bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

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Eisblume
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bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Eisblume » 24. November 2010 09:21

Hallo,

ich habe eine Tochter die schon immer ADHS hat, sie ist jetzt 6 Jahre jung und Éingeschult worden.
Wir haben der Lehrerin von Anfang an mitgeteilt das unsere Tochter so ist und wie man sie am besten Führt. Die Zusammenarbeit mit der Lehrerin klappt ganz gut. Obwohl Sie uns nahe gelegt hat Medikamente zu geben, lehnen wir dies strickt ab.

Es ist sehr anstrengend mit Ihr aber auch sehr schön.
Was unsere Tochter am meisten braucht um in der Spur zu bleiben ist das ich sehr viel Zeit mit Ihr habe um Hausaufgaben zu machen,lernen, Therapien zu fahren.
Dies kann ich nur sehr begrenzt tun da ich Selbständig bin und das Maximum an freier Zeit schon rausgeholt habe. Alles weitere wirkt sich in finanzieller Sicht nachteilig für mich aus und das können wir uns nicht leisten.

Deshalb meine Frage - gibt es für ADHS Kinderbetreuung eine finanzielle Unterstützung die es mir möglich machen würde mehr bei meinem Kind zu sein?
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harmony
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von harmony » 24. November 2010 09:57

Hallo,

das einzige, was mir einfällt, ist, dass du versuchst eine Pflegestufe für sie zu bekommen.
Die gibt es nicht für das, was du vorhast, sondern z.B. wenn sie sich nicht alleine anzieht, du sie permanent anleiten musst, damit sie sich bewegt. Du sie zum Essen anhalten musst, oder aufpassen musst, dass sie sich nicht verschluckt, weil sie z. B. stopft. Verstehst du was ich meine?

Vielleicht unterstützt du sie beim Waschen,Duschen, Zähneputzen?

Diese Tätigkeiten müssen tägl. 90 Minuten wovon 45 Min. Grundpflege sind dauern...

Lieben Gruß
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Eisblume
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Eisblume » 24. November 2010 10:00

So in etwa wie man dies für Senioren beantragt?
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von No User » 24. November 2010 10:16

Hallo Eisblume,

bei einer ADHS, die so harmlos ist, dass du locker mal strickt Medikamente ablehnen kannst und deine Tochter ganz normal die Schule besuchen kann, brauchen wir nicht über Pflegestufen zu reden. Das ist eher realistisch bei schwerem frühkindlichen Autismus oder vergleichbaren Behinderungen.

ich glaube nicht, dass eine ähnliche finanzielle Unterstützung in deinem Fall realistisch ist.

Zwar kann ich aus eigener Erfahrung sehr gut nachvollziehen, wie ein extrem erhöhter Betreuungsbedarf dank ADHS für eine Familie existenzbedrohend sein kann, dennoch:

Wer sich für ein Kind entscheidet, der weiß, dass diese Entscheidung nicht geschäftsfördernd ist, dass sie viel Kraft, Zeit und Geld kostet und dass sie das Risiko beinhaltet, auch mal außergewöhnlich viel Kraft, Zeit und Geld zu kosten.

Eine Entscheidung für ein Kind ist also die Entscheidung für das, was wichtiger ist als das liebe Geld.

Natürlich ist auch dem Kind nicht geholfen, wenn die Familie durch die Betreuungssituation auch noch finanziell an den Abgrund gerät. Aber die Zeit für das Kind ist trotzdem viel wichtiger als das Geld. Und zwar sehr viel mehr Zeit als nur für Hausaufgaben und Therapien.

Dass die Zusammenarbeit mit der Lehrerin ganz gut klappt, ist schonmal sehr positiv. Dennoch wirst du dich darauf einstellen müssen, dass das nicht lange auf dieser Basis funktionieren kann: Du erklärst der Lehrerin, wie sie ihren Job zu machen hat, wie deine Tochter zu führen ist, und sie spurt.

Bald werden auch die Mitschüler und Miteltern ihre Ansprüche geltend machen und später wird deine Tochter es mit sehr viel mehr wechselnden Lehrerinnen und Lehrern zu tun bekommen, die mehr darauf achten müssen, wie sie die komplette Klasse führen, als die einzelne Schülerin mit ihren speziellen Problemen.

Eigentlich ist das keine Frage zum Thema ADHS und berufliche Selbständigkeit, denn ein ADHS der Kinder trifft Eltern als Angestellte auch nicht anders als als Selbständige, vielleicht sogar härter. Wo der Selbständige vielleicht finanzielle Nachteile in Kauf nehmen muss, muss der Angestellte bei eingeschränkter Mobilität und zeitlicher Flexibilität evt. ganz um seinen Job fürchten.


LG
Steffchen
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Klärchen » 24. November 2010 10:19

Ja, so in etwa wie bei Senioren. Aber das wäre wohl, wenn überhaupt, Pflegestufe 1 und das gibt so ca. 400 Euro (genau Sätze weiss ich nicht).
Ein Behindertenausweis müsste beantragt werden und ich frage mich, ob das sein muss?

Am besten du setzt dich mit der Krankenkasse in Verbindung und erfragst, was genau gegeben sein muss um die Pflegestufe zu erreichen. Um ehrlich zu sein, sehe ich da Schwarz. Dein Kind ist kein Pflegefall wegen des ADS. Nur um den finanziellen Verlust auszugleichen, wird keine Pflegestufe gewährt.

Mein Mann ist Rollstuhlfahrer und braucht Hilfe beim anziehen, ist sturzgefährdet (wenn er nachts z.B. auf die Toilette muss, muss ich ihn begleiten) und diverse andere kleine Verrichtungen wie Duschen etc. Aber uns wurde die Pflegestufe abgelehnt.

Wenn eine Besserung durch Medikamente zu erwarten ist, wird man die Pflegestufe erst Recht verwehren. Ausser dein Kind ist tatsächlich in so einer Situation wie von harmony beschrieben.

Gibt es bei Euch keine kostenlose Hausaufgabenbetreuung in der Nähe? Bzw. Der ASB bietet diese auch zuhause an. Allerdings nehmen die auch um die 7 Euro die Stunde. Vorteil: Dein Kind ist dem Geräuschepegel durch andere Kinder nicht ausgesetzt. Vielleicht kannst du da mit deiner Krankenkasse reden, ob die Kosten übernehmen würden.

NOCH wollt ihr keine Medikamente aber vielleicht wenn die Schule anzieht und die Lehrer nicht mehr so kooperativ sind, wäre ein Schritt in die Richtung zu überdenken. Aber das ist Eure Entscheidung.

LG
Klärchen
Zuletzt geändert von Klärchen am 24. November 2010 10:22, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von nixe » 24. November 2010 10:59

Hallo Eisblume,

und erstmal herzlich willkommen im Forum : )

Darf ich fragen, warum ihr Medikamente strikt ablehnt ? Häufig werden aufgrund von Vorurteilen Medikamente mit einem "moralischen" Wert verknüpft, was rational betrachtet einfach keinen Sinn ergibt. Das Auskommen ohne Medikamente ist daher auch kein "moralischer Triumph" der Eltern.

Medikamente sollten da, wo sie helfen, nicht weggelassen werden. Grundsatz sollte immer sein: so wenig wie möglich, aber so viel wie Nötig. Bei der Abwägung, was für ein Kind gut und richtig ist, sollte man auch berücksichtigen, was das Weglassen der Medikamente bewirken kann. Bei ADS ist zum Beispiel ein erhöhtes Unfallrisiko und auch eine erhöhte Suchtgefahr ohne Medikamentengabe statistisch nachgewiesen.

Vielleicht liest Du ja noch hier im Forum einiges, was Dich unterstützt.
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Eisblume
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Eisblume » 24. November 2010 11:15

Danke Euch beiden schon mal für die Antworten,

[quote="steffchen"]
Hallo Eisblume,

bei einer ADHS, die so harmlos ist, dass du locker mal strickt Medikamente ablehnen kannst und deine Tochter ganz normal die Schule besuchen kann, brauchen wir nicht über Pflegestufen zu reden. Das ist eher realistisch bei schwerem frühkindlichen Autismus oder vergleichbaren Behinderungen.

ich glaube nicht, dass eine ähnliche finanzielle Unterstützung in deinem Fall realistisch ist.
[/quote]

harmlos - bestimmt nicht - locker Medikamente ablehnen - so leicht machen wir es uns nicht, lieber gehe ich jeden einzelnen Tag wieder mit ihr ins Gefächt und nehme den Kampf auf mich.
Ob ich das auch die nächsten Jahre so machen werde - wer weiß - mein Mann ist auch ein extremer ADHS`ler und hat es auch ohne geschafft.

An Unterstützung so wie es Behinderte, oder Senioren bekommen dachte ich auch nicht, sondern eher an ein Zuschuß wie Ihn manche Jugendämter zahlen wenn Eltern wenig verdienen und trotz arbeit die Betreuung Ihres Kindes nicht gewährleisten können.
Leider sind Möglichkeiten die es für so was gibt (wenn es sie gibt) ja nicht öffentlich ausgeschrieben, sondern man muß sie sich erfragen. Da ich bei Jugendamt und Krankenkasse nicht wirklich weitergekommen bin habe ich es hier probiert.
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Eisblume » 24. November 2010 11:23

Medikamente ist bei uns ein schwieriges Thema
Mann selbst ADHS`ler - strickt dagegen - auch nach einigen Gesprächen in der Heckscher Klinik
ich selbst find sie auch nicht überzeugend - zumal unsere Tochter erst 6 Jahre alt ist.

wie gesagt ich weiß nicht was in den nächsten Jahren ist - doch vorher probieren wir alles andere (bis jetzt mit Erfolg), mehr Zeit, strickte Grenzen, und VIEL Ruhe und Gedult im Umgang mit Ihr.
Wir sind auch alle zwei Jahre auf Kur mit Ihr, was uns allen (sind zu viert) sehr hilft.
Das kriegen wir so geschaukelt - das einzigste was ich nur mehr brauche um diesen Erfolg halten zu können ist mehr Zeit!
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von No User » 24. November 2010 11:48

Ja, je nach anerkannter Schwere der bestehenden oder drohenden seelischen Behinderung durch die ADHS gib es durchaus Möglichkeiten zur Kostenübernahme für personalintensive Förder- oder Betreuungsmaßnahmen. Z.B. für eine Integrationshilfe, wenn sonst der Verbleib an der Regelschule gefährdet wäre. Oder auch - in Abhängigkeit von der Einkommenssituation - kostenlose Betreuungsangebote, z.B. mit Hausaufgabenbetreuung.

Allerdings ist das alles nicht das, wonach du oben gefragt hast. Abgesehen von Pflegestufen, Behindertenausweis etc. kenne ich keine Möglichkeit, die eigene Betreuungsleistung als Elternteil finanziell honoriert zu bekommen. Ggf. bezahlt werden immer nur Dritte.

Die hilfreiche Wirkung von Kuren (bzw. "Reha") kann ich auch bestätigen und in Erziehungsfragen seid ihr ja auf dem richtigen Weg.

Ich habe auch nicht vor, dich von Medikamenten zu überzeugen, ich bin nur schockiert, wie oft hier gleich zum Einstieg in das Forum die Frage Medikamente Ja/Nein thematisiert wird, als ob das das zentrale Problem wäre.

Man kann aber im Einzelfall (und die Summe dieser Einzelfälle bildet nach wie vor die Mehrheit) auch aus guten Gründen medikationslos mit ADHS umgehen, ohne strikt gegen Medikamente zu sein. Im Allgemeinen erzeugt sorgfältiges Abwägen der Vor- und Nachteile überzeugendere Therapiekonzepte als wenn man sich vorab strikt festlegt.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 24. November 2010 12:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Erna » 24. November 2010 15:01

Hallo :winken:

Du schreibst, du nimmst jeden Tag leiber jeden Kampf mit deiner Tochter auf dich...
Typisch für Eltern, die Medis ablehnen. Weiß ich sehr gut, haben wir ja auch auch! :ja:
Doch du bist nicht der einzige Mensch, der die Auswirkungen von ADHS deiner Tochter
aushalten muß!
Deine Tochter muß sich selber auch aushalten! Und frag bitte bei ADHS betroffene nach,
die Medis nehmen...mein Sohn sagt heute: Danke Mama, erst jetzt weiß ich, wie ich bin und
auf andere wirke, wenn ich ohne Medis bin! Danke, das du mit jetzt ermöglichst in der Schule
"normal" zu sein :smt023:
Das bestärkt mich immer wieder, das der Weg richtig ist!

Sorry, mußte mal raus :8:
Lieben Gruss

Erna
nixe
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von nixe » 24. November 2010 18:15

Mmh,

ich weiß ja nicht...... natürlich müsst Ihr das selbst abwägen. Aber wenn ich von Kampf und Gefecht lese, möchte ich doch die Frage stellen, ob es noch vertretbar ist.

Für mich klingt es ein bißchen danach, als ob Dein Mann evtl. gegen die Medikamente sein könnte, weil er möglicherweise befürchtet, sonst große Teile seines eigenen Werdeganges in Frage stellen zu müssen. Manchmal haben selbst betroffene Elternteile diese Einstellung, weil sie der Frage ausweichen möchten, was bei ihnen selbst vielleicht mit früherer Diagnose und der entsprechenden Behandlung hätte anders laufen können.

Falls ja, sollte das keine Rolle bei der Abwägung in Sachen Tochter spielen.

Entschuldige bitte, ich möchte Dich wirklich nicht als Person angehen. Bei mir gehen bloß immer die Alarmglocken los, wenn ich von "strikt dagegen" lese. Zu oft hat es einfach mit Vorurteilen und irrationalen Motiven zu tun, die dem Kind nicht weiterhelfen und wertvolle Entwicklungszeit kosten.

Ein wichtiger Punkt ist auch, daß man sich nicht für das ganze Leben festlegt. Man kann es auch mit der Medikamentation versuchen und abwarten, was sie an Veränderungen bringt. Man kann genau so gut wieder anders entscheiden und wieder absetzen.

Es ist eine Tatsache, daß Du auf Dauer die besonderen Anforderungen Deiner Tochter nicht wirst auffangen können. In der Schule z.B. bist Du nicht dabei und auch ansonsten wird Dein Tag nicht länger. Verdienstausfall wird keiner ersetzen, die einzige finanzielle Möglichkeit sehe ich auch bei Pflegestufe und Integrationshilfe.

Nochmal Entschuldigung, falls Du Dich bedrängt fühlen solltest.
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Eisblume » 4. Dezember 2010 10:16

Nein ich fühle mich nicht bedrängt, sondern denke viel über jeden Beitrag von Euch nach.

Wir haben jetzt noch vor Weihnachten einen Termin beim Spezialdok, der auch das ADHS bei ihr bestätigt hat. Zusammen - ganze Familie.

Werden sehen, wie die Meinungen danach sind.
Werde Euch weiter auf dem laufenden halten und bin Dankbar für jede Antwort von Euch.

Eisblume
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Falschparker » 4. Dezember 2010 19:19

Hallo Eisblume,

herzlich willkommen im Forum!!  :winken: :froi1:

Ich kann deine Situation sehr gut nachvollziehen. Ich bin auch selbstständig und selbst ADHS-ler und musste in den letzten 3 Jahren viel Zeit für meinen Sohn (15, mit schwerer Behinderung und ADHS) aufwenden.

Vor allem in der Phase, als er noch nicht in der Wohnstätte war (bis Herbst 2009), habe ich immer alles außer den allernötigsten Arbeiten hinausgeschoben. Das geht aber nur eine Weile gut. Inzwischen konnte ich eine ganze Menge wieder aufholen; aber dann kommen wieder solche Zeiten wie im Juli/August, als ich ihn zweimal ins Krankenhaus begleiten musste.

Strikt gegen Medikamente sein ist nicht unbedingt weise, jedenfalls wenn es um ADHS-Medikamente geht. Warum auf eine Möglichkeit, sich sehr gut zu helfen, bewusst verzichten? Sicher könnt ihr viel mit großer Geduld und Mühe kompensieren, so lange euer Kind 6 oder 7 Jahre alt ist, aber später geht das nicht mehr. Und vor allem für sie selbst ist es sicher ganz schlimm, sich nicht so unter Kontrolle zu haben wie sie vielleicht möchte.

Bei anderen Psychopharmaka denke ich auch so. Neuroleptika würde ich wenn es immer geht vermeiden, weil sie eben starke Nebenwirkungen haben können und jemand auch "verändern" können. Bei unserem Sohn kommen wir seit ein paar Jahren (wegen seiner Aggressivität) leider nicht drum herum.  :icon_redface:

Für Stimulanzien gilt das aber nicht. Sowohl ich selbst als auch mein Sohn haben damit nur sehr gute Erfahrungen gemacht. Von daher kann ich niemand empfehlen, die Schwelle dafür übermäßig hoch zu legen, eben weil die ADHS Betroffene und Angehörige sehr beeinträchtigen kann.

Das hat aber natürlich nicht viel mit deinem Problem zu tun. Die Alternative "Zeit mit meinem (problematischen) Kind verbringen oder Medikamente geben" wäre menschlich so was von zynisch. Methylphenidat ist ja eben kein "Ruhigsteller".

Dass ich selbst MPH nehme, tut übrigens, ohne dass ich das vorher erwartet hätte, meiner Ehe sehr gut. Und auch mit meinem Sohn kann ich so besser umgehen- ich habe mich früher viel schneller aufgeregt und verlor die Übersicht.
Eigentlich ist das keine Frage zum Thema ADHS und berufliche Selbständigkeit, denn ein ADHS der Kinder trifft Eltern als Angestellte auch nicht anders als als Selbständige, vielleicht sogar härter.
Ja, vielleicht. Ich bin ja auch nicht ohne Grund selbstständig und jetzt auch dankbar dafür. Ich kann viele Arbeiten auf die Abendstunden verlagern. Ein Chef wäre vielleicht nicht so geduldig mit mir wie ich selbst.  (Ich hatte allerdings auf meiner letzten Stelle als Arbeitnehmer- bis 2001- einen sehr netten Chef.)

Das Problem bei der Selbstständigkeit ist nur, dass (wegen der Fixkosten) etwas weniger Arbeit bedeuten kann, dass man aus der Gewinnzone kommt. Bzw. nur etwas mehr Arbeit den Gewinn sprunghaft ansteigen lassen kann.

Viele Grüße  :winken:
Falschparker
<><
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Falschparker » 4. Dezember 2010 19:21

[quote="Klärchen"]
Mein Mann ist Rollstuhlfahrer und braucht Hilfe beim anziehen, ist sturzgefährdet (wenn er nachts z.B. auf die Toilette muss, muss ich ihn begleiten) und diverse andere kleine Verrichtungen wie Duschen etc. Aber uns wurde die Pflegestufe abgelehnt.
[/quote]

Hallo Klärchen,

in diesem Fall würde ich das aber noch mal (eventuell mit Anwalt oder einem fitten Berater von einem Wohlfahrtsverband) noch mal versuchen.

Viele Grüße  :winken:
Falschparker
<><
Klärchen
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Klärchen » 5. Dezember 2010 09:36

Danke Falschparker. Haben das auch in Erwägung gezogen aber es dann letzten endes bleiben lassen. Lange Geschichte.

Liebe Grüße
Klärchen
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Sandiris
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Sandiris » 5. Dezember 2010 11:23

Hallo Klärchen,

es gibt keine finanziellen Unterstützungen, wenn Eltern ihr eigenes Kind betreuen- wäre ja auch ein Ding, wie ich finde ...  :zwink:

Mein Partner ist ebenfalls selbständig, ich arbeite Vollzeit in einem Dienstverhältnis, wir haben beide ADHS und meine Kinder (14 und fast 19) haben ebenfalls ADHS. Wir haben wirklich harte, anstrengende, energiekostende Zeiten hinter uns, ich fühle mich, als ob ich permanent am Rande eines Burn Outes lebe- und wahrscheinlich ist das auch so. Aber: Seit wir Medis nehmen, hat sich unser Familienleben und der subjektive Zustand jedes Einzelnen erheblich- ganz erheblich- verbessert!! Es ist wie ein neues, geschenktes Leben!!!!

Du schreibst, dass du täglich Gefechte mit deiner Tochter austrägst, ihr Medis jedoch ablehnt. Ich hoffe, du bist dir darüber bewusst, dass du deiner Tochter ein Leben hinter einer Milchglasscheibe zumutest. Dass du ihr eine Emotionalität zumutest, die sie extrem (über)fordert. Dass sie viel aneckt, weil sie impulsiv, unkonzentriert und chaotisch ist. Dass sie mit dem Gefühl leben muss "Ich bin anders als die anderen". Dass du ihr Hausaufgaben-Marathons zumutest, den sie an der Seite von Mama bewältigen muss. Dass sie Gefahr läuft, Depressionen, Zwangs- und Angststörungen zu entwickeln, weil sie dich nicht immer an ihrer Seite hat und in der Schule und anderswo ohne dich zurecht kommen muss.

ADHS ist keine Kleinigkeit, sondern ein Bündel an Symptomen, dass ein locker-flockiges Leben sehr, sehr schwer macht. Ständig stößt man an seine Grenzen und man hat kaum die Chance auf die eigenen Fähigkeiten zuzugreifen. MIT Medis klappt das- sogar sehr gut.
Ich rate dir, so von Mutter zu Mutter: Mach dir keinen Kopf um die Finanzen, denn das ist für deine Tochter nicht das Thema. Mach dir lieber Gedanken darüber, ob deine Tochter auf Medis verzichte muss, weil ihr Vater sagt "Ich habe das auch nicht gebraucht!" Für mich klingt das wie Eltern, die ihr Kind schlagen und sagen: "Mir hat das auch nicht geschadet!" Dein Mann kann nicht mit reden, denn er kennt nicht die unendliche Erleichterung, wenn sich die Milchglasscheibe weg schiebt, wenn der Blick plötzlich klar ist, wenn man sich plötzlich im Griff hat, wenn man plötzlich Erfolge hat, die durch die Symptome des ADHS unzugänglich waren.
Ihr setzt euch hinweg über Empfehlungen von Medizinern und versucht statt dessen, euer Gewissen ruhig zu stellen durch:
mehr Zeit, strickte Grenzen, und VIEL Ruhe und Gedult im Umgang mit Ihr.
Und was macht eure Tochter, wenn ihr nicht da seid? In der Schule, in der Freizeit? In Konflikten mit anderen Kindern, in der Klassenarbeit?
Wir sind auch alle zwei Jahre auf Kur mit Ihr, was uns allen (sind zu viert) sehr hilft.
Dann hat sie die Möglichkeit, ihren Körper erholen zu lassen, aber es wird die Symptome nicht nachhaltig beeinflussen.
Das kriegen wir so geschaukelt - das einzigste was ich nur mehr brauche um diesen Erfolg halten zu können ist mehr Zeit!
Dann musst du weniger arbeiten! Prioritäten setzen. Notfalls: ALGII. Oder du lässt deine Tochter betreuen, bspw. in einem Hort, vielleicht in einem heilpädagogischen Hort.

Ich will dir nicht zu nahe treten, aber die Gesellschaft bezahlt Eltern nicht dafür, dass sie ihre Kinder betreuen. Eine Pflegestufe für ein Kind, das die Schule ohne Medikation besuchen kann, ist absurd. Das Pflegegeld wird von der Gemeinschaft finanziert und ist  für Menschen gedacht, die alleine nicht zurecht kommen. Deine Tochter kommt, wie du es ja auch beschreibst, zurecht. Außer Kindergeld gibt es da nichts. Es sei den, du nimmst dir eine "Kinderfrau", weil du arbeiten gehst, dann kannst du Zuschüsse beim Jugendamt beantragen. Aber eben nur für eine Sitterin, nicht für dich selbst als Mutter.
Zuletzt geändert von Sandiris am 5. Dezember 2010 11:32, insgesamt 1-mal geändert.
ADHS-Deutschland e.V. Mitglied

Ich mache Flüchtsigkeitfehler und verdehre Buchtsaben.
Klärchen
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Re: bin Selbständig-brauche mehr Zeit für ADHS Kind-finanzieller Verlust

Beitrag von Klärchen » 5. Dezember 2010 18:48

Hallo Sandiris,

du sprichst mich - wohl irrtümlicherweise - in deinem Beitrag an. Mein Kind bekommt Medikamente. Die TS heisst "Eisblume".  :zwink: Um ihr Kind ging es in dem Beitrag.

LG
Klärchen
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