Artikel "Autismus-Spektrum-Störung: eine neue Modediagnose?"

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Lumi
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Artikel "Autismus-Spektrum-Störung: eine neue Modediagnose?"

Beitrag von Lumi » 20. September 2012 16:25

http://www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/20 ... 35-183.PDF

Ein mehr oder weniger kritischer (und etwas älterer), wenngleich echt nicht besonders tiefsinniger Artikel, der auf eine langsam steigende Popularität der Diagnose Autismus bzw. des Asperger-Syndroms hinweist.

Bei der Schlussfolgerung lässt er nochmal deutlich nach. Was ganz konkret tun mit Kindern, die (scheinbar) die Kriterien des Asperger-(Autismus) erfüllen, aber anders sind als andere autistische Kinder sind? (Wie kriegt man noch mehr verschiedene Autisten unter einen Hut?) Das ist eine Frage, die auch in der internationalen autistischen Community in den letzten paar Jahren immer öfter gestellt wird, aber eine konkrete Antwort darauf gibt es nicht.

Nicht diagnostizieren und vergessen? (Kanns nicht sein.) Etwa den Eltern und Teilen des Umfeldes "die Schuld" geben und damit auch die Verantwortung nur an sie abschieben (kanns nicht sein und eine Hilfe ist das auch nicht mal im weitesten Sinne) oder die finanziellen Mittel und gebrauchten neuen Strukturen, um Kinder, Eltern und Lehrer (und in der Freizeit?) im Umgang mit den Kids, die halt eindeutig "was" haben und Hilfen brauchen, unterstützen, dafür her-zaubern?

Oder einfach soziale Rückstände und bleibende soziale Rückstände weiter als autistisch kategorisieren (ist sowieso bisher eine Diagnose, die sich auf Kriterien der Verhaltensbeobachtung stützt, also "warum nicht?"), damit die meist begehrten und damit fast etwas exklusiven Hilfen "für Autisten" einer breiteten hilfebedürftigen (die genau von diesen Hilfe profitiert) Masse zugänglich werden?

Klingt erstmal in Ordnung für mich. Andererseits führt diese Verfahrensweise schon jetzt dazu, dass selbst (Heil-)Pädagogen und Psychologen teilweise abstreiten, dass erhebliche (universell einschränkende) autistische Symptome in der Kommunikation und der Wahrnehmungsorganisation mit "hochfunktionalem" Autismus (in Kindern und Erwachsenen) zutun haben, andere sehen wiederum Autismus in Gruppen finden, in denen repetitives Verhalten und eine stark eingeschränkte oder fehlende Sprachentwicklung aus dem jeweiligen Krankheitsbild kommt.

Ich kann sagen, dass ist an dem anderen Ende auch nicht ideal ist und es dort Verbesserungsbedarf gibt, denn einerseits habe ich schon oft gehört, dass Stereotypien bei Kindern (zufälligerweise? in meiner Erfahrung fast alle nicht-weiblich) mit einem niedrigen IQ Wert und ohne Autismus doch wegen dieser speziellen Verhaltensweisen "total autistisch" wären und teilweise unter semi-laienhaftem Autismusverdacht stehen (ausgehend von (Heil-)Pädagogen und Sonderpädagogen/Lehrern) und gleichzeitig einige solcher Fachleute - und „fremde“ Erfahrene, wie Eltern oder Therapeuten noch anderer Richtungen - nichts mit Spracheinschränkungen und z.B. "überall/immer"-sensorischer Integrationsstörung bei autistischen Menschen mit einem IQ von weit bis gerade so über dem Bereich der leichten geistigen Behinderung anfangen können, weil diese Symptome bzw. damit verbundene Verhaltensweisen in anderen viel jüngeren Patienten nicht zu beobachten seien und es an Erfahrungswert fehle.

LG
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Angie
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Re: Artikel "Autismus-Spektrum-Störung: eine neue Modediagnose?"

Beitrag von Angie » 20. September 2012 16:51

In den Teil "ich weiss nich wohin einsotieren" gehört mein Jüngster.
Der Älteste hat ja die Asperger Diagnose.
Der Jüngste weist nur in abgeschwächter Form in bestimmten Teilbereichen autistische Störungen auf.
Und der Arzt kann ihn keine Diagnose geben, da im ICD und DSM IV nichts über leichter autistischer Störung findet.
Allerdings soll dann nach den neuen DSM V, alle dann unter Autismusstörungsspektrum laufen.

http://www.medizinkongress.com/paediatr ... ndfass.pdf
Sie enthält die derzeitigen Diagnosen Autismus, Asperger-Syndrom, desintegrative Störung des Kindesalters („childhood disintegrative disorder“) und andere tiefgreifende Entwicklungsstörungen („pervasive developmental disorder, not otherwise specified“).

Die Forscher gehen heute davon aus, dass es sich weniger um unterschiedliche Erkrankungen handelt als um ein Kontinuum von sehr milden bis schweren Verlaufsformen einer Entwicklungsstörung, die bereits in der frühen Kindheit beginnt.
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/4 ... ndbuch.htm
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Sheherazade
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Re: Artikel "Autismus-Spektrum-Störung: eine neue Modediagnose?"

Beitrag von Sheherazade » 20. September 2012 18:34

Verstehe ich jetzt irgendwas falsch an dem Eingangsbeitrag oder warum erinnert er mich an dieses Thema Provokante Frage??
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Angie
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Re: Artikel "Autismus-Spektrum-Störung: eine neue Modediagnose?"

Beitrag von Angie » 20. September 2012 18:50

Ich verstehe das so, dass es um Kinder geht, die autistische Störungen aufweisen, die sich aber nicht typisch in Bereichen aufteilen könnnen, wie: Asperger, HFA, Atypisch usw
und so manche Kinder dann z.B. Asperger Diagnose bekommen, obwohl sich eigentlich nicht typisch in den Bereich reinfallen.
Was unter den neunen DSM V , der im Mai 2013 dann erscheint, dann alle autistischen Störungen unter Autismusspektrumstörung fallen, es wird nicht mehr in Bereichen unterteilt.
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Re: Artikel "Autismus-Spektrum-Störung: eine neue Modediagnose?"

Beitrag von Sheherazade » 20. September 2012 19:02

[quote="Angie"]
Ich verstehe das so, dass es um Kinder geht, die autistische Störungen aufweisen, die sich aber nicht typisch in Bereichen aufteilen könnnen, wie: Asperger, HFA, Atypisch usw
und so manche Kinder dann z.B. Asperger Diagnose bekommen, obwohl sich eigentlich nicht typisch in den Bereich reinfallen.
[/quote]

Dann ist der Titel des Threads falsch gewählt. Oder du verstehst noch was anderes.  :breitgrinse1:
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Re: Artikel "Autismus-Spektrum-Störung: eine neue Modediagnose?"

Beitrag von Angie » 20. September 2012 19:07

Das kann schon sein.  :zwink:
Jetzt kann so jeder seine Auffassung bei mischen, mal sehen was raus kommt.  :6094:

Naja, ich kam darauf weil Modediagnose so schön in Fragezeichen steht.  :ichboss:
Zuletzt geändert von Angie am 20. September 2012 19:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Artikel "Autismus-Spektrum-Störung: eine neue Modediagnose?"

Beitrag von mamelli » 14. März 2014 10:35

An Modediagnose dachte ich auch im ersten Moment. Nicht das jetzt allzu viele Mütter anfangen zu diagnostizieren "Hat mein Kind es oder hat es das nicht..." Im Vorfeld einmal bin ich erst vor kurzem auf dieses Syndrom gestoßen weil ich ein kleines "Problemkind" habe bei dem mir kein Arzt helfen kann. Ich habe vier Kinder und tatsächlich mach ich mir soviel Sorgen um dieses eine Kind weil es so still ist. So lieb und immer ohne Widerworte und das mit mittlerweile 13 Jahren. Ein Junge. Mein größtes Problem dabei ist das er sich bei Stress teilweise sogar übergeben muss, dies wirkt sich natürlich auch auf die Schule aus. Ich habe den Test gemacht und konnte alles mit Ja beantworten, bis auf die Motorik. Da ist es anfangs das Gegenteil gewesen und ich nannte ihn Äffchen weil er überall raufgeklettert ist. Doch mittlerweile hat er einen merkwürdigen eher verspannten,linkischen Gang. Er konnte bereits mit 10 Monaten laufen und ganz toll sprechen. Mit 3 Jahren auf einmal kam kein Wort mehr raus und er hat sehr stark gestottert. Im Gegensatz zu anderen Kindern schaute er sich schon sehr früh am liebsten Gallileo im Fernsehen an und überraschte mich damit wie gut er sich alles merken konnte. Ich habe mich schon all die Jahre gefragt ob es eine schwache Form des Autismus gibt und habe jetzt endlich eine Antwort. Sollte ein Kind das haben ist es sehr eindeutig zu erkennen wie man an meinem Sohn sieht und ich hoffe es wird keine Modeerscheinung. Für diese Kinder ist ein geregelter Ablauf und Rituale sehr wichtig doch für alle anderen Kinder auch. Mein Sohn geht z.B. immer noch jeden Abend um 21Uhr ins Bett weil er sich sonst übergeben müsste würde ich ihn länger wachlassen. Doch all diese Regeln und Rituale sind auch für "normale" Kinder wichtig und könnten ein "nervöses" Verhalten hervorrufen würde man keinen halbwegs ruhigen Tagesablauf haben. Ich denke wenn man ein Kind mit einer solchen Auffälligkeit hat wird man es definitiv feststellen können und läßt es hoffentlich nicht zu einer Modeerscheinung werden weil anderes im Hause schief läuft.
Aschenbecher

Re: Artikel "Autismus-Spektrum-Störung: eine neue Modediagnose?"

Beitrag von Aschenbecher » 30. November 2014 07:24

Es wird immer von Modeerscheinungen gesprochen, wenn sich Erkenntnisse verbreiten...
Die Autismus-Diagnosen häufen sich eben, weil das Thema bisher wenig bis gar keine Beachtung gefunden hat. Auch bis heute ist das ja z. B. nicht Teil einer normalen therapeutischen Ausbildung...
Darum gibt es nur wenige Stellen, die diagnostizieren können...
Die Psychiatrie steckt eben in den Kinderschuhen, obwohl es doch wichtig wäre, im Rahmen einer fundierten Diagnostik, beispielsweise einer Borderline-Störung, differenzialdiagnostisch Störungen wie z. B. AD(H)S oder ASS auszuschließen... Wie soll sonst eine Diagnose valide sein...
Bei mir ist man beispielsweise nach 13 Jahren erfolgloser psychiatrischer Behandlung auf die Idee gekommen, nach AD(H)S und ASS zu suchen...
Es scheint aber tatsächlich Patienten zu geben die, warum auch immer, gerne z. B. Autist sein möchten. Habe selbst welche kennen gelernt...
Und so gibt es sicher auch Ärzte, die gerne AD(H)S aus dem Hut ziehen, um ihre Ruhe zu haben...
Testen sollte man aber bei Verdacht schon, wie ich finde... Sonst läuft man Gefahr, lange oder ewig falsch behandelt zu werden, irgendwann aufzugeben...
pha oren
Andersweltler
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Re: Artikel "Autismus-Spektrum-Störung: eine neue Modediagnose?"

Beitrag von pha oren » 30. April 2015 10:01

Ich hab leider etwas viel gesoffen, bin aber atheist mit hoher moral :baw: hspler.
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