Hochbegabtentest

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gel.ice
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Hochbegabtentest

Beitragvon gel.ice » 11. November 2013 23:47

neulich habe ich mich mit einer frau, die in dem bereich der hochbegabtenförderung arbeitet unterhalten und diese riet mir dringend einen gezielten test auf HB bei meinem sohn machen zu lassen.

gibt es denn da wirklich unterschiede bei den IQ-tests?
ich meine reichen denn die tests die ein KJP in der regel macht nicht aus um eine HB zu erkennen? gibt es da noch andere IQ-tests, die speziel auf HB abzielen und die da irgendwie anders aufgebaut sind?
macht es wirklich sinn ein kind speziell auf HB testen zu lassen, wenn man bereits weiß dass sein IQ bei 128 ohne medis liegt?

was kann es einem bringen, wenn man dann evtl. definitiv eine HB bescheinigt bekommt?
ich denke ein 14 jähriger realschüler wird deswegen ja nicht plötzlich auf ein gymnasium wechseln können und auch nach dem schulabschluss nehmen einen die fachhochschulen doch nur wenn man demenstsprechende noten hat.
oder hätte mein junior mit einer HB die chance auch mit mittelmäßigen noten genommen zu werden?

lg
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Evie2807
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Evie2807 » 12. November 2013 07:32

Huhu

Ich habe das so verstanden, dass man eine HB nicht mit einem hohen IQ gleich setzen kann.

Der IQ Test misst die kognitiven Fähigkeiten, ein Test auf HB schaut, wo besondere Begabungen vorliegen, wie zum Beispiel im mathematischen Bereich. oder sprachlichen Bereich oder auch im kreativen Bereich . Aufgrund gezielter Förderung in diesen Bereichen kann es dazu führen, dass auch die anderen Bereiche besser klappen.

So hat mir das unsere SPFH erklärt, denn auch bei meinem Kleinen steht so ein Test noch im Raum, um zu schauen, warum er in der Schule so dicht macht und nichzs mehr macht.

Ich denke nicht, dass sich dadurch etwas an der Schulauswahl ändert, zumindest nicht sofort

LG Evie
:biene: 2
Eule
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Eule » 12. November 2013 10:08

Irgendwann gabs hier mal eine Diskussion über schwere oder leichte HB-Tests.

Da tauchte dann auch ein Link auf, in dem erklärt wurde, daß es Sinn macht bei IQ-Tests die schon mal am HB-Bereich kratzen oder gar darüber liegen zwecks genauerer Diagnostik evtl einen zweiten Test nachzuschieben, der eine präzisere Einordnung in welchem Bereich die stärken liegen ermöglicht.

Die Erklärung war, daß ein "normaler" altersgerechter IQ-Test ja dazu gemacht ist, über alle Menschen von einem IQ im Bereich der Lernbehinderung bis zu einem IQ im Bereich HB einzuordnen. Wenn man sich dann noch vorstellt, daß ein so hoher IQ statistisch betrachtet ja ohnehin nur bei 2% der Menschen vorhanden ist, dann kann man durchaus auch verstehen, daß es bei diesen Allgemein-Tests ja erst mal darum geht die Masse der Leute die in einem Mittelbereich liegen gut zu erfassen.

Dann sind möglicherweise die Aufgaben gar nicht ausreichend, um bei jemandem der an oder über die 130 kommt tatsächlich das zu finden was er gerade noch so lösen kann. Sprich: Wenn jemand in einem bestimmten bereich einen IQ von 145 hat, bleibt der unentdeckt oder wird als IQ von 133 eingestuft weil die AUfgabenstellungen zu "simpel" sind um das überhaupt erfassen zu können.

Nächster Punkt: Die Sache mit dem Durchschnitt. Die üblichen tests errechnen am Schluß einen IQ für alle Bereiche zusammen. Deine 128 sagt also nix darüber aus, ob dein Kind möglicherweise mathematisch ein ergebnis von 138 hatte, dafür aber im sprachlichen bereich "nur" 118 was dann eben gemittelt wurde und daher die Teil-HB verschleiert.

Üblicherweise werden ja solche Tests so gemacht, daß man Aufgaben zum räumlichen Vorstellungsvermögen, mathematischen Verständnis, Sprachverständnis, Logik, Konzentration, vielleicht auch noch mehr bereiche miteinander kombiniert, und es wäre dann durchaus wichtig die teilbereichs-ergebnisse zu wissen, eben eine teil-HB nicht zu übersehen, und auch in einem solchen Fall angemessen zu fördern.
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Zweifachmama » 20. November 2013 22:20

Ich persönlich würde es glaube ich nur machen, wenn die Testung konkrete Konsequenzen hätte, beispielsweise Aufnahme in eine Spezialklasse bzw. -schule. Da wird es vermutlich aber auch so sein, dass die aufnehmende Einrichtung Vorgaben macht, welche Tests und von wem durchgeführt anerkannt werden. Dass Dein Kind aufgrund eines IQ Wertes einfach so in eine Schule aufgenommen würde, deren Aufnahmekriterein es aufgrund der Noten nicht erfüllt, kann ich mir nicht vorstellen.

Mit dem genannten Wert liegt er ja tatsächlich im oberen Bereich und die Frage ist auch, wie würdest Du mit einem schlechteren Ergebnis umgehen? Es scheint tatsächlich Tests zu geben, die in den Grenzbereichen (oben wie unten) ungenaue Ergebnisse liefern. Auch das Testalter spielt eine Rolle, je jünger das Kind, desto ungenauer die Prognose. Andersherum wird niemand irrtümlich 'zu gut' getestet. Aber es ist auch so, dass das Testergebnis die Tagesform und die Sympathie zum Tester widerspiegeln können.

Insofern: Welche Intervention hätte eine erneute Testung (in beide Richtungen gedacht) zur Folge?
Zuletzt geändert von Zweifachmama am 20. November 2013 22:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Eule » 20. November 2013 23:16

@gel.ice

ich denke das was tatsächlich interessant daran sein kann ist folgendes: stell dir vor dein junior wird durch solch einen test in einem teilbereich als HB erkannt. Nehmen wir mal an das was er weit überdurchschnittlich gut kann ist räumliches Vorstellungsvermögen. Das wird aber in der Schule kaum gefordert oder gefördert. Wenn du nun (vielleicht im Freizeitbereich) etwas findest, wo es von Vorteil ist ein gutes räumliches Vorsellungsvermögen zu haben, und es auch noch schulen zu können, bietet das die Chance daß dein junior etwas hat wo er Erfolge haben kann. Lob, Motivation, selbstbewußtsein..

Solche erfolgserlebnisse strahlen auch auf andere bereiche aus,
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Zweifachmama » 21. November 2013 10:32

@eule
Dazu braucht man meiner Meinung nach aber keinen Test. Ich würde mal bepahpten, dass man als Eltern schon Interssensgebiete und Stärken des eigenen Kindes einschlätzen kann, um Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

So eine erneute Testung birgt ja auch Risiken.
- Was mache ich, wenn das Ergebnis schlechter ausfällt?
- Wie vermeide ich, dass bei einem hohen Resultat zu hohe Anforderungen gestellt werden?
Das sind beides Dinge, die durchaus auch unbewusst gemacht werden und ich denke, gerade AD(H)Sler habe extreme Antennen für nicht ausgesprochene Emotionen.
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Eule » 21. November 2013 10:59

Jain.

Aus eigener erfahrung: Es gibt leider auch die Möglichkeit, daß die reaktion auf eine Teil-HB in einem bestimmten bereich ist, verstärkt sich auf die "nicht so guten" bereiche zu stürzen, und dort mit Förderung etc anzusetzen - Motto "du bist doch schon spitze in Sprachen, da mußt du doch nix zusätzliches zum Unterricht und den Hausafgaben mehr machen. Geh doch in die Chemie - Arbeitsgruppe, die machen spannende Experimente, und dann verstehst du hoffentlich besser wofür du die höhere Mathematik brauchst mit der du so auf Kriegsfuß stehst."

Oder, noch schlimmer: Es wird ewig auf den ADHS-typischen Defiziten rumgeritten (bei mir waren das vor allem Ordnung, Pünktlichkeit etc) daß man schließlich weil man in diesen bereichen fortwährend auf die Mütze kriegt selbst die tollen Leistungen in anderen bereichen gar nicht mehr wahrnimmt, oder gar für normal und selbstverständlich hält. Sowas ist ein "Killer" für Leute mit ADHS die Schwierigkeiten haben sich aus sich selbst heraus zu motivieren und ihre Erfolge wahrzunehmen, und eben ganz stark auf die Rückmeldung anderer daß sie etwas gut gemacht haben oder gut können angewiesen sind.  Irgendwann hat der dritte Rüffel wegen nicht mitgebrachter Schulbücher oder vergessener Hausaufgaben innerhalb eines Tages einfach mehr Gewicht als ein einziges Lob in einem zur Begabung passenden unterrichtsfach, das aber dummerweise nur mit 2 Wochenstunden unterrichtet wird.

Und es kommt noch was hinzu: Wenn jemand durchgehend eine Leistung auf gutem bis hohem Niveau bringt, bleibt das Lob oder die positive Rückmeldung dafür irgendwann aus - schließlich ist es ja "normal" und irgendwie selbstverständlich daß dieser Schüler in dem betreffenden Fach eigentlich "nie" schlechter als eine 2 liegt. Wie oft dann die absoluten Highlights der Sorte einsplusmitsternchen geleistet werden, und auch noch ausdrücklich angemerkt werden, ist unterschiedlich.  Aber garantiert wird es NEGATIV! wahrgenommen, wenn so ein guter Schüler nun plötzlich in genau diesem fach "NUR!" eine Leistung im 3er bereich abliefert. Daraus ergibt sich weniger Selbstvertrauen weil ein ADHSler die Gleichung "kein Lob - also bin ich nicht gut genug oder nicht ok" aufmacht, und obendrein die Erfahrung "Wenn ich danebenhaue, beschäftigt man sich wieder mit mir und fördert/fordert mich."
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Weil » 21. November 2013 11:37

[quote="Zweifachmama"]
Dazu braucht man meiner Meinung nach aber keinen Test. Ich würde mal bepahpten, dass man als Eltern schon Interssensgebiete und Stärken des eigenen Kindes einschlätzen kann, um Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.
[/quote]
Naja, wenn du Eules Beispiel nimmst,  das räumliche Vorstellungsvermögen, dann bezweifele ich, dass du das so genau weißt. Kannst ja mal versuchen, diese Eigenschaft bei deinem Kind einzuschätzen. Ist es
außergewöhnlich - sehr gut - gut - normal - schlecht - sehr schlecht?
Nach welchen Kriterien beurteilst du das? Was folgt für dich aus deiner Einschätzung?
Weißt du, welche Möglichkeiten sich für einen Menschen mit sehr gutem oder gar außergewöhnlichem Vorstellungsvermögen auftun, wie er es entwickeln und nutzen kann? 
Mit der Begabung alleine kann man wenig anfangen, wenn man sie verkümmern läßt oder wenn sie nie entdeckt wird.

Ich denke auch an die berufliche Zukunft. Sitzt am Ende ein in diesem Bereich Hochbegabter in einer Bank oder wird Großhandelskaufmann und quält sich tagaus tagein und hat andererseit ein Talent vergeudet, dass ihm Erfolg und Befriedigung gebracht hätte.

So eine erneute Testung birgt ja auch Risiken.
- Was mache ich, wenn das Ergebnis schlechter ausfällt?

Nix.  :icon_rolleyes:

[quote=" Eule"]Es wird ewig auf den ADHS-typischen Defiziten rumgeritten (bei mir waren das vor allem Ordnung, Pünktlichkeit etc) daß man schließlich weil man in diesen bereichen fortwährend auf die Mütze kriegt selbst die tollen Leistungen in anderen bereichen gar nicht mehr wahrnimmt, oder gar für normal und selbstverständlich hält. Sowas ist ein "Killer" für Leute mit ADHS die Schwierigkeiten haben sich aus sich selbst heraus zu motivieren und ihre Erfolge wahrzunehmen, und eben ganz stark auf die Rückmeldung anderer daß sie etwas gut gemacht haben oder gut können angewiesen sind.  [/quote]
So ist es.
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Zweifachmama » 22. November 2013 11:11

@Eule
D'accord. Da bin ich bei meiner Antwort zu sehr von meiner persönlichen Prämisse ausgegangen: Positives verstärken, dann schaffe ich eine gewisse Bereitschaft auch Herausforderungen anzunehmen. Ob es bei uns immer geklappt hat, darf natürlich angezweifelt werden, aber die momentane Entwicklung bestätigt meine Grundhaltung.

@Weil
Konkret auf einer Skala könnte ich es nicht sagen, das halte ich aber auch für zweitrangig. Wobei Dinge wie Berufswahl für meine Kinder noch in weiter Ferne liegen. Ob jemand sein Potenzial vergeudet, ist meiner Meinung nach eine sehr subjektive Einschätzung. Mancher HB'ler ist mit einer einfachen Tätigkeit glücklich und manches HB Kind will trotz hohem IQ einfach nur spielen. Wenn sinnvolle Interessen da sind, unterstüzte ich die gerne. Meinen Kindern würde ich aber keinen Gefallen tun, sie zu einem Kurs xy zu schicken, nur weil da eine (Teil-)Hochbegabung vorliegt.

Das mit dem 'Nixtun' bei schlechterem Ergebnis ist leichter gesagt als getan. Von den mit dem Ereignis verbundenen Emotionen kann ich mich nicht freimachen und sie nur innerhalb eines gewissen Rahmens beherrschen.
Weil
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Weil » 22. November 2013 16:13

Ich kann dir da so gar nicht folgen. Vielleicht gehen wir auch von ganz unterschiedlichen Vorstellungen aus.
[quote="Zweifachmama"]Konkret auf einer Skala könnte ich es nicht sagen, das halte ich aber auch für zweitrangig. [/quote]
Ist eine besondere Begabung da, ist das mEn nicht zweitrangig, ist doch ganz entscheidend, ob jemand von seinen Anlagen her sich besonders leicht oder aber besonders schwer mit etwas tut.

Wobei Dinge wie Berufswahl für meine Kinder noch in weiter Ferne liegen.

Klar ist das so. Nur bin ich der Meinung, dass, wenn es soweit ist, Talente, besondere Interessen und Fähigkeiten eine große Rolle spielen, um dann eine richtige Wahl zu treffen. Was das sein mag, bleibt ja offen.
Im Moment ist da ein Kind, dass in bestimmten Bereichen eine besondere Begabung hat, eine Möglichkeit. Diese  Möglichkeit sollte es entwickeln können, um daraus eine Fähigkeit zu machen, die ihm jetzt und im späteren Leben zur Verfügung steht. Use it or loose it.
Gerade für einen AD(H)Sler ist  es so wichtig, Bereiche zu haben wo er gut und erfolgreich ist.

Ob jemand sein Potenzial vergeudet, ist meiner Meinung nach eine sehr subjektive Einschätzung.

Versteh ich nicht. Eine Begabung, die nicht genutzt wird, wird verkümmern.

Mancher HB'ler ist mit einer einfachen Tätigkeit glücklich

Bei der  Wahl zwischen einer interessanten Tätigkeit die du gut meisterst und einer einfachen Tägigkeit, die dich unterfordert und langweilt und bei der du zwangsläufig Fehler machst, weil keine Motivation da ist, keine Konzentration und keine Bestätigung? Glaub ich nicht.

und manches HB Kind will trotz hohem IQ einfach nur spielen.

Natürlich wollen und sollen Kinder spielen. und sich kindgerecht beschäftigen. Das ist doch gar kein Widerspruch. Spielen ist ja nicht nur zeittotschlagen, sondern entdecken, ausprobieren, lernen  und Spaß und auch Erfolge haben ohne dass bewertet wird oder Fortschritte abgefragt werden. Oder?

Wenn sinnvolle Interessen da sind, unterstüzte ich die gerne.

Was sind sinnvolle Interessen? Oder, was sind sinnlose Interessen?
Wenn wir nochmal eine HB im räumlichen Vorstellungsvermögen als Beispiel nehmen und wenn wir zusätzlich annehmen, dass du selbst ein maximal normales räumlichen Vorstellungsvermögen hast, heißt das doch, dass du eigentlich gar nicht wirklich beurteilen kannst, wie du das Kind unterstützen und ihm helfen kannst, seine Begabung zu entwickeln.
Ich meine, Interessen sind niemals sinnlos.
Meinen Kindern würde ich aber keinen Gefallen tun, sie zu einem Kurs xy zu schicken, nur weil da eine(Teil-)Hochbegabung vorliegt. 

Das verstehe ich auch nicht und es erschreckt mich auch ein wenig, was du da sagst.
Bei so einer Förderung geht es ja nicht darum, dem Kind zusätzliche Leistungen abzuverlangen, die es nicht bewältigen kann. Das Gegenteil ist doch der Fall, es kann die Erfahrung machen, dass es nicht zu blöd ist und es nicht nur Ärger macht, dass ihm Dinge leicht von der Hand gehen, dass es sich ohne ständige Ermahnungen auf eine Sache konzentrieren kann und sich mit anderen einer gemeinsamen Sache widmen kann.

Vielleicht kommt aber hier wieder das, was Eule so treffend gesagt hat?

[quote="Eule"]
Es gibt leider auch die Möglichkeit, daß die reaktion auf eine Teil-HB in einem bestimmten bereich ist, verstärkt sich auf die "nicht so guten" bereiche zu stürzen, und dort mit Förderung etc anzusetzen - Motto "du bist doch schon spitze in Sprachen, da mußt du doch nix zusätzliches zum Unterricht und den Hausafgaben mehr machen. Geh doch in die Chemie - Arbeitsgruppe, die machen spannende Experimente, und dann verstehst du hoffentlich besser wofür du die höhere Mathematik brauchst mit der du so auf Kriegsfuß stehst."

Oder, noch schlimmer: Es wird ewig auf den ADHS-typischen Defiziten rumgeritten (...) daß man schließlich weil man in diesen bereichen fortwährend auf die Mütze kriegt selbst die tollen Leistungen in anderen bereichen gar nicht mehr wahrnimmt, oder gar für normal und selbstverständlich hält. Sowas ist ein "Killer" für Leute mit ADHS die Schwierigkeiten haben sich aus sich selbst heraus zu motivieren und ihre Erfolge wahrzunehmen, und eben ganz stark auf die Rückmeldung anderer daß sie etwas gut gemacht haben oder gut können angewiesen sind. 
[/quote]

Es gibt doch auch ADHS-typische Stärken, ob nun mit oder oder (Teil)HB. Bei all den  Schwierigkeiten sollte man den Blick dafür nicht verlieren.
Zuletzt geändert von Weil am 22. November 2013 16:15, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Zweifachmama » 23. November 2013 22:29

hmm, weiß nicht so recht, was ich antworten soll.

Mein ADHS-betroffener Sohn hatte bereits im Kleinkindalter Spezialinteressen, die als Eltern gut zu erkennen waren und die auch nach wie vor aktuell sind. In diesen Bereichen hat er sicher auch überdurchschnittliche Begabung, wenn das im Rahmen eines Tests gecheckt würde. Nur, ob dieses Begabungspotenzial jetzt bei einem Prozentrang von 80 oder 95 oder noch höher liegt ist meiner Meinung nach weniger wichtig. Im Vordergrund steht für mich, dass da Themen sind, mit denen er sich erfolgreich und somit gerne beschäftigt. Das soll er gerne!

Was sind sinnvolle Interessen?
Sinnvoll ist ein Interessensgebiet für mich aus Elternsicht in erster Line mal dann, wenn sich bildschirmfrei beschäftigt werden kann. Wobei wir hier noch von Grundschülern sprechen und ich da möglicherweise eine Hardliner Meinung vertrete i. S. v. 30 Minuten pro Tag, wenn alle Pflichten bis zu einer bestimmten Uhrzeit am Tag erledigt sind.

Soll ich mein Kind zu einem Sprachkurs (oder was wäre da sinnvoll?) zwingen, weil der HAWIK eine Hochbegabung im Untertest Wortschatz ermittelt hat, das Kind darauf aber nun überhaupt keinen Bock hat? Der Witz ist hier nämlich, dass seine Lieblingsbeschäftigungen eher im konstruktivistischen / baulichen Bereich liegen. Was nun?
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon gel.ice » 3. Februar 2014 21:53

Halo Ihr!

Ich danke euch für Eure Antworten und Einschätzungen. Es hat sich mittlerweile nicht viel getan. Ich habe meinen Junior zu einem HB-Test an der sculpsychologischen Beratungsstelle angemeldet - im November... bisher hab ich noch nicht einmal einen Termin erhalten, obwohl ich denen umgehend alle geforderten Unterlagen zukommen lassen hab. Auf meine Nachfrage ende Dezember, habe ich nicht einmal eine Antwort erhalten. Es ärgert mich! Ich will doch bloß Hilfe für mein Kind!

Mit den Ergebnissen eines HB-Tests könnte ich ihn gezielter fördern. Ich würde endlich wissen ob er manche Dinge tatsächlich nicht kann oder er einfach nur keine Lust drauf hat, weil es ihm zu langweilig ist. Er würde endlich wissen wo er richtig gut ist und könnte dann mehr Selbstvertrauen entwickeln und würde sich mehr zutrauen, weil ihm dann keiner mehr durch schlechte Noten etc... einreden kann, dass er dafür zu blöd ist.
Ich denke dass die Sicherheit genau zu wissen in welchen Bereichen er eine hohe Begabung hat ihm helfen würde selbstsicherer zu werden. Sein Problem ist ja, dass er durch die ganzen Negativerfahrungen nicht an sich glaubt und sich wenig zutraut.
Er wird bald 15 und ist in einem Alter, wo er versteht, was es heißt, dass der Schein nicht unbedingt Realität ist. Er könnte dann anfangen, zu verarbeiten und daran zu arbeiten dass Beste aus seinen Fähigkeiten zu machen.
Nur mein Reden, dass er Fähigkeiten hat und intelligent ist, reicht halt leider nicht aus.

Ein IQ von 128 ohne Medikation und einem "unterirdischen" Ergebnis bezüglich Konzentrationsspanne und Merkfähigkeit (laut Arzt weit unterdurchschnittlich) spricht dafür, dass er sicherlich Teilhochbegabungen hat.
Ich glaube auch seine Lehrer würden anders auf ihn zugehen, wenn sie konkrete Ergebnisse hätten.
Außerdem steht die Berufswahl an, wo das  Wissen um seine Begabungen schon vorteilhaft wäre. Er kann seine Fähigkeiten nämlich sehr gut verbergen. Er hat es geschafft, dass ich, bis er in die Schule kam nicht wirklich sagen konnte ob er bis 10 zählen kann und ob er Würfelaugen lesen kann - er konnte es. Hat es aber geheim gehalten! Er konnte mit 4 seinen Namen schreiben, tat es aber nicht. Ich fragte ihn, wieso er das im Kindergarten immer die Erzieherinnen machen lasse - seine Äußerung dazu: "Ich will nicht, dass die wissen dass ich das kann".
Er hat schon immer dafür gesorgt, dass man keine zu hohen Erwartungen an ihn stellt.

Ich würde mit einem guten Testergebnis nicht mehr Erwartungen an ihn stellen, aber ich denke fürihn wäre es wichtig zu wissen -schwarz auf weiß- was er wirklich kann, weil er sich irgendwie "abgewöhnt" hat was zu "können".

wäre das Ergebnis "schlechter" als vermutet, würde das ja keinen Beinbruch bedeuten. Mit 128 ist er ja erwiesenermaßen schon sehr intelligent - was soll es da ausmachen wenn keine "Voll-HB" herauskommt?
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon gel.ice » 14. Mai 2014 15:37

wir hatten endlich einen termin um junior auf HB testen zu lassen - es kam aber alles andere als das was zu erwarten war heraus.
der test kam mir seltsam vor bzw. die fragen waren so allgemein gehalten und gar nicht spezifisch. er hatte auch nur wenig kategorien und alles war eher auf sprache ausgelegt.

schlußendlich attestierte die frau einen IQ von 107 und keinerlei HB in keinem bereich.
meiner meinung nach passt das nicht zu meinem sohn und auch nicht zu den ganzen anderen tests die er schon gemacht hat. wie kann er seither immer über 120 gewesen sein und dann plötzlich bei 107? ist er dümmer geworden?
und gerade im sozialen bereich hat er die höchsten werte erzielt - das wo er doch autistisch veranlagt ist.

ich weiß dass er in einzelnen bereichen sehr gut und gleichaltrigen weit voraus ist, aber bei diesem test kam gar keine stärke heraus.
das kann ja irgendwie auch nicht sein, dass alle bereiche ungefähr gleich sind.

kann das daran liegen, dass er dieses mal medikamente genommen hat und bei den anderen tests nicht? das würde dann ja aber heißen, dass er besser keine medis nimmt.
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Arual » 14. Mai 2014 16:44

Hallo!

Ich habe selbst mehrere IQ-Tests hinter mir mit jeweils stark unterschiedlichen Ergebnissen: 1. Test: HB; 2. Test: Durchschnitt; 3. Test: Lernbehinderung mit deutlich unterdurchschnittlichem IQ; 4. Test: sogenannte "Höherbegabung" bei dissoziierter Intelligenz, soll heißen Verbal-IQ weit über dem Handlungs-IQ.

Innerhalb weniger Wochen habe ich eine IQ-Veränderung von sage und schreibe 36 IQ Punkten hinbekommen!
Vergleicht man meine besten und die schlechtesten Ergebnisse komme ich auf eine Differenz von ganzen 51 IQ Punkten (mindestens!), da beim besten Testergebnis nur mitgeteilt wurde über 130, ich also keinen genauen Wert kenne.
Im schlechtesten Test rettete mich nur das überdurchschnittlich gut getestete Arbeitsgedächtnis  aus dem Bereich der geistigen Behinderung unterhalb der Lernbehinderung!

Ich selbst nehme das als Beleg für das, was ich auch im Alltag erlebe: Meine Leistungsfähigkeit ist alles andere als konstant.

Viele Grüße,
Laura
ripley
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon ripley » 14. Mai 2014 16:48

gel.ice, welche Tests konkret wurden gemacht? Also welcher bei der ERSTEN Testung (HAT die KJP einen gemacht?) und welcher bei der ZWEITEN? Die haben alle Namen und wenn Du DIE (Namen) hast, kannst Du von da aus weitergucken.
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon gel.ice » 15. Mai 2014 13:23

ich weiß nicht von jedem einzelnen test wie er genannt wird, aber ich weiß, dass junior schon so ziemlich alle durch hat, die so gemacht werden - z.b. K-ABC, Raven... ich müsste nachschauen, von einzelnen test stehen die namen in den berichten. von der ersten kjp habe aber weder ich noch der kinderarzt irgendwelche daten und berichte bekommen, daher weiß ich da nur die zahlen die mir genannt wurden.

ich denke es ist wie arual sagt, dass er einfach keine konstanten leistungen zeigen kann und dass er unter guten bedingungen eben an die HB -grenze kommt zumindest in einzelnen bereichen. unter schlechten bedingungen schneidet er wohl auch dementsprechend schlecht ab. eine lernbehinderung hat allerdings noch keiner festgestellt! das ist ja krass bei dir arual!

bei meiner tochter wurde allerdings schon mal diskalkulie diagnostiziert mit werten die nahe an einer geistigen behinderung lagen im mathematischen bereich und das beim selben kjp, der nur ein jahr vorher eine sehr gute mathematische begabung festgestellt hat!
also was soll man da denn noch glauben?

mir ist das jetzt zu blöd. ich weiß ja dass meine kinder nicht dumm sind und genaue werte brauchen wir nicht. meine tochter (7.klasse gymnasium) hat erst letzte woche einen 3. platz beim känguruh-wettbewerb bekommen, also kann sie keine diskalkulie haben... und mein sohn ist jetzt in der 9. klasse realschule- er wird die 1,4 jahre durchziehen und dann schon seinen weg machen.
manchmal bereue ich es dass ich ihn so oft zu irgendwelchen ärzten und stellen geschleppt habe um ihm zu helfen, weil wir dabei eigentlich immer nur noch mehr verwirrt wurden und nie wirklich hilfe bekommen haben...
letztendlich habe immer ich ihn gefördert und therapiert.
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon Arual » 15. Mai 2014 15:19

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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon ripley » 15. Mai 2014 17:59

[quote="gel.ice"]letztendlich habe immer ich ihn gefördert und therapiert. [/quote]
Ja. Das IST aber so. Völlig unabhängig davon, ob man ein Standard-Normal-Kind oder eines mit ADHS und ggf. Komorbiditäten hat. Das ist unser Eltern-Job. Und, leider oder zum Glück: Nur wenn wir Glück haben, helfen uns die Docs und Therapien dabei. Dennoch bleibt die Hauptaufgaben immer unsere.

Das ist, nebenbei, ein Problem, das ich in und mit diesem Forum habe (nicht mit Dir, gel.ice!): Dass immer wieder der Eindruck entsteht, als könnten Therapien und Medikamente MEHR ausrichten als wir Eltern. Genau DAS glaube ich nicht und halte ich für ein falsches Versprechen/Verständnis.
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Re: Hochbegabtentest

Beitragvon gel.ice » 19. Mai 2014 17:03

ja ripley, da hast du natürlich recht! es ist und bleibt mein job als mutter dass ich mein kind erziehe und hege und pflege dass es gesund wachsen kann.

nur gibt es ja so viele therapeuten, ärzte und psychologen, die einen beruf erlernt haben, der sie dazu befähigen soll einem bei problemen und defiziten, die man selbst nicht ausgleichen kann, zu helfen.
bisher hab ich aber keinen gefunden, der mir bzw. meinem kind wirklich geholfen hat, daher bin ich schon etwas enttäuscht.
natürlich liegt die verantwortung bei mir und die nehme ich bereitwillig auf mich, schließlich wollte ich ja kinder und ich habe sie gern!
doch manchmal trägt man schwer an dieser verantwortung, wenn man merkt dass man allein da steht und nicht einmal die "profis" einem helfen können.

ich habe mir alles angeeignet was ging, hab mich belesen, hab kurse und fort-und weiterbildungen gemacht, was mir als erzieherin ja nicht schwerfiel, weil ich das ja teilweise sogar vom arbeitgeber bezahlt bekomme, da es ja auch einen beruflichen nutzen hat. trotzdem kommt man eben auch als mutter und gut ausgebildete erzieherin mal an seine grenzen und wünscht sich einfach einen kompetenten fachmann, der einem weiterhilft - ohne deswegen die verantwortung abzugeben.

ich weiß schon wie du das meinst ripley und ich gebe dir recht. allzuoft wird nach hilfe gerufen, ohne dass man bereit ist selbst auch was zu ändern und so geht es natürlich nicht.
ich sehe das in meinem beruf ja tagtäglich wie eltern die verantwortung auf kindergarten und schule abwälzen, wie sie schimpfen und sich aus der affaire ziehen wenn was nicht klappt und immer die schuld woanders suchen, aber nie mal vor der eigenen türe kehren und ihre vorbildfunktion und ihren erziehungsstil überdenken. dann geht man zum fachmann und will dessen tipps nicht umsetzen...

aber so war es bei uns nicht. wir haben umgesetzt was ging, aber leider kam immer nur "der junge braucht medis" - und wenn das nix gebracht hat, wurde herumprobiert und experimentiert. das bin ich jetzt langsam leid.

inzwischen glaube ich wirklich, dass die größte hilfe für unseren sohn war, dass er durch meine ausbildung und mein angeeignetes wissen, immer verständnis entgegengebracht bekam und dass ich ihn trainiert habe und ihm bei allem was ich mit ihm anstellte immer erklärt habe wozu und warum bzw. was es bringen soll.

ich habe zeiten mit medis und ohne medis erlebt und ich kann nicht sagen, dass es meinem junior mit medis besser ging. er hat die medis jetzt 2 wochen (!) durchweg vergessen zu nehmen ohne dass ich davon was gemerkt habe, außer dass er besser drauf war.
und wenn ich dann an diese erfahrungen mit den verschiedenen tests denke, dass meiner tochter eine dyskalkulie diagnostiziert wurde und sie jetzt einen landesweiten 3. platz bei einem mathematik-wettbewerb gwonnen hat oder dass mein junior bei IQ-test solche immensen schwankungen im ergebnis vorweist, dann verliere ich halt irgendwie den glauben an dieses "hilfssystem".
so, das musste mal raus...
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