ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

regentrude
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ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon regentrude » 15. September 2008 09:51

Guten Morgen!

Ich bin ja erst seit kurzem diagnostiziert, interessiere mich aber schon seit mindestens 10 Jahren für das Thema ADS und habe es sozusagen zum Beruf gemacht, ich bin selbständig als ADS-Elterntrainerin (nach abgebrochenem Studium, Heilpraktiker-Prüfung und zahlreichen Weiterbildungen und erneutem Studium, von dem man noch nicht weiß, wie´s endet).
Ich kann toll erzählen, bin humorvoll und habe immer noch eine Idee, was man noch ausprobieren kann, wenn die Situation ausweglos scheint. Meine Unterlagen sind ausführlich und gut gestaltet, die Kurse gut geplant, ich bin immer freundlich und sehr kundenorientiert. Ich bin sozusagen die Motivation in Person. Das Feedback nach Vorträgen oder Kursen ist positiv.

Leider fühle ich mich ein bisschen wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde, denn so gut wie´s in den Kursen läuft, so schlimm ist es oft "privat". Auch was die Erziehung meiner eigenen Kinder betrifft, bin ich eher, hm, mittelmäßig, bestenfalls. Über die Organisation meines Alltags nicht zu reden.

Jetzt habe ich zwei Probleme:
Erstens: Wie bekomme ich meine Fähigkeiten (die ja vorhanden sein müssen, sonst würde es mit den Kursen ja auch nicht klappen) in meinen Alltag?
Und zweitens:
Obwohl meine Feedbacks positiv sind, fühle ich mich schlecht und unglaubwürdig, weil ich ja weiß, wie schlecht ich´s oft selbst auf die Reihe bekomme. Das führt dazu, dass ich mich viel zu sehr verstecke und weniger Erfolg habe, als ich könnte, wenn ich etwas offensiver wäre. Das bin ich aber nicht, weil ich, hm, wie soll ich sagen, mich unehrlich fühle.

Kennt ihr dieses Dilemma aus einem anderen Bereich vielleicht? Und könnt ihr mir raten, wie ich es überwinden kann?

Vielen Dank
eure regentrude
huschwusch

Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon huschwusch » 15. September 2008 10:52

Hallo,

meine Erfahrung ist, dass die wirklich guten Angebote zum Thema ADS von Leuten kommen, die selbst betroffen sind, ob selber, durch Kinder oder sonstwie.

Die spezielle Gefühls- und Erlebenswelt ist von außen nur sehr schwer nachvollziehbar.

Zu dieser speziellen Gefühlswelt gehört offenbar ein übersteigerter Anspruch an sich selber, der scharfe Blick für die eigenen Fehler und die mangelnde Fähigkeit, Erfolge vor sich selber gelten zu lassen. Möglicherweise hängt das mit der Dopaminproblematik zusammen, die kein ausreichend stabiles Erfolgsgefühl aufkommen lässt.

Da mich ein Teil deiner Schilderungen stark an mich selber erinnern, kann ich dir leider wenig Hoffnung machen, was die Umsetzung der aushäusigen Fähigkeiten in den eigenen Alltag angeht.

Meine persönliche Lösung war, dass ich soviel delegiert habe wie ich nur konnte. Also z.B. mehr Aufträge reingeholt habe, um eine Haushaltshilfe zu beschäftigen. Oder z.B. Omas und Opas für die Kinder eingespannt habe, weil die Dinge fertigbrachten, die ich nicht konnte.

Auf diese Weise entlastet haben die Kinder mich nicht nur als gestressten Vater erlebt.

FG Huschwusch
regentrude
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon regentrude » 15. September 2008 12:15

Lieber huschwusch,

vielen Dank für deine Antwort.
Die spezielle Gefühlswelt hast du schön geschildert. Das trifft total auf mich zu, ich kann machen was ich will, selbst wenn etwas bis auf eine Winzigkeit es fast schon perfekt ist, stelle ich mich in die Ecke und mache mich wegen der Winzigkeit fertig. Hm, da besteht wohl noch Entwicklungspotential.

Ich würde die Kinder auch gern mehr abgeben, das geht aber nicht wirklich. Ihr Vater lebt seit etwas mehr als einem Jahr im Ausland und andere Verwandte habe ich nicht bzw. sind die so daneben, dass kein/kaum Kontakt besteht und ich meine Kinder keinesfalls da hingäbe). Früher, als sie häufig am WE bei ihrem Vater waren und ich auch einigermaßen sorglos Abendterminen nachgehen konnte, war´s einfacher, ich war nicht dauernd sooo gestresst, dass ich die Wände hochgehen könnte und oft wegen Kleinigkeiten explodiere (MPH macht´s besser, kann aber auch nicht zaubern).
Einer Haushaltshilfe stünde ich offen gegenüber, mein Kontostand leider nicht.

Wie schaffst du es denn, Aufträge in trockene Tücher zu kriegen? Mir geht es häufig so, dass es mir hoffnungslos scheint und ich mich deshalb scheinbar nicht aktiv genug bemühe.

Vielen Dank
und liebe Grüße

regentrude
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Zaubermaus
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon Zaubermaus » 15. September 2008 12:20

Guten Morgen Regentrude (ich habe das Märchen im meiner Kindheit geliebt!!!)

[quote="regentrude"]
Leider fühle ich mich ein bisschen wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde, denn so gut wie´s in den Kursen läuft, so schlimm ist es oft "privat". Auch was die Erziehung meiner eigenen Kinder betrifft, bin ich eher, hm, mittelmäßig, bestenfalls. Über die Organisation meines Alltags nicht zu reden.

Obwohl meine Feedbacks positiv sind, fühle ich mich schlecht und unglaubwürdig, weil ich ja weiß, wie schlecht ich´s oft selbst auf die Reihe bekomme. Das führt dazu, dass ich mich viel zu sehr verstecke und weniger Erfolg habe, als ich könnte, wenn ich etwas offensiver wäre. Das bin ich aber nicht, weil ich, hm, wie soll ich sagen, mich unehrlich fühle
[/quote]
Ich denke bei den meisten von uns läuft es so, das vieles auf der Arbeit einfach besser klappt als bei uns selbst zuhause. Man kennt seine Aufgaben, beschäftigt sich intensiv mit der Materie oder hat einfach alles gut durchstrukturiert. Ich denke bei dir wird das auch ähnlich sein. Du weißt worum es geht, kennst viele Wege (du schreibst Pläne und gute Motivation).
Wenn du anderen damit helfen kannst und dir die Arbeit auch noch Spaß macht, ist das das Beste was dir passieren kann. Deshalb bist du meiner Ansicht nach nicht im geringsten schlecht und unglaubwürdig.
Geh mal bei mir auf die Arbeit. Dort sind alle der Meinung ich weis genau wo es langgeht, habe immer den Durchblick, kann super organisieren, planen und ordnen, keiner käme auf die Idee wie genau andersrum es bei mir Zuhause oft läuft. Wie bewundern mich die Kollegen oft, wenn ich bei einem Kunden sooo ruhig bleiben kann - während andere laut und gereizt reagieren.
Wie du es überwinden kannst?
Kann ich dir nicht sagen. Aber freue dich einfach über jeden den du mit deiner Erfahrung, Hilfe und Motivation ein Stück in die richtige Richtung bringen konntest. Sei stolz auf das was du leistest. Vielleicht kannst gerade du so gut helfen, weil du dich in die Menschen hineinversetzen kannst. Du stellst dich nicht über sie, sondern begleitest sie ein Stück in ihrem Leben wie ein guter Freund der einen an die Hand nimmt. Das schöne ist, du bleibst "Mensch" dabei.

Die persönliche Lösung von huschwusch find ich prima, wenn man es so einrichten kann. Aber leider klappt das nicht bei jedem so einfach. Ich finde wir  sollten vor allen Dingen lernen zufriedener mit dem zu sein, was wir leisten und uns nicht immer zu sehr unter den Scheffel stellen. Ich denke, das ist das allerschwierigste. Einfach die Anforderungen an einen selbst nicht immer zu hoch stellen.

liebe Grüße
Bine
:willi: 44 

Je weniger Dinge man auf Erden wichtig nimmt, desto näher kommt man den wirklich wichtigen Dingen
regentrude
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon regentrude » 15. September 2008 12:51

Vielenvielen Dank, jetzt bin ich sehr gerührt :heul:

liebe Grüße

regentrude
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Salvia
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon Salvia » 16. September 2008 23:23

Ich glaube den Leuten hilft es sogar ein wenig wenn du sie wissen lässt das bei dir auch nicht alles perfekt läuft.  :icon_mrgreen: Ich bin sicher sie sind bei dir bestens aufgehoben!  :smt023:
there is no place I can go there is no place I can hide
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon lillifee » 17. September 2008 00:29

[quote="regentrude"]
Kennt ihr dieses Dilemma aus einem anderen Bereich vielleicht? Und könnt ihr mir raten, wie ich es überwinden kann?
[/quote]

Ohhhh jaaa, dieses Dilemma kenne ich!  :icon_redface:

Als Dozentin kann ich prima andere anleiten, für sie strukturierte Pläne machen, wie sie an ihre riesigen Haufen Arbeit herangehen sollten, meine Verantwortung ernst nehmen, darauf zu achten, dass sie voran kommen, sie motivieren, sie aus ihren persönlichen Tiefs wieder herausholen, ihre Umwege abkürzen usw.

Warum ich das kann, ist kein so großes Geheimnis, weil ich mich damit selber tagtäglich schon seit Jahrzehnten beschäftigen musste und tausend Tricks und Tipps ausprobiert habe, und weil es richtig Spass macht, eben wegen dem positiven Feedback, der zwischenmenschlichen Kommunikation und dem Verantwortungsbewusstsein für andere, wenn man dies für andere macht.  :00000285:

Warum ich das nicht für mich genauso kann, ist auch kein großes Geheimnis, weil es mir sehr schwer fällt, die Konzentration beständig aufzubringen.  Manchmal brauche ich Stunden/Tage/Wochen, um mich auf eine bestimmte Sache, die auf meinem ToDo-Haufen rumgammelt, endlich zu fokussieren.

Was mir u.a. hilft, sind Menschen um mich herum, die für mich genau diese "Aufsichtsaufgabe" übernehmen und/oder an die ich all die Dinge, die für mich richtig anstrengend sind und die ich nun wirklich nicht selber erledigen muss, delegieren kann.
Zuletzt geändert von lillifee am 17. September 2008 00:31, insgesamt 1-mal geändert.
regentrude
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon regentrude » 18. September 2008 08:23

Liebe lillifee,

du hast es genau auf den Punkt gebracht. Klar kennen wir alle Tipps und Tricks, ich habe auch so ziemlich jedes Zeitmanagement/Lebensvereinfachungs/Coaching/irgendwashilfreiches-Buch gelesen, das es auf dem Markt gibt. Und im Gegensatz zu zuhause sind wir in den Kursen ja nur eine gewisse, absehbare Zeit, die wir strukturieren und planen können. Das finde ich erstens viel einfacher, weil nicht so viel Unvorhergesehenes passieren kann und zweitens, weil eben absehbar ist, wann es zu Ende ist.
Zuhause kann ich natürlich nicht nach 2 Stunden sagen "ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch noch einen schönen Tag" oder so.
Und das positive Feedback und Zwischenmenschliche spornt natürlich sehr an, zuhause ist es ja eher niemals endende immer gleiche Arbeit, "Belohnung" ist nicht gerade an der Tagesordnung. (Es ist nicht ganz so negativ gemeint, wie es sich anhört, manchmal macht´s ja auch Spaß:-)

Es hilft mir sehr zu wissen, dass es anderen ähnlich geht wie mir, das macht es ein Stück "normaler" für mich, so zu sein. Und lässt die Selbstvorwürfe geringer werden.
Vielen Dank dafür.

Was ich daraus lerne?
Ich versuche, meinen Anspruch an mich etwas herunterzuschrauben. Dass ich zuhause nicht immer alles kann, was im Beruf toll klappt, heißt nicht, dass ich meinen Beruf aufgeben sollte oder unglaubwürdig wäre. Ich habe Schwächen, weil ich ein Mensch bin (mit ausgeprägtem ADS dazu:-)
Leben ist nicht perfekt und ich bin es auch nicht.

Vielen Dank noch einmal

regentrude
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon regentrude » 18. September 2008 08:34

Liebe Salvia,

vielen Dank für deine Ermutigung. Im Kurs erzähle ich immer meine "Katastrophen der Woche", das kommt immer sehr gut an und wir können alle herzlich darüber lachen und trotzdem was dabei lernen. Oder die "Teufelsbraten-Geschichten", da erzähle ich immer, wie meine beiden Rabauken sich meinen wohlgemeinten Erziehungsversuchen widersetzen. :kicher:
Und wie ich mich mühe, mit beidem umzugehen und mal mehr und mal weniger erfolgreich bin. Ich behaupte dann immer zwinkernd, ausreichend Schlaf und gutes Essen wären schon die halbe Miete :traum:

Liebe Grüße

regentrude
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon lillifee » 20. September 2008 01:08

[quote="regentrude"]
Zuhause kann ich natürlich nicht nach 2 Stunden sagen "ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch noch einen schönen Tag" oder so. [/quote]

Da hast Du mich auf eine richtig gute Idee gebracht.  :icon_mrgreen:

Ich versuche teilweise, die Zeit, die ich mich mit meinen lästigen Aufgaben beschäftigen muss, mittels Kurzzeitwecker einzuteilen, um sie dadurch irgendwie auf die Reihe zu kriegen. Klappt auch ganz gut, wenn ich ihn tatsächlich einsetze und es konsequent durchziehe.

Bisher empfand ich einerseits den Erfolg, den man auch in so kurzer Zeit haben kann, und das Klingeln des Weckers als ernsthafte Belohnung. Aber ich werde jetzt dem Ganzen noch ein freudig ausgesprochenes abschliessendes "Thank you for your attention!" hinzufügen, um für mich einen deutlichen Bezug zur Arbeitswelt herzustellen.
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon Pathie2000 » 21. September 2008 16:28

Liebe Regentrude!!!
Du bist gut, weil Du die Gefühle ADHS/ ADS kennst! Du bist gut, weil eben diese Menschen bei "Fremden" genau diese Sachen können, wo sie bei sich selber versagen.
Das ist doch der Grund, warum es soviel Streß gibt, mit betroffenen Erwachsenen und Kindern, weil immer wieder zu sehen ist, das die Fähigkeit abrufbar ist, wenn  es darum geht, anderen zu helfen und deshalb fehlender Wille unterstellt wird!
Und Du bist erfolgreich, weil in dem Moment, wo Du als Coach arbeitest, derjenige, welcher Deine Hilfe in Anspruch nimmt, zusätzlich auch noch Dich nicht enttäuschen möchte, deshalb funktioniert das so gut!

Und zu deinem eigenen Anspruch :
Ein Geigenlehrer muß kein Virtuose sein!
Also, jemand der ein Wissen oder eine Fertigkeit vermittelt, muß selber nicht Meister seines Fachs sein, sondern die Gabe besitzen, diese Fertigkeit, bzw. die " Problemlösung" so zu vermitteln, das das Gegenüber damit erfolgreich ist! Und genau das ist Dein persönliches Talent, so wie Du es beschrieben hast!

Ich bin fest davon überzeugt, das Du ein Super-Couch bist!
Einen schönen Sonntag und liebe Grüße  :smt023:
P.
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon Stina1801 » 26. September 2008 16:00

Liebe Regentrude,


mein Therapeut, hat mir gerade diese Art von Tätigkeit empfohlen,

wobei ich da genauso denke wie Du, von wegen unglaubwürdig und so,

aber im nachhinein hat Pathie es wohlauf den Punkt gebracht!


Danke Pathie!


Würdest Du mir mal privat schreiben, wie du Elterntrainer geworden bist?

LG

Stina
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soll es sofort tun,
denn eine überwundene Schwierigkeit
vermeidet hundert neue...
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon regentrude » 29. September 2008 20:01

Liebe Pathie,

dein Hinweis, ein Geigenlehrer müsse kein Virtuose sein, hat mir wirklich sehr geholfen. Ich hab´s in meinen Kalender geschrieben und jedes Mal, wenn ich zweifle, gucke ich drauf und denke, ja, genau so ist das. Und dann mache ich weiter.

Vielenvielen Dank:-)

und liebe Grüße

regentrude
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon Pathie2000 » 29. September 2008 20:30

Das freut mich !!!!
Schönen Abend :winken:
Pathie
Falschparker
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon Falschparker » 21. Oktober 2008 20:03

[quote="regentrude"]
Ich kann toll erzählen, bin humorvoll und habe immer noch eine Idee, was man noch ausprobieren kann, wenn die Situation ausweglos scheint. Meine Unterlagen sind ausführlich und gut gestaltet, die Kurse gut geplant, ich bin immer freundlich und sehr kundenorientiert. Ich bin sozusagen die Motivation in Person. Das Feedback nach Vorträgen oder Kursen ist positiv.

Leider fühle ich mich ein bisschen wie Dr. Jekyll und Mr. Hyde, denn so gut wie´s in den Kursen läuft, so schlimm ist es oft "privat". Auch was die Erziehung meiner eigenen Kinder betrifft, bin ich eher, hm, mittelmäßig, bestenfalls. Über die Organisation meines Alltags nicht zu reden.
[/quote]

Hallo Regentrude,

du hast die guten Eigenschaften deines ADHS offenbar gut umgesetzt.

Nein, ich finde das überhaupt nicht unglaubwürdig. Ich glaube eher, dass ein Nicht-ADHS-ler mehr Mühe haben wird, sich in die ADHS-Kinder hineinzudenken und den Eltern nahe zu bringen wie ihre Kinder "ticken".

Ich glaube auch, dass du dein Versagen schärfer siehst und mit dir strenger bist, als wenn du nicht so im Thema drinständest. Ich kann übrigens auch viel besser was für andere regeln als für mich selbst, das ist wohl so bei uns.

Viele Grüße
Falschparker
<><
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon Pathie2000 » 22. Oktober 2008 00:18

ich hab gerade gestern... in ein paar Stunden... grins... das ganze Buch von Christine Beerwerth: Suche Dir Menschen die Dir gut tun; Couching für Erwachsene mit ADS ---  gelesen!
Ist sensationell gut und trifft genau diesen Punkt! ADHS kann bei andren Menschen genau das, was er bei sich selber nicht fertig bringt!!

Also...
nur zu, schön, wenn Dir dieser Satz hilft, ... :icon_wink: mir hilft er nämlich auch in vielen Situationen... und manchmal auch genau in denen, wo der ein oder andere Fähigkeiten anzweifelt... \:D/
Lieben gruß
Petra
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon polarlicht » 23. Oktober 2008 16:40

Nebenbemerkung:

Glaubwürdigkeit ist nicht pauschal zu haben, da hierzu die Menschen zu verschieden sind. Du kannst dir gegenüber glaubwürdig sein und wirst auch bei einigen deiner Teilnehmer auf Sympathien stoßen, bei einigen vielleicht aber auch nicht. Und dein Arbeitgeber mag dies wiederum anders sehen.

Mir erscheint wichtig, dass du dort nur Sachen "verkaufst", die sich auch tatsächlich in deinem Alltag bewährt haben und nicht welche, die "theoretisch" funktionieren könnten, wenn das Wörtchen "Wenn" nicht wäre....

Das macht dich dann zur betroffenen Expertin unter betroffenen Ratsuchenden. Was gibt es da glaubwürdigeres für die Eltern?

Liebe Grüße
derzirkel64
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon derzirkel64 » 16. März 2009 12:31

Hallo regentrude,

ich bin zwar nicht, wie du, professionel auf dem Gebiet tätig, aber ich gebe im Rahmen meiner SHG-Arbeit Sprechstunden, in denen ich auch berate.

Persönlich bin ich der Meinung, dass drei Dinge hierbei am wichtigsten sind:
1. das Selbstwertgefühl und die Motivation der Betroffenen zu stärken
2. Lösungswege zeigen, aber auch darauf hinweisen, dass hier i.d.R. nie eine Perfektion erreicht wird, es durchaus Rückschläge gibt und man diese nicht negativ sehen sollte.
3. Das eigene Leben (sofern man sich dies traut) gezielt einzubinden.

Aus diesem Grund heraus, befürworte ich das Aufzeigen  auch eigener Defizite und Mißerfolge, weil dies den Betroffenen zeigt, nicht Perfektion ist das Ziel sondern das dauerhafte Bemühen. Nichts ist m.E. schlimmer, wenn man anderen das Bild vermittelt, sie könnten immer "richtig" reagieren und sie müssten sich nur bemühen, dann läuft alles so wie bei "Anderen".  Das unterstützt  m.E. nur "Versagensgefühle" (warum bei ihr und warum nicht bei mir?).
Allerdings ist es nicht immer einfach sich so zu Outen, weil nicht jeder damit umgehen kann.

Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg bei einem gesunden Mittelweg.

Lieber Gruß
andreas :genuss:
fidirallalla
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon fidirallalla » 8. Januar 2011 04:43

Liebe Regentrude,

ich finde es auch lustig, dass ich mich in deinem Beitrag wiederfinde. Ich habe auch überlegt, mich als ADS Elterntrainer selbständig zu machen. Kannst du mir bitte sagen, wo man so eine Ausbildung machen kann bzw. wo hast du sie gemacht?

Danke für deine Tipps! Mach weiter so! Habe auch Seminare geleitet, die total genial und strukturiert rüberkamen und 2 Std. vorher versank ich hier daheim noch im Chaos *lach
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Re: ADS-Elterntrainerin - glaubwürdig bei eigenem ADS?

Beitragvon ChaosMaus » 17. Juni 2011 06:30

Guten Morgen,

mich würde auch eine Ausbildung zum ADHS Elterntrainer reitzen. Über Infos bin ich dankbar.


Aber nun zurück zum Thema.
Mein berufliches Ziel ist unter anderem auch ADS. Derzeit werde ich Ergotherapeutin und will danach noch meinen Psychologischen Heilpraktiker machen. ADS ist ein Thema für mich was mich als betroffene fasziniert.


Ein kleiner Tipp gegen die Selbstzweifel. Ein Positivbuch anfertigen. An den Tagen wo es gut läuft aufschreiben was man kann, was gut lief und worauf man Stolz ist. Gerne auch die Rückmeldungen der Seminarteilnehmer einbinden.
Wenn dann mal wieder eine schlechte Phase da ist in das Buch schauen und sich darauf focusieren was man alles kann.

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