(räuml.) Orientierungslosigkeit

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hansmayer
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(räuml.) Orientierungslosigkeit

Beitragvon hansmayer » 26. September 2015 21:10

Hallo zusammen,
gibt es hier noch jemanden, der/dem es wie mir geht? Wäre mal interessant zu hören.

Also ich bin ziemlich orientierungslos.
Brauche immer ein Navi wenn ich wo hinfahre.
Autofahren geht, und wenn ich eine Strecke regelmäßig fahre, kein Problem.
Aber in einer neuen Stadt z.B. isses schwierig, oder wenn ich irgendwo schon länger nicht mehr war.
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Alina Licht
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Re: (räuml.) Orientierungslosigkeit

Beitragvon Alina Licht » 26. September 2015 21:17

Hallo hansmeyer!

Ist bei zwei Freundinnen von mir auch so. Auf Klassenfahrten muss ich immer den Weg ansagen, weil die anderen einfach nicht wissen, wo wir waren, hergegangen sind und uns jetzt befinden. :a1c:
Mein Vater verirrt sich aber auch dauernd. Jedes mal, wenn er im Urlaub einen Spaziergang oder eine Wanderung vorschlägt muss ich ihm nachher den Weg zurück zeigen. (Er lässt sich aber auch vorher nicht helfen und verfranst sich dann alleine natürlich komplett. Erst wenn gar nichts mehr geht, darf ich Tipps geben.. :breitgrinse1:)
Früher durfte ich im Auto immer für ihn die Kartenlesen und den Weg zeigen.

Ist glaub ich ne ziemlich häufige Sache (zumindest kenn ich da ne Menge Leute, denen es so geht).

Gruß, Alina
Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden! ;)

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Eule
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Re: (räuml.) Orientierungslosigkeit

Beitragvon Eule » 26. September 2015 23:03

Ich denke das kann man lernen/trainieren.

Was hilft ist ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, um die Info die eine Papier-Karte oder eine gezoomte gesamtansicht der Route im Navi liefert ungefähr auf den Weg in der Realität übertragen zu können, und eine Vorstellung davon zu haben ob der nächste Richtungswechsel eher weiter rechts rüber oder eher links orientiert sein sollte.

Ich kenne Leute die einem auf die Frage "Wie komme ich zu....(Sehenswürdigkeit, Marktplatz, Rathaus, bestimmtes Geschäft...)" in unglaublicher Geschwindigkeit eine Litanei der Sorte "erst mal 3 Ampeln geradeaus drüber, an der vierten links, dann die zweite Straße rechts, einen Kreisverkehr geradeaus drüber, den folgenden dreiviertel rum, und dann die dritte rechts!" runterbeten. Sowas kann ich mir absolut nicht merken, und spätestens nach der dritten Anweisung schalte ich ab, habe die erste Anweisung vergessen oder bin mir bei der zweiten nicht mehr sicher ob das nun an der dritten rechts oder nach der dritten rechts war.  Kriege ich die gleiche Beschreibung anders dargestellt, indem markante Dinge am Weg genannt werden, klappt es sehr viel besser. Mir hat mal jemand in einem Vorort von Manchester eine Beschreibung anhand von Restaurants und Kneipen gemacht, und jeweils die Namen der Lokale genannt. Teilweise auch noch mit Infos wie "Die haben einen guten Mittagstisch" oder "Der Laden fällt auf, der hat knallrote Fensterläden an einer grünen Fassade" gespickt, und mit einer Angabe über die Gesamt-Fahrzeit zum Schluss "Du bist mindestens ne Viertelstunde, eher 20 minuten unterwegs von hier aus, weil die Ampeln so doof getaktet sind." DAS ging dann, weil es langsamer erklärt wurde, und die Infos irgendwie witzig waren. Ich wußte zwar zwischendurch nicht mehr ob nun als nächstes "The Sportsman" oder irgendwas anders kommen sollte, aber als ich dann an der nächsten Kreuzung "The Fox and Hounds" entdeckte wußte ich dass das auch auf der Liste gewesen war und kriegte auch wieder zusammen dass ich da links sollte.

Wenn ich versuche mir für mich Wege zu erken versuche ich mir für mich irgendwie markante Punkte oder Ortsschilder / Wegweiser zu merken, dann klappt es meist recht gut.

Aber ich habe mir inzwischen auch zur Entlastung in vielen Fällen angewöhnt das Navi mitlaufen zu lassen, selbst wenn ich mich da gut auskenne. Ohne Ton, meistens hauptsächlich um zu sehen, wie ich in der Zeit liege. Hat den Vorteil dass wenn ich irgendwo was falsch in Erinnerung habe das Navi mich wenigstens wieder in eine sinnvolle Richtung bringt.

Grundsätzlich hat es aus meiner Sicht jedoch Nachteile sich immer auf das Navi zu verlassen - je weniger man das mit der Orientierung übt, desto schlechter werden die Fähigkeiten. Genauso wie man die Fremdsprachenkenntnisse aus der Schule nach einigen jahren Nichtgebrauch auch nur noch unter Schwierigkeiten wieder findet.
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hansmayer
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Re: (räuml.) Orientierungslosigkeit

Beitragvon hansmayer » 27. September 2015 10:30

Ich meinte jetzt speziell im Zusammenhang mit ADHS, hätte ich dazu sagen sollen ;)
laetitia
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Re: (räuml.) Orientierungslosigkeit

Beitragvon laetitia » 27. September 2015 11:49

Also ob das speziell mit AD(H)S zu tun hat...?

Aber, ich bin mal fast zwei Stunden in Jerusalem rum gefahren, weil es da einen Tunnel hat, der irgendwie unter dem Zentrum durch geht und eine Kurve macht, so dass ich komplett die Orientierung verlor. Musste dann ein Taxi anstellen, um mich zum Hostel zu lotsen...
In Haifa hatte ich ein Hotel California-Erlebnis...zwei Stunden lang herumfahren und den Ausgang zur Autobahn nicht finden...zurück zum Restaurant um nach Wegangaben zu bitten.
Als ich auch bei mir in der Gegend immer wieder unnötig in der Gegend herum fuhr, obwohl ich mich mit Google Maps gut vorbereitet hatte, gestand ich mir ein, dass ich einfach kein Orientierungsgenie bin und es auch nicht sein muss...und kaufte mir ein Navi. Das hat einen grossteil des Stresses beim Fahren, insbesondere in unbekannte Orte, genommen.

Ich verliere aber auch so ganz schnell die Orientierung. Daher versuche ich mir immer gut zu merken, an welchen Geschäftern ich vorbei gekommen bin. Und ich bin dankbar, dass ich google maps auf dem Telefon habe. Denn gepaart mit Neugier...was gibt es wohl um die nächte Ecke...kann ich mich schon mal verirren. Ist mir im Frühling im nahe gelegenen Wald passiert...und ich hatte mein Smartphone zu Hause vergessen...

Ich finde das jedoch nicht so schlimm, also lebenseinschränkend. Gerade in unserer Zeit mit Hilfsmitteln wie Navis...
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Re: (räuml.) Orientierungslosigkeit

Beitragvon Eule » 27. September 2015 18:38

Ich HABE ADHS, und ich kann mich hervorragend orientieren. Ich fand dieses unterwegs sein, an einen spannenden Ort kommen etc schon als Kind im Grundschulalter so interessant dass ich auf den Punkt den Weg ansagen konnte, als mein Vater bei der Anreise zu unserem zweiten Ferienaufenthalt in der gleichen Ferienwohnung in einer mittelgroßen Kreisstadt an der Nordsee rätselte wo er abbiegen mußte um in dem Wohngebiet in die richtige Straße zu kommen. Auch bei anderen Orientierungssachen war ich recht fit.

Wo es schwierig wird sind gleichförmige langweilige Dinge, wo mir die interessanten Orientierungspunkte fehlen. Ich habe mal eine Freundin und ihren Mann in Frankfurt am Flughafen vom Flieger abgeholt, und dann mit den beiden von einer langen Reise ziemlich müden Urlaubern und einem widerspenstigen völlig chaotisch beladenen Gepäcktrolley eine geschlagenen Dreiviertelstunde durch mehrere Ebenen von zwei Parkhauskomplexen meinen PKW gesucht. Irgendwie hatte ich einen Zahlendreher als ich mir Parkhausnummer, und Etagennummer gemerkt hatte - und schwupps war das Chaos perfekt.

Meine Idee ist dass ADHSler sich durchaus hervorragend orientieren können wenn das Ziel ihres Weges sie interessiert, und sie es schaffen zum einen räumliches Vorstellungsvermögen zu nutzen und zum anderen "interessante" oder witzige (und somit auch im Kopf speicherbare) orientierungspunkte  zu finden. 
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Re: (räuml.) Orientierungslosigkeit

Beitragvon Hanghuhn » 28. September 2015 22:05

Ein gutes Spiel, um räumliches Denken zu fördern, ist Blockout.
LG Hanghuhn

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