Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

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Wölfin
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Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Wölfin » 9. November 2014 15:48

Hallo!

Ich bin eher zufällig vorhin über die Beschreibung von Overload und Meltdown gestolptert. Eigentlich suche ich kaum noch nach Informationen sondern eher nach Lösungen. Außerdem hatte ich vor ein paar Jahren, als die Themen für mich neu waren, alles gelesen, was ich in die Finger bekommen konnte.
Nur mit diesen beiden Begriffen konnte ich wenig anfangen und habe sie mir daher wohl auch nie korrekt merken können. Wenn sowas beschrieben ist, ist es eher der laute Ausbruch, der beschrieben wird und das trifft bei mir zu 99% nicht zu.

Nun habe ich eine Beschreibung gelesen, wo es um das "in sich zurückziehen" ging und es wurde mit dem lauten Ausbruch gleichgesetzt, hat also den gleichen Namen. Mit meinem Schneckenhaus habe ich reichlich Erfahrungen, auch immer noch aktuelle.
Und es ist etwas, was ich einfach nicht begreife: Eine Party, viele nette Leute, man hat Spaß... ich auch. Von einem Moment auf den anderen will ich dort nur noch weg - es vergeht kaum ein Ereignis dieser Art, wo ich das nicht habe. Es ist egal, ob und wieviel Alkohol getrunken wird. Es muss nicht mal eine Party sein, es passiert auch in normalen Menschengruppen von 5 Leuten ohne laute Musik-Dauerbeschallung.

Was passiert? Ich fühle mich dort plötzlich fremd und als Störenfried. Als würde ich die Leute alle nicht kennen und ihnen nur eine Last sein. (Ein paar aus dem damaligen Moderatoren-Team haben das mal vor einigen Jahren live erlebt. Es tut mir heute noch total leid. :upsi:)
Ich ziehe mich dann zurück bzw. versuche es... versuche aber meistens gleichzeitig, dass niemand etwas bemerkt, denn ich wäre ja nur eine noch größere Last. Selbst wenn ich einen ruhigen Ort finde, wo ich allein sein kann, komme ich nicht zur Ruhe. Nicht mal schlafen funktioniert, außer ich bin totmüde und selbst dann erst nach Stunden. Helfen kann man mir in diesen Momenten auch nicht wirklich, jedenfalls weiß ich nicht, wie.

Als Begleiterscheinungen treten oft Autoaggression, Überempfindlichkeit und Zittern auf. In einigen Situationen merke ich aber gar nichts mehr und renne im T-Shirt in den Regen raus, obwohl es eine kalte Herbstnacht ist.

Ich brauche manchmal nicht mal Menschengruppen oder andere Auslöser, die schon fast verständlich sind. Es kann auch reichen, dass ich das Gefühl habe, etwas Falsches gesagt oder getan zu haben.
Bin ich erst mal in diesem Zustand, hilft es auch nicht, mir zu sagen, dass ich keinen Fehler gemacht hatte. Ich höre die Worte, aber sie wirken nicht. Außerdem bin ich dann ja zu Unrecht durchgedreht und spätestens das war ein Fehler. :baw:

Nun schleppe ich den AS-Verdacht schon länger mit mir rum als den ADHS-Verdacht, der mittlerweile bestätigt wurde. Eigentlich geht es mir im Moment abgesehen von Dauerstress echt gut und ich gönne mir auch mal Auszeiten. Depressiv bin ich nicht mehr, nur diese Anfälle fühlen sich so an wie eine "Teilzeit-Depression". So ähnlich ging es mir damals dauerhaft, Tag und Nacht. Heute liegen oft mehrere Wochen zwischen einzelnen Anfällen und nur selten gibt es kürzere Abstände. Einen weiteren Faktor, der diese Anfälle begünstigte und verstärkte, habe ich nachträglich entdeckt: Medikinet Adult. Seit ich wieder Ritalin nehme, haben die Anfälle in Häufigkeit und Stärke nachgelassen und ich konnte eigentlich jedes Mal einen Auslöser entdecken... dummerweise immer erst hinterher.
Was mir auch auffällt: Zu Hause habe ich das fast nie. Bin ich unterwegs, kann ich fast darauf warten, dass es mehr oder weniger heftig auftritt. Sicher, ich habe dann einen anderen Tagesablauf und bin weniger alleine. Gerade, wenn ich meinen Freund besuche, fällt es mir schwer, mich im WG-Leben zurecht zu finden. Dabei habe ich dort meistens "Narrenfreiheit": Keine Pflichten, die freie Auswahl an "kann ich dir helfen?" oder einfach auf dem Sofa sitzen und am Handy daddeln.

Ein weiteres Indiz für meine Theorie ist, dass mein Freund der erste Mensch ist, der mit meinen Anfällen umgehen kann. Er hat AS und weiß eine Menge darüber und über ADHS. Er erwähnte auch mal, dass er nicht mehr ausgetickt ist, seit wir uns kennen. Diese "Probe" hat er gleich in den ersten Tagen mehrfach bestanden. Er blieb ruhig, blieb bei mir und schaffte es irgendwie immer wieder, mich zu beruhigen. Er hat nie Fragen gestellt oder irgendwie später darüber gesprochen. Er war nie beleidigt oder verletzt, auch wenn ich manches Mal regelrecht gegen ihn gekämpft habe.

Okay, was sind das für Anfälle? Habe ich endlich die richtigen Begriffe gefunden? Schon das würde mir nämlich helfen, weil ich dann weiß, was das ist. Ohne ein Wort und eine Erklärung dafür fühle ich mich nämlich noch viel schlechter und es wird umso schlimmer.

Ich kenne die Wirkung der "Erklärbarkeit" schon von etlichen ADHS-Symptomen: Fühlte ich mich früher nach einem Wutausbruch, weil etwas nicht klappte, stundenlang schlecht, zucke ich heute mit den Schultern, entschuldige mich ggf. bei Anwesenden und mache einfach weiter. Dieses "ich bin verrückt"-Gefühl ist dann weg und man kann leichter damit leben.
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Wölfin
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Wölfin » 9. November 2014 17:28

Da ich eine sehr schöne Erklärung der Begriffe gefunden habe, möchte ich euch auch den Link geben: https://innerwelt.wordpress.com/2013/04 ... -shutdown/
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon ripley » 9. November 2014 18:11

Vorweg, Wölfin: Ich finde die Begriffe stimmig, auch wenn sie zu Zeiten, in denen ich den ganzen Kram mal studiert habe, in diesem Kontext (und in meinen Lehrbüchern) noch nicht aufgetaucht sind.

Führen wir's noch mal zurück auf die nicht-pathologischen Grundlagen?
Guck mal, für Dich rausgekramt:
http://books.google.de/books?id=W4FeTWwzcVEC&pg=PA11&lpg=PA11&dq=overload+psychologie&source=bl&ots=mrlRmkdVoa&sig=YuJ3uPGYP7k-wpMqAKWxJlSPJlg&hl=de&sa=X&ei=3JhfVIOXG8TXPYKOgOAH&ved=0CGMQ6AEwCQ

Man muss ergo nicht AD(H)Sler und auch nicht Aspie sein, um irgendwann vor einer bestimmten (über)Menge ggf- (über)komplexer Reize zu stehen wie der berühmte "Ochs vorm Berg".

Und nix anderes ist zunächst das von Dir Geschilderte: Du fühlst Dich (und BIST) zugeballert mit Reizen, die für Dich und Deine Kapazitäten (auch Deine ReizFILTERkapazitäten) zu viel und zu komplex sind.

Was das hier angeht ...
Was mir auch auffällt: Zu Hause habe ich das fast nie. Bin ich unterwegs, kann ich fast darauf warten, dass es mehr oder weniger heftig auftritt. Sicher, ich habe dann einen anderen Tagesablauf und bin weniger alleine. Gerade, wenn ich meinen Freund besuche, fällt es mir schwer, mich im WG-Leben zurecht zu finden. Dabei habe ich dort meistens "Narrenfreiheit": Keine Pflichten, die freie Auswahl an "kann ich dir helfen?" oder einfach auf dem Sofa sitzen und am Handy daddeln.

... nun, das ist recht logisch, oder?
Zum einen ist Deine eigene Butze eben auch DEIN Territorium, ergo schon deswegen "sicherer", zum anderen kennst Du darin, selbst wenn Du typisch ADHS-Schussel sein solltest, vermutlich jeden Winkel mehr oder minder auswendig, hast mit einem Griff die Kaffeevorräte, das Klopapier oder die Ersatzglühbirne gefunden. Solche Dinge erledigen wir zuhause fast auf Autopilot, mit minimlem kognitiven Aufwand, das Hirn bleibt frei für anderes.
Andere/fremde Behausungen aber? Sind nun mal eben NICHT "gefühlt DEINE", geben Dir ergo auch NICHT die Sicherheit der eigenen "Burg" (im Gegenteil: Wer "in fremdes Territorialgebiet eindringt", ist meist psychisch - auch physiologisch messbar - auf Alarm eingestellt) und Du findest DIch auch nicht so blind zurecht, musst also auch für ganz normale Dinge, und wenn's "aufs Sofa fläzen und Daddeln" ist, viel mehr Aufmerksamkeit aufwenden als zuhause.

Oder, kürzer: Völlig klar, dass Du Dich in deiner Höhle sicherer fühlst als in der Savanne: Du WEISST dass die Säbelzahntiger und auch die Deppen vom Nachbarclan da nicht an Dich rankommern können. (ja, so archaisch ist dieses Territorialdingens).

Wenn's Dir hilft: Ich kenne das Overload-Phänomen auch. Nenne es auch schon lange so, ohne dass ich dazu je allzuviel theoretischen Hintergrund angehäuft hätte.  Oh, auch ohne je diese oder jene Diagnose (außer HB) abbekommen zu haben (ist inzwischen auch eh wurscht).
Auch die resultierenden Rückzugstendenzen kenne ich und ich lebe sie auch, wenn die Situation es irgendwie zulässt. Die sind ja auch in sich überaus sinnvoll: Wenn der Kopf überreizt ist, dann macht er zu, um Schaden abzuwenden. Über meine Grenzen drüber raus gerauscht bin ich übrigens erst vor 'ner Woche oder so. War ned so doll ...

Bin ich ein, zwei Tage auf Dienstreise, dann ...
a) beschränke ich im Zweifel das abendliche "gemütliche Beisammensein" mit den Kollegen / sonstwie ach so wichtigen Leuten auf das Allernötigste (ist zwar bisl misfits, aber nicht so sehr wie ein Heulkrampf, weil's mal wieder zu viel war) und
b) weiß ich, dass ich hinterher danach erstmal fertig mit der Welt bin und auch erst mal einige Tage brauche, um zuhause wieder auf "normal" zu kommen. Bude aufräumen (Territorium markieren ;-)) hilft übrigens - mir zumindest.

Mein Tipp wäre: Unabhängig davon, ob Du das Ganze jetzt als pathologisch ansehen willst / möchtest / musst: Sei nett zu Dir! Jeder hat seine Grenzen und Du Deine. Und wenn Dir eine halbe Stunde Party ausreicht, vier Stunden aber viel zu viel sind ... warum nicht den Abend zuhause auf'm Sofa vor 'ner schrecklich banalen TV-Serie beschließen?
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Scully83
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Scully83 » 12. November 2014 08:06

Das würde mich auch interessieren.
Ich kenne das Gefühl (die Gefühle) wie du es beschreibst, seit meiner Kindheit.
Später habe ich mehr als einmal eine Party fluchtartig verlassen. Ich nenne dieses Gefühl "mich deplatziert fühlen".
Jeder sieht, was du scheinst. Nur wenige fühlen, wie du bist.
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Frangipani » 20. November 2014 10:24

huhu,

eigtl. bin ich ja für meinen sohnemann im Forum, aber den Thread fand ich jetzt gerade Interessant, da ich mich darin wieder entdecke. :-)

Mein Psychotherapeut sagt ich hätte schlicht weg eine "Soziale Phobie" und das sei falsch angelerntes Verhalten sei es durch mich selber oder durch meine Eltern ... (ich bin so seit ich denken kann).
Ich solle extra "raus" ... unter Menschen, in fremde Umgebungen... mich den Situationen stellen... das Verhalten wieder umlernen!!!

Selbst der Gedanke daran treibt mir Scheißausbrüche in die Achseln... diese pieksenden Adrenalin/ Schwitz Schübe ... leichter gesagt als getan. Klingt alles sehr ähnlich oder... woran macht man denn fest in welche Krankheitsschiene das denn wirklich läuft?

Sagt mir rechtzeitig genug Bescheid und ich bin sogar spontan....
Ist ein Wochenende bei Freunden geplant bereite ich mich mental tagelang darauf vor... ich freue mich dann zeitweise sogar auf Gesellschaft, soziale Kontakte toll ... kurz vorher am liebsten Vermeidungstaktik ... mir gehts nicht gut, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, will eigtl. nicht. meine Erziehung verbietet es mir nun kurzfristig abzusagen, also gehe ich hin... fühle mich unwohl. Ich erledige meinen "Pfichtteil" - was auch immer, es wird gegessen, Brettspiele gespielt oder gemeinsam Filme geschaut... sitze ich in einer sicheren Ecke oder muss mich nicht mehr groß bewegen ist alles gut... muss ich stehen oder mich sogar in einem Raum bewegen kommt dieses "ich will hier weg" "ich fühl mich unwohl" "ich gehöre hier nicht hin" Gefühl ...am liebsten FLUCHT... meine Erziehung verbietet es mir, ich ziehe das Ding durch, bis der "Akt" beendet ist (noch schlimmer wenn mein Sohn dabei ist, dann MUSS ich die taffe Mama sein, die alles mitmacht und lustig findet)... das Gefühl wird dadurch nicht besser, im Gegenteil ich sterbe tausend tode und wenn es endlich geschafft ist schlafe ich meist weinend ein, weil ich einfach fix und foxi bin.

Anderes Beispiel wäre Stadtbesuch mit Lebensgefährte, Kind und Freundin... Sonne scheint, viele Menschen auf dem Markt ... bloß nicht in der Mitte drüber, lieber am rand entlang... ein Eis essen? - Ja gerne ... dann kommt der Satz der im Kopf zur Zeitlupe wird mit dem dazugehörigen Zeitlupe Blick: "Da in der Mitte, neben der Säule seht Ihr, da wird ein Tisch frei, los hin!" STARRE ... "frangi?!" "komm" ... "NEIN ich will da nicht sitzen!" ... Missverständnis beim Lebensgefährten, er schimpft "Was wieder für ein Aufstand, mit Dir kann man nirgendwo hin" - Verständnis bei der Freundin "Ist ok, wir können uns auch eins auf der Faust mitnehmen!" (Sie kennt meine Problematik ganz genau... beim Fitness - wo ich auch nicht mehr hingehe - war Sie die Jenige obwohl Sie 10 Kleidergrößen weniger als ich hat, die sich vor mir aufbäumte, damit ich mich einigermaßen "geschützt" schnell umziehen kann) ... Fragezeichen auf dem Kopf meines Sohnes (oh je für ihn tut mir das jetzt Leid, mensch, was ist nur mit mir los?) ... "Können wir nicht warten bis was am rand frei wird bitte?!" ... Lebensgefährte hat sich inzwischen meinen sohn geschnappt und ist weiter gegangen, Freundin und ich dackeln hinterher ... ICH habe den tag versaut... wie so oft ...

Manchmal fahre ich zum Einkaufen los... und bleibe im auto sitzen, weil ich es nciht schaffe in den supermarkt rein zu gehen ... dann sitz ich da, weine ne Runde weils nicht klappt... entweder ich entscheide, dass es nur Brot zum Abendessen gibt oder ich schaffe es noch rechtzeitig bevor ich den Sohnemann von der Schule abholen muss, mich zu beruhigen und einzukaufen ....

Wirklich soziale Phobie, oder steckt bei mir evtl. auch mehr dahinter... gerade jetzt wo dann hofftl. bald die tests für den Sohn losgehen wg. Verdacht auf ADS ... kommen einem so manche Verhaltensmuster bei einem selber bekannt vor ... für den moment tu ich es ab als "ach egal, hauptsache du machst das jetzt für dein kind!" ... und im nächsten moment, wenn ich bei meinem Psychotherapeuten rauskomme und mich frage "was hat mir das heute gebracht? Bin ich wirklich auf dem richtigen Weg?" ... Akut natürlich immer dann, wenn ich wieder eine HAU AB Situation erlebe... Ein Kopf voller Rauch ...  :icon_rolleyes:
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Wölfin
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Wölfin » 26. November 2014 06:59

Hallo frangi! :winken:

Für sich allein betrachtet, ist das mit der sozialen Phobie gar nicht so falsch. Erst mit anderen Symptomen wird es ADHS oder AS oder noch was anderes. Leider gibt es kaum Ärzte, die sich damit auskennen. Man muss sich regelrecht auf die Jagd nach einer Diagnose begeben.

Ich habe hier schon oft gelesen, dass erst das Kind und dann (mind.) ein Elternteil eine Diagnose bekommt.

Ich habe auch mehrere Ärzte und Therapeuten hinter mir. Es hat 7 Jahre mit akuten Beschwerden gedauert, wenn ich den allerersten Versuch mitzähle, waren es sogar mehr als 10. Es gab immer neue Diagnosen, die meisten deckten nur ein oder zwei Symptome ab: Reizmagen, Überlastung, Reisekrankheit, Depression... keine Ahnung, was noch alles dazu gehörte.
Am schlimmsten fand ich eigentlich die Therapeuten. Mit denen verbringt man ja die meiste Zeit und wenn dann sogar neu dazu gekommene Diagnosen ignoriert werden, ist das schon demotivierend.

Wer hat denn die Diagnose mit der sozialen Phobie gestellt? Vielleicht der Therapeut? Ist er darauf spezialisiert? Meiner war auf Traumata spezialisiert und ständig auf der Suche nach "dem traumatischen Erlebnis" bei mir. Klar, es wird immer das erkannt, was man kennt. Oder es wird gesucht, wie bei mir.

Ich finde schade, dass dein Partner so wenig Verständnis hat. Das ist hart, ich kenne das auch. Es erhöht den "inneren Druck" und macht alles nur schlimmer. Seit der Trennung von meinem Ex vor 2,5 Jahren sind meine Probleme zwar nicht weg, aber wenn ich jederzeit die Möglichkeit habe, den Versuch abzubrechen, halte ich länger durch.
Klar ist es für den Partner nervig. Erst letzte Woche beim Einkaufen sah mein Freund plötzlich nur noch bunte Lichter und taumelte: Zu viel Leute, Lärm und blinkende Lichter. Zum Glück hatten wir die nötigsten Sachen schon gefunden und so habe ich ihn nur noch zur Kasse gezogen und dann sofort nach Hause gebracht und ihn dort erst mal in Ruhe gelassen. Ich denke, er ist für solche Situationen ein tolles Vorbild: Er versucht es erst mal, hat aber jederzeit die Möglichkeit, die Tour zu pausieren oder zu beenden. Für mich gelten die gleichen Möglichkeiten. Einer von uns schafft es immer noch, den anderen in eine ruhige Umgebung zu bringen. Meistens wählen wir aber gleich den Weg des geringeren Widerstandes. Bei einer überfüllten Eisdiele wird dort nur das Eis gekauft und danach eine ruhige Sitzgelegenheit gesucht - ist eh billiger. Da nehme ich doch lieber mehr Eis und weniger Bequemlichkeit. :breitgrinse1:

Ich denke, dein Sohn kann die Situation durchaus verstehen, wenn du es erklärst. Meine Eltern waren sehr alt, ich hätte ihre Enkelin sein können. Entsprechend fielen einige Aktivitäten einfach aus oder mussten angepasst werden. Für mich war das normal. Meine Mutter konnte nicht schnell gehen und musste oft sitzen: Also sauste ich in Sichtweite herum und sie saß auf einer Bank. Mein Vater konnte nicht langsam gehen... ein sehr komischer Anblick, wenn wir zusammen unterwegs waren: Papa vorne weg, schaut immer wieder zurück, wo wir sind, und wartet. Mama und Kind trödeln hinterher. Wenn es immer so ist, stört es gerade das Kind am allerwenigsten. Wichtig ist aber, dass das Kind weiß, dass es so ist und vielleicht auch warum - man kann die Erklärung ja auch etwas vereinfachen. Ich war von klein auf ein "Sitzplatzspürhund" für meine Mutter. Das war so selbstverständlich für mich, ich hätte ihr deswegen nie ernsthafte Vorwürfe gemacht. Klar gab es Genörgel, wenn was deswegen nicht möglich war, aber ihr fiel meistens ein Trost ein (Eis essen, Kakao trinken).

Ich denke, die Fragezeichen bei deinem Sohn sind nicht unbedingt "Was ist mit Mama los?" sondern vielleicht auch "Warum seid ihr euch nicht einig?". Meine Eltern waren sich einig... meistens. Wenn das so ist, dann stellt man es nicht in Frage... bis zu einem gewissen Alter, wo alles in Frage gestellt wird. :breitgrinse1:
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Scully83 » 28. November 2014 11:52

Hallo Wölfin und Frangipani,

ihr kennt euch ein wenig mit sozialer Phobie aus?
Eine Freundin von mir hat eine. Oder hatte eine? Bei ihr wurde vor kurzem ein Serotoninmangel festgestellt und seit ein paar Tagen bekommt sie ein Antidepressivum. Und sie sagt: Die soziale Phobie ist weg, ich fühle mich wohl unter den anderen, bin nicht mehr "komsich" und fühle mich wichtig (also gleichwertig).
Kann es den sein, dass eine soziale Phobie aus einer Depression entsteht (und/oder aus einem Serotoninmangel)? Ich kenne sie seit ca. 10 Jahren, und sie fühlte sich immer "anders", irgendwann wurde es dann von einer Therapeutin soziale Phobie genannt. Zuletzt ging es meiner Freundin dann richtig, richtig schlecht, sie hatte durch die soz. Phobie (vor allem: Sprechangst) Probleme auf der Arbeit. Kann es denn sein, dass die Lösung so einfach war und so lange übersehen wurde?
Ich freue mich, dass es ihr jetzt offensichtlich gut geht - aber ich frage mich, warum man ihr da nicht schon früher geholfen hat. Immerhin war sie bei mindestens 3 Therapeuten.

Euch alles Liebe
Scully
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Angie
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Angie » 29. November 2014 00:19

Mein Jüngster hat das..... und nebst ADHS noch deswegen Anpassungstörung verpasst bekommen.

Bei Reizüberflutung, Ärger oder sonstiges was ihn aufregt, ist er wie weggetreten.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Frangipani » 1. Dezember 2014 11:42

So nun schaff ich es endlich nochmal darauf zurück zu kommen ... auf dem Tablet zu Hause klappt das nicht wirklich ... der Antwortbutton verschwindet da immer?!  :grübel:

Ja mein Psychotherapeut... wo fang ich da an, wo höre ich da auf ... durch einen heftigen Totalausfall letztes Jahr überwies mich mein Hausarzt zu einem Psychotherapeuten, ich solle mir dringend Hilfe suchen und empfahl mir einen im Ort ansässigen Therapeuten der im Hauptfach anderer Mediziner ist ... also Vormittags Praktisch tätig, nachmittags therapeutisch ... ich weiß gar nicht auf was er sich spezialisiert hat und beim letzten Termin am Freitag kam dann auch die Botschaft, die Praxis würde wer übernehmen und die Pyschotherapie sei nun bis auf weiteres auf Eis gelegt, er warte auf die entsprechenden Zulassungen damit er weiterhin mit dern Patienten über Kasse abrechnen kann .... wir haben nun noch zwei Termine und dann bin ich quasi Therapeutenlos ...einerseits tangiert mich das gar nicht ... bis zu dem Punkt wo ich denke "Und was wenn ich wieder einen Totalaussetzer bekomme"... was wenn mich der Gedanke "DU HAST EIN KIND, DAS KANNST DU NICHT TUN" nicht mehr rettet? ... Ich habe bereits in der Klinik angerufen, in der ich mit dem Kurzen bin, die haben auch eine ADHS Sprechstunde für Erwachsene Termin ist im März (wunderte mich nicht, was mich eher wunderte, die brauchen eine Überweisung von einem niedergelassenen Psychiater?! wo nehm ich die denn her, war ewig nicht mehr bei einem, einfach hingehen und sagen wofür?) Wäre es dann nchit evtl. sinnvoll diese Diagnstik direkt bei einem niedergelassenen Neurologen/ Psychlogen zu machen?

Das mit der Sprechangst kenne ich insbesondere hier im Büro ... wenn das Telefon klingelt muss ich dreimal durchatmen eh ich dran gehen kann ... höre ich unten geht die Tür da könnte gleich einer was von mir wollen werd ich unruhig ... schlimmer sind aber Anrufe die ICH auf Chefs Anweisung tätigen muss ... ich schreib lieber emails  :icon_rolleyes:

Gestern waren wir auf dem Weihnachtsmarkt... extra gewartet bis es dunkel ist, da fühl ich mich wohler... ist aber auch einfach schöner im Dunkeln  :ja1:
Mir ist wieder aufgefallen, wie fixiert ich dann auf mich oder meine direkten Ansprechpersonen ich bin, meine Lebensgefährte (der gestern sehr einfühlsam mit mir war in der Öffentlichkeit) oder mein Sohn (für den eh alles andere aufregend war) Alles andere blende ich aus ... Ihr könntet mich jetzt totschlagen um zu erfahren, was gabs den zu sehen, was waren für Menschen unterwegs, wie sahen die Stände aus?! ... NIX - NADA - NIENTE ... Nur wir drei waren da, Gedrängel nicht wahrgenommen, hier und da eine Fressbude, ein Karusell, ein Maronenstand ... Parkhaus rein und wieder raus ...
Einen Vorfall gabs, den ich wie ich finde souverän gelöst habe... Waren an einem großen Fress-Wagen ... links gabs Pommes, rechts daneben Würstchen, rechts daneben Reibekuchen und ganzs rechts Backfisch ... da mein Lebensgefährte Backfisch wollte und Sohnemann und ich uns noch nicht schlüssig waren, stellten wir uns beim Backfisch an ... während dessen kam ich auf die Idee ich könnte Reibekuchen essen (also gleich links daneben der Abschnitt) mein Sohn wollte Fritten (gaaaaanz links der Abschnitt) ... wir kamen dran, ich frug ganz freundlich "Können wir hier zu  Backfisch auch Reibekuchen und Fritten bestellen, oder müssen wir dafür rüber?" ... ( So hier meine Erwartung Ja können Sie oder nein geht nicht FEDDISCH, mehr input brauch ich nicht!!) ... Verkäuferin sichtlich genrervt" Fritten? hmmm nein (ich drehe mich schon nickend um und will rüber gehen ...) "Doch (ich dreh mich wieder zu ihr um) ... Reibekuchen, obwohl moment, nein oder sie gehen  komplett rüber zu der Frittentheke, da könne Sie alle drei Sachen bestellen!" ... Alles klar Danke ich antworte lächelnd: "Ok ne Danke, dann nur den Backfisch bitte!" (Da war mir das ja ne oder doch schon zuviel, löste schon wieder schwitzattacken bei mir aus) ... Ich bin dann mit Sohnemann komplett woanders Essen gegangen ...

Gerade in Hinsicht auf meinen doch sehr schnell ausflippenden Lebensgefährten versuche ich immer für mich blöde Situationen nett, freundlich und nicht unangenehm auffallend zu lösen... er kann damit einfach nicht umgehen, habe schon so oft versucht mit ihm darüber zu reden, dass er es mir mit seiner Reaktion auf ein akutes Problem nicht leichter macht, sondern mich eigtl. noch weiter runter zieht. Manchmal glaube ich mein Verhalten ist durch ihn eigtl. nur schlimmer geworden. ... Wobei ich das schlecht einschätzen kann ... mit meinem Exmann habe ich so gut wie nie das Haus verlassen. Ich bin arbeiten gegangen und einkaufen, sonst waren wir nur zu Hause, wir haben in unseren 11 gemeinsamen Jahren 2 Urlaube gemacht und waren vllt. auf 10 Veranstaltungen (da zähle ich sowas wie Kommunion oder Geburtstage zu) ... schlimmste Phase war unsere Arbeitslosigkeit von 2003 bis 2004 (ja fast gleichzeitig) da haben wir die Nächte am Computer gezockt und tagsüber geschlafen.

Ich verlasse also erst seit dem ich meinen Exmann verlassen habe regelmäßig das Haus für Freunde, Party, Spaziergänge etc die vier Wände, seit dem kenne ich auch erst das Gefühl "Mir fällt die Decke auf den Kopf" ... vll. kommt das auch durch das jahre lange Stubenhocken... keine ahnung

hmmmm  :Frag:
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Wölfin » 2. Dezember 2014 07:23

Hmm, wie sieht es aus, wenn dein Lebensgefährte nicht dabei ist? Kann es sein, dass du dann entspannter reagierst?

Bei meinem Ex war es nämlich genau so: Irgendwas klappt nicht? Waaaah, Panik, Weltuntergang! Ich wusste genau, dass ich die Dumme sein würde. Ich war an allem schuld und absolut unfähig.
Jede Autopanne (von denen wir unzählige hatten) war eine Katastrophe und ich war schuld. (Na sicher, wer hat denn immer geflickt? Ich habe nur Werkzeug angereicht.) Wenn was nicht nach seinem Kopf lief, war ich schuld. Und ich musste erraten, was in seinem Kopf vorgeht. Das führte dazu, dass ich zum Schluss einfach nichts gemacht habe - das war zwar auch falsch aber mit dem wenigsten Aufwand verbunden.

Als ich dann alleine wohnte, stellte ich fest, dass viele Untergangsszenarien gar nicht schlimm waren - außer mir bemerkte das gar keiner. Ich wurde nach und nach lockerer.

Mit meinem jetzigen Freund ist es noch mal entspannter. Klappt nicht? Versuch noch mal, du kannst das. Nein? Lass mich mal gucken. Hm, geht nicht. Dann machen wir es anders oder später.

Ich will nun nicht sagen, dass dein Lebensgefährte das Problem ist... aber er verschlimmert es scheinbar. Irgendwie saß mein Ex wie das kleine Teufelchen immer auf meiner Schulter und hat auf mich eingeredet, auch wenn er nicht da war. Das hat lange nachgewirkt.
Diese Menschen merken das aber nicht und ansprechen bringt dadurch auch nichts. Entweder man lernt, damit umzugehen oder irgendwann knallt es richtig.
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Frangipani » 2. Dezember 2014 10:13

Hallo,

ja viele dinge klappen besser wenn ich alleine bin ... viele Dinge mache ich schlicht weg alleine, weil ich mich dann sicherer fühle ... wie Du schon sagst, wenn er dabei ist, bin ich alles Schuld, ob ich es nun so empfinde oder es mir tatsächlich an den Kopf geworfen wird.

Wenn ich alleine bin, entweder es läuft oder es läuft nicht, dann weiß ich aber zu 100% - kann nur ich verbockt haben... meist ist dem nich so, weil ich zudem auch noch perfektionistisch veranlagt bin ... ich mache es solange, bis es klappt, funktioniert, gut aussieht oder schmeckt, was auch immer ich versuche ...

Ist hier im Büro aber nicht anders ... sogar unter Druck arbeite ich besser, solang mein chef (und Vater) nicht da ist klappt alles sehr gut und ich mache kaum Fehler... muss ich was für ihn erledigen, einen meiner Arbeitsschritte unterbrechen läufts nicht, ich bin vergesslich mache flüchtigkeitsfehler, muss mir für alles Notizen machen.

Meine Lebenssituation macht es generell nicht einfacher... ich bin die Tochter vom chef ... alle denken ich würde bevorzugt, dem ist aber nicht so, gerade damit dieser Eindruck nicht entsteht habe ich keinerlei Vorzüge. Ich versuche es immer allen Gerecht zu machen, den Mitarbeitern eine nette Kollegin zu sein und Vermittlerin sowie für den Chef die loyale, verständnisvolle Sekretärin... er versteht meist nicht, dass ich mich natürlich eher auf einer Stufe mit den anderen Angestellten... so jetzt kommt der Klumpen... ich nehm alles mit nach Haus, Chef lässt sich bei mir über die Belegschaft aus ... ich gehe nach Hause zu meinem Lebensgefährten ( der auch noch mein Arbeitskollege ist) der lässt sich über den Chef - also meinen Vater aus ... egal wem ich es versuche recht zu machen, es wird mir nie gelingen, ich hänge IMMER zwischen den Stühlen.
Oben drauf kommen dann die Schwierigkeiten mit meinem Sohnemann dazu... ich lese über ADS versuche mich hinein zu fühlen, wenn es so ist, was geht in ihm vor ... ok gibt Dinge, die kannst Du im rahmen Deiner Erziehung nicht so fort führen, die könnten ihn unnötig verletzt haben... verinnerlicht, dass er neben noch mehr klaren Strukturen, Richtlinien und Regeln eben auch GAAAAANZ viel Zuspruch und Anerkennung braucht ... auch hier hänge ich wieder zwischen den Stühlen. Mein Lebensgefährte wirft mir ganz oft bitter böse an den Kopf ich würde in sachen Erziehung nicht hinter ihm stehen und mich immer wieder auf die Seite von mein Kind stellen ... Was er wohl noch immer nicht verstanden hat, JA GENAU MEIN KIND, natürlich werde ich mich für Ihn einsetzen, wenn es gerechtfertigt ist, wenn ich schon Probleme habe gegen diese heftige Art anzukommen, wie soll mein Kind sich dan verteidigen... genauso stehe ich aber auch hinter meinen Lebensgefährten wenn ich bei einer Diskussion das recht bei ihm sehe ... ganz oft laufen wir in sachen Erziehung aber nicht konform und es ist nun mal in meinem Obliegen, wie ich mein Kind erziehe, rechtliche handhabe hat er ja nunmal gar nicht... passt ihm aber nicht ... glaube er hat mir dieses jahr bereits 6mal gedroht auszuziehen, wenn ich ihm nicht klein bei gebe und so handle wie er das gerne möchte - PT sagt durch sein Wegegehen droht mir also mit Liebesentzug,  löst Verlustängst in mir aus.... Er ist auch immer bitter böse auf mich, wenn ich nach Stellenanzeigen sehe (da ich hier und da ausschau halte, um meinen eigentlichen vorrübergehenden Job bei meinem Vater wieder gegen meinen gelernten Beruf zu wechseln) ... wenn ich dann nach einer Teilzeitstelle gucke  :grübel: ... Ich könne schließlich auch wieder Vollzeit arbeiten und mehr Geld mit nach Hause bringen, der Kurze wäre ja eh in der Nachmittagsbetreuung  :icon_eek: ... unmöglich, hab gleich klar gestellt, solange der Kleine Probleme in der Schule oder sonst wo hat und er MICH braucht werde ich lieber am Existenzminimum leben um für ihn da zu sein, als mehr zu verdienen und ihn dadurch evtl. noch mehr weggleiten zu lassen!!

Ja mein Lebensgefährte macht es mir in vielen Dingen manchmal schwerer als ich wahrhaben möchte, wenn ich das so Zusammenfassend lese  :icon_eek: ...

Aber keine Sorge, die letzte Ausseinandersetzung hat mich insofern geprägt, dass ich bereits Geld zur Seite lege und spare (dann evtl. Neue Whg etc) , dass wenn er es wieder tun wird, ich ihm  sage, dass dies seine letzte Androhung war, dann gehen der Kleine und ich, das mache ich dann nicht nochmal über Tage hinweg mit, dass er mich mit Ignoranz straft.

Freundin hat mich eigtl beim letzten großen Krach schon gebeten ich solle gehen, ohne Ihn wären der Kleine und ich besser dran  :icon_rolleyes: ... aber es ist ja nun mal so ... er hat auch seine guten Seiten  :upsi: und ich habe so Angst wieder von vorne anzufangen... als ich meinen Exmann verlassen habe, habe ich das Kinderzimmer vom Sohn mitgenommen, sonst nix, komplett von vorne angefangen. ... jetzt hätte ich schon mehr und ich wüsste genau wo ich fürs erste Hilfe bekäme... habs ja schonmal hinter mir  :icon_rolleyes: Ich bin überzeugt ich würde unseren Alltag super meistern, mal besser mal schlechter aber wir kämen klar.

Ist schon doof, man versucht an den Guten dingen festzuhalten obwhl man weiß die schlechten Dinge reißen einen immer wieder runter nd jedes Mal bleibt man ein Stückchen weiter unten hängen ... Meine Mutter hat damals schon immer zu mir gesagt "Dann ist es noch nicht schlimm genug, wenn Du noch nicht gehen kannst" ... und fakt ist, ich weiß wie einfach es war, nachdem ich den Schritt gewagt hatte, auf einmal ging alles von alleine ... ich schweife ab - mönsch noch  :aufsmaul_2:
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Wölfin
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Wölfin » 4. Dezember 2014 05:35

Uff, das liest sich aber ganz schön heftig. :icon_eek:

Und mir kommen da auch einige Sachen so bekannt vor: Diese ständigen Drohungen, zu gehen. Das niemals reichende Geld. Und er ist doch das Opfer. :kk:
Ich weiß bis heute nicht, wie wir damals schon vor der Monatsmitte so pleite sein konnten, dass wir kaum noch Geld hatten um zu tanken und zur Arbeit zu fahren. Ich verdiene heute nur etwas mehr als damals, aber sein Gehalt ist ja weggefallen, als er ging. Die laufenden Kosten sind heute ähnlich wie damals.
Die ersten Monate waren hart, weil ich meinen Umzug bezahlen musste und noch mit Altlasten und zwei (kleinen) Mieten zu kämpfen hatte. Inzwischen lebe ich alles andere als sparsam, trotzdem ist am Monatsende noch Geld da. Ich habe irgendwann mal ausgerechnet, dass ich monatlich 300.- zur freien Verfügung habe ohne sparen zu müssen. Letzten Monat dachte ich eigentlich, das Geld müsse alle sein, denn ich hatte für gut 300.- Möbel gekauft und noch 200.- oder so meinem Freund gegeben, weil er kein Geld auf dem Konto hatte und ja irgendwie nicht nur nach Hause sondern auch wieder zu mir kommen musste. Und trotzdem war noch was da. :froi1: :froi1:

Da mit meinem Freund neulich auch das Thema "Zusammenziehen" wieder intensiver verfolgt wurde, haben wir mal über eine andere Wohnung geredet und was finanziell so machbar wäre. Er hatte nämlich zielsicher eine Wohnung vorgeschlagen, die ich mir nur mit Mühe leisten könnte - wenn überhaupt. Wir haben dann festgelegt: Lieber eine günstige Wohnung, die nicht so toll ist und dafür ist noch genug Geld da um einfach mal weg fahren zu können. Wozu hat man denn sonst ein Wohnmobil? Bald sind es sogar zwei, dann kriege ich mein eigenes. :breitgrinse1:
Und ich habe ihm erklärt, dass ich die Wohnung auch allein bezahlen können will: Er bekommt nur sehr wenig Geld und hat ja auch laufende Kosten zu zahlen - da bin ich froh, wenn er das alleine begleichen kann. Und falls man sich mal nicht mehr versteht, muss nur einer umziehen und es endet nicht in zwei Katastrophen. Auch wenn er mich im ersten Moment anschaute, als wenn ich ihm die sofortige Trennung angedroht hatte... er hat dann verstanden, dass ich einfach nur keine Lust habe, unnötig Stress zu haben - irgendwann mal.

Direkt nach meiner Trennung hat mir ein Kollege ins Gewissen geredet und was er sagte ist gar nicht dumm, auch wenn ich es erst erschreckend fand: Selbst wenn man verheiratet ist, sollte man selbständig bleiben. Jeder hat sein Konto, seine Verpflichtungen. Ich habe lange (auch unbewusst) darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es wirklich besser ist, wenn einer dies und der andere das zahlt. Sonst verliert man den Überblick. Bei meinem Freund und mir sieht es also so aus, dass ich sozusagen für den Alltag zuständig sein würde und er für das gemeinsame Hobby. Er hat mehrere Autos und benötigt dafür eine Halle - die darf er dann mieten. :breitgrinse1:

Du hast mir gegenüber einen Vorteil: Für mich war "allein leben" das große Unbekannte. Ich war von meinen Eltern direkt mit meinem Lebensgefährten zusammen gezogen. Haushalt, Kochen, Rechnungen... das alles war für mich der große Horror. Bis auf das Kochen habe ich festgestellt, dass es gar nicht so schlimm ist... und die Steuererklärung, das kapiere ich auch noch nicht. Aber Kochen können andere und so lange ich nicht frei habe, kann ich ja in der Firma essen. :top:

Egal was kommt: Kopf hoch! Lass dich nicht klein machen. Vielleicht reisst dein Lebensgefährte sich ja auch zusammen, wenn seine Drohung plötzlich nicht mehr wirkt und er allein da stehen würde.
Ich wünsche dir viel Kraft (ob nun zum Durchhalten oder für einen Neuanfang). :ja1:
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Frangipani » 4. Dezember 2014 09:40

huhu  :winken:

oh das liebe Geld ... ichs habs bewusst nicht weiter angesprochen :)

Freu mich, dass Du soweit alles regeln konntest, ist immer ein gutes Gefühl zu wissen, man hat es aus eigener Kraft geschafft alles in die richtige Bahn zu lenken  :top:
Finde die Einstellung auch genau richtig, trotz zusammen Leben alles finanzielle oder zumindest das Nötigste weiter getrennt laufen zu lassen.

Ich bin inzwischen - selbsternannte - Finanzexpertin :) Mir fuscht niemand rein ... mein Lebensgefährte hat nichtmal seine Konto-Karte  :upsi: (was auch nicht ok ist ich weiß... aber ich vertraue niemandem mehr was Geld betrifft) ...

...Beim Exmann (mit dem ich übrigens auch direkt zusammen gezogen war damals als junger Hüpfer  :breitgrinse1:) wir haben alles in einen Topf geworfen ... ich werde NIE vergessen, mein erstes Azubigehalt ... bin mit Freundinnen in die Stadt gegangen um den ersten Kontoauszug zu ziehen... sie kauften sich beide damals angesagte Buffalo Schuhe... ich überwies die Miete für meinen Freund...
ich zahlte mit an seine Altlasten ...
Boah war ich stolz, als wir im Januar 2001 alles abgezahlt hatten! ...
Naiv wie ich war ließ ich mich kurze Zeit später überreden einen Kredit aufzunehmen für ein neues Auto ... ein wenig mehr noch, damit man mal Klamotten shoppen gehen kann, einen Urlaub buchen und evtl. noch Elektrokram für die Bude...  :schäm:
Im Nachhinein würde ich sagen, war das der Anfang vom Ende... ich kann mich seitdem nicht erinnern, mir je nochmal etwas geleistet zu haben in der Zeit mit meinem Ex als Paar... dann kam die Arbeitslosigkeit, absoluter Tiefpunkt, meine Eltern hatten über einen langen Zeitraum nichtmal meine Telefonnummer, weil ich den Kontakt zur Außenwelt vermied... ich verlor mich in einem Online Rollenspiel, da war ich was ich sein wollte, schlank, eine Führungspersönlichkeit und sogar Geld und ein eigenes Haus ... ich konnte das, es war mir nicht fremd, wie es richtig geht ... nur wurde ich im realen Leben ausgebremst...

Erst viel viel später, eigtl. schon in der Trennungsphase als ich anfing meine Sachen auszusortieren fielen mir ungeöffnete Briefe auf meinem Namen auf, Rechnungen, Mahnungen versteckt in der Schublade ... ebenfalls ein schlimmes Erlebnis waren die immer wiederkehrenden Schockmomente wenn der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand, weil wieder irgendwas nicht bezahlt war ... das hatte ich davon, gemeinsames Konto, das Vertrauen, dass er alle Verpflichtungen mtl. erledigt ... naja, es dauerte aber ich wurde wacher ... irgendwann stand der Strom-Mann vor der Tür "ich sperr nun ab" ... ich mit paar Wochen altem Baby auf dem Arm "geschockt, als er mir die nicht gezahlten Strom Abschläge vor die nase hält" ... damaligen Mann angerufen und angekündigt, dass ich ab sofort alle Finanzen regel ... in den keller gegangen um Wasser für die Falsche meines Kindes abzukochen ...

Glaube das war der Auslöser damals, der Punkt an dem ich wusste, ich müsse irgendwann gehen, damit es meinem Kind und mir besser geht! In erster Linie nahm ich aber erstmal in die Hand, was ich in die Hand nehmen konnte, vereinbarte mit allen Gläubigern außergerichtliche Zahlungsvereinbarungen, wow jeder ließ sich darauf ein, ich war so mega stolz... alle nacheinander, keiner meckerte, alle waren wohl froh, dass sie irgendwann an Ihr Geld kommen würden... glücklicher wurde ich irgendwie trotzdem nicht, das ungute gefühl blieb ... der reißt dich wieder runter - also entschloss ich zu gehen um glücklich zu werden.
Alles Verpflichtungen hatten wir aufgeteilt, jeder sollte seinen Teil dazu beitragen bald schuldenfrei zu sein, trotz Trennung und eingereichter Scheidung ... ich hielt mich an meinen zahlungsplan - er nicht ... es dauerte nicht lange und ich hatte in meinem kleinen glücklichen Reich wieder die GV vor der Tür stehen...

Rat bei der Verbraucherzentrale ... da kommen sie nie raus erstens es ist für Sie alleine zu viel (zuviel lief auf meinem Namen) und er wird sie immer wieder damit runter reißen, wenn nicht sogar damit an ihn binden, da sie sich verantwortlich fühlen, für einen Menschen der sie finanziell all die jahre enttäuscht und verletzt hat.. letzter Ausweg private Insolvenz.

So schwer die Vorbereitung ist, dieser Gang, diese Einschränkung, es ist nicht immer leicht, es erinnert einen ja auch ganz oft an diese Zeit aber man weiß, sowas wird nie wieder passieren...

Deswegen Existenzminimum ... es ist nicht so, dass wir in der Mitte des Monats nichts mehr haben, im Gegenteil, bei mir ist alles ganz genau durchgeplant, mit dem was wir haben kommen wir sehr gut klar, mir ist es manchmal selber schleierhaft, wie ich mit unserem Einkommen eine dreikpöfige Familie manage... deswegen, diesbezgl. mache ich mir die geringsten Sorgen, sollte es wirklich so sein, dass ich mich wirklich irgendwann wieder trennen muss um glücklich zu sein aus anderen Gründen... in Planung und Umgang mit Geld lass ich mir nichts mehr vormachen :) ... Ich denke sogar, er würde mit Mehr weniger klar kommen als ich mit Weniger  :ja1:

Da ich selber aber nicht unkompliziert bin und auch gerade mein finanzieller Kontrollzwang eine Belastungsprobe ist, werde ich nicht einfach so aufgeben, ich muss manchmal einen Schritt zurück tun, wo hingegen ich erwarte, dass er menches mal mehr Verständnis aufbringt und insbesondere seinen Standpunkt als "Schwipp-Schwieger-Papa" überdenkt ... er ist nun mal nicht der echt Papa, er darf mitreden und mit mir zusammen Entscheidungen ausdiskutieren aber es gibt Dinge in der Erziehung die stehen ihm nicht zu. Er tut ihm nichts, das würde er nie tun, er ist aber manchmal so unlogisch, unbedacht, impulsiv, manche Erziehungsmaßnahmen haben weder hand noch fuß, bringt niemandem was... und da muss er dran arbeiten, zu unser aller Verständnis und vor allem für den Kurzen ...

Zum Thema Wohnung, Deine Ansicht ist sehr Bedacht, toll ... was nützt einem ein "Schloss" wenn man dafür den Kühlschrank nicht voll hat ... nicht jeder kommt zu dieser Erkenntnis, ohne die Situation evtl. einmal durchlebt zu haben  :top: Behalt dir diese klarsicht!

Die teuerste Wohnung, die ich mit Exmann bewohnte betrug 1400,- EUR warm + Strom etc. Er sagte immer: Ich wohne lieber schön, beneidenswert und fühle mich wohl zu Hause... wenn man sich zu Hause wohlfühlt, muss man auch nichts unternehmen.
Ich fand die Einstellung früher toll  :icon_eek: :grübel: Genau super... wer will mit 19 schon in die disko, oder mal ins Kino, schei... drauf, lieber ein schönes zu Hause... es kam leider zu oft vor, dass er seinen Vater für Geld fragen musste, damit wir was zu Essen im Kühlschrank haben ... ich frag mich bis heute, was mich geritten hat, was mich nicht hat klar denken lassen

Heute leben wir bescheiden, teilweise Möbel gebraucht, hin und wieder wird auf etwas Neues gespart und immer das Bewusstsein, irgendwann ist alles erledigt, wichtig ist, wir haben ein bezahlbares Dach über dem Kopf, alle Rechungen sind bezahlt, der Kühlschrank ist immer voll und vor allem, wir sind "GESUND"
Zuletzt geändert von Frangipani am 4. Dezember 2014 09:47, insgesamt 1-mal geändert.
Frangipani
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Re: Overload, Meltdown... gibt es das auch bei ADS?

Beitragvon Frangipani » 4. Dezember 2014 09:54

Um auf den thread zurück zu kommen ... wenn ich das so lese, über meine Vergangenheit nachdenke... ja dann ist es denkbar, dass ich meine Art und Weise, meine Einstellung und mein Verhalten durchaus auf meine Erfahrung im Leben zurückführen kann... nichts desto trotz kann es nicht Schaden dran zu bleiben und evtl. möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen oder durch diese Erkenntnis evtl. doch andere Therapien zu nutzen :)
Zuletzt geändert von Frangipani am 4. Dezember 2014 09:56, insgesamt 1-mal geändert.

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