Schulleitung und Lehrer halten die gestellte Diagnose LRS für Blödsinn

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Justine31
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Schulleitung und Lehrer halten die gestellte Diagnose LRS für Blödsinn

Beitragvon Justine31 » 14. Juli 2011 08:30

Hallo zusammen,

es ist so toll hier immer ein offenes Ohr zu finden. Habe schon viele Tips erhalten hier, und erhoffe mir nun, dass Ihr mir auch jetzt helfen könnt.

Ich habe heute morgen das Gutachten einer Kinder-und Jugenpsychiaterin in die Schule gebracht, er hat ADHS, Schwierigkeiten beim Erwerb schulischer Fertigkeiten, eine psychogene Anpassungsreaktion mit Selbstwertproblemen und Motivationsdefizit und eine Leserechtschreibstörung. Ich habe gehofft, dass die Schule irgendwas in Form von einem Nachteilsausgleich wegen der LRS unternimmt (anders benoten, Zeugnisse gibt es ja in einer Woche bei uns; ihm mehr Zeit für die Deutscharbeiten einräumt, Textaufgaben in Mathe vorliest, ...). Er ist in der 3. Klasse einer Regelgrundschule und nächste Woche gibt es Zeugnisse.

Die Direktorin ist der Meinung, dass er keine LRS hat, hat gesatgt, sie und ihre Kollegen halten das für Blödsinn!  :dampf: So kam ich gar nicht zu Wort und schon musste sie schon wieder los.

Wisst Ihr, ob ich irgendwelche Vorteile für meinen Sohn an der Schule mit dieser Diagnose erkämpfen kann? Gibt es Gesetze dazu? Wohnen in NRW.

Mein Sohn wird nach den Sommerferien zurückgestuft, geht also wieder in die 3. Klasse, hat vom Schulamt ein halbes Jahr Probezeit bekommen. In diesem halben Jahr bekommt er 2 Stunden die Woche eine Sonderpädagogin an die Seite. Wenn sein Verhalten und Leistungen in diesem halben Jahr nicht entsprechend sind, muss er laut Schulamt zur Förderschule  :auu:

Er hat exterme Motivationsschwierigkeiten, ... ich hab gehört, dass LRSler anders benotet werden, stimmt das? Das würde ihm vielleicht motivieren, mal ne ausreichend oder befriedigend zu schreiben, als immer 6, 5 oder ausnahmsweise mal ne 3. Seit 1 Jahr sind die Noten in Deutsch deutlich im Keller. Jetzt hat er die Diagnose und keiner in der Schule nimmt das ernst. Ich selbst sehe aber schon lange, dass er eine LRS hat.

Wenn Ihr irgendeinen Tip habt, bitte  :SOS: schreibt mir doch.

Hab schon so viel durch mit der Schule, ich kann bald nicht mehr

Liebe Grüße

Justine  :seufz: :obersauer:
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DreierClan
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Re: Schulleitung und Lehrer halten die gestellte Diagnose LRS für Blödsinn

Beitragvon DreierClan » 14. Juli 2011 09:36

Hallo

warst du mit dem Gutachten beim Schulpsychologen???
Die hat bei uns den Nachteilausgleich genehmigt und die Schule musste nur noch handeln nach dem.
Ruf mal im Schulamt nach und frag bzw. eine Beratungsstelle für Schulprobleme.

Nimmt dein KInd Medis??

Meine große hat auch Legasthenie und ADHS und seit sie gut eingestellt ist und auch eine tolle Lehrerin hat macht sie tolle Leistungen in deutsch.
Ist das Zeugnis von dem schuljahr nicht schon geschrieben??Dann schau dass du bis zum neuen Schuljahr alles durchhast dass er dann entspannter in die Schule gehen kann.

Habt ihr eine Therapie beantragt dass er später keine Probleme mehr hat mit Rechtschreibung??

lg
Sohn 2005: Autismus,Adhs,Lese-+Rechtschreibstörung.  SBA 80% H  ;
Tochter 2002: JIA Rheuma,Autismus,Adhs,Legasthenie SBA 50% H
Mama Autismus, versch. Tumorbehandlung SBA 60%
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Re: Schulleitung und Lehrer halten die gestellte Diagnose LRS für Blödsinn

Beitragvon Binchen » 14. Juli 2011 11:00

Morgen Justine,

hätte da eine Frage vorweg. Hat dein Kind eine diagnostizierte Lese-/Rechtschreibschwäche oder eine Lese-/Rechtschreibstörung?

Siehe dazu hier:

Unterschied zwischen Legasthenie (= Lese-/Rechtschreibstörung) und LRS (= Lese-/Rechtschreibschwäche)

Die Legasthenie ist also eine genbedingte (vererbte) Problematik im Bereich Lesen und Schreiben. Neue Forschungen zeigen, dass die Chromosomen 1, 2, 6, 15 und 18 eine Rolle spielen.

Die Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) hingegen ist eine erworbene Schwäche. Gründe hierfür könnten längere Krankheit und den damit verbundenen Schulausfall sein, falsche Lern – oder Lernmethoden, familiäre Probleme, ö. ä. sein.

Eine Differenzierung der beiden Begriffe wird im deutschsprachigen Raum selten bis nie vorgenommen. Das sollte jedoch geschehen, denn die Förderansätze sind unterschiedlich.

Bei der Legasthenie ist eine Förderung in den Bereichen Aufmerksamkeit, Sinneswahrnehmungen und Symptomen wichtig und bei der LRS hingegen liegt der Schwerpunkt auf die Symptomatik, also dem erlernen von Rechtschreibregeln und das Arbeiten „an den Fehlern“.

http://www.lrs-portal.net/legasthenie/unterschied/


Ich frage nur, weil es bei uns ähnlich im ersten Schuljahr (2008/2009) gewesen war. Auch dort wurde eine Lese-/Rechtschreibschwäche von der 1. Grundschule nicht als solches vorzeitig erkannt bzw. anerkannt (seit Nov. 2008 wurde bereits, unabhängig voneinander, von seiner Logopädin und zum anderen von seiner behandelnden ADHS-Psychiaterin eine LRS bei meinem Sohn diagnostiziert, deren Ausgeprägtheit man jedoch erst am Endes des 1. Schuljahres feststellen konnte) und man wollte ihn auch überwiegend deswegen auf die Förderschule "abschieben", wogegen ist mich nachdrücklich und erfolgreich zur Wehr gesetzt habe. Ende des 1. Schuljahres hat dann der schulpsychologische Dienst die Testung vorgenommen, mit dem Ergebnis das bei meinem Kind eine ausgeprägte Lese-/Rechtschreibschwäche vorliegt, die unbedingt gefördert werden sollte.

Er wiederholte das 1. Schuljahr (unser Umzug vorher sei Dank) dann hier vor Ort in der Regelgrundschule nochmals, bzw. wurde hier erneut komplett neu eingeschult (das vorige Schuljahr wird ihm nicht angerechnet bei seiner Schullaufbahn, sogenannte "0" - Runde, die es bei uns hier gibt). Klappte alles dann bei meinem Sohn schulisch soweit ganz gut. Förderung erhielt er bzgl. seiner LRS von seiner Logopädin (m. Zusatzausbildung zur LRS/Legasthenietherapeutin).
Schulisch konnte ihm kein einziger Nachteilsausgleich gewährt werden, da es sich hierbei nur um eine Lese-/Rechtschreibschwäche und nicht um eine Störung handelte damals. Auch Notenschutz konnte ihm deswegen nicht gewährt werden. Er wurde aber in die 2. Klasse versetzt.

Im Juli 2010 (in den Ferien) wurde er erneut auf seine LRS hin vom schulpsychologischen Dienst getestet. Dabei kam angeblich eine leichte Besserung seiner LRS-Problematik heraus. Also weiterhin kein Notenschutz für ihn möglich.

Der Lehrerin und ich ebenso bekamen aber starke Zweifel an der Richtigkeit dieses Testergebnis im laufe der ersten Schulmonate nach den Ferien. Es wurde statt besser immer schlimmer mit ihm, so dass im Halbjahreszeugnis der 2. Klasse (Jan. 11) leider "Versetzung gefährdet" wegen dieser Problematik stand. Dieses erkannte auch unsere Logopädin, die ihn erneut getestet hatte nach einem Gespräch mit mir, und setzte sich sofort telefonisch mit der Schulpsychologin in Verbindung. Danach schickte sie ihre Testergebnisse ihr zu und diese testete Ende November / Anfang Dezember 2010 nochmals mein Kind. Nach der Auswertung rief sie mich sofort an und teilte mir das Ergebnis mit folgendem Wortlaut mit: "stellten wir fest, dass bei B. eine Rechtschreibstörung (Legasthenie) gemäß der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie vorliegt.  Wir empfehlen Notenaussetzung, Maßnahmen zum Nachteilsausgleich sowie inner- und ausserschulische Förderung entsprechend den Richtlinien des Ministeriums für Bildung vom ........"


Vorher wurde nur immer folgendes mir schriftlich mitgeteilt:

Im Juli 2010:
"Im Rechtschreibtest WRT 1 + für die erste Klasse erreichte der Schüler mit einem Prozentrang vom xy ein unterdurchschnittliches Ergebnis. Aufgrund der vorliegenden Untersuchungsergebnisse kann bei B. keine Rechtschreibstörung (Legasthenie) gemäß der Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie festgestellt werden. Es liegt jedoch eine Rechtschreibschwäche vor. Wir empfehlen Fördermaßnahmen entsprechend den Richtlinien des Ministeriums für Bildung vom 15.11.2009 ....."

Im August 2009 wurde noch so formuliert:
Bei diagnostizierter durchschnittlicher intellektueller Begabung erzielte B. im diagnostischen Rechtschreibtest für erste Klassen (DRT 1) mit einem Prozentrang von xy ein schwaches ergebnis. Somit kann bei B. eine ausgeprägte Lese- u. Rechtschreibschwäche diagnostiziert werden. Die Diskrepanz zwischen Intelligenzleistung und Rechtschreibleistung ist jedoch nicht ausreichend, um eine Teilleistungstörung im Bereich der Rechtschreibung (Legasthenie) zu diagnostizieren. Wir empfehlen dringend die Teilnahme an inner- und ausserschulischen Fördermaßnahmen....."


Seit ca. Oktober oder November 2010 wurde mein Sohn inoffiziell in die Fördergruppe für Legastheniker aufgenommen und einmal wöchentlich für eine Schulstunde speziell auf diese Problematik in einer Kleinstgruppe von knapp 5 Kindern (mit ihm) zusätzlich gefördert.

Nachdem ich dann der Schule die offizielle Bestätigung der Legasthenie vom Dezember 2010 vorgelegt hatte, wurde nach einem Gespräch mit der Lehrkraft, der Schulleitung und mir sofort der Nachteilsausgleich und der Notenschutz umgesetzt und er offiziell auch in diese Fördergruppe aufgenommen. Weiterhin erhielt er ausserschulische Förderung für seine Legasthenie innerhalb seiner Logopädietherapie, soweit die Logopädin dies auch darin umsetzen konnte, leider war zu diesem Zeitpunkt (Januar 2011 erst der Schule nach den Weihnachtsferien einreichen können) bereits das Halbjahreszeugnis geschrieben.

Da diese logopädische Therapie demnächst ausläuft und das Kind aller Beteiligten nach aber weiterhin unbedingt eine ausserschulische Legasthenietherapie benötigt, habe ich momentan einen dementsprechenden Antrag auf Kostenübernahme einer solchen Förderung beim JA laufen. Hoffe das die bis ca. Ende Oktober darüber dann entschieden haben, denn dann ist mit der Logopädie endgültig Schluß für mein Kind.


Wie du aus dem geschrieben sicher entnehmen konnte, wurde bei uns solange keine Nachteilsausgleiche bzw. Notenschutz angewandt da die Diagnose "nur" eine Lese-/Rechtschreibschwäche gewesen war.

Erst als die Diagnose endgültig als Lese-/Rechtschreibstörung diagnostiziert worden war, wurden zum einen die Nachteilsausgleiche und zum anderen der Notenschutz umgesetzt von der Schule. Und das ohne große Problem dann.

Dank des Notenschutzes wurde mein Sohn jetzt auch in die 3. Klasse versetzt. Seine sonstigen schulischen Leistungen sind durchschnittlich, aber er hat in keinem Fach eine 5 oder 6, eher dreier und vierer und im Sport - wie soll es für meinen kleinen ADHS-Wirbelwind auch anders sein - eine 1, worauf er mächtig stolz ist und es auch sein darf.

Lg
Bine
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Benjamin: ADHS (05.2008), Legasthenie (12.2010 - Therapie seit 08.2012), auditive Wahrnehmungsstörung (2004), logop. Behandlung (2004 - 10.2011), Asthma (seit Geburt), Frühförderung (v. 2006 - 2008)
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Re: Schulleitung und Lehrer halten die gestellte Diagnose LRS für Blödsinn

Beitragvon Justine31 » 14. Juli 2011 12:00

Hallo

und vielen vielen Dank für die rückmeldung.

@ Dreier Clan

Einen schulpsychologen hat die Schule nicht. mein Sohn hat ja festgestellten Förderbedarf vom Schulamt und ist förderschüker auf der Grundschule. er ist aber Schüler der Förderschule, seit dem der Bedarf festgelegt wurde. ich überlege gerade, ob ich nicht dann zum Schulpsychologen der Förderschule muss...... :fr:

Mein Sohn geht seit 2 Monaten zum Heilpädagogen, der nimmt sich auch die LRS vor. Da er vom JA finanziert werden soll, wird das JA mir nichts anderes mehr finanzieren, also auch kein übliches LRS Trainig. Ich kämpfe ja bereits länger mit dem JA, dass sie den heilpädagogen bezahlen. Wir haben 3 Gutachten, die die Heilpädagogik ausdrücklich empfehlen, aber das JA stellt sich immer noch quer.... Rechtsanwalt ist eingeschaltet.

Medikamente hat er 10 mon. bekommen. Meiner Meinung nach gab es viele Vorteile, aber auch Nebenwirkungen und mein Sohn war nicht mein Sohn. Fachlehrer und Direktorin befürworteten die medis total. Die Klassenlehrerin, die die meiste zeit mit ihm zusammen hat und ihn auch in Deutsch unterrichtet spricht sich weder gegen oder für Medis aus. Sie sah keinen grossen Unterschied, ausser dass er nichts in der Schule aß und vor den Streifen am Beckenboden des Hallenbads Angst hatte. Das SPZ hat dass nach Fragebögen ausfüllen und Placeboversuch entschieden, dass er keine Medis mehr nehmen soll, sondern heilpädagogik helfen könnte.

@ Bine

seine Diagnosen heissen laut Kinder-und Jugendpsychiaterin wortgetreu:
1. ADHS mit Störung des Sozialverhaltens F 90.1
2. Kombinierte Störung schulischer Fertigkeiten F 81.3
3. Isolierte Störung schulischer Fertigkeiten, Leserechtschreibstörung F 81.0
4. Kombinierte Störung der Emotionen und des Sozialverhaltens F 92.0
5. Probleme aufgrund der Trennung und Scheidung der Eltern Z 63.5

Laut dem Psychologen im SPZ momentan (erst war es ADHS usw, dann ADS usw, und nun lest bitte selbst die neuste Fassung):
1. V. a. expressive Sprachentwicklungsstörung F 80.1
2. Störung im erwerb schulischer Fertigkeiten F 81.8
3. Psychogene Anpassungsreaktion mit eingeschränktem Selbstwertgefühl und Motivationsdefiziten F 43.2
4. Entwicklungsprobleme im bereich der sozialen Kompetenz F 94.8
5. Z. Zt. kein sicherer Hinweis auf eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung F 98.8

Im Leserechtschreibtest DRT 3 erreichte er einen Prozentwert  von 7.

Würde mich sehr freuen, wenn Ihr noch Einfälle habt.

Danke vielmals
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Re: Schulleitung und Lehrer halten die gestellte Diagnose LRS für Blödsinn

Beitragvon EmmaGSLehrerin » 14. Juli 2011 13:31

Hallo Justine,

erstmal die rechtlichen Grundlagen im Gesamtpaket:

http://www.schulministerium.nrw.de/BP/S ... Erlass.pdf

Zu deinen Fragen: Ob die LRS-Diagnose anerkannt wird oder nicht, entscheidet in NRW leider die Schule. Somit liegt es auch in deren Ermessen, ob sie deinem Kind besondere Konditionen zubilligt.

Bei der Notengebung haben die Lehrer ohnehin wenig Handlungsspielraum (war früher anders, deshalb bitte nicht auf Schilderungen anderer Eltern verlassen). Die Lese- und Rechtschreibnoten dürfen nicht "geschönt" werden. Lediglich dürfen sie bei der Berechnung der Gesamtnote im Fach Deutsch zurückhaltend gewertet werden.
Soll heißen: Die Deutschnote setzt sich zusammen aus den Noten im Lesen, Rechtschreiben und im Sprachgebrauch. Bei einem LRSler wäre es durchaus legitim, bei einer 5 im Rechtschreiben, einer 5 im Lesen und einer 4 im Sprachgebrauch insgesamt in Deutsch eine 4 zu geben.

Besondere Rechte wie mehr Zeit bei Klassenarbeiten etc. darf man als Lehrer gewähren. An unserer Schule befreien wir Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Störung außerdem - nach Absprache mit den Eltern - von schiftlichen Aufgaben im Fach Englisch. Weil die Gefahr besteht, dass die Kinder die englische und die deutsche Orthographie durcheinanderwerfen. Sie sollen erstmal die deutsche Rechtschreibung vernünftig lernen.

Doch wenn eure Schule die LRS-Diagnose nicht anerkennt, nützt dir dieses Wissen herzlich wenig.

Mit welcher Begründung erkennt die Schule denn die LRS-Diagnose nicht an?  :fr: Ich würde an deiner Stelle eine ausführliche fachliche Erklärung verlangen und mich nicht mit einem "ich kenn das Kind seit Jahren " zufrieden geben.

Möglicherweise kannst du bzgl. der Notengebung an einem anderen Hebel ansetzen:

In diesem halben Jahr bekommt er 2 Stunden die Woche eine Sonderpädagogin an die Seite.


Dein Kind hat also einen Förderstatus. Lautet der Schwerpunkt Lernbehinderung? In diesem Fall wäre sogar eine pädagogische Notengebung in allen Fächern möglich. Es würde allerdings auf dem Zeugnis vermerkt, dass eine pädagogische Notengebung aufgrund des Förderschwerpunkts Lernbehinderung stattfand.
Ist auch logisch. Es gibt Eltern, die kommen auf die Idee, ihr lernbehindertes Kind im vierten Schuljahr aufgrund der "guten Noten" an der Realschule anzumelden (alles schon erlebt).

Ob du einen Rechtsanspruch auf diese pädagogische Bewertung hast, weiß ich nicht. Wenn du zur Schule kein Vertrauen hast, dann wende dich ans Schulamt. Dort kann man dich beraten und ggFs. zwischen euch und der Schule vermitteln.

Ach ja, und: Ob ein Kind auf eine Förderschule wechselt, entscheidet seit einer Gesetzesänderung vom Dez. 2010 nicht mehr das Schulamt. Die Eltern haben das letzte Wort.  :ja:

LG Emma
Zuletzt geändert von EmmaGSLehrerin am 14. Juli 2011 13:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schulleitung und Lehrer halten die gestellte Diagnose LRS für Blödsinn

Beitragvon Binchen » 14. Juli 2011 14:44

@Justine,

bei uns wurde von der Schule auch nur das Gutachten bzgl. der LRS und der späteren Legasthenie nur vom schulpsychologischen Dienst unserer Stadt anerkannt, aber nicht die Diagnose derer von der ADHS-Psychiaterin oder der behandelnden Logopädin.

Denke du solltest dich evtl. beim Schulamt oder beim Schulpsychologischen Dienst eurer Stadt darüber informieren, welche Gutachten von wem bei Schulen (und JA) auch als solche anerkannt werden.

Nach deinem genannten Testergebnis von 7 % (DRT 3) liegt hier wohl nur eine Lese-/Rechtschreibschwäche, aber leider keine Rechtschreibstörung vor. Womit dann bei den meisten Schulen kein Nachteilsausgleich bzw. einen Notenschutz gewährt wird.

Mein Sohn hatte im ersten Test im Jahr 2009 einen Prozentrang von 9 (wörtlich steht da noch: "...ein schwaches Ergebnis") erreicht (DRT 1)
Beim 2. Test dann im Juli 2010 einen Prozentrang von 17 ("... unterdurchschnittliches Ergebnis") (WRT 1+)
und beim 3. Test dann Ende November 2010 einen Prozentrang kleiner als 5 ("... weit unterdurchschnittliches Ergebnis" - nur Salzburger Rechtschreibtest für 1. & 2. Schulstufe -) erreicht.

Bei den beiden ersten Test lag also demzufolge nur eine Lese-/Rechtschreibschwäche vor, beim letzten Test lag er unter 5 %, trotz normaler durchschnittlicher Intelligenz, daher wird hier von einer Legasthenie (Rechtschreibstörung) nach den Leitlinien der Dtsch. Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie u. -psychotherapie gesprochen.

lg
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Re: Schulleitung und Lehrer halten die gestellte Diagnose LRS für Blödsinn

Beitragvon Justine31 » 14. Juli 2011 14:55

Vielen viel dank für die Antworten.

Liebe Emma,

das Schulamt hat mir am Telefon selbst gesagt, dass sie bestimmen, auf welche Schule er geht!  :beiss:
Ich bin auch davon ausgegangen, dass ich entscheiden dürfte, aber ich kann nur gegen den Entscheid klagen und so lang muss mein Kind dort hin.

Vielleicht hast Du ja einen Link, der zu dieser Gesetzesänderung vom Dez. 2010 führt, wo doch drin steht, dass Eltern gegen den Schualmbescheid das Kind auf der Regelschule belassen können? ich hab immer gelesen, dass solange das Schulamt nicht seine Finger drin hat, solange kann man die schule bestimmen. Aber sobald das schulamt dies entscheidet, kann man nur klagen und inzwischen muss das Kind an die festgelegte schule gehen.

Er hat den Förderstatus im emozionalen-sozialen Bereich, keineLlernbehinderung. Er wird nach Sommerferien am gemeinsamen Unterricht teilnehmen und die Sonderpädagogin unterstütz ihn für 2 Stunden.

Die Schulleitung und Lehrerin begründen ihre Aussage, dass mein Sohn kein p und b vertauscht und Worte in Silben trennen kann. Er zeigt diese Symptome in der Rechtschreibung nicht, deshalb sind sie der Meinung er hat kein LRS. Sie hätten schließlich Erfahrung und einige schüler mit LRS, aber sie wüssten, dass mein Sohn es nicht hat.

Ich danke dir vielmals für deine Rückmeldung. Falls Dir noch ein Link einfällt oder sonst was, bin immer dankbar

Liebe Bine


auch dir veilen vielen Dank,

dass heisst also, dass die formulierte Diagnose im Gutachten falsch formuliert ist? Welchen Kode hat den Legasthenie im ICD-10 ? Ich dachte F81.0 sei Legasthenie  :fr:

Werd mich nun schlau machen  :lesen:, wo es hier einen schulpsychologischen Dienst gibt und ob der mir weiterhelfen kann.


Liebe Grüße an Euch

Justine
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Re: Schulleitung und Lehrer halten die gestellte Diagnose LRS für Blödsinn

Beitragvon Binchen » 14. Juli 2011 15:39

Nein, das Gutachten ist richtig formuliert. F 81.0 ist eine Lese- und Rechtschreibstörung.

Nur der DRT 3 Test mit dem Ergebnis von 7 Prozentpunkten bestätigt hier nur wohl eine Lese- und Rechtschreibschwäche und keine Störung - genau weiß ich das aber auch nicht. Weiß nur das bei meinem, als er noch Prozentpunkte von 9 und 17 erreicht hatte, eine Lese- und Rechtschreibschwäche bescheinigt wurde und mit dem letzten Testergebnis, als er unter 5 Prozentpunkte nur noch erreicht hatte (was seine schulische Leistungen auch wiederspiegelten die sich uns offenbart hatte die ganze Zeit) die Diagnose eine Rechtschreibstörung (Legasthenie) dann lautete.

Aber ich denke darüber kann dich am besten auch der schulpsychologische Dienst informieren.

lg
Bine
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Re: Schulleitung und Lehrer halten die gestellte Diagnose LRS für Blödsinn

Beitragvon EmmaGSLehrerin » 14. Juli 2011 22:34

Hallo Justine,

den Link, nach dem du suchst hatte ich hier mal gepostet und näher erläutert:

http://www.adhs-anderswelt.de/http://lo ... 83#p477083

Mich interessiert brennend, was sich in deinem Fall ergibt. Nach allem, was ich weiß kann nicht sein, was man dir erzählt.

LG Emma
Zuletzt geändert von EmmaGSLehrerin am 14. Juli 2011 22:36, insgesamt 1-mal geändert.
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