Vollständige Kompensation des Aufmerksamkeitsdefizits durch HB im Vorschulalter?

Dieses Board ist auch für Gäste sichtbar!
Antworten
Chaosschwalbe
Pagemaster
Beiträge: 32
Registriert: 2. Mai 2017 14:59

Vollständige Kompensation des Aufmerksamkeitsdefizits durch HB im Vorschulalter?

Beitrag von Chaosschwalbe » 10. Juni 2019 15:35

Hallo Leute,

glaubt ihr, es ist möglich, dass ein Kind im Vorschulalter (4-5 Jahre) mit ADS im Bereich Aufmerksamkeit absolut Null Defizite zeigt, weil es hochbegabt oder zumindest sehr schlau ist? Aufmerksamkeitsspanne, Gedächtnis, Handlungsplanung etc. völlig unauffällig trotz ADS?
Wie lange können sehr intelligente ADS-Kinder ihr ADS normalerweise oder erfahrungsgemäß kompensieren?

Viele Grüße
Benutzeravatar
Sheherazade
Foruminventar
Beiträge: 2668
Registriert: 19. Februar 2012 16:20

Re: Vollständige Kompensation des Aufmerksamkeitsdefizits durch HB im Vorschulalter?

Beitrag von Sheherazade » 10. Juni 2019 16:01

Kann ich mir schon vorstellen. Und nicht jedes Kind ist gleich.

Unser Jüngster hatte schon mit 5 Jahren die Diagnose Autismus mit komorbider ADHS - das ADHS machte sich erst im 3. Schuljahr bemerkbar. Bei ihm ist das ADHS ist super Gegenpol zum Autismus.

Sein älterer Bruder war bis zum 3. Schuljahr noch nicht mal diagnostiziert, weil ADS bei Jungs nicht so häufig vorkommt und die Symptome nur sehr schleppend zum Vorschein kamen - in der Schule, zu Hause schon eher.
Sohn *2003 - Autist mit komorbider ADHS
Sohn *2001 - ADS
2 Töchter *1998 und * 1989
Schmerz vergeht, aufgeben ist für immer.
Falschparker
Foruminventar
Beiträge: 5490
Registriert: 28. Mai 2008 13:37
Wohnort: Kleinstadt
Alter: 53

Re: Vollständige Kompensation des Aufmerksamkeitsdefizits durch HB im Vorschulalter?

Beitrag von Falschparker » 10. Juni 2019 18:01

Das liest man öfter. Vor allem wenn es Mädchen betrifft. Die sind manchmal sehr pflegeleicht und werden auffällig wenn sie im Studium sind oder eine eigene Familie haben.

Meine Kinder waren nicht so, die waren/sind im Vorschulalter schon Hypies.
Bastelfreak
Pagemaster
Beiträge: 25
Registriert: 11. April 2019 17:38

Re: Vollständige Kompensation des Aufmerksamkeitsdefizits durch HB im Vorschulalter?

Beitrag von Bastelfreak » 11. Juni 2019 07:35

Mein Sohn (8 Jahre, 2. Klasse) mit ADS ist auch so. Die KJP wollte uns erst gar nicht glauben, weil er ja deren 20-Minuten Test so gut gemeistert hat und der Fragebogen für die Klassenlehrerin auch keine Anhaltspunkte dafür liefert. Er geht halt noch gerne zur Schule, macht die Aufgaben gerne und das fällt ihm alles so leicht (außer das soziale).
Zuhause ist aber dann die Luft raus, da kommen dann die ganzen typischen ADS-Symptome zum Vorschein.
Trotzdem wollen wir es mal mit MPH versuchen, da darf er dann selbst entscheiden, ob es für ihn besser ist.
Benutzeravatar
Raupi
Foruminventar
Beiträge: 855
Registriert: 14. Juni 2018 21:59

Re: Vollständige Kompensation des Aufmerksamkeitsdefizits durch HB im Vorschulalter?

Beitrag von Raupi » 11. Juni 2019 22:30

Das ist ja interessant... die Frage, wie viel ADS man mit guter Intelligenz kompensieren kann...

Mein Sohn, 11, deutlich HB, hat im IQ Test eine langsamere Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Aufgrund von Melancholie, vieler Flüchtigkeitsfehler und Schulproblemen ließ ich ihn jetzt vom KJP des älteren Bruders auf ADS testen. Dort hieß es, der Aufmerksamkeitstest sei unauffällig und, ja, auch bei ihm zeigt der Fragebogen der Lehrerin keine diesbezüglichen Auffälligkeiten. Also "kein ADS".... Hmmm????!

Ich, w, seit Kurzem Diagnose ADS, selber bin wahrscheinlich nicht hochbegabt, wenn überhaupt nur in kleinen Nischen (Fremdsprachbegabung). Aber ich war auch so jemand mit vielen Flüchtigkeitsfehlern, verträumt, aber ansonsten unauffällig in der Schule und konnte mit der vorhandenen guten Intelligenz offenbar gut kompensieren.

Ich war nie darauf aus, abends auszugehen, das war mir offenbar auch schon zu anstrengend. Wenn, dann traf ich mich in ruhiger Runde reihum zu Hause bei ähnlich gelagerten Klassenkameraden zum Quatschen...

Es wurde erst etwas schwieriger im Verlauf des Studiums, das damals in den Geisteswissenschaften noch sehr umstrukturiert war. Ich fing an, Taijiquan zu lernen und übte jeden Tag mehrmals, über Jahre hinweg und merkte, dass es irgendwie wichtig für mein Wohlbefinden war.

Mein Studium dauerte ewig und drei Tage, ich probierte verschiedene Fächer aus und im Hauptstudium, fingen erste Erschöpfungserscheinungen an.

Mit Anfang 30 war ich nicht in der Lage, einen Vollzeitjob durchzustehen. Anfangs ging es zwar irgendwie, aber ich war mittags schon ziemlich durch und abends nicht mehr viel los mit mir.

Mit 35 fühlte ich mich unerklärlich ausgebrannt. Dann mit 40 zwei Kinder bekommen, 6 Jahre Elternzeit ging so halbwegs, aber ich war ohne Job dennoch immer am Limit und der ältere extrem anstrengend mit - wie sich später herausstellte, ADHS, Autismus und Defiziten in der visuellen Wahrnehmung. Damit kam er in die Schule, nichts lief und der Therapie und Diagnostikmarathon ließ mich ausbrennen.

Aufgrund von Berichten hier im Forum ließ ich mich testen ... und... voila... Dank Elvanse komme ich scheinbar allmählich wieder auf die Beine...
LG, Raupi

"Wait, have I been talking to myself this whole time? Well, that's embarrassing."
ULBRE
Foruminventar
Beiträge: 1006
Registriert: 8. Februar 2018 22:08

Re: Vollständige Kompensation des Aufmerksamkeitsdefizits durch HB im Vorschulalter?

Beitrag von ULBRE » 11. Juni 2019 22:37

HB wirkt ganz definitiv als Copingmechanismus, ja.
„Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was bedeutet dann ein leerer Schreibtisch ?“ Albert Einstein
Ich hab einen eher wissensorientierten Schreibstil. Als eine Stimme im Chor find ich das ganz ok. Mehr soll das auch nicht sein.
Chaosschwalbe
Pagemaster
Beiträge: 32
Registriert: 2. Mai 2017 14:59

Re: Vollständige Kompensation des Aufmerksamkeitsdefizits durch HB im Vorschulalter?

Beitrag von Chaosschwalbe » 14. Juni 2019 21:08

Danke, wie interessant...
Benutzeravatar
Raupi
Foruminventar
Beiträge: 855
Registriert: 14. Juni 2018 21:59

Re: Vollständige Kompensation des Aufmerksamkeitsdefizits durch HB im Vorschulalter?

Beitrag von Raupi » 15. Juni 2019 12:09

Chaosschwalbe hat geschrieben:
10. Juni 2019 15:35
Hallo Leute,

glaubt ihr, es ist möglich, dass ein Kind im Vorschulalter (4-5 Jahre) mit ADS im Bereich Aufmerksamkeit absolut Null Defizite zeigt, weil es hochbegabt oder zumindest sehr schlau ist? Aufmerksamkeitsspanne, Gedächtnis, Handlungsplanung etc. völlig unauffällig trotz ADS?
Wie lange können sehr intelligente ADS-Kinder ihr ADS normalerweise oder erfahrungsgemäß kompensieren?

Viele Grüße
Wie wurde denn das ADS diagnostiziert?
LG, Raupi

"Wait, have I been talking to myself this whole time? Well, that's embarrassing."
Chaosschwalbe
Pagemaster
Beiträge: 32
Registriert: 2. Mai 2017 14:59

Re: Vollständige Kompensation des Aufmerksamkeitsdefizits durch HB im Vorschulalter?

Beitrag von Chaosschwalbe » 15. Juni 2019 21:48

Gar nicht, war nur ne Vermutung vom Arzt.
Antworten

Zurück zu „Hochbegabung und ADHS*“