Ratlos nach Raven IQ Test

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Katjana
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Ratlos nach Raven IQ Test

Beitragvon Katjana » 10. Oktober 2016 22:38

Hallo Zusammen

Bin neu hier. :P

Ich bin 17 Jahre alt und mir wurde im Alter von 15 Jahren ein ADS diagnostiziert.
In der Schule war ich bis dahin durchschnittlich bis gut, wollte halt lieber Geschäftsmodelle machen und so :lol:

Seit dem Concherta fühle ich mich blöde gesagt wie ne Intelligenzbestie....Schreibe nur noch 1en in der Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Muss nichts mehr für die Schule tun und fühle mich total unterfordert. Habe daraufhin einen Raven IQ Test mit 36 Aufgaben auf Zeit gemacht. Ich brauchte nicht einmal die Hälfte der Zeit . Heraus kam ein IQ von 122. Ich habe viel weniger Geduld mit Mitlernenden, denen ich ein Problem etc. erklären soll, da mich diese "normalen" Leute mit ihrem belanglosen Geschwätz langweilen.

Sollte ich das weiter abklären lassen? Das Concherta stoppen? Was meint ihr dazu?!

Danke für euren Rat

Katjana
Eule
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Re: Ratlos nach Raven IQ Test

Beitragvon Eule » 11. Oktober 2016 09:12

Ich kenne den von dir genannten Test nicht.

Aber nach allem was ich weiß, ist es völlig albern, ein Medikament das einem als ADHSler hilft, die vorhandene Intelligenz tatsächlich zu nutzen, wieder abzusetzen weil man plötzlich "zu gut" ist.

Obwohl ich das was du schilderst schon ohne Medis erlebt habe, lange vor meiner Diagnose (die ich erst mit Ü40 bekam) noch in meiner Schulzeit.

Ich war gut, nachdem ich innerhalb der ersten 2 Jahre Grundschule kapiert hatte wie Schule funktioniert und was von mir erwartet wurde sogar sehr gut. Es gab eine klare Empfehlung fürs Gymnasium von der Grundschule, und bis auf die Tatsache dass ich besonders in der Mittelstufe einen Einbruch hatte, weil mir als "Spätzünder in Sachen Pubertät", "Spießerkind" und "Streber" das Mobbing einiger Mitschüler so zu schaffen machte, dass ich in der Vorstellung ich würde eher dazugehören wenn ich auch mal Unsinn machte, nicht aufpasste oder schlechtere Noten schrieb, mir doch so einiges Durcheinander leistete. Wichtigste Erkenntnis dabei: Wenn man intelligent ist, und versucht in Klausuren etc schlecht abzuschneiden ist das ziemlich schwierig. Denn eigentlich fand ich es schon cool, dass ich schnell und mühelos durch Verstehen, nicht durch Auswendiglernen den Stoff drauf hatte, und war auch stolz auf diese Fähigkeit - also widerstrebte es mir, mich "doof" zu stellen. Wenn es gelegentlich passierte, weil ein Lehrer einen unangekündigten Test schreiben ließ, und ich ausgerechnet da durch meine Schusselei beim Notieren der Hausaufgabe eben nicht das relevante Kapitel im Geschichtsbuch gelesen hatte, gab es sowieso immer wieder mal ein schwaches Ausreichend oder schlechter - und schon eine Vier war bei einer Schülerin die ansonsten als stabiler Einser- und Zweier-Kandidat in den Zeugnisnoten galt, etwas das aus dem Rahmen fiel. Ich hatte allenfalls in sowieso eher "unwichtigen" Fächern wie Sport (Leichtathletik und Mannschaftsspiele waren doof) oder Religion (wo eher auswendiglernen und liebsein als konstruktiv auseinandersetzen mit den Themen gute Noten brachte) die ein bis drei "befriedigend" im Zeugnis die das gute Bild "versauten" - alles übrige war besser und es war normal dass ich zu den etwa 5 besten von meist über 30 Schülern bis zur 10.Klasse gehörte, und auch das nachfolgende Abitur habe ich trotz eines gewaltigen Patzers ausgerechnet im dritten schriftlichen Fach der Abiprüfung noch mit einem Einskomma-Schnitt bestanden, und war somit wieder bei den besten 10 bis 15% des Jahrgangs dabei.

Was ich viel anstrengender als das Lernen fand: die dreihundertsiebenundachtzigste Wiederholung eines Sachverhalts (den ich schon nach spätestens dem dritten Mal verstanden hatte) durch Lehrer und Mitschüler im unterricht zu ertragen, und trotz dieser Nerverei es rechtzeitig mitzukriegen wenn dann doch wieder was neues passierte, obwohl ich gerade dabei war statt dem für mich öden Wiederholungsgelaber zu folgen die Chemie-Hausaufgabe die ich vergessen hatte zu erledigen oder von der ich gar nicht mitgekriegt hatte dass sie aufgegeben wurde in der Englisch-Stunde zu erledigen, weil mich in der vorangehenden Pause jemand gefragt hatte, ob ich mit diesen blöden Reaktionsgleichungen klargekommen war und ich so grad noch rechtzeitig was unternehmen konnte.

Ich habe die meiste Zeit mehr oder weniger intuitiv mit Herausforderungen wie fachfremde Hausaufgaben für ein anderes Fach während des Unterrichts erledigen, sowie mit der maximal möglichen Anzahl an freiwilligen Fächern jongliert (in der Mittelstufe ab der 9.Klasse die freiwillige dritte Fremdsprache, in der Oberstufe 2 freiwillige Fächer behalten obwohl ich das Recht gehabt hätte sie abzuwählen, so dass ich um 4 bis 6 Wochenstunden Unterricht über den Mitschülern lag die nur die Minimal-Stundenzahl/Fächerzahl erfüllten), habe zusätzlich noch angefangen eine weitere Fremdsprache an der Volkshochschule zu lernen - kurz: Ich habe mir die Herausforderungen gesucht die ich brauchte, damit mein Hirn genug Beschäftigung hatte um nicht völlig genervt rumzumaulen oder ungeduldig und unfreundlich zu werden. Natürlich war ich trotzdem öfter als es gut war ziemlich uncharmant gegenüber den langsameren Leuten, und auch ich habe mich mit "Smalltalk" oder Belanglosigkeiten ziemlich schwer getan. Letzteres war besonders in meiner nachfolgenden kaufmännischen Ausbildung mit viel Kundenkontakt schwer - ich konnte mich nicht in die Welt einer ältlichen Kundin hineinversetzen die zwischen dem Abholen ihrer Kontoauszüge und dem Tätigen einer Überweisung für die Müllgebühren am Schalter gern von ihrem Enkelchen im Kindergartenalter erzählte und natürlich erwartete dass man darauf einging. Ich konnte nicht mal auseinanderhalten welche von den vielen Omis nun die mit dem Mädchen im Kindergartenalter war, und welche die mit dem Jungen der von einer Ausbildung als Automechaniker träumte - mein Ausbildungsbetrieb interpretierte das als "zu kühl, zu distanziert, zu unpersönlich", und wollte mich nach der Ausbildung nicht übernehmen, weil ich so nicht zum angestrebten Image einer Bank die einen guten persönlichen Kontakt zu ihren Kunden pflegt passte.

Aber zurück zu dir:

Nein, ich glaube nicht dass du das Concerta absetzen solltest.

Es ist doch erfreulich dass du mit diesem Medikament es endlich schaffst deine vorhandene Intelligenz auch tatsächlich zu nutzen, und nicht mehr das gesammelte Abdriften, Abschweifen, die Verpeiltheiten mit unglaublicher Anstrengung kompensieren musst, um durchschnittlich bis gut zu sein.

Was du machen könntest: zusätzliche Herausforderungen suchen, die dich interessieren - ob nun freiwillige Zusatzfächer im Rahmen der Ausbildung oder ob du dich wegen "ich wollte schon immer mehr über Heilpflanzen / die Geschichte meiner Gegend wissen / spanisch lernen /wasweißich" für einen entsprechenden Volkshochschulkurs entscheidest, ob du ein Hobby über das man sich mit gleichgesinnten austauschen kann (Nähtreff, Repaircafe, Natur- und Umweltschutz-Arbeitsgruppen bei BUND oder NABU sind Dinge die mir so einfallen) hast, wo du dich sachbezogen über Dinge unterhalten kannst die dich interessieren statt dir "Gelaber" über DSDS oder wasweißich was du nun Belanglosigkeiten nennen würdest anhören zu müssen. Wenn du sowas in deine Freizeit einbaust, wird das zwar nicht verhindern dass deine Mitschüler/Mit-Azubis weiter belangloses Geschwätz absondern, aber du hast einen Ausgleich dafür, und kannst dich auf das Treffen mit der Gruppe freuen, mit der du etwas für dich sinnvolles tust, und auch dich sinnvoll unterhalten kannst. So wird dieser "Schwachsinn" erträglicher.

Seit wann hast du eigentlich Medikamente, von Anfang an nach der Diagnose? Und seit wann bist du in dieser Ausbildung?

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