Ritalin, Sucht??

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Re: Ritalin, Sucht??

Beitragvon No User » 22. März 2013 12:27

Ja, das haben ernsthafte Depressionen so an sich, dass sie keine Stimmungstiefs sind, die irgendeinem äußeren Anlass angemessen wären. Andersherum ausgedrückt: Trauer wäre keine Depression.

Da es dir "eigentlich noch nie so gut wie zur Zeit" geht, es dir andererseits verdammt schlecht gehen muss, wenn du dich als ernsthaft depressiv beschreibst, gehe ich mal von heftigen Stimmungsschwankungen aus, die in deinem Fall von behandelter oder eben unbehandelter AD(H)S moduliert wird.

Das erinnert mich nun daran, wie ich mit meiner ADHS gänzlich unbehandelt am Ende meines Studiums in eine Depression stürzte.

Die meisten von uns machen die Erfahrung, ggf. ihre Medikation jederzeit absetzen oder auch mal einfach vergessen zu können mit dem wenig überraschenden Erfolg, dass dann ihre ADHS-Probleme weitgehend zurückkehren, nicht alle sofort, früher oder später aber doch die meisten. Der Medikation allein fehlt ein nachhaltiger Langzeiteffekt, aber eigentlich auch eine echte Abhängigkeitsentwicklung.

Natürlich gibt es von allem, was man als hilfreich erlebt eine Art psychischer Abhängigkeit, ein Vermissen, wenn man wieder ohne diese Hilfe weitermacht. Eine echte Depression als echte Entzugserscheinung ist aber bislang nicht bekannt.

Doch wenn du das so empfindest, werde ich dir dein Gefühl sicher nicht ausreden. Ich würde dich sowieso lieber bitten, einen Arzt aufzusuchen. Mit Depression ist nicht zu spaßen. Und ob oder was die Medikation damit zu tun hat, kann der auch besser beurteilen als ein medizinischer Laie aus der Ferne.

LG
Steffchen
Zuletzt geändert von No User am 22. März 2013 12:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ritalin, Sucht??

Beitragvon Angie » 22. März 2013 19:08

Davon ab, das Edson, die Medikamente wohl oder übel nicht mehr nach Arztvorschrift genommen hat.

Als das studium immer stressiger wurde habe ich auch angefangen und die kapsel geöffnet um halbe portionen extra zu nehmen.


Ich nehme mal eher an, es sind Absetzungssymptome, keine Abhängigkeit.
Kommt bei einigen Antidepressiva auch vor.
Beim Absetzen werden krankheitsbedingte Symptome verstärkt auftreten.
Manche empfinden das als unerträglich und nehmen deshalb das Medikament weiter.
Es ist ja nicht das Gefühl, dass das Medikament unbedingt gebraucht wird ( jetzt bei Abhängigkeit), sondern das Gefühl der Unbehaglichkeit, weil die Symptome verstärkt auftreten.
Beim eisernen Willen, die Tabletten dann doch mal eine Woche nicht zu nehmen, werden diese Symptome dann auch nach lassen.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Das.Ich
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Re: Ritalin, Sucht??

Beitragvon Das.Ich » 23. März 2013 14:28

Es steht doch auch in der Packungsbeilage, dass man es nicht einfach absetzen darf!
Man muss es langsam ausschleichen lassen um eben jene Depressionen, etc zu verhindern.

Mal vergessen ist ja etwas anderes als von jetzt auf gleich alles weg zu lassen.

Also Dosis kontinuierlich senken!


P.S.: Im Beipackzettel steht:

Wenn Sie oder Ihr Kind die Einnahme von MEDIKINET RETARD abbrechen

Wenn Sie oder Ihr Kind die Einnahme dieses Arzneimittels plötzlich abbrechen, können die ADHS-Symptome wieder auftreten oder es können unerwünschte Wirkungen wie beispielsweise Depressionen auftreten. Ihr Arzt wird vor Beendigung der Einnahme die tägliche Dosis schrittweise verringern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie die Einnahme von MEDIKINET RETARD abbrechen.
Zuletzt geändert von Das.Ich am 23. März 2013 14:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ritalin, Sucht??

Beitragvon Falschparker » 23. März 2013 16:08

Hallo Edson,

du schreibst, du habest mal "als das Studium stressiger wurde" ohne Absprache mit dem Arzt mehr genommen. Das machst du jetzt aber nicht mehr?

Dann schreibst du, inzwischen möchtest du das Medikament absetzen. Warum möchtest du das? Du glaubst zzt. ohne klar zu kommen?

Ich meine, die depressiven Gefühle können ja auch von der emotionalen Unausgeglichenheit kommen, die von ADHS verursacht wird. Dann käme es nicht vom Absetzen, sondern wäre dein normaler Zustand ohne MPH. Vielleicht hat das es ging mir eigentlich noch nie so gut wie zur Zeit mehr mit dem Medikament zu tun als du bisher denkst?

Oder es handelt sich, wie Dasich oder Angie vermuten, um einen vorübergehenden Effekt, der nach ein paar Tagen vorbei wäre?

Wie auch immer, das erfährst du nur wenn du mal ein paar Wochen ohne durchhältst. Und dann kannst du ja immer noch entscheiden ob du dabei bleibst oder es wieder nimmst. Was auch keine Niederlage wäre.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die MPH-Wirkung viel mehr ist als Konzentration und Arbeitsfähigkeit, sondern auch emotionale Ausgeglichenheit und das Fehlen von unerwünschter Impulsivität. Weswegen ich auch nicht vor habe, es in absehbarer Zeit abzusetzen. Ich nehme es allerdings auch erst seit ich 38 bin (heute bin ich 47) und nicht seit meiner Kindheit.
<><
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Re: Ritalin, Sucht??

Beitragvon Angie » 23. März 2013 19:02

Also ich habe keine Probleme, wenn ich hin und wieder Medikinet Adult 40mg nicht nehme. Mal lasse ich es über das Wochenende weg, im Urlaub sogar 2 Wochen, bei mir ging es, nur der erste halb Tag ist irgendwie ein Gefühl wie im Dauerrebound - nicht ganz so, irgendwie wie Wahrnehmungsstörung und wie eine Art leichter Schwindel,  kompensier ich dann mit Coffein.  :breitgrinse1:
Kaffee  :breitgrinse1:
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Re: Ritalin, Sucht??

Beitragvon No User » 23. März 2013 20:03

Ich bin irritiert: hier klingt der Medikinet Retard-Beipackzettel schon einen Tick anders als oben bei Das.Ich:
3.5  Auswirkungen, wenn die Behandlung mit "Medikinet retard 5mg Retardkapseln" abgebrochen wird
Die Verabreichung der Tabletten/Kapseln sollte nicht schlagartig abgebrochen werden. Sie sollten die Anweisungen Ihres Arztes genau einhalten. Während des Absetzens ist eine sorgfältige Überwachung erforderlich, da das Absetzen eine Depression sowie eine chronische Überaktivität demaskieren kann.
Hier wird also ausdrücklich von "demaskieren" gesprochen, also dass medikamentös unter Kontrolle gehaltene Probleme sich beim Absetzen offenbaren. Andere Firma, trotzdem textgleich dazu auch die Infos zu Equasym Retard:
3.5  Auswirkungen, wenn die Behandlung mit "Equasym Retard 20mg Retardkapseln" abgebrochen wird
Die Verabreichung der Tabletten/Kapseln sollte nicht schlagartig abgebrochen werden. Sie sollten die Anweisungen Ihres Arztes genau einhalten. Während des Absetzens ist eine sorgfältige Überwachung erforderlich, da das Absetzen eine Depression sowie eine chronische Überaktivität demaskieren kann.
Soweit die Apotheken-Umschau online. Der entsprechende Text auf dem realen Beipackzettel zu Equasym Retard, den ich in Papierform in der Hand halte, könnte beinahe als Plagiat zur oben bei Das.Ich zitierten Medikinet-Info auffallen:
Wenn Sie oder Ihr Kind die Einnahme von MEDIKINET RETARDEquasym Retard abbrechen

Wenn Sie oder Ihr Kind die Einnahme dieses Arzneimittels plötzlich abbrechen, können die ADHS-Symptome wieder auftretenzurückkehren oder es können unerwünschte Wirkungen wie beispielsweise Depressionen auftreten. Ihr Arzt wird vor Beendigung der Einnahme die tägliche Dosisdie Menge des Arzneimittels, die sie täglich einnehmen sollen, schrittweise verringernreduzieren, bevor die Behandlung ganz eingestellt wird. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie oder ihr Kind die Einnahme von MEDIKINET RETARD abbrechenEquasym Retard absetzen.

Aber von einem solchen Vorgehen habe ich aus der Realität noch nie gehört. Ausschleichen von MPH? Wer hat für einen Absetzversuch schon mal die schrittweise Dosisverringerung erlebt? Wie praktikabel ist das, insbesondere bei einmal täglich einzunehmenden Retard-Kapseln? Wie ist die reale Praxis der sorgfältigen Überwachung beim Absetzen?

Möglicherweise zeigt aber gerade Edsons Fall, dass eine solche Sorgfalt eigentlich nötig wäre, auch wenn eine Mehrheit von Betroffenen das Absetzen unkomplizierter erlebt.

Dabei hätte die mutmaßlich hohe (Angaben in mg wären da noch interessant) Tagesdosis von zwei bis missbräuchlicher Weise zweieinhalb Kapseln es immerhin einfach gemacht, im mehreren Schritten auszusteigen.

LG
Steffchen
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Re: Ritalin, Sucht??

Beitragvon Angie » 23. März 2013 20:21

Ähem ......... bei meinen Jüngsten wird langsam ausgeschlichen, er soll in Zukunft auch ohne Medikament zurecht kommen.
Nur mal so zur Info.
Er hatte RitalinLA30, jetzt RitalinLA20
davon ab, dass ich selbst zum KJP getrabt bin, da Kindchen unter LA30, was es c.a. 2 Jahre nahm, aufeinmal wie langsam und übervorsichtig wirkte.
Aber KJP meinte, erst mal LA20 und danach LA10 und dann ....... wars.  :6094:
Aber davon jetzt mal ab, in den Ferien und übers Wochenende nimmt Kind auch nichts und auch keine Veränderung, also im Befinden.
Beklagt sich mal über Kopfschmerzen, hin und wieder.
Das die ADHS-Symptome zurück kommen ist ja wohl mal klar.
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Re: Ritalin, Sucht??

Beitragvon No User » 23. März 2013 21:13

Gut, wenn wenigstens Ärzte die Medikamenteninfos ernst nehmen.

Man könnte mit so langsamem Abdosieren aber auch bei gesunkenem Bedarf die Dosis nach unten optimieren, ohne zwingend auf Null gehen und bleiben zu müssen.

LG
Steffchen

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