Brauche dringend Austausch! Thema: Zu viel Druck Schule (2.Bildungsweg)

einfachannica
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Brauche dringend Austausch! Thema: Zu viel Druck Schule (2.Bildungsweg)

Beitragvon einfachannica » 7. Oktober 2011 13:18

Hallo,

ich bin nun 25. und bin schon zum zweiten Mal dabei, auf dem zweiten Bildungsweg das Abi nachzumachen.  Beim letzten Mal, letztes Jahr im Oktober, war ich bereits in Klasse 13, kurz vor den Vorabiklausuren und habe mir durch andauerndes Fehlen die Noten komplett versaut. Eigentlich hätte ich es schaffen können, wenn ich mehr Disziplin gehabt hätte. Aber nur eigentlich.

Bei mir wurde mit ca. 14 Adhs diagnostiziert.Bis Anfang des Jahres habe ich auch Concerta genommen, dann aber aus finanziellen Gründen aufgehört. Will aber schnellstmöglich wieder anfangen (macht sich vor allem bei mir in der Konzentration bewusst). Bin eher die Verträumte, die sensibel ist und vieles auf sich bezieht. Eigentlich bin ich aber ein lebensfroher Mensch, was sich zur Zeit aber sehr in Grenzen hält, weil zur Zeit einfach kaum etwas stimmt. Nach Auslandsaufenthalt (wunderbares Erlebnis) klappts mit den Freundschaften (viele sind auch eher Eigenbrödler, eine Adhslerin plus  weggezogen) auch nicht so, wie ich mir das wünsche. Dazu kommt dann die Tatsache, dass in meiner neuen Klasse die meisten erst 18-20 sind, was man sehr merkt und was mich sehr stört bzw von Anfang an tierisch genervt hat. Daher hat mich das in Sachen schulische Motivation doch sehr gebremst bzw, ich habe mich dort nie richtig wohl gefühlt. Schon am Anfang des Schuljahres (August) war ich sehr oft krank, neige auch zu psychosomatischen Erscheinungen, was natürlich das wieder zur Schule gehen nicht leichter machte, da ich immer befürchten musste,  lästige Fragen abzubekommen "Was hattest du denn?". Das machte mir so viel Druck( schlafe schlecht bis gar nicht/ Magenschmerzen), dass ich mich nicht wirklich gesunder fühlte und ich mich mit allem so überfordert fühlte, dass ich weiterhin viel fehlte (weiter attestiert), was mir nun sicherlich in einigen Fächern Probleme mit mündl. Leistungen einholen wird, auch wenn die Noten ja erst im Januar gegeben werden. Generell fühle ich mich sehr schnell von vielem überfordert!

Der Kreis ist also dabei, sich zu wiederholen und wenn ich es nicht jetzt schaffe, etwas komplett zu verändern, scheitere ich wieder und enttäusche mich selbst und meine Familie!  Im Prinzip brauche ich das Abi bzw diesmal Fachabi um studieren zu können und ich will keinesfalls wieder in meinem gelernten Beruf arbeiten. Allerdings habe ich die Schule noch nie gemocht- nicht den Unterrichtsstoff, sondern oftmals die tägl- Konfrontation mit Leuten, die ich am liebsten nicht jeden Tag sehen würde, aber sonst hatte ich immer meine zwei, drei Leutchen, die mir Halt gegeben haben (privat so wie schulisch), was mir etwas half, was jetzt aber anders ist.

Mir ist es klar, dass ich dringend eine Therapie brauche- habe auch gestern bei einigen Therapeuten auf den AB wg einem Termin gesprochen, aber ich weiß, dass so etwas dauern kann...Daher wäre ich euch dankbar, sollte das irgendwer nachvollziehen können oder mir Mut machen wollen, es zu tun.

Danke an alle, die bis hier gelesen haben...
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Odoaker
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Re: Brauche dringend Austausch! Thema: Zu viel Druck Schule (2.Bildungsweg)

Beitragvon Odoaker » 10. Oktober 2011 08:21

Hallo Annica,

erschreckend wie präzise du meine Situation in der Schulzeit beschrieben hast. Könnte alles aus meiner Biografie stammen: Die Schwierigkeiten in der Schule bis zur Finanzierung von Concerta. Ich befinde mich heute jedoch in der glücklichen Lage das Abitur hinter mich gebracht zu haben und fest im Berufsleben zu stehen (ohne Medikation). Studium hatte ich zwischendurch auch noch versucht ;)

Hier ein trauriges Lied was zumindest in der Bildersprache und teilweise auch im Text mein Abiturgefühl am besten widerspiegelt (damals hatte ich keine Ahnung von ADHS ... geschweige mein Umfeld; Diagnose erst mit 27):
http://www.youtube.com/watch?v=pEtlfcBn ... F1C606E630

Wie ist deine Wohnsituation? Ich frage wegen den Magenschmerzen. Die waren bei mir schlagartig weg, als ich alleine wohnte und nicht mehr bei meiner Familie (Eltern, Brüder).
Thema "zu viel um mich herum": Ich merke mittlerweile, wenn mir die Dinge über den Kopf wachsen ... DAS Chaos im Kopf überhand nimmt ... und kann reagieren. Was mir enorm hilft sind zur Zeit: Ausdauersport im Verein, um dem inneren Schweinhund eins auszuwischen ;) (sehr intensives Training  2 mal in der Woche, bis zu einem guten Erschöpfungszustand) und Meditation (habe in der Pubertät begonnen, es zu trainieren; damals: Autogenes Training, heute: Zen). Es ist für mich erstaunlich wie gut beides wirkt (Meditation noch besser als der Sport), um zumindest das Kopfchaos in für mich annehmbarerweise aufzulösen. Ganz zu Schweigen von den vielen 'physisch' gesundheitlich positiven Wirkungen.

Was ich sagen möchte: Es gibt Werkzeuge wie man die Herausforderungen besser meistern kann. Anstrengend wird es immer bleiben ... brauch ich keinem ADHS'ler zu sagen ... nur der Vollständigkliet halber ;)

Ja, das Alter ... was mir immer geholfen hat solche Diskrepanzen durchzuhalten war folgendes Mantra: Ich bin ein Kauz --> Es ist egal wie alt meine Umgebung ist, ich bin immer der schwer zu 'verstehende' Kauz.  :mopp:
Diese Einstellung hat mich für viele Menschen erst offen gemacht. Heute finde ich es total spannend andere Menschen kennenzulernen. Völlig egal welchen Alters.

Scheitern? Immer auch eine Frage der Perspektive ... Perspektive geändert, schon erscheint die Situation in neuem Licht ... ändern der Perspektive klappt mal besser, mal schlechter.

Was für ein Kauderwelsch wieder ... also Germanistik hatte ich zum Glück nicht im Studium versucht  :lol:

Sehr gut, dass du deine Situation erkannt hast und Hilfe holst. Der erste mutige Schritt zu einer Verbesserung.

http://de.wikipedia.org/wiki/Free_Hugs_Campaign
Ich drück dich unbekannterweise :springe: Keine Angst, es ist nur eine Umarmung :knuddel: 

Viele Grüße,

Thomas

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