Hawik-Test - geringes Arbeitstempo

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adsrossie
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Hawik-Test - geringes Arbeitstempo

Beitragvon adsrossie » 19. November 2010 14:00

Hallo,

bei meinem  Kind ( 9) wurde "aus gegebenem Anlass = schlechte Noten und Schulprobleme" kürzlich ein Hawik-Test durchgeführt.
Am Testtag hat mein Kind Medikamente erhalten (Concerta), wie auch normalerweise während der Schulzeit, aber mir ist aufgefallen, dass es schon auf dem Weg zum Psychologen nur noch am Gähnen war.

Gut waren die Einzelergebnisse bei Arbeitsgedächtnis und logischer Intelligenz ( rd. 110) ( die Einzeltests heißen  nicht genau so, irgendwie so ähnlich), eher schlechter bei sprachlicher Intelligenz und bei Arbeitstempo lag der Wert bei 70 ( IQ).
Mit dem Resultat, dass der Gesamtwert im unteren Mittelbereich liegt.
Kind hat ADS, nimmt auch Medikamente, hat aber trotzdem in der Schule große Probleme, vor allem wegen dem (nicht vorhandenen) Arbeitstempo, das dazu führt, dass die Hefte immer unvollständig sind, die Lehrer nur noch am rummaulen und die hausaufgaben jeden Tag ein Drama.

Was noch extrem auffällig ist, ist seine Unfähigkeit, flüssig und einigermaßen flott zu schreiben ( jetzt in der 4. Klasse).
Hat irgendwer eine Idee, woran das liegen könnte, und wie man hlefen könnte?
Der Tester hat eine private Hauptschule vorgeschlagen, damit man den sich immer weiter verschärfenden Schulproblemen und den Folgen für mein Kind vor allem für sein Selbstwertgefühl aus dem Weg gehen könnte. Die Schule denkt an Förderschule, aber da bin ich dagegen.
LG
adsrossie
little_alien
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Re: Hawik-Test - geringes Arbeitstempo

Beitragvon little_alien » 20. November 2010 00:42

Hallo,

ich antworte hier einfach mal unvorgestellterweise ganz frech (weil es mir ein dringendes Beduerfnis ist).

...kürzlich ein Hawik-Test durchgeführt...

Keine Ahnung ob der Begriff hier im Forum bekannt ist, mit sagte das nichts, die deutsche Wikipedia
ist zwar nicht sehr ausfuehrlich, aber immernoch besser als nichts:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg-We ... BCr_Kinder

Der Test scheint mir mit seiner klaren Unterscheidung unterschiedlicher Teilbereich einer der Besseren zu sein,
doch zur Beurteilung von AD(H)S erscheinen mir diese Tests generell ziemlich ungeeignet.
Dazu traegt schon allein der Hyperfokus bei, der bei etwas Neuem, Spannendem Ergebnisse liefert,
die im krassen Widerspruch zum normalen Alltag stehen.
Dann stellt sich natuerlich noch die Frage nach der individuellen Intelligenz, ein cleverers Kind schnallt natuerlich,
dass es bewertet wird und wird sich entsprechend mehr als ueblich anstrengen und konzentrieren.
Erwachsene die glauben sie koennen Kinder wie eine Maschine vermessen, wissen wohl garnicht
wieviel sie noch lernen muessen (bzw. wieviel sie vom eigenen "Kind sein" vergessen haben).

Kind hat ADS, nimmt auch Medikamente...

Dazu kam mir die Frage welche Medikamente ihr Kind bekommt, als betroffener interessierter Laie ist
meine Meinung natuerlich nicht fachlich fundiert, doch persoenlich habe ich gute Erfahrungen mit MPH
(konkretes Produkt Medikinet) gemacht.
Erst kuerzlich habe ich von einem neuen Wirkstoff (http://de.wikipedia.org/wiki/Atomoxetin) erfahren,
der ebenfalls bei AD(H)S eingesetzt wird (und scheinbar leichter zu verschreiben ist, da nicht unter BTMG),
wobei dieser nicht auf Dopamin wirkt und mir deswegen nicht ganz einsichtig ist, wieso dieser eine
identische Wirkung haben soll.
Evtl. hier auch mal mit dem behandelnden Arzt sprechen welcher Wirkstoff zum Einsatz kommt
und wenn moeglich die Alternativen ausprobieren. Es geht bei AD(H)S immerhin um den Hirnstoffwechsel,
da sollte eigtl. selbstverstaendlich das bestmoegliche Medikament eingesetzt werden und nicht irgendwas
nur weils "besser als garnichts" ist. So wuerden die meisten nicht mit ihrem Auto umgehen (schlechten
Treibstoff tanken, weil billiger), fuer das eigene Gehirn und erst recht das von Kindern
sollte dies keinerlei Diskussion beduerfen.
(Anmerkung: Ich befuerworte keinesfalls das beliebige experimentieren mit Psychopharmaka an Kindern,
ich sehe die Dauermedikation ueberaus kritisch, jedoch im Falle von MPH gehe ich anhand meiner pers.
Erfahrungen von einer gewissen Unbedenklichkeit aus.)

...hat aber trotzdem in der Schule große Probleme, vor allem wegen dem (nicht vorhandenen) Arbeitstempo,
das dazu führt, dass die Hefte immer unvollständig sind, die Lehrer nur noch am rummaulen und die hausaufgaben jeden Tag ein Drama.


Darf ich mal einen hellseherischen Versuch wagen? Es kommt vor, dass das Kind an einfachen Schulaufgaben
vollkommen unerklaerlich haengen bleibt. Selbst (stundenlange) vollkommene Isolation ohne stoerende Aussenreize
(Radio, Fernseher, etc.) fuehrt z.T. zu keinem Ergebnis? Und als kleines Schmankerl: Bei Diktaten im Deutschunterricht
tritt das Problem mit dem Arbeitstempo nicht oder nicht so stark zu Tage?

Wie komme ich auf diese Idee? Ich habe mich in ihrer Beschreibung selbst wiedererkannt, staendige Kritik
der schriftlichen Mitarbeit durch Lehrer, regelrechter Hausaufgabenhorror (meiner- wie muetterlicherseits),
Lueckentext (mit mehr Luecke als Text) statt Aufschriebe, haben mich durch meine gesamte Schullaufbahn begleitet.

Kann man da "was machen"? Nun bei mir konnte scheinbar niemand etwas machen, alle Paedagogen
und Psychologen zusammen konnten nicht erkennen, dass ich (neben anderen Problemen, dazu weiter
unten mehr) ein ziemlicher typischer ADSler bin. Da sind sie und ihr Kind schonmal einen riesigen Schritt weiter.

Soweit so ADS.

Was noch extrem auffällig ist, ist seine Unfähigkeit, flüssig und einigermaßen flott zu schreiben ( jetzt in der 4. Klasse).
Hat irgendwer eine Idee, woran das liegen könnte, und wie man hlefen könnte?


Da ich mich in dieser Beschreibung so 100% getroffen fuehlte, habe ich eine sehr konkrete Idee, die sie nach m.M.
verfolgen sollten, auch wenn sie sie zunaechst fuer abwegig halten, auch gegen den lautstarken Widerstand ihres Kindes:

Umgeschulte Haendigkeit.

Gute Anlaufstelle (deswegen auch stark ausgelastet): http://lefthander-consulting.org/

Weit bevor mir meine ADS-Symptomatik bewusst wurde, entdeckte ich, dass ich ein umgeschulter Linkshaender bin.
Die Umschulung fand dabei nicht unter Zwang von aussen statt, sondern war ein Fall von Selbstumschulung.
Dass ich tatsaechlich irgendwann die Problematik in ganzer Tragweite erfasste, habe ich Bekannten zu verdanken,
die mich auf die Linkshaenderberatung von Frau Sattler (siehe URL oben) aufmerksam machten.

Um dies ganz deutlich zu machen, ich mache hier niemandem einen Vorwurf, unter Umschulung wird leider
immernoch verstanden, dass ein Kind von Bezugspersonen gezwungen wird, dies ist aber (gerade heutzutage)
nur ein sehr kleiner Bruchteil der tatsaechlichen Faelle.
Ganz ohne Zwang von Aussen kann ein Kind sich selbst umschulen, die Gruende hierfuer sind vielfaeltig: Nachahmung
der Eltern, Geschwister, Freunde, etc., unterschwelliges Beduerfnis "normal" zu sein und deswegen nach Beobachtung
der Umwelt der Rechten den Vorzug geben, usw.
Ich moechte auch betonen, dass es nicht nur umgeschulte Linkshaender gibt, das ist zwar der Regelfall, jedoch gibt es
ebenso in Linkshaenderfamilien umgeschulte Rechtshaender aufgrund der linkshaendigen Bezugspersonen.
Diese Faelle von Selbstumschulung sind durch ihre scheinbare Freiwilligkeit in keinster Weise harmloser fuer die normale
Persoenlichkeitsentfaltung, persoenlich wuerde ich diese sogar als tueckischer einschaetzen, da der Betroffene sich seiner
Entscheidung oft nicht mehr bewusst ist, sich deswegen voll als Rechtshaender (oder eben Linkshaender) fuehlt und etwaige
Probleme nicht mit dieser Thematik in Verbindung bringt. Bei einer "Anpassung aus gesteigertem Hamorniebeduerfnis"
kann es sogar passieren, dass die anerzogene Haendigkeit (auch im Erwachsenenalter) vehement verteidigt wird.

Ueber die Auswirkungen umgeschulter Haendigkeit gibt es auf oben genannter URL genuegend zu lesen und wem
die exemplarischen Faelle nicht genuegen, dem sei das Buch von Frau Sattler zum Thema empfohlen.
Umgeschulte Haendigkeit und ADS habe ich dabei persoenlich als zwei Themenkreise "erleben duerfen" die
sich optimal in ihrer Negativwirkung ergaenzen. Das sowieso schon chaotisch-ueberforderte ADSler-Hirn wird
dabei durch die Fehlbelastung der Hirnhaelften zusaetzlich gestresst, mit einem riesigen bunten Blumenstrauss an
Symptomen allein durch die umgeschulte Haendigkeit.

Langer Rede kurzer Sinn: Lassen sie ihr Kind von einer von Frau Sattler empfohlenen Stelle auf die angeborene
Haendigkeit untersuchen, die Untersuchung dauert nicht lang, ist auch nicht sonderlich teuer (allerdings leider
privat zu bezahlen) und bringt Klarheit.

Trifft meine Vermutung zu tun sie ihrem Kind einen grossen Gefallen, Leben mit ADS (auch mit MPH) ist schon
Herausforderung genug, mentale Ueberlastungserscheinungen durch umgeschulte Haendigkeit sind da wirklich mehr als ueberfluessig.
Jelly
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Re: Hawik-Test - geringes Arbeitstempo

Beitragvon Jelly » 24. Januar 2011 17:19

Hallo Ihr,

ich fang dann mal an: (aber nur kurz):

Little_Alien: ich bin völlig verwirrt über deinen Text. Ich hätte jetzt beim Ausgangstext auf alles mögliche getippt, aber nie auf eine umerzogene Haendigkeit. Aber gut, jeder schreibt das, was ihm einfällt  :fr:

Adsrossi, den Hawik-Test machen viele Kinderpsychologen. Auch mein Sohn wurde danach getestet. Aber: Ein IQ Test kann nur ein Hinweis sein, einen einheitlichen Test für alle gibt es nicht und das ist eigentlich auch gut so. Denn selbst wenn jemand in einem Bereich hochbegabt sein kann bedeutet das nicht, dass er in diesem Fach auch im realen Leben besteht. Denn das spielt eben eine ganz andere Musik  :zwink:

Ich würde, wenn sich die schulischen Leistungen so verändern und Dein Kind auch so müde wirkt, eher darauf tippen, dass das Medikament vielleicht zu hoch dosiert ist. Oder das es nicht (mehr) das richtige Medikament ist. Durch Wachstum und Stoffwechsel kann sich bei Kindern einiges tun... und oftmals reicht eine kleinere Dosierung dann aus. Bei anderen muss höher eingestellt werden. Hier sollte aber der Arzt mal darauf angesprochen werden!

Vielleicht ist das Kind aber auch in der Schule überfordert oder unterfordert... vielleicht hat es Sorgen und Probleme mit Schulkameraden oder mit dem Druck, alles richtig machen zu wollen?

Wie empfindet denn das Kind die Situation wenn es Medikamente nimmt? Habt Ihr schonmal einen Versuch gestartet, die Medis weg zu lassen? (natürlich nur mit Absprache vom Arzt!!!)

Liebe Grüße,
Jelly
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caithlin
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Re: Hawik-Test - geringes Arbeitstempo

Beitragvon caithlin » 14. August 2011 16:16

hallo
Mein Sohn (kommt demnächst in die 5. Klasse) hat auch lange sehr langsam, dazu unleserlich, geschrieben. Sein Arbeitstempo war meist langsam (außer wenn ihm was super interessiert hat) und dadurch wurde auch das Ergebnis beim HAWIk Test ziemlich runtergezogen.
Habe ihm wg. langsam schreiben häufig bei den HA geholfen: die Mathe-Aufgaben diktiert (oder wenn es gar nicht ging: selber aufgeschrieben), er konnte dann die Ergebnisse wenigstens etwas schneller aufschreiben. Ich habe das auch mit seine Lehrerin abgeklärt.
In der 1. Klasse hat er Ergotherapie bekommen weil eine graphomotorische Störung vorlag. Das hat ihm schon ein bisschen geholfen.Ist dein Sohn darauf getestet?
Mit Medikinet ist seine handschrift mittlerweile viel besser und er schreibt schneller, aber ob es reicht für die 5. Klasse weiß ich nicht.
Was ihm noch hilft: nicht mit Füller und Tintenkiller arbeiten, sondern mit ein Kuli mit einer Art Tinte die er wegradieren kann. Der Radierer ist am Kuli dran.
Vielleicht wird es später besser wenn er alles tippen kann...
Grüsse Caithlin
adsrossie
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Re: Hawik-Test - geringes Arbeitstempo

Beitragvon adsrossie » 15. August 2011 16:54

Hallo, caithlin,
in deiner Beschreibun kenne ich meinen Sohn und seine Probleme sehr gut wieder.
Schriftbild extrem "unrund", langsames Arbeitstempo, und gelegentlich habe ich auch schon Seiten für ihn abgeschrieben, weil ich der Quälerei nicht mehr zuschauen mochte, vor allem, wenn wegen Fehltagen wegen Krankheit einiges nachzuschreiben war.
Ergotherapie hatten wir im Vorschulalter, hat aber nicht viel gebracht.
Den radierbaren Schreiber haben wir seit der dritten
klasse, der vorherige Lehrer bestand auf Füllfederhalter. Radieren hat  aber auch den Nachteil, dass es wiederum Zeit braucht, die sowieso zu knapp ist.
Was versteht man unter grafomotorischer Störung? Bei uns hies es immer, es wären Probleme mit der Feinmotorik ( ist sicher so).
Was kann man da eigentlich machen)? Gut zwei Jahre Ergo haben nichts verbessert.

Gruß
adsrossie
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caithlin
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Re: Hawik-Test - geringes Arbeitstempo

Beitragvon caithlin » 18. August 2011 22:52

Hallo,
Bei uns hat die Ergotherapeutin die graphomotorische Störung festgestellt. Ihre Erklärung (wenn ich es noch richtig behalten habe) war, das dies eine Art feinmotorische Störung war und das Schreiben beeinflußt. Heißt kokret: langsamer- weniger koordiniert- zu viel Druck- schnelle Ermüdung. Sie hat mit Swingübungen gearbeitet (mit Fingermalfarbe, große Kreisen an der Tafel malen, im Sand malen, später auf Papier etc.) Tatsächlich war es beim Schulsart dann besser, aber immer noch weniger gut als bei den meisten Kinder.
Vieleicht hat noch jemand wertvollen Tipps?
Liebe Grüsse, Caithlin

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