Ist das LRS?

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Angie
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Ist das LRS?

Beitragvon Angie » 11. Februar 2009 16:32

Mein Sohn Marc 7 Jahre , das zweite mal im ersten Schuljahr, hat ziemlich viele Schwierigkeiten beim Lesen. Ausser Wörter die öfters vorkommen wie: mit, ist, und.... kann er.
Mir kommt eher vor wie auswendisch lernen. Er liest Anfangsbuchtstaben und fängt an zu Raten.
LRS?
Was meint Ihr dazu?
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
endlich!
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Re: Ist das LRS?

Beitragvon endlich! » 11. Februar 2009 18:25

Lass ihn qualifiziert testen.
Und bedenke, daß es eigentlich keine LRS gibt. Man kann eine Leseschwäche haben und eine Rechtschreibschwäche. Meist tritt zwar beides parallel auf, aber das muß nicht so sein. Ich selber konnte mit vier Jahren lesen (Autodidakt , gelernt anhand der Fibel des älteren Bruders, die mich faszinierte), habe aber bis zur 4. Klasse einschließlich nicht schreiben können.
Nicht selten sind Schreib- oder Leseversager eigentlich unterfordert und falsch (oder überhaupt nicht) angemessen gefördert.

Gruß Michael
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Re: Ist das LRS?

Beitragvon endlich! » 11. Februar 2009 18:35

Ach ja: Ich wäre dank meiner Schreibfähigkeiten um ein Haar auf die Sonderschule abgeschoben worden. Dank eines IQs von spürbar über 130 durfte ich dann bleiben. In Mathe, Sachkunde & Co. blieb ich restlos unterfordert (hatte trotzdem keine besonders guten Noten, weil ich mein Wissen in den schriftlichen Arbeiten nicht zeigen konnte), in Sport, Rechtschreibung und Handschrift erreichte ich nie das Klassenziel. Ohne die damals obligatorische Orientierungsstufe (eine Art Gesamtschule für die Jahrgänge 5 und 6) wäre ich statt auf dem Gymnasium auf der Hauptschule gelandet. Dank einer motivierten und zur Motivation fähigen Lehrerin lernte ich innerhalb weniger Monate schreiben und war fortan ein normaler Schüler.
Es hängt zu 99% von den Fähigkeiten der Lehrer und Eltern ab! Glaub es mir, ich habe es erlebt.
Ich kann Dir von hier nicht sagen welche, aber Dein Junge braucht "nur" die richtige Förderung. Wenn Du die findest, geht der Knoten auf.

Gruß Michael
Kuechenschabe
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Re: Ist das LRS?

Beitragvon Kuechenschabe » 11. Februar 2009 19:32

Ich bin auch der Meinung, dass ein Test richtig wäre!
Wenn es sich bestätigt, dass er LRS hat, trotzdem
daß es eigentlich keine LRS gibt.

dann hat er zumindestens in der Schule die Möglichkeit, einen Nachteilsausgleich zu bekommen.

LG Barbara
Bild 46Bild schon 2800g ! Bild 2
endlich!
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Re: Ist das LRS?

Beitragvon endlich! » 12. Februar 2009 02:26

[quote="Kuechenschabe"]
Ich bin auch der Meinung, dass ein Test richtig wäre!
Wenn es sich bestätigt, dass er LRS hat, trotzdem
daß es eigentlich keine LRS gibt.

dann hat er zumindestens in der Schule die Möglichkeit, einen Nachteilsausgleich zu bekommen.

LG Barbara
[/quote]

Also  Barbara, so kurz, wie Du das zitierst, sieht das aber ganz falsch aus. Ich habe nur betont, daß es die LS und die RS gibt, die zwar häufig zusammen auftreten, aber eben nicht müssen. "Hey, Du kannst nicht lesen, also kannst Du ja auch nicht schreiben!" - das hilft dem Kind allenfalls, noch den Rest Selbstvertrauen zu verlieren. Evtl. kann der leseschwache Junge ja ganz gut schreiben? Ich kann mich entsinnen, daß wir mehrere Kinder in der Grundschule hatten, die damit kämpften. Ich meine, daß wir einen Jungen hatten, der so lesen lernte: Er mußte sich einfach nur vorstellen, daß er die Buchstaben schrieb - und plötzlich hat er die Worte erfasst! Er mußte wirklich die Buchstaben, die er lesen sollte nachmalen (ich habe mich in der Grundschule dagegen geweigert, auch nur die Wörter mit dem Finger zu verfolgen, das hat meine Koordination zu Fall gebracht, dann kam mein Lesefluß ins Stocken - allerdings las ich damals auch meist schon ein oder zwei Zeilen vor und erzählte das soeben gelesene nur. Mein Gehirn funktionierte schon immer anders als das der anderen...). Bei mir funktionierte das autodidaktische Lesenlernen so: Die Fibel meines Bruders bot Bilder und beide Schriftarten. Also Seite 1 zeigte einen Apfel. Darunter stand in Druck- und Schreibschrift ein rotes A und ein grünes pfel. Mit der Kenntnis der Buchstaben konnte man quasi nahezu jedes Wort lesen - sogar unbekannte. Mir gefiel die Druckschrift besser, weil man diese Buchstaben überall fand, in meiner Grundschulzeit lernte ich jedoch ausschließlich Schreibschrift. Die mochte ich nie und konnte sie auch nicht malen, aber binnen Tagen lesen - ist doch klar, weil man sich mit der eigenen Fibel hinsetzte. Schreiben lernte ich binnen weniger Monate in der fünften Klasse, weil ich dort endlich in den damals verpönten Druckbuchstaben schreiben durfte (heute dürfen sogar Erstklässler diesen einfacheren Weg beschreiten!). Über Jahre versuchte ich zwar immer wieder, die Schreibschrift in den Griff zu bekommen, aber das kann kein Mensch lesen (oft ich selber nicht). Seit vielen vielen Jahren schreibe ich daher eigentlich nur in Druckschrift - und der Lesbarkeit und Schnelligkeit wegen nur in Großbuchstaben. Da ich beim Buchstabieren keine Buchstaben verdrehte und vertauschte, meine ich noch immer, daß es letztlich ein motorisches Problem beim Schreiben war. Ich konnte meine Hand nie von meinem Wissen der Buchstaben und deren Reihenfolge in Kenntnis setzen... Ich war übrigens als Legastheniker anerkannt und bekam in Deutsch, Lesen und Rechtschreiben keine Noten. In anderen Fächern hatte ich dennoch trotz bester Kenntnisse oft nur mäßige Noten, weil Klassenarbeiten mich immer benachteiligten. Also ist das mit dem Ausgleich nicht immer weit her, man sollte da nicht zu viel erwarten.
Ganz wichtig: Versucht nie, die Kinder an die Anforderungen anzupassen, paßt die Anforderungen an die Kinder an! Ein Kind lernt Buchstabe für Buchstabe lesen (fand ich viel leichter), ein anderes lernt besser ganze Wörter. Die gerade in der jeweiligen Gegend und Zeit moderne Methode wechselt ja immer wieder... Sind die Kinder, die gerade die für sie falsche Methode vorgesetzt bekommen dümmer? Wohl kaum! Meine extrem schlechten Erfahrungen sind der beste Beweis dafür.
Und was hilft Angie und Marc jetzt? Angie, laß den Jungen Erfolgserlebnisse haben und lerne daraus! Du mußt lernen, wie der Junge lernt. Laß ihn ein Kuchenrezept lesen - er soll der Bäcker sein. Ihr müßt also erst einmal einkaufen. Aber was? Also muß er das Rezept lesen. Er wird es hinbekommen. Beobachte das und laß Dir von ihm erklären, welches Wort er wie entziffert. Du wirst schon sehen, ob er eher Worte, Silben oder Buchstaben bevorzugt. "Sein" Kuchen wird ihm Erfolgserlebnisse geben und Ihr habt die Basis für die weitere Arbeit. Der Knoten muß dabei nur einmal aufgehen, das ist wie beim Fahrrad fahren: Hat man es begriffen, dann kann man es. Also keine Angst, es ist zu schaffen.
Dennoch, der professionelle Test ist uverzichtbar, schon wegen der möglichen Hilfen. Aber da ist Barbara mit mir ja einer Meinung! ;-)

Gruß Michael
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Angie
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Re: Ist das LRS?

Beitragvon Angie » 12. Februar 2009 18:37

Die Antwort von  Marc´s Lehrerin:

Kleine Wörter kann er in der Schule lesen. Wenn sie 10 min täglich mit ihm üben, wird das schon besser. Bisher ist uns keine LRS aufgefallen.


Üben :fr: Na dann üb ich mal gequälter Weise mit einen ungeduldigen ADS-Kind. Der sagt ja gleich: Ich kann das nicht.
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Re: Ist das LRS?

Beitragvon endlich! » 13. Februar 2009 00:55

[quote="Angie"]
Die Antwort von  Marc´s Lehrerin:

Kleine Wörter kann er in der Schule lesen. Wenn sie 10 min täglich mit ihm üben, wird das schon besser. Bisher ist uns keine LRS aufgefallen.


Üben :fr: Na dann üb ich mal gequälter Weise mit einen ungeduldigen ADS-Kind. Der sagt ja gleich: Ich kann das nicht.
[/quote]

Was nach bereits beschädigtem Selbstbewußtsein klingt. Wahrscheinlich mußte er schon oft hören, daß er sich "nur" etwas bemühen müßte...

Aus dem Stegreif würde ich Alltagsübungen machen. Kein wahrscheinlich nur Horror bei ihm auslösendes Lesebuch. Spiele erfinden: Wer findet auf dem Weg in den Supermarkt die meisten Worte, die mit "K" beginnen oder was auch immer. Oder ist er Fußball- oder Autofan? Nimm eine Sport- oder Autozeitung als Lektüre! Der Krampf muß raus, dann schwindet auch der Kampf. Lesen macht doch Spaß - das muß er erleben, dann wird er von alleine zum Leseprofi.

Gruß Michael
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Re: Ist das LRS?

Beitragvon frutta » 18. Februar 2009 08:09

Hallo,  :winken:
Ich würde Deinen Sohn auf alle fälle Testen lassen, schon allein damit ihm geziehlt geholfen werden kann.
Mein bei meinen mittleren wurde eine Leseschwäche festgestellt ( die meisten Probleme hat er mit mehr-wort-Wörtern, die kann er dann einfach nicht lesen, ich muß ihm die anderen Wörter im Wort zu decken und jedes einzeln lesen lassen z.B. Pferde/transporter.). Was mich dann aber endsetzt hat ist , das seine Lehrerin geschrieben hat:" M. liest unbekannte Texte flüssig und beachtet Satzzeichen."  :fr: Wiso bekommen wir/ die in der Ergo / die KiÄ/ der Kipsy davon nichts mit? Schreiben kann er nur durckschrift mit der Schreibschrift tut er sich schwer, Und was die Rechtschreibung  angeht ? keine Ahnung das wird sich dann in der 3. Klasse Zeigen. Mein großer kann schreiben und Lesen, aber mit der Rechtschreibung bzw. Deutsch allgemein (außer Lesen) hat er so viele Probleme und baut stetig mehr ab , das mich die Lehrerin auf Rechtschreibschwäche angesprochen hat. Er lernt zu hause, wir haben vom Kipsy Lernprograme für den PC bekommen, auch diese macht er, aber die Wörter bleiben einfach nicht im Langzeitgedächtnis haften, dafür ist er in Mathe unterfordert.

LG frutta
Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt.
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Re: Ist das LRS?

Beitragvon derzirkel64 » 16. März 2009 12:57

Hallo Angie,

meine jüngere Tochter schien perfekt zu lesen. Die ganze Fiebel ... oder ein ganzes Buch ... perfekt laut "vorgelesen". Irgendwie kam uns das komisch vor ... und wir lenkten sie kurz ab, blätterten um ... und sie sollte weiterlesen .... Nun ... sie "las" dort weiter, wo sie gerade aufgehört hatte, obwohl sie auf eine ganz andere Seite blickte. Sie las also nicht, sondern sagte auswendig auf.

Meine Tochter hatte kein LRS.

Was will ich damit sagen? Kinder - insbesondere mit leichter Auffassungsgabe - suchen mitunter Alternativen, um es sich leichter zu machen. Das ihnen dies später Wege versperrt, erkennen und berücksichtigen sie zu diesem Zeitpunkt nicht.

Vielleicht ist dies bei Euch auch so.

In jedem Fall würde ich aber - schon damit du sicher bist - einen qualifizierten Test auf LRS zu machen - sei es auch nur deswegen, damit du dies ausschliessen kannst.

Bei Rechtschreibung scheint möglicherweise AD(H)S-lern - unabhängig ob LRS oder nicht - die Lehrmethodik der LRS-Lehrer deutlich besser zu liegen, als die normale Stoffvermittlung im Regelunterricht. Meine große Tochter wurde in der 4. Klasse auf LRS getestet, aber negativ. Wir nahmen dann trotzdem private Nachhilfe bei einer LRS-Lehrerin, die Wortbildungen usw. ganz anders erklärte. Bereits nach wenigen Nachhilfestunden schrieb meine Tochter in Diktaten wieder 1 und 2 ... statt wie bisher 4, 5 und 6.
Die jüngere Tochter haben wir daraufhin gleich vorbeugend auch dorthin geschickt. Beide haben mit Lesen und Schreiben heute keinerlei Probleme.

Liebe Grüße
andreas :genuss:
Ianna
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Re: Ist das LRS?

Beitragvon Ianna » 22. März 2009 13:30

Hallo Angie,

Niklas hat in der kompletten 1. Klasse spiegelverkehrt geschrieben. Seine Klassenlehrerin war mit diesem Phänomen überfordert.

Ich habe von Anfang an mit Karteikasten die Lernwörter mit ihm geübt. Wahrscheinlich hat er jedes Wort zig mal mehr schreiben müssen als seine Klassenkameraden. Dadurch erreichte er aber immer das Klassenziel.

Heute machen wir es so mit den englischen Vokabeln.

Er ist seit der ersten Klasse im LRS Förderkurs in der Schule.

Seine Fehlerquote sank aber erst, nachdem ich ihn zusätzlich privat durch Unterricht bei einer LRS- Fachkraft unterstützte.

Dann natürlich nochmals unter Medikation, weil er sich einfach besser konzentrieren kann.

Lesen muß er immer noch laut üben. Ich lasse ihn jeden Abend den beiden Kleinen 10 min vorlesen. Das baut auch noch sein Selbstbewußtsein auf und er ist mächtig stolz.

Er ist immer noch zu langsam, seine Schrift zu krakelig und seit Jahren greift die Ergotherapie nur mäßig.

Leider ist er immer noch unfähig eigene Texte zu kreieren. Und das wird in den weiterführenden Schulen ja zunehmend gefordert. Da nutzt ihm auch sein IQ von -140- nichts.  Da hab ich noch keine Lösung gefunden, was die Förderung betrifft.

Ich glaube auch nicht, daß es eine isoliert feststellbare LRS gibt, auch wenn wir die Bescheinigung zu Hause vorliegen haben.

Das Fassungsvermögen seines Arbeitsspeichers ist viel zu klein um einen Satz zu speichern, bis er ihn niedergeschrieben hat. Und wenn er sich dann noch eine längere Geschichte ausdenken soll...PUH!
Die zusätzlichen Wahrnehmungsstörungen die er hat verschlechtern das Ergebnis ebenfalls.

Manchmal bin ich wirkölich erstaunt, daß er noch nicht afgegeben hat. Er ist stark motiviert, weil er seit dem Kiga ein Ziel hat: ARCHÄOLOGE - und dazu braucht man Abitur.

Ich hab das Belohnungssystem für ihn abgeändert: wenn die Deutsch-/Englischarbeit so gut ausfällt, daß mit 4 benotet werden kann, gibt´s 1 Euro extra. Die letzte Englischarbeit war ´ne 3+.

So, hoffe du kannst damit was anfangen,

alles Liebe, Sanne
Im Dunkeln kann man die Sterne sehen. :biene: 18

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