ADS ...oder was ist es nun?

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pando
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ADS ...oder was ist es nun?

Beitrag von pando » 6. November 2012 16:20

Mein Arzt war Heute alles andere als Begeistert, als ich ihn darum gebeten habe, mich dabei zu unterstützen, meinem sehr starken Verdacht nachzugehen, dass Hinter meinen "Beschwerden" AD(H?)S stecken könnte.

Ich denke, dazu muß ich mal ein wenig ausholen...

Als Kind führte ich ein "Schattendasein" (was ich nicht negativ meine) hinter meinem jüngerem Bruder.
Meine Ma war viele Jahre Alleinerziehend und mein Bruder leidet noch Heute unter einer schweren Form der Epilepsie und ADHS.

Da er viel Zeit in Krankenhäusern, verschiedenen Therapien etc verbrachte, verbrachte ich viel Zeit bei meinen Großeltern.

In der Schule war ich, wenn ich Lust am Mitarbeiten hatte Klassenbeste, aber eben nur, wenn ich Lust hatte, oft war ich einfach nur gelangweilt und machte, was mir so in den Sinn kam, da ich dabei jedoch eher Ruhig war, störte das den Unterricht nicht und man lies mir einen gewissen Spielraum.

Über fast 6 Jahre ging ich zu einem Kindertherapeuten, logisch, war ich doch ein Scheidungskind mit einem Bruder, der alles an Aufmerksamkeit braucht, was eine Mutter zu bieten hat. Dort war ich halt das "Sensibelchen" das mit körperlichem Schmerz aus den "Stress" reagierte.

Schon damals habe ich immer wieder Neues angefangen und genauso schnell wieder aufgegeben, war mit mehreren Dingen Zeitgleich beschäftigt und habe, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, selten etwas zu ende gebracht.

Durch einen angeborenen Knieschaden verbrachte ich ab meinem 13 Lebenjahr selbst viel Zeit in Krankenhäusern, besuchte die Schule nur ca. 1/2 Jahr pro Schuljahr und lieferte unter dem Nachholstress ganz gute Noten.

Für's Abitur wechselte ich, von der Realschule auf ein Kolleg und wurde, da ich noch nicht Volljährig war, in einem Fachbereich angemeldet, den ich nicht wollte. So sahen dann meine Noten auch aus und als Mitte der 12 Klasse klar war, das ich nur ein "schlechtes" Abitur erreichen könnte Brach ich den Mist ab und probierte mich in verschiedenen Berufen aus.

Damals setzten bei mir die ersten Muskelschmerzen ein und einige Jahre später auch die ersten Depressionen, auf Grund der Schmerzen.

Seit meinem 21 Lebensjahr werde ich nun erfolglos auf Fibromyalgie behandelt. 3 Diagnosen sprechen dafür 4 Diagnosen dagegen und die Ärzte, die beweisen wollten, das es keine Fibro ist, fanden auch keinen anderen Grund.

Nach Kuren, Therapeuten und verschiedenen Ärzten bin ich also nicht viel schlauer geworden....

Ich plane also seit Jahren meinen Tagesablauf, damit es nicht zu Schmerzschüben kommt. Diese Planungen umzusetzen schaffe ich nicht, es ist oft, als würde ich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Ich weiß, was ich machen müsste, das ganze erscheint mir auch logisch und dann suche ich den Punkt zum anfangen.

Diesen Punkt finde ich jedoch nur selten, mein Kopf ist die ganze Zeit am nachdenken, ich speicher die ganzen Gedanken ab und steh dann vor einem riesigen Chaosberg, den ich nicht sortiert kriege.

Tja und wenn ich dann doch die Hürde genommen habe um mit etwas anzufangen, dann setzt ein Domino-Effekt ein...

Ich fange zig Dinge gleichzeitig an, scheitere daran, mein Hirn sucht noch dringender nach einer Lösung des Problems und ich habe noch mehr Schmerzen und das schuppst mich regelmäßig noch tiefer in eine depressive Phase.

Vernünftig wäre es genau dann einfach einmal zu entspannen...das gehört aber genau zu den Dingen, die ich nicht kann und noch nie konnte. Einfach Mal das Hirn auf nicht nachdenken schalten ist für mich schier unmöglich.

Nachdem ich hier seit einiger Zeit lese und auch schon vor ein paar Jahren mal einen Onlintest machte, zwei meiner Kinder haben ADHS bzw ADS und bei unserem Mittleren besteht der starke Verdacht, dachte ich mir "Okay, packen wir's an, vielleicht ist die Ursache meiner "Probleme" ja etwas, auf das einfach noch keiner geguckt hat..."

Ist mein Gedankengang denn sooo abwegig?

LG Pando
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Angie
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Re: ADS ...oder was ist es nun?

Beitrag von Angie » 6. November 2012 16:26

Nee, ist nicht abwegig. Da es deine Kinder haben, weil ADHS kann vererbt werden, ist es gut aus möglich.
Und so einige Ärzte sagen: ADHS kommt selten allein.
Damit sind Begleiterkrankungen/Komorbidität gemeint, was bei dir wohl Depressionen sind.
Auch Fibromyalgie wird auf psychisch eingeschätzt.

Und so einige Beschreibungen von dir, passen sogar auf mich.
Typisch auch, viele Dinge anfangen - nichts zuende bringen und mehere Berufe haben, ja kommt mir bekannt vor.
Ich habe nix Schlimmes, ich habe....eij gugg mal nen Eichhörnchen.
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Re: ADS ...oder was ist es nun?

Beitrag von pando » 6. November 2012 16:50

Hallo Angie....

Da ich der einzigste gemeinsame Nenner bin, den meine Kids haben, lag mir der Verdacht schon was länger Nahe.

Ich habe kürzlich erst mit meine Mutter über das Thema gesprochen, ihre Reaktion "Ich wollt dich nicht drauf ansprechen, abner du bist schlimmer, wie deine Kinder" Konnte ich ihr nicht übel nehmen.

Das was ich geschrieben habe, ist eher die Spitze des Eisbergs....aber was soll's.

Vor mir liegt grad ein großer Zettel, damit ich's nicht wieder verschussel, mit Telefonnummern, die ich Morgen früh in Ruhe abarbeiten werde....
:biene: 3
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Re: ADS ...oder was ist es nun?

Beitrag von Eule » 7. November 2012 10:31

Wenn du dich bei AD(H)S wiederfindest, kann es durchaus helfen auch ohne "offizielle" Diagnose einfach mal einige Dinge auszuprobieren die Leuten mit AD(H)S als Bewältigungsstrategie helfen.

Mich hat eine Freundin nach ihrer eigenen Diagnose auf das Thema "geschubst" - woraufhin ich erst mit "Häh?! das sind doch diese dummen Zappelkinder, ich kann mir nicht vorstellen was das mit mir zu tun haben soll" reagierte, mit mehr Info zum Thema jedoch staunend zu der Erkenntnis kam daß es das eben auch ohne körperliche Hyperaktivität gibt und daß hohe Intelligenz sowie Struktur von außen oft Kompensationsmittel ist mit dem dann trotzdem gute bis sehr gute Schulleistungen erbracht werden können.

Ich habe mich durch etliche Infoseiten im Netz sowie durch dieses Forum gegraben und war mir in sehr kurzer Zeit absolut sicher daß da genau von meinen Schwierigkeiten die Rede ist. 

Endlich hatte ich eine Erklärung weshalb sich besonders seit meinem Auszug aus dem Elternhaus bei mir immer stärker Chaos im Haushalt, Desorganisation (schließlich gabs immer mehr Verantwortung für immer mehr unterschiedliche Dinge) und ähnliches breitmachte. Auch meine ohnehin vorhandene Zuspätkommeritis zur Arbeit sowie das Verschusseln längerfristiger Termine (wo ich vorher meine Mutter als Support hatte) wurde schlimmer und besserte sich nur in Phasen in denen ich viel positive Bestätigung für meine Leistungen bekam.

Da die Suche nach einem Arzt der das bei einem erwachsenen Menschen diagnostizieren kann nicht einfach war und ich einfach *jetzt* und nicht erst in einem Jahr oder so anfangen wollte was zu machen habe ich einfach mal angefangen das zu machen was an allen möglichen Ecken empfohlen wurde. Haushalts-Haßjobs mit Timer, leichte Sachen zuerst um ein Erfolgserlebnis zu haben statt nach dem Motto "Erst die Arbeit dann das Vergnügen" unbedingt die allerschwerste Sache zuerst anzugehen. Mein Haushaltschaos bessert sich...auch wenns noch ein langer Weg ist.

Für mich ist ein wesentlicher Schlüssel die Information was und warum bei AD(H)S passiert, endlich verstehe ich warum bestimmte Dinge von denen jeder Normalo glaubt daß sie kinderleicht sind für mich eben nicht kinderleicht sind. Es hilft zu wissen daß es nicht an meiner "Blödheit" liegt sondern daran daß für mich Handlungsstrategien von Normalos schlecht oder gar nicht funktionieren und ich eben andere brauche, die sich durchaus auch finden lassen.
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Re: ADS ...oder was ist es nun?

Beitrag von pando » 13. November 2012 06:41

Hallo eule

Jahre lang hab ich mich falsch zugeordnet und immer gewundert, warum ich mit Strategien, mit denen ich hätte klar kommen müssen, nichts anfangen kann.

Ich hab einfach nicht in Betracht gezogen, das etwas auf mich zutreffen könnte, was ich mehr oder minder mein ganzes Leben vor den Augen hatte.

Ich fange schon an, Dinge anders zu organisieren und kann zum ersten Mal feststellen, das sich so etwas verändert.


Da ich mich von meinem Hausarzt mehr als nicht verstanden fühlte, habe ich die letzten Tage damit verbracht, mir jemanden zu suchen, der mich bis zu meinem Termin im April begleitet.
Am Donnerstag hab ich nun einen Termin bei einer Ärztin in meiner Nähe, die auch Psychotherapeutisch arbeitet.

Derzeit brauch ich einfach "Rückendeckung" da sich bei uns zu Hause in den letzten Wochen sehr viel geändert hat. Bei meiner Mittleren müssen die Medikamente angepasst werden und geschaut, wie wir sie bei ihren Problemen seit dem Schulwechsel besser unterstützen können. Meine Große mischt wieder alles auf und seit Mittwoch ist klar das unser Mittlerer auch zur Diagnostik ansteht....lange Geschichte.
:biene: 3
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