Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

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Brummilator
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitragvon Brummilator » 1. November 2013 19:16

Ja denke schon.

Die Diagnose allein heilt nich - schon klar,aber wenn Du eine hast dann kann man gezielter vorgehen. Auch über Lerntherapien.
Die kann kein Lehrer leisten, hat er ja noch genug ander Kinder zu betreuen.


Bei uns gabs das Lima Programm - Sohn 1 ist leider nicht aufgenommen worden weil die Testungen ergaben das es rein die Konzentrationsprobleme sind.


Bei Sohn 1 in der Werkrealschule sind sie jetzt dabei das lernen so umzustellen das man den einzelnen Kinder gerechter wird.

Trotzdem gibt es immer noch welche die eben so stark nach oben oder unten ausschlagen dass das nicht ausreicht.

Dann muß ein KInd evtl. sitzenbleiben obwohl eben nur eine Teilleistungsschwäche so durchschlägt.

Deprimierend für alle- und gut wenn es ein Hintertürchen oder einen Plan B gibt.
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Hanghuhn
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitragvon Hanghuhn » 22. März 2014 21:57

Ich bin mal wieder über dieses Thema gestolpert. Was auf dieser Seite auch noch angeboten wird, ist ein Artikel über den Bildungsbericht 2012, der ja auch nicht uninteressant ist.

Zurück zu dem Ursprungsartikel.
[quote="EmmaGSLehrerin"]
Ja, aber die Lösung kann m. E. nicht lauten: Die einen müssen mit den schlechten Noten leben, die anderen nicht.
...
Es wird so oft behauptet, Noten seien wichtig. Eltern wollten Noten. Kinder wollten Noten. Lehrer, die keine Noten wollen, sind Kuschelpädagogen.
Ich behaupte: Eltern und Kinder wollen keine Noten, sie wollen gute Noten.

Und sobald die guten Noten ausbleiben und sich bei allen Bemühungen nicht einstellen wollen, geht das Gerangel um die Diagnosen los. Und das ist dann was anderes als die böse Kuschelpädagogik?
Das ist doch bizarr. Von einer Diagnose hat noch kein Kind lesen, schreiben und rechnen gelernt.
[/quote]
Aber ein Kind mit einer Diagnose bekommt die Hilfe, die Kindern ohne Diagnose verwehrt wird. Wenn die Diagnose stimmt, dann bekommt es sogar eine angemessene Hilfe. Grob gesagt heißt das, dass einigen Kindern mit Handicaps, die nicht "intelligenzmindernd" sind, geholfen wird. Alle anderen Kinder, die auch so ihre Schwierigkeiten haben, werden allein gelassen. Weil ihnen in den meisten Fällen auch die Eltern nicht helfen können, sind sie doppelt allein gelassen.

Hinzu kommt, dass  in den letzten Jahren auch schon in der GS zeitlich auf die Tube gedrückt wird. Wichtiger finde ich, den Kindern für den Erwerb von Grundlagen mehr Zeit zu lassen. Nicht unbedingt "Kuschelpädagogik", sondern mehr kümmern. Die GS-Lehrer sind meist engagiert und leisten gute Arbeit. Ich denke da an eine begleitende Lehrkraft(vielleicht auch mehr als eine), nicht für ein einzelnes Kind, sondern für die ganze Klasse, kleinere Klassen, mehr Anteil an Unterrichtsstunden für Grundlagenvermittlung (dabei andererseits nicht gerade beim Sportunterricht sparen) usw. usf.

Ich halte Dyskalkulie nicht für eine Modediagnose, aber auch mir erscheinen 7% sehr hoch, weil nicht alle rechenschwachen Schüler Dyskalkulie haben.

[quote="Zweifachmama"]
Das Interview im Spiegel habe ich auch eher mit Emmas Brille gelesen, aber da muss man schon sehr genau hinschauen und sein Statement zu ADHS geht für mir doppelt am Thema vorbei.Dumm nur, dass die Leserbriefe genau das aufschnappen und sich vergallopieren sich leider in den bekannten Stammtischparolen. [/quote]
Das ist die Strafe dafür, dass man sich abfällig über ein Thema äußert, mit dem man sich nicht auskennt.
LG Hanghuhn
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitragvon No User » 23. März 2014 00:32

[quote="Hanghuhn"]Aber ein Kind mit einer Diagnose bekommt die Hilfe, die Kindern ohne Diagnose verwehrt wird. Wenn die Diagnose stimmt, dann bekommt es sogar eine angemessene Hilfe. Grob gesagt heißt das, dass einigen Kindern mit Handicaps, die nicht "intelligenzmindernd" sind, geholfen wird. Alle anderen Kinder, die auch so ihre Schwierigkeiten haben, werden allein gelassen. Weil ihnen in den meisten Fällen auch die Eltern nicht helfen können, sind sie doppelt allein gelassen.[/quote]So ähnlich dachte ich auch mal, in der Praxis sehe ich das aber NICHT bestätigt.

Mit meiner Vorgeschichte als unvollendeter Medizininformatiker war ich intensiv mit der Einführung der Fallpauschalen befasst. In diesem Kontext ist ziemlich klar, dass jede Kostenerstattung -und damit auch jede Hilfe- eine Diagnose voraussetzt.

Nun ist es aber bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten wie bei Rechenschwierigkeiten nicht die Medizin, die den betroffenen Kindern hilft und es sind auch nicht die Krankenkassen, die Kosten für Lerntherapie oder heilpädagogische Förderung übernehmen würden.

Aber schauen wir einfach auf die Praxis: Da gibt durchaus Kinder, denen OHNE Diagnose durchaus geholfen wird. Jedenfalls ohne medizinische Diagnose. Es gibt ja auch noch so etwas wie pädagogische Diagnosen und selbst die einfache Feststellung, diesem oder jenem Kind müsse im einen oder anderen Bereich besonders geholfen werden, ist im weitesten Sinne auch eine Art "Diagnose". Da gibt es übrigens noch ein paar mehr Probleme als nur LRS und Dyskalkulie. Nehmen wir als Beispiele mal Sprachprobleme oder das Problemfeld Bewegung und Übergewicht.

Bei allem, was man möglichst individuell gegen diese Probleme tun kann, stellt sich natürlich die Kostenfrage. Hier haben wir zum Glück einen finanzkräftigen Sponsor, der unter anderem die Sprachförderung finanziert, die ja auch an einer ganz wichtigen Voraussetzung für den Schriftspracherwerb ansetzt. Und in Bewegungs- und Ernährungsfragen investiert die AOK in eine eher langfristige Wirtschaftlichkeit. Unter anderem das Jugendamt investiert in die Förderung von Sozialverhalten.

Im Problemfeld LRS hat bei uns ein darauf spezialisierter, kommerzieller Anbieter einfach die beste Erfolgsbilanz vorzuweisen. Das muss man sich aber als alleinerziehende Mutter -wie die meisten hier- erst mal leisten können. Denn auch da kann man sich von der Diagnose nichts kaufen. Aber eines fällt auch auf: Nicht die, die Erwartungen zur Förderung ihrer Kinder ausschließlich an Schule und Co. richten, nehmen sich auch die Zeit, mit ihren Kindern abends zu lesen, ihnen etwas vorzulesen. Wer sein schwer verdientes Geld schon zur LRS-Förderung opfern muss, ist da viel motivierter.

Aber es gibt auch Kinder MIT Diagnose, denen nicht wirklich geholfen wird. Wo man sich auf der Diagnose ausruht. Sich von der Diagnose ent-schuldigt sieht und damit im Kurzschluss auch unzuständig. Kann man ja eh nichts dagegen machen.

Meine Erfahrungen reichen nicht zum Nachweis statistischer Unabhängigkeit der Größen Diagnose und Förderung, sie reichen aber zu einem starken persönlichen Eindruck, dass das eine das andere nicht zwingend bedingt.

Um zu sehen, dass es bei den betroffenen Kindern nicht an mangelnder Intelligenz liegt, braucht es keine psychologischen Tests, man muss sie nur etwas kennenlernen. Aber ich tu mich sowieso schwer, "dumme" Kinder auszumachen. Ich kenne nur doofe Erwachsene. Und obwohl die Intelligenz auch unter Kindern ungerecht verteilt wurde, sehe ich selten Kinder, die einfach zu dumm wären, wenigstens grundlegend Lesen, Schreiben und Rechnen an der Grundschule zu lernen. Auch da hat die Diagnose für mich wenig Informationswert.

Was dem Kind (z.B. bei LRS) hilft, ist nicht von der Diagnose abhängig. Man muss sie aus gewissen Sackgassen und Teufelskreisen holen und diese Kulturtechniken mit ihnen noch individueller erarbeiten, als der Standard-Schulbetrieb das für die ganze Klasse vorsah, wie es bei den meisten - aber eben nicht allen - ganz gut funktionierte.

[quote="Hanghuhn"]Hinzu kommt, dass  in den letzten Jahren auch schon in der GS zeitlich auf die Tube gedrückt wird. Wichtiger finde ich, den Kindern für den Erwerb von Grundlagen mehr Zeit zu lassen. Nicht unbedingt "Kuschelpädagogik", sondern mehr kümmern. Die GS-Lehrer sind meist engagiert und leisten gute Arbeit. Ich denke da an eine begleitende Lehrkraft(vielleicht auch mehr als eine), nicht für ein einzelnes Kind, sondern für die ganze Klasse, kleinere Klassen, mehr Anteil an Unterrichtsstunden für Grundlagenvermittlung (dabei andererseits nicht gerade beim Sportunterricht sparen) usw. usf.[/quote]Eine Steigerung des Tempos an der GS kann ich in den letzten Jahren nicht erkennen. Pauschal mehr Zeit lassen? Damit noch mehr Kinder zum Überspringen gezwungen sind, um nicht an Langeweile und Wiederholung zugrunde zu gehen?

Kleinere Klassen, begleitende Lehrkräfte, klar, wer mag nicht davon träumen? Tun wir mal so, als wären massenhaft Abiturienten richtig scharf auf den ach so begehrten Grundschullehrerjob, würden auf ein kommendes Grundschulbegleitlehrkräfte-Jobwunder vertrauen und stünden in wenigen Jahren dem Arbeitsmarkt als wenigstens qualifizierte -wenn schon nicht erfahrene- Lehrkräfte zur Verfügung. Bliebe "nur" noch die Kostenfrage. Für 2,8 Millionen Grundschüler in kleineren, mehrfachbetreuten Klassen bräuchte man schon eine Anzahl von zusätzlichen Lehrkräften, deren Kosten eine nicht ganz unbedeutende volkswirtschaftliche Größe wäre. Und das in einem Land, in der jede Partei ihre Wahl knicken kann, wenn sie nicht wenigstens Steuererhöhungen vor der Wahl kategorisch ausschließt.

Noch mehr Schreibübungen, Schönschreiben, Grundlagen wiederholen, wiederholen, wiederholen? Siehe oben. Und was dafür weglassen? Sport nicht, OK. Musik? Kunst? Englisch? HuS/MeNuK (Heimat- und Sachkunde/ Mensch, Natur und Kultur)?, Werken? Macht alles mehr Spaß als die Grundlagen von Deutsch und Mathe. Bei Reli wäre ich ja dabei, aber wenn die religiöse Mehrheit sich außerstande sieht, ihren Kindern ohne Religionsunterricht Werte zu vermitteln...

Direkt eine Patentlösung hätte ich auch nicht. Ich würde mir aber wünschen, etwas von dem hektischen Reform-Aktionismus abzulassen. Den Bildungswege-Perfektionismus mal zu hinterfragen sowie die Karriereplanung ab frühster Kindheit, obwohl keiner auch nur annähernd die Arbeitsmarktentwicklung der nächsten zwei Jahrzehnte vorhersehen kann . Der Schule und den Kids mehr Vertrauen zu schenken sowie den vielen positiven Beispielen, wie Schule gelingen kann, mehr Aufmerksamkeit.

LG
Steffchen
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitragvon Hanghuhn » 23. März 2014 02:02

[quote="steffchen"]
Bei Reli wäre ich ja dabei, aber wenn die religiöse Mehrheit sich außerstande sieht, ihren Kindern ohne Religionsunterricht Werte zu vermitteln...[/quote]
Ja, das schwebt mir auch so vor. Ich finde es ja gut, wenn man die Religionen der Welt kennen lernt. Ich dachte, das müsse Toleranz fördern. Tut es aber nicht. Die kommt wohl eher von der Familie, in der man  aufgewachsen ist, oder eben nicht.
Von einer Diagnose allein kommt wirklich nichts, aber die Möglichkeiten zur Hilfe sind da schon besser, sofern sich die Eltern Datum kümmern. Da sehe ich aber auch, das das bei einem 8h-Arbeitstag nicht immer so einfach ist.

Zum Thema GS bin ich einfach auch ratlos. In den letzten Jahren ist auch an der GS das Tempo angezogen worden. Wenn Emma über die Kinder schreibt, die da ohne Hilfe zurecht kommen müssen, tut mir das leid. Andererseits ist auch mir schleierhaft, wieso das andre Länder offensichtlich irgendwie besser hinkriegen. Da denke ich nicht an China, sondern eher Finnland.

Diese deutsche Bildungskleinstaaterei beschert uns, dass nicht grundsätzlich nachgedacht wird, sondern immer nur hektisch in jedem Bundesland ein Bildungsreförmchen das andere jagt, wobei die Auswirkungen der "Bildungsreförmchen" ja gar nicht so niedlich sind. Wenn von einem Jahr aufs andere der ganze Gymnasiumstoff von zuvor neun Jahren in nun acht Jahre gepackt wird, ohne sich auch nur im geringsten zu überlegen, wie das für die Schüler schaffbar ist, dann ist das ein Reförmchen für die Politik, ein Paukenschlag für die Schüler.

Ich habe früher schon einmal geschrieben, dass ich der Meinung bin, dass die Kinder mit zu wenig Vorbildung in die Schule kommen. Darin sehe ich für manche Kinder schon einen großen Nachteil. Die meisten Kindergärten bieten den Kindern diese Bildung an. Dann hätte die GS auch mehr Möglichkeiten, die "Kuschelpädagogik" wäre in ihrer heutigen Form überflüssig.
LG Hanghuhn
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitragvon No User » 23. März 2014 17:17

Nehmen wir PISA: Diese Studie trifft nur Aussagen zu Teilaspekten mehr oder weniger erfolgreicher Bildungssysteme und was diese Aussagen bedeuten, ist auch noch umstritten. Aber es ist ja PISA, dem finnische Schulen ihren guten Ruf verdanken. Seitdem pickt man sich von Finnland immer wieder die Rosinen raus, die einem gerade in die eigene Argumentation passen.

Hanghuhn, auch du hast es geschafft, mit keinem Wort zu erwähnen, dass Deutschland in PISA beständig aufholt, während Finnland zurückfällt. Aktueller Stand (PISA 2013: In Mathe weicht der deutsche Mittelwert nicht signifikant vom finnischen ab, in Naturwissenschaften und besonders in Lesekompetenz hinken wir dagegen Finnland noch hinterher, befinden uns aber auch da bereits gemeinsam mit Finnland signifikant über dem OECD-Durchschnitt. Eigentlich müssen wir da irgendetwas richtig gemacht haben.

Was das Lesen betrifft ist klar, dass die Finnen eine ganz andere Lesekultur pflegen. Gründe dafür sind sicher vielfältig, von den langen Nächten bis hin zu (weil sich das für die kleine Bevölkerung kaum lohnt) vielen nicht synchronisierten Filmen im Fernsehen, deren Untertitel man dann lesen muss... Und irgendwie steht Deutschland auch vor anderen Herausforderungen als Finnland. Dennoch würde ich gern ein Stück finnischer Lesekultur kopieren, das ist allerdings weit mehr als nur eine Schulfrage.

Die Finnen selbst -vor allem finnische Schüler- sind auf ihr Schulsystem weniger gut zu sprechen und sind von ihren PISA-Erfolgen etwas irritiert. Innerfinnische Bildungskritik gibt es auch genug. Aus deutscher Perspektive blenden  wir gern aus, was bei den Finnen weniger gut läuft, etwa die finnische Suizidrate. Da könnte man wieder auf den tiefen Stand der Sonne verweisen oder wenn ich mir in Finnland das Leben nehmen würde, dann wegen der Mücken, aber ich will eigentlich nur sagen, dass dort keineswegs alles so rosig ist, wie es hier gern gezeichnet wird.

Allerdings hast du recht, dass eine Stärke des finnischen Systems ist, Schwache zu fördern. Vielleicht ist der Vergleich makaber, aber je weniger Schüler ein Land hat, desto kostbarer ist vielleicht jeder einzelne und wird auch entsprechend behandelt: Nicht jedes Land passt in dieses Schema, aber in Indien und China siehst du das andere Extrem. Nur hört man hier nicht viel von denen, die dort massenhaft durchs Raster fallen.

Der Aufregung um G8 vermag ich nicht zu folgen. Ich weiß nicht, warum die süd-, west-, bzw. gesamtdeutsche Schülerelite nicht in der Lage sein sollte, in 12 Schuljahren die Reife für ein Universitätsstudium zu erlangen. Weniger "rasante" Alternativwege zur Hochschulreife gibt es ja auch in Hülle und Fülle. Meine Große hat inzwischen den Doppeljahrgang überlebt, bei den jüngeren wünschte ich mir auch nicht zwingend, dass sie noch ein Jahr mehr diese Schule besuchen müssten. Irgendwann ist's auch mal genug. Aber die Umstellung verlief erwartungsgemäß nicht weniger chaotisch, als das System im Ganzen grundsätzlich arbeitet.

Ich kann bestätigen, dass der Besuch eines Kindergartens eine wichtige Vorbereitung auf die Schule ist. Es gibt hier ein sehr vielfältiges Angebot von Regelkindergärten, Kindertagesstätten, konfessionell gebundenen Einrichtungen, Waldkindergarten, Bewegungskindergarten, Waldorfkindergarten, Montessori Kinderhaus usw. mit durchaus unterschiedlichenen Schwerpunkten und unterschiedlicher Qualität. Das sind allerdings nur Nuancen, die bei der natürlichen Individualität der Kinder weitgehend untergehen.

Richtig auffallend wird der Nachteil, wenn ein Kind KEINEN Kindergarten, keine Vorschule oder ähnliches besucht hat. Theoretisch könnten Eltern ihr Kind auch zuhause fördern und zusätzlich für vielfältigen Sozialkontakt sorgen. Praktisch schicken aber alle Eltern, die das tatsächlich tun, ihr Kind ganz selbstverständlich extra noch in den Kindergarten. Deswegen können die Kinder ohne Kindergartenvorgeschichte auch keinen Stift und keine Schere in der Hand halten usw.

LG
Steffchen
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitragvon Hanghuhn » 23. März 2014 18:55

Ich hatte es schon mehrfach in verschiedenen Threads geschrieben, das Thema ist ja nicht neu:

Meine Mutter war in der DDR GS-Lehrerin. Schon allein durch das System war es einfach normal, dass Kinder, die in die erste Klasse kamen, meistens aus dem Kindergarten kamen. Nun ist meine Erinnerung (ich selbst bin ja kein Pädagoge) nicht vollständig, aber die Kinder, die keinen Kindergarten besuchten, sind an ihrer zukünftigen Schule eine aufgebaut. Dass das in der heutigen Bundesrepublik nicht der Fall ist, halte ich für einen der größten Hemmschuhe der Bildungspolitik. Unter diesem Aspekt verstehe ich sogar das Stimmen der Hamburger Bildungsbürger gegen ein längeres gemeinsames Lernen ihrer Sprösslinge mit Kindern, die beim Eintritt in die erste Klasse  nicht einmal bis 10 zählen konnten. Da mit der Wende einfach mal so das "bewährte" System aus den alten BL übernommen wurde, konnten die ehemaligen Kollegen meiner Mutter ( sie selbst Art Vorschule unter Anleitung der zukünftigen Erstklassleiter/Innen durchlaufen. Die Lehrer der ersten Klassen haben auf einem relativ homogenen Bildungsstand ihrer Schüler war da schon in Rente) übereinstimmend an verschiedenen Schulen feststellen, dass die Kinder "immer dümmer werden", heißt, sie kamen von Jahr zu Jahr mit immer schlechteren Voraussetzungen in die erste Klasse, es war eindeutig zu beobachten.

Ich will natürlich nicht das DDR-System, auch nicht das DDR-Bildungssystem wieder haben. Aber ich wünschte, es wäre, wie bei so vielem in der Zusammenführung der beiden Staaten, über einiges genauer nachgedacht worden. Dabei wünschte ich, dass nicht etwa der "Westen" vom "Osten" oder umgekehrt der "Osten" vom "Westen" übernommen hätte, sondern gemeinsam neu nachgedacht worden wäre. Dabei hätte man z. B. eine Lösung dafür finden können, dass in allen BL manche Kinder schon bei Schuleintritt abgehängt sind - und das würde tatsächlich die Kuschelpädagogik überflüssig machen.

Das finnische Bildungssystem kenne ich nur ansatzweise. Ich weiß, dass finnische Pädagogen in der DDR hospitiert haben, wie viel und was sie davon gut genug fanden, um es in das finnische Bildungssystem zu übernehmen, weiß ich nicht. Die einzige Kritik am finnischen System, die mir zu Ohren gekommen ist, ist, dass die Schüler zwar gut mitkommen, weil keiner zurück gelassen wird, dass andererseits aber eine ungenügende Elitenförderung statt findet.

@steffchen, wenn Du auf der gleichen Web-Seite (siehe oben) den Link zum Bildungsbericht 2012 verfolgst, wirst Du sehen, dass auch da wieder die fünf neuen Länder auf den vordersten Rängen sind. Das ist übrigens der allerbeste Beweis dafür, dass man auch nach 12 Jahren Schule ein brauchbares Abitur abliefern kann. Aber die mussten wahrscheinlich auch nie so viel alten Unterrichtsstoff über Bord werfen, wie das endlich mal einige westliche Länder tun müssten. Masse ist eben nicht immer Klasse. Ich weiß nicht, wieso manche Kultusminister glauben, dass man die Anforderungen von morgen mit zugepauktem Kopf bewältigen kann. Gleichzeitig wird logisches Denkvermögen und Kreativität weniger wert geschätzt, als ich es kannte (solange Denkvermögen und Kreativität nicht an den Grundfesten des sozialistischen Staates rührten).

Wenn die deutschen Kinder gegenüber den finnischen Kindern aufholen, liegt es wohl eher daran, dass die durch PISA aufgeschreckten Eltern mehr und mehr auf private Schulen ausweichen. Es wäre ganz schlimm, wenn sich am Bildungssystem nicht doch das eine oder andere zum besseren bewegen würde. Trotzdem bleibt eine grundlegende Reform aus. Allerdings hätte ich auch da Bedenken, weil es in letzter Zeit zu viel Experimente gab, die auch alle noch ihre Anhänger haben, die wahrscheinlich auch alle mitreden wollten.
Zuletzt geändert von Hanghuhn am 23. März 2014 19:03, insgesamt 1-mal geändert.
LG Hanghuhn
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Re: Der Gelehrte macht es sich wieder einfach

Beitragvon lenilein » 23. März 2014 19:29

Ich denke ein Problem in der Schule ist der Magel an Feedback. So ist es zumindest meiner Meinung nach bei uns an der Schule. Wir bekomme je zum Quartalsende eine Note gesagt (in den wenigsten Fällen bekommt man mal zu hören, was man gut macht und was schlecht). Es heißt dabei also meistens: "ja deine Beiträge sind  gut, die Häufigkeit eher weniger, wird also eine 2-"

oder so ähnlich. Dann gibt es noch Klausuren, ebenfalls alle 3 Monate. Darunter steht eine Note zwischen 1 und 6, dazu bekommst du einen Bewertungshorizont, der zeigt, wie die Aufgaben richtig gelöst sind, aber wie man es persönlich besser machen kann, wird nirgendswo beschrieben. Oder nur ganz ganz selten. Ich hatte mal eine Lehrerin, die unter jede Klausur von jedem Schüler zusätzlich zur Note etwas geschrieben hat bei mir war es einmal:" Die Klausur ist sehr gut. Du hast gemerkt, bei X hast du noch ein paar Probleme, aber y und z lief es doch super, versuch doch mal XXX und dann klappt das nächstes mal noch besser!"

Ein anderes Mal hatte ich mit einer 3+ in einer Matheklausur, laut Lehrer, die beste Leistung erbracht, obwohl es auch 1er und 2er gab. Er fand meine Leistungen nur besser, weil ich zuvor konsequent 5 stand.

Soetwas sollte es viel öfters geben, so ein Mensch hat doch viel zu oft noch viel mehr zu bieten als eine Leistung in eine Zahl zwischen 1-6 ausdrücken vermag.
Ich denke Noten an sich sind nicht schlecht und gehören nicht abgeschafft, viel mehr sollte man auch einen gewissen Wert auf individuelle Erfolge legen. So lässt sich doch auch etwas (konkurenz)Druck rausnehemen, wenn doch dann der konsequente Matheschwächling immer wieder 5er mit heimbringt, wird er wohl oder übel schnell die Lust verlieren, vorallem, wenn er regelmässig übt. Wenn man ihm dann aber sagt, dass er mit der Zeit vielleicht von 3 aufgaben schon mal eine richtig gelöst hat, wird ihn das vermutlich motivieren, auch wenn das Ergebnis immer noch eine 5 ist, dieser Note sollte man einfach weniger Bedeutung schenken.

Was diesen Diagnosewahn angeht, denke ich, dass es gut ist, wenn ein Kind eine geeignete Dianose bekommt. So kenne ich ein Kind mit LRS, dem ständig gesagt wird:" lies doch einfach mal mehr, dann verbesserst du automatisch deine Rechtschreibfähigkeiten!"
So leicht ist es für ein LRS kind nunmal nicht. Ich denke da bedarf es spezielleren Übungen.
Ein Kind, welches nun ähnlich schlecht ist, weil die Eltern grade mitten in der Scheidung stehen würde doch von LRS_Übungen keine Erfolge aufweisen können.
Es ist eben wichtig in Erfahrung zu bringen, warum einKind schlechte Noten nach Hause bringt, sobald man weiß woran es happert, kann man daran arbeiten und es sollte eben an jedem Kind, welches Probleme hat gearbeitet werden.
bin ich außergewöhnlich, bin ich anders, bin ich besonders, nein ich bin einfach ich jeder, der das nicht so sieht, der ist es nicht!
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