HB höher mit MPH?

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tinkerbell007
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HB höher mit MPH?

Beitragvon tinkerbell007 » 30. Oktober 2011 06:32

Hallo,
habe letzens gelesen (weiß nicht mehr wo), dass der IQ Test unter Einnahme von Ritalin und co. evtl. höher ausfallen kann.
Zum Detail: Meine Tochter war im Laufe ihres 10Jährigen Lebens bei verschiedenen Psychologen, wegen ihres sehr auffälligen Verhaltens. Jeder Arzt meinte, dass ein IQ-Test gemacht werden muß. OK, meine Tochter findet soetwas sowieso spannend, also macht sie mit. Sie hat ja dann die volle Aufmerksamkeit. Jedenfalls sind die Unterschiede sehr hoch. Der 1. Test mit 4= 134, der 2. Test mit 7= 115 und der 3. Test mit 9=128. Ist eigentlich sehr unterschiedlich. Es waren allerdings auch alles verschiedene Tests.
Leistungsmäßg in der Schule gab es eigentlich nie Probleme nur sozialmäßig = Horror pur.
ADHS wurde erst vor einem 3/4 Jahr festgestellt - warum auch immer. Sie nimmt seit ca 6 Monaten MPH. In der Schule zeigt sie Höchstleitungen ist sozial sehr viel angenehmer geworden und ausgeglichener. Kurz ein glückliches Kind.
Würde sie jetzt schon wieder einen Test machen, ist er dann evtl. noch höher?
Versteht mich nicht falsch. Würde sie nicht testen lassen, aber rein intressehalber bin ich neugierig.
Gruß
tinkerbell007
reneh

Re: HB höher mit MPH?

Beitragvon reneh » 30. Oktober 2011 07:10

Würde sie jetzt schon wieder einen Test machen, ist er dann evtl. noch höher?

Nun...
Eventuell...
Eventuell auch nicht.
Hierzu mal ein recht einfach gehaltener Artikel aus der Sueddeutschen Zeitung.

http://www.sueddeutsche.de/wissen/inell ... s-1.952376
Zuletzt geändert von reneh am 30. Oktober 2011 07:12, insgesamt 1-mal geändert.
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melinamaus
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Re: HB höher mit MPH?

Beitragvon melinamaus » 30. Oktober 2011 08:43

Der Test fällt sicherlich höher aus, weil eben die Konzentration besser ist. Aber warum willst du nochmal testen? Sie ist über den Durchschnitt, das reicht doch. Mit ihrem IQ kann sie aufs Gym und studieren, wenn sie lernt, mit ihrer ADHS klar zu kommen. Das geht nicht nur mit der Gabe von MPH, sondern es müssen auch begleitende Therapien gemacht werden. Der Hype, ob das Kind nun Hochbegabt ist oder "nur" 129 IQ-Punkte hat, ist eh völlig daneben und Vorteile hat deine Tochter nicht, wenn die HB bestätigt wird. Meine Tochter hat wegen der HB einen Spießrutenlauf hinter sich und ich bin froh, dass sie auf einer ganz normalen Realschule ist, mit ganz normalen Kindern und keine HB-Förderung mehr erhält. Was ich in dieser Zeit erlebt habe.... ohne Worte. Darum - egal welcher IQ, egal ob HB - förder dein Kind und gib ihr Hilfen mit ihrer ADHS klar zu kommen, das ist unbezahlbar.  :wu:
Auf meinem Grabstein soll stehen: "Schau nicht so doof, ich läg jetzt auch lieber am Strand."

Wenn Gott gewollt hätte, dass ich arschkrieche, wäre ich ein Zäpfchen geworden.
tinkerbell007
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Re: HB höher mit MPH?

Beitragvon tinkerbell007 » 30. Oktober 2011 09:00

Hallo,
vielen Dank für die Antwort.
Ich  glaube, ich wurde falsch verstanden. Ich möchte sie nicht zusätzlich testen lassen. Mir ist eben nur aufgefallen, dass sich Ihre Leistungen seit der Medikamenteneinnahme so extrem verbessert haben.
Sie hat im Sommer die Grundschule verlassen und ist auf einer Gesamtschule. Ihre Noten haben sich alle um mindestens 1 Note verbessert. In Englisch sogar von 3 zu 1. Sie lernt auch Japanisch und steht da auch auf 1. Allerdings habe ich sie noch nie lernen sehen. Sie kommt nach 8 Stunden Schul nach Hause ißt etwas und macht Hausaufgaben. Sie ist total ausgeglichen und glücklich. Weiß natürlich nicht, ob das an den Medis liegt oder einfach daran, dass sie endlich gefordert wird.
Mache mir eben nur so meine Gedanken.
Gruß
tinkerbell007
matz
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Re: HB höher mit MPH?

Beitragvon matz » 30. Oktober 2011 09:43

Hi tinkerbell007

(wie kommst Du eigentlich zu diesem Nick? stehst Du zufälligerweise auf Paris Hilton und James Bond?  :8:)

Zu Deiner Tochter: Wenn ein schlaues Hirn angemessen gefordert wird, belohnt es sich selber mit den Erfolgserlebnissen, was wiederum motiviert und auch durch die Zufriedenheit dem Verhalten zuträglich ist. Aber bei ADHS führt der Mangel an Dopamin dazu, dass Erfolge nicht als solche empfunden werden können und aufgeschobene Belohnungen (wie z.B. ein gutes Schulzeugnis Ende Schuljahr oder die Aussicht auf einen gutbezahlten Job) schlicht nicht greifen. Hohe Intelligenz zusammen mit ADHS ermöglichen oft, dass die Probleme bis zu einem gewissen Grad kompensiert werden können. Ohne medikamentöse Hilfe kommt irgendwann halt doch der Punkt, wo das nicht mehr klappt und dann heisst es Depression, Burnout, Angststörungen Zwänge und/oder vielleicht sogar Persönlichkeitsstörungen in allen möglichen Kombinationen. Meist stehen dann diese Diagnose im Vordergrund und maskieren die ADHS, was nicht selten zu einer lebenslange "Patientenkarriere" führt.

Aus diesem Grund ist es so wichtig, betroffenen Kindern schon früh zu ermöglichen, im schulischen und sozialen Umfeld, sich alters- und intelligenzgemäss angemessen zu entwickeln und so für Erfolgserlebnisse und positive Erfahrungen zu sorgen!

Heute weiss man, dass es ADHS "pur", also ohne Komorbiditäten, als Diagnose im Erwachsenenalter quasi nicht gibt, denn unbehandelt führt ADHS in der heutigen reizüberfluteten Welt zwangsläufig früher oder später zu Folgeproblemen.

Mist, jetzt hab ich einen ganzen Absatz versehentlich gelöscht!!!  :eusa_doh:

ok, nochmals als Kurzfassung aus der Erinnerung: Die zu kurze Aufmerksamheitsspanne, mangelhafte Impulskontrolle und Hibbeligkeit behindern sie nun nicht mehr an einer intelligenzmässig angemessenen Entwicklung, zu der sie nämlich in der Lage ist. MPH versetzt Deine Tochter in die Lage, ihr Potential auch tatsächlich auszunutzen und nicht ständig anzuecken. Der Nährboden für spätere Probleme wurde entzogen.

Ich freue mich für Dein glückliches Kind!  :froi1:

Alles Gute weiterhin!
matz
Zuletzt geändert von matz am 30. Oktober 2011 09:56, insgesamt 1-mal geändert.
tinkerbell007
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Re: HB höher mit MPH?

Beitragvon tinkerbell007 » 30. Oktober 2011 10:58

Hallo Matz
nein Paris Hilton und James Bond gehören nicht gerade zu meinen Freunden. Tinkerbell hat etwas mit Peter Pan zu tun (meines Wissens). Ist doch die kleine Freundin von ihm (süß und niedlich) und 007? Na ja, weiß eigentlich nicht so genau.
Vielen Dank für Deine gute Antwort. Hat mir sehr geholfen und Du hast es auch sehr verständlich erklärt.
Gruß
tinkerbell007
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Re: HB höher mit MPH?

Beitragvon matz » 30. Oktober 2011 20:30

Hi tinkerbell007,

Peter Pan kenne ich leider nur vom Hörensagen...

Leider wird das Reizwort "Ritalin" von fachlich meistens ziemlich ahnungslosen Journalisten immer wieder gerne als Aufhänger für Missbrauchsstories herangezogen. :aufsmaul_2:

Das führt bei der Bevölkerung zu einem falschen Bild von der hoch wirksamen und äusserst verträglichen Behandlungsmöglichkeit. Oft wird deswegen leider völlig zu Unrecht Abstand von der Möglichkeit einer Behandlung mit Stimulanzien genommen. Es ist übrigens kein einziger Fall von Abhängigkeit von Stimulanzien (MPH und Amphetamin) bei ADHS dokumentiert!

Ich habe mich früher selber oft genug gefragt, ob ich nicht einen ungerechtfertigten Vorteil habe, mich dope oder so und nicht einfach zu wenig anstrenge. Schlussendlich muss man sich aber mit der Tatsache abfinden, dass dem ADHS-Gehirn nun mal ein Stoff in der richtigen Menge fehlt, um optimal zu funktionieren. Niemand würde einen Diabetiker als Insulinjunkie oder abhängig bezeichnen, dem Einbeinigen das Recht auf seine Prothese absprechen, oder einem Kurzsichtigen die Notwendigkeit einer Brille verleugnen.

Dass unsere Medis von neurologisch "Normalen" möglicherweise missbraucht werden können, rechtfertig eine verschäfte Rezeptpflicht!
Trotzdem darf dieser Umstand diese Behandlungsmöglichkeit in begründeten Fällen nicht ausschliessen! Warum um dieses Thema in den Medien immer wieder ein riesen Wirbel gemacht wird, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht ist es der urmenschliche Wunsch nach Selbstoptimierung. Da stehen leistungssteigernde Substanzen auf der Wunschliste natürlich ganz zu oberst. Aber unsere Meinung wird schlussendlich doch zu einem grossen Teil von den Massenmedien gemacht und die verbrechen leider allzu oft absolut fachfremde Journalisten (übrigens eine hochgradig ADHS-verdächtige Berufsgruppe).

Sorry, bin ein bischen abgedriftet.

lg matz
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Re: HB höher mit MPH?

Beitragvon Angie » 30. Oktober 2011 20:37

Aus persönlicher Erfahrung, der fällt höher aus; da ich mich besser konzentrieren konnte.

Ach Matz noch wegen deiner Abdriftung, ich kann auch tagelang ohne MPH auskommen, so dass ich nicht süchtelnd danach geifere.
(geifere eher nach Zigaretten  :icon_rolleyes: da gehe ich sogar notfalls schnoren)
Also frage ich mich, macht es bei ADHSler nicht abhängig, als bei "Normalos" die es missbrauchen - ok und wahrscheinlich die Dosierung noch selbst aufputschen, anstatt wie ein behandelnder ADHSler die Dosierung vom Arzt nach geht.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Re: HB höher mit MPH?

Beitragvon matz » 31. Oktober 2011 08:56

Um beim Thema zu bleiben: mit MPH ist bei ADHS sicher eine konstanterer Leistung möglich. Wahrscheinlich wird das Ergebnis eines IQ-Test reproduzierbarer. Wenn ein ADHS-ler ohne MPH einen solchen Test spannend findet und in einen Hyperfocus gerät, ist durchaus mit sehr hohen Werten zu rechnen. Aber wenn die Tagesform nicht passt, oder der Test grad gar nicht in den Kram passt, würde es mich nicht wundern, wenn ein viel zu tiefer Wert dabei rauskommt.

@Angie: bin mir nicht sicher, ob ich Dich verstanden habe....

Abhängigkeit ist dadurch charakterisiert, dass man ein unüberwindbares Verlangen nach der Substanz hat, soziale Verpflichtungen zugunsten des Konsums immer mehr vernachlässigt, Toleranz entwickelt und die Dosis steigert.

Keines dieser Kriterien trifft bei einer Behandlung mit MPH bei korrekt diagnostiziertem ADHS zu.

Bei vielen ADHSlern ist ja sogar so, dass sie ihre Medis gerne mal vergessen oder es ihnen ganz recht sind, wenn sie wieder "runter" kommen.
Dass man in Medipausen wieder wie "vorher" ist, darf man deswegen nicht mit Entzugssymptomen verwechseln.

Wenn bei einem ADHSler die Symptome der Impulsivität, Hyperaktivität und Unkonzentriertheit beim Absetzen wieder auftreten, ist das keine Abhängigkeit, da MPH ADHS nicht heilen kann, sondern nur die Symptome während der Dauer der Wirkung verhindert.

Die positiven Erfahrungen, die man unter der Wirkung von MPH macht führen natürlich dazu, dass man nicht mehr zurück in die geistige Versumpfung möchte und froh ist, um die  Möglichkeit, ein deutlich ruhigeres und entspannteres Leben führen zu können. Doch dies zu wollen ist keine Sucht, sondern legitim.

lg matz

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