adhs aber Schule okay

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Gudl
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adhs aber Schule okay

Beitragvon Gudl » 27. Oktober 2013 22:05

Hallo heute möchte ich doch mal eine Frage an euch stellen, oder besser erst mal was erzählen.

Mein Enkel kam im September in die Förderschule, gleicher Stoff wie Regelschule, aber nur 12 Kinder in der Klasse. Er hat V.a ADHS und V.a. Autismus (Asperger), im Moment wieder mal bei KJP wegen gesicherter Diagnose, Ergebnis ist noch nicht in Sicht.

Er hat adhs, davon sind wir, Mama und Oma, überzeugt, aber in der Schule bisher kein Problem. Er macht alles was von ihm verlangt wird, macht seine Hausaufgaben.
Es muss aber von früh bis abends alles geregelt sein, nichts überraschendes oder Änderungen, damit kommt er ganz schlecht zurecht.

Kennt jemand von euch das, dass ein Kind mit dieser Diagnose in der Schule nicht auffällt?
Sozial und emotional ist er weit zurück.
Er kann mit Gesten und Gesichtsausdrücken nichts anfangen, außer er hat schon gelernt, wie Traurigkeit  das kennt er, damit kann er umgehen.
Er braucht immer alles gleich, die gleiche Müslischüssel, die gleiche Soße, die gleiche Farbe,
dasselbe Essen, er isst nur wenige Speisen und die im Wechsel.
Er will immer dieselbe Kleidung, lehnt bestimmte Sachen wie Gummistiefel, Regenjacke ab, zieht er einfach nicht an, sagt aber nicht warum, er weiß es selber nicht.

Ist etwas nicht so wie immer, dann kann er schon ausflippen, dann wird das Essen umgekippt, oder es fliegt was durch den Raum, je nachdem.
Es wird immer gesagt, schon im KiGa dass er  m i t    Kindern spielt, das stimmt nicht, er ist nur dabei, spielt aber alleine oder rennt einfach anderen hinterher. Er hält sich mehr an ältere Kinder oder an jüngere besonders aber Kinder die selber Hilfe brauchen.

Da er in der Schule nicht auffällig ist, ist er dafür zuhause auffälliger. Wenn in der Schule irgendwas war, was ja niemandem auffällt, dann bekommen wir das zuhause zu spüren, dann ist er laut, spielt den Chef, rastet schnell aus, ist noch impulsiver als sonst, also sehr anstrengend und wir müssen erst wieder rausfinden was los war. Was sehr schwer ist, weil ja niemand ihn ständig beobachtet. Er erzählt aber auch gar nichts von der Schule.

Kennt das jemand von euch, habt ihr das auch so schon erlebt?

lg von Gudl
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Re: adhs aber Schule okay

Beitragvon No User » 27. Oktober 2013 22:34

Nichts gegen eure Überzeugung als Mama und Oma, aber mir klingt das doch erheblich deutlicher nach Autismus als nach ADHS. Nee, 'ne Ferndiagnose gibt's nicht von mir, aber den Verdacht halte ich schon für berechtigt.

Etwas merkwürdig finde ich die Aussage, dass er in der Schule nicht auffällt, alles null problemo und so. Immerhin fällt auf, dass er eine Förderschule besucht.

Es fällt also auf, dass er einen sehr engen, beschützten Rahmen braucht, der sich um Welten von dem einer Regelschule unterscheidet.

Sieh es positiv! Tritt problematisches Verhalten vorwiegend zuhause auf, kannst du wenigstens Einfluss darauf nehmen.

Die Auffälligkeiten in mangelhafter Empathiefähigkeit, im Umgang mit Gesten und Gesichtsausdrücken, vielleicht auch mit Ironie und Redewendungen (?), seine unflexible Abneigung gegen Veränderungen und Spontanität, seine sozialen und emotionalen Entwicklungsrückstände usw. - all das zusammen begründet dringenden Therapiebedarf, der aber zunächst eine genaue Ursachenforschung bzw. Diagnostik voraussetzt.

Ich habe auch schon Kinder erlebt, die gewissermaßen neben den anderen Kindern her spielen. Also die waren nicht bereit oder in der Lage, sich in das Spiel der anderen Kinder richtig zu integrieren, den offiziellen und erst recht den heimlichen Spielregeln zu folgen, die sie unmöglich durchschauen können. Aber da sie so zurückhaltend und rücksichtsvoll agieren, dass sie die anderen in ihrem Spiel zumindest nicht stören, fällt das kaum auf.

Es kann gut sein, dass in deiner Schilderung auch einige sehr erfreuliche Eigenschaften deines Enkels liegen, dass er sehr hilfsbereit ist und kognitiv vielleicht näher an den älteren Kindern. Dass er gute Chancen hat, mit seinen Besonderheiten erfolgreich umgehen zu lernen. Dennoch wird er auf diesem Weg viel Unterstützung brauchen.

LG
Steffchen
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Re: adhs aber Schule okay

Beitragvon Angie » 28. Oktober 2013 01:49

Bei uns wars umgekehrt, zuhause kaum Probleme ( klar ich kannte schon seine Macken) dafür in fremder Umgebung und halt auch Schule Probleme.
Das nichts von der Schule erzählt wird ........... machen eigentlich fast alle Kinder nicht gerne. Die sind dann zuhause, wollen abschalten und nichts mehr mit Schule.
Davon ab, Aspies mögen keinen Smalltalk, meiner hat ja nicht einmal erzählt, als er geärgert ( gemobbt) wurde.
Meiner hat übrigens richtige Ausraster bekommen, als er nur "Hausaufgaben" hörte.
Zuhause ist zuhause, nichts mehr mit Schule.
So war sein Denken.

Mal ein Auszug seiner Beurteilung, damals Primar E-Schule (mittlerweile 9. Klasse E-Schule)

Im Bereich des Sozialverhaltens, insbesondere Kommunikation und Kontaktverhalten, sind erheblich über die üblichen Erscheinungsformen hinausgehende Auffälligkeiten festzustellen. Zu seinen Mitschülern nimmt T nur sehr geringen Kontakt auf, wobei sein Sprachgebrauch und seine Wortwahl für seine Mitschüler z. T. befremdlich klingen. Die Pausen verbringt er allein, beobachtet Tiere, schaukelt oder steht isoliert abseits auf sich selbst zurückgezogen.

An schulischen Angeboten zeigt T oftmals Desinteresse, wehrt sich dagegen mit Ablenkungsstrategien oder massiven Wutausbrüchen. Insbesondere die Anfertigung von Hausaufgaben lehnt er lautstark, ab und reagiert mit Weinen, Schreien und Verweigerung.
T Leistungsfähigkeit und Leistungsstand in den Fächern Deutsch und Mathematik sind im oberen Bereich anzusiedeln, Aufgaben zur Vertiefung und Übung lehnt er strikt ab.
T wirkt im Unterricht oft abwesend. Er beschäftigt sich mit verschiedenen Dingen, steht häufig auf oder krabbelt auf allen Vieren durch die Klasse und gibt Geräusche von sich. Am liebsten bellt er wie ein Hund oder wiederholt permanent Begriffe, die seine momentanen Bedürfnisse ausdrücken("essen, essen...").
Stereotypien bis hin zu zwanghaften Verhaltensmustern mit einseitig fixierten Interesse (Tiere, insbesondere Hunde) sind zu beobachten. Hinsichtlich seiner Umweltorientierung und Strukturierung zeigt T erhebliche Defizite, die im Kontext mit seiner ADHS zu hochgradigen Schwierigkeiten und Akzeptanz der Mitschüler führen.
Tiefgreifende Entwicklungsstörungen, die auf eine autischtische Störung hinweisen, sind festzustellen und bedürfen einer dringenden medizinisch-psychologischen Abklärung.

^^ Hat dann zusätzlich zum ADHS , ab 12. Lebensjahr noch die Asperger Diagnose bekommen.
Zuletzt geändert von Angie am 28. Oktober 2013 01:49, insgesamt 1-mal geändert.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.

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