Zu spät?

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Sulamith
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Re: Zu spät?

Beitrag von Sulamith » 22. November 2007 08:47

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Hallo Saidinho!

Ich versteh Dich.
Ich bin jetzt 48 und habe auch Jahre gebraucht,
bis ich mich dazu aufraffen konnte.

Jetzt hab' ich's gepackt und bin zufrieden.
Nur ein fahrendes Auto kann man lenken.

Aber richtig, ich würde nicht zu JEDEM Arzt gehen.

Das ist natürlich das Problem. Es gibt nicht soviele, die sich da auskennen.
Hier im Forum kannst Du aber nachfragen, nach Adressen von auf Erwachsenen-ADS spezialisierten Ärzten.

Ich hab hier eine bekommen und mich dann auf der Homepage informiert und das hörte sich dann soweit ganz gut an.Also hab ich mich dort angemeldet
Den ersten Termin hatte ich jetzt schon und mein erster Eindruck war gut.
Allerdings fahre ich ca 120 km. Für eine Therapie wird das auf Dauer wohl zu weit sein.
Aber die Diagnose...ein paar Termine...das geht jetzt schon mal.
Und wenn ich die Diagnose habe, dann seh ich weiter.
cora
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Re: Zu spät?

Beitrag von cora » 22. November 2007 13:17

Als ich immer mehr an meine Grenzen gestoßen bin, in Bezug auf  am besten fang ich mal weiter vorn an
Alles lief soweit normal, bis ich zur VorSchuluntersuchung mit meiner Tochter mußte.
Da lagen eine Menge Defizite vor, was ich allerdings damals ganz anders sah.
Nachdem die Auswertung fast fertig war, konnte ich dann noch nicht mehr an mich halten und habe mir erst mal Luft gemacht.
Im Nachhinein, war meine Denkweise nicht gänzlich falsch, habe ich doch vieles einfach nur in den falschen Hals bekommen und alles sehr persönlich genommen,
aber was ich ganz klar sagen muß
Ich habe mich in der Wortwahl und in der Tonlage arg vergriffen.

Im Nachhinein war das aber auch nicht gänzlich verkehrt
Man behandelte mich jetzt anders.
Man sah mich auch manchmal komisch an, aber das war mir egal.
Wenn etwas anlag, wurde versucht, das meinem Mann mitzuteilen, man mied Gespräche mit mir, damals kam mir das sehr gelegen.

Irgendwann meldete ich dann meine kleine zur Ergotherapie an und dort, wurde mir geraten, was ich alls machen konnte um ihr zu helfen.
Und da war ich das erste mal ehrlich, auch zu mir selber.
Ich sagte ganz klar, das ich ihr keine Struktur geben kann
und dann erzählte ich alles
Der Therapeut schaute mich an, als käme ich geradewegs vom Mond.
Er sagte er habe einen guten Freund der als Psychotherapeut arbeitet und er wollte ihn kontaktieren.
Ich bekam dann sehr schnell einen Tremin bei ihm.

Nun muß ich sagen ich bin die, die mit 180 Sachen bisdato durchs Leben fegte,
Hinterlassen habe ich oft Bewunderung bei anderen
Ich habe viele Dinge geschafft, die man für nicht möglich hielt,
aber den preis den ich dafür zahlte, den ahnte glaub ich keiner, und am wenigsten ich selber.

Ich wurde innerhalb weniger Wochen medikamentös behandelt, in erster linie sollten die extremen Stimmungsschwankungen in den Griff zu kriegen sein.
Ich glaube im Nachhinein betrachtet
Es war kurz vor um, es wäre nur noch eine Frage der Zeit gewesen, bis ich zusammengeklappt wäre.
Anzeichen waren da.
Ich war schon immer ein Optimist, ich habe oft in meinem Leben bei wirklich 0 wieder angefangen, deswegen, war mir mein Anderssein, vielleicht auch nie behandlungsbedürtig erschienen.

Aber durch meine Tochter, bekam ich eine Ahnung,  sie ist wie ein Spiegel meiner Kindheit.
In meiner Kindheit, als ich anfing die Mauer zu erbauen.

lg
Cora
Geh mir weg mit deiner Lösung, sie wär der Tot für mein Problem.
(Annett Louisan)
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chribaclau
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Re: Zu spät?

Beitrag von chribaclau » 8. Februar 2008 15:55

Hallo, ich bin ja neu hier und arbeite mich so langsam durch.
Eigentlich brauche ich keine Diagnose, ich habe meine selber gestell :baw:
Da ich schon so viele Bücher durch habe, ist es mir immer wieder wie Schuppen von den Augen gefallen, ich habe mich so oft schon wieder erkannt.
Aber irgendwie hätte ich doch gerne etwas schwarz auf weiss.
Kann mir jemand sagen, wie  und wo ich diese Diagnose erhalte???? Danke
dinchen
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Re: Zu spät?

Beitrag von dinchen » 8. Februar 2008 16:00

Hallo chribaclau,

schreib doch mal eine PN mit Deiner Postleitzahl an die Adresse "Addy" hier im Forum.
Dann bekommst Du gute Spezialisten in Deiner Nähe genannt.

LG
dinchen
„Man muss die Welt nicht verstehen, man muss sich nur in ihr zurechtfinden." Albert Einstein
:willi: 276 
ChristineK
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Re: Zu spät?

Beitrag von ChristineK » 5. März 2008 08:48

Hallo, alle zusammen!
ich habe mir gerade Eure Beiträge zu diesem Thema durchgelesen und bin erstaunt, wie relativ positiv ihr das alles sehen könnt!
Geht mir nicht unbedingt so.

Ich habe meine Diagnose seit ca. 6 Jahren (mit ca. 30) und nachwievor ist alles ziemlich schwierig. Zuerst konnte ich es nicht so einfach annehmen: d a s sollte die Erklärung für a l l e meine Probleme sein? Ich habe mich dann eingelesen und konnte es dann langsam annehmen. Aber als mir die Zusammenhänge dann langsam klar wurden, als mir langsam dämmerte, wo mein adhs begann und aufhörte, war es mehr als zwiespältig.

Ich konnte bis zu einem gewissen Grad meine Schuldgefühle auch loslassen, ich konnte vieles in meinem Leben umdeuten, aber eben dadurch war da sehr wohl das Gefühl: mein Gott, wenn ich es früher gewusst hätte, was hätte ich mir und auch anderen ersparen können. Aber vor allem mir.

Ich wäre in vielem erfolgreicher gewesen, teilweise nicht so gnadenlos abgestürzt, hätte nicht diese ewigen Niederlagen einstecken müssen, wo die anderen langsam aber sicher Erfolg einheimsten.

Aber  nach der Diagnose ging es weiter: es war (gottseidank) am Anfang meines Studiums, sonst hätte ich das wohl auch nicht geschafft (obwohl dieses jetzt auch auf der Kippe steht, aber das ist ein anderes Thema), aber trotz Tabletten (die übrigens wirklich halfen, meine Güte, was für ein Unterschied) ist es nach wie vor ein Kampf, damit umzugehen. Die Tabletten sind ja nicht die Lösung aller Probleme, mir halfen sie beim Lernen (bessere Konzentration), nicht mehr so vergesslich zu sein, und überhaupt wacher durchs Leben zu gehen.

Aber es gab und gibt noch genügend Probleme im Alltag/Studium/Arbeit... also in jedem Bereich meines Lebens.

Aber das größte Problem von allem  ist mein mangelndes Selbstvertrauen, das durch die langen, nicht um ads-gewussten Jahre gelitten hatte, und auf der Uni ist es auch nicht viel besser geworden. Ok, bei mir kam/kommt dazu, dass ich damals (mit 30) innerhalb von ein paar Wochen noch eine Diagnose erhielt (eine Dystonie/torticollis), und die mich auch schwer belastet hat bzw. an der ich beinahe zerbrochen wäre (aus bestimmten Gründen, aber das gehört jetzt nicht hierher).

Es ist richtig, dass ich mich besser kennengelernt habe und auch meine Stärken und Schwächen besser kenne, ich für die Zukunft  berufliche Pläne habe, ich auch das Gefühl habe (ebenfalls) nach dem Zwiebelschalensystem mir Stück für Stück näher zu kommen, ich auch immer, irgendwie, die Kraft gefunden habe, aus den schlimmsten Krisen mich herauszuarbeiten, alleine, Lösungen zu finden etc...Aber es wird von Jahr zu Jahr schwerer, und ich fühl mich so müde, ich bin des ewigen Kämpfens müde, dieses ewige von einer Krise zur nächsten schlittern, dieses ewige auf einem schmalen Grat wandern und dieses ewige drohende total-absturz-gefahr-feeling. Ich habe es so satt.

(hängt denke ich, mit meiner momentanen Situation zusammen, die wieder mal sehr extrem ist, vielleicht fällt mir in ein paar Tagen noch was anderes ein)

Einen tollen Spruch habe ich noch auf Lager, der mir in den vergangenen eineinhalb Jahren immer wieder die Kraft gegeben hat, durchzuhalten:

Gebt niemals auf, nie, nie, nie, nie!
Ob gross, ob klein, ob bedeutend oder gering!
Gebt niemals auf, es sei denn aus Ehre oder gesunden Menschenverstand!
(Winston Churchill)

Ok, das war´s erstmal.

LG
ChristineK
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chribaclau
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Re: Zu spät?

Beitrag von chribaclau » 15. März 2008 05:55

Hallo,
ich wäre eigentlich froh darüber, ich hätte schon eine Diagnose. Ich weiss ja das es so ist, habe ich es aber mal schwarz auf weiss, ist das für mich so als ob ich sagen könnte, siehste, ich kann gar nichts dafür.
Ich habe mich ja nun auch schon über Jahre mit diesem Thema beschäftigt, eben durch meine Kinder. Aber nun ist es ganz extrem geworden, das ich unbedingt Gewissheit haben möchte.
Vielleicht ist es eben genau deshalb, weil mein Leben so verlaufen ist.
Immer diese Auf und Ab. Bezeihungen gingen in die Brüche usw.
Klar, wenn ich dann immer wieder Beiträge, Berichte etc. lese. Kein Wunder.
Es ist nur schade, das ich meiner Mama (die ist leider vor 2 Jahren gestorben) das alles gar nicht mehr so mitteilen kann, ich glaube die wäre froh gewesen und hätte verstanden, das ihre Erziehung nicht an all meinen Problemen schuld war. Leider gab es vor Jahren noch nicht so diese ERkenntnis über ADS wie heute.
Naja, ich versuche nun mit meinen Kindern und für meine Kinder das beste draus zu machen.
Ich finde es halt nur schade, dass es Menschen gibt, die da mit nun so gar nicht klar komen.
Mein Lebensgefährte z.b- Der kann das nicht so akzeptieren. Der versteht nicht das sein Kind anders ist. Der versteht nicht, das man diese Personen so nehmen muss oder sollte, damit es klappt.
Ich glaube schon das er mit uns viel mitmachen muss :icon_eek: :icon_wink: Also das wir nicht einfach sind. Aber er will sich auch nicht irgendwie damit beschäftigen, damit er es etwas besser versteht. Mhh.
Vielleicht schaffe ich es ja doch noch das er sich etwas mehr damit auseinandersetzt.
Wie ist das denn mit euren Partnern??
Naja, ich muss jetzt erstmal für mich sehen, das ich mein Leben wieder richtig in den Griff bekomme und vor allem wieder Spass und Lust habe. Dies ist im Mom nämlich nicht der Fall, ich bin ziemlich unten.
Alles ist nur noch anstrengend und nervend usw.
Aber trotzdem wünsche ich euch allen ein Schönes Wochenende.

LG Claudia :winken:
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fairybasslet
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Re: Zu spät?

Beitrag von fairybasslet » 17. März 2008 09:52

Mal was ganz anderes von einem "ganz anderen" Spätdiagnostiker (42 J.):

Ich bin geradezu euphorisch, glücklich, stolz, voller guter Gedanken, Taten- und Denkdrang. Komme mir vor wie nach 30 km Marathonlauf. Das war ein harter Kampf und oft dachte ich an Aufgeben und fühlte mich gerade in den letzten Jahren am Ende. Dachte schon, das wäre vielleicht die "midlife crisis", obwohl ich mich noch gar nicht "Erwachsen" im Sinne der Normalos fühlte. Hab' aber letztlich immer ans Ziel gedacht und auf mich selbst vertraut. Und jetzt sehe ich 12 km vor dem Ziel, daß ich den Großteil der Strecke mit einem 12kg-Bleigurt gelaufen bin. Und den lege ich jetzt ab und FREUE mich auf die letzten km bis zum Ziel, die ich jetzt leichtfüßig wie eine Gazelle  \:D/ machen kann.

Vor 4 Wochen war ich der Läufer mit dem Bleigurt und habe nur noch mühsam einen Fuß vor den anderen gebracht und endlos viel Zeit "für mich" gebraucht. Bin dann zufällig aufmerksam geworden durch einen TV-Bericht, wo's unter anderem um ADS und Ritalin ging. Recherchierte dann im Web danach, weil ich mir dachte: Das Stöffchen könnte mir helfen, mit dem Rauchen aufzuhören. Rauche seit ich 15 bin und musste vor drei Jahren beim ersten konsequenten Aufhörversuch (3 Monate) feststellen, daß die ADS-Symptome, insbesondere Hyperaktivität/Unruhe/Konzentrationsschwäche so extrem waren, daß ich nicht mehr (am Schreibtisch) arbeiten konnte. Frustriert hatte ich damals wieder angefangen zu Rauchen, wusste ja nicht, daß das ADS war. Dann ging's auch wieder vorwärts. Keiner hat mir damals (wirklich) geglaubt, daß meine Probleme keine "schlichten" Suchtprobleme waren  :eusa_doh:

Nach 2-3 Wochen Hyperfokus auf das Thema war meine Selbstdiagnose perfekt - Aktiv Denkendes Hoffnungsvolles Subjekt  :icon_wink: Schon den Impuls der ersten Tage der Beschäftigung mit ADS habe ich genutzt, einen Termin bei einer Spezialistin zu machen, die dann auch letzte Woche die Diagnose bestätigt hat. Ehrlich gesagt: Eine negative Diagnose hätte ich ihr schlicht nicht geglaubt! Mir ist schnell klar geworden, daß ich besser weiß, daß ich "es" habe bzw. bin als die Fachleute wissen, was "es" denn nun eigentlich ist. Unglaublich, wie lange die gebraucht haben, um zu kapieren, daß es das überhaupt bei Ausgewachsenen gibt  :eusa_doh: Nichts für ungut, ich weiss, die Mühlen wissenschaftlicher Erkenntnis komplizierter Zusammenhänge mahlen langsam. Momentan kommt's mir eher so vor, daß ich (fast) das ganze "multimodale Therapiespektrum" schon als persönliche/individuelle Problemlösungsstrategien entwickelt hatte, ohne überhaupt was von ADS zu wissen.

Nehme jetzt den 4. Tag MPH (10mg). Mal sehen, was das bringt. Bin aber schon seit Tagen (auch vor der "offiziellen" Diagnose) allein von der Selbsterkenntnis im Moment schon so geflasht, daß ich mich echt happy fühle. Das ist wie eine Wiedergeburt. Ich werd' ne fette Party machen dieses Jahr! Tausend Dinge aus meiner Vergangenheit rasten mit einem wohligen "Klick" ein wie Puzzle-Stückchen. Über dem sich komplettierenden Puzzle-Bild haucht der Wind der Erkenntnis die letzten Selbstzweifel fort. Wie geil ist das denn?!  :smt023: Da kann man ja lyrisch werden!  :icon_wink:

Klar, ein paar Sachen in der Vergangenheit hätten besser laufen können. Klar, ein paar Jahre früher wäre auch nicht schlecht gewesen. Klar, die Euphorie wird auch wieder einer gewissen Nüchternheit weichen. Klar, nochmal 30 Jahre später würd' ich's vermutlich nicht mehr so positiv sehen. Aber im Moment freue ich mich und bin in "Jetzt geht's los!!"-Stimmung.

Was hat mich rückblickend vor gar zu heftigen "Komorbiditäten" gerettet? Vorläufige Einschätzung:

- Humor  :00000285:
- Nie den Glauben an eigenen Verstand und Gefühle aufgeben, sondern darauf vertrauen
- sich trotzdem nicht zu wichtig nehmen
- aber beharrlich an sich arbeiten
- Oppositionell abgrenzen
- trotzdem immer soziale/kollektive Wege suchen
- eine starke "mission" entwickeln, übergreifende/langfristige Ziele
- sich die Zeit nehmen, die man braucht
- sich die Stimulationen und Motivationen holen, die man braucht
- sich für (fast) alles irgendwie interessieren
- dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben
- dialektisches, materialistisches Denken
- "Soft Drugs" (Tabak, Kaffee, ...  :up_to_something:)

:winken: Lieben Gruss an alle Spätheimkehrer!
Hasta la victoria siempre!
Go for it! :peace:
igelmom
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Re: Zu spät?

Beitrag von igelmom » 7. Mai 2008 16:53

Hallo! Bin neu hier  und hätte gern mal gewußt, ob jemand mit Diagnosestellung im Rentenalter Erfahrung hat!!

Mein Vater ist 73 und schon immer ein Workaholic gewesen, von einer Unruhe getrieben, Kann keine anderen Menschen gut so tolerieren, wie sie sind, ( Also  keine Freunde, weil man sich mit jedem "anlegt" und ihm die Meinung sagen muss), regt sich über alles und jeden auf, unterstellt ständig , voll mit Vorurteilen, grüblt nachts nur noch, statt zu schlafen, macht sich über alles Sorgen.
Das ADS - Untypische ist aber, dass er sein Berufsleben gut hingekriegt hat, bis auf die Zwischenmenschlichen Aspekte , eine sehr tolle Handschrift hat, sich organisieren kann , kein unordentliches Bündel ist.

Jetzt im hohen Alter hat er zunehmend mit Ängsten zu tun. Meine Vermutung zielt auf ADS, da auch meine Nichte damit zu tun hat, mein eigener Sohn diesbezüglich mal behandelt wurde und ich selbst ( 46)  mit einer Ritalintablette auch schön "ruhig und konzentrierter" bin. ( Im Selbstversuch getestet!)

Auch in mir läuft schon morgens ein Motor im 3. Gang und ich muss mich zusammennehmen, damit ich meine Kollegin mit meinem Arbeitstempo nicht irre mache. Allerdings habe ich nie Ritalin genommen und auch mein Leben sehr gut geordnet und prima hingekriegt. Nur diese Unruhe in mir, macht mir zu schaffen. Ich kriege mich aber mit Sedariston ( Pflanzl. Mittel mit Baldrian, Melisse und Johanniskraut)  etwas zu Ruhe.

Aber Schlußendlich liegt es wohl doch in der Familie! Nur, was mache ich mit meinem Vater?? Er tut mir so leid in seinem Elend. Aber kann man mit 73 noch eine Diagnose stellen??

Über einen guten Rat würde ich mich sehr freuen.

Igelmom
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Bleu-de-Q
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Re: Zu spät?

Beitrag von Bleu-de-Q » 25. Mai 2008 01:21

Ich habe die vielen Antworten mal bloß "überflogen", kann aber vieles nachvollziehen, was geschrieben wurde.
Auch mir hätte in der Kindheit vieles erspart bleiben können, hätte man damals bloß gewußt...!
"Sie kann, wenn sie will, sie ist bloß zu faul." "Wenn sie sich mehr konzentrieren würde, anstatt bei den Aufgaben aus dem Fenster zu gucken...!" <-- 2 von einigen Aussagen, die mich durch die Schulzeit begleitet haben.
Dazu die kontraproduktive (und äußerst autoritäre) Erziehung meiner Mama.

Dann das Leben danach. Verlorene Jahre. Viel Mist gebaut. Selbstzweifel. Mangel an Lebenswille und -freude.
Irgendwann mußte ich das alles mal zurücklassen.
Vorwürfe.
Hassgefühle.
etc.

Vergangenheit heißt Vergangenheit, weil sie vorbei ist. Sie holt einen ein, durch Altlasten, die das Leben schwer machen. Daran knabbere ich. Das bremst aus und zermürbt.
Meine Ziele zu erreichen wird ein harter, langer, entbehrungsreicher Weg.
Der Startschuss für diesen Weg ist aber Verzeihen gewesen. Hinterfragen. Verstehen. Nicht nur mich, sondern auch andere Menschen, die meinen Lebensweg gekreuzt haben. Lernen, die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Nach vorne schauen, nicht zurück. Das Beste aus dem Hier und Jetzt herausholen.
Neubeginn.
Das war nicht leicht, ist es auch heute nicht. Manches holt mich noch ein, erinnert mich an damals.
Aber ich habe z.B. Prüfungsangst überwunden.
Und das alles allein, ohne Thera.
Heute habe ich andere Probleme. Das sind Dinge, die mich im (unwissenden) Erwachsenenleben geprägt haben, vor allem in den letzten 10 Jahren.
Die werde ich nicht los. Da muß ich mir noch was einfallen lassen...

Habt Mut!
Guten Tag! Mein Name ist Fingerspitze und ich bin auf der Suche nach dem passenden Gefühl...
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ex_negativo
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Re: Zu spät?

Beitrag von ex_negativo » 5. September 2008 02:48

war heute bei einem doc beziehungsweise 2 docs der eine war der vertretende für den ad(h)s spezialisierten arzt und denn hab ich bei meinem termin bei seiner vertretung gleich besucht und gleich einen termin für eine adhs diagnose zu machen.
Im vorfeld ist mein leben ein trümmerhaufen mit 23 mit 18 diagnose shizophrenie danach wie auch vorher schon problemkind in der schule nur bei besonders intressierten fächern dageblieben und auch mit guten zensuren den restlichen fächern gab ich nicht mal eine chance. Hausaufgaben ging alleine schonmal gar nicht, achja der grund dafür das ich so bin liegt sehr nahe an adhs therapien halfen nicht medikamente " neuroleptiker" halfen auch nicht auch wenn es akineton gibt. Das gewichtsproblem bei olanzapin war bei mir von 75 kilo  auf 115 kilo gestiegen, auch keine ausrede nächste : mitlerweile rede ich auch alles direkt und offen an wenns nicht mehr anders geht. Bezüglich meines Sonderschulaufenthaltes der mich auch nicht weiter gebracht hat ehrlich gesagt!! da ich nur nen befriedigenden hauptschulabschluss geschafft habe danach bin ich mit 17 auch ausgezogen in eine wg für junge leute die mit ihren eltern nicht klarkommen. Nun werde ich in eine ecke gestellt die ich gar nicht will in den bürgelichen tot ex negativo. Das war auch mein augenmerk auf meinen gewählten usernamen hier :-)
Beruflich hab ich alle maßnahmen abgebrochen nach kurzen aufenthalten da ich keine lehrstelle gefunden habe nach der schule
kam ich in ein internat wo ich mich vorbereiten soll auf die berufswahl lol :-( das ist doch ein schlechter scherz so blöd kann ich doch nicht sein dachte ich mir nicht ich und ich brach ab. Und es ging auch viele jahre weiter so bis jetzt wo ich zu einem Adhs Spezialisiertem Arzt einen Termin gemacht habe und totall in euphorie bin das ich hoffentlich medis bekomme die mich auch stabil halten nicht so chaotisch wie jetzt Wohnung ist ein Trümmerhaufen ich möchte da auch keinen mehr reinlassen meiner freunde ganz ehrlich so kann das nicht weiter gehn meine kraft schwindet zusehnlichst dazu das ich mich damit abfinde mein leben 100 % berufsunfähig zu sein und auch arbeitslos, aber niemals hobby los.
Fühle mich gestresst, fühle mich getrieben will immer weiter.
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Re: Zu spät?

Beitrag von berti25 » 25. Oktober 2008 13:26

[quote=&quot;Bleu-de-Q&quot;]
Ich habe die vielen Antworten mal bloß "überflogen", kann aber vieles nachvollziehen, was geschrieben wurde.
Auch mir hätte in der Kindheit vieles erspart bleiben können, hätte man damals bloß gewußt...!
"Sie kann, wenn sie will, sie ist bloß zu faul." "Wenn sie sich mehr konzentrieren würde, anstatt bei den Aufgaben aus dem Fenster zu gucken...!" <-- 2 von einigen Aussagen, die mich durch die Schulzeit begleitet haben.
Dazu die kontraproduktive (und äußerst autoritäre) Erziehung meiner Mama.

Dann das Leben danach. Verlorene Jahre. Viel Mist gebaut. Selbstzweifel. Mangel an Lebenswille und -freude.
Irgendwann mußte ich das alles mal zurücklassen.
Vorwürfe.
Hassgefühle.
etc.

Vergangenheit heißt Vergangenheit, weil sie vorbei ist. Sie holt einen ein, durch Altlasten, die das Leben schwer machen. Daran knabbere ich. Das bremst aus und zermürbt.
Meine Ziele zu erreichen wird ein harter, langer, entbehrungsreicher Weg.
Der Startschuss für diesen Weg ist aber Verzeihen gewesen. Hinterfragen. Verstehen. Nicht nur mich, sondern auch andere Menschen, die meinen Lebensweg gekreuzt haben. Lernen, die Dinge zu nehmen, wie sie sind. Nach vorne schauen, nicht zurück. Das Beste aus dem Hier und Jetzt herausholen.
Neubeginn.
Das war nicht leicht, ist es auch heute nicht. Manches holt mich noch ein, erinnert mich an damals.
Aber ich habe z.B. Prüfungsangst überwunden.
Und das alles allein, ohne Thera.
Heute habe ich andere Probleme. Das sind Dinge, die mich im (unwissenden) Erwachsenenleben geprägt haben, vor allem in den letzten 10 Jahren.
Die werde ich nicht los. Da muß ich mir noch was einfallen lassen...

Habt Mut!

[/quote]

wenn ich mir das so durchlese erinert es mich doch immerwieder das ich nicht alleine da stehe mit mein "problem" vorallen aber ist es schwer los zu lassen da mein ADHS seit ca 10 jahren nicht behandelt wurde weil meine mutter keine medis geben wollte und sie schlußentlich die therapie ganz abgebrochen hat und mich meinem schicksal überlassen.
Und heute sag ich danke für nicht und lebe weiter
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Re: Zu spät?

Beitrag von Bleu-de-Q » 25. Oktober 2008 14:57

[quote=&quot;berti25&quot;]
wenn ich mir das so durchlese erinert es mich doch immerwieder das ich nicht alleine da stehe mit mein "problem" vorallen aber ist es schwer los zu lassen da mein ADHS seit ca 10 jahren nicht behandelt wurde weil meine mutter keine medis geben wollte und sie schlußentlich die therapie ganz abgebrochen hat und mich meinem schicksal überlassen.
Und heute sag ich danke für nicht und lebe weiter
[/quote]

Überwinde es.
Okay, wir wußten nichts von ADS. Deswegen kann ich niemandem Vorwürfe machen.
Was wußte man vor 10 Jahren schon von ADHS? Was für Argumente für und gegen Medis hatte man damals?
Wieviel Information gab es, der man vertrauen konnte? Vielleicht hat sie zuerst nur so gehandelt, wie sie es aufgrund der Umstände für richtig gehalten hat als Mutter. Was danach ablief, als sie dich "deinem Schiksal überlassen hatte", kann ich nicht beurteilen. Aber vorher warst du ihr ja nicht egal?
Vielleicht bist du eines Tages bereit, zu verzeihen und darüber zu reden.
Vielleicht lässt du deiner Mutter mal Infos zukommmen, die es heute gibt, damit sie besser versteht, um was es geht. Möglich, daß ihr euch dann wieder näher kommt und sie dich sogar unterstützt?
Wer weiß...
Guten Tag! Mein Name ist Fingerspitze und ich bin auf der Suche nach dem passenden Gefühl...
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Re: Zu spät?

Beitrag von qc » 25. Oktober 2008 16:28

Die Antwort ist letztendlich:

Für irgend etwas ist es bei einer späten Diagnose sicher zu spät. Bei einigen mehr, bei anderen weniger.

Aber schon der Denkansatz ist falsch.

Denn für einen ADSler macht die Diagnose ja nur selten etwas kaputt - sie eröffnet einfach zusätzliche Möglichkeiten. Weniger als vor der Diagnose hat man nur sehr selten.

Es geht also nicht um die Frage "ist die späte Diagnose nutzlos oder nicht?". Es geht in Wirklichkeit allein darum WIE VIEL an "MEHR" man nun vom Leben hat.

Selbst wenn man mir zusammen mit der ADS - Diagnose verkündet hätte, ich hätte auch Krebs im Endstadium und wäre Morgen schon tot:

Dann hätte ich mit MPH zumindest mein Testament schreiben können frei von der Angst, dass ich auc Schusseligkeit einfach ein paar meiner liebsten Lieben vergesse während ich schreibe. Und für Freunde und Verwandte, die ich mit den Symptomen von ADS entfremdet, verletzt oder geschädigt habe, könnte ich die Diagnose immer noch hinterlasen, damit sie mich im Nachhhinein besser verstehen.

Es geht nicht im "verlorene" Chancen - es geht allein um die gewonnenen Chancen, die man immer noch hat, bis Minute Null.
Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig. (Einstein)

:narr:
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Re: Zu spät?

Beitrag von violett » 25. Oktober 2008 17:25

ich (41) gehör auch zu den "ich bin glücklicher + erleichtert seit der diagnose" fraktion.

grad heute hab ich's wieder mal gemerkt.

ich war auf der post pakete wegbringen und hab (wie üblich) wieder was vergessen mitzunehmen.
verhalten vor der diagnose: "verdammt, du bekommst es einfach nicht gebacken.. endnerv"
verhalten nach der diagnose: "ach du schussel du. machst es halt montag, kennst dich ja"

auf dem markt beim bäckerstand. ein mann wollte sich etwas zu essen kaufen, hatte aber nicht mehr so viel geld dabei. ich leg das fehlende geld dazu bzw. tu so, als sei es ihm runtergefallen, um ihn nicht in eine peinliche situation zu bringen. seine reaktion, null.. kein danke nix. später stand ich mit ihm alleine in der u-bahn, kein blickkontakt, nix. er ignorierte mich.
meine reaktion vor der diagnose:"was sind das nur für menschen? bin ich die, die was falsch macht oder wer von uns passt nicht in diese welt?"
meine reaktion nach der diagnose: "ICH passe genau in die welt und wie diese auf mich reagiert ist mir völlig schnuppe, ich tu was ich für richtig halte und erwarte nix, egal wie andere reagieren.. ich bin eben so"

anders sein (an)erkennen und sich damit versöhnen, dafür kann's doch nie zu spät sein  :icon_wink:
Das Leben ist eine Komödie für die, die denken und eine Tragödie für die, die fühlen.
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Re: Zu spät?

Beitrag von miley » 8. November 2008 14:39

Meine Diagnose kam definitiv zu spät.
Sie kam zu spät für meine Ehe, zu spät für meine Familie. Als Berufs-Mama und -Hausfrau auch zu spät für einen qualifizierten Wiedereinstieg in den Beruf.
Ich sitze seit 2 Wochen mit 44 bei meinen Eltern zuhause in meinem Kinderzimmer wo ich vor 22 Jahren ausgezogen bin. Damals war ich selbstständiger, selbstsicherer und hatte Perspektiven. Heute habe ich das alles leider nicht mehr.
Natürlich ist es mit 44 nicht zu spät für einen Neuanfang. Aber es ist einfach unendlich viel schwerer als mit 20
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Re: Zu spät?

Beitrag von Bleu-de-Q » 8. November 2008 17:57

[quote=&quot;violett&quot;]
auf dem markt beim bäckerstand. ein mann wollte sich etwas zu essen kaufen, hatte aber nicht mehr so viel geld dabei. ich leg das fehlende geld dazu bzw. tu so, als sei es ihm runtergefallen, um ihn nicht in eine peinliche situation zu bringen. [/quote]

Du bist ja süß  :smt023:
Guten Tag! Mein Name ist Fingerspitze und ich bin auf der Suche nach dem passenden Gefühl...
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Re: Zu spät?

Beitrag von dosenlilie » 15. November 2008 19:28

Bin 46 und mir kommt auch der Gedanke "Zu spät". Ich bin jetzt einfach ausgepowert von den ständigen Reibereien und Konflikten in der Familie.  Beruflich konnte ich nach einem Umzug vor zehn Jahren nicht mehr wirklich richtig Fuß fassen, jetzt gibt es meinen Beruf offiziell schon gar nicht mehr.

Es herrscht ja auch dieses merkwürdige Missverhältnis, dass wir einerseits bis Siebzig arbeiten sollen, andererseits geht meine berufliche Attraktivität- seitdem eine 4 die erste Zahl in meinem Alter bildet-  deutlich zurück.

Von der Arbeitsagentur kriege ich demnächst eine "Maßnahme" verordnet, und eventuell kann ich auch im Rahmen einer Studie an mehreren Coachingsitzungen teilnehmen. Ich hoffe, da wieder "aufgebaut" zu werden.
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Re: Zu spät?

Beitrag von violett » 15. November 2008 19:33

[quote=&quot;Bleu-de-Q&quot;]
[quote=&quot;violett&quot;]
auf dem markt beim bäckerstand. ein mann wollte sich etwas zu essen kaufen, hatte aber nicht mehr so viel geld dabei. ich leg das fehlende geld dazu bzw. tu so, als sei es ihm runtergefallen, um ihn nicht in eine peinliche situation zu bringen. [/quote]

Du bist ja süß  :smt023:

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öy  :icon_redface: :icon_wink:
Das Leben ist eine Komödie für die, die denken und eine Tragödie für die, die fühlen.
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Sonntagskind
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Re: Zu spät?

Beitrag von Sonntagskind » 17. November 2008 15:43

Ich habe zwar noch keine gesicherte Diagnose (bin Ende 30), fühle mich aber trotzdem stark angesprochen.

Für mich ist klar, dass ich nicht mehr so weiter machen kann wie mit Mitte 20, wo es noch ok ist, dass du dein Ding noch nicht gefunden hast und noch am experimentieren bist. Ich hab die Jahre über schon immer wieder so ein vages Gefühl gehabt, dass es so nicht weitergehen kann, aber andererseits hab ich mich immer ganz gut durchgewurschtelt - wie mein Nick schon sagt – ich bin ein Sonntagskind.  :icon_wink:

Mittlerweile haben die Leute von damals ihre Studien oder Ausbildungen abgeschlossen, sich im Job etabliert, gespart, beständigen Wohnraum geschaffen und Familien gegründet, während ich immer noch „irgendwelche“ Jobs mache, jedes zweite Jahr umziehe, alle paar Monate eine neue „Vision“  habe, mir und meinen Mitmenschen mit meinen Stimmungs- und Bewertungsschwankungen,  meiner Impulsivität, Überempfindlichkeit und Unzuverlässigkeit das Leben schwer mache, ich ständig auf einem finanziellen Pulverfass sitze, Interesse gleich zur Passion werden muss, um genauso extrem wieder abzuflauen und so weiter und so fort.

Gleichzeitig kenne ich mein Potential, weiß, welche Jobs ich trotz Unterqualifikation (Schulabbrecherin) schon bewältigt und was ich schon alles geschafft und geschaffen habe. Lustig, dass mir da meine Unzulänglichkeiten wieder entgegen kommen, weil sich zum Beispiel gerade mein großes Improvisationstalent daraus speist. Und so destruktiv ich manchmal sein kann, so konstruktiv bin ich, wenn es ans Eingemachte geht. Ich habe intuitiv so viele „richtige“ Selbsthilfestrategien entwickelt, die mich vor schlimmeren Abstürzen bewahren und das macht mich auch stolz.

Oje, ich schweife schon wieder ab, was wollte ich eigentlich erzählen?

Achja....Vor etwa zwei Jahren bin ich auf die Borderline-Störung gestoßen bzw.  mein Partner hat mich damit konfrontiert (vor allem wegen schnell hoch kochender Wut, Impulsivität und Launenhaftigkeit). Ich war damals noch dazu in einer eher depressiven Stimmung, und redete darüber mit einem Therapeuten, (obwohl ich mich mit einigen Symptomen überhaupt nicht identifizieren konnte). Der Therapeut aber griff meinen Gedanken beherzt auf und wir begannen eine Therapie.

Schon bald merkte ich aber, dass etwas nicht stimmte, seine Schlussfolgerungen für mich nicht wirklich schlüssig waren (Bauchgefühl) und dass mir seine Methoden nicht weiter halfen - während er z.B. immer in meiner Kindheit herum grub, wollte ich über aktuelle Schwierigkeiten sprechen, während ich nach konkreten Lösungsansätzen suchen wollte, sollte ich Märchen interpretieren, oder einen „Lebensbaum“ malen, obwohl ich darin keinen Sinn sah (und diese Methoden in anderen Zusammenhängen bereits durch hatte), und eigentlich ging es mir immer schlechter als besser und ich fühlte mich immer kränker.

Schließlich sagte ich ihm, dass ich etwas anderes brauche und regte an, die Methoden zu ändern (experimentieren), aber er stellte fest, er wolle weiterhin nach Lehrbuch vorgehen. Damit war die Sache für mich vorerst auf  Eis gelegt. Aber losgelassen hat es mich die ganze Zeit nicht, und so hab ich mich wieder auf die Suche gemacht.

Während zwei Wochen eingehender Beschäftigung mit dem Thema ADHS (und damit meine ich, zwei Wochen am Stück intensivster Recherche, Weiterbildung und Selbstreflexion im Rahmen meiner Möglichkeiten als Laiin) sind mir nacheinander die Lichter aufgegangen! Alles fügt sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen.

Zu spät? Für manche Dinge sicher, aber für viele andere  nicht. Ich „freue“ mich darauf, die Diagnose zu bekommen, weil ich dann hoffentlich endlich in die richtige Hände komme und gezielt an mir und meinem Leben arbeiten kann!

Liebe Grüße
Sonntagskind
Umwege erweitern die Ortskenntnis
Phoenixdrache
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Re: Zu spät?

Beitrag von Phoenixdrache » 31. Januar 2009 21:42

Meiner einer (45) sieht sich in allen Ausführungen (vereinzelt oder ganz) wieder...
dazu brauche ich nicht mehr viel hinzuzufügen, ausser,
dass meine Vergangenheitsbewältigung nun auch ein wichtiger Fakt für mich geworden ist.
Seit letztem Jahr Mai habe ich meine Diagnose und war auch erleichtert, endlich zu wissen, warum ich so bin wie ich immer war. ;)

Doch Ängste, Depressionen, Einsamkeit, Chaos im Kopf und um mich herum, lassen mich nur schwer zur Ruhe finden, eigentlich eher nicht.
Mein 11jähriger Sohn (ADHS) lebt seit knapp zwei Jahren bei seinem Vater, nachdem man (Betreuung, Jugendamt, Ärzte usw.) mir geraten hat, die Verantwortung nun auch mal an ihn zu übergeben, um wieder gesund zu werden. Da ich immer 250% gegeben habe, um es allen und jedem Recht  zu machen, bin ich kurz vorm Zusammenbruch gestanden. Seelisch und körperlich völlig down. Mein Sohn fehlt mir sehr, doch selbst wenn er mich besucht, ist es manchmal ein Kampf. Beide Adhs und beide unbehandelt, ich bekomme zwar Concerta, doch mir fehlt ein Coach und ne Therapie.

Bin zwar jeden Tag am kämpfen, aufzustehen, meine Schmerzen ignorieren, mein chaos zu beseitigen, aufzuräumen usw., doch eigentlich steh ich mir meist selbst im Weg. Viel Energie für Dinge, die andere *normalos* vllt. schneller hinkriegen.

Es fällt mir schwer, wichtig von wichtig zu unterscheiden, habe seit fast zwei Jahren eine Betreuung vom Ambulanten Pflegedienst, die mit mir die wichtigsten Sachen erledigt 2Std. in der Woche; wie Ämter, Ärzte, Formulare, Anrufe usw. Da ich diese zu oft vergessen habe. Was mir dann schon bitter aufgestossen ist.
Da gleich Kürzung von ALGII, wegen 5 Tagen :(
Nuja, damals hatte ich leider die Diagnose noch nicht, nur den Verdacht. Sonst hätte ich vllt. mein Geld zurückfordern können. Zu spät!

Mit nur Adhs könnte ich wohl einigermaßen leben, doch meine anderen ges. Probleme machen vieles schwieriger für mich.

Hmm... nun ist mein Kopf leer...  :eusa_doh: :abc: :icon_rolleyes:

:winken: bis zum nächsten Post,

liebe Grüße,
wie war noch mein Username?

oehm..
Phoenixdrache :breitgrinse1:

Hab doch glatt meine Tochter 18, vergessen zu erwähnen, ich Schussel :eusa_doh:
Sie hats auch net leicht mit mir. -.-
Zuletzt geändert von Phoenixdrache am 31. Januar 2009 21:46, insgesamt 1-mal geändert.
kphth
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Re: Zu spät?

Beitrag von kphth » 1. Februar 2009 02:14

Ich war letztes Jahr beim Arzt, habe alle Fragen beantwortet und alle Bögen ausgefüllt. Schmunzelnd, ermutigend schaute der Arzt mich während meiner Ausführungen an.  Meine Aufgabe war, die Familie beim Essen zu filmen und mit dem Ergebnis wieder zu kommen. Aber warten Sie nicht zu lange, sagte er zum Abschied. Das ist ein Jahr her.  Ich kann meine Familie nicht beim Essen filmen- sie wissen nicht mal, dass ich dort gewesen bin. Außerdem sind wir beim Essen ganz normal. Seltsam sind wir, wenn wir das Haus verlassen, also wenn wir alle gemeinsam los müssen, dann bricht regelmäßig das Chaos aus, es gibt tierischen Stress und alle sind fix und fertig, wenn der letzte die Tür endlich hinter sich schließt, was nicht bedeutet, dass einer doch noch was vergessen hat und nochmal zurück muss. Drei Jahre nachdem mein Ältster seine Diagnose mit 20 bbekommen hatte, dachte ich es ist vielleicht gut, wenn ich mich auch testen lasse. Ich weiß nicht, ob mich eine Diagnose wirklich weiter  bringt..... ich bin 49 - was kann mir der Arzt noch sagen, was ich nicht selbst schon weiß?

Liebe Grüße
KPHTH
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