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Diagnose AD(H)S und nun?

Verfasst: 17. November 2012 20:47
von Entje
Hallo,
jetzt ist es amtlich und ich habe es schwarz auf weiß, ich habe ADS. Tja, und wie geht es jetzt weiter mit mir? Aber eine Erleichterung für meine Seele ist es schon. Ich war immer anders und jetzt weiß ich auch warum. Endlich weiß ich was mit mir los ist/war. Ich bin jetzt sehr erleichtert. Vieles löst sich auf, das Warum bekommt jetzt endlich ein Weil. Wie geht es jetzt eigentlich weiter nach einer solchen Diagnose? Kann mir da jemand eine Antwort drauf geben?

Gruß
Entje

Re: Diagnose AD(H)S und nun?

Verfasst: 17. November 2012 23:17
von Falschparker
Hallo Entje,

was wünschst du dir denn? Warum hast du die Diagnose gewollt- außer zur Erleichterung? Und welche Seiten deiner ADS stören dich am Meisten?

Viele Grüße und alles Gute
Falschparker

Re: Diagnose AD(H)S und nun?

Verfasst: 18. November 2012 11:13
von Entje
Hallo,
das ist eine gute Frage. Wünschen...dass mal endlich etwas in meinem Leben funktioniert. Ich dümpel so vor mich hin. Gescheiterte Berufe und Beziehungen wie bei den Meisten auch. Ich sehe die Diagnose als eine Art Gebrauchsanweisung für meinen Körper und meine Zukunft. Nur ist diese im Moment noch in Chinesisch geschrieben. Also muss ich auch erst mal lernen die Gebrauchsanweisung zu lesen. Deshalb das "wie geht es jetzt weiter". Dieses Gefühl anders zu sein, kennen wohl die Meisten die AD(H)S haben. Zudem habe ich eine Hochbegabung und mache mich mit meiner ständigen Klugscheisserei auch nicht gerade beliebt. Eigentlich stört mich an mir selbst garnichts. ICH BIN WIE ICH BIN: Die außenwelt schien eher damit Probleme zu haben. Und da ich nicht vor habe, den Rest meines Lebens in einer Hölle zu leben, wollte ich wissen, was mit mir los ist. Ich habe ganz einfach mal das Prinzip der Wahrscheinlichkeit angewandt. Wenn ich ständig die Rückmeldung von der Außenwelt erhalte, das ich komisch bin, ich mich aber für ok halte...da macht es einfach die Menge. Ich habe mal auf die Menge gehört und versucht zu forschen. Ergebnis, viele Arztbesuche und die Diagnose ADHS. Sicher sollte ich jetzt, nach der Diagnose wohl auch meine Umwelt mit anderen Augen sehen. Schwierig, viel was mir jetzt im Kopf rum geht.

Re: Diagnose AD(H)S und nun?

Verfasst: 18. November 2012 12:54
von Hanghuhn
[quote="Entje"]
Gescheiterte Berufe und Beziehungen wie bei den Meisten auch. [/quote]

Such Dir einen Mann, der Dich versteht! Das geht am besten, indem Du Dir einen ADHSler oder einen ADSler suchst, der auch weiß, dass er ADS oder ADHS hat. Funktioniert meistens, aber auch nicht immer.

Eigentlich hatte ich ja immer das Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmt. Als ich das erste mal von ADS gelesen hatte, wusste ich auch sofort, dass es genau das war, das mich beeinträchtigt. Dass mich noch etwas anderes beeinträchtigte, ist mir erst später klar geworden. Meine "leichte Unterfunktion der Schilddrüse" war halt doch nicht so leicht und wurde mit einem dicken fetten kalten Knoten noch schlimmer.

Die Erkenntnis, dass man ADS hat, führte bei mir dazu, meine individuelle Situation unter dem Aspekt ADS zu betrachten, zu sehen, was ich mit meinem Charakter bin, was ich ADS zuschreiben muss, wobei klar sein muss, dass der Charakter durch ADS, je länger man unmedikamentiert damit zubringt, mitgeprägt wurde.

Wenn Du z.B. bemerkst, dass Du Dir Dinge nicht so merken kann wie andere ("nicht so ... wie andere" bedeutet nicht schlechter, sondern anders), sollte Du Dir die Dinge, die Du Dir merken sollst, besser "zurechtlegen". Das "schlechte Kurzzeitgedächtnis" sagt nicht alles über Deine Gedächtnisleistung aus. Unser Langzeitgedächtnis ist wie ein Mülleimer, in den alles Mögliche hineinpasst. Es ist deshalb natürlich auch nicht so einfach, die richtige Information sofort herauszufinden. Da sind manch Leute einfach schneller. Dafür verblüfft Du sie damit, dass Dir zehn Minuten später eine Information zu dem Thema hochkommt, an die keiner mehr gedacht hatte.

Es hebt das Selbstbewusstsein, wenn man seinen Problemen einen anderen Namen geben kann als Dummheit oder ähnlich Negatives.

Re: Diagnose AD(H)S und nun?

Verfasst: 19. November 2012 14:56
von Entje
Hallo,
na ja, das mit dem merken ist so eine Sache bei mir. Dinge die mich nicht interessieren merke ich mir nicht. Dann evtl. Zusammenhänge kann ich mir schlecht merken. Was ich mir noch nie so gut merken konnte waren Lösungswege in der Mathematik. Kann mir dafür aber viele Zahlen merken. Ich kenne alle Zahlen die in meinem Leben wichtig sind auswendig wie z.B. alle Bankdaten, Telefonnummern usw. Am besten klappt es aber in der Musik. Da bin ich echt super. Ich singe ganze Konzerte, Kantaten und der Gleichen auswendig. Töne sind für mich sowieso sehr leicht zu merken.

Gruß
Entje