Erfahrungsaustausch, Kinder mit ADHS und Begabung

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carrie111
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Erfahrungsaustausch, Kinder mit ADHS und Begabung

Beitrag von carrie111 » 16. November 2011 14:24

Hallo,

ich habe bereits schon einmal in einem anderen bereich gepostet. Ich bin nun auf der Suche nach anderen Eltern, deren Kinder die Diagnose ADHS und HB bekommen haben.
Mein Sohn ist erst 3 jahre alt aber die Ärztin ist sich sicher. Sie hat auch einige Erfahrungen auf dem Gebiet.
Ich hoffe das ich hier andere Eltern treffe und man Erfahrungen austauschen kann.
Wie verlief es bei euren Kids?
Habt ihr schon in der frühen Kindheit etwas bemerkt?
Gehen eure Kids in eine "normale" Kita?

Die Stadt wo ich wohne wollen auf Grund der Diagnose meinen Sohn nun nicht in eine "normale" Kita lassen.

Würde mich freuen wenn paar Muttis und Vatis hier sind, die berichten können.



Viele grüße
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caithlin
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Re: Erfahrungsaustausch, Kinder mit ADHS und Begabung

Beitrag von caithlin » 17. November 2011 15:09

Hallo Carrie,

Wo soll dein Sohn denn hin wenn nicht in eine normale Kita?
Und ist das v.A. wegen sein ADHS oder sein HB?

Es könnte durchaus sein, daß sein Verhalten (sollte es im Kita und zu Hause sehr auffällig sein), sich um einiges bessert wenn er entsprechtend gefördert wird.
Es gibt Kinder mit HB die sich -weil unterfördert- wie ADHS Kinder verhalten, es aber nicht haben. Ich kann mir vorstellen das dies bei einem 3jährigen ziemlich schwer festzustellen ist (das HB nicht, aber das ADHS). Wie ist er getestet worden?

Unser Sohn, jetzt 10 hat sehr wahrscheinlich die Kombi ADHS und HB. Mit viel Förderung hat sein Verhalten sich etwas gebessert, mit MPH kann er sein IQ relativ gut ausschöpfen. Sein HB ist mit 5,5 festgestellt worden (ADHS da noch nicht aber vermutet). Er war im Regelkita, aber da gab es schon Probleme.Die Erzieherinnen wussten wenig von HB. Ich denke aber da er sich noch viel mehr gelangweilt hatte im integrativen Kiga.

Ich finde die Kombi ADHS und HB nicht leicht, aber wenigstens mussten wir in der GS nie um schlechte Noten bangen. Unser Sohn konnte dadurch auch viel kompensieren.

caithlin
Viola
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Re: Erfahrungsaustausch, Kinder mit ADHS und Begabung

Beitrag von Viola » 8. April 2012 21:25

Hallo Carrie,

mein Kleiner ist knapp 2 1/2 Jahre alt. Ich habe keine Diagnose für ihn, aber viele Verdachtsmomente und sein Vater hat ADHS.

Mein Sohn spricht schon seit einem Jahr in Sätzen und erzählt mir von morgens früh bis abends spät Geschichten. Erlebte und phantastische mit einem Wortschatz der einem 4-Jährigen angemessen wäre. Hat ein extrem gutes Gehör und korrigiert schon mal die Erzieherinnen, wenn sie zu tief oder zu hoch singen. Die nehmen das bislang noch eher humorvoll. Ohne viel Struktur im Tagesablauf ist der Alltag unmöglich. Er geht jetzt seit ein paar Wochen einige Stunden täglich in eine integrative Einrichtung. Die Eingewöhnung war sehr sehr langsam. Bislang benimmt er sich dort sehr ruhig und beobachtet alles ganz genau, ohne dass er mitmachen möchte. Kann aber alle Reime, Lieder etc. und erzählt mir ausgiebig von den Kindern und was er sonst so alles mitbekommen hat.
Zuhause erlebe ich ihn immer wieder an der Grenze zum Vollausrasten und Grenzen austesten, d.h. er macht genau das, wovon er sehr gut weiß, dass er es nicht soll und darf: Dinge werfen, sämtliche Elektrogeräte (Küche!) anmachen, Gläser oder Flaschen auf den Boden ausleeren, den Boden und Möbel bemalen und so weiter. Damit hat er meine Reflexe nun schon gut trainiert und ich fange schon viel ab im Ansatz und muss dann eben wieder hart die Grenzen zum x-hundertsten Mal ziehen. Verstehen kann er jedes Wort und auch den Sinn erfassen. Antwortet darauf dann eher altklug und provoziert auf Strafandrohung genau diese. Er muss es einfach immer wieder erleben, dass ich das auch durchziehe. Dann kommen die Tränen und wenn ich ihn dann lasse, kommt er von allein "ich bin jetzt wieder lieb" und kuschelt sich an mit "ich mach das nicht wieder".
Die Ausraser sind für mich immer ein guter Hinweis, dass er einfach mehr, viel mehr Input braucht - dann wird er ruhiger. Bücher, Sachbücher. Landkarten, auf denen er Orte, Wohnorte oder Wege suchen kann. Er hat eine sehr gute geografische Orientierung, sowohl live - findet fast alles nach einem Mal wieder - als auch auf der Karte. Da ist er mir jetzt schon überlegen... Und wir singen viel (wir haben sehr viele Liederbücher), machen Finger- und Bewegungsspiele. Puzzle, lieber zu schwierig als zu leicht. Memory. Domino. Oder dann draußen gärtnern. Er will alle Blumennamen wissen und merkt sie sich. Er kocht in seiner Kinderküche und deckt den kleinen Tisch für ganze Gesellschaften, die er zum Menue lädt und beschreibt jede einzelne Zutat, die er darin "verkocht" hat. Und noch viel mehr... Wenn er geistig besser ausgelastet ist, kommt er mehr in sich zur Ruhe und braucht dann noch viel kuscheln, streicheln und die Welt läuft wieder rund.
Bin gespannt wie es nun so weiter geht. Anstrengend bleibt es. Das ist sicher.

Liebe Grüße
Viola
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caithlin
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Re: Erfahrungsaustausch, Kinder mit ADHS und Begabung

Beitrag von caithlin » 10. April 2012 20:49

Hallo Viola,

Versuch auch ruhig mal die etwas schwierigere Gesellschaftspiele. Kleine Schnecke konnten unsere Kinder schon gut mit 2 spielen, wurde aber irgendwann langweilig. Uno haben meine Kinder mit 3,5 geliebt-und tun es immer noch. Kann deiner schon ein paar Zahlen erkennen? Könnte aber auch noch zu schwer sein. Sonst ist auch das 'Clownsspiel' schön (und nicht teuer). Da lernen sie ganz schnell die Zahlen auf den Würfel.

Schön sind auch Kugelbahnen zum selberbauen. Wo die kleine Händchen bestimmt etwas Unterstützung brauchen.

Gehen die Erzieherinnen dann  einigermaße gut mit seine Wissensdurst um? In unser Kiga war das etwas schwer: die schwierigere Puzzel durften z.B. nur von den Vorschulkinder gemacht werden. Bescheuert...mein Sohn hart dauraufhin das Puzzeln ganz eingestellt, auch zu Hause.

Sollte es mit den Sozialkontakte nicht so gut klappen, könnest du gucken ob es in euer Umgebung eine HB-Sebsthilfegruppe gibt. Da gibt es auch meist schöne Angebote für die Kinder und es ist schön für sie mal unter Gleichgesinnten zu sein. :smt023:

LG, caithlin
Viola
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Re: Erfahrungsaustausch, Kinder mit ADHS und Begabung

Beitrag von Viola » 10. April 2012 22:10

Hallo Caithlin,

vielen Dank für die guten Spiele-Tipps. Da werde ich doch gleich mal unser Repertoire erweitern. Die Zahlen erkennt, benennt und zählt mein Sohnemann bis 20. Würfel sind schon länger Lieblinge von ihm.

Basteln macht er mit, aber nicht mit der richtigen Begeisterung. Eher weil es halt irgend ein Erwachsener so will. Statt der Kugelbahn bauen wir seit einem halben Jahr ständig neue, große Holzeisenbahnszenarien. Doch Murmeln gefallen mir vielleicht auch ganz gut als Abwechslung... weil soviel Eisenbahn habe ich meine eigene ganze Kindheit hindurch nicht gespielt wie allein schon jetzt...

Er hat von sich aus seine Bezugserzieherin gewechselt, da die neue einfach mehr auf ihn und seinen Durst eingeht und sich auch viele von seinen tollen Geschichten anhört. Sie hatte auch heute eine gute Idee davon was wir alles Aufregendes an Ostern unternommen hatten - dabei waren das eben alles Ideen seiner Phantasiereisen.

Ich finde es etwas schwer nach HB-Gruppen zu suchen, da das so schnell den Beigeschmack von "Na wieder eine Mama, die in ihr Kind übervernarrt ist und überergeizig wird" bekommt. Erst recht in dem Alter. Und vielleicht gleicht sich das ja noch alles aus zu seinen Altersgenossen.
Aber andererseits merke ich ja, dass er etwas anders tickt als seine Kollegen im Kiga. Und noch mehr, da er noch in der unter 3 Jahre Gruppe mit den Kindern nichts anfängt und nicht zu den Großen kann. Ab welcher Alterskatagorie starten denn solche HB-Selbsthilfegruppen?

Danke und liebe Grüße
Viola
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caithlin
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Re: Erfahrungsaustausch, Kinder mit ADHS und Begabung

Beitrag von caithlin » 10. April 2012 22:52

Hallo Viola,
Diese Bedenken bzgl. eine HB-Gruppe hatte ich damals auch. Aber es ist einfach schön unter andere (teils sehr zweifelnden) HB-Eltern zu sein. Egal in welchem Alter die Kinder sind. Man kriegt gute Tipps wo sonst das HB-Wort eher auf Ablehnung trifft...im normalen Umfeld würde ich es nicht so schnell nennen (und auch keine konkrete IQ Werte). Alternativ, da wo Infos über das Kind notwendig erscheinen, lohnt es sich über eine Entwicklungsvorsprung zu sprechen. Mittlerweile hat unsere Gruppe sich aufgelöst aber ich habe auch nicht mehr groß das Bedürfnis mich auszutauschen wie damals.

Aus eigener und andere betroffene Familien-Erfahrung ist die Wissensdurst meinst am dringendsten im Vorschuljahr. Vielleicht auch weil sie da noch so klein sind, daß sie die benötigte Förderung noch nicht teils selbst organisieren können. Da sind spezielle Gruppenangebote (wenn es diese gibt in der Nähe) echt von Vorteil. So bald unser Sohn eingeschult war (und ein paar andere Kinder auch) lief es dann wieder besser: sie waren viel zufriedener.

Mit HB Kinder gilt schon, sie gut im Auge zu behalten. So bald es irgendwie nicht mehr rund läuft (unzufrieden, traurig, zurückgezogen, schlechte Noten, keine Konzentration, schlechtes Verhalten in der Schule etc) sofort checken ob es an Unterforderung liegt.

LG, caithlin
Magician
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Re: Erfahrungsaustausch, Kinder mit ADHS und Begabung

Beitrag von Magician » 23. Mai 2013 12:57

Unser Sohn (12) hat ADS (ohne H) und eine diagnostizierte sprachliche Hochbegabung. Das ist aber kein Problem für ihn und uns.
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