Zu spät?

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kphth
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Re: Zu spät?

Beitrag von kphth » 1. Februar 2009 02:14

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Ich war letztes Jahr beim Arzt, habe alle Fragen beantwortet und alle Bögen ausgefüllt. Schmunzelnd, ermutigend schaute der Arzt mich während meiner Ausführungen an.  Meine Aufgabe war, die Familie beim Essen zu filmen und mit dem Ergebnis wieder zu kommen. Aber warten Sie nicht zu lange, sagte er zum Abschied. Das ist ein Jahr her.  Ich kann meine Familie nicht beim Essen filmen- sie wissen nicht mal, dass ich dort gewesen bin. Außerdem sind wir beim Essen ganz normal. Seltsam sind wir, wenn wir das Haus verlassen, also wenn wir alle gemeinsam los müssen, dann bricht regelmäßig das Chaos aus, es gibt tierischen Stress und alle sind fix und fertig, wenn der letzte die Tür endlich hinter sich schließt, was nicht bedeutet, dass einer doch noch was vergessen hat und nochmal zurück muss. Drei Jahre nachdem mein Ältster seine Diagnose mit 20 bbekommen hatte, dachte ich es ist vielleicht gut, wenn ich mich auch testen lasse. Ich weiß nicht, ob mich eine Diagnose wirklich weiter  bringt..... ich bin 49 - was kann mir der Arzt noch sagen, was ich nicht selbst schon weiß?

Liebe Grüße
KPHTH
Vadik
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Re: Zu spät?

Beitrag von Vadik » 1. Februar 2009 08:34

hallo kphth,

so kannst du natürlich denken. bist ja herrin über dich. und du kannst auch den gutgemeinten rat deines arztes ignorieren und dein eigenes ding machen. intepretierst die dinge so wie du es gewohnst bist. zu allem hast du das recht. keine frage.

doch das bringt dich nicht weiter. warum denkst du nur soviel nach über bestimmte dinge? der arzt meinte doch nur du solltest die kamera an die seite stellen und euer frühstück beginnt. dasm achst du einige tage hintereinander. die kamera wird schon bald nicht mehr wahrgenommen. und ihr werdet sein wie ihr eben so seid. nicht mehr und nicht weniger. dann bekommt es der arzt und er intepretierst das aufgenommene aus der sicht eines fachmannes, der du doch nciht bist, oder?

es setzt natürlich voraus das es für dich wichtig ist zu erfahren ob du nicht auch ad(h)s hast.

gruß,
vadik
kphth
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Re: Zu spät?

Beitrag von kphth » 2. Februar 2009 00:06

na ja, Vadik, das ist genau die Frage: ist es wichtig, ob es ADHS heißt oder nicht. Ich bin nicht ignorant, ich bin schon der Fachmann wenn es um mich geht, wer kennt mich besser, als ich mich selbst? Hätte schon gern Rat des Arztes, aber er würde aus einer Frühstückssituation nicht erkennen könne, das weiß ich!! Ich müsste meine Familie bitten, mich zu fillmen, wenn ich in "Fahrt" bin. Das würden sie auch sicher gerne tun, ich habe ihnen bloß noch nichts gesagt, weil ich nicht weiß, ob .... ich weiß auch nicht, es widerspricht irgedtwie meinem ....Kontrollbedürfnis. Ich gebe halt nicht gerne Dinge aus der Hand. Möglicherweise ist das mein Problem. Darüber muss ich nochmal nachdenken- danke für deine Antwort!
GRuß
KPHTH
Lynes
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Re: Zu spät?

Beitrag von Lynes » 2. Februar 2009 15:57

Um nocch einmal auf das Thema "zu spät" zurück zu kommen...
Wann ist denn "zu spät"??? Wir liegen ja alle noch nicht in Ofen 13, Klappe 8... insofern fänd ich das viel schlimmer, wenn wir irgendwann auf unserer Wolke schweben würden und uns würde dann der Geistesblitz treffen.
Annähernd "zu spät" würde ich betrachten, wenn aufgrund AD(H)S andere durch ADS-ausgelöste Krankheiten dazu kämen, wie z. b. burnout. Bei mir kam ´s erst zum burnout...dann die Diagnose ADHS. den burnout krieg ich nicht wirklich in Griff aber ich bin sehr erleichtert für die Bescheinigung "Andersweltler" zu sein. Ich kann jetzt viel mehr über mich selbst lachen...
Liebe Grüße
Lynes
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Steven-Alex
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Re: Zu spät?

Beitrag von Steven-Alex » 14. Februar 2009 23:26

Ich beabsichtige mich jetzt mit 48 Jahren diagnostizieren zu lassen...das hat allerdings nur einen Grund...
Ich will Gewißheit...nicht mehr...aber ändert das mein Leben???? Nein, ich denke nicht...der Zug ist abgefahren, neu anzufangen in meinem Alter ist schlicht nicht mehr möglich...das Leben ist verpfuscht und auch nicht mehr zu reparieren...

Mein 18 järiger Kampf mit meinem jüngsten Sohn hat mich alle verfügbare Kraft gekostet und kostet es noch...

Soll ich eine kräftezehrende jahrelange Therapie beginnen in der Hoffnung auf ein besseres Leben???
Und wenn ja, was habe ich denn noch zu erwarten??? Einen Job, in dem ich so angemessen bezahlt werde, das ich deutlich über dem Existenzminimum leben kann und mir mal was leisten??? Wohl eher nicht in meinem Alter...
Aus der Vereinsamung herauskommen mit neuen Freunden und Bekanntschaften???? Wohl eher auch nicht...

Also, wofür sollte ich diesen Kraftakt noch auf mich nehmen, wenn mein Alter ein Hindernis darstellt noch ein vollwertiges und akzeptiertes Mitglied dieser Gesellschaft zu werden...

Klar, die Durchhalteparolen sind ja nett zu lesen und der Satz " Wir sind nicht alt, wir starten durch" mag durchaus seine Berechtigung haben, wenn man ein recht stabiles und zuverlässiges Umfeld hat...also wenn Job und Familie grundsätzlich schon vorhanden sind...dann kann es nur noch besser werden und voran gehen...

aber wenn man nichts weiter hat und von vorne anfangen muß, dann, ja dann ist es

Zu spät....
Liebe Grüße
Sabine
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Re: Zu spät?

Beitrag von Vadik » 15. Februar 2009 13:56

hi steven-aäex,

ist ja dein gutes recht alles genauso zu sheen wie du es siehst, oder besser sehen willst.

doch du hast da etwas nicht bedacht. und das wird auf dioch zukommen, ob du willst oder nicht. mit der gewissheit wird sich einiges bei dir verändern, auch wenn du es niemals wolltest.

und ich kann dir sagen, dass dies absolut ok ist. es werden sich viele dinge positiv ändern. seit ich es weiß haben sich daraus eigentlich nur positive dinge entwickelt. das hadern mit der vergangenheit einmal ausgenommen. doch auch dies schien eich nun langsam aber sicher überwunden zu haben. am meisten freue ich mich darüber, dass ich nicht mehr so angreifbar bin. mich ziehen die oft bösen kommentare nichtmehr runter. zu beginn hatte ich immer noch mal versucht meine situation darzstellen. ist mittlwerweile vorbei. hat ohnehin keinen wert.

gruß,
vadik
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Steven-Alex
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Re: Zu spät?

Beitrag von Steven-Alex » 15. Februar 2009 18:07

Hi Vadik,

vielleicht hast Du ja recht...ich kanns mir zwar nicht vorstellen, das sich was ändern wird...ich lasse mich einfach mal "überraschen" was passiert, wenn ich diagnostiziert bin und schwarz auf weiß lesen kann, was mit mir nicht stimmt...
Liebe Grüße
Sabine
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Re: Zu spät?

Beitrag von derzirkel64 » 15. Februar 2009 19:20

Hallo,
unsere Selbsthilfegruppe war - wie sicher die meisten AD(H)S-SHG-Gruppen - anfangs fast ausschließlich auf betroffene Kinder und deren Eltern ausgelegt. Leider sind die sehr engagierten Gründer letzten Sommer wegen der Arbeit fortgezogen und ich habe die Gruppe dann übernommen, damit sie fortbesteht.  Neben den eigentlichen SHG-Treffen und unserem (+ meinen) Web-Auftritt bot ich i.d.F. zusätzlich Individualgespräche an (ursprünglich als Einstieg gedacht).
Zu meiner großen (positiven) Überraschung wurden diese Individualgespräche fast ausschließlich und in zunehmenden Maße von erwachsenen Hilfesuchenden/direkt Betroffenen wahrgenommen, welche sich zumeist zunächst vor dem Weg in die SHG scheuten. Teilweise waren dies Menschen, die bis dato recht erfolgreich im Leben standen oder noch stehen, andererseits teilweise aber auch Menschen, die nicht mehr weiter wussten oder vor Scheidepunkten in ihren Beziehungen, Beruf oder Leben allgemein standen.
Bei vielen hilft es ungemein, dass sie lernen zu verstehen, warum sie anders sind, wie sie damit umgehen können, ohne sich zu verbiegen und schlechte Gefühle (Schuldgefühle, Versagensängste, Minderwertigkeitsgefühle usw.) zu bekommen. ... Es ist eine ungeheure Bereicherung mit ihnen ins Gespräch zu kommen und zu sehen, wie es weitergehen kann. Am Schönsten ist, wenn nach den Gesprächen wieder das (m.E. typische) Hoffnung und Optimismus ausstrahlende Funkeln (Leuchten) in den Augen der Gesprächspartner auftaucht.

Lieber Gruß
andreas
Frosch
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Re: Zu spät?

Beitrag von Frosch » 16. Februar 2009 05:39

Hallo Steven-Alex,

was heißt zu spät? Nur weil Du jetzt 48 bist, heißt das doch noch lange nicht das es zu spät ist. (bin zwar erst 38?! und habe mich in diesen Thread, verirrt?!) Es ist doch schon eine Beruhigung an sich zu wissen, das es einen Grund gint, warum das Leben nicht so gelaufen ist wie bei anderen, oder das es noch andere gibt die auch Bertroffen sind, mit denen man sich austauschen kann, alleine um die innerliche Einsamkeit loszuwerden.
Und was sich letztlich für die Zukunft ändert, oder ob überhaupt, das bleibt doch ganz alleine Dir überlassen, was Du daraus machst.
Aber ich finde nicht, das man sich mit 48 schon sein Leben gänzlich abschreiben sollte, es kommen noch so viele Jahre auf dich zu die du nun positiver für dich gestalten kannst, alleine, weil Du jetzt WEIßT.
Versuch einfach das beste in kleinen Schritten, zu finden, schlimmer kann es doch nicht mehr werden, oder? Das Du nicht auf einmal einen Job in der Chefetage bekommen wirst, oder what ever, das ist klar, aber besser als das bisherige Leben, wird es aus dem Aspekt den du jetzt hast, bestimmt.

LG Frosch
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Re: Zu spät?

Beitrag von Dieter » 27. Februar 2009 01:16

[quote="Eva"]
Viele ADSler haben ihre Diagnose erst sehr spät ... nach jahrzehntelangem Kampf, Verdrängungen, Schauspielereien und vielen Resignationen ... erhalten.

Endlich eine Erklärung für so unendlich vieles! Und nun?

Die Kinder sind erwachsen, Die Partnerschaft .... falls sie noch besteht .... verharrt in gegenseitiger Resignation oder tagtäglichem Kampf. Beruflich ist kaum noch etwas möglich, selbst wenn man plötzlich das Richtige fände .... am richtigen Ort zur richtigen Zeit wäre! Der Mut ist vielleicht weg, oder die Kraft. Einfach aufgebraucht!

Zu allem Überfluss das Bewusstsein des "Älterwerdens". Schon für Nicht - ADSler kein leichtes Thema.

Diagnose Mitte 40 oder später! Tränen der Wut, der Hilflosigkeit, der Ohnmacht?

Nein, besser spät als nie!

Helft Euch gegenseitig "durchzustarten". Helft Euch ein "richtiges" Leben und Verständniss für Euch zu finden.
[/quote]

Hallo Eva, es trifft den Kern der Sache! Danke für die klaren Worte!
Liebe Grüße Dieter
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Re: Zu spät?

Beitrag von ewokin » 17. März 2009 21:54

sonntagskind: "Oje, ich schweife schon wieder ab, was wollte ich eigentlich erzählen?" hey, bist du ich, in 20 jahren ? kommst du aus der zukunft ? *fg*

hey .. naja ich weiß jetzt seid einem jahr das ich ads hab. wurde mit 22 diagnostiziert. es ist irgendwie ... wie eine reise in die vergangenheit, so vieles wird mir von tag zu tag bewusster. mittlerweile weiß ich das der grund für meine depries nicht die sind, von denen ich dachte sie wären es.

ich hatte nie richtig einen vater.
meine mutter wurde von ihrem vater vergewaltigt. (mein onkel auch, aber mit dem hatte ich eh nie viel zutun - er ist zum junky geworden mittlerweile clean aber eine bleibende psychose)
dick in der kindheit, viele pickel

naja und so weiter, ich dachte immer dinge dieser art sind schuld daran wie es mir geht. heute weiß ich, das es eigentlich nicht diese dinge sind, die mich belasten.
sie tragen bestimmt ihren teil dazu bei, aber der hauptgrund ist einfach unerkanntes ads. (mutter wurde auch nach mir diagnostiziert mit 46) auch vor einem jahr.

seid ich es weiß, denk ich irgendwie dauernd über meinen sinn im leben nach, was ich tun soll. ich hab keine ahnung.
aber ich hab das gefühl, ich bin auf dem richtigen weg.


packen wir das leute ? JA! :)

lg
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jorin
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Re: Zu spät?

Beitrag von jorin » 10. Mai 2009 16:51

ich habe meine diagnose mit mitte 37 bekommen und war so erleichtert,
dass all das komische und gefühlte anderssein
endlich einen namen hat..
...das kennen ja viele hier...

ich weiss nicht recht,
was gewesen wäre ,
wenn ich vor 10 jahren diagnostiziert worden wäre....
damals wäre kein Raum für Therapie gewesen , die Medis waren weniger entwickelt, die Erleichterung wäre wohl
auch gross gewesen...
aber sicherlich hätten dann aufgrund des geringen Bekanntheitgrades
noch mehr Leute die Diagnose angezweifelt!

...
Herlady Mrs. Dr.Dr. rer. soc. Generalverstreckungsverzugsvollbemächtigte A.D.   hs
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aniram
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Re: Zu spät?

Beitrag von aniram » 29. Mai 2009 12:27

Liebe Eva,

Du sprichst mir total aus dem Herzen!!!!!!!!!!!!!!!
Bin 50,in den Wechseljahren,kuriere seit Monaten einen Bandscheibenvorfall der Hws aus, habe seit dem 6. Mai meine Adhs-Diagnose und nehme seit letzter Woche Methyphenidat( tägl.10- 20 mg ohne
nenenswerten Erfolg) Therapie ist im Gespräch aber den richtigen Therapeuten zu finden ist schwer.
Also nach all dem gehts mir momentan nicht besonders...
Habe aber als Zuckerle, eine Weiterbildung zur Altentherapeutin angeboten bekommen(Rentenversicherung)und habe aber keine Puste mehr, am liebsten würde ich weit weg gehen und meine Behinderung irgendwo am Meer auskurieren im Kreis achtsamer,liebevoller Menschen!
Nur geträumt.......

liebe Grüße
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agathe
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Re: Zu spät?

Beitrag von agathe » 31. Mai 2009 21:51

ein dank an eva für die klaren worte: exakt meine situation..
ich bin neu hier :rose: und les erstmal quer, und dann gleich so ein treffer!!..

das ich adhs hab, ist mir seit jahren klar.spätestens, seitdem ich beruflich mit der ganzen ads-thematik zu tun habe und mich immer mehr und in immer konkreteren punkten wiederfinde..

ich gehör aber noch zu der generation, wo es ads nicht "gab": man war halt wild-- aber nicht "krank" ... 
lange hab ich mich gewehrt, dies anderssein pathologisieren zu lassen und ob ich mich mit bald 50 wirklich noch einer diagnosestellung aussetze, weiß ich immer noch nicht.
mir ist ja soweit klar,was mit mir los ist, und muss erst noch erfahren und überlegen, ob und was es mir helfen könnte, eine "amtliche"  bezeichnung zu hab....
darum, u.a., bin ich hier  :ja:

und was ich bisher, in meinem ersten! thread hier gelesen hab, hilft mir bei der entscheidungsfindung und vorgehensweise schon enorm!!
ich bin sehr gespannt auf input und austausch, und weiß jetzt schon, das ich hier richtig bin...
Zuletzt geändert von agathe am 31. Mai 2009 22:00, insgesamt 1-mal geändert.
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jorin
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Re: Zu spät?

Beitrag von jorin » 8. Juni 2009 10:17

:ja:

ach schön!!!!
manchmal denken ich dass solch perfektes funtionieren der welt auch nicht gut tut...


quote author=violett link=topic=8021.msg358733#msg358733 date=1224948327]
ich (41) gehör auch zu den "ich bin glücklicher + erleichtert seit der diagnose" fraktion.

grad heute hab ich's wieder mal gemerkt.

ich war auf der post pakete wegbringen und hab (wie üblich) wieder was vergessen mitzunehmen.
verhalten vor der diagnose: "verdammt, du bekommst es einfach nicht gebacken.. endnerv"
verhalten nach der diagnose: "ach du schussel du. machst es halt montag, kennst dich ja"

auf dem markt beim bäckerstand. ein mann wollte sich etwas zu essen kaufen, hatte aber nicht mehr so viel geld dabei. ich leg das fehlende geld dazu bzw. tu so, als sei es ihm runtergefallen, um ihn nicht in eine peinliche situation zu bringen. seine reaktion, null.. kein danke nix. später stand ich mit ihm alleine in der u-bahn, kein blickkontakt, nix. er ignorierte mich.
meine reaktion vor der diagnose:"was sind das nur für menschen? bin ich die, die was falsch macht oder wer von uns passt nicht in diese welt?"
meine reaktion nach der diagnose: "ICH passe genau in die welt und wie diese auf mich reagiert ist mir völlig schnuppe, ich tu was ich für richtig halte und erwarte nix, egal wie andere reagieren.. ich bin eben so"

anders sein (an)erkennen und sich damit versöhnen, dafür kann's doch nie zu spät sein  :icon_wink:


[/quote]
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annichen
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Re: Zu spät?

Beitrag von annichen » 6. Juli 2009 12:50

:icon_rolleyes:

hallo leute!
bin neu hier und im moment ziemlich verzweifelt. meine herkunftsfamilie ist mir abhanden gekommen, mein job ist weg, freunde dito! ...und nu???

mit dieser diagnose erklärt sich zwar das chaos unserer familie und all den anderen problemen - speziell meiner - aber was ist mit dem JETZT?
nach mobbing und anderen weniger schönen erfahrungen brauche ich mut und kraft zum weitermachen, gerade auch für unsere ebenfalls betroffene tochter (5).
bin inzwischen üfi und da scheint mir der neuanfang nicht so einfach zu sein
jammern hilft nix - weiß ich schon, wegziehen geht grad nich - hab ich schon überlegt
würde einfach gern "gleichgesinnte" in meinem dunstkreis finden zum erfahrungsaustausch oder so...
nett kaffee trinken... endlich mal wieder über alles lachen, was einem schmerzen gemacht hat
interessenten in 16...???

bis dann denn!
:winken:
cajo81
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Re: Zu spät?

Beitrag von cajo81 » 24. April 2011 17:14

Ich habe meine Diagnose erst letztes Jahr mit 29 bekommen.

Einerseits bin ich glücklich nun endlich in etwa zu wissen was mit mir Sache ist aber anderseits habe ich vor der Zukunft große Angst weil ich bisher so viele Probleme hatte :


Ich leide schon seit meiner Kindheit z.B. an großen Angststörungen, hatte deshalb bisher auch noch nie eine Freundin und nur einmal Sex (der sich scheiße anfühlte).

Gut, immerhin weiß ich jetzt dank Erfahrungen mit MPH dass ich zu jenen ADSlern gehöre deren Körpersensorik und -feinmotorik stark beeinträchtigt ist.

Es war für mich ein Schock erleben zu müssen dass sich für mich mit MPH alles viel sanfter anfühlt. (vom Wasser bis zur eigenen Haut)  :icon_rolleyes:

Aber dafür weiß ich jetzt auch woher meine zurückhaltung in vielen Bereichen herrührt.  :breitgrinse1:


Beruflich sieht´s für mich auch nicht gerade rosig aus. Ich habe zwar dank meiner strengen Mutter das Abi geschafft aber bin nach fast 10 Jahren Studium rausgeflogen.

Vor dem Ergreifen eines Berufes habe ich aufgrund meiner Reizflut große Ansgt. Ich möchte eigentlich nur meine Ruhe haben und meinen Hobbies/Zwangsstörungen nachgehen.

Ich halte nicht viel Stress aus, aber keiner versteht´s sondern macht mir nur noch mehr Druck. Ich schäme mich dafür dass ich nicht so leistungsfähig bin wie andere, fühle mich als schlechten Mensch.


Wahrscheinlich aufgrund der Reizüberflutung und meinen Schamgefühlen leide ich schon seit vielen Jahren an einer schweren Depression. Wie gesagt, ich empfinde mich als Menschen "niederen Wertes" weil

ich so viel versage, keine Disziplin entwickeln kann und vieles was ich mache mehr schlecht den recht ist. Das alles nagt enorm am Selbstwertgefühl. Und die Einsamkeit, auch wenn ich sie an sich

definitiv bevorzuge, gibt mir zusätzlich das Gefühl ganz alleine gegen alles kämpfen zu müssen.  :aufsmaul_2:


Naja, ich hoffe dass ich endlich einen guten Medilamentenmix finden werde der mir hilft mich zu stabilisieren. Ansonsten sehe ich aber meine Zukunft DERZEIT eher trübe.  :icon_rolleyes:
ronja_2
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Re: Zu spät?

Beitrag von ronja_2 » 23. September 2011 07:30

hallo miteinander
habe den faden erst gerade entdeckt... mein psychiater (absoluter adhs-spezialist und ein riesenglücksfall) hat für mich etwas ganz tolles gesagt: "gehen sie nicht einfach davon aus, dass alles nur besser gewesen wäre mit einer frühdiagnose. klar, einiges wäre anders, vielleicht angenehmer gewesen. vielleicht hätten sie viele entscheide aber auch so getroffen, dass vieles ander schief, schlimm, traurig, krankmachend gelaufen wäre. vielleicht wären sie supererfolgreicher manager geworden, alles top, viel geld, toller partner, ein teures auto und damit bei überhöhter geschwindigkeit - trotz ritalin  :8: - von der strasse gekommen und tot gewesen."
im rückblick, meinte er, sehe ein leben immer wie EIN faden aus. aber wenn man im leben stehe, treffen man jeden moment grössere und kleinere entscheide, nehme den weg nach links oder rechts. und aufgrund von diesen entscheiden stehe man vor neuen situationen und entscheidungen. und erst im rückblick sähe dann alles wie ein faden aus.

hm. das hilft mir immer wieder, wenn ich daran denke, dass es viel einfacher gewesen wäre, wenn ich es früher gewusst hätte. aber hätte ich mir dann ein leben wie jetzt (mit kindern, tieren usw.) überhaupt zugetraut? ich weiss es nicht...

viel kraft und zuversicht euch allen!
ronja


ps: gibts da irgendwo die option, dass ich im forum die aktiven themen der letzten 24stunden oder so sehen kann?
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agathe
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Re: Zu spät?

Beitrag von agathe » 23. September 2011 08:52

[quote="ronja_2"]
ps: gibts da irgendwo die option, dass ich im forum die aktiven themen der letzten 24stunden oder so sehen kann?
[/quote]


jepp!
ganz oben rechts, unter deinem usernamen steht: "ungelesene beiträge"--da draufklicken und:  voila


herzlich willkommen erstmal!!
und ich denke, dein satz mit dem "hätt ichs mir  überhaupt zugetraut" ist wichtig..
bei mir jedenfalls weiß ich, daß ich WEGEN meiner adhs einiges gemacht habe, was sich andere nicht getraut hätten..
dies "leben auf risiko" birgt eben auch viele möglichkeiten und chancen....
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graffiti
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Re: Zu spät?

Beitrag von graffiti » 23. September 2011 20:30

bei mir jedenfalls weiß ich, daß ich WEGEN meiner adhs einiges gemacht habe, was sich andere nicht getraut hätten..
stimmt.
früher hätte ich das zwar nicht im zusammenhang mit adhs gesehen (weil ich es nicht gewußt habe), aber ich wußte schon immer, daß mein hang zum bungee-springen im leben nicht nur negative auswirkungen hatte.

z.b. hätte ich jetzt niemals 3 kinder, deren leben ich mit (sehr oft beifälliger) faszination verfolgen darf.
z.b. wäre ich jetzt niemals mit meinem mann zusammen.
z.b. hätte ich jetzt niemals ohne abgeschlossene ausbildung einen führungsposten mit weitgehend selbständiger arbeitseinteilung.

besonders die letzten beiden punkte wären nicht mehr aktuell ohne diagnose, therapie & letztendlich auch medikamente, weil ich nicht hätte durchhalten können (& entsorgt worden wäre oder mich selber entsorgt hätte)
ABER
angeleiert habe ich alles in seliger (oder meist eher unseliger) unwissenheit.
hätte ich sonst wohl nicht - hätte ich mir nämlich alles nicht zugetraut.
bin ich froh, daß ich mir diese nachdenk-zigarette nicht angezündet habe, als ich die gasleitung abgemäht habe :icon_mrgreen:<br />oder: alles wird gut.
Zoey
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Re: Zu spät?

Beitrag von Zoey » 1. Oktober 2011 12:21

Anfangs war ich einfach glücklich endlich zu wissen was mit mir los ist und zu begreifen dass ich weder blöd noch faul oder einfach beschränkt bin. Ein Teil von mir fühlt immernoch so und wird es bestimmt den Rest meines Lebens tun.

Doch es gibt auch Dinge in meinem Leben für die es zu spät ist, die ich anders hätte machen können wenn ich eher gewusst hätte was mit mir los ist, dass man etwas dagegen tun kann, dass ich keine Totalversagerin bin.

Z.b. kann ich aus gesundheitlichen Gründen keine Kinder mehr bekommen. Als ich jünger war habe ich keine bekommen weil ich Angst davor hatte dass sie so werden könnten wie ich. Oder dass ich eine furchtbar schlechte Mutter wäre weil ich so eine "Lebensversagerin" war. Jetzt wo ich die Hoffnung habe mein Leben zum Besseren wenden zu können und mit mir selbst und meinen Macken umzugehen lerne, habe ich die Chance auf Kinder nicht mehr.

Mir fehlt jegliche Altersvorsorge und mit Ende Dreißig wird es nun auch verdammt schwer als Neuanfängerin im eigenen Leben eine gute Vorsorge aufzubauen. Was das angeht zählt jedes Jahr in dem mich mein Adhs davon abgehalten hat einer kontinuierlichen Arbeit nachzugehen und für meine Zukunft anzusparen und vorzusorgen.

Meine Art in neue Dinge hineinzuspringen hat viel kaputt gemacht. Mein dementsprechend arg angeschlagenes Selbstwertgefühl hat dass noch verschärft. Klar kann ich neue Beziehungen aufbauen, einen guten Job suchen, viel Positives für mich tun.
Doch die Dinge für die es zu spät ist, lassen sich dadurch nicht ausgleichen.
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