ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

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ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von Stoppelbart » 7. Februar 2007 01:14

Hallo miteinander,
ich bin zwar schon eine ganze Weile hier Mitglied, habe aber erst seit kurzem meine Diagnose.

Der Weg bis dahin war in den letzten 1 ½ Jahren sehr eigenartig.  Früher hatte ich immer das Gefühl, daß bei mir etwas nicht stimmt. Und nachdem ich im Mai/ Juni 2005 eine Radiosendung über dieses Thema gehört habe, war mir schlagartig klar, ich bin ADSler.

Dann kam eine Zeit, in der ich mich immer wieder  mit dem Thema beschäftigt habe, ich habe mich immer wieder beobachtet, dann das Ganze zur Seite geschoben und später wieder hervorgekramt.

Irgendwann habe ich meinen Hausarzt von meinem Verdacht informiert. Der war zunächst ungeheuer überrascht und hat sich dann in den folgenden Monaten mit ADS bei Erwachsenen beschäftigt. Und während ich mich in den folgenden Monaten um das Thema herumgedruckst habe, hat er eine Adresse von einem  Diagnostiker in München aufgetan.

Im vergangenen Herbst war ich dann bei ihm zur Grippeschutzimpfung und habe das Thema nochmals angesprochen. Und schwupps...., hatte ich eine Überweisung in der Hand. Jetzt konnte ich mich nicht mehr drücken und hatte im November meinen ersten Termin.

Natürlich habe ich mich auf diesen Arztbesuch vorbereitet. Also: welche Fragen werden mir gestellt, welche Unterlagen werden benötigt, sind meine Gedanken schlüssig.

Und dann saß ich vor diesem Arzt und wurde gefragt, worunter ich denn leide.  Darauf war ich nicht vorbereitet. Ich hatte die Frage erwartet, wie ich auf den Verdacht komme (so meine Erfahrung mit meinem Hausarzt und meinen Geschwistern). Ich habe dann zunächst versucht, die Frage zu beantworten, die zwar nicht gestellt war und die ich erwartet habe.

Aber dieser Arzt hat darauf bestanden, daß ich seine Frage beantworte. Meine Güte, der Kerl war wie ein Eisklotz Mit Tränen in den Augen habe ich mich durch dieses Gespräch gekämpft. Und ich bin kein Softie, ich habe rauhe Hände, kann einen Nagel in die Wand hauen, gehe Bergsteigen und bilde mir ein, daß ich etwas aushalte. Aber über meine Seele zu reden, fällt mir unglaublich schwer.
Und irgendwie hatte ich die Vorstellung, daß ein Psychotherapeut nett und freundlich sei.

Am Ende des Gespräches teilte mir dieser Arzt mit, sein erster subjektiver Eindruck sei, daß mein Verdacht begründet sei. Anschließend folgten die Untersuchungen (EEG, Kernspin, usw.).
Und dann noch diese Fragebögen. Über 30 Seiten....    Aber ich hatte genug Zeit.

Da ich allein bin, mußte ich jemanden finden, der mir den Partnerbogen ausfüllt. Zunächst kam meine Mutter in Frage, die aber leider kurz vor Weihnachten ins Krankenhaus kam und sich nur langsam  erholt. Also mußten meine Geschwister herhalten. Präsentiert habe ich ihnen den Fragebogen zu Weihnachten. Natürlich sind beide aus allen Wolken gefallen.

Meine Schwester ist Pädagogin, und  hat ganz analytisch Fragen gestellt, als ob sie ein festes Schema abarbeitet. Ähnlich verhalten hat sich mein Bruder (Gymnasiallehrer für Mathematik, Physik und Informatik).

Während die beiden dann den Fragebogen ausgefüllt haben, bin ich aus dem Zimmer gegangen, damit die zwei dies ganz unbeeinflußt tun konnten. Anschließend haben wir uns weiter über mein Seelenleben unterhalten. Meine beiden Geschwister haben sich so darüber unterhalten, als ob sie über einen zu hohen Blutdruck redeten. Das Gespräch war für mich sehr anstrengend und ich habe zwischendrin immer geheult. Ich glaube, daß dies meine Geschwister ziemlich erschüttert hat. Jedenfalls haben sie meine Verdacht ziemlich ernst genommen.

Mitte Januar war dann das abschließende Gespräch. Ergebnis: Ja, ich bin ADSler. Nicht sonderlich stark, aber doch eindeutig. Auf einer Skala von 1 bis 100 läge ich bei ca. 20 – 30. Das Ergebnis war also so, wie ich es eingeschätzt habe. Medikamente werden bei mir vermutlich nicht wirken. Eine Therapie mache ich auch nicht, da ich meine Schwachpunkte kenne und versuche mit Disziplin damit klar zu kommen.

Für mich stellt sich sich der ganze Sachverhalt so dar: Bis zu Erkenntnis, daß es ADS gibt, war ich behindert, und spätestens seit der Diagnose bin ich eben nicht mehr behindert, sondern lebe mit dem Bewustsein, daß ich eine andere Wahrnehmung und ein anderes Verhalten habe. Leider habe ich das  Ganze 35 Jahre zu spät erfahren. Und das möchte ich  hier weitergeben: Wenn man seine Macken kennt, dann kann man eigentlich ganz gut damit leben. Wenn man sie nicht kennt, dann eckt man immer wieder an und hat dann eventuell große Probleme im Privat- und Arbeitsleben. Und ich halte es daher auch für sehr wichtig, daß jeder Jugendliche, der von diesem Thema betroffen ist, auch davon weiß. Und sei die Ausprägung noch so klein.

Und jetzt beschäftigt mich, wem ich vom ADS erzählen soll. Mein Hausarzt und meine Geschwister wissen bereits davon, meine Mutter noch nicht. Eventuell werden noch einige Freunde davon erfahren, aber ich werde nicht alle Welt informieren. Und wer nichts erfährt, sind Arbeitskollegen und Vorgesetzte.

Auch ja, ein kleines zusätzliches Ergebnis hat der Kernspin gebracht. In meinem Hirn befindet sich ein, wahrscheinlich gutartiger, Tumor, der in den nächsten Jahren immer wieder begutachtet werden sollte. Das passt dann ganz gut zu meinem Leberfleck im Auge, der wegen der einer möglichen Krebsgefahr inzwischen bestens dokumentiert ist.

Ich bin jedenfalls froh, daß ich endlich die Diagnose habe und genieße die Welt mit meiner eigenen Wahrnehmung,
LG
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Re: ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von lola57 » 7. Februar 2007 08:35

Hi Stoppelbart,

Wilkommen im Club! Ich hab meine Diagnose mit 49 bekommen - auf eigene Initiative.

Bin schon zu den Erstgesprächen besten vorbereitet angekommen. Die Frau Coach hat ziemlich die selbe Variante wie ich, da fühlte ich mich gleich aufgehoben. Und der Psychiater hat wenig Widerstand geleistet.
Wenn ich ausnahmsweise mal von etwas überzeugt bin, mutiere ich ja zur Planierraupe, argumentiere die Leute an die Wand wie eine Kreuzng aus Vertreter und Politiker. *mich selbst auslach*

Sie haben mir dann Ritalin gegeben - hat aber nicht gut funktioniert. Die Tabletten haben mir viele Fähigkeiten genommen, mit denen ich bisher ganz passabel überlebt hatte. Dazu noch die Nebenwirkungen! Vermutlich habe ich es einfach nicht (mehr) so stark, dass die Tabs UNBEDINGT nötig wären. Das Experiment war sicher nicht schlecht - ich habe durch den Ausfall von Fähigkeiten viel über mich selbst und meine nicht unbeträchtlichen Ressourcen gelernt. Aber irgendwann war ich dann nur mehr krank und depressiv - und: ich wollte mein Leben zurück! (Ich liebe dieses Lied!)

Ich habe mal eine Frage an Dich und andere "Alte". Ist das vielleicht bei uns so, dass wir nicht mehr bereit sind, all unsere Lebenserfahrung und unsere Fähigkeiten in die Tonne zu kippen für einen Neubeginn auf Tablettenbasis?

ups, ich glaube, jetzt gehe ich mal eine Runde nachdenken ....

lg

lola
Nur weil etwas einfach ist, muss es noch lange nicht leicht sein.

Ich vergesse nur wichtige Dinge - Details merke ich mir ewig.
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Re: ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von Stoppelbart » 7. Februar 2007 09:41

Hallo lola57,

ich bin mir sicher, daß ich keine Tabletten brauche, daher stellt sich diese Frage mir eigentlich nicht.
Meine Erfahrungen habe ich nun einmal gemacht, und da wohl meine Strategien entwickelt, um in der Welt zurecht zu kommen. Und wenn ich mal von meinen größeren Macken absehe ( Ordnung in der Wohnung; unsensibler Umgang mit anderen Menschen; hohe Impulsivität, wenn mir was nicht passt ), fühle ich mir eigentlich ok.

Aber ich habe auch sehr viel Druck aus meinem Leben genommen. Mein bisheriges Arbeitsleben ist eine Aneinanderreihung von Niederlagen. Seit ich jeden Ergeiz von mir weise, geht es mir besser.

Und nochetwas: ADS ist ein bestimmender Teil meines Lebens, aber nicht der einzige. Es gibt für mich noch das Photographieren, das Fotografieren, meinen Kräutergarten, das Bergsteigen und last noch least meinen Kater.

Ich möchte damit sagen, daß es sicher das eine oder andere gibt, was man in die Mülltonne kippt, aber doch nicht das ganze Leben. Der Mensch und sein Charakter ist doch so etwas wie ein Gesamtkunstwerk, an dem mal etwas angebaut wird, und dann auch mal etwas wegbricht. Und dazu stehe ich.

Aber ob meine Denkweise allgemeingültig ist, möchte ich auch bezweifeln.

LG
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Re: ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von bellaria » 7. Februar 2007 14:07

[quote="lola57"]
Ich habe mal eine Frage an Dich und andere "Alte". Ist das vielleicht bei uns so, dass wir nicht mehr bereit sind, all unsere Lebenserfahrung und unsere Fähigkeiten in die Tonne zu kippen für einen Neubeginn auf Tablettenbasis?
[/quote]

Ich trau mich fast nicht mitzureden, so als Küken (Diagnose mit 42 ;-).

Ich war anfangs einfach nur stinksauer -  ich hab mir so viele Tricks und Krücken im Laufe meines ziemlich turbulenten Lebens selbst erarbeitet, so viel durchschaut und erkannt und gelöst, dass ich vorerst komplett zerstört war durch die Tatsache, dass meine unvergleichlich-einzigartig-wundervoll-selbstgestrickte Persönlichkeit in jedem Diagnoseleitfaden für ADHS steht. Ich fühlte mich, als hätte mir jemand mein Leben geklaut!

Ich bin eine derer, für die Ritalin gut funktioniert: Ich habe kaum Nebenwirkungen und erlebe es einfach nur als erlösend, was meine Stimmungsschwankungen, innere Unruhe und latente innere Schwere anbelangt. Nur meine Tage sind wieder unangenehmer geworden, aber dieses Problem wird sich auf natürlichem Weg ja auch in den nächsten Jahren ganz von selber lösen...

Ich hab einmal Concerta getestet (das ist die Retard-MPH-Variante, wo die Wirkstoffabgabe 12-14 Stunden konstant erfolgt). Ich war super konzentriert und arbeitsfähiger denn je, hab mich aber wie ferngesteuert und "nicht ich selbst gefühlt". Das wäre auf Dauer also nichts für mich, dazu hab ich mich mit all meinen Macken schon viel zu lieb gewonnen! Mit 20 wollte ich nur von mir selber befreit werden - das hat sich sicher geändert und ist ja eigentlich auch ganz positiv so! ;-)

Trotzdem glaube ich nicht, dass ich das Experiment, mich mit 42 beruflich völlig unabhängig und selbständig zu machen, ohne Ritalin schaffen könnte - da würd ich dann doch nicht gut genug funktionieren dafür. Ich hab also noch nicht jeden Ehrgeiz fahren lassen - ich will endlich MEIN DING machen! Wenn ich noch in meinem alten Brotjob geblieben wäre, müsst ich jetzt vermutlich Antidepressiva nehmen, um ihn zu ertragen - oder mich alle 5 Jahre von irgendwas anderem runterkrachen lassen. Regen oder Traufe, also ;-)
Zuletzt geändert von bellaria am 7. Februar 2007 14:08, insgesamt 1-mal geändert.
RainerG

Re: ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von RainerG » 19. Februar 2007 19:21

Hallo Stoppelbart.

Auch von mir ein herzliches Willkommen im Club der langjährigen ADSLer.

Ich weiß es seit drei Jahren und bin inzwischen 43 Jahre alt.

Von meiner Diagnose habe ich nur meiner Frau erzählt. Ansonstenist es mein kleines Geheimnis. Von Deiner Umwelt kannst Du höchstens Verständnis oder/und Mitleid erwarten.

Als eine Behinderung sehe ich mein ADS eigentlich nicht. Eher als eine Gabe (erhöhte Wahrnehmung etc.) oder ein Auto ohne Bremsen würde ich es bezeichnen:


"Meine Erfahrungen habe ich nun einmal gemacht, und da wohl meine Strategien entwickelt, um in der Welt zurecht zu kommen. Und wenn ich mal von meinen größeren Macken absehe ( Ordnung in der Wohnung; unsensibler Umgang mit anderen Menschen; hohe Impulsivität, wenn mir was nicht passt ), fühle ich mir eigentlich ok."

Strategien ist das richtige Wort. Dazu kommt auch ein hohes Maß an Routineabläufe. Ich probiere dabei immer viel aus und was mir nicht gefällt, mache ich auch nicht. Der Rest wird fester Bestandteil meines Lebens.

"Aber ich habe auch sehr viel Druck aus meinem Leben genommen. Mein bisheriges Arbeitsleben ist eine Aneinanderreihung von Niederlagen. Seit ich jeden Ergeiz von mir weise, geht es mir besser."

4 Arbeitstellen in drei Jahren - kommt gut, oder !!!?

"Und nochetwas: ADS ist ein bestimmender Teil meines Lebens, aber nicht der einzige. Es gibt für mich noch das Photographieren, das Fotografieren, meinen Kräutergarten, das Bergsteigen und last noch least meinen Kater."

Supergeil. Alles Aktivitäten, in den der ADSLer zwei Dinge findet - Abwechslung und Ruhe.

"Ich möchte damit sagen, daß es sicher das eine oder andere gibt, was man in die Mülltonne kippt, aber doch nicht das ganze Leben. Der Mensch und sein Charakter ist doch so etwas wie ein Gesamtkunstwerk, an dem mal etwas angebaut wird, und dann auch mal etwas wegbricht. Und dazu stehe ich."

Vorsicht mit der Mülltonne! Viele Verhaltensweisen oder Aktivitäten haben sich bewährt und gehören zu Deinem Leben. Die noch nicht rundlaufen können geändert oder verbessert werden. Aber immer die sich die Frage stellen:

Welche Veränderungen könnte das auf mein zukünftiges Leben haben?

"Aber ob meine Denkweise allgemeingültig ist, möchte ich auch bezweifeln."

ADSler denken nicht allgemeingültig!!!

Gruß und viel Energie für Deine neues Leben.

Rainer
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Re: ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von Jasmin V » 8. April 2007 15:14

Da ich schon 72 jahre bin und es gerade Gestern durch den Test erfahren habe, Verzichte ich auf eine Diagnose. Mein Leben war ein Hororszenario. Behinderung durch irgenwelche ständigen Symtome, die mich häufig ins Krankehaus zwangen. Für Krankheiten die Ich nie hatte, die Labore brachte niemals irgenwelche Ergebniss. Für die Medizin war ich aber ein Hypochonder, die Medikamennte die ich für die Symphtome bekam. Sie machten mich erst körperlich krank.
Ich arbeitete im Hottelfach also Gastronomie, verlor alle par monate meine Arbeit. Ich war schon in ganz Köln in den Gastronomischen Kreisen, als unzuferlässig und kolerisch bekannt. Nur zu meiner Zeit bekam man nocht leicht Arbeit, haubtsächlich auch in der Gastronomie. Vor der Gastronomie befasste ich mich mit Musik Als ich ein Vertrag mit einer 5 Man Kapele nicht einhalten konnte musste ich eine Konfesional Strafe von 5000 Dm bezahlen.  Das pasierte mir auch in einem Kölner Konzertkaffe da Flippte ich aus, weil der Koch mir die Silberplatte auf der ich das Menü servirte auf der Flamme glühend machte. Als ich ahnungslos  darunter fasste um das Menü zu servieren, klepte die Platte auf meiner Hand fesst.
Ich schleuderte die Platte mit dem Menü gege die Trennscheibe der Küche, die 2M hoch und 12m breit war. Als diese da auf dem Steinboden in der Küche niedersauste, hörte sich das wie ein Weltuntergang an. Konzerkaffe, Speiserestaurant, Bistro,und die Schänke das war ein Betrieb. Wurden von den Gästen Fluchtartig verlassen. Es stellte sich eine bedrückende Ruhe ein,
Ich erlangte eine traugen Bekanengrad in Köln. So ein Szenaurium war mein Ganzes leben, in alle Sparten Ob Ehe Private Natur oder Beruflich es war einfach auf der ganzen Lienie die Hölle. Das alles würde ein dickes Buch ergeben, wollte ich das in einzelheiten niederschreiben.

Ich bin einfach nur dankbar durch diesen Test, erfahren zu haben, das ich nicht Irre bin. Das es dafür eine Erklährung giebt, Jetzt habe ich mit niemandem mehr Kontackt lebe einfach nur ruhig vor mich hin.
Aber menschen die Jünger sind sollte alles mögliche unternehmen um so nicht Leben zu müssen.

L.G. Jasy
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Hanghuhn
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Re: ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von Hanghuhn » 22. Mai 2011 18:44

Ich finde das Thema sehr interessant und greife es einfach nochmal auf.

Wie geht es Euch jetzt, ca. vier Jahre später?

Für mich (Anfang 50) war die Diagnose ADS eine Erlösung. Endlich wusste ich, was mit mir los ist. Trotzdem habe ich / haben andere weiterhin Probleme mit mir.

Die Arbeitswelt ist schneller geworden. Ich kann zwar schnell denken, aber ich bin langsam im Handeln. Es ist legitim, eine falsche Lösung vorzulegen, obwohl man eine bessere kennt, die man aber in der vorgeschriebenen Zeit nicht fertig bekommt; da gibt 's auch keine Verlängerung für die richtige Lösung. Das hatte mir so bis vor kurzem kein Mensch gesagt; und ich war es früher anders gewohnt, es war wichtiger, eine richtige Lösung vorzulegen. In der Zwischenzeit habe ich das aber verinnerlicht, bekomme aber keine Gelegenheit mehr, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Ich glaube, das Typische für ADSler (ausdrücklich ohne H) ist, dass man eine Sache gern zu Ende denkt. Da muss man vorsichtig sein, dass man sich nicht in ein Problem verbeißt und alles um einen herum vergisst.

Dass ich verpeilt bin, habe ich schon oft genug bemerkt. Dass aber auch vieles Andere, was meinen Charakter ausmacht, auf ADS zurückzuführen ist, war auch für mich ein Novum, habe ich teils erst durch dieses Forum kennengelernt. Mir geht es wie vielen Anderen hier: Ich liebe zwar nicht alle meine Verpeiltheiten, aber unterm Strich liebe ich meine Macken. Ich möchte bloß nicht mehr so viel damit anecken. Dafür mache ich eine Verhaltenstherapie, die mir hoffentlich weiterhilft.
LG Hanghuhn
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Re: ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von mehrleser » 16. Juli 2015 02:59

Küken seids ihr alle, ich bin 58 und mir wurde der Verdacht auf ADHS vor einem Jahr gestellt. Verdacht denn ich finde niemand der mich als Kind kannte und noch in der Lage ist darüber auszusagen, die Schulzeugnisse sind so wischiwaschi dass man daraus nichts erkennen kann. Trotzdem hat mir mein Neurologe erstmals Medikinet verschrieben...ich brauch's zum schlafen!!!
Denn berufsmäßig ist nichts mehr drin, ich musste Erwerbsunfähigkeitsrente beantragen, weil Depressionen+++++zu schlimm geworden sind.
:ichboss:
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Frostfuß
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Re: ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von Frostfuß » 12. August 2015 11:06

Hallo alle miteinander,

vorweg möchte ich sagen, dass ich froh bin, in dieses Forum "gestolpert" zu sein, weil ich hier so viele Dinge wiederfinde (mich wiederfinde), die mir ein Aha-Erlebnis bescheren.
Inzwischen bin ich 52 Jahre alt und kann auf ein turbulentes Leben zurückblicken.
Erste Ehe nach 23 Jahren Partnerschaft gescheitert (zwei Kinder "allein" großgezogen) - zweite Ehe nach sieben Jahren jetzt am Ende.
Diese zweite Ehe (mit einem diagnostizierten ADHSler der auch zwei betroffene und sich in Behandlung befindende Kinder hat) hat mir die Augen geöffnet.
Meine ältere Tochter ist inzwischen auch diagnostiziert und einfach nur glücklich, das letzte Studienjahr (Angewandte Naturwissenschaften) mit Hilfe von Ritalin endlich so erleben zu dürfen, wie es ein "Normalo" empfinden würde - für sie ist das Medikament ein echter Segen.

Ich habe noch keine Diagnose und werde wahrscheinlich auch keinen Versuch unternehmen, eine zu bekommen - weil ich weiß, dass ich betroffen bin.
Mir fehlt wahrscheinlich das H bei dieser Sache (obwohl ich auch eine "Fußwipperin" bin ;) - und eine "Fingerfummlerin" und mich erinnere, in meiner Kindheit nie wirklich gegangen zu sein - ich bin immer irgendwie gerannt.
Im Laufe meines Lebens habe ich unbewusst sehr viele Strategien entwickelt, die mir helfen, meinen Alltag zu organisieren. Zettelwirtschaft, Prioritätenliste, Disziplin...
Wenn ich innerlich überkoche, versuche ich es mit Sport, ich rauche und ich trinke jeden Abend meinen Wein (immer in der Angst, eine versteckte Alkoholikerin zu sein, wie mein Vater). (Boa, kann fast selbst nicht glauben, dass ich das hier aufschreibe).

Wogegen ich nicht wirklich ankomme sind meine Stimmungsschwankungen.
Ich grüble zuviel - wobei ich das nicht bewusst mache - meine Gedanken verselbstständigen sich einfach und nichts kann dieses Karussell stoppen.
Ich nehme so viele Eindrücke auf einmal wahr, dass das "Sortieren" manchmal nicht mehr möglich ist. Ich spüre oft die Empfindungen von anderen Menschen und nicht selten übertragen sie sich auf meine Gefühlswelt und ich werde einfach "mitgerissen". Eine Möglichkeit der inneren Abgrenzung habe ich bisher noch nicht gefunden. Ich leide unter depressiven Stimmungen und manchmal auch unter "Lebensunlust". Dann muss ich mich ein Weilchen in mich selbst zurückziehen - viel schlafen und einfach denken: das ist das Scheiß-ADS... das geht vorüber.
In meiner Wohnung ist es fast immer still (kein Fernseher, kein Radio, keine Nebengeräusche) weil mich der Geräuschpegel aggressiv macht.
Ich höre Musik (aber nur, wenn ich wirklich zuhöre) um mich zu entspannen.
Neben dem Kummer, den mir das ADS bereitet, hat es aber auch sehr viele spannende und schöne Aspekte, die mein Leben bereichern. Ich denke, ich bin ein sehr kreativer Mensch - ich zeichne, fotografiere, spiele Gitarre, dichte....
und es ermöglicht mir, auf manchmal ungewöhnliche Art und Weise, Probleme zu lösen (meist die der Anderen ;)) - ich kann aus Nix noch was machen ;) - das ist ein gutes Gefühl.

Ich würde mich sehr freuen, mich hier mit Menschen austauschen zu können - nur leider kann ich keine Profile ansehen (keine Ahnung warum).
Da ich erst so kurz "hier drin" bin, wollte ich mich eigentlich erst mal "umsehen" aber irgendwie versteh ich noch nicht so wirklich, wie das hier funktioniert... aber ... ich bin ja nicht dumm ;) - sollte mir wohl bald gelingen ;)

Jedenfalls schön, hier zu sein... bei den "Anders-Leuten" ;)
Gaby
Es muss Herzen geben,
welche die ganze Tiefe unseres Wesens
kennen und auf uns schwören,
selbst wenn die ganze Welt uns verlässt.
                                                                (Karl Gutzkow)
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Re: ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von mehrleser » 12. August 2015 12:35

schön das es euch gibt Leute, bin mal wieder am Zweifeln, an mir und der Welt und wenn ich jetzt eure Beiträge der Spätberufenen lese finde ich mich wie unter Freunden, Gleichgesinnten wieder, also nur schön das es euch gibt :froi1:
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Elbareth
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Verletzt sein und verletzen

Beitrag von Elbareth » 24. August 2015 19:34

Ich fühle mich auch ganz wohl unter Gleichgesinnten, bin 58 Jahre alt und habe meine Diagnose seit 5 Jahren. Den Verdacht schon länger. Beruflich habe ich mich inzwischen auch arrangiert und meine Besonderheiten genutzt. Was ich jedoch hier in Euren Schilderungen vermisse (vielleicht steht es woanders hier im Forum) sind die Probleme im sozialen Bereich, in Beziehungen. Das ist für mich unlösbar und wird im Moment sogar schlimmer.
Mir fehlt einfach völlig die Fähigkeit mir vorzustellen, dass andere nicht hören wollen, was ich wahrnehme. Dann sage ich es und meine es nur gut und erlebe das Gegenüber als total angepisst und viele brechen den Kontakt ab.
Ich bin mit mir selbst kritisch und nehme mich innerlich auch auseinander. Ich kenne es nicht anders und halte es auch für richtig, sich zu reflektieren. Wenn ich dann bei anderen etwas wahrnehme, was ich als ADSlerin ja gut kann, sage ich das dann oft frei heraus. Und meine noch manchmal, die Leute müssten mir doch dankbar sein. Was für absurde Situationen so entstehen!
Im Nachhinein kann ich es oft erkennen, IN der Situation so gut wie nie. Da bin ich total vergesslich.

Kennt ihr das auch? Ich höre heraus, dass viele allein leben und so vor sich hintüddeln. Das ist für mich ein unvorstellbarer Zustand. NOCH finde ich immer wieder neue Freunde, doch die Freundschaften sind alle ziemlich schnell beendet und eine Partnerschaft hatte ich schon 10 Jahre nicht mehr.

Gibt es da auch Gleichgesinnte, die mir vielleicht Tipps geben können, wie man sich mit der Einsamkeit abfindet bzw. mit dem "Selbst-Schuld"-Gefühl umgeht?

Liebe Grüße an alle Alten ;-)
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Re: Verletzt sein und verletzen

Beitrag von laetitia » 25. August 2015 01:02

[quote="Elbareth"]
Mir fehlt einfach völlig die Fähigkeit mir vorzustellen, dass andere nicht hören wollen, was ich wahrnehme. Dann sage ich es und meine es nur gut und erlebe das Gegenüber als total angepisst und viele brechen den Kontakt ab.
Ich bin mit mir selbst kritisch und nehme mich innerlich auch auseinander. Ich kenne es nicht anders und halte es auch für richtig, sich zu reflektieren. Wenn ich dann bei anderen etwas wahrnehme, was ich als ADSlerin ja gut kann, sage ich das dann oft frei heraus. Und meine noch manchmal, die Leute müssten mir doch dankbar sein. Was für absurde Situationen so entstehen!
Im Nachhinein kann ich es oft erkennen, IN der Situation so gut wie nie. Da bin ich total vergesslich.
[/quote]

Also ich kenne das mehr von der empfangenden Seite, sprich meine leibliche Mutter verhält sich mir gegenüber so. Sie meint immer, mir irgendwelche Erkenntnisse weiter geben zu müssen, weil sie sieht, dass ich irgendwo anstehe und wenn ich dann nicht so darauf reagiere, wie sie sich das vorstellt, nämlich mit Dankbarkeit, hat sie das Gefühl, mir ins Gesicht sagen zu müssen (schriftlich...sind ihre Worte...), was ihrer Ansicht nach mit mir nicht stimmt. Wenn ich ihr dann zu erklären versuche, dass das nicht so toll ist, was sie da macht, findet sie dann, sie meine es ja nur gut und wolle, dass ich glücklich sei. Für mich ist das eigentlich eine sehr unmögliche Situation für eine Beziehung und daher breche ich auch den Kontakt regelmässig ab. Wer will schon hören, was mit ihm nicht stimmt...da hat man ja selbst schon genug Zweifel an sich und als Person, die sich eh schon mehr reflektiert als der Durchschnittsmensch, ist das dann nur verletzend. Hilfreich? Nein, nicht wirklich. Ausserdem, auch wenn sie vielleicht wahr nimmt, dass ich anstehe, muss das noch lange nicht heissen, dass sie mit ihrer Wahrnehmung richtig liegt...oder das Problem erkannt hat. Für mich hat das bei ihr schon sehr narzisstische Züge.

Also, ich bin eher der Typ, der die Dinge mit sich selbst ausmacht. Daher weiss ich nicht, ob ich dir da was sagen kann, was dir helfen könnte. Ausser...
Ich denke, diese Wahrnehmung ist nicht unbedingt so gedacht, dass man dem Anderen sagen soll, was er in seinem Leben ändern könnte oder so, sondern mehr im Sinne von einer Information für uns, die uns hilft, mit der Person einen besseren Umgang zu finden. Dann kann das eine wertvolle Gabe sein, mit der wir Beziehungen bauen können.
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Re: ADS Diagnose mit 52, und jetzt erst recht......

Beitrag von Elbareth » 25. August 2015 06:33

Hallo Laetitia,
jaaaa, das kenne ich leider so herum auch. Auch von meiner Mutter, aber auch andere Leute scheinen ja diesen Drang zu verspüren, anderen zu sagen, was sie denken, also andere zu beurteilen (nicht mal nur verurteilen, positive Kritik gehört eigentlich auch zum Urteilen).
Ich breche dann auch den Kontakt ab, wenn mir einer meine Schwächen vorhält. Eine Schulfreundin von mir ist Psychotherapeutin und als ich ihr von meiner Diagnose erzählt habe und einige Symptome geschildert habe,meinte sie immer nur: Aber das habe ich auch! Das hat doch jeder.
Inzwischen sehe ich sie auch nicht mehr, denn für sie ist mein ADS eine Charakterschwäche.
Ich wollte auch nicht so sehr auf das richtig oder falsch solcher Aussagen über andere hinaus, sondern darauf, wie man etwas sein lässt, was man eigentlich gar nicht will (abschreckendes Beispiel meine Mutter, schon immer) und es dann im Moment aber doch vergisst oder sich nicht beherrschen kann.
Es ist so ähnlich wie mit zu viel essen, trinken oder fernsehen. Sucht halt. Ich weiß ja, dass es mir nicht gut tut und dennoch bin ich meist zu schwach.
Obwohl - das ist eigentlich etwas anders als bei meiner Kritiksucht, denn da vergesse ich es wirklich in dem Moment, dass es mir und dem anderen nur schadet.
Ich habe darüber gelesen (Begleitliteratur zu Ein Kurs in Wundern), dass dies unbewusste Schuldgefühle sind, die man damit auf andere projiziert, weil man sie nicht aushalten kann. Ich schätze, je unbewusster sie sind, um so weniger wird man sich dessen gewahr, dass man projiziert. Robert Betz nennt solche Menschen, denen wir die Schuld gerne zuschieben möchten, ja Arschengel.
Nun, es ist auf jeden Fall noch eine Menge zu lernen. Jedenfalls für mich.
Danke für den Austausch hier.
Elba
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