Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

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philipus
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Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon philipus » 10. Juli 2011 18:06

Bei meinem Sohn (6 Jahre ) wurde ein IQ von 127 ermittelt. Ich bemerke auch das er pfiffig ist, kann mir so einen Wert aber eigentlich gar nicht vorstellen bei ihm. Der Arzt meint sogar er würde noch etwas höher liegen, nur das mein Sohn ihn nicht nutzt. Klingt für mich merkwürdig. Kann es sein das sein IQ gar nicht so hoch ist?
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Angie
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon Angie » 10. Juli 2011 18:14

Es kann eher sein, dass durch sein ADHS sein gesamtes Potential gar nicht heraus kommt.
(hat mir auch so mal ein Arzt gesagt  :icon_rolleyes: )
Ich hätte auch nie gedacht, dass mein Tim HB hat. Ok, ich fand ihn sowieso in seinen Spezialinteressen pfiffig, aber sein Notendurchschnitt lag bis zum 5. Schuljahr bei einer 4
Bis er die richtige Förderung bekam und die richtigen Menschen, die mit ihm umgehen können. Sein jetztiger Notendurchschnitt ( 6. Schuljahr) 2,4 und das nur bei 14 Stunden Schule in der Woche.
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon philipus » 10. Juli 2011 18:42

Na denn , warten wir mal ab wie die Schule so läuft. Hab jetzt schon panik, hoffe aber auf ein e verständnisvolle Lehrerin.
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EmmaGSLehrerin
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon EmmaGSLehrerin » 10. Juli 2011 18:50

Hallo philipus,

ich habe in Einzelfällen erlebt, dass IQ-Tests zu hohe Ergebnisse erzielten. Der CFT ist dafür bekannt, dass die Ergebnisse vom Versuchsleiter (auch unbewusst!) beeinflusst und verfälscht werden können.

Was Angie sagt, kann ebenso zutreffen. Übrigens können auch Hochbegabte ohne AD(H)S sogenannte Minderleister oder Underachiever sein. Vielleicht liest du dich mal ins Thema ein. Zum Einstieg: http://de.wikipedia.org/wiki/Minderleister

Tante google liefert eine Menge Lesestoff zum Thema.  :ja:

LG Emma  :winken:
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Angie
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon Angie » 10. Juli 2011 19:00

Dann schein ich so ein Minderleister zu sein. Da steht schon : Anstrengungsvermeidung.
Ich brauchte mich in der Schule nie sehr anstrengen,  kam von alleine heraus, nur für mehr hätte ich lernen müssen, da hätte ich aber meinen Kopf anstrengen müssen, wollte ich nicht.
Meine durschnittliche 3,5 mit Realabschluss hatte gereicht, obwohl laut IQ-Test ich fürs Abi geeignet wäre.
Diese Erkenntnis nützt mir heute auch nichts mehr.
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon ADHDgoesto11 » 10. Juli 2011 19:03

Ich würde es mal so ausdrücken: Es gibt viele Gründe, weshalb ein IQ-Test falsch niedrige Resultate liefern kann, aber ziemlich wenige (z.B. reinen Zufall), warum er falsch hoch ausfallen kann.

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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon philipus » 10. Juli 2011 19:11

Danke für den Link. habs durchgelesen und bin jetzt noch unsicherer. Das scheint alles möglich und ich kann so ein Vielleicht schlecht akzeptieren. (Bin halt ein Mensch der immer klare Lösungen möchte, kann nicht anders) . warte also ab(kann ich auch super), beobachte weiter und hoffe meinen Sohn irgendwann richtig zu verstehen. Ich würd ihm halt gerne helfen. Jetzt. Werd dann mal weiter recherchieren.
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon hyper . » 10. Juli 2011 19:13

auf jeden fall ist es doch schon mal nen gutes zeichen das er relativ intelligent ist
und sowas hilft im späteren leben ja häufig
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon Klärchen » 11. Juli 2011 13:29

Angie darf ich dich fragen, welche Schule dein Tim besucht? Gerne auch via PN um den Beitrag nicht zu schreddern
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Shadow
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon Shadow » 11. Juli 2011 17:28

:winken:

IQ Tests haben natürlich eine Schwankungsbreite, aber du solltest dich damit anfreunden ein schlaues Büblein zu haben.

Wenn du es genau wissen willst, dann wende dich an mensa.de, diesen Test finde ich persönlich sehr gut.
Ich weiß jetzt nicht ob die hier in Deutschland einen Vortest anbieten, denn man zu Hause machen und einsenden kann.
Den Aufnahmetest muss man aber in jedem Fall unter deren Aufsicht machen.

Es ist aber völlig egal ob dein Junge jetzt 125 oder 135 hat, schlau , bleibt schlau.

Für Eltern ist das meist etwas anstrengender , für Lehrer eine Herausforderung, aber wenn man es weiß dann kann man da rechtzeitig Vorkehrungen treffen.

Superschlau ist für Eltern nicht Supereinfach, diese Erfahrung wirst du als Betroffene sicher bald genug machen  :breitgrinse1:

L.G.

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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon hyper . » 12. Juli 2011 07:51

der iq ohne medikamente kann sogar eher noch geringer sein als wenn man es dann mal mit medikamenten testet
aber so nen höheren iq zu haben hilft in der schule ganz gut.
außer man ist natürlich unterfordert dann ist es schlecht
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon Olav van Gerven » 6. September 2011 17:07

Ein Begabungstest ist eine Momentaufnahme und wird von viele Faktoren beeinflusst. Wie fühlt sich ein Kind in dem Augenblick? Bekommt der Testpsychologen einen "Draht" zum Kind oder lehtn das Kind der Tester ab? Kennt der Tester sich mit HB-Kinder aus oder lässt er sich täuschen? Welchen Test wird verwendet (HAWIK IV ist am aktuellsten, CFT eher für Gruppenindikation geeignet, K-ABC mit Vorsicht zu genießen weil schon lange nicht mehr geeicht) und welche Fragestellung lag zu Grunde?

Der durchschnits IQ ist eigentlich auch gar nicht interessant, ganz grob gesagt, dieser setzt sich aus zwei Bereiche zusammen. Denken und Handeln. Bei Kinder liegen beide Werte durchaus weiter auseinander. Die Kinder "denken" schnell und bekommen dort Ergebnisse über 130, während sie in ihrem "handeln" langsamer sind und entsprechend niedrige scoren. Dieses Phänomen wird allgemein als Asynchronie bezeichnet. Bei der Auswertung kann dies (vor allem bei jüngere Kinder) dazu führen, dass rein "wissenschaftlich" betrachtet nicht von HB gesprochen werden kann (weil Durchschnitt < 130), man aber im Umgang sehr wohl von HB ausgehen muss, weil Kognitiv dieses NIveau erreicht wird.

Dazu kommt, dass je höher die Werte des Testes werden, desto größer wird der Fehlerquotient. Berücksichtigt man dann noch, dass es ein intelligentes Kind leichter fällt sich Dumm zu stellen als anders herum und das z.B. ADHS das Bild verzeichnet, geben Tests immer nur ein zuverlässiges Bild, wenn man nicht nur auf ein "Endzahl" oder "GEsamt IQ" schaut, sondern den ganzen Test und seine Umstände berücksichtigt.

Wenn wir von "Minderleister" reden, meinen wir, dass ein Kind nicht zeigt wozu es wirklich in der Lage ist. Für die meiste Kinder gilt aber, warum sollten sie auch? Ohne Anstrengung durch die Schule zu rollen mit einem Schnitt von 3,x ist doch einen Schnitt von 1,x mit Anstrengung vorzuziehen, oder? Wie schief die Kinder dabei liegen können sie sich, tortz intelligenz, nicht vorstellen. Wenn sie es aber feststellen, ist es in aller Regel "zu Spät".

Das Problem in der Diagnostik bei ADHS ist häufig, dass die Symptome von chronische Unterforderung fast deckungsgleich mit die von ADHS sind (Unrhuhe, ständig stören, Bewegungsdrang etc). Ich erlebe es immer mal wieder, dass Kinder auf ein Sonderpädagogische Förderbedarf getestet werden (weil sie so schlecht, so unruhig und sonst was sind) und dann plötzlich erkannt wird, dass sie HB sind. Auch habe ich in meine Projekte Kinder die in den Ruf stehen "nicht mal fünf minuten ruhig sein zu können" - im Projekt aber völlig unproblematisch sind (vielleicht auch, weil ich vieles mit ein leichtes grinsen sehe und mich nicht darüber aufrege). Außerdem finde ich "Minderleistung" nur ein Problem des Umfeldes. Solange wie ein Kind sich wirklich wohl fühlt und glücklich ist sehe ich keine Probleme. Auch wenn es mir als Vater durchaus schwer gefallen ist das bei meine eigene Kinder so zu akzeptieren.
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon ADHDgoesto11 » 6. September 2011 17:37

[quote=&quot;Olav van Gerven&quot;]Das Problem in der Diagnostik bei ADHS ist häufig, dass die Symptome von chronische Unterforderung fast deckungsgleich mit die von ADHS sind (Unrhuhe, ständig stören, Bewegungsdrang etc). [/quote]

Das sind nur einige der Symptome der hyperaktiven Variante, und wenn die Hyperaktivität das einzige Problem wäre, dann wäre ADHS kein Thema.

Jemand, der chronisch unterfordert, aber ansonsten gesund ist, sollte eine normale Impulskontrolle haben. Ein ADHSler hat die nicht.
Jemand, der chronisch unterfordert, aber ansonsten gesund ist, sollte seine Aufmerksamkeit willentlich auch mal ein paar Minuten auf ein bestimmtes Thema lenken können, für einen ADHSler ist das praktisch nicht möglich.
Jemand, der chronisch unterfordert ist, sollte ab einem Alter von 8-10 Jahren keine Wut- und Trotzanfälle mehr haben, die man eigentlich von einem Dreijährigen erwarten würde ... bei einem ADHSler sollte einen das nicht überraschen.
Jemand, der chronisch unterfordert ist, sollte sich morgens in fünf Minuten anziehen können, ohne mittendrin den Faden zu verlieren oder einen Coach zu brauchen ...

ADHS ist wesentlich mehr als "zappelig und vorlaut" - das sind nur die Symptome, die ein Außenstehender am ehesten sieht. Die sind aber nur die Spitze des Eisbergs, und die wirklichen Probleme (mit denen man als Familienmitglied umgehen muss) greifen viel tiefer.

Und natürlich kann man sowohl hochbegabt sein als auch ADHS haben.

Eine der treffendsden Beschreibungen steht in dem (leider nur auf Englisch erhältlichen) Buch "Living without brakes".

Tochter *2007 ... ADHS
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon Olav van Gerven » 6. September 2011 18:07

Man muss unterscheiden zwischen "unterfordert" und "chronisch unterfordert".

Bei gelegentliche Unterforderung stimme ich dir zu, da kann auch ein HBchen sich zusammenreißen und das darf man auch ohne wenn und aber fordern. Bei chronische Unterforderung jedoch ist es eine andere Sache. Wenn ein Kind 40 Wochen im Jahr, 5 Tage der Woche 5 Stunden am Tag weit unter seinem Niveau beschult wird (und das ist chronische Unterforderung) bleiben Probleme nicht aus. Kombiniert man das mit Aufgaben, die für dieses Kind nicht nur sinnfrei sondern absolut sinnlos sind (z.B. ein Kind was fließend liest und schreibt, im 5-stelligen bereich Rechenoperationen ausführt lernt das ABC und rechnet im 20 Bereich, weil der Rahmenplan der 1. Klasse es so will und der Lehrkraft es nicht anders kann) kann sich auf Dauer auch ohne ADHS nicht beherrschen.

Auch HBchen können durchaus Wutanfälle haben, vor Allem dann, wenn sie sich nicht verstanden und nicht akzeptiert oder auch ungerecht behandelt fühlen oder werden. (unerheblich).

Auch Anziehen ist für ein HBchen nicht einfach. Es gibt doch so vieles was man noch erledigen muss und soviele Gedanken zu verfolgen...

Und ja, ADHS geht für die Familie viel weiter als "zappelig" - aber das gillt genauso für die Eltern hochbegabter Kinder. Nur mache das mal ein Lehrkraft klar, der in seine Klasse nichts haben möchte, was seine bewährte Kreise stört. Egal ob das ADHS oder HB ist.

Olav
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon Shadow » 6. September 2011 21:30

Man sollte jetzt nicht HB gegen ADHS aufrechnen. Einerseits gibt es auch Kombinationen von beiden und andererseits kann beides ein heftiges Probleme für sich sein.
Ich bin ebenfalls überzeugt, dass man sich von den absoluten Zahlen der IQ Tests entfernen sollte. Werden Werte "um" 130 erreicht besteht Handlungsbedarf. Die scharfe Unterscheidung >< 130 ist Quatsch, wenn auch "wissenschaftlich". In der Schule hängt der Erfolg rein an den unterrichtenden Lehrkräften , ob sie bereit sind die Mehrarbeit für ein HB Kind auf sich zu nehmen, bzw ob sie damit überhaupt umgehen können. Mit zusätzlichen Angeboten kann man viel abfedern, aber alleine das reicht eben nicht aus.

OT: Olaf, übrigens solltest du aus deinem Link zur Projekthomepage den Punkt entfernen, dann klappt er auch  :ichboss:

L.G.S.
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon Olav van Gerven » 7. September 2011 11:06

Für die Teilnahme an Projekte und Workshops die wir organisieren ist eine Diagnostik keine Voraussetzung, eben weil wir die Grenzen und Fehlerquotienten nur zu gut kennen. Wenn Eltern fragen, wer testen kann, frage ich zurück mit welchem Zweck. Was denken sie, dass ein TEst im Leben ihres Kindes ändert? Die Zahl am Ende sicher nichts, das weiß ich aus eigene Erfahrung. Nur wenn wir im Rahmen einer Fachberatung ein Problem sehen und es eingrenzen müssen, empfehle ich eine konkrete Diagnostik basierend auf eine konkrete Fragestellung. Das kann sein HB, das kann aber auch AD(H)S sein oder Autismus (Asperger). Über ein Test des Tests wegen freut sich nur einer: Der Psychologen der die Rechnung schreiben darf.

Olav

(PS. Punkt entfernt..)
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon Hanghuhn » 11. September 2011 19:51

Auch die IQ-Tests, die i.A. verwendet werden, sind nicht optimal für alle Menschen gleichzeitig geeignet. Die meisten Aufgaben sind ja nicht wirklich schwer. Man geht bloß davon aus, dass ein HB die Lösung dieser Aufgaben in kürzerer Zeit als ein Nicht-HB findet.
Bei diesen Tests wird die Problematik, ob die Probanden wesentlich kompliziertere Aufgaben überhaupt lösen können, total außer Acht gelassen.
Nach meinen Erfahrungen sind die Leute, die halbschwere Aufgaben schnell lösen können, nicht deckungsgleich mit denen, die Lösungen für komplzierteste Aufgaben finden. Es gibt allerhöchstens eine große Schnittmenge.
Unter Psychologen, die sich mit dem Thema Hochbegabung / Intelligenztests beschäftigen, ist das bekannt: "Wir haben keine anderen" (Tests)
LG Hanghuhn
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon caithlin » 11. September 2011 21:40

Olav,
Du scheinst dich da gut auszukennen. Da schließe ich bei der Hauptfrage an:
Unser Sohn hat mit 5 ein sehr hoher Wert bei der K-ABC gehabt (außer das 'Märchenteil/Schulwissen', das hat der Arzt nicht gemacht).
1,5 jahr später bei Hawik IV 30 Punkte weniger, mit ein großer Unterschied zw. Denken und Handeln (seine Langsamkeit hat alles runtergezogen)  Das hat uns sehr gewundert. Heißt das der spätere Wert ist eher zu berücksichtigen? (abgesehen davon das es in der Schule sowieso nicht unbedingt auf Werte ankommt, sondern an wie man die Sachen umsetzen kann).
LG, caithlin
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Re: Kann ein IQ-Test falsch hohe Ergebnisse liefern?

Beitragvon Olav van Gerven » 12. September 2011 14:58

Moin,

Hochbegabung ist mein Beruf :)

Das K-ABC ist veraltet und gibt nur eine Indikation, kein zuverlässiges Ergebnis. Sowieso, bei jüngere Kinder sind die Ergebnisse in aller Regel sehr unzuverlässig, eben weil sie noch nicht "ausgeglichen" entwickelt sind.

Der HAWIK IV ist nicht ganz ohne Probleme, denn in den vergleich zu vorhergehende Tests (bis also HAWIK III) hat man die Berechnungsmethode des Durchschnitts verändert. Bereits in der Eichungsphase, jetzt einige Jahre her, berichtete Dr. Monika Daseking aus Bremen (wo geeicht wurde) von den Problemen bei der Ermittlung zuverlääsigen Werte. Damals wurde das sehr kontrovers diskutiert, die Fachwelt war sich nicht einig, das Team was die Eichung durchgeführt hat (ich meine bei etwa 1500 Personen) setzte sich durch. Deswegen ist der HAWIK IV m.e. in sein Gesamtergebnis weniger Aussagefähig als vorherigen Tests.
Der Diskrepanz zwischen "handeln" und "denken" (wobei diese Bereiche so in der HAWIK IV nicht mehr erfasst werden) ist durchaus üblich. Da wird auch oft ein Fehler gemacht - der Durchschnitt < 130 - also keine Förderung notwendig... Wenn aber das "denken" sich oben befindet (wie ich aus Deine Frage lese) und durch die Geschwindigkeit (aufgrund von Stärung, ADHS, Kopfschmerzen, zu kleine Schuhe oder was auch immer...) herunter gezogen wird, sollte man meiner Meinung nach trotzdem die Fördermaßnahmen ergreifen. Förderung (und Forderung) sollte ansetzen bei den Stärken des Kindes.

Ich persönlich lege wenig Wert auf Tests, es sei denn, das wir in der Beratung absolut nicht weiter kommen und einen Ansatzpunkt für einen Durchbruch brauchen. Dann kann ein Test sinnvoll sein, wenn in der Berichterstattung klar geschildert wird, warum gerade dieses Instrument benutzt wurde, was während des Testes beobachtet wurde, was die Ergebnisse sind (am Besten graphisch aufgearbeitet), welche Schlussfolgerungen man daraus zieht und was man konkret empfiehlt. Eltern eine Zahl auf den Tisch legen und sie dabei voll labern mit allerhand wissenschaftliche Zahlen und Begriffe ist nicht sinnvoll aus meiner Sicht.

Wenn du noch nähere Fragen hastm auch gerne per PN wenn es zu persönlich wird.

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