Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

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Stefan SRO
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon Stefan SRO » 12. Juli 2018 19:18

Hallo zoraya,

ja genau passt das so gut mit mir und meiner Frau. Sie ist Hypo (nicht diagnostiziert) ich bin Hyper (Diagnose) und kann viel kompensieren was ihr an drive fehlt.
Ich denke darum habe wir uns gefunden und die Ehe klappt so gut.

Allerdings brenne ich immer mal aus und unserem (ebenfalls ADHS) Sohn bekommt meine Unruhe auch nicht.

VG
Stefan
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon OskarHH » 13. Juli 2018 10:25

ULBRE hat geschrieben:Hallo Oskar,

das täuscht, die Forschung nimmt eher immer noch zu.
Falls Dich die Primärliteratur interessiert, also die wissenschaftlichen Forschungen und die Berichte darüber in Fachzeitschriften, findest Du in der kostenlosen amerikanischen Datenbank pubmed eine wahre Fundgrube.

Viele Grüsse

UlBre


Ja mir ging es aber auch eher um eine Forschung nach Heilung. Wird denn da auch noch viel gemacht?

Aber pubmed behalte ich mal im Kopf.

Danke
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon OskarHH » 17. Juli 2018 12:38

ULBRE hat geschrieben:Hallo Oskar,

das täuscht, die Forschung nimmt eher immer noch zu.
Falls Dich die Primärliteratur interessiert, also die wissenschaftlichen Forschungen und die Berichte darüber in Fachzeitschriften, findest Du in der kostenlosen amerikanischen Datenbank pubmed eine wahre Fundgrube.
Allerdings ist dort alles in englisch - dank der heutigen Qualität von Google Translate ist das aber kein Hemmnis mehr. Bleibt nur, das ganze Fachvokabular zu pauken, das ist echt zäh...

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/

Dort mal adhd eingeben (der englische Begriff für AD(H)S), dann siehst Du auch gleich rechts oben eine Grafik, wie sich die Anzahl der wissenschaftlichen Artikel zu dem Thema entwickelt hat - sehr steigend.

Viele Grüsse

UlBre


Hm ja das ist gut. Wir können Forschung gebrauchen.
Mich würde es freuen wenn mehr und mehr an einer Heilungspersppektive geforscht würde indem man ADHS Gehirne ein bisschen genauer in ihrer Funktion unter die Lupe nimmt
Mir fallen eine Menge Dinge ein die bei mir nicht funktionieren und die mich stark belasten aber für die scheinbar niemand eine Erklärung oder gar eine Behandlung hat
Vielleicht gibt es ja in den nächsten Jahren einige Durchbrüche die uns helfen können :) :beten:
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon Chrüsi » 6. August 2018 20:09

Interessantes Thema und Austausch!

Ich hoffe auch sehr, dass hier noch viel geforscht wird.
Freue mich auf alle NEWS/Links betreffend ADS Hypo oder SCT.

Habe ADS seit einem Monat - und sehe mich nun auch bei den aufgeführten SCT-Symptomen.
Immer ein bisschen mit dem Fuss auf der Bremse unterwegs, oft die letzte, die einen Witz oder eine Pointe versteht.
Da hätte ich oft sehr gerne ein bisschen vom Schwung/Energie der ADHS-ler ;)

Bin dann gespannt, ob es eine Medikation gibt, die passt - muss leider noch etwas Geduld haben, der Termin beim Psychiater habe ich erst Mitte Oktober.

Liebe Grüsse,
Chrüsi
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon Chrüsi » 6. August 2018 20:32

OskarHH hat geschrieben:Hm ja das ist gut. Wir können Forschung gebrauchen.
Mich würde es freuen wenn mehr und mehr an einer Heilungspersppektive geforscht würde indem man ADHS Gehirne ein bisschen genauer in ihrer Funktion unter die Lupe nimmt
:) :beten:
[/quote]

OskarHH: Wegen der ADHS-Gehirn-Forschung: Ich habe kürzlich an einem ersten Studientermin teilgenommen. Das Forschungsprojekt heisst "Chrarakteristische Merkmale im Gehirn von Erwachsenen mit ADHS und ADS." (Je 40 Teilnehmer ADHS/ADS im Vergleich zu 40 Normalen/Kontrollgruppe). Der erste Termin in der Klinik war eine 10-min. MRI/MRT-Messung und bei einem zweiten Termin werden eine 30-min. MEG-Messung und div. Hörtests gemacht.
Bin jetzt schon sehr gespannt auf die Ergebnisse - aber es dauert wohl noch eine ganze Weile. (Studie läuft bis Juni 2019)

Korrektur Text oben: Wollte schreiben: Habe ADS - Diagnose seit einem Monat... :roll: (Schreibfehler)
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon Stefan SRO » 6. August 2018 21:17

@Chrüsi
"...hätte ich gern... bisschen vom Schwung/Energie der ADHS-ler..." Das hat sich meine Frau wohl auch gedacht (Hypo, verweigert den Gang zum Arzt) sie hat sich lieber mich lebhaftes Nervenbündel gegriffen ;)
Sehr oft bringe ich ihre Idee zu ende oder treibe sie etwas an.

Aber hin und wieder (wie aktuell) liege ich auch auf der Nase und bebrüte mit ihr die Couch.
Nur für nen Joke ist immer Platz.
;)
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon ULBRE » 6. August 2018 23:58

Ich denke ja, das SCT nur eine Extremform von ADS ist.

Barkley, der ja nun meint, dass SCT was gaaanz anderes ist als AD(H)S vertrat vor etlichen Jahren ja auch die These, dass ADHS und ADS völlig unterschiedliche Störungen seien.
Das hat sich dann ja auch in Wohlgefallen aufgelöst.

Wo Barkley allerdings recht hat, ist, dass der Begriff SCT (Slow cognitive tempo) recht unpassend ist. Ich kenne mehrere SCT-Betroffene die definitiv und bewiesenermassen hochbegabt sind und/oder promoviert haben. SCT hat also nichts mit der grundsätzlichen Denkfähigkeit oder Denkgeschwindigkeit zu tun.
SCT ist nach meiner Erfahrung dafür sehr stark mit einer Entscheidungsunfähigkeit verknüpft, und zwar so, dass schon geringer Stress dazu führt, dass die Entscheidungsfähigkeit stark verlangsamt oder ganz blockiert wird.
Ich vermute, dass bei SCT der ganz allgemeine Mechanismus, dass der durch starken Stress erhöhte Noradrenalinpegel den PFC blockiert, besonders ausgeprägt ist. Leider habe ich dazu bisher keine Untersuchungen oder Belege gefunden.
Dass bei ADS die Cortisolantwort auf akuten Stress überhöht ist, während sie bei ADHS abgeflacht ist, ist dagegen vielfach beweisen.
Ich vermute, dass die Stresssystem ohnehin parallel agieren, so dass eine bei Stress stark aktivierte HPA-Achse (Cortisol) mit einem stark aktivierten zentralen Nervensystem (Noradrenalin) einhergeht.

Ich hab mich mal zu den Subtypen ausgetobt, da findet sich auch einiges zu SCT:
https://www.adxs.org/symptome-von-adhs/adhs-subtypen-die-unterschiedlichen-arten-adhs-ads-und-andere/

Viele Grüsse

UlBre
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon Stefan SRO » 7. August 2018 09:51

Danke ULBRE, das ist gut erklärt und im Moment für mich interessant.
Was heute noch logisch und klar erscheint, ist morgen schon undurchsichtig rätselhaft.
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon Chrüsi » 7. August 2018 09:58

ULBRE hat geschrieben:Ich denke ja, das SCT nur eine Extremform von ADS ist.

Barkley, der ja nun meint, dass SCT was gaaanz anderes ist als AD(H)S vertrat vor etlichen Jahren ja auch die These, dass ADHS und ADS völlig unterschiedliche Störungen seien.
Das hat sich dann ja auch in Wohlgefallen aufgelöst.

Dass bei ADS die Cortisolantwort auf akuten Stress überhöht ist, während sie bei ADHS abgeflacht ist, ist dagegen vielfach beweisen.
Ich vermute, dass die Stresssystem ohnehin parallel agieren, so dass eine bei Stress stark aktivierte HPA-Achse (Cortisol) mit einem stark aktivierten zentralen Nervensystem (Noradrenalin) einhergeht.

Ich hab mich mal zu den Subtypen ausgetobt, da findet sich auch einiges zu SCT:
https://www.adxs.org/symptome-von-adhs/adhs-subtypen-die-unterschiedlichen-arten-adhs-ads-und-andere/

Viele Grüsse

UlBre


Danke vielmals, lieber UlBre, da hast du ganz viel Interessantes zusammengetragen und aufgeführt!! Muss das dann noch ein paarmal in Ruhe Abschnitt für Abschnitt durchlesen. (Meine Verarbeitungsgeschwindigkeit ist eben nicht sooo schnell. ;) )

Über was ich gerade am Anfang der Texte "gestolpert" bin ist das: Unaufmerksamkeit aus Langeweile (ADS) oder aus Ablenkbarkeit (ADHS). Und weiter unten steht auch, das der ADS-Typ eher gelangweilt als ablenkbar ist. Das verstehe ich nicht so recht :? Mir ist es auch als ADS-ler eigentlich nie langweilig, es schwirren (zu) viele Ideen und Träume im Kopf herum (na ja oft happert es dann beim Umsetzen - und dabei spielt die Entscheidungsschwierigkeit sicher eine grosse Rolle ;)
Und im Gegenzug lasse ich mich doch auch oft durch äussere oder innere Umstände und Gedanken ablenken.
(Vielleicht bin ich ja doch zum Teil ein Mischtyp? Ab und zu kann ich auch Impulsiv/Sprunghaft, z.B. bei Kommunikation oder Handeln sein. :? )

Auch das "kann sich schwer selbst mit etwas beschäftigen" habe ich jetzt nicht das Gefühl, dass es bei mir so ist - und es auch im Kindes-Alter nicht war. (Gut, vielleicht war die Beschäftigung als Kind eher das Wegtreten in die "schöne" Traum- und Fantasiewelt)

Was jetzt bei den Texten nicht als Symptom aufgeführt ist, ist die Hypersensibilität. Ist das, weil es meistens sowieso dazu gehört zu ADS/ADHS, die hohe Sensibilität, der offene Reizfilter?

Liebe Grüsse,
Karin
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon Chrüsi » 7. August 2018 09:58

Lieber Stefan

Das ist ja schön, dass ihr (du und deine Frau) euch so gut ergänzt! :)
Es ist auch schön, dass du deine Frau auch gut zu verstehen scheinst.

Aber wie ist es für deine Frau mit dem ADS Hypo - kommt sie damit gut zurecht, d.h. leidet sie nicht darunter und hat sie auch keine Komorbiditäten entwickelt?

Bei uns ist mein Mann auch eher das Zugpferd.... obwohl er auch recht viele ADS-Hypo Symptome aufweist. Aber er hat (meistens) mehr Energie und Ausdauer (vor allem wenn ihn etwas interessiert. ;) ) und ist offener als ich.

Liebe Grüsse,
Karin
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon Stefan SRO » 7. August 2018 10:17

"...Vielleicht bin ich ja doch zum Teil ein Mischtyp? ..."
bin ich vermutlich auch.

Ich kippe oft zwischen allseits nervendem Aktionismus und depressiver Couchkartoffel hin und her. Hyper überwiegt meistens.
VG
Stefan

@Chrüsi; ich schreib Dir mal eine PN- um das Forum hier nicht zu sehr zu stören
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon Gutemiene » 10. August 2018 15:14

Aus einem Autisten-Elternforum weiß ich, dass gerade Menschen im autistischen Spektrum zu - sagen wir mal: "zeitverzögerten Reaktionen" - neigen.
Eine Mitarbeiterin des hiesigen ATZ hat zu diesem Thema geforscht und uns eine Zusammenfassung der Ergebnisse vorgestellt.

Auch die gesamte Entwicklung (körperlich, emotional) hinke oft der peer group hinterher. Es sei eine Entwicklungsstörung par excellence, wobei mich die Ähnlichkeit mit der beschriebenen Gruppe mit SCT frappiert; es könnte das Gleiche sein.


Die Zeit, die gebraucht wird, muss "man" sich nehmen können. Das ist z.B. in der Schule/Uni oft sehr schwierig. Mit (der in Tests gemessenen) Intelligenz hat das aber nichts zu tun!

Es ist oft hilfreich, wenn man selbst um das Problem weiß und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Die Verarbeitungsgeschwindigkeit ist nunmal bei vielen Menschen unterschiedlich schnell, und bei den oben erwähnten Autisten muss jede Information einen langen Weg durch den "Zentralcomputer" und hier vor allem durch den Mandelkern (Amygdala) nehmen.

Erst nach sorgfältigem Vergleich mit bekannten Situationen (Autisten bilden oft nur sehr schlecht Vergleichsgruppen in Gedanken) und emotionaler Bewertung kann eine Handlungsanweisung/Reaktion erfolgen.
So gesehen, reagieren die "Langsamen" (SCTs) noch recht schnell.

Übrigens vielen Dank für's Hervorholen des Beitrags aus 2013!
"Mach' GUTEMIENE zum Besenspiel" :lol:
Raupi
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Re: Sluggish Cognitive Tempo (SCT) und Hypoaktivität

Beitragvon Raupi » 10. August 2018 17:59

Total interessant!!

Vielen Dank für den Post!
LG, Raupi (Hashimoto)

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