Wo fängt Hochbegabung an?

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Entje

Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon Entje » 22. November 2012 13:22

Hallo!
Mich würde mal sehr interessieren, wo Hochbegabung bei ADHS anfängt und aufhört. Diese allgemeinen IQ Tests, sind die überhaupt geeignet für ADHS´ler? Ich habe nämlich mal gelesen, dass sich einige Dinge garnicht mit diesen Tests messen lassen. Diese Tests sind auch sehr auf Zeitbegrenzung ausgerichtet. Was ist denn eigentlich mit den Menschen, welche genau das Problem haben? Gerade Menschen mit ADS haben ein Zeitproblem.
Ilayda
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Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon Ilayda » 22. November 2012 15:36

Ein Teilbereich der Intelligenz ist ja nun auch die Arbeitsgeschwindigkeit. Wenn die nicht hoch ist, weil der AD(H)S-ler sich verzettelt oder wegträumt, dann ist natrürlich auch der gesamt-IQ geringer. Natürlich auch "mit Recht".
Das sagt ja nichts darüber aus, ob der Betroffene Sachen schnell begreift, ein hohes mathematisch/logisches oder Sprachverständnis hat etc.

Mein Sohn ist jetzt 3 x getestet worden, einmal mit 120, einmal mit 136 und einmal mit 126. Was sagt das jetzt aus? Ist er hochbegabt oder nicht? Ist eigentlich irrelevant, solange ihm sein ADHS zusammen mit der hohen Frustrationstoleranz beim Lernen im Weg stehen, schreibt er schlechtere Noten; macht es irgendwann "klick" und er beginnt, Freude am Lernen zu finden, dann kann er sein Potential ausschöpfen. Auf dem Weg muss ich ihn begleiten und unterstützen. Das ist unabhängig von einem IQ-Wert, egal ob er nun 100 ist, 89 oder 135.

Das Etikett "Hochbegabung" wird da m.E. auch zu sehr überbewertet...

Beantwortet das in etwa Deine Frage? Die Intention ist mir nicht so ganz klar geworden...
Entje

Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon Entje » 22. November 2012 17:58

Hallo,
ja ein bisschen beantwortet das schon meine Frage. Dass der Faktor Zeit ein Intelligenzmerkmal sein soll verstehe ich nicht. Aber ich habe auch gelernt, dass es einige Dinge gibt, die man/ich einfach so stehen lassen sollte wie sie sind. Was das für einen Unterschied macht? Nun ja für mich macht es schon einen großen Unterschied welche Höhe der IQ hat. Bei mir ist das Problem mit Einsamkeit, also sozialer Zugehörigkeit. Das hatte ich schon seit meiner Kindheit. Wenn ich was konnte, was andere mochten, wurde ich anerkannt. War ich so wie ich eigentlich war/bin dann hat das kein Schwein interessiert. Aber so sind die Menschen, einfach oberflächlich. Sollte ich ein IQ haben der über dem Durchschnitt liegt interessiert nur das die Menschen. Ob ich gesellschaftlich versage, interessiert das auch kein Schwein.
Eva
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Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon Eva » 22. November 2012 18:03

Hallo Entje

Aber so sind die Menschen, einfach oberflächlich.


Ob ich gesellschaftlich versage, interessiert das auch kein Schwein.


Wenn ich mir Deinen Text so durchlese, beschleicht mich das Gefühl, dass Du ganz andere Probleme hast als eine eventuelle Hochbegabung. Könnte das sein???

LG Eva
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Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon No User » 22. November 2012 20:50

Ein paar Gedanken zu dem interessanten Thema, auch wenn das über die hier gestellte Frage hinausgeht:

Hochbegabung ist nichts anderes als die Fähigkeit, in standardisierten Intelligenztests besser abzuschneiden als 97,8 % der Mitmenschen.

Für Deutschland heißt das, in entsprechenden Tests einen IQ von 130 oder mehr zu erreichen.

Das ganze ist ein Konstrukt, willkürlich so festgelegt, per Definition selten (2,2 % eben) und relativ. Relativ will sagen: Wenn wir weiterhin dank Privatfernsehen, Outsourcing unserer Denkleistungen an mobile Geräte, unterfinanziertes Bildungssystem usw. als ganze Bevölkerung verblöden, wird es trotzdem 2,2 % Hochbegabte ab IQ 130 geben und durchschnittliche Intelligenz weiterhin um IQ 100 liegen, egal wie dämlich dieser Durchschnitt ist. Und wenn es gelingt, insgesamt intelligenter zu werden, wird der HB-Anteil auch bei 2,2 % bleiben und der Durchschnitt all dieser Klugheit bei 100.

HB zu sein, sagt wenig darüber aus, wie gut oder schlecht jemand im Leben klar kommt. Rund um HB tummeln sich endlos Vorurteile, Klischees, es wird gleichzeitig überbewertet wie auch kleingeredet.

Wenn der IQ ein Maß für kognitive Leistungsfähigkeit sein soll, also bei der Verarbeitung von Wissen und Informationen, dann ist er vereinfacht gesagt ein Maß für intellektuelle Problemlösungskompetenz und zwar tatsächlich in endlicher Zeit. Alles andere wäre ja noch lebensfremder, wo der IQ ohnehin schon Dinge wie emotionale und praktische Intelligenz vernachlässigt.

Nicht nur Geschwindigkeit, auch (Kurzzeit-)Gedächtnisleistung und Konzentration fließen in das Ergebnis von Intelligenztests ein und wann immer Teile davon etwa störungsbedingt wie bei ADS beeinträchtigt sind, wir diese Störung auch das Ergebnis beeinträchtigen. Da bleibt nur, durch Therapie und günstige Rahmenbedingungen die Störung so weit zurückzudrängen, dass der Betroffene mehr von seinem eigenlichen Potential ausspielen kann. Vor allem im Leben, von mir aus aber auch in Intelligenztests.

Viel interessanter als die Frage "HB-Ja oder Nein?" ist allein schon aus psychologischen Tests das individuelle Profil mit seinen speziellen Schwächen und insbesondere auch Stärken. Daraus lässt sich viel mehr für Förderung, Therapie und geeignete Schullaufbahnentscheidungen ableiten. Der Nutzen des HB-Status ist bescheidener, aber stellenweise auch vorhanden:

Er kann darüber (mit-)entscheiden, ob ein Schüler in Maßnahmen der Hochbegabtenförderung aufgenommen wird oder nicht, i.d.R. als KO-Kriterium (ohne nachgewiesene HB keine HB-Förderung), aber auch mit ein paar IQ-Punkten Toleranz der Messunschärfe wegen. Diese Förderung kann für Betroffene nach meiner Erfahrung sehr hilfreich sein, jedoch nicht immer und nicht für alle.

Die Hochbegabtenförderung besteht regelmäßig darin, die höher begabten Schüler mehr zu fordern (mit "o" statt "ö"), ihr Lerntempo (und damit den Zeitduck) per "Akzeleration" zu erhöhen und mindestens die damit freigesetze Zeit per "Enrichment" mit zusätzlichen Lerninhalten aufzufüllen, etwa weitere Fremdsprachen und naturwissenschaftlichen Projekten. Hierzulande nennt sich das dann etwa "G8+" also noch eine Nummer stressiger als G8. Oder im billigsten Fall einfach das Überspringen von Klassen. Das wünscht sich niemand, der langsam ist und ADS-typische Zeitprobleme hat.

Damit entfällt für diese(n) die m.E. einzige mitunter sinnvolle Anwendung des HB-Stempels. Nun, manchmal baut es auch ein angekratzes Ego wieder auf, schriftlich zu bekommen, dass man nicht so blöd ist, wie alle einen halten inklusive man selbst. Dafür reicht aber auch jeder nicht weit unter 100 angesiedelte IQ.

Dass die HB-Förderprogramme für viele ADS'ler unabhängig von ihrem vielleicht versteckten intellektuellen Potential nicht geeignet sind, ist kein so großer Beinbruch, denn es gibt sowieso eine bessere Alternative: individuelle Förderung anhand der persönlichen Stärken und unter Berücksichtigung der speziellen Schwächen. Dabei müssen diese noch nicht einmal unbedingt mit oben erwähnten psychologischen Tests gemessen sein, wichtiger ist, dass die Eltern ihre Kinder kennen. Schließlich liegt diese Förderung auch zu weiten Teilen in ihrer Hand, denn der Spielraum von Regelschulen ist in Sachen Individualität doch begrenzt, HB hin oder her.

Es gibt zum Thema Hochbegabung auch einen ganz anderen Denkansatz: "Jedes Kind ist hochbegabt". Obwohl ein gewisser Autor, der unter dieser Überschrift Bücher vermarktet, nicht gerade für Seriosität steht, gefällt mir diese Idee, jedenfalls in meiner Interpretation. In der ist es einfach ein Wunder, mit welchem Wissensdurst, welcher Neugier, welcher Offenheit, welchem Vertrauen und welcher Lernfähigkeit Kinder auf die Welt kommen. Und da kommt es nun darauf an, was man aus dieser wunderbar hohen Begabung macht, wie man sie erhält, fördert, fordert und ausbaut. Nicht mit falsch verstandener, übertriebener Frühförderung, nicht als Karriereplanung, nicht in Watte gepackt, nicht dressiert, nicht überbehütet, aber doch in Liebe, mit Zuwendung und dem Vorleben eines guten Beispiels.

Entje, fang doch einfach bei dir selbst an. Ist es nicht reichlich oberflächlich, allen Menschen pauschal Oberflächlichkeit zu unterstellen? Wenn du andere Menschen erlebst, wie sie das, was sie tun, offensichtlich mehr oder auch weniger intelligent tun, interessierst du dich dann für deren IQ?

Wenn deine Mitmenschen dich ausgrenzen, ablehnen, geringschätzen, wenn sie sich dir gegenüber unsozial verhalten oder dir nur für eine Rolle Anerkennung geben, scheinbar nicht für deine Person, hast du dich dann für ihre Gründe interessiert?

Du täuschst dich: Niemand außer dir ist sonderlich an deinem IQ interessiert. Den solltest du sogar soweit bekannt besser für dich behalten. Je höher er ausfällt, umso dringender. Kaum etwas vereinsamt mehr als der Eindruck, jemand würde sich für intelligenter halten als seine Mitmenschen. Außerdem erzeugt ein hoher IQ, wenn er überhaupt geglaubt und nicht für Einbildung gehalten wird, gern unrealistisch hohe Erwartungen, die du zwangsläufig enttäuschen müsstest.

Und natürlich hat Intelligenz etwas mit Zeit, genauer: Geschwindigkeit zu tun. Intelligente Lösungen sind effizient, sie verbrauchen weniger Zeit. Intelligente Lösungswege sind möglichst kurz. Geübter, talentierter Intellekt löst Probleme schnell. Das heißt nicht, dass alle Langsammerker dumm wären, nur muss bei vielen erst noch die Bremse gelöst werden. Dagegen gibt es kaum dumme Schnellmerker. Obwohl: Ich korrigiere mich: So wie mancher Bodybuilder vor lauter Kraft kaum laufen kann, kann auch mancher Hochbegabte vor lauter Intelligenz kaum denken. Oder der verzweifelt einfach an dieser Welt, die etwas umnebelt leichter zu ertragen wäre.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 22. November 2012 20:54, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon Eva » 22. November 2012 21:41

@Steffchen ....  :6121:
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Angie
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Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon Angie » 22. November 2012 21:47

Fällt mir gleich dieser Spruch ein:
Manchmal ist es besser den Dummen zu spielen, dann wird von einen nicht soviel erwartet.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon foxie333 » 23. November 2012 07:56

Ich stimme Steffchen in weiten Teilen zu. Was du, Entje, meiner Meinung nach auch vergessen zu haben scheinst: ADS ist nicht gleich Langsamkeit. Es gibt ADSler die sehr Langsam sind, aber das ist kein notwendiges und auch kein hinreichendes Kriterium.
Als HB ADSlerin hab ich lange an der Kombination gezweifelt - mit der Zeit habe ich gelernt, dass es einerseits keine klaren Grenzen zwischen ADS und HB gibt, andererseits ich auch nur ein Mensch bin. Ein Beispiel zu letzterem: Ich dachte immer, dass meine Entscheidungsschwierigkeiten Teil meines ADS sind, bis meine Schwester mir erzählt, dass sie immer Entscheidungsschwierigkeiten (derselben Art) hat und sie ist sehr offensichtlich nicht ADSlerin. Seither kann ich für mich davon ausgehen, dass das etwas ist, was mehr oder weniger schwerfallen kann. Klar, verknüpft mit gewissen ADS Symptomen kann sich das potenzieren, es muss aber nicht.

Ich stell mir das ganze in etwa als riesiges Konstrukt von Variablen und Parametern vor. Und bei den Parametern kann man halt am Ende einer Normalverteilung über alle Menschen liegen, was einen mehr abweichen lässt vom Durchschnitt als bei anderen Dingen. Nur schliesst das nicht aus, dass man in unendlich vielen andern Parametern sehr nahe beim Durchschnitt liegt, weshalb ich solche Aussagen, wie "alle anderen sind xy" als (logischen) Bull**** betrachte...man verbaut sich mehr Chancen, als dass man gewinnt.
:biene: 14
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Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon Hanghuhn » 23. November 2012 08:43

Ich lege Widerspruch ein.

Es gibt genug Situationen, in denen ein intelligenter Mensch (egal, ob hochbegabt - einfach derjenige, der weiter als die anderen), ohne umnebelt sein, ausgegrenzt wird - z. B. wg Verständigungsproblemen. Guckst Du hier:

Hochbegabung als Verständigungshindernis

Wenn Dir das öfters passiert, wirst Du einsam. Wenn außerdem durch Deine ständigen Verpeiltheiten in den Köpfen der anderen ein - ich sage mal vorsichtig -  nicht so gutes Bild entsteht, korreliert das natürlich überhaupt nicht damit, dass Du ständig andere Ideen im Kopf hast. Weil die oftmals keiner nachvollziehen kann, sind das in den Augen der anderen nur Hirngespinnste, oder sie fühlen sich einfach angepisst, weil sie Dir übel nehmen, dass eben Du, die Verpeilte, und nicht sie, die Organisierten, die Idee hatten.
LG Hanghuhn
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Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon No User » 23. November 2012 10:37

Klar, das ist so. Nur: Welcher Aussage widerspricht das?

Zwar kann man schon mit ADS allein auch ohne HB genug Kommunikationsschwierigkeiten, Ausgrenzung, Unverständnis und Einsamkeit erleben, in der Kombi mit HB (oder ersatzweise allein durch HB) kommen neue Gründe für ähnliche Probleme und ganz neue Verständigungshürden hinzu.

Das ist auch der eigentliche Grund, warum sich HB-Schüler in einer HB-Klasse so wohl fühlen. Das spezielle Curriculum - geschenkt! Was wirklich zählt sind die vergleichbar tickenden Mitschülern mit ähnlichen Interessen, Erfahrungen, Problemen, Neigungen - trotz natürlich auch hier vorhandener individueller Vielfalt -, das bessere gegenseitige Verständnis...

Einen Haken hat die Sache aber noch: Das Leben ist kein StreichelzooHochbegabtenzug. Da draußen muss man wieder in einer normalverteilt intelligenten Gesellschaft bestehen, worauf man auch vorbereitet sein sollte.

Ändert die Kenntnis gestesteter HB eigentlich irgendwas an dem Verständigungshindernis? Es besteht sogar die Gefahr, dass die Erkenntnis eigener HB dieses verschlimmern kann. Denn auch Hochbegabte können irren, etwa wenn sie ihre eigene Denkweise wegen dem "amtlich" bestätigten Intelligenzniveau für die einzig richtige halten und die der weniger IQ- BegabtenGestraften unterschätzen.

LG
Steffchen
Entje

Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon Entje » 23. November 2012 20:25

Hallo,
erst mal danke für die vielen tollen Antworten. Einige Anmerkungen nun von mir;

Hallo Eva
"Wenn ich mir Deinen Text so durchlese, beschleicht mich das Gefühl, dass Du ganz andere Probleme hast als eine eventuelle Hochbegabung. Könnte das sein???"
Was sollten das für Probleme sein  :zwink:

Hallo Steffchen,
"Du täuschst dich: Niemand außer dir ist sonderlich an deinem IQ interessiert."
Das weißt Du doch garnicht, wenn überhaupt kannst Du nur für Dich und deine Freunde und Bekannte sprechen, deren Meinung Du kennst.

"Entje, fang doch einfach bei dir selbst an. Ist es nicht reichlich oberflächlich, allen Menschen pauschal Oberflächlichkeit zu unterstellen?
Nun ja es gibt zu viele oberflächliche Menschen. Aber alle sind es nicht. Habe mich da wohl etwas irritierend ausgedrückt Keine Panik  :breitgrinse1:.
Hab ja bei mir selbst angefangen.

"Wenn deine Mitmenschen dich ausgrenzen, ablehnen, geringschätzen, wenn sie sich dir gegenüber unsozial verhalten oder dir nur für eine Rolle Anerkennung geben, scheinbar nicht für deine Person, hast du dich dann für ihre Gründe interessiert?"
Darum bin ich ja hier. Wenn ich mich nicht dafür interessiert hätte, warum ich ausgegrenzt werde und für die Gründe, warum andere Menschen das mit mir machen, dann hätte ich mich wohl kaum mit mir selbst so viel beschaftigt und meiner Familie. Dann hätte ich auch wohl kaum einen Test machen lassen und wüsste jetzt auch nicht das ich ADHS habe. Nur weil ich das getan habe, bin ich jetzt hier und versuche Lösungen für mich zu finden.

"Wenn du andere Menschen erlebst, wie sie das, was sie tun, offensichtlich mehr oder auch weniger intelligent tun, interessierst du dich dann für deren IQ?"
Wie schon gesagt/geschrieben bin dabei mit mir was zu machen. Klar interessiert mich manchmal der IQ anderer Menschen. Ist das ein Verbrechen? Keep cool  :ichboss:

Hanghuhn
Danke, das erlebe ich oft.

Angie: Ja das stimmt auch

Nochmal Steffchen
Hört, hört... :ichboss:
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Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon No User » 23. November 2012 21:17

Hm. Natürlich muss ich von den Menschen ausgehen, die ich kenne. Wer kann schon für alle über 7 Milliarden Menschen sprechen? Klar habe ich mich mit "Niemand" ziemlich weit aus dem Fenster der Pauschalierung gelehnt. Aber ich fände es noch immer sehr exotisch, wenn Menschen sich nur für deinen IQ interessierten.

Gerade die oberflächlichen: Würden die nicht zuerst nach deinem Aussehen schauen?

Oder die berechnenden, die erst mal abchecken, ob du ihnen nützlich sein könntest?

Der IQ (die Zahl) ist weder schick noch sexy noch besonders nützlich.

Männern sagt man gern ziemlich pauschal nach, sie würden sich an Frauen für so einiges anderes eher interessieren als für deren Intelligenz.

Egal, es ist sowieso viel wichtiger, was du mit der Kenntnis deines IQ anfangen möchtest.

Es ist auch kein Verbrechen, sich für den IQ anderer zu interessieren. Mich würde interessieren: Was machst du mit dieser Info? Siehst du die Person, insbesondere deren Intelligenz anders, nachdem du diese Zahl erfahren hast?

Richtig gut finde ich, dass du nach den Gründen suchst. Noch besser ist, dass du nach Auswegen aus der Situation suchst, nach Lösungen.

Es ist kein Naturgesetz, dass man mit AD(H)S oder mit HB solche Probleme (Ausgrenzung und Einsamkeit statt soziale Integration) haben muss. Jetzt nicht falsch verstehen: Dass es AD(H)S'ler und Hochbegabte und sogar hochbegabte AD(H)S'ler ohne solche Probleme gibt (wenn auch evtl. mit genug anderen, wie meine Tochter mit dieser Kombipackung), heißt nicht, dass die anderen (mit den Problemen) deswegen selbst schuld wären oder so.

Es ist aber auch interessant, welche günstigen Umstände dabei hilfreich waren, solche Probleme zu vermeiden. Manche davon kann man sich nämlich auch mit Verspätung noch schaffen.

LG
Steffchen
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Re: Wo fängt Hochbegabung an?

Beitragvon Hanghuhn » 15. September 2013 11:55

[quote="steffchen"]
Männern sagt man gern ziemlich pauschal nach, sie würden sich an Frauen für so einiges anderes eher interessieren als für deren Intelligenz. [/quote]
Würde ich so pauschal nicht behaupten. Ich kenne keinen intelligenten Mann, dem die Intelligenz seiner Partnerin egal ist. Aber es gibt einige intelligente Männer, die die (manchmal nur behauptete) Unintelligenz ihrer Partnerinnen bewusst in Kauf nehmen. Meistens soll sie nicht doof sein, aber um Gottes Willen nicht intelligenter als man selbst, wobei sich die meisten eine Intelligenz auf Augenhöhe wünschen. Ich kenne allerdings auch Frauen, die sich umgekehrt einen Partner wünschen, der (deutlich) intelligenter als sie ist. Ich persönlich halte es eher mit der Augenhöhe.

[quote="Ilayda"]
Ein Teilbereich der Intelligenz ist ja nun auch die Arbeitsgeschwindigkeit. Wenn die nicht hoch ist, weil der AD(H)S-ler sich verzettelt oder wegträumt, dann ist natrürlich auch der gesamt-IQ geringer. Natürlich auch "mit Recht".
Das sagt ja nichts darüber aus, ob der Betroffene Sachen schnell begreift, ein hohes mathematisch/logisches oder Sprachverständnis hat etc. [/quote]
Die Arbeitsgeschwindigkeit ist kein Teilbereich der Intelligenz. Man geht nur berechtigt davon aus, dass sich Hochbegabung auch positiv auf die Arbeitsgeschwindigkeit auswirkt. Weil man davon ausgeht, benutzt man die Arbeitsgeschwindigkeit als (nicht alleinigen) Maßstab bei IQ-Tests.

Damit haben ADSler mit "Sluggish Cognitive Tempo" (kurz SCT) ein Problem. Ein Mensch mit SCT (ich auch) hat keine normale Arbeitsgeschwindigkeit. Er hat bei Hochbegabung nur ein erhöhtes Arbeitstempo gegenüber anderen Menschen mit SCT ohne Hochbegabung.

Ich habe mich vor etwa 10 Jahren, als mir bewusst wurde, dass ich ADS haben muss, verstärkt im Internet umgesehen. Da vertrat ein Experte die Meinung, dass sich bei einer Gruppe ADSlern eine Hochbegabung nur sehr schlecht oder u. U. überhaupt nicht nachweisen lasse.

Das Problem ist nicht die Zahl 130 oder drüber, das Problem ist, dass auch Experten die Grenze 130 ziehen. Es wird ein IQ-Test gemacht, und wenn die getestete Person unter dem Wert 130 bleibt, sind typische Probleme, die (bei allen Familienmitgliedern unserer Familie) durch erhöhte kognitive Leistungsfähigkeit entstehen, nicht existent oder nicht gravierend genug oder was auch immer. Aber wir haben genau diese Probleme en masse.

Ich habe die gleichen Probleme, wie sie in dem Artikel beschrieben sind, den ich schon einmal hier verlinkt habe.

Hochbegabung als Verständigungshindernis

Eine nicht erkannte Hochbegabung ist kein Zuckerschlecken. Nicht alle meine Probleme lassen sich mit ADS und SCT erklären. Wenn in ähnlicher Weise weitere Familienmitglieder betroffen sind, macht es das nicht besser.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 15. September 2013 12:05, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn

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