und wahnsinnige Kräfte entwickeln. Bei mir ist das ähnlich, allerdings gibt es einfach nicht "das eine" für mich. Ich bin in allem, das ich anfange sehr gut, und solange es läuft ist es "genau mein Ding". Ich identifiziere mich damit, bin hochmotiviert, kann an nichts anderes denken. Dann kommt ein Rückschlag, Kritik oder ein Sinneswandel und bumm, die Sache ist für mich gestorben. Ich hab schon mehrere Ausbildungen angefangen aber nach 1 bis 2 Jahren abgebrochen, weil ich die totale Sinnkrise gekriegt habe.

Ich höre immer nur "du musst dich halt auch mal durchbeißen", aber in dem Moment, wo ich diese "unstimulierende" Aufgabe erledigen muss, fühl ich mich kurzzeitig nicht nur lustlos, sondern so down, dass ich vor lauter Sinnlosigkeit und Verzweiflung anfange zu weinen. Das ist doch nicht normal. Ich bin dann echt gezwungen, was angenehmes zu machen, um mich wieder normal zu fühlen. Mein Leben besteht so nur aus dem Versuch, irgendwie das Level oben zu halten, wie ein junkie von trip zu tri, die dauernde Suche nach Befriedigung im weiteren Sinne. Ich kenne mich gar nicht anders. Leider nimmt das irgendwie niemand ernst. Ich sei einfach nur bequem, unwillig, suche nur Spaßgesellschaft, kann nix aushalten usw.

Ich könnte damit leben, wenn es "das eine" bei mir gäbe. Ich hab aber schon so viel ausprobiert, dass ich mittlerweile einfach davon ausgehe, dass es das bei mir nicht gibt. Und mich zerfrisst das, alles zu haben, und sogar hochintelligent zu sein und gleichzeitig die Aussicht, irgendwann in einer Behindertenwerkstatt zu landen oder als Dauerarbeitslose.
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ULBRE
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Re: Motivation, Antrieb und erfolgsgesteuertes Interesse

Beitrag von ULBRE » 16. Mai 2019 00:54

Hi Aries,

das klingt ja gar nicht schön...
Leider ist das Muster gar nicht untypisch. Daher kommen ja die typischen AD(H)S-Lebensläufe, die alle 1 bis 2 Jahre einen Bruch aufweisen.

Die emotionale Überintensität ebenso wie (nur als weitere Beispiele) eine Dysphorie bei Inaktivität oder eine übergroße Kränkbarkeit (Rejection Sensitivity).

Anderherum aufgezäumt:
Was machst Du denn gegen Dein ADxS ?

LG

UlBre
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Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
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Elwirra
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Re: Motivation, Antrieb und erfolgsgesteuertes Interesse

Beitrag von Elwirra » 16. Mai 2019 06:33

Ich finde das alles nicht untypisch und auch nachvollziehbar.

Nun Stelle ich mir gerade die Frage??.?..

Was wäre eigentlich schlimm daran wenn man keine Ausbildung machst , sondern bis zur Rente einfach alle zwei Jahre einen andren Job machst und so deine Lebensunterhalt verdienst.

Stell die vor alle Jobs würden mal auf einem Grabstein landen.

bei eine steht ....
„er machte zu Hause bei der Sparkasse eine Ausbildung und blieb dort!“

Oder eine lange Liste mit den unterschiedlichsten Jobs ;)

ist jetzt vielleicht nicht hilfreich für dein Problem aber schoss mir so in den KOpf
„An alle die behaupten, sie wüssten wie der Hase läuft:.......... "Er hoppelt!“ ;)
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Re: Motivation, Antrieb und erfolgsgesteuertes Interesse

Beitrag von Adsanders » 16. Mai 2019 08:34

Ich kenne einen jungen Mann (Adhs), der auch nur jobt.
Allerdings als Freiberufler.
Seine Eltern haben ihm aber von klein auf immer wieder gesagt, dass drei Dinge im Leben Pflicht sind: ein abgeschlossener Schulabschluss, ein Führerschein und eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Das hat er auch irgendwie geschafft und es erleichtert sein Leben ungemein.

Er hat nun sein Hobby zum Beruf gemacht, schaut sich aber immer mal wieder andere Fachrichtungen an oder nimmt sich eine Auszeit, wenn es mal wieder langweilig wird. Reich wird man so erst mal nicht, aber er scheint glücklich zu sein. 😉
Aries
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Re: Motivation, Antrieb und erfolgsgesteuertes Interesse

Beitrag von Aries » 16. Mai 2019 10:22

Danke für eure Anteilnahme :)
Nur Jobben kann gutgehen, kann aber auch sein, dass AG dich nach x Stationen nicht mehr einstellen, weil du halt einfach nicht verlässlich dort bleibst, keine Identifizierung mit dem Job absehbar ist usw. Ich habe halt auch den Wunsch und das Bedürfnis, mal was durchzuziehen. "Mein" Ding zu haben. Nicht nur weil das andere erwarten, auch, weil ständige Neuanfänge einfach stressig sind.

Ich hatte jetzt 4 Monate Strattera ausprobiert, das hat allerdings meine Motivation und Laune sehr gedrückt, darüber hinaus war ich sehr schmerzempfindlich und körperlich auch nicht so top... davor Ritalin unret., davon wurde ich allerdings agressiv und die visuelle Informationsaufnahme war nicht mehr möglich. D.h., wenn ich was gelesen habe, konnte ich mich zwar auf den Akt des Lesens konzentrieren, aber Die Info kam nicht an, weil ich ein visueller Lerntyp bin und diese Fuktion wie abgeschaltet war. Ritalin also höchstens für banale Aufgaben, die ohne Nachdenken erledigt werden können. Ich vergleiche das immer mit einem Fernseher. Wenn Ad(h)s ist, als würde man ständig zappen und nie mal ne Sendung richtig ansehen, war Ritalin wie ein Schneebild. Und das auch bei sehr geringen Dosen. Das nächste ist jetzt elvanse. Ich hoffe, es hilft. Ich hab ja die meiste Einschränkung durch die von langweiligen Tätigkeiten verursachte Dysphorie. Wäre ich einfach nur unkonzentriert, könnte aber dennoch weitermachen, wäre es wohl einfacher, was zu finden...
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AlphaCentauri
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Re: Motivation, Antrieb und erfolgsgesteuertes Interesse

Beitrag von AlphaCentauri » 19. Mai 2019 06:28

Bei mir war es so, dass ich mit großen Veränderungen nicht klarkam, die mit Umbauten, Umstrukturierungen und Modernisierungen oder sonstigen größeren Veränderungen einhergingen, ... und ganz vorbei war es, wenn solche Veränderungen die Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz bedeuteten, auch, wenn es nur für wenige Wochen war. In einem großen Konzern nichts Ungewöhnliches, auch mal in anderen Abteilungen eingesetzt zu werden. Für mich jedoch, die ich auf vertrautes Umfeld sowie vertraute Kollegen und Vorgesetzte mental angewiesen war, war es die Hölle, die mir letztlich keine andere Wahl ließ, als zu gehen. Zu beängstigend war der Blick ins Ungewisse. Zu wenig konnte der sehr gute Verdienst mein Dilemma aufwiegen.

Selbst, wenn ich gelegentlich "nur" mal in eine andere Abteilung innerhalb derselben Halle musste, erlitt ich schweres Heimweh nach meiner Abteilung und meinen Kollegen, besonders, wenn ich sie von Weitem sehen konnte. Das blieb irgendwann dem Betriebsrat nicht verborgen, der dann veranlasste, mich von solchen Einsätzen in anderen Abteilungen auszunehmen. Zumindest für ein Jahr. Als sie dann aber wieder damit anfingen, dauerte es nicht mehr allzu lange, bis ich kündigte. Zu groß war jeden Montag, mitunter jeden Tag, die Angst, wo man mich nun schon wieder hinstecken würde. Ich brauchte einfach meine festen Bezugspunkte und -personen, die mir eine zwingend erforderliche Sicherheit gaben.

Aus heutiger Sicht war das der Vorreiter des modernen Sklavenhandels, alias Zeitarbeitsfirmen, in meinen Augen das Letzte, was die Arbeitspolitik sich je einfallen lassen konnte.

Auch in einem kleinen Betrieb erging es mir mal ähnlich, obwohl es sich bei den Veränderungen nur um technische Modernisierungen handelte. Auch damit hatte ich immerhin solche Schwierigkeiten, dass ich meine letzten Tage in diesem Betrieb unbewusst sabotierte, indem ich bspw. irgendeinen Schabernack im Hintergrund trieb, um den schlimmen Verlust nicht ganz so stark zu spüren. War mir damals natürlich nicht klar, denn ich handelte aus dem Unterbewusstsein, aus dem Bauch heraus.

Doch während ich das Verlassen des Konzerns vergleichsweise relativ leicht ad acta legen konnte, trieb mich der Verlust des kleinen Betriebs langfristig in Depressionen, einfach, weil dieser Jobs mein Ding war. Lange, lange entfernte diese Zeit trotz diverser Differenzen sich nur auf dem Kalender von mir. Heute bin ich eher froh, diesen Laden los zu sein. Dennoch wird der Job an sich immer zu meinen (ehemaligen) Favoriten gehören.

Hätte ich heute - was natürlich utopisch ist - nochmal die Wahl zwischen dem Konzern und dem Kleinbetrieb, würde ich mich wohl für den Konzern entscheiden, ... weil man da einfach überdurchschnittlich verdient, was für mich in erster Linie Sicherheit bedeutet...
Wenn du deine Hämorrhoiden loswerden willst,
dann hänge deinen nackten Hintern bei Vollmond in eine Ackerfurche. :?
(nach einer mythologischen Überlieferung)
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Re: Motivation, Antrieb und erfolgsgesteuertes Interesse

Beitrag von Aries » 5. Juni 2019 00:40

Ich schreibe mal ein Update... Bin heute den 5. Tag auf Elvanse 30 mg. Meine Psychiaterin hat es nach etwas Recherche doch verschrieben. Ich hatte die ersten drei Tage starke NW, die besser werden. evtl bin ich überdosiert, das ist aber schwer zu sagen trotz der NW, da ich unter komorbider Angststörung/ängstlich-unsicherer Persönlichkeitsstörung leide. Diese wird durch die ADS-Symptome kompensiert, ergo ist sowieso erstmal Polen offen, wenn dieser Coping-Mechanismus wegfällt (ja, jetzt ist der Satz zu ende).

Stimmung: aufgekratzt, ängstlich und sehr pessimistisch, was sich auf Konzentration auswirkt, Focus an sich ist besser, Intensive Wahrnehmung der Umwelt, schnell genervt. Angstgedanken und negative Glaubenssätze sehr deutlich. (Mit DER Scheiße bin ich so lange rumgeleufen?!)
Körperlich: Hoher Puls, vereinzelt leichter Tremor, kein Appetit

Sonstiges: Wirkzeit 12 Stunden, kann nach Wirkende prima schlafen. Suche nach Stimulation vollkommen abgeschaltet. Wirkung kommt und geht sanft. Kein trockener Mund

Einen Tag habe ich wegen der NW auch die Kapsel aufgemacht, mit 30 ml wasser gemischt auf ne spritze aufgezogen und auch unter 15 mg ähnliches erlebt und den Schluss gezogen, dass sich entweder mein Körper einfach gewöhnen muss ODER die Dosis zu hoch ODER das Medi nicht das richtige ist. Ich werde jetzt mal 2 Wochen durchhalten, wird es nicht besser, gehe ich mit der Dosis schrittweise runter. Mit Ritalin hatte ich ähnliche Probleme, das ging aber nach zwei Wochen komplett weg, deswegen muss ich noch etwas warten. Zu wenig ist es auf keinen Fall.
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Re: Motivation, Antrieb und erfolgsgesteuertes Interesse

Beitrag von ULBRE » 5. Juni 2019 19:09

Immer diese hohen Einstiegsdosen...
Ich glaube immer noch,dass man damit Nebenwirkungen anzüchtet, die es sonst gar nicht gäbe...

Wenn es Elvanse nicht kleiner als 30mg gibt, ist das immer noch kein Grund, mit 30 mg einzusteigen.
Wenn es mit 3 mg (ja, ich meine 1/10) am Anfang nicht wirkt - dann ist das eine Erkenntnis und man geht auf 6 mg.
Lieber ne Erkenntnis als ne möglicher Überdosierung.
Bloss weil die Pharmaindustrie da was verpeilt hat muss man doch nicht von der Brücke springen...

Drücke Dir die Daumen, dass Du die NWs gut überstehst.
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