ADS -Therapie bei HB

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ZeckenundFloehe
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ADS -Therapie bei HB

Beitrag von ZeckenundFloehe » 16. Mai 2012 10:43

Hallo zusammen,

wir steuern geradewegs auf eine ADS-Bestätigung zu. Es geht um meinen Sohn, der gerade 10 geworden ist, die 4. Klasse besucht und eine glatte Gym-Empf. hat. Die HB ist seit 1,5 Jahren bekannt, eine überdurchschnittliche Intelligenz wurde schon mit dem K-ABC-Test im Vorschulalter vermutet. Die Idee der Diagnostik kam eigentlich von mir, wegen der Tollpatschigkeit, der schrecklichen Handschrift, der zunehmenden Interesselosigkeit und der geringen Langzeitausdauer bei Interessen (in etwa: 1. Termin - totale Begeisterung, nächsten Termine- na ja, und nach spätestens 5 Terminen: vergessen, mit ist übel, ich fühle mich nicht, mir tut der Kopf / Bauch / Fuß weh!).
Desorganisierthait haben wir in Griff bekommen (vor 0,5 Jahren), Arbeitsaufträge anfangen und abarbeiten haben wir halbwegs im Griff (wenn der Tag strukturiert ist, dann klappt es). Ich würde sagen er ist zugänglich und bemüht Ratschläge anzunehmen und irgendwie gelingt ihm das auch.

In der Schule scheint er irgendwie nicht wirklich "Probleme" zu haben, jedenfalls gab es seit 2 Jahren keinen Eintrag und keine Einladung in die Schule, daher gehe ich davon aus, dass er nicht übermäßig auffällt, aber auch kein Unschuldslamm ist. Ich habe mich eigentlich mit seinem Underachievertum arrangiert, schliesslich kommt er mit den Noten und mit dem Aufwand überall hin, so what?
Insgesamt scheint mir die HB doch nicht ganz verdeckt von der ADS zu sein, oder sagen wir mal die ADS ist wohl nicht sooooo sichtbar ausgeprägt, oder ich habe mich dran gewöhnt (?).

Jetzt meine Frage: gibt es Therapien, die speziell eher auf HBs passen? Worauf sollte ich achten, wenn es darum geht diese "auszusuchen"?
Wie lange dauert es nur mit psych Therapie bis Erfolge sichtbar sind? 1 Monat, 6 Monate, 2 Jahre?
Ich denke Sohn bräuchte nicht vom Start weg MPH um ihn überhaupt therapietauglich zu machen. Ab wann würde man da einsteigen?

Derzeit läuft die Diagnostik über das SPZ, aber durch eine Psychologin (also kein Arzt und schon gar kein KJP). Erfahrungsgemäß ab wann werden die eingeschltet? Ich denke nicht, dass die so unseriös arbeiten, dass letztlich die Psychologin die Gesamtdiagnostik durchführt und ein verantwortlicher KJP nach Aktenlage unterschreibt ohne das Kind je gesehen zu haben, oder?

LG, ZeckenundFloehe.
nixe
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von nixe » 16. Mai 2012 13:39

Na, Underachievertum ist belastend, da man eben nie sein Potential auch nur annähernd ausschöpfen kann. Irgendwann verfestigt sich das Gefühl "Ich könnte eigentlich - aber ich kann eben nicht".

Die HB rettet ihm die Noten, hilft ihm, seine ADS-Symptome auszugleichen. Das bedeutet aber nicht unbedingt, dass er nicht darunter leidet. Irgendwann wird für ihn der Punkt kommen, ab dem es nicht mehr reicht, sich mit HB durchzuwuseln, wo ADS ihm den Weg erschwert.

Ich würde Dir raten, die Diagnose erstmal abzuwarten. Sollte ADS vorliegen, ist es natürlich sinnvoll, auch und gerade darauf einzugehen - HB hin oder her. Die HB ermöglicht es ihm, besser zu kompensieren. Diese Kompensation kostet aber auch enorme Anstrengung.
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von ZeckenundFloehe » 16. Mai 2012 14:07

Für mich war eine ganze Weile lang das Underacheivertum sehr belastend. Im Übrigen war die untersuchende Psych angesichts der Zeugnisse und des IQ-Tests die erste (ausser mir), die von sich aus gesagt hat, dass da Handlungsbedarf bestünde. Das war für mich sehr erlösend. Eigentlich ist es Klagen auf hohem Niveau, aber wenn man mehr über das Portential des Kindes weiss ist es letztendlich eine schwindel- und besorgniserregende Abwärtsspirale. Also steht einer Beschäftigung mit ADS nichts im Wege, allerdings rechen ich damit, wenn ich nicht den richtigen Theraputen erwische, dass der das alles als Luxusproblem abtut.

Ich habe mich aber immer bemüht Sohn gegenüber nicht als zu fordernd aufzutreten, was Schulisches angeht, deswegen kann es sein, dass er gar nicht unzufrieden ist mit der Situation.
Mich macht es nur fertig mitansehen zu müssen, dass ein ehemels sehr wissbegieriger  Knirps, jetzt zu einem Kind mutiert, welches zunehmend Interessen abbaut und dann noch nicht mal bei den wenigen Interessen in der Lage ist sich zu sortieren um dem nachzugehen.
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von nixe » 16. Mai 2012 15:04

Was ist denn mit Ausgleich, außerhalb der Schule ? Kann er da irgendwo seine geistigen "PS auf die Straße bringen" ?

Mach´ Dir nicht jetzt schon den Kopf, was ein Therapeut XY zu einem Zeitpunkt Z sagen KÖNNTE. Erstmal Diagnose abwarten und die dort geäußerten Handlungsempfehlungen. Und erst DANN den nächsten Schritt tun.

Es geht Dir nicht darum, bessere Noten "´rauszukitzeln", das kommt für mich jedenfalls klar an. Sondern um den Leidensdruck, das Befinden, den Verlust an Interesse und Konzentration. Das sind keine Luxusprobleme.

Weißt Du, jeder nur ein Kreuz. Ist doch schön, wenn es bei Euch nicht um die nackte Existenz geht. Trotzdem gibt es berechtigten Handlungsbedarf, für den Ihr dann auch das passende Gegenüber suchen und finden könnt : )
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von ZeckenundFloehe » 16. Mai 2012 15:30

Er macht Kampfsport und spielt Schlagzeug, ABER ich muss ihn hinschieben, überzeugen, dass er heute doch Lust hat, erinnern, dass er üben soll. Ich brauche das alles nicht für mein Ego, von mir aus kann er alles lassen. Andersrum, wenn ich ihm anbiete selbst die Entscheidung und die Konsequenz zu tragen, dann wirft er mir vor, dass ich ihn nciht ernst nehme, er mache das alles mit Freude und Spaß.

Wüsste ich, dass ADS stimmt, dann habe ich kein Problem damit ihn zu schieben, zu erinnern, zu motivieren, zu organisieren. - Ohne Murren und Knurren! Ich will ihm definitiv nicht die Freude und den Spaß an etwas nehmen, wofür er zunächst etwas aufbringen müsste was er nicht kann und  das was er nicht kann ich allerdings kompensieren kann.

Wüsste ich das ADS ausgeschlossen ist, würde ich damit anders umgehen und ihn machen lassen bis er selber auf den Trichter kommt, dass er sich um seinen Kram kümmern muss sonst fliegt er raus, eben als unzuverlässiger Partner. Er muss es lernen, wenn er in der Lage ist das zu lernen.

Verträumt und desorganisiert sein, wegen Bequemlichkeit kann ich nicht dulden, aber wegen ADS damit muss ich anders damit umgehen. Ich kann ncihts fordern was definitiv nciht ginge - das ist unfair.

Wenn es nach ihm ginge, kann er ganz ordentlich die PS auf die Straße bringen, wenn es um Computer geht - nichtn nur um Spiele, aber auch. Naturgemäß kann ich das nicht einem 10-jährigen überlasssen wie tief er da einsteigt ;-)
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von Elchi » 16. Mai 2012 15:40

Hallo ZeckenundFloehe,

wenn ein Therapeut diese Problem ein Luxusproblem nennt (oder sich so verhält), könnt Ihr ihn ja wechseln (dann hat er offensichtlich seinen Beruf verfehlt).
Aber noch ist es ja nicht so weit.

Toll ist, dass Du erkannt hast, dass Dein Sohn Hilfe braucht, obwohl die Noten noch nicht im Keller sind.
Wenn das Kind merkt, dass es eigentlich mehr könnte, als es schafft, wird es irgendwann mutlos und es traut sich nichts mehr zu. Da ist es eigentlich ganz egal, auf welchem Niveau.

Wenn die Psych, die ihn testet, schon gesagt hat, dass Handlungsbedarf besteht, wird sie sicher auch Vorschläge machen, was Ihr tun könnt. Das solltet Ihr mal in Ruhe abwarten und Euch nicht jetzt schon verrückt machen.

(Jetzt hast Du gerade nochmal geschrieben, ich finde, Du gehst damit toll um, diese Überlegung, ob Du ihm etwas abverlangen kannst, oder nicht. Mir ging es genauso und seit ich die Diagnose bei meinem Sohn kenne, kann ich mit seinen "Macken" viel lockerer umgehen)

LG
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von nixe » 16. Mai 2012 16:41

Er ist ja schon 10 ..... ich könnte mir vorstellen, dass Ihr Euch zusammensetzt und eine Vereinbarung trefft. Eine Woche lang schiebst und erinnerst Du ihn, ganz nach Mamabauchgefühl und eine Woche lang machst Du gar nichts.

Dann setzt Ihr Euch wieder zusammen und besprecht, wie es Euch jeweils damit gegangen ist, was geklappt hat, was nicht.....

Nur so eine Idee, die mir gerade einfach durch den Kopf geschossen ist. In dem Alter ist es so schwierig zu sagen, was sollte das Kind selbst regeln und entscheiden, was noch nicht......
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von ZeckenundFloehe » 16. Mai 2012 17:06

Och, das habe ich schon versucht. Er nimmt die Konsequenzen schweigend in Kauf.
Aber ich weiß nicht ob es aus Resignation ist - "na ja, ich krieg's eh nicht auf die Reihe", oder weil es ihm wirklich fast egal ist.
Ich mache das auch nur dort, wo ich weiß, dass die Konsequenzen recht begrenzt sind und man prinzipiell kein Drama machen muss daraus, aber man auch wie ein HB-Männchen hochgehen könnte.
Also Flöte vergisst er regelmäßig für die Schule - da bin ich nicht dahinter (schlimmer als eine 4 in Musik kann es nicht werden und ich kann damit prima leben), das macht ihm aber schon seit Monaten (!?!) nichts aus, obwohl er eigentlich zu Beginn mit sehr viel Engagament geübt hat.
Bis zur letzte Gurtprüfung hat er aus diversen (erfunden Gründen) es geschafft immer zu vergessen zu den Trainings hin zu gehen / zu spät zu erscheinen. - ich habe es laufen lassen, weil ich von einer Nachholprüfung wusste, er aber nicht. - Na ja dann dichtet er sich seine Lebenslüge zurecht und trägt die Konsequenz.
Zur Klassenfahrt sage ich ihm, dass er auch eine wetterfeste Jacke einpacken soll. Um sicher zu sein, dass das klappt müsste ich sie ihm hinlegen und alle 5 Minurten nachfragen ob er sie eingesteckt hätte solange er packt. Das habe ich unterlassen und es nur 2 mal gesagt. Ergebnis: Jacke bleibt liegen. - Kind nass. Damit kann er sich abfinden. Eine Woche später gleiches Spiel: Jacke bleibt liegen.

Tja angesprochen darauf was schief gelaufen ist, kommt Schulterzucken. Ist das einfach Resignation oder Desinteresse oder demonstriertes Desinteresse um sich keiner Blösse zu geben?

Prinzipiell sind die "wichtigen Dinge" des Lebens, die wiederkehrend sind, so eingeübt und organisiert, dass da nicht viel schiefgeht, aber andere Selbstverständlichkeiten , die er organisieren und verantworten soll, die gehen schief.
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Sandiris
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von Sandiris » 16. Mai 2012 17:41

Hallo,

bitte nimm mir meinen Beitrag nicht übel. Ich möchte ehrlich zu dir sein, ich möchte, dass du eine neue Sicht auf dein Kind bekommst, denn ich finde es irgendwie schwer auszuhalten, was ich da lese.
ZeckenundFloehe hat geschrieben: Also steht einer Beschäftigung mit ADS nichts im Wege, allerdings rechen ich damit, wenn ich nicht den richtigen Theraputen erwische, dass der das alles als Luxusproblem abtut.
HB ist kein Luxusproblem, sondern eine Katastrophe, wenn das Kind nicht entsprechend gefüttert wird. HB bedeutet eben nicht, ein besonders leistungsstarker Mensch zu sein!! HB hat nichts mit der Alltagsbewältigung zu tun, da ist dein Sohn Kind! HB bedeutet häufig Ausgrenzungen bei Gleichaltrigen, weil das Kind oft als "komisch" erlebt wird, andere Interessen hat, "komisch" spricht usw. Dein Sohn sollte viel Zeit mit "seinesgleichen" verbringen, falls er es nicht bereits tut. Ist er an eine Gruppe HBs angebunden? Schlagzeug und Kampfsport sind nicht die Dinge, die ihn interessieren. Als HBchen muss er intelektuell beschäftig werden. Wenn er zudem noch Sport und Schlagzeug mag: Prima! Scheint mir aber nicht so, denn er ist demotioviert. Vielleicht aber auch, weil er für sein Tun nicht genug Anerkennung findet- das demotiviert enorm, gerade Kinder suchen dies als Bestätrigung ihrer Person, zur Entwicklung der Selbstwirksamkeit.

Ich habe mich aber immer bemüht Sohn gegenüber nicht als zu fordernd aufzutreten, was Schulisches angeht, deswegen kann es sein, dass er gar nicht unzufrieden ist mit der Situation.
Mich macht es nur fertig mitansehen zu müssen, dass ein ehemels sehr wissbegieriger  Knirps, jetzt zu einem Kind mutiert, welches zunehmend Interessen abbaut und dann noch nicht mal bei den wenigen Interessen in der Lage ist sich zu sortieren um dem nachzugehen.
Mal ganz ehrlich: Der Zwerg ist 10! Ich finde, du erwartest viel zu viel von ihm. Er ist in der Vorpubertät, da gibt es Veränderungen, auch der Interessen.
Tja angesprochen darauf was schief gelaufen ist, kommt Schulterzucken. Ist das einfach Resignation oder Desinteresse oder demonstriertes Desinteresse um sich keiner Blösse zu geben?
Das ist eine ganz normale Reaktion eines 10 Jahre alten Jungen, der noch lange, lange nicht so reflektieren kann, wie wir Erwachsenen! Du lässt ihn immer iwder mal auflaufen .... erinnerst ihn nicht ... die Flöte für die Schule: Du erwartest, dass er immer daran denkt, und wenn er es nicht tut: DU kannst damit leben- aber er vielleicht nicht,. Das würde auch das von dir vermutete Resignieren erklären.

Du schreibst, er geht nicht zum Training, "vergisst" es. Flöte .. Interesse verloren. Jacke nicht mirgenommen- nass geworden ... das wiederholt sich. Und du schaust zu?

Menno, das ist doch Mist! Ich kann mir vorstellen, dass dein Zwerg denkt, dass du kein Interesse an ihm hast.

Verträumt und desorganisiert sein, wegen Bequemlichkeit kann ich nicht dulden, aber wegen ADS damit muss ich anders damit umgehen. Ich kann ncihts fordern was definitiv nciht ginge - das ist unfair.
Harter Tobak! Ein Kind, 10 Jahre alt, soll strukturiert und organisiert sein, wie ein Erwachsener. Kindsein wird nicht geduldet? Es gibt viele Gründe, warum ein Kind verträumt und desorganisiert ist. Das kann ADS sein, das kann Asperger sein, das können Depressionen sein, das kann Überforderung sein, das kann Stress Zuhause sein, das kann so viel sein.
Nimm ihn doch erst einmal an die Hand, lass ihn nicht ständig auflaufen- er braucht mit 10 ganz klar noch elterliche Unterstützung in allen Bereichen.

Na ja dann dichtet er sich seine Lebenslüge zurecht und trägt die Konsequenz.
Lebenslüge?? Meinst du immer noch dein Kind? Ich hoffe doch, ich habe etwas überlesen und du schreibst von einem Erwachsenen .... .
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von ZeckenundFloehe » 21. Mai 2012 09:50

Hallo Sandris,

na ja ganz so extrem würde ich das nicht sehen, wie Du.
1. HB ist generell KEIN Problem. 80% der HB sind weder auffällig noch getestet. (Siehe Rost-Sudie)
2. Kampfsportarten sind diejenigen (ausser Schach) die eigentlich noch am meisten was mit Grips, Abstrakion zu tun haben.
3. Nein in einer HB-Gruppe ist er auf eigenen Wunsch nicht eingebunden. - Sind alle zu seltsam. Er ist aber in seiner Umgebung sozial sehr gut integriert, hegt und pflegt Freundschaften über Jahre, auch wenn er wählerisch ist bei der Auswahl.
4. Ich lasse ihn nicht "ständig" auflaufen, sondern nur bei Dingen, die wenn sie schief gehen nur einen begrenzten Kollateralschaden nach sich ziehen. Bei ernsthafte Dingen führe ich ihn quasi an der Hand. - Ich bin kein Unmensch. Ich fordere auch nicht mehr Organisiertheit und Strukturiertheit als die Lehrer von anderen Kindern fordern. Er ist aber das auffälligste Kinde der Klasse diesbezüglich. Ich bin mir auch sehr bewußt, dass man mit viel weniger Ordnung, als von der Schule verlangt sehr gut durchs Leben laufen kann. - Ich bin ein sehr erfolgreiches Beispiel dafür, aber dafür muss man zumindest vorher deswegen nicht aus dem System fliegen.

Wo ich dir zustimmen kann ist vielleicht die mangelnde Anerkennung von aussen, die er definitiv viel mehr braucht als andere. OK, hier muss ich mich aufteilen zwischen ihm und seinem auch sehr fodernden Bruder und sehr genau aufpassen.


LG, ZeckenundFloehe.
graffiti
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von graffiti » 21. Mai 2012 11:29

es ist einfach schwierig.

einerseits bedeutet hb + ads, besser kompensieren zu können --> schulleistungen, soziales leben.

andererseits bedeutet diese kombi, ständig + dauernd (selbst ohne kommentar von außen - kann man ja selber wunderbar sehen) reingedrückt zu bekommen, daß man doof ist --> vergeßlich / wortfindungsprobleme / blackouts oder brett vorm hirn / unfähig, sich genau + präzise an fakten zu erinnern / ausuferndes, unverständliches denken usw, usf.

das variiert sicher von mensch zu mensch - unterm strich bleibt: warum zum henker führst du dich immer wieder auf wie ein depp, wenn doch jeder weiß, daß du keiner bist?

liegt dir nix dran?
siehste, wenn du willst, dann kannste auch.
wenn du blöd wärst, wäre es ja nicht schlimm - aber du bist nicht blöd --> also kannst du nur faul / gleichgültig sein.
usw.

da das kind selber ja auch sieht, daß es unerklärliche durchhänger hat, selber nicht weiß, warum --> enorme selbstzweifel.
evtl. sogar das gefühl, die außenwelt zu "betrügen" mit intellektuellen leistungen, die es problemlos abliefern kann.
da es aber nicht in der lage ist, einfache dinge zu meistern --> zweifel daran, ob es nun wirklich nicht blöd ist oder ob alle anderen da nur auf leichtfallendes theater reinfallen + es in wirklichkeit einfach kreuzdämlich ist, aber ein guter trickser.

die vergleichsweise gute kompensation verdeckt die anstrengung, von der nixe weiter oben schrieb.
sie ist von außen nicht sichtbar.

der zweifel an sich selber bewirkt das klaglose akzeptieren von konsequenzen, die entwicklung einer na-pech-gehabt-is-mir-doch-wurscht-haltung aus selbstschutz.

dazu kommt noch etwas anderes:
hb bedeutet, wie ebenfalls weiter oben bereits geschrieben, eine gewisse soziale isolation (interessen, altklugheit, gescheitmeierei usw.).
das wird nicht leichter dadurch, daß der ads-ler an sich in gesellschaft auch eher kantig rüberkommt ... oder wahlweise auch überkandidelt, albern, bekloppt, überempfindlich, anstrengend.

wenn einem gescheiten kind etwas am sozialen leben liegt, wird es irgendwann so schlau sein, sich anzupassen (exzentrische interessen ablegen, sachinteresse nicht mehr verfolgen), um kein freak zu sein.
sein ads-verhalten (ohne hilfe) zu verändern, ist für ein kind ausgesprochen schwierig - aber es kann durchaus beeinflussen, ob es als streber / freak / gescheitmeier dasteht, indem es sich den gruppeninteressen anpaßt oder absichtlich seine schulleistungen dort hält, wo die eltern nicht meckern + die gleichaltrigen auch nicht.

was will ich mit dem erguß?
verständnis dafür wecken, daß es gerade bei der kombi wichtig ist, die leistungsseite nicht überzubetonen, damit der selbstwert nicht so an leistung gekoppelt wird ... weil gleichbleibende leistung für einen ads-ler nicht machbar ist (man soll nie nie sagen, aber ich trau mich, es genau so zu formulieren).
auch nicht mit therapie, auch nicht mit medikamenten.

aber auch verständnis dafür wecken, daß scheinbare interesselosigkeit nichts mit echtem desinteresse zu tun haben muß - das kann auch gut resignation oder soziale anpassung sein.

verständnis auch dafür, daß es auch für ein ansonsten "gut funktionierendes" kind eine große herausforderung sein kann, an seine turnschuhe zu denken (selbst wenn es vielleicht zeitgleich über das redet, was es beim sport vor hat  :6094: )

ein kind mit einer solchen kombi ist prädestiniert dafür, über- oder unterfordert zu werden - bzw. sich selber zu über- oder unterfordern.
auch parallel.
weil es immer wieder falsch eingeschätzt wird + sich auch selber falsch einschätzt oder sich gar nicht einschätzen kann.

zu deiner eingangsfrage:

du hast es mit zecken + flöhen gut auf den punkt gebracht:
beide erzeugen juckreiz, aber es sind unterschiedliche viecher.
zecken mit oder ohne flöhe werden entfernt.
flöhe mit oder ohne zecken werden vergiftet.
egal, ob ich sie einzeln oder gleichzeitig habe.

ads mit den einschlägigen symptomen liegt bei einem hb-kind genauso vor wie bei einem kind ohne hb.
auch wenn sich die symptome teilweise überschneiden (z.b. autoritätsprobleme, zerstreutheit), haben sie unterschiedliche ursachen.
auch wenn ein hb-kind vielleicht ohne hilfe besser kompensieren kann als ein anderes, sind seine probleme da + es kann von erprobten strategien profitieren, statt für jedes seiner probleme das rad selber neu zu erfinden (was im übrigen eine menge leistungsfähigkeit bindet).
von daher denke ich, daß eine spezielle ads / hb - "behandlung" nicht zwingend notwendig ist (wenn es sie denn überhaupt geben sollte).

medikamente zum therapieerfolg ja oder nein - da würde ich erst einmal abwarten.
ich denke, die frage wird sich mit dem arzt und / oder therapeuten gemeinsam klären lassen.
Zuletzt geändert von graffiti am 21. Mai 2012 14:38, insgesamt 1-mal geändert.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von ZeckenundFloehe » 21. Mai 2012 11:49

Ja , genau so sehe ich das auch! - Danke!
:smt023:

Aber da es nach Aussen hin eher nicht sooo gravierende Probleme gibt, kann ein Therapeut, der nur Ahnung von ADS aber nicht von HB hat, alles als Luxusprobleme abtun. Es sind aber aus meiner Sicht eher keine Luxusprobleme ....

Wir werden sehen was rauskommt und ich werde berichten.
nixe
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von nixe » 21. Mai 2012 13:34

Na, soooooooo schwer zu verstehen sind die mit HB verbundenen Probleme nun auch wieder nicht. Therapeuten haben auch eine Ausbildung und ihre Erfahrung...... Entscheidend ist der Leidensdruck, egal, welches "Etikett" das Problem trägt. So spezifisch sind die allermeisten Probleme nicht, Lösungen sind oft viel simpler, als man vorher denkt.

Ist doch eine gute Perspektive, oder ? : )
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von ZeckenundFloehe » 21. Mai 2012 15:10

Das ist eine Perspektive mit der ich sehr gut leben könnte.
Ich hoffe vor allem auf eine simple (wobei Medis nicht dazu zäheln würde), wirkungsvolle Lösung, egal wie das Etikett dazu heißt!
Ich bin aber optimistisch - so zum Schuljahresende sollte man auch mal gelassen sein und an Ferien denken.
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von kleiner Hypie » 21. Mai 2012 16:50

Huhu,

genau diese Kombination trifft mich leider auch.

Ich fände eines alleine schon blöde, aber die Kombination macht es für mich eher zum Fluch als zum Segen. Auf der einen Seite wissen, dass ein enormes Potential in einem steckt und auf der anderen Seite nicht dran kommen. Sich vor Augen zu führen, wo man steht und wo man vom Potential her stehen könnte. Das ist sehr zermürbend. Ich habe das Problem, dass ich nicht wirklich zufrieden mit dem bin, was ich aktuell mache, weil ich mich unterfordert fühle. Das, was ich machen mag, ist mir aktuell aufgrund des schlechten Schnitts im Abi noch verwehrt. Zumal ich auch nicht weiß, ob ich mein Ziel je erreichen werde. Ich kann aufgrund meines Konzentrationsmangels bei Themen, die mich nicht interessieren, kaum fünf Minuten bei der Sache bleiben. Genau das würde ich dann aber tun müssen.

lg, kH
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von ZeckenundFloehe » 21. Mai 2012 17:16

Huhu zurück!

Also ich bin auch ewig udn mmer unter meinen Möglichkeiten geblieben, aber in meiner Schulzeit gab es weder einen Hype um ADS noch um HB, aber gelitten habe ich trotzdem und alle hatten Mitleid mit mir, weil ich mir immer im Weg stand. Eine Lösung oder Hilfe hatte keiner nur Verständnis und manchmal Trauer über ungenutzte Chancen, die zum Greifen nahe waren. OK, irgendwann versöhnt man sich mit dem Schicksal, aber es kostet viele Tränen. Genau diesen "Leidensweg" will ich aber meinem Sohn ersparen.

Was machst Du um aus der Klemme zu kommen? Heute leben wir in einer aufgeklärten Welt ...

LG, ZeckenundFloehe
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von kleiner Hypie » 21. Mai 2012 17:19

Was machst Du um aus der Klemme zu kommen? Heute leben wir in einer aufgeklärten Welt ...
Die Antwort verstehe ich jetzt nicht.
Ohne michael ist Forum doof.
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von ZeckenundFloehe » 22. Mai 2012 09:14

Also vor bald 30 Jahren ,als für mich das Problem des Sich-im-Wege-Stehens akut und schmerzlich war, war es eher sowas wie persönliches Pech, aber in keinem Fall hätte man irgendwoher Verständnis geschweige denn irgendeine Form von Unterstützung bekommen.
Ich hätte damals (betrachtet mit heutigen Augen) viel dafür gegeben, dass mir einer zur Seite steht und mir Organisation "beibringt" oder mir beibringt mich auf Dinge fokussieren zu können. - im weitläufigen Sinne Lerntherapie und weniger Augenverdrehen und Geschimpfe ob des permanten Chaos'.
Damit will ich nicht sagen, dass heutzutage alles nur toll ist, aber immerhin ist es ein anerkanntes "Probelm" und mit richtigen Ansprechpartner bekommt man wohl auch Hilfestellungen, die individuell mehr oder weniger nutzbar sind.

LG, ZeckenundFloehe.
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von foxie333 » 22. Mai 2012 09:45

Ich lebe mit der gleichen Kombi - jemand hat sie mal Killer-kombi genannt, meiner Meinung nach ziemlich treffend...was grafitti und kleiner Hypie schreiben, kann ich nur unterschreiben.

Die Annahme, dass alles besser ist heute, stimmt so nicht. HB und ADS waren zu meiner obligatorischen Schulzeit zwar im Gespräch, aber dass beides zusammen vorliegen könnte, auf die Idee ist bei mir lange niemand gekommen, obwohl ich als Kind HB-getestet wurde. Das Thema ist hier (Europa) noch nicht so alt.

Ich kenne wenige, die wirklich aus der Klemme kommen. Man steht, wie alle anderen ADSler nach jedem Tief wieder auf, versucht einen neuen Stück von einem begehbaren Weg zu finden. Obwohl ich sehr viele gute Kompensationsstrategien habe, passieren die Ausrutscher doch auch mir immer noch regelmässig. Erfahrungsgemäss nehmen die mit der richtigen Unterstützung vom Umfeld ab, kriegt man diese nicht oder unzureichend fliegt man immer wieder mal aufs Maul. So gehts mir auf jeden Fall, leider.  :icon_rolleyes:
:biene: 14
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Re: ADS -Therapie bei HB

Beitrag von ZeckenundFloehe » 22. Mai 2012 10:05

Das ist wieder weniger optimistich, wenn nur wenige aus der Klemme kommen. Dann wäre es schon fast egal  welches Potential existiert und warum man es nicht umsetzen kann, dann ist die Erklärung persönliches Dauer-Pech auch gut genug.
Man wird "angeborene" Probleme nie final überwinden können (höchstens durch eine OP ;-)), aber man kann Strategien erlernen (die sich vorher einer mal im stillen Kämmerlien überlegt hat) um damit umzugehen (so meine Hoffnung), und es ist immer so, dass es einem phasenweise mehr oder weniger gut gelingt. Vielleicht hat man auch nur das angenehme Gefühl mal was beeinflussen zu können.
Kein Mensch ist auf Dauer makellos und perfekt in seinem Handeln. - Wie langweilig  :icon_rolleyes:


LG, ZeckenundFloehe.
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