ADS und Asperger

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lenilein
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Re: ADS und Asperger

Beitragvon lenilein » 16. Januar 2016 23:39

[quote="Alina Licht"]
@ lenilein: Ja, mir ist klar, dass mir hier keiner eine Diagnose stellen oder es zu 100% ausschließen kann. :breitgrinse1:
Und ja die meisten meiner Mitschüler sind schon so zwei Jahre älter als ich, aber das kommt auch in Situationen mit zB meinen kleinen Geschwistern vor. Oder mit Gleichaltrigen oder Jüngeren in der Schule oder im Sportverein.

[quote="Eule"]
Denn ähnlich wie bei ADHS gilt auch bei AS dass für die Diagnose mehrere Lebensbereiche schwierig/ungewöhnlich/beeinträchtigt sind von den Kernsymptomen. [/quote]

Die Kommunikationsprobleme waren nur ein Beispiel der Sachen, in denen ich mich wiedererkenne.
Auch diese Routinen sind mir sehr wichtig und ich ticke öfter mal aus, wenn ich sie nicht einhalten kann.
Zum Beispiel muss ich immer um Punkt sieben Uhr morgens aufstehen, auch wenn ich vorher schon lange wach bin, und ich stehe nur dann auf, wenn meine Eltern mir ganz genau zu dieser Zeit bescheid sagen. Und wehe, ich werde einige Minuten früher oder später "geweckt".
Danach muss alles in der gleichen Reihenfolge gehen. Wenn ich zum Beispiel Pausenbrote machen soll, bevor mich angezogen und Zähne geputzt habe, dann irritiert mich das extrem.
Das gleiche beim ins Bett gehen. Da muss mich eigentlich immer einer von den beiden ins Bett bringen und wenn das irgendwie anders gemacht wird als sonst oder mich gar nicht ins Bett bringen wollen, dann werde ich pampig.
Und noch ein paar andere Sachen...
[/quote]

Mal ein ganz anderer Denkanstoß.  Was würde dir eine weitere Diagnose bringen?
Autismus ist (noch) nicht heilbar. Klar gäbe es verhaltenstherapien, die dir helfen können mit solchen Dingen besser umzugehen. Aber ich denke auch,  dass sich diese Dinge, die EVENTUELL zu asperger passen in der adhs spezifischen vt behandelt werden können.

Was eine Erklärung dieser "Probleme" angeht hatte ich auch schon mal geschrieben,  dass man nicht jegliche Macken irgendwie erklären kann. Ich bin selber ein Mensch der irgendwie total kaputt ist. Keine Ahnung wie ich das erklären soll. Ich habe einfach ganz viele Macke aber die machen mich eben zu dem Menschen,  der ich bin und die bedürfen nicht zwangsläufig eine Erklärung.

Ich bin auch irgendwie Frohe dass ich nicht so ein 0815 Mensch bin, sondern doch irgendwie verhaltensoriginell.


Zum Thema Routinen diese sind auch bis zu einem gewissen Punkt vollkommen normal.  Ich hatte während der Schulzeit auch meine Routinen und war immer fuchsteufelswild, wenn meine Mutter früher aufgestanden ist als üblich und so diese Routine zerstört hat. Ich hatte einen ziemlich getakteten Zeitplan um pünktlich zu kommen.  Ohne diese Routine wäre ich vermutlich ständig zu spät gekommen..
Was vielleicht auch ein Punkt ist ist die Struktur.  Die ist ja für die meisten ADHSler sehr wichtig.  Vielleicht verschafft du dir durch diese Routine auch einfach eine gewisse Struktur,  die dir hilft den Alltag zu meistern.

Und was mir bei deiner abend Routine so in den Kopf schoss ist das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit deiner Eltern. Vielleicht ist dir dieses Ritual einfach wichtig,  weil du so deine Eltern für einen Moment für dich alleine hast. Du hast ja schon öfters mal geschrieben,  dass das bei eich irgendwie schwierig ist.

Also mal ein kurzes Fazit überlege dir mal, was dir eine Diagnose bringen würde und versuchse mal rationale Erklärungen zu finden.

Lg lenilein
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
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Re: ADS und Asperger

Beitragvon Eule » 17. Januar 2016 11:09

Ich kann gut verstehen dass man sich Erklärungen fürs Anderssein wünscht. Du hast mit deiner ADHS-Diagnose eine solche Erklärung bekommen - und ich glaube dass die Erleichterung durch eine solche für "Normalos" "schlimme" Diagnose genau darin besteht, endlich eine Begründung zu bekommen, weshalb manches so unglaublich anstrengend, mühsam, frustrierend, vielleicht sogar unmöglich ist. Es tut gut zu wissen dass man nicht "schuld" ist, oder zu dumm, zu faul, und böswillig, wie es den meisten undiagnostizierten ADHSlern tausendfach unterstellt und vorgeworfen wird, bis sie es schließlich selber glauben.

Für mich steckte darin natürlich auch die Hoffnung, nach dieser Erkenntnis werde nun mit passender Therapie recht zügig sehr vieles anders und besser. Nicht von jetzt auf gleich, es war mir klar dass über 40 Jahre lang eintrainierte ungünstige Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Denkweisen nicht einfach innerhalb von 3 Sekunden über Bord geschmissen werden können, auch mit maximaler Unterstützung durch Verhaltenstherapie, Medis und Ergotherapie habe ich nicht erwartet dass sich nun in wenigen Wochen alles ändern ließe. Ich wusste ja dass es viele "Baustellen" waren, und auch dass Menschen Zeit brauchen um zu lernen und zu verinnerlichen. Ich dachte dass ich so in einem halben bis Dreivierteljahr die schlimmsten "Baustellen" im Griff haben würde, und in einem bis zwei mich gut stabilisiert auf einem neuen Weg befinden könnte.

Es klappte nicht so schnell. Es dauerte sehr viel länger als ich gehofft hatte eine passende Medi-Dosis zu finden, es war sehr viel schwerer als gedacht nicht nur zu verstehen was vorher schief gelaufen war, sondern auch alternative Verhaltensweisen zu entwickeln, sie einzuüben und immer wieder zu praktizieren, die Trauer über die verpassten Chancen, die Wut über die Vorwürfe für Dinge an denen ich gar nicht schuld war zuzulassen und auch irgendwann den Punkt zu erreichen an dem es gut ist mit Trauer, Wut, Hilflosigkeit, Frust. Ich finde es 3 Jahre nach der offiziellen Diagnose immer noch schwer, bei bestimmten "Reizwörtern" nicht wieder in die Fallen von runtermachen durch andere, mangelndem Selbstwertgefühl etc zu tappen. Es ist immer noch anstrengend aufzupassen, dass ich mich an gewissen Punkten wenns klemmt nicht selber runtermache, weils grad kein anderer tut und weil ich es verinnerlicht hatte dass gewisse Verhaltensweisen Zeichen von Charakterschwäche, Disziplinlosigkeit, Dummheit sind. Es dauert, und an vielen Stellen gehen die Veränderungen so langsam vonstatten dass ich sie selber nicht wahrnehmen kann.

Als ich dann nach einer fast 2monatigen stationären Reha nochmals heftig abgeschmiert bin, wieder von vorne anfangen musste, die Rentenversicherung nicht die gewünschte Umschulung bewilligte, fing ich an nach einer Erklärung zu suchen weshalb es trotz der therapeutischen Unterstützung kein nennenswertes Weiterkommen gab.

Zumindest bei mir war das ein Grund, weshalb ich mich an sehr ähnliche Gewohnheiten, Schwierigkeiten, Unverständlichkeiten wie du gehängt habe, und schließlich eine Asperger-Diagnostik angeschoben habe.

Ergebnis war bei mir dass Asperger nicht zutrifft. Vielleicht ein paar Züge davon, aber eben nicht genug um tatsächlich die Diagnose Asperger zu bekommen.

Im Nachhinein betrachtet: ich bin zu diesem Zeitpunkt heftigst auf der Stelle getreten, und ich wollte eine Erklärung für dieses Nicht-weiterkommen, für diese "Lernunfähigkeit", "Veränderungsunfähigkeit" trotz des Verstehens, dass und wo es klemmt. Die Diagnose Asperger wäre eine solche Erklärung für das Festhalten an Routinen und Ritualen gewesen, weil sie einem Aspie Sicherheit geben, vertraut sind. Auch die schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, das Nichtverstehen anderer Menschen in bestimmten sozialen Situationen, die Schwierigkeit mit dem verbalen und nonverbalen Kommunizieren meiner eigenen Emotionen hoffte ich dadurch zu erklären.

was hätte es mir gebracht, wenn die Diagnose gestellt worden wäre? Vielleicht eine Erklärung für die Schwierigkeiten "weiterzukommen", für die Fähigkeit viele Dinge von außen "wie ein Forscher" zu beobachten, zu erkennen an welchem Punkt es klemmt, oft sogar wie ich es anders machen *könnte/müsste/sollte*, jedoch ohne die Fähigkeit die Veränderung tatsächlich umzusetzen. Kurz: Asperger wäre eine Erklärung weshalb ich bei bestimmten Themen sehr langsam oder gar nicht in der Lage bin Erkenntnisse, gelerntes umzusetzen, es wäre ein Hinweis dass ich bei diesen Dingen offenbar an den Grenzen der mir möglichen Veränderung angekommen bin "weil ein Aspie das eben nicht kann", "weil es für einen Aspie normal ist das nicht zu können".

Soll das wirklich der Zweck einer Diagnose sein, festzustellen dass man bestimmte "Lernziele" nie erreichen wird weil man irgendeine Störung hat deren zentrales Merkmal ist dass die davon Betroffenen diese Dinge eben nicht können? Ist es nicht vielleicht auch eine Möglichkeit zu sagen: "Das ist nicht meine Kernkompetenz, aber ich muss ja auch nicht in allen Dingen perfekt sein!"

Ich glaube dass Menschen mit ADHS vor ihrer Diagnose an so vielen Stellen so erschreckend deutlich vermittelt bekommen "irgendwie falsch, unzulänglich, inkompetent" zu sein, dass das Selbstwertgefühl ganz massiv beschädigt wird. und dass sie dann auch nach der Diagnose oft sehr stark danach streben, endlich so ähnlich wie "die anderen" zu sein/werden, und gerade das was vielleicht nicht nur "Symptom einer Störung", sondern ebensogut auch einfach eine "Variante der Norm" sein kann endlich loszuwerden, um nicht mehr negativ aufzufallen.

Das was Leni anspricht mit "anderssein akzeptieren", Selbstbewusstsein entwickeln und zu diesem Anderssein stehen zu können, ist hilfreich, um das Bedürfnis nach Erklärungen, an denen man nicht "selber schuld" ist zu verringern. Denn wenn Asperger sich tatsächlich als die Erklärung für gewisse Schwierigkeiten herausstellen sollte, wäre das die zwingend nötige Konsequenz: Zu akzeptieren, dass an gewissen Punkten Veränderung, Entwicklung, Anpassung extrem schwierig bis unmöglich ist, und dass man daher lernen muss, mit den daraus entstehenden Schwierigkeiten umzugehen, sich zu akzeptieren wie man ist.
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Alina Licht
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Re: ADS und Asperger

Beitragvon Alina Licht » 17. Januar 2016 13:13

Hallo zusammen!
Ich glaube, wir haben uns alle etwas missverstanden. :811:
Mein Anliegen war es gar nicht unbedingt, diese Dinge zu erklären oder eine Diagnose zu bekommen.
Ich habe nur halt von einem selbst Betroffenen diesen Hinweis bekommen und dann wollte ich natürlich wissen, was genau es damit auf sich hat, was das ist, wie es sich zeigt usw. Einige Sachen kamen mir halt von mir bekannt vor. Und dann hat mich das Interesse gepackt und ich wollte mal hören, wie das auch mit ADHS zusammenpasst, weil da ja viel Symptome ähnlich bzw teilweise auch widersprüchlich wirken.
Ich dachte, mir könnten vielleicht ein paar Betroffene hier einfach mal berichten, wie es sich auswirkt, wenn beides zusammenkommt.
Dann hätte ich immer noch gucken können, ob ich mich darin wiederfinde oder nicht. :zwink:

Und ich habe durchaus akzeptiert, dass ich "anders" bin, schon einige Zeit vor der ADHS-Diagnose. Es gab auch Zeiten, in denen das anders war, in denen ich zwanghaft (und vergebens) versuchte mich anzupassen, damit ich vielleicht mal etwas mehr gemocht werde und so weiter. Aber irgendwann habe ich eingesehen, dass das Schwachsinn ist und dass ich dann nicht mehr ich selbst wäre. :icon_rolleyes:
Und ich möchte auch gar nicht sein wie die "Normalos". Dazu verstehe ich die meisten Leute einfach viel zu wenig. Wieso sollte ich also sein wollen wie die? :breitgrinse1:

Ich habe durchaus noch Probleme, die mich sehr belasten, aber das hier gehört nicht zu den schlimmsten Sachen. Ich wollte es wirklich nur des Interesses halber kennen lernen und überlegen, wie sehr ich mich selbst darin sehe.
Ich hoffe, es ist jetzt etwas klarer geworden, was ich wollte.
Liebe Grüße, Alina
Zuletzt geändert von Alina Licht am 17. Januar 2016 13:16, insgesamt 1-mal geändert.
Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden! ;)

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Eule
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Re: ADS und Asperger

Beitragvon Eule » 17. Januar 2016 15:52

zu den diagnostischen Kriterien und auch zur Abgrenzung von ADHS gab es was weiter vorn im Thread.

Was vielleicht interessanter ist wenn du wissen willst wie es sich äußert, und ob du dich darin wiederfindest sind die gesammelten Blogs von Autisten, die es inzwischen online gibt.

Asperger-Autisten sind online recht gut vernetzt, so dass man beim Blick in einige der aktiveren Blogs meist auch Links zu anderen bloggenden Autisten findet. Hier mal welche die ich gelegentlich ansurfe und gut gemacht finde, weil sie eine Mischung aus ihrem eigenen Leben und Erleben erzählen, Dinge schildern die ihnen helfen, und auch verstörende Therapieansätze die sie als Kinder, Jugendliche und Erwachsene kennengelernt haben, teilweise muss man schon sagen erlitten haben,  nicht verschweigen. 

http://mela.geekgirls.de/
https://aspergerfrauen.wordpress.com/
http://tageshauscaos.auticare.de/
https://quergedachtes.wordpress.com/
https://dasfotobus.wordpress.com/
Caesi
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Beiträge: 12
Registriert: 6. April 2017 13:36
Wohnort: RheinMain-Gebiet

Re: ADS und Asperger

Beitragvon Caesi » 6. April 2017 13:59

Internetseiten die sich damit befassen habe ich keine, kann aber auf Wunsch erzählen was ich bei mir zuhause beobachte.

Bei meinem Sohn wurde ADS diagnostiziert und mein Lebensgefährte ist Asperger-Autist. Zwischen dne beiden gibt es einige gravierende Unterschiede. Vor allem mit der Konzentration, welche ich beobachtet habe.

Wenn das gewünscht ist kann ich einen Erfahrungsbericht schreiben, allerdings würde der Teilweise schwer zu verstehen sein, da die Weltsicht eines Autisten für Nicht-Autisten sehr unverständlich sein kann, im Sinne von ist teilweise ziemlich harter Tobak.

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